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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zum Bremsen eines Kraftfahrzeugs
mit einem dezentralen elektrischen Bremssystem, das Bremsaktuatoren aufweist,
die den Rädern
des Kraftfahrzeugs zugeordnet sind und die nach einer Verteilung
einer Gesamtbremsmomentenanforderung unabhängig voneinander einen durch
die Verteilung vorgesehenen Teil des angeforderten Bremsmoments
erzeugen, wobei im Falle mindestens eines fehlerhaften Bremsaktuators
dieser kein oder nur eingeschränkt
seinen Teil des angeforderten Bremsmoments erzeugt.
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Stand der Technik
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Dezentrale
elektrische Bremssysteme – Brake-by-Wire-Systeme – sind Bremssysteme
in Kraftfahrzeugen, bei denen keine mechanische Wechselwirkung zwischen
einem Bedienelement und mindestens einem Bremsaktuator besteht,
sondern sowohl die Energie- als auch die Informationsübertragung rein
elektrisch beziehungsweise elektronisch erfolgt. Derartige Systeme
wurden bisher sowohl in Prototypenfahrzeugen als auch vereinzelt
schon in Serienfahrzeugen als elektromechanische, elektrohydraulische
oder selbstverstärkende,
mechatronische Bremssysteme realisiert. Ein Merkmal solcher Bremssysteme
ist, dass die Bremswirkung an jedem Rad eines Fahrzeugs individuell
eingestellt werden kann. Bei hydraulischen oder pneumatischen Bremssystemen
dagegen werden typischerweise mindestens zwei Bremsaktuatoren miteinander
zusammengeschaltet und damit auch deren jeweilige Bremswirkung.
Ein Fehler in einem derartigen Bremssystem wirkt sich somit meist
auf zwei Bremsaktuatoren aus. Typischerweise wird die Zusammenschaltung
so gewählt,
dass sich zwei Bremsaktuatoren diagonal am Fahrzeug gegenüberliegen.
Auf diese Weise soll ein aus dem Fehler eines Bremsaktuators resultierendes Ungleichgewicht
der wirkenden Bremskräfte
bezogen auf die Fahrzeugseiten reduziert werden und ein beim Bremsen
entstehendes Giermoment am Fahrzeug eine Obergrenze nicht überschreiten.
Nachteilig dabei ist jedoch, dass die erzielbare Verzögerung reduziert
und damit der Bremsweg verlängert
wird. Die bisherige Strategie bei einem Fehler eines Bremsaktuators
in einem Brake-by-Wire-System
ist mit der Strategie vergleichbar, die bei hydraulischen oder pneumatischen
Bremssystemen angewandt wird. Bei Ausfall eines Bremsaktuators wird
der Bremsaktuator auf der diagonal gegenüberliegenden Fahrzeugseite ebenfalls
abgeschaltet und/oder in seiner Bremswirkung deutlich eingeschränkt, aber
in diesem Fall reduziert sich die erzielbare Verzögerung und
es verlängert
sich der Bremsweg.
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Offenbarung der Erfindung
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Aufgrund
des erfindungsgemäßen Verfahrens
ist vorgesehen, dass das zum angeforderten Gesamtbremsmoment fehlende
Bremsmoment des fehlerhaften Bremsaktuators durch Neuverteilung
der Gesamtbremsmomentenanforderung auf den oder die verbleibenden
funktionsfähigen
Bremsaktuator/Bremsaktuatoren zumindest teilweise oder vollständig aufgehoben
wird. Derartige dezentrale elektrische Bremssysteme auf elektromechanischer, elektrohydraulischer
und/oder selbstverstärkender mechatronischer
Basis – Brake-by-Wire-Systeme – ermöglichen
es, das angeforderte Gesamtbremsmoment dynamisch auf die einzelnen
Bremsaktuatoren zu verteilen. Somit ergibt sich das Gesamtbremsmoment
aus der Summe der von den einzelnen Bremsaktuatoren aufgebrachten
Bremsmomenten. Das erfindungsgemäße Verfahren
ermöglicht
es, einen Ausfall eines oder mehrerer Bremsaktuatoren in einem Brake-by-Wire-System
entgegenzuwirken und die Auswirkungen auf das Fahrzeugverhalten
teilweise oder vollständig
zu kompensieren. Insbesondere die deutliche Verlängerung des Bremswegs, wie
sie im Stand der Technik vorliegt, wird reduziert.
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In
einer vorteilhaften Ausführungsform
ist vorgesehen, dass die Gesamtbremsmomentenanforderung von einem
Fahrer und/oder von einem Steuergerät vorgegeben wird. Typischerweise
wird die Gesamtbremsmomentenanforderung von einem Fahrer des Fahrzeugs,
beispielsweise durch Betätigen
eines Bremspedals, vorgegeben. Durch den Einsatz eines Steuergeräts können Fahrassistenzsysteme
eingesetzt werden, die die Gesamtbremsmomentenanforderung des Fahrers
gemäß vorgegebener Richtlinien
abändern
oder vollständig
unabhängig vom
Fahrer vorgeben.
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Nach
einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass das fehlende
Bremsmoment durch einen Soll-Ist-Wertvergleich ermittelt wird. Es
wird ein Bremsmomentenverlust bestimmt, indem ermittelte Bremsmomente-Istwerte-einzelner Bremsaktuatoren
mit einer nominalen Bremsmomentenverteilung verglichen werden, die
als Sollwert dienen.
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Nach
einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass die Neuverteilung
der Gesamtbremsmomentenanforderung anhand von mindestens einem Bremsmomentenpotential
von mindestens einem funktionsfähigen
Bremsaktuator und/oder anhand des fehlenden Bremsmoments erfolgt.
Das Bremsmomentenpotential beschreibt das maximale zusätzlich erzeugbare
Bremsmoment eines funktionsfähigen
Bremsaktuators zum aktuellen Zeitpunkt und somit eine Stellgrößenbeschränkung. Die
Kenntnis dieser radindividuellen Bremsmomentenreserven erlaubt die
Neuverteilung des geforderten Gesamtbremsmoments unter Berücksichtigung
der Stellgrößenbeschränkung und
damit eine optimale und realistische Umsetzung der Bremsmomenten-Anforderung durch
die verbleibenden, funktionsfähigen Bremsaktuatoren.
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Nach
einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass das Bremsmomentenpotential
mittels einer Raddrehzahl, fahrzeugspezifischen Parametern und/oder
einer kritischen Schlupfgrenze der Räder ermittelt wird. Die Bestimmung
des Bremsmomentenpotentials ausschließlich aus fahrzeugspezifischen
Parametern, wie beispielsweise der Fahrzeugmasse und dem maximalen
Bremsdruck, kann dadurch optimiert werden, dass als zusätzliche
Parameter die Raddrehzahl und/oder die kritische Schlupfgrenze berücksichtigt
werden. Dabei stellt die kritische Schlupfgrenze diejenige Grenze
dar, bei der ein Rad bezüglich
einer Fahrbahnoberfläche
von einem Rollen in ein Gleiten übergeht.
Die Raddrehzahl kann beispielsweise in der Art berücksichtigt
werden, dass eine zu niedrige Raddrehzahl gegenüber der tatsächlichen Fahrzeuggeschwindigkeit
ebenfalls als ein teilweises oder vollständiges Gleiten des Rades gegenüber der
Fahrbahnoberfläche
interpretiert wird. Da ein Gleiten der Räder aus Sicherheitsgründen unerwünscht ist,
dient die Berücksichtigung
der Raddrehzahl und/oder der kritischen Schlupfgrenze einer erhöhten Sicherheit
bei einem Bremsvorgang des Fahrzeugs, die insbesondere dann verstärkt betrachtet
werden muss, wenn bereits ein Fehler in einem sicherheitsrelevanten
System wie dem Bremssystem vorliegt. Die Kenntnis dieser radindividuellen
Bremsmomentenreserven erlaubt die Neuverteilung des geforderten
Gesamtbremsmoments und damit die optimale Umsetzung der Gesamtbremsmomentenanforderung,
insbesondere unter sicherheitstechnischen Aspekten, mit den verbleibenden,
funktionsfähigen
Bremsaktuatoren.
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Nach
einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass bei der Neuverteilung
der Gesamtbremsmomentenanforderung ein Giermoment um die Hochachse
des Kraftfahrzeugs zumindest teilweise oder vollständig verhindert
wird. Bei Ausfall eines Bremsaktuators auf einer Seite des Fahrzeugs
entsteht eine Asymmetrie in der Kräfteverteilung bezüglich des
Gesamtfahrzeugs. So wirkt auf der Seite des Kraftfahrzeugs auf der
die Bremsaktuatoren vollständig
funktionsfähig
sind eine höhere
Kraft als auf der Seite auf der die Bremsaktuatoren teilweise oder
gar nicht funktionstüchtig
sind. Durch dieses Kräfteungleichgewicht
entsteht ein Giermoment für
das gesamte Fahrzeug, also ein Drehmoment, welches um eine Hochachse
des Kraftfahrzeugs wirkt. Damit wird das Kraftfahrzeug bei einem
derartigen Bremsvorgang zu der Seite hingedreht, auf der die Bremsaktuatoren
noch funktionsfähig
sind. Um den Fahrer nicht mit einem derartigen Giermoment zu überraschen und
damit eine spontane Fehlreaktion des Fahrers zu provozieren, ist
es vorteilhaft, derartige Giermomente möglichst vollständig zu
verhindern, aber auch eine nur teilweise Verhinderung des Giermoments
stellt bereits eine deutliche Verbesserung aus sicherheitstechnischer
Sicht dar.
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Nach
einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass bei einem
Giermoment, das nicht vollständig
verhindert wird, die Gesamtbremsmomentenanforderung zunächst reduziert
wird, um durch die Neuverteilung das Giermoment nur langsam zuzulassen.
Es ist vorteilhaft, wenn im Falle eines nicht vollständig kompensierbaren
Giermoments zunächst
die Gesamtbremsmomentenanforderung auf ein Maß reduziert wird, soweit dies
aus sicherheitstechnischer Sicht zulässig ist, bei dem das Giermoment
vollständig
kompensiert werden kann. Ausgehend von diesem reduzierten Gesamtbremsmoment
wird das geforderte Gesamtbremsmoment allmählich aufgebaut, um auf diese
Weise einen stabilen, beherrschbaren Zustand des Kraftfahrzeugs
beizubehalten und eine spontane Fehlreaktion des Fahrers zu verhindern.
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Nach
einer Weiterbildung ist vorgesehen, dass das Verfahren in einem
Kraftfahrzeug mit einem automatisierten Lenksystem verwendet wird,
insbesondere einem elektrischen, hydraulischen und/oder pneumatischen
Lenksystem, das selbsttätig
nach entsprechender Vorgabe einen Lenkwinkel einstellt.
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Nach
einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass das Giermoment
zumindest teilweise oder vollständig
durch einen Lenkeingriff, insbesondere automatischen Lenkeingriff,
des automatisierten Lenksystems ausgeglichen wird. Steht ein derartiges
Lenksystem zur Verfügung,
so ist es vorteilhaft, insbesondere wenn ein Giermoment durch die
Neuverteilung der Gesamtbremsmomentenanforderung nicht mehr ausgeglichen
werden kann, dieses durch einen Lenkeingriff des Lenksystems auszugleichen.
Auch ist es denkbar, bei einer benötigten sehr starken Verzögerung zunächst ein
starkes Giermoment durch Asymmetrien in der Bremsmomentenverteilung
zuzulassen, um diese durch einen Lenkeingriff zu kompensieren, wodurch
der gesamte Bremsweg erheblich verkürzt wird.
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Bremsvorrichtung
mit einem dezentralen elektrischen Bremssystem, insbesondere zur
Durchführung
des vorherigen Verfahrens, wobei das Bremssystem eine Steuereinrichtung
und Bremsaktuatoren aufweist, die den Rädern des Kraftfahrzeugs zugeordnet
sind und die nach einer durch die Steuereinrichtung verteilten Gesamtbremsmomentanforderung
unabhängig
voneinander einen durch die Verteilung vorgesehenen Teil des angeforderten Gesamtbremsmoments
erzeugen, wobei im Falle mindestens eines fehlerhaften Bremsaktuators
dieser keinen oder nur eingeschränkt
seinen Teil des angeforderten Gesamtbremsmoments erzeugt. Es ist vorgesehen,
dass die Steuereinrichtung eine Gesamtbremsmomentenneuverteilungseinrichtung aufweist,
die das zum angeforderten Gesamtbremsmoment fehlende Bremsmoment
des fehlerhaften Bremsaktuators durch Neuverteilung der Gesamtbremsmomentenanforderung
auf den oder die verbleibenden funktionsfähigen Bremsaktuator/Bremsaktuatoren
zumindest teilweise oder vollständig
aufhebt.
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Nach
einer Weiterbildung der Erfindung ist vorgesehen, dass der Bremsvorrichtung
ein automatisiertes Lenksystem zugeordnet ist.
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Kurze Beschreibung der Zeichnungen
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Die
Zeichnungen veranschaulichen die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen,
und zwar zeigt:
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1 einen
allgemeinen Verlauf eines Verfahrens zur Beherrschung und Kompensation
von Ausfällen
einer Bremsaktuatorik,
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2 einen
detaillierten Verlauf des Verfahrens bei Ausfall eines einzelnen
Bremsaktuators,
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3 einen
detaillierten Verlauf des Verfahrens bei Ausfall zweier Bremsaktuatoren,
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4 eine
Systemtopologievariante zur Realisierung des Verfahrens,
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5 eine
weitere alternative Systemtopologievariante,
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6 eine
weitere alternative Systemtopologievariante,
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7 eine
weitere alternative Systemtopologievariante und
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8 eine
weitere alternative Systemtopologievariante.
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Ausführungsform(en)
der Erfindung
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Die 1 zeigt
eine allgemeine Vorgehensweise des erfindungsgemäßen Verfahrens 1 zur
Beherrschung und Kompensation von Ausfällen einer Bremsaktuatorik
eines dezentralen elektrischen Bremssystems. Das Verfahren 1 besteht
aus vier Verfahrensschritten 2, die sequenziell ablaufen
und wird anhand des Beispiels eines nicht dargestellten dezentralen
elektrischen Bremssystems mit vier Bremsaktuatoren für vier Räder eines
Kraftfahrzeugs beschrieben. Die einzelnen Räder und die entsprechend zugeordneten
Bremsaktuatoren werden anhand ihrer Position mit VL (Vorne Links),
VR (Vorne Rechts), HL (Hinten Links) und HR (Hinten Rechts) gekennzeichnet.
Im ersten Verfahrensschritt 2 wird eine nominale Verteilung 3 einer
Gesamtbremsmomentenanforderung MB_ges durchgeführt. Die
Gesamtbremsmomentenanforderung MB_ges wird
der nominalen Verteilung 3 über den Pfeil 7 zugeführt, welche
sie in Soll-Bremsmomente
MB_VL_soll, MB_VR_soll, MB_HL_soll und MB_HR_soll der
einzelnen Räder
aufteilt. Jene Werte werden über
einen Pfeil 8 an eine Fehlererkennung 4 weitergegeben.
Diese erhält
außerdem gemessene,
aktuelle Ist-Bremsmomente MB_VL_ist, MB_VR_ist, MB_HL_ist und
MB_HR_ist der jeweiligen Räder über einem
Pfeil 9. Die Ist-Bremsmomente MB_VL_ist, MB_VR_ist, MB_HL_ist und
MB_HR_ist können alternativ aus anderen
gemessenen Größen ermittelt
oder modellbasiert bestimmt werden. Ein Ausfall eines oder mehrerer
Bremsaktuatoren wird durch einen Vergleich der zugeführten Soll-Bremsmomente
MB_VL_soll, MB_VR_soll,
MB_HL_soll und MB_HR_soll mit
den gemessenen Ist-Bremsmomenten MB_VL_ist,
MB_VR_ist, MB_HL_ist und MB_HR_ist detektiert. Anhand der Detektion
wird jedem Rad eine Statusangabe SVL, SVR, SHL und SHR zugeordnet, welche die zugehörigen Bremsaktuatoren entweder
als fehlerfrei oder fehlerhaft kennzeichnen. Die Statusangaben SVL, SVR, SHL und SHR werden über einen
Pfeil 10 an einen dritten Verfahrensschritt 2,
eine Bestimmung 5 eines Bremsmomentverlustes MB_Verlust,
weitergegeben. Sind alle Bremsaktuatoren im dritten Verfahrensschritt 2 fehlerfrei,
so kann das Verfahren 1 an dieser Stelle beendet oder für eine zyklische
Abarbeitung erneut begonnen werden. Wird jedoch mindestens ein fehlerhafter
Bremsaktuator i erkannt, dann wird abermals ein Soll-Ist-Wert-Vergleich durchgeführt, wobei
die Differenz zwischen dem entsprechenden Soll-Bremsmoment MB_i_soll und dem
Ist-Bremsmoment MB_i_ist am fehlerhaften Bremsaktuator
i berechnet wird, welche das fehlende Bremsmoment MB_Verlust ist.
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Das
fehlende Bremsmoment MB_Verlust wird über einen
Pfeil 10 an einen vierten Verfahrensschritt 2 weitergegeben,
welcher eine Neuverteilung 6 der Gesamtbremsmomentenanforderung
MB_ges ist. Der Neuverteilung 6 werden
zusätzlich über einen
Pfeil 12 Raddrehzahlen nVL, nVR, nHL und nHR sowie über
einen Pfeil 13 radindividuelle Bremsmomentenreserven MB_VL_res, MB_VR_res,
MB_HL_res und MB_HR_res zugeführt. Ergebnis
der Neuverteilung 6 sind angepasste radindividuelle Soll-Bremsmomente
M*B_VL_soll, M*B_VR_soll,
M*B_HR_soll und M*B_HL_soll,
die über
einen Pfeil 14 an das dezentrale elektrische Bremssystem weitergegeben
werden.
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2 zeigt
einen detaillierten Ablauf der Neuverteilung 6 der Gesamtbremsmomentenanforderung
MB_ges für
den Fall, dass ein einzelner Bremsaktuator i fehlerhaft arbeitet.
Im Folgenden werden relative Bezeichnungen i, k, l und m für Räder und
deren Bremsaktuatoren verwendet, wodurch das beschriebene Verfahren
in gleicher Weise auf alle Räder
VL, VR, HL und HR angewendet werden kann. Dabei liegt das Radpaar
i und k und das Radpaar l und m jeweils auf einer Fahrzeugseite,
wobei sich jeweils die Räder
i und l und die Räder
k und m gegenüberliegen. Die Neuverteilung 6 ist in 3 von
einer gestrichelten Linie umgeben. Das Ablaufbild besteht grundlegend
aus drei verschiedenen Elementen, Verfahrensschritten 2,
welche rechteckig dargestellt sind, Entscheidungspunkten (zum Beispiel
15), welche rautenförmig
dargestellt sind und Pfeilen (zum Beispiel 16), die den Ablauf zwischen
den Verfahrensschritten 2 und den Entscheidungspunkten kennzeichnen.
Aus Gründen
der Einfachheit sind nicht alle Verfahrensschritte 2 mit
Bezugszeichen versehen. Wie in 1 im Prinzip
gezeigt, werden der Neuverteilung 6 über den Pfeil 16 das
fehlende Bremsmoment MB_i_Verlust am Rad
i mit fehlerhaftem Bremsaktuator i zugeführt. Ferner werden über den Pfeil 13 die
radindividuellen Bremsmomentenreserven MB_i_res,
MB_m_res, MB_l_res MB_k_res an die Neuverteilung 6 übergeben.
Diese dienen bei einer Veränderung
radindividueller Soll-Bremsmomente
als Obergrenze (Stellgrößenbeschränkung).
In den dem Pfeil 16 folgenden Verfahrensschritt 2 wird
eine Bremsmomentenerhöhung 17 an
Rad k vorgenommen. Die Erhöhung
erfolgt mit einem großen
Anstiegsgradienten, um das fehlende Bremsmoment MB_i_Verlust schnell auszugleichen.
Daraus resultiert ein erhöhtes Soll-Bremsmoment
MB_k_soll am Rad k. Im Entscheidungspunkt 15 wird
geprüft,
ob eine kritische Schlupfgrenze am Rad k erreicht ist. Die Berechnung der
kritischen Schlupfgrenze erfolgt anhand der gemessenen Raddrehzahlen
ni, nk, nl und nm, welche über den
Pfeil 12 zugeführt
werden. Ist die kritische Schlupfgrenze nicht erreicht, wird über einen
Pfeil 19 zu einem Entscheidungspunkt 20 übergegangen, welcher
prüft,
ob das fehlende Bremsmoment MB_i_Verlust am
Rad i bereits kompensiert wurde. Ist dies der Fall, dann wird über einen
Pfeil 21 zu einem abschließenden Verfahrensschritt 22 gewechselt,
in welchem neue Soll-Bremsmomente M*B_k_soll,
M*B_l_soll und M*B_m_soll bestimmt
werden, wobei das neue Soll-Bremsmoment M*B_i_soll an
dem fehlerbehafteten Bremsaktuator i gleich Null ist. Ist jedoch
das fehlende Bremsmoment MB_i_Verlust im
Entscheidungspunkt 20 nicht vollständig kompensiert, dann wird
ein neues angepasstes fehlendes Bremsmoment MB_i_Verlust über den
Pfeil 23 zurück
an den Verfahrensschritt 17 weitergeleitet. Dieser Vorgang
vom Entscheidungspunkt 18 zum Verfahrensschritt 17 erfolgt
zyklisch, bis das fehlende Bremsmoment MB_i_Verlust vollständig kompensiert
ist, oder im Entscheidungspunkt 18 der kritische Schlupf
am Rad k erreicht ist, bevor das fehlende Bremsmoment MB_i_Verlust vollständig kompensiert werden
kann. In diesem Fall wird ein verbleibendes fehlendes Bremsmoment
MB_Verlust_Re über den Pfeil 24 an
den Entscheidungspunkt 25 übergeben. In dem Entscheidungspunkt 25 wird überprüft, ob das verbleibende
fehlende Bremsmoment MB_Verlust_Re oberhalb
einer vordefinierten Schwelle MLim liegt.
Ist dies der Fall, wird im weiteren Verlauf über ein Verfahrensblock 26 verfahren,
andernfalls wird über
einen Verfahrensblock 27 weiterverfahren. Die Verfahrensblöcke 26 und 27 sind
jeweils durch strichpunktierte Linierungen zusammengefasst. In diesen
Verfahrensblöcken 26 und 27 werden
in Abhängigkeit des
restlichen fehlenden Bremsmoments MB_Verlust_Re im
Vergleich zu der definierten Schwelle MLim eine
Erhöhung
der beiden Soll-Bremsmomente MB_l_soll und MB_m_soll an den Rädern l und m durchgeführt. Der Verfahrensblock 26 beginnt
mit einem Verfahrensschritt 28, in welchem die Soll-Bremsmomente MB_l_soll und MB_m_soll der
Räder l
und m erhöht
werden. Da die Schwelle MLim im Entscheidungspunkt 25 überschritten
wurde und somit ein sehr hoher Bremsmomentenverlust ausgeglichen
werden muss, wird diese Erhöhung
mit einem kleinen Anstiegsgradienten durchgeführt, um keine zusätzlichen
Sicherheitsrisiken zu erzeugen. Denn in diesem Verfahrensblock 26 gilt,
da das restliche fehlende Bremsmoment MB_Verlust_Re größer als
die definierte Schwelle MLim ist, kann die
Kompensation des fehlenden Bremsmoments MB_Verlust_Re nur durch
eine stark asymmetrische Bremsmomentenverteilung bezüglich der
Fahrzeuglängsachse
erreicht werden. Diese asymmetrische Bremsmomentenverteilung führt zu einem
unerwünschten
Giermoment, das auf das gesamte Fahrzeug wirkt. Um sowohl dem Fahrer
als auch Fahrzeugsteuersystemen die Möglichkeit zu geben, diesem
Giermoment durch entsprechende Eingriffe entgegenwirken zu können, wird
in einem derartigen Fall die Erhöhung
der Soll-Bremsmomente MB_l_Soll, MB_m_soll an den Bremsaktuatoren der Räder l und
m mit einem Anstiegsgradienten durchgeführt, welcher ein Maximum nicht übersteigt,
das ein für
den Fahrer nicht mehr beherrschbares Giermoment hervorrufen würde. Nach
der Erhöhung
der Soll-Bremsmomente wird über einen
Pfeil 29 zu einem Entscheidungspunkt 30 gewechselt,
welcher prüft,
ob der kritische Schlupf am Rad l erreicht ist. Ist dies der Fall,
wird über
einen Pfeil 31 zu einem Verfahrensschritt 2 gewechselt,
in welchem eine Erhöhung 32 des Soll-Bremsmoments
MB_m_soll am Rad m durchgeführt wird,
wobei der Anstiegsgradient ebenfalls klein gehalten ist. Im Anschluss
an diese Erhöhung
erfolgt nach einem Pfeil 33 ein Entscheidungspunkt 34,
welcher prüft,
ob der kritische Schlupf am Rad m erreicht ist. Ist dies der Fall,
kann das Verfahren 1 über
einen Pfeil 35 und dem damit verbundenen abschließenden Verfahrensschritt 22 abgeschlossen
werden. Ist im Entscheidungspunkt 34 der kritische Schlupf
am Rad m nicht erreicht, so wird nach einem Pfeil 36 ein weiterer
Entscheidungspunkt 37 verwendet, welcher prüft, ob das
fehlende Bremsmoment MB_i_Verlust am Rad
i kompensiert ist. Ist dies der Fall, dann wird der abschließende Verfahrensschritt 22 durch
einen Pfeil 38 eingeleitet. Ist das fehlende Bremsmoment MB_i_Verlust am Rad i jedoch nicht kompensiert,
so wird das Verfahren 1 mittels des Pfeils 39 einem
Verfahrensschritt 32 zurückgeführt, wo es zyklisch weitergeführt wird,
bis der abschließende
Verfahrensschritt 22 eingeleitet wird. Ist andererseits
im Entscheidungspunkt 30 festgestellt worden, dass der
kritische Schlupf am Rad i nicht erreicht ist, dann wird über einen
Pfeil 40 in einen Entscheidungspunkt 41 übergegangen,
welcher prüft,
ob der kritische Schlupf am Rad m erreicht ist. Ist dies der Fall,
wird über
einen Pfeil 42 zu einem Verfahrensschritt 43 übergegangen,
welcher das Soll-Bremsmoment MB_l_soll am
Rad l erhöht,
wobei dies mit einem kleinen Anstiegsgradienten geschieht. Im Anschluss
an den Verfahrensschritt 43 führt das Verfahren 1 über einen
Pfeil 44 auf einen Entscheidungspunkt 45, welcher überprüft, ob der
kritische Schlupf am Rad l erreicht wird. Ist dies der Fall, so
wird über
einen Pfeil 46 der abschließende Verfahrensschritt 22 eingeleitet.
Ist dies jedoch nicht der Fall, dann wird über einen Pfeil 47 ein weiterer
Entscheidungspunkt 48 verwendet, welcher prüft, ob das
fehlende Bremsmoment MB_i_Verlust am Rad
i bereits kompensiert wurde. Ist dies der Fall, wird über einen
Pfeil 49 der abschließende
Verfahrensschritt 22 eingeleitet. Ist jedoch das fehlende Bremsmoment
MB_i_Verlust am Rad i nicht kompensiert, so
wird das Verfahren 1 über
einen Pfeil 50 zum Verfahrensschritt 43 zurückgeführt. Ist
im Entscheidungspunkt 41 der kritische Schlupf am Rad m
noch nicht erreicht, so wird das Verfahren 1 über einen Pfeil 51 zu
einem Entscheidungspunkt 52 weitergeführt, in welchem geprüft wird,
ob das fehlende Bremsmoment MB_i_Verlust am
Rad i kompensiert worden ist. Ist dies der Fall, wird über einen
Pfeil 53 der abschließende
Verfahrensschritt 22 eingeleitet. Anderweitig wird über einen
Pfeil 54 das Verfahren zu Verfahrensschritt 28 zurückgeführt. Damit
ist der Verfahrensblock 26 abgeschlossen. Der Verfahrensblock 27 wird
dann eingesetzt, wenn im Entscheidungspunkt 25 festgestellt
wird, dass das restliche fehlende Bremsmoment MB_Verlust_Re kleiner
als die definierte Schwelle MLim ist. Der
Verfahrensblock 27 gleicht dem Verfahrensblock 26 mit
dem Unterschied, dass in den Erhöhungen 55, 56 und 57 der entsprechenden
Soll-Bremsmomente nicht wie in den entsprechenden Verfahrensschritten 2 des
Verfahrensblocks 26 mit einem kleinen Anstiegsgradienten
durchgeführt
werden, sondern sie werden mit einem großen Anstiegsgradienten durchgeführt, um das
Verfahren 1 zu beschleunigen, da kaum oder kein Sicherheitsrisiko
besteht.
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Die 3 zeigt
das Verfahren 1, für
den Fall, dass zwei Bremsaktuatoren fehlerhaft sind. In dem dargestellten
Beispiel werden die Bremsaktuatoren i und k als fehlerhaft angenommen.
Dabei ist die Neuverteilung 6 der Gesamtbremsmomentenanforderung
MB_ges im Detail dargestellt. Der Fehlererkennung 4 werden über den
Pfeil 8 die aktuellen Soll-Bremsmomente MB_i_soll,
MB_k_soll, MB_l_soll und MB_m_soll zugeführt. Aus diesen Werten und
den aktuell an den Bremsaktuatoren anliegenden Ist-Bremsmomenten
MB_i_ist, MB_k_ist,
MB_l_ist und MB_m_ist,
welche über
den Pfeil 9 zugeführt
werden, werden die Fehlfunktionen der Bremsaktuatoren detektiert,
wie dies in 1 und 2 beschrieben
wurde. Über
den Pfeil 10 werden die Statusangaben SVL,
SVR, SHL und SHR der Bremsaktuatoren an die Bestimmung 5 des Bremsmomentverlustes MB_Verlust weitergeleitet. Dieser bestimmt
ein fehlendes Bremsmoment MB_L an einer
linken Fahrzeugseite und ein fehlendes Bremsmoment MB_R an
einer rechten Fahrzeugseite in Fahrtrichtung betrachtet. Anschließend werden
diese zu einem Gesamtbremsmoment MB_Gesamtvelust summiert
und mittels eines Pfeils 11 an einen Entscheidungspunkt 58 und
somit an die Neuverteilung 6 der Gesamtbremsmomentenanforderung
MB_ges weitergegeben. Der Entscheidungspunkt 58 prüft, ob die beiden
fehlerhaften Bremsaktuatoren i und k auf einer Fahrzeugseite, bezogen
auf die Längsachse
des Fahrzeugs, angeordnet sind. Ist dies der Fall, so kann die Kompensation
des fehlenden Bremsmoments MB_Verlust nur
durch eine stark asymmetrische Bremsmomentenverteilung in Bezug
auf die Fahrzeuglängsachse
erreicht werden. Diese asymmetrische Bremsmomentenverteilung führt zu dem
unerwünschten
Giermoment, das um die Hochachse des gesamten Fahrzeugs wirkt. Ausgehend
von dem Entscheidungspunkt 58 wird das fehlende Bremsmoment
MB_Verlust über einen Pfeil 59 an
einen ersten Verfahrensblock 60 weitergegeben. Dieser Verfahrensblock 60 gleicht
dem Verfahrensblock 26 der 2, wobei
sich die Entscheidungspunkte 61, 62 und 63 derart
von den entsprechenden Entscheidungspunkten des Verfahrensblocks 26 unterscheiden,
dass in diesen Entscheidungspunkten 61, 62 und 63 das
fehlende Gesamtbremsmoment MB_Gesamtvelust überprüft wird.
Sind die fehlerhaften Bremsaktuatoren i und k auf beiden Fahrzeugseiten
verteilt, dann wird ausgehend vom Entscheidungspunkt 58 über einen
Pfeil 64 ein zweiter Verfahrensblock 65 weiterverfolgt.
Dieser Verfahrensblock 65 gleicht dem zweiten Verfahrensblock 27 der 2.
Er enthält,
wie auch der Verfahrensblock 60, Entscheidungspunkte 58, 59 und 60. Nach
erfolgreicher Durchführung
eines der Verfahrensblöcke 60 oder 65 wird
ein abschließender
Verfahrensschritt 66 durchgeführt, welcher den verbleibenden,
betriebsfähigen
Bremsaktuatoren l und m entsprechende neue Soll-Bremsmomente M*B_l_soll und M*B_m_soll zuordnet,
wobei die Soll-Bremsmomente an die fehlerhaften Bremsaktuatoren
M*B_i_soll und M*B_k_soll auf
Null gesetzt werden.
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Die 4 zeigt
eine Systemtopologievariante 67 zur Realisierung des erfindungsgemäßen Verfahrens 1.
Das Verfahren 1 ist dabei einer einem Bremssystem 68 übergeordneten
Fahrdynamikregelung 69 zugeordnet. Die Fahrdynamikregelung 69 erhält dabei
Raddrehzahlen nVL, nVR,
nHL und nHR einer nicht
dargestellten Raddrehzahlerfassung und kann zusätzlich Informationen einer
weiteren Sensorik, wie beispielsweise einer Lenkwinkelerfassung, über einen
Pfeil 70 beziehen. Im Weiteren gibt das Bremssystem 68 eine
vom Fahrer erzeugt Gesamtbremsmomentenanforderung MB_ges und
die Statusangaben SVL, SVR,
SHL und SHR über den
Datenbus 71 an die Fahrdynamikregelung 69 weiter.
Das Verfahren 1 nimmt eine Neuverteilung 6 der
Gesamtbremsmomentenanforderung MB_ges vor
und sendet die Ergebnisse MB_i_soll, MB_k_soll, MB_l_soll und
MB_m_soll über den Datenbus 71 zurück an das
Bremssystem 68. Diese Systemtopologie 67 erlaubt
ebenfalls den Eingriff in andere Fahrzeugssysteme, wie einem Lenksystem 73 über den
Datenbus 71 oder einen weiteren, gesonderten Datenbus.
Dadurch verbessert sich die Kompensation des fehlenden Bremsmoments MB_Verlust im Falle einer unvermeidbaren asymmetrischen
Verteilung auf verschiedene Fahrzeugseiten. Bei einem Ausfall der
Fahrdynamikregelung 69 ist innerhalb des Bremssystems 68 zusätzlich eine
rudimentäre
Bremsmomentenneuverteilung 74 nach dem Stand der Technik
vorgesehen.
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Die 5 zeigt
eine Systemtopologievariante 75, die der Systemtopologievariante 67 der 4 gleicht,
mit dem Unterschied, dass das Bremssystem 68 für die Fassung
der Raddrehzahlen nVL, nVR,
mHL und nHR und
deren Übermittlung
an die Fahrdynamikregelung 69 mittels des Datenbusses 71 eingesetzt wird.
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Die 6 zeigt
eine Systemtopologievariante 76, in der das erfindungsgemäße Verfahren 1 von dem
Bremssystem 68 angewendet wird. Hierfür müssen die Raddrehzahlen nVL, nVR, nHL und nHR von der Fahrdynamikregelung 69 mittels
des Datenbusses 71 an das Bremssystem 68 übermittelt
werden. Ein Ausfall der Fahrdynamikregelung 69 ist bei
dieser Systemtopologievariante 76 im Bremssystem 68 durch
zusätzliche
Maßnahmen
abzusichern.
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Die 7 zeigt
eine Systemtopologievariante 77, die der Systemtopologievariante 76 der 6 gleicht,
mit dem Unterschied, dass in der Systemtopologievariante 77 das
Bremssystem 68 für
die Erfassung der Raddrehzahlen nVL, nVR, nHL und nHR und deren Übermittlung an die Fahrdynamikregelung
mittels des Datenbusses 71 zuständig ist. Ein Ausfall der Fahrdynamikregelung 69 ist
bei einer derartigen Konfiguartion nicht gesondert zu berücksichtigen,
wohingegen ein Ausfall der Raddrehzahlerfassung in einer weiteren
Degratationsstrategie betrachtet werden muss.
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Die 8 zeigt
eine Systemtopologievariante 78, die einen integrierten
Lösungsansatz
darstellt. Sowohl die Fahrdynamikregelung 69 als auch deren Zusatzsensorik 70 sind
Bestandteil des Bremssystems 68. Damit hat das Bremssystem 68 alle
Informationen, um während
eines Bremsaktuatorausfalls auch weitere Fahrzeugsysteme, wie zum
Beispiel ein elektrisches Lenksystem 73 zur Kompensation
beziehungsweise Eindämmung
der Auswirkung eines Bremsaktuatorausfalls mit einzubeziehen.