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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erzeugung von Kontaktöffnungen
in Trägern von Dünnschichtleitbahnen und zur Herstellung
von elektrischen Verbindungen durch derartige Kontaktöffnung von
den auf der Vorderseite aufgebrachten Schicht(en) auf die Rückseite
des Trägers der Dünnschichtleitbahnen.
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Mit
Erhöhung der Funktionalität von elektrischen,
elektronischen oder optoelektronischen Schaltungen besteht die Notwendigkeit,
die Verdrahtung der Bauelemente in mehreren Ebenen zu führen.
Dies ist aus der Mikroelektronik sowie der Leiterplattentechnik
bekannt.
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Andererseits
werden die oben erwähnten Bauelemente zunehmend auch im
Rolle- zu-Rolle-Verfahren hergestellt, wobei dünne Schichten
als Funktions- und Leitbahnelemente auf die flexiblen, dünnen
Folien aufgebracht werden. Folglich besteht auch hier mit steigendem
Integrationsgrad bzw. höherer Komplexität die
Notwendigkeit der Führung von Verbindungsleitungen auch
auf der Rückseite bzw. in mehreren Ebenen.
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Es
ist bekannt, dass die Laserbestrahlung von Materialien zu einem
Materialabtrag führen kann. Insbesondere führt
die Bestrahlung von Polymeren mit gepulster Laserstrahlung ausreichender
Intensität zum Abtrag organischen Materials. Dieser Prozess
wird als Laserablation bezeichnet und ist durch eine materialspezifische
Abtragsschwelle gekennzeichnet. Besonders Polymere mit einem hohem
Absorptionskoeffizient lassen sich gut abtragen. Durch den Abtrag
der Materialien lassen sich auch Öffnungen – Durchgangsbohrungen
oder Sacklöcher – in Materialien oder Schichten
einbringen. Auch andere Materialien, also Metalle, Halbleiter usw.,
lassen sich durch Laserablation abtragen, wobei jeweils material-,
laser- und geometriespezifische Faktoren, also chemische Zusammensetzung,
Struktur, Laserwellenlänge, Pulsdauer, Schichtdicke, Oberflächenrauheit
usw., den Schwellenwert der Bestrahlungsstärke bestimmen,
der zum Abtrag führt. Es ist bekannt, dass der Schwellenwert
der Energiedichte, die den Abtrag von Materialien bewirkt von der
Schichtdicke abhängig ist [E. Matthias, M. Reichling,
J. Siegel et al., "The influence of thermal-diffusion an laser-ablation
of metal-films", Appl. Phys. A 58 (1994) 129]. Bei Metallen
verringert sich die Schwellenfluenz mit sinkender Schichtdicke.
Oberhalb einer bestimmten Metallschichtdicke ist die Schwellenenergie
konstant.
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Die
Schwellenenergiedichte und die Abtragsrate von dielektrischen Materialien
also auch Polymeren hängen von der Wellenlänge
der Laserstrahlung ab. Eine Ursache hierfür ist die unterschiedliche
Laserstrahlungsabsorption bei den einzelnen Laserstrahlungwellenlängen.
Im Allgemeinen verringert sich die Schwellenfluenz des Materialabtrags
von Polymeren bei kürzeren Wellenlängen [S. Köper,
J. Brannon, K. Brannon, "Threshold behavior in polyimide photoablation – single-shot
rate measurements and surface-temperature modeling", Appl. Phys.
A 56 (1993) 43.].
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Prinzipiell
lassen sich zwei Wirkungsmechanismen der Zersetzung und des Abtrages
bei Laserbestrahlung unterscheiden: dies sind der photochemische
bzw. der photothermische Mechanismus. Beruht der photothermische
Mechanismus auf der Wärmewirkung der Laserstrahlung, so
spielt beim photochemischen Mechanismus die direkte Spaltung von Molekülen
des Polymers die entscheidende Rolle. Schlussfolgernd hieraus ist
festzustellen, dass bei der photochemischen Zersetzung/Ablation
die Photonenenergie von besonderer Bedeutung ist, so dass mit geringerer
Laserwellenlänge dieser Mechanismus tendenziell zunimmt.
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Durch
den explosionsartigen Abtrag bei der Laserablation können
hohe Drücke im Bereich des laserbestrahlten Bereiches entstehen.
Der Druck hängt u. a. von der Menge des abgetragenen Materials
und der Energiedichte des Laserstrahles ab. [F. Weisbuch,
V. N. Tokarev, S. Lazare et al., "Ablation with a single micropatterned
KrF laser pulse: quantitative evidence of transient liquid microflow
driven by the plume Pressure gradient at the surface of Polyesters"
Appl. Phys. A 76 (2003) 613].
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Lasergestützte
Verfahren eignen sich gut zur Bearbeitung dünner Schichten
und Materialien mit geringer Dicke, beispielsweise Folien, da der
Werkzeugeingriff kraftlos erfolgt. Darüber hinaus werden aufgrund
der guten Automatisierbarkeit zunehmend Laserprozesse in der Fertigungstechnik
angewandt.
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Die
Herstellung von Öffnungen in dünnen Schichten
zur Herstellung elektrischer Verbindungen ist bekannt und wird umfangreich
im Bereich der Halbleiterbauelementfertigung angewendet. Auch die
Herstellung von Durchkontaktierungen durch das Substrat von Halbleiterbauelementen
ist bekannt. Häufig werden für diese anorganischen
Materialien sogenannte Trockenätzprozesse angewandt.
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Die
Herstellung von Öffnungen mit dem Ziel der Kontaktierung
von inneliegenden Leiterbahnen oder der Durchkontaktierung zur Herstellung
einer elektrischen Verbindung von Vorder- und Rückseite für
Leiterplatten ist ebenfalls bekannt. Um derartige Sack- bzw. Durchgangsöffnungen
in Leiterplatten herzustellen, werden Laserstrahlen angewendet.
Neben üblichen gepulsten CO
2- und
Nd:YAG-Lasern werden auch ultrakurze Laserpulse mit Pulsdauern von
kleiner 1 ns angewendet [
DE
10020559 A1 ].
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Weiterhin
wird die Anwendung von Laserstrahlung unterschiedlicher Wellenlänge
zum Bohren der Kupferschicht und des Polymerträgers vorgeschlagen
[
GB 228 67 87 A ].
Die Steuerung der Laserstrahlanwendung kann auch mit Hilfen von
Sensoren so erfolgen, dass der Materialabtrag an der Metallschicht
angehalten werden kann [
JP 002007157900 AA ]. Darüber hinaus
wird für die Entfernung von Harzschichten von Kupferleitbahnen
von gedruckten Leiterkarten durch gepulste Laserstrahlung die Anwendung
von zwei Laserstrahlen unterschiedlicher Energiedichte vorgeschlagen
[
DE 10149559 A1 ].
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Diese
technischen Lösungen beziehen sich auf die Herstellung
von Sackbohrungen für gedruckte Leiterplatten. Die für
diese Anwendung minimale Schichtdicke der Kupferleitbahnen beträgt
ca. 7 μm und ist damit größer als die
Wärmediffusionslänge des Kupfers bei der Verwendung üblicher
Pulslaser mit ns-Pulsdauer. Darüber hinaus wird das Trägermaterial
von Leiterplatten in der Regel mit Glasfasern verstärkt,
so dass sich Beschränkungen bei der Verwendung von Laserstrahlung
ergibt. Ein interessanter Effekt ist das Auftreten von Restschichten
von 0,2 bis 3 μm, die auf die unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeit
von Harz und Kupferleitbahn zurückzuführen sind.
Folglich ist davon auszugehen, dass der Abtrag eher thermisch stimuliert
ist, also photothermischer Natur ist. Zur Charakterisierung der
Energiedichten zur Durchführung des Verfahrens wird eine
sogenannte Zerfallsenergie definiert, die zum Einleiten von Ablations-,
Schmelz- und Verdampfungsprozessen geeignet ist.
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Die
bekannten Verfahren zur Herstellung von Öffnungen in dielektrischen
Materialien für gedruckte Schaltungen unter Anwendung von
Laserstrahlung sind nicht für Dünnschichtschaltungen
auf polymeren Trägern anwendbar, da die verwendeten Leitbahnschichtdicken
im Bereich von 0,1 bis kleiner 2 μm deutlich geringer sind,
wodurch die Wärmekapazität, die mechanische Stabilität
usw. deutlich vermindert sind. Darüber hinaus sind oftmals
komplizierte Anlagen zur Realisierung der vorgeschlagenen Verfahren erforderlich,
die die Anwendung mehrerer Wellenlängen, ultrakurzer Laserpulse
oder zusätzlicher Steuerelemente erfordert.
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Der
Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, ein neuartiges Verfahren
zur Herstellung von Öffnungen in polymere Träger
von Dünnschichtschaltungen dergestalt zu schaffen, dass
eine Beschädigung der dünnen Metallleitbahnen
verhindert und einfach durchführbar ist. Darüber
hinaus hat die Erfindung die Aufgabe, ein Verfahren zur Rückseitenkontaktierung
von Dünnschichtschaltung auf polymeren Trägern
bereitzustellen.
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Erfindungsgemäß wird
die Aufgabe durch die Anwendung von kurzwelliger, gepulster Laserstrahlung
entsprechend den in Anspruch 1 genannten Merkmalen gelöst.
Hierbei wird der Abtrag des polymeren Trägers in mindestens
zwei Schritten erfolgen. Im ersten Schritt werden die Parameter
der verwendeten Laserstrahlung so eingestellt, dass ein vergleichsweise
hoher Abtrag erreicht wird und dass durch die Laserablation keine
Oberflächemikrotopographien mit Abmessungen im Mikrometerbereich – diese
werden in der englischsprachigen Literatur auch als cones bezeichnet – entstehen,
die zu einer unebenen Oberfläche führen. Im zweiten
Schritt des Abtrags der polymeren Trägerfolie werden die
Parameter der Laserstrahlung so verändert, dass die Abtragsrate
so gering ist, dass die Kräfte auf die dünne Schicht
durch den Rückstoß der Ablationsprodukte so gering
sind, dass die dünne Schicht nicht beschädigt
wird.
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Dabei
sind zur Wahl der Eigenschaften der Laserstrahlung folgende Gesichtspunkte
zu beachten:
Mit Verringerung der Wellenlänge der
Laserstrahlung steigt üblicherweise die Absorption in Materialien. Gleichzeitung
wird der Reflexionsgrad von Materialien beeinflusst. Mit geringer
werdender Schichtdicke von Metallschichten sinkt tendenziell die
Schwelle der Beschädigung von Metallschichten.
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Der
Druck auf die dünnen Schichten durch den explosionsartigen
Abtrag des polymeren Materials steigt mit der Geschwindigkeit des
Abtrages, der auch als Rate bezeichnet wird, und der verwendeten Energiedichte
der Laserstrahlung. Darüber hinaus wurden in Experimenten
unterschiedliche Muster des abgelagerten Materials um die Öffnungsstelle
beobachtet, die auf die Ausbildung von spezifischen dreidimensionalen
Expansionswolken des abgetragenen Material hindeutetet, die u. a.
auch von der Form des laserbestrahlten Bereiches abhängen.
Hieraus kann geschlussfolgert werden, dass die äußere
Form des Laserspots die Expansionsdynamik der Ablationswolke beeinflusst
und damit der Druck in der Wolke beeinflusst wird. Nicht nur der
Druck, sondern auch die Größe der bestrahlten
Fläche bestimmen die Kraftwirkungen in der dünnen
Schicht, der schon aus der Beschreibung des Druckes p als Quotient
von Kraft F und Fläche a hervorgeht. Folglich kann geschlussfolgert
werden, dass die Kräfte auf die dünne Schicht
neben dem Druck durch die Laserablation auch durch die Größe
und die Form des laserbestrahlten Bereiches bestimmt werden. Darüber
hinaus ist zu beachten, dass sekundäre Effekte, beispielsweise
die Erwärmung der dünnen Schichten, die Widerstandsfähigkeit
der dünnen Schichten beeinflussen können.
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In
Experimenten wurde dieser Sachverhalt überprüft.
Dabei wurde ermittelt, dass bei bestimmten Parametern das Trägersubstrat
einer dünnen Schicht bei kleinen Größen
der Öffnungen vollständig entfernt werden kann,
jedoch mit Erhöhung der Laserstrahlgröße
die dünne Schicht ab einer bestimmten Fläche beschädigt
wurde. Diese Beschädigung waren u. a. Risse in der Schicht
und das vollständige Ausstanzen der Schicht im bestrahlten
Bereich.
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Darüber
hinaus wurde in Experimenten ermittelt, dass es ausreicht, wenn
in einer Richtung von rechteckigen Öffnungen eine spezifische
durch die Material- und Bearbeitungsparameter festgelegte spezifische
Ausdehnung unterschritten wird, um die Beschädigung der
dünnen Metallfolie zu vermeiden, aber trotzdem die Polymerschicht
vollständig abzutragen.
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In 1 sind
die wesentlichsten Schritte des Verfahrens schematisch dargestellt
und werden nun zur näheren Beschreibung des Verfahrens
näher erläutert. Im Verfahrenschritt (I) ist eine
Polymerfolie (1) mit einer Dicke im Bereich von einigen
zehn Mikrometern bis zu einigen 100 Mikrometern verfügbar, auf
deren Vorderseite (3) eine dünne Schicht (2)
oder ein Dünnschichtsystem (2) aufgetragen ist.
Im zweiten Verfahrensschritt (II) wird von der Rückseite
des polymeren Trägers (4) ein gepulster Laserstrahl
(10) zur Anwendung gebracht, der zum Abtrag des Materials
führt. Die Parameter des gepulsten Laserstrahls sind dabei
so gewählt, dass es nicht zur Ausbildung von materialspezifischen
mikro- oder nanoskaligen Strukturen an der Oberfläche des
Polymerträgers kommt. Derartige Mikrostrukturen können
bei der Wahl bestimmter, jedoch materialspezifischer Ablationsparameter
entstehen. Solche Oberflächenstrukturen sind von statistischer
Natur, haben die Tendenz, sich selbst zu verstärken und
beeinflussen darüber hinaus die Abtragsrate. Aus diesen
Gründen sind solche Parameter zu wählen, die zu
einer ebenen Oberfläche führen, d. h. bei denen
der Abtrag proportional zur eingestrahlten Laserfluenz ist. Ein derartiger
Abtrag wird üblicherweise in einem mittleren Energiedichtebereich
erzielt, wohingegen es bei geringen Energiedichten im Bereich der
Schwellenenergie zur Ausbildung besagter Mikrostrukturen kommen
kann. In dem nun folgenden dritten Schritt (III) wird die Energiedichteverteilung
so eingestellt, dass nach wie vor der Abtrag des Polymers ermöglicht wird,
was zur Entfernung des restlichen Polymers zur Freilegung der dünnen
Schicht erforderlich ist. Andererseits muss die Energiedichte des
Lasers auch unterhalb des Schwellenwertes der Zerstörung
der Metallschicht liegen, die nicht nur durch Schmelz-, Verdampfungs-
oder Ablationsprozesse charakterisiert ist, sondern auch aufgrund
mechanischer Kräfte, ggf. in Verbindung mit weiteren Effekten
der Laserbestrahlung, gegeben sein kann. Ein hierfür kritischer Punkt
ist der Laserpuls, der zum Abtrag der letzten Polymerreste auf der
Dünnschicht und zu deren Freilegung führt. Der
wesentlichste Grund hierfür ist, dass zu diesem Zeitpunkt
mehrere Faktoren gleichzeitig zur Beanspruchung der dünnen
Schicht beitragen, wie beispielsweise der Ablationsdruck, die Bestrahlung
der dünnen Schicht und die Wärmewirkung der Laserstrahlung.
Die Energiedichten, die hierfür geeignet sind, liegen eher
nahe der Schwellenenergiedichte der Abtrags der Polymerschicht.
Da jedoch durch die schrittweise Prozessführung nur noch
ein geringer Teil der Gesamtpolymerschicht abzutragen ist, wirken
sich eventuell bildende Oberflächenmikrostrukturen nicht
nachteilig aus. Insofern ist die Wahl der Pulszahl (N1),
bei der die Energiedichte des Laserstrahl geändert wird,
von der Polymerschichtdicke, den Laserparametern etc. abhängig
und muss für die spezifische Anwendung jeweils spezifisch
ermittelt werden. Unter dem Gesichtspunkt des vollständigen
Abtrages der Polymerschicht von der dünnen Schicht ist
eine vorzugsweise photochemische Prozessführung deswegen
vorteilhaft, da die Kühlung der oberflächennahen
Polymerschichten durch die Dünnschicht (ggf. Metall) weniger
zu beachten ist. Folglich empfiehlt sich die Anwendung kurzwelliger Laserstrahlung.
Darüber hinaus sollte die Pulsdauer gering gehalten werden
und eher im Nanosekundenbereich liegen.
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Unter
bestimmten Umständen kann sich die Anwendung einiger zusätzlicher
Laserpulse nach dem vollständigen Abtrag der Polymerschicht
als vorteilhaft erweisen.
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Das
Ergebnis der Rückseitenöffnung zur Freilegung
der dünnen Schicht ist im Schritt (IV) dargestellt. Schließlich
wird durch Einbringen eines leitfähigen Materials in die Öffnung
der Polymerfolie in dem nun folgenden Schritt (V) eine elektrisch
leitfähige Verbindung von der dünnen Schicht auf
die Rückseite des Polymerträgers geschaffen. Diese
elektrische Verbindung kann durch Einbringen einer dünnen
Schicht, durch Füllung mit einem leitfähigen Material
oder anderweitig erfolgen.
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Als
Trägermaterial für die Dünnschichtschaltungen
wird in der vorliegenden Erfindung bevorzugt ein Polymer eingesetzt.
Insbesondere aromatische Kunststoffe eignen sich. Gebräuchliche
Polymere sind Polyimid (PI), Polykarbonat (PC) und Polyethylenterephthalate
(PET).
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Die
dünnen Schichten oder Schichtsysteme können teilweise
oder vollständig aus Metall bestehen. Wichtige Metalle,
die in der Dünnschichttechnik angewendet werden, sind Kupfer,
Aluminium, Molybdän, Nickel, Gold oder Silber. Andere Metalle
oder Materialien sind auch möglich.
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Durch
das Verfahren ist es nun möglich, Öffnungen in
Trägerfolien auch für dünne Schichten
mittels gepulster Laserstrahlung einfach und mit geringem Aufwand
einzubringen. Hierdurch ergeben sich neue Anwendungen bei der elektrischen
Verschaltung von Dünnschichtbauelementen.
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Zur
Verminderung der Kraftwirkung auf die dünne Schicht kann
die Energiedichteverteilung E des Laserstrahles zur Entfernung der
Restschicht so gestaltet werden, dass die Restschicht nicht mit
einem Puls, sondern über mehrere Pulse abgetragen wird.
Hierzu ist in 6 die Energiedichteverteilung im
Schnitt an der Stelle AA sowie der Polymerschichtverteilung bei
aufeinanderfolgenden Laserpulsen zum Zeitpunkt des Abtrags der letzten
Polymerträgerreste von der dünnen Schicht schematisch
dargestellt. Die Wirkung der geringfügigen Energiedichtevariation
bewirkt, dass die Abtragsgeschwindigkeit unterschiedlich ist, was
letztlich zu lokal unterschiedlichen Restpolymerdicken führt,
die jedoch mit den folgenden Pulsen ebenfalls abgetragen werden.
Insbesondere führen die Bereiche abgesenkter Energie (14)
zu der Ausbildung von Polymerresten (9), wohingegen die
Bereiche des Normalwertes (13) der Energiedichteverteilung
zum vollständigen Abtrag des Polymerträgers mit
Freilegung der Rückseite der Dünnschicht (7)
bei gleicher Laserpulsanzahl führen. Bei geeigneter Energiedichtebeeinflussung
kann erreicht werden, dass der Ablationsdruck geringer ist und die Restpolymerschichten
gleichzeitig stabilisierend wirken. Insbesondere erscheint es vorteilhaft,
die abgesenkten Bereiche der Energiedichteverteilung gitterförmig
auszuführen, so dass eine entsprechende Polymerrestschichtdicke
zu erwarten ist. Weiterhin kann es im Zusammenhang mit der Verfüllung
der Öffnungen in der Polymerfolie vorteilhaft sein, dass
die Flanken der Öffnung abgeflacht werden. Dies kann beispielsweise
durch die entsprechende Gestaltung der Rand-/Flankenverteilung der
Energiedichteverteilung (12) erzielt werden. Andere Methoden
zur Erzielung derartig abgeflachter Ränder, beispeisweise
durch Bewegung eines speziell geformten Laserstrahls über
das Substrat, sind ebenfalls möglich.
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Neben
den Fragen der abgetragenen Polymermaterialmenge und der Energiedichte
haben die Ausbreitungsbedingungen des ablatierten Materials Einfluss
auf die Kraftwirkung auf die dünne Schicht. Zur Verminderung
der Kraftwirkung kann das umgebende Medium auf der Seite des lasergestützten
Materialabtrags angepasst werden. So kann ein spezielles Arbeitsgas
mit geringer Dichte, beispielsweise Helium, zur Anwendung gelangen.
Darüber hinaus verbessern sich die Ausbreitungsbedingungen
für die Ablationsprodukte, wenn der Druck des umgebenden Gases
vermindert ist.
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Als
weitere Maßnahme kann die Anbringung von zusätzlichen
Stützelementen auf der Vorderseite des beschichteten Polymerträgers,
d. h. der gegenüber der Lasereinstrahlung befindlichen
Seite, erfolgen. Diese Stützelemente können beispielsweise
als eine weitere Schicht oder Folie ausgeführt sein und auch
nur zeitweilig während der Bearbeitung im Kontakt mit der
zu bearbeitenden Bauteilfläche sein. Eine hinreichende
mechanische Kopplung ist hier ebenfalls vorteilhaft. Da nur kurzeitig
auftretende Kräfte aufgenommen werden sollen, können
auch fluide Medien als Stützelemente angewendet werden.
Im einfachsten Fall bietet sich die Verwendung von Wasser als Medium
an. Neben der Stützfunktion können diese Elemente
auch den Wärmeabtransport aus dem laserbestrahlten Bereich
unterstützen.
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Die
Form oder Dimension der Einzelöffnungen muss nicht quadratisch
sein. In Weiterer Ausgestaltung der Erfindung können auch
rechteckig oder anders geformte Öffnungen eingebracht werden, wenn
sichergestellt ist, dass die Größe der Elemente in
einer lateralen Dimension kleiner der kritischen Größe,
oberhalb der die Zerstörung der dünnen Schicht
einsetzt, ist. Anordnungen oder Gruppierungen von Einzelelementen
mit gleichen oder unterschiedlichen Dimensionen sind auch möglich.
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Zur
Herstellung der elektrischen Verbindung von der dünnen
Schicht auf die Rückseite des Polymerträgers können
unterschiedliche Verfahren angewendet werden. Diese Verbindungselemente
können die Öffnung teilweise oder vollständig
ausfüllen. Beispielhaft lassen sich Leitkleber, also pastöse,
zähflüssige, und flüssige Massen, die
thermisch oder durch Bestrahlung härtbar sind, verwenden.
Andere Möglichkeiten sind das Aufbringen einer dünnen
leitfähigen Schicht oder die Verwendung von flexiblen Verbindungselementen,
beispielsweise also gummiartige, leitfähige Materialien,
die ggf. auch geformt sein können. Durch die Gestaltung,
die Art der Aufbringung oder die Dimensionierung der Verbindungselemente
lassen sich einzelne Durchkontaktierungselemente separat, in Gruppen
oder gemeinsam auf die Rückseite führen.
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Die
vorzugsweise in den bisherigen Darlegungen beschriebenen Einzelkontaktierungen
können auch als Anordnungen von Einzelelementen Verwendung
finden. Diese Anordnung kann insbesondere mit zwei Zielsetzungen
erfolgen: Zunächst kann durch die Zusammenschaltung von
mehreren Durchkontaktierungen der Durchgangswiderstand vermindert
werden. Weiterhin lassen sich mittels jeder Durchkontaktierung unterschiedliche
Elektroden oder Schichten auf die Rückseite führen.
Dies erfordert möglicherweise weitere Verfahren zur Verschaltung
der Schichten auf der Vorderseite.
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Die
Anordnung der Einzelelemente kann unterschiedlicher Art sein. Die
in 7 gezeigte Anordnung, bei der ein Teil der Öffnungen
(8) bereits mit elektrischen Durchkontaktierungen (20)
versehen ist, ist eine mögliche Ausführungsform.
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Die
Erfindung soll nachstehend anhand von in den Zeichnungen dargestellten
Ausführungsbeispielen näher erläutert
werden. Es zeigen:
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1:
Schematische Auflistung zu den wesentlichen Verfahrensschritten
durch die Darstellung der Ergebnisse der Schritte am Beispiel der
Kontaktierung einer Molybdänschicht auf einer Polyimidfolie.
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2:
Abtragsrate von Kapton in Abhängigkeit von der Laserenergiedichte
sowie die Energiedichten zur Zerstörung der Molybdänschicht
auf der Kaptonträgerfolie bei Vorderseitenbestrahlung mittels
Excimerlaser (Wellenlänge λ = 248 nm, Pulsdauer τp = 25 ns)
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3:
Mechanische Zerstörung der Molybdändünnschicht
durch mechanische Belastung durch den Ablationsdruck bei ungünstiger
Wahl der Energiedichte von ca. 750 mJ/cm2.
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4 Freigelegte
Molybdänschicht mit einer Fläche von 75 μm × 75 μm.
In der hell erscheinenden Metallschicht sind keine Risse oder Schmelzerscheinungen
zu sehen.
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5 Mikrofotographie
der Rückseite der Kaptonfolie mit der verfüllten
Bohrung. Die metallisch erscheinenden Flächen werden durch
den Leitkleber gebildet, der den Kontakt zu Dünnschicht
herstellt.
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6 Schematische
Darstellung der Rückseitenöffnung zum Zeitpunkt
der Entfernung der letzten Polymerreste und Energiedichteverteilung
E des Laserstrahl beim Schnitt AA durch die Rückseitenöffnung.
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7 Schematische
Darstellung einer Anordnungsvariante von Einzelöffnungen.
Zur besseren Charakterisierung des Verfahrens ist ein Teil der Rückseitenöffnungen
(8) bereits mit Durchkontaktierungen (20) versehen.
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8 Lichtmikroskopischen
Aufnahme von rechteckigen Öffnungen im Polymerträger.
Trotz zunehmender Länge der Öffnungen bleibt die
dünne Schicht intakt, wenn eine spezifische kritische Breite nicht überschritten
wird.
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Die
Erfindung wird nachstehend an Beispielen erläutert.
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1. Beispiel
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Herstellung einer rechteckigen Öffnung
in molybdänbeschichteter Kaptonfolie mittels Excimerlasers
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In
Voruntersuchungen wurden die Schwellenenergiedichten des Materialabtrags
sowie der Materialzerstörung von Polyimid (Handelsname
KaptonTM) mit einer Dicke von 25 μm
sowie einer Molybdänschicht mit einer Dicke von 1 μm
bei der Bestrahlung mit einem gepulsten Excimerlaser (Wellenlänge λ = 248
nm, Pulsdauer τp = 25 ns, Bestrahlungsgröße
A = 150 μm × 50 μm) ermittelt. In 2 ist
die Abtragsrate der Kaptonfolie in Abhängigkeit von der
Energiedichte des Laserstrahles dargestellt. Darüber hinaus ist
die Energiedichte zur Zerstörung der Molybdänschicht
bei Vorderseitenbestrahlung markiert. Als Zerstörschwelle
wird nicht das Aufschmelzen oder Verdampfen der Schicht bezeichnet
(Thermische Zerstörschwelle, in 2 als Fth,M2 bezeichnet), sondern vielmehr das mechanisch
bedingte Reißen der dünnen Molybdänschicht
(als Fth,M1 bezeichnet). Bei dieser Vorderseitenbestrahlung
wird die dünne Molybdänschicht durch den Folienträger
gestützt, so dass Kräfte aufgenommen werden können.
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Wird
nun eine Energiedichte zur Öffnung der Kaptonfolie angewendet,
die größer als die Ablations-Schwellenenergie
(Fth,F) der Kaptonfolie aber kleiner als
die Zerstörschwelle der Molybdänfolie ist (Fth,M1), kann es trotzdem bei der Rückseitenöffnung durch
die Kaptonfolie zur Zerstörung der Molybdänschicht
kommen, wie in 3 zu sehen ist. Grund hierfür
sind die durch die Laserbestrahlung und deren Folgeprozesse auftretenden
mechanischen Belastungen, die zu Rissen in der dünnen Schicht
oder Schichtstapeln führen können. Insbesondere
kann die Kraftwirkung des ablatierten Materials bei dessen Expansion
zu den genannten Wirkungen oder anderen Zerstörungen führen.
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In
folgenden systematischen Untersuchungen wurde ermittelt, dass bei
kleinen Öffnungsgrößen von etwa 50 μm
die Molybdänschicht in einem 2-stufigem Prozess von der
Seite der Kaptonfolie aus freigelegt werden kann, ohne eine Zerstörung
der dünnen Schicht hinnehmen zu müssen. Hierbei
wurde im ersten Schritt ein „Grobabtrag" mit 110 Pulsen bei
einer Laserenergiedichte von 750 mJ/cm2 und
in einem zweiten Schritt einen „Feinabtrag" mit 200 Pulsen
mit einer Laserenergiedichte von 200 mJ/cm2 vorgenommen.
Mit dieser Vorgehensweise konnte die Molybdänschicht ohne
relevante Beschädigung im bestrahlten Bereich freigelegt
werden, wie 4 zeigt.
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2. Beispiel
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Herstellung einer Durchkontaktierung zu
einer dünnen Molybdänschicht nach Öffnung
der Kaptonträgerfolie mittels Excimerlaserbestrahlung und
Einbringung eines Leitklebers
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Entsprechend
des vorherigen Beispieles wurde eine molybdänbeschichtete
Kaptonfolie verwendet. Durch Bestrahlung mit einem Excimerlaser (λ =
248 nm, τp = 25 ns, A = 150 μm × 50 μm)
von der Rückseite (4) des beschichteten Folienträgers
(2) unter Anwendung des zuvor beschriebenen zweistufigen
lasergestützten Ablationsprozesses, bei dem zunächst
mit einer hohen Energiedichte von ca. 750 mJ/cm2 ca. ¾ der
Kaptonfolienschichtdicke und danach bei deutlich geringerer Laserenergiedichte
von ca. 200 mJ/cm2 das verbleibende Kapton
bis zur Molybdänschicht entfernt wird, wird in der Kaptonfolie eine Öffnung
zur Freilegung der Molybdänschicht erreicht, wie dies in 4 dargestellt
ist. In diese Öffnung wird nun ein Leitkleber mittels üblicher
Methoden, beispielsweise Siebdruck oder Dispensertechnik, eingebracht.
Im Beispiel wurde ein Leitkleber von Typ Epo-Tek H2O-frozen der
Firma Polytec GmbH verwendet, der nach der Applizierung thermisch,
bei einer Temperatur von 80°C für 1 Stunde, ausgehärtet wurde.
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3. Beispiel:
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Wenn
eine laterale Dimension des Mikroöffnung kleiner als der
für die Zerstörung kritische Wert, also für
den genannten Fall kleiner 75 μm ist, kann die andere laterale
Dimension vergrößert werden, ohne die dünne
Schicht zu beschädigen. Im 8 sind verschiedene
Verhältnisse von Länge und Breite beim Mikroabtrag
dargestellt. Die Rückkontaktschicht wurde jeweils mit dem
oben beschrieben 2-Stufenabtrag freigelegt.
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4. Beispiel:
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Die
Größe der freigelegten Fläche kann erhöht
werden, wenn zur mechanischen Stabilisierung der Schicht bzw. des
Schichtsystems eine zusätzliche Stützschicht auf
die Vorderseite, beispielsweise durch Laminierung, aufgebracht wird.
Beispielsweise konnte bei der Rückseitenöffnung
einer Dünnschichtsolarzelle mit einem 1 μm dicken Rückkontakt
die Fläche der Öffnungen auf eine Größe
von 350 μm × 350 μm erhöht werden.
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Generell
gilt für das erfindungsgemäße Verfahren,
dass die Materialien des Dünnschichtträgers, der
Dünnschicht bzw. des Dünnschichtsystems, des verwendeten
Lasers sowie der Art, Größe, Form und Abstand
der Öffnungen je nach Anwendung unter den Gesichtspunkten
der elektrischen Kontaktierung, der elektrischen Leitfähigkeit,
der Stabilität, der Zuverlässigkeit oder Herstellungssicherheit
und -aufwand ausgewählt werden. Die quantitativen Angaben insbesondere
zu Materialien, den generellen Verfahrensschritten sowie den bevorzugten
Abmessungen, die im Zusammenhang mit der Beschreibung der Erfindung
oder den einzelnen Ausführungsbeispielen aufgeführt
werden, sind nicht auf diese beschränkt, sondern lassen
sich auf die anderen, ggfs. für den Fachmann erkennbar
sinngemäß, übertragen. Die Erfindung
ist nicht auf die Ausführungsbeispiele begrenzt. Dem Fachmann
erschließen sich Abwandlungen und Kombinationen.
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- 1
- Substrat,
Folie, Polymerträger der Dünnschichtschaltung
- 2
- Dünnschicht,
Dünnschichtsystem, beispielsweise Metall
- 3
- Vorderseite;
Vorderseite der Dünnschicht
- 4
- Rückseite;
Rückseite des Folienträgers
- 5
- Grenzfläche
der auf dem Dünnschichtträger befindlichen Dünnschicht;
- 6
- Sackbohrung
durch die Laserbestrahlung
- 7
- geöffnete
Fläche der Rückseite der auf dem Dünnschichtträger
befindlichen Dünnschicht
- 8
- Öffnung
im Dünnschichtträger bzw. dessen Kontur oder Flanken
- 9
- Polymerreste
auf der Rückseite der Dünnschicht
- 10
- Laserstrahl,
Anfangsparameter
- 11
- Laserstrahl,
Endparameter
- 12
- Flankenbereich
der Energiedichteverteilung
- 13
- Normalwert
der Energiedichteverteilung
- 14
- Bereich
abgesenkter Energiedichte der Verteilung des Laserstrahls bezüglich
des Normalwertes
- 20
- elektrische
Durchkontaktierung
- 21
- Kontaktfläche
zwischen Dünnschicht und Durchkontaktierung
- 22
- Kontaktfläche
der elektrischen Durch kontaktierung, rückseitig verfügbarer
Kontakt zur vorderseitigen Dünnschicht
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
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Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt
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-
Zitierte Patentliteratur
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- - DE 10020559
A1 [0010]
- - GB 2286787 A [0011]
- - JP 002007157900 AA [0011]
- - DE 10149559 A1 [0011]
-
Zitierte Nicht-Patentliteratur
-
- - E. Matthias,
M. Reichling, J. Siegel et al., "The influence of thermal-diffusion
an laser-ablation of metal-films", Appl. Phys. A 58 (1994) 129 [0004]
- - S. Köper, J. Brannon, K. Brannon, "Threshold behavior
in polyimide photoablation – single-shot rate measurements
and surface-temperature modeling", Appl. Phys. A 56 (1993) 43 [0005]
- - F. Weisbuch, V. N. Tokarev, S. Lazare et al., "Ablation with
a single micropatterned KrF laser pulse: quantitative evidence of
transient liquid microflow driven by the plume Pressure gradient
at the surface of Polyesters" Appl. Phys. A 76 (2003) 613 [0007]