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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Achskorrektur bei
einer Verarbeitungsmaschine sowie eine entsprechende Verarbeitungsmaschine, ein
entsprechendes Computerprogramm sowie ein entsprechendes Computerprogrammprodukt.
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Obwohl
nachfolgend hauptsächlich auf Druckmaschinen Bezug genommen
wird, ist die Erfindung nicht darauf beschränkt, sondern
vielmehr auf alle Arten von Verarbeitungsmaschinen gerichtet, bei
denen eine Warenbahn bzw. Materialbahn bearbeitet wird. Die Erfindung
ist aber insbesondere bei Druckmaschinen wie z. B. Zeitungsdruckmaschinen, Akzidenzdruckmaschinen,
Tiefdruckmaschinen, Inline-Flexodruckmaschinen, Verpackungsdruckmaschinen
oder Wertpapierdruckmaschinen einsetzbar. Die Warenbahn kann aus
Papier, Stoff, Pappe, Kunststoff, Metall, Gummi, in Folienform usw.
ausgebildet sein.
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Stand der Technik
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Bei
Verarbeitungsmaschinen, insbesondere Druckmaschinen, wird eine Warenbahn
entlang von angetriebenen Achsen (Bahntransportachsen) wie z. B.
Zugwalzen oder Vorschubwalzen und nicht angetriebenen Achsen wie
z. B. Umlenk-, Leit-, Trocknungs- oder Kühlwalzen bewegt.
Die Warenbahn wird gleichzeitig mittels meist ebenfalls angetriebener
Bearbeitungsachsen bearbeitet, bspw. bedruckt, gestanzt, geschnitten,
gefalzt usw.
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Die
Bahnspannung der Warenbahn wird über sog. Klemmstellen
beeinflusst, die die Warenbahn reib-, form- oder kraftschlüssig
einklemmen. Es handelt sich dabei regelmäßig um
angetriebene Transport- oder Bearbeitungswerke. Bei einer Tiefdruckmaschine
wird eine Klemmstelle üblicherweise durch ein Druckwerk,
bei dem eine reibschlüssige Einheit zwischen dem angetriebenen
Druckzylinder, dem Presseur und der Materialbahn besteht, gebildet.
Die Warenbahn ist in Bahnspannungsabschnitte unterteilbar, wobei
ein Bahnspannungsabschnitt von zwei Klemmstellen begrenzt wird.
Innerhalb eines Bahnspannungsabschnitts können weitere
angetriebene und/oder nicht angetriebene Achsen angeordnet sein.
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Bei
einer Beschleunigungs- bzw. Abbremsphase (Rotationsgeschwindigkeitsänderung)
muss eine dynamische Kraft aufgewandt werden, um die nicht angetriebenen
Achsen zu beschleunigen bzw. abzubremsen. Hierbei müssen
das Trägheitsmoment und die Reibung der nicht angetriebenen
Walzen aufgebracht werden.
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Üblicherweise
werden die Maschinen bei niedriger Verarbeitungsgeschwindigkeit
(Einrichtgeschwindigkeit) eingerichtet, um Makulatur zu minimieren.
Durch die anschließende Beschleunigung bis zum Erreichen
der Produktionsgeschwindigkeit kommt es zu Register- und Bahnspannungsabweichungen,
die ausgeregelt werden müssen.
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Es
ist bekannt, während der Hochlaufphase der von der Beschleunigung
verursachten Dehnungsänderung mittels Winkelverstellung
von Druckwerken entgegenzuwirken, wobei aufeinanderfolgende Druckwerke
um ansteigende Winkel-Offsets vorgesteuert werden.
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Es
ist möglich, die Winkel-Offsets durch Durchführung
einer Messfahrt zu gewinnen. Dabei besteht jedoch der Nachteil,
dass Makulatur erzeugt wird und Auswertungen des bei der Messfahrt
beobachteten Registerfehlers durchgeführt werden müssen.
Eine manuelle Auswertung ist fehleranfällig, eine automatische
Auswertung ist aufgrund der notwendigen Sensorelemente aufwendig.
Weiterhin ist die Durchführung einer Messfahrt relativ
zeitaufwendig, da diese jeweils für alle auftretenden unterschiedlichen
Beschleunigungsphasen durchgeführt werden muss.
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Es
ist außerdem möglich, die Vorsteuerwerte rechnerisch
zu bestimmen, da diese proportional zur Massenträgheit
der nicht angetriebenen Achsen, zum Kehrwert des Elastizitätsmoduls
und zur Beschleunigung sind. Es ist bekannt, die Massenträgheit
sowie den Elastizitätsmodul durch den Anwender manuell
vorgeben zu lassen.
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Nachteilig
an dieser Lösung gemäß dem Stand der
Technik ist, dass bei der Vorgabe der Daten durch den Anwender einerseits
Eingabefehler passieren können und andererseits notwendige
Daten wie insbesondere der Elastizitätsmodul nicht immer
genau bekannt sind.
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Es
stellt sich daher die Aufgabe, eine verbesserte Achskorrektur während
einer Beschleunigungs- oder Abbremsphase anzugeben.
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Diese
Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren zur Achskorrektur
gemäß Patentanspruch 1, eine Verarbeitungsmaschine
gemäß Patentanspruch 8, ein Computerprogramm gemäß Patentanspruch
14 sowie ein Computerprogrammprodukt gemäß Patentanspruch
15. Vorteilhafte Weiterbildungen sind Gegenstand der Unteransprüche
sowie der nachfolgenden Beschreibung.
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Vorteile der Erfindung
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Bei
einem erfindungsgemäßen Verfahren zur Achskorrektur,
wodurch insbesondere eine Bahnspannungs- und/oder Registerregelung
oder -einstellung erfolgt, erfolgt während einer Rotationsgeschwindigkeitsänderung
einer einen Bahnspannungsabschnitt begrenzenden Klemmstelle eine
Vorsteuerung dieser den Bahnspannungsabschnitt begrenzenden Klemmstelle
und/oder einer in diesem Bahnspannungsabschnitt vorhandenen Bearbeitungsachse
unter Berücksichtigung des Elastizitätsmoduls
des Materials der Warenbahn und eines Trägheitsmomentes
wenigstens einer in diesem Bahnspannungsabschnitt vorhandenen nicht
angetriebenen Achse, wobei der Elastizitätsmodul des Materials
der Warenbahn automatisch bestimmt wird. Eine Möglichkeit
zur Bestimmung des Elastizitätsmoduls des Materials einer
Warenbahn wird beispielsweise in der
DE 10 2005 056 802 A1 offenbart.
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Durch
die erfindungsgemäße Achskorrektur, insbesondere
Bahnspannungsregelung und/oder Registerregelung, unter Berücksichtigung
des Elastizitätsmoduls des Materials der Warenbahn und
eines Trägheitsmomentes wenigstens einer in einem Bahnspannungsabschnitt
vorhandenen nicht angetriebenen Achse bei automatischer Bestimmung
des Elastizitätsmodul des Materials der Warenbahn können die
Nachteile des Standes der Technik vermindert werden.
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Vorteilhafterweise
müssen keine produktionsabhängigen Materialdaten
eingegeben bzw. durch Abruf früherer Produktionen bekannt
gemacht werden, da die Daten selbständig bzw. automatisch ermittelt
werden können. Es ist möglich, die Bestimmung
der Einstellungen der Beschleunigungskompensation im Stillstand
der Maschine durchzuführen, wobei keine Makulatur erzeugt
wird.
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Die
erfindungsgemäße Vorsteuerung stellt eine deutliche
Verbesserung gegenüber dem Stand der Technik dar, da nun
eine prädiktive Vorsteuerung der zu erwartenden Fehler
bereitgestellt werden kann, statt auf einen bereits aufgetretenen
Fehler reagieren zu müssen. Durch die Achskorrektur im
Sinne einer Bahnspannungseinstellung bzw. -regelung werden Bahnspannungsänderungen
einer Beschleunigungs- oder Abbremsphase verringert, was sich unmittelbar
in einer Reduzierung des Ausschusses niederschlägt. Durch
die geringeren Bahnspannungsänderungen werden ebenfalls
Registerabweichungen verringert, welche durch die ebenfalls beschriebene Achskorrektur
im Sinne einer Registerregelung bzw. -steuerung weiter verringert
werden. Aufgrund der zusätzlichen Vorsteuerung können
effektivere Regelstrategien entworfen werden, da eine größere
Einflussnahme auf die Warenbahn möglich ist. Hat beispielsweise
die Druckmaschine den eingeschwungenen Zustand erreicht, können
Längsregisterabweichungen mittels stationärer
Regelstrategien, in die die Vorsteuerung einbezogen wird, schneller ausgeregelt
werden. Befindet sich die Maschine in einer dynamischen Übergangsphase,
beispielsweise durch Änderungen des Sollwerts der Bahnspannung oder
der Bahngeschwindigkeit in der Maschine, ermöglicht die
Vorsteuerung eine schnellere dynamische Registerregelung.
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Durch
die erfindungsgemäße Maßnahme wird eine
stärkere Entkopplung der Warenbahn bei Register- und/oder
Bahnspannungsregelungen erreicht und der Einfluss der Trägheits-
und Reibmomente der nicht angetriebenen Achsen gesenkt. Der stationäre
und dynamische Fehler zwischen den einzelnen Verarbeitungs- bzw.
Druckwerken nimmt ab. Darüber hinaus kann eine schnellere
Ausregelung von Registerfehlern erfolgen. Die Rückwirkung
einer Beschleunigungs- oder Abbremsphase auf die Bahnspannung wird
vermindert, was insbesondere schnellere bzw. dynamischere Beschleunigungs- oder
Abbremsvorgänge möglich macht. Insgesamt wird
Ausschuss bzw. Makulatur deutlich vermindert, was unter anderem
zu einer Senkung der Produktionskosten führt.
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Vorteilhafterweise
erfolgt die Vorsteuerung aller betroffenen Achsen des Bahnspannungsabschnittes.
Insbesondere wird zur Regelung bzw. Einstellung der Bahnspannung
in einem Bahnspannungsabschnitt eine Vorsteuerung der den Bahnspan nungsabschnitt
begrenzenden Klemmstellen und zur Regelung bzw. Einstellung des
Registers einer Bearbeitungsachse innerhalb eines Bahnspannungsabschnitts
eine Vorsteuerung der Bearbeitungsachse und/oder der den Bahnspannungsabschnitt
begrenzenden Klemmstellen durchgeführt.
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Typischerweise
werden bei Bahntransportachsen oder bei Bearbeitungsachsen additive
Geschwindigkeiten, multiplikative Geschwindigkeitsfaktoren (sogenannter
Feinabgleich, Getriebefaktoren) und/oder additive Winkel-Offsets
vorgesteuert.
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Vorteilhafterweise
beinhalten die zu berücksichtigen effektiven Trägheitsmomente
auch die Reibmomente der Achsen. Die effektiven Trägheitsmomente
der nicht angetriebenen Achsen können insbesondere durch
eine Messfahrt ermittelt werden. Dabei kann aus einer Auswertung
der Registerfehler der Produkte auf die effektiven Trägheitsmomente der
nicht angetriebenen Achsen zurückgerechnet werden. Ebenso
kann eine Online-Auswertung der gemessenen Registerfehler durchgeführt
werden. Neben der Ermittlung durch Messfahrt ist ebenfalls eine
Ermittlung durch eine Online-Beobachtung der aufgetretenen Registerfehler
sowie eine darauf basierende Schätzung der Trägheitsmomente
beispielsweise mittels Modellfolgeregelung, Beobachter, Kalman-Filterung
usw. möglich. Schließlich kann das Trägheitsmoment
ebenfalls bei Kenntnis der mechanischen Parameter wie z. B. Durchmesser,
Material, Materialverteilung usw. der nicht angetriebenen Achsen
berechnet werden. Da sich der mechanische Aufbau einer Verarbeitungsmaschine üblicherweise nicht
oder nur selten ändert, ist die Bestimmung der Trägheitsmomente
nur einmalig bzw. selten nötig. Die bestimmten Werte werden dann
gespeichert und können für alle nachfolgenden
Produktionen verwendet werden.
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Vorteilhafterweise
erfolgt die Vorsteuerung unter Berücksichtigung des jeweiligen
(effektiven) Trägheitsmomentes aller in einem Bahnspannungsabschnitt
vorhandenen nicht angetriebenen Achsen. Damit kann die Qualität
der Vorsteuerung weiter erhöht werden.
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Bevorzugterweise
werden die jeweiligen Trägheitsmomente aller in diesem
Bahnspannungsabschnitt vorhandenen nicht angetriebenen Achsen zu
einem für diesen Bahnspannungsabschnitt zu berücksichtigen
Gesamtträgheitsmoment konzentriert. Es handelt sich dabei
um eine einfach durchzuführende und dennoch gute Ergebnisse
liefernde Maßnahme. Durch eine fiktive "Schwerpunktsbildung"
ist nur mehr ein Gesamtträgheitsmoment zu berücksichtigen.
Dieses Gesamtträgheitsmoment kann beispielsweise auf eine
der oben genannten Arten (Messfahrt usw.) ermittelt werden.
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Es
ist besonders zweckmäßig, wenn Vorsteuerwerte
für die Vorsteuerung der Klemmstelle und/oder der Bearbeitungsachse
zur Entkopplung an Klemmstellen und/oder Bearbeitungsachsen benachbarter
Bahnspannungsabschnitte statisch und/oder dynamisch kaskadiert werden.
Die Kaskadierung kann mit unterschiedlichen Faktoren, beispielsweise
invers, proportional, anteilig oder dynamisch usw., erfolgen, um
benachbarte Bahnspannungsabschnitte von der Vorsteuerung in dem
betreffenden Bahnspannungsabschnitt zu entkoppeln.
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Ebenso
vorteilhaft erfolgt die Vorsteuerung zusätzlich unter Berücksichtigung
der Rotationsgeschwindigkeitsänderung der Klemmstelle.
Da der zu erwartende Fehler proportional zur auftretenden Rotationsgeschwindigkeitsänderung,
d. h. positive oder negative Beschleunigung der Achse, ist, wird
diese Beschleunigung vorteilhaft ebenfalls bei der Vor steuerung
berücksichtigt. Die Beschleunigung kann beispielsweise
durch Ableitung bestimmter Geberwerte, beispielsweise zweimaliger
Ableitung der Lagegeberwerte oder einmaliger Ableitung der Geschwindigkeitsgeberwerte
bestimmt werden. Für die Lage- oder Geschwindigkeitsmessung
kann beispielsweise eine Abtastung von auf der Warenbahn aufgedruckten
Informationen wie z. B. Marken, Lochung usw. erfolgen. Ebenfalls
ist die Bestimmung mittels eines Beschleunigungsgebers möglich.
In Frage kommen weiterhin die Übertragung der Werte von
der Maschinensteuerung zur Recheneinheit für die Bahnspannungsregelung
bzw. Registerregelung z. B. mittels Feldbus-Kommunikation, wobei
z. B. eine Soll-Position, Soll-Geschwindigkeit, Soll-Beschleunigung, Soll-Ruck,
Ist-Position, Ist-Geschwindigkeit, Ist-Beschleunigung oder Ist-Ruck
der Maschinen-Leitposition übertragen werden können.
Auch ist eine Übertragung binärer Signale, die
eine Geschwindigkeitsänderung anzeigen, von der Maschinensteuerung zur
Recheneinheit für die Bahnspannungs- bzw. Registerregelung
sowie die Kenntnis fest vorgegebener Rucke bzw. Beschleunigungswerte
in der Recheneinheit für die Bahnspannungs- bzw. Registerregelung
möglich. Schließlich kann eine Schätzung
der Beschleunigung anhand weiterer Prozessgrößen
wie z. B. der Antriebsmomente erfolgen.
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Die
Recheneinheit der erfindungsgemäßen Verarbeitungsmaschine
ist in vorteilhafter Weiterbildung dazu eingerichtet, die vorangehend
beschriebenen Schritte durchzuführen.
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Zweckmäßigerweise
sind bei einer erfindungsgemäßen Verarbeitungsmaschine
die Recheneinheit und die Bewegungssteuerung (Motion Control) der
antriebseigenen Achsen und/oder die Maschinenablaufsteuerung in
einer gemeinsamen Steuerungshardware integriert ausgebildet. Derartige Verarbeitungsmaschinen
sind in kompakter Form bereitstellbar und bieten eine vereinfachte
Handhabung, da keine Kombination mit externen Komponenten erforderlich
ist.
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Die
Erfindung betrifft zudem ein Computerprogramm mit Programmcodemitteln,
um alle Schritte eines erfindungsgemäßen Verfahrens
durchzuführen, wenn das Computerprogramm auf einem Computer
oder einer entsprechenden Recheneinheit, insbesondere in einer erfindungsgemäßen
Verarbeitungsmaschine, ausgeführt wird.
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Das
erfindungsgemäß vorgesehene Computerprogrammprodukt
mit Programmcodemitteln, die auf einem computerlesbaren Datenträger
gespeichert sind, ist zum Durchführen aller Schritte eines Verfahrens
ausgebildet, wenn das Computerprogramm auf einem Computer oder einer
entsprechenden Recheneinheit, insbesondere in einer Verarbeitungsmaschine,
ausgeführt wird. Geeignete Datenträger sind insbesondere
Disketten, Festplatten, Flash-Speicher, EEPROMs, CD-ROMs, DVDs u.
a. m. Auch ein Download eines Programms über Computernetze
(Internet, Intranet usw.) ist möglich.
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Weitere
Vorteile und Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus der
Beschreibung und der beiliegenden Zeichnung.
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Es
versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend
noch zu erläuternden Merkmale nicht nur in der jeweils
angegebenen Kombination, sondern auch in anderen Kombinationen oder
in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden
Erfindung zu verlassen.
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Die
Erfindung ist anhand eines Ausführungsbeispiels in der
Zeichnung schematisch dargestellt und wird im folgenden unter Bezugnahme
auf die Zeichnung ausführlich beschrieben.
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Figurenbeschreibung
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1 zeigt
eine schematische Darstellung einer bevorzugten Ausführungsform
einer als Druckmaschine ausgebildeten erfindungsgemäßen
Verarbeitungsmaschine;
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2 zeigt
schematisch eine Abhängigkeit einer Bahnspannung von der
Zeit in einem dynamischen Fall im Stand der Technik;
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3 zeigt
schematisch eine Abhängigkeit einer Registerabweichung
von der Zeit in einem dynamischen Fall im Stand der Technik; und
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4 zeigt
schematisch eine Abhängigkeit einer Registerabweichung
von der Zeit bei einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung.
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In 1 ist
eine bevorzugte Ausführungsform einer als Druckmaschine
ausgestalteten, erfindungsgemäßen Verarbeitungsmaschine
insgesamt mit 100 bezeichnet. Ein Bedruckmaterial, beispielsweise
Papier 101, wird der Maschine über ein Einzugswerk 110 zugeführt.
Das Papier 101 wird durch als Druckwerke 111, 112, 113, 114 ausgebildete Klemmstellen
geführt und bedruckt und durch ein Auszugswerk 115 wieder
ausgegeben. Die Ein-, Auszugs- und Druckwerke 110 bis 115 sind
positionierbar, insbesondere zylinder- bzw. winkelkorrigierbar, angeordnet.
Die Druckwerke 111 bis 114 liegen in einem bahnspannungsgeregelten
Bereich zwischen dem Einzugswerk 110 und dem Auszugswerk 115.
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Die
Druckwerke 111 bis 114 weisen jeweils einen Druckzylinder 111' bis 114' auf,
gegen den jeweils ein Presseur 111'' bis 114'' mit
starkem Druck angestellt ist. Die Druckzylinder 111' bis 114' sind
einzeln und unabhängig antreibbar. Die zugehörigen Antriebe 111''' bis 114''' sind
schematisch dargestellt. Die Presseure 111'' bis 114'' sind
frei drehbar ausgebildet. Das Einzugs- und Auszugswerk 110 bzw. 115 weisen
jeweils zwei gegenläufige Zylinder auf, die das Papier 101 führen.
Auch das Einzugs- und das Auszugswerk 110 bzw. 115 sind
einzeln durch einen Antrieb 110''' bzw. 115''' antreibbar.
Das Einzugs- und Auszugswerk 110, 115 und die
Druckwerke 111 bis 114 bilden jeweils zusammen
mit dem durchlaufenden Papier 101 eine reibschlüssig
verbundene Einheit. Das Einzugswerk 110, das Auszugswerk 115 sowie
die Druckwerke 111 bis 114 stellen jeweils eine Klemmstelle
dar.
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In
den Bahnabschnitten zwischen den einzelnen Druckwerken 111 bis 114 wird
das Papier 101 über nicht näher erläuterte
Rollen geführt, die mit 102 bezeichnet sind. Aus
Gründen der Übersichtlichkeit sind nicht alle
Rollen mit Bezugszeichen 102 versehen. Es kann sich insbesondere
um Umlenkrollen, Trocknungs-, Beschneideeinrichtungen usw. handeln.
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Die
Bahn 101 wird nach einem Bedruckschritt in einem der Druckwerke 111 bis 114 über Kühlwalzen
geführt. Dazu ist im Bahnabschnitt zwischen dem ersten
Druckwerk 111 und dem zweiten Druckwerk 112 eine
Kühlwalze 121, im Abschnitt zwischen dem zweiten
Druckwerk 112 und dem dritten Druckwerk 113 eine
Kühlwalze 122, im Abschnitt zwischen dem dritten
Druckwerk 113 und dem vierten Druckwerk 114 eine
Kühlwalze 123 und im Abschnitt zwischen dem vierten
Druckwerk 114 und dem Auszugswerk 115 eine vierte
Kühlwalze 124 angeordnet.
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Die
Kühlwalzen 121 bis 124 sowie die Rollen 102 weisen
jeweils ein effektives Trägheitsmoment auf, das eine Beschleunigungsphase
der Druckmaschine negativ beeinflusst. Gemäß der
dargestellten bevorzugten Ausführungsform einer Druckmaschine werden
sämtliche Klemmstellen während einer Beschleunigungsphase
unter Berücksichtigung des Elastizitätsmoduls
des Materials der Warenbahn sowie der effektiven Trägheitsmomente
der Kühlwalzen 121 bis 124 und der Rollen 102 vorgesteuert.
Die effektiven Trägheitsmomente werden zuvor, üblicherweise
einmalig, mittels einer Messfahrt und einer anschließenden
Auswertung ermittelt. Der Elastizitätsmodul wird automatisch
bestimmt. Bei einer Beschleunigungsphase wird eine den Elastizitätsmodul, die
effektiven Trägheitsmomente sowie die Beschleunigung berücksichtigende
Vorsteuerung durchgeführt. Dabei kann die Vorsteuerung
mit dynamischen Zeitgliedern beispielsweise mit Hilfe eines DT1-Gliedes
(differenzierend verzögerndes Glied) durchgeführt
werden, wobei T1 proportional zu Bahnlänge/Maschinengeschwindigkeit
gewählt wird. Die Vorsteuerung kann additive Winkelwerte
umfassen. Als Resultat erhält man einen annähernd
konstanten Verlauf der Bahnspannung in einem gewünschten Abschnitt
der Warenbahn und daraus folgend eine annähernd verschwindende
Registerabweichung, wie es anhand 4 gezeigt
ist.
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Nachfolgend
wird anhand 1 eine Möglichkeit
zur Bestimmung des Elastizitätsmoduls beschrieben. Zunächst
wird beispielsweise das Einzugswerk 110 festgestellt und
das nachfolgende Druckwerk 111 um einen vorgebbaren Winkel Δφ verfahren.
Es ist bevorzugt möglich, eine Einstellung mittels einer
Winkelbewegung in der Lageregelung vorzunehmen. Die Winkelbewegung
kann dabei in kleinen Schritten inkrementell erfolgen, um eine zu starke
Dehnung des Materials bis hinein in den plastischen Bereich zu verhindern.
Ebenso kann eine Einstellung mittels einer Winkelbewegung in der
Geschwindigkeitsregelung durchgeführt werden. Auch kann
eine Einstellung mittels einer Winkelbewegung in der Momentenregelung
erfolgen. Daneben ist es bevorzugt möglich, eine Einstellung
mittels einer Winkelbewegung in der Lage- oder Geschwindigkeitsregelung
mit gleichzeitiger Begrenzung des Antriebsmoments durchzuführen.
Vorteilhaft hieran ist, dass im Gegensatz zu einer Momentenregelung
die Winkelbewegungs-Geschwindigkeit begrenzbar ist und somit relativ
sanft in die Momentenbegrenzung gefahren werden kann.
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Der
Elastizitätsmodul E lässt sich berechnen zu E
= (ΔF·l0)/(A·Δl)
mit ΔF: aufgewandte Kraft; l0:
ursprüngliche Länge; A: Fläche der Materialbahn; Δl: erzielte
Längenänderung.
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Die
Kraft ΔF ist mittels einer im Bahnabschnitt zwischen Einzugswerk 110 und
erstem Druckwerk 111 angeordneten Kraftmessdose (nicht
gezeigt) bestimmbar. Die Länge l0 sowie
die Fläche A der Warenbahn zwischen dem Einzugswerk 110 und dem
ersten Druckwerk 111 sind bekannt oder können auf
einfache Weise gemessen werden. Schließlich ist die Längenänderung Δl
als Produkt von Winkelverstellung Δφ und Radius
der Druckwalze oder und mittels eines Lagegebers (z. B. des Motorgebers)
bestimmbar. Alternativ kann eine Spannungsänderung auch
durch Vorgabe einer Bahnspannung mittels der Kraft einer Tänzerwalze
im Einzugs- und/oder Auszugswerk herbeigeführt werden.
Sofern ein Tänzer im Einzugs- oder Auszugswerk vorhanden
ist, kann mit der Vorgabe des Tänzerdrucks eine Kraft in
die Warenbahn eingeprägt werden. Diese eingeprägte Kraft
ergibt dann eine Bahnspannung. Ebenfalls kann die Vorgabe einer
Bahnspannung mittels einer Vorgabe einer Kraft eines nicht komplett
angestellten Presseurs erfolgen. Wenn der Presseur angestellt wird,
kann durch die Umschlingung auch eine Bahnspannung eingeprägt
werden. Mit den erhaltenen Daten lässt sich schließlich
eine produktionsabhängige Konstante k = EA bestimmen.
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Alternativ
kann z. B. statt der Messung mittels einer (vorhandenen) Kraftmessdose
das aufgewandte Motormoment als Kraftgröße herangezogen werden.
Hierbei sind einerseits Reibungseffekte, andererseits Zugkräfte
außerhalb der Bahnspannungsstrecke zu berücksichtigen,
da diese jeweils das aufgewandte Motormoment beeinflussen. Letztere
können dann vernachlässigt werden, wenn die Materialbahn
außerhalb der beiden die Materialbahn einklemmenden Klemmstellen,
im gewählten Beispiel Einzugswerk 110 und erstes
Druckwerk 111, während der Messung fast komplett
entspannt ist. Ansonsten verfälscht eine Bahnspannung vor
bzw. hinter dem Messabschnitt die aus dem gemessenen Motormoment
ermittelte Bahnspannung.
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Im
folgenden wird nun ebenfalls beispielhaft eine Möglichkeit
zur Bestimmung der Trägheitsmassen offenbart. Sofern die
Trägheitsmassen nicht bekannt sind bzw. fest in der Beschleunigungskompensation
als Konstanten hinterlegt sind, können diese bei bekanntem
E-Modul der Warenbahn mittels einer Messfahrt ermittelt werden,
wobei zwei Varianten vorgeschlagen werden. Einerseits kann während
einer Beschleunigungsphase die sich ergebende Bahnspannungsänderung,
beispielsweise mittels einer Kraftmessdose, bestimmt werden. Anhand
dieser Messung wird dann bei bekanntem E-Modul anhand der Bahnspannungsänderung
und der Maschinenbeschleunigung die effektive Trägheitsmasse
berechnet. Andererseits kann während einer Beschleunigungsphase
der sich ergebende Registerfehler bestimmt werden. Bei bekanntem
E-Modul kann anhand des Registerfehlers die sich ergebende Bahnspannungsänderung
bestimmt werden. Zusammen mit der Maschinenbeschleunigung ist wiederum
die effektive Trägheitsmasse bestimmbar.
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In 2 ist
der Verlauf einer Bahnspannung in einem dynamischen Fall im Stand
der Technik gegen die Zeit in einem Diagramm 10 aufgetragen,
in dem zwei Bahnspannungsverläufe 13 und 14 dargestellt
sind. Die Bahnspannung ist in dem Diagramm 10 auf einer
y-Achse 12 gegen die Zeit t auf einer x-Achse 11 aufgetragen. 2 zeigt
den Bahnspannungsverlauf in einem dynamischen Fall, in dem eine Beschleunigung
der beteiligten Walzen stattfindet.
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In
dem Diagramm 10 sind zwei Bahnspannungsverläufe 13 und 14 dargestellt,
die verschiedenen Bahnspannungsunterabschnitten zuzuordnen sind.
Betrachtet wird dabei ein Bahnspannungsabschnitt, der von einer
nicht angetriebenen Achse, im abgebildeten Beispiel einer Kühlwalze,
in zwei aneinandergrenzende Bahnspannungsunterabschnitte unterteilt
wird. An den Enden des Bahnspannungsabschnitts befindet sich jeweils
eine Klemmstelle (angetriebene Achse), im abgebildeten Beispiel
eine angetriebene Druckwalze. Unter Bezugnahme auf 1 kann
ein derartiger Bahnspannungsabschnitt beispielsweise zwischen dem
Druckwerk 112 und dem Druckwerk 113 identifiziert
werden, der von Kühlwalze 122 in zwei Bahnspannungsunterabschnitte
unterteilt wird. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich angemerkt,
dass die Abbildung gemäß 1 eine erfindungsgemäße
Druckmaschine zeigt, bei der sowohl der Elastizitätsmodul
des Materials der Warenbahn als auch das effektive Trägheitsmoment
der Kühlwalze 122 für eine Vorsteuerung
berücksichtigt wird, wohingegen sich die 2 auf
eine Druckmaschine bezieht, bei der eine derartige Vorsteuerung
nicht vorgesehen ist.
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Dem
Verlauf der Warenbahn folgend, befindet sich der Bahnspannungsunterabschnitt,
dem der Bahnspannungsverlauf 14 zuzuordnen ist, zwischen einer
Klemmstelle und einer nicht angetriebenen Achse, und der Bahnspannungsunterabschnitt,
dem der Bahnspannungsverlauf 13 zuzuordnen ist, direkt anschließend
im Warenbahnverlauf zwischen der genannten nicht angetriebenen Achse
und einer nachfolgenden Klemmstelle.
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Wie
aus dem Diagrammen 10 ersichtlich ist, weist die Bahnspannung
im Bereich zwischen einer Klemmstelle und einer nachfolgenden nicht
angetriebenen Achse regelmäßig einen geringeren
Wert als im Bereich zwischen der genannten nicht angetriebenen Achse
und einer nachfolgenden Klemmstelle auf.
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Bei
einer Beschleunigungsphase 15 gemäß 2 wird
eine dynamische Kraft 16, welche der Differenz der Bahnspannungsverläufe 13 und 14 entspricht,
dazu verwendet, die nicht angetriebene Walze anzutreiben. Im abgebildeten
Beispiel wird die Warenbahn innerhalb von 90 s von 30 m/min auf
200 m/min beschleunigt. Dabei müssen das Trägheitsmoment
und die Reibung, d. h. das effektive Trägheitsmoment, der
nicht angetriebenen Achsen aufgebracht werden. Während
der Beschleunigungsphase sinkt die Bahnspannung hinter einer Klemmstelle
und steigt vor der nachfolgenden Klemmstelle an, da die nicht angetriebenen
Walzen beschleunigt werden.
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Nach
der Beschleunigung stellt sich ein stationärer Zustand
ein, der in 2 auf der rechten Seite des
Diagramms etwa ab t = 150 s erkennbar ist. In dem stationären
Zustand muss ein Reibmoment der nicht angetriebenen Achse aufgebracht
werden. Dies führt zu einer höheren Bahnspannung
hinter einer nicht angetriebenen Achse und der im Warenbahnverlauf
nachfolgenden Klemmstelle, da die Klemmstelle eine Kraft aufwenden
muss, um die nicht angetriebene Achse anzutreiben. Diese Kraft entspricht einer
Differenz 17 zwischen den dargestellten Bahnspannungen 13 und 14.
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In 3 ist
beispielhaft ein sich ergebender Registerfehler an einem Bearbeitungswerk
dargestellt. In einem Dia- gramm 20 ist der Verlauf einer Registerabweichung
gegen die Zeit aufgetragen, wobei zwei Graphen 23 und 24 abgebildet
sind, die verschiedenen E-Moduln zuzuordnen sind. Die Registerabweichung
ist in dem Diagramm 20 auf einer y-Achse 22 gegen
die Zeit t auf einer x-Achse 21 aufgetragen. Es ist eine
Beschleunigungsphase von 30 m/min auf 250 m/min in 90 Sekunden mit
Materialien mit unterschiedlichem E-Modul abgebildet. Die Beschleunigung
sowie das zu berücksichtigende effektive Trägheitsmoment
sind für beide Kurven jeweils identisch. Das Material der
Bahn, der die Kurve 23 zugeordnet ist, weist einen E-Modul
von ca. 8,6·109 N/m2 auf.
Das Material der Bahn, der die Kurve 24 zugeordnet ist,
weist einen E-Modul von ca. 3,6·109 N/m2 auf. Es wird die unterschiedliche Beeinflussung des
dynamischen Registerfehlers bei gleichem Trägheitsmoment
der nicht angetriebenen Walzen und gleicher Beschleunigung deutlich.
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In 4 schließlich
ist der Verlauf 33 eines sich bei Anwendung der Erfindung
ergebenden Registerfehlers an einem Bearbeitungswerk dargestellt. Die
Registerabweichung ist in einem Diagramm 30 auf einer y-Achse 32 gegen
die Zeit t auf einer x-Achse 31 aufgetragen. Es ist eine
Beschleunigungsphase über 30 Sekunden abgebildet. Es wird
deutlich, dass die Registerabweichung nahezu verschwindet.
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Es
versteht sich, dass in den dargestellten Figuren nur eine besonders
bevorzugte Ausführungsform der Erfindung dargestellt ist.
Daneben ist jede andere Ausführungsform denkbar, ohne den Rahmen
dieser Erfindung zu verlassen.
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- 100
- Druckmaschine
- 101
- Papier
- 102
- Rolle
- 110
- Einzugswerk
- 110'''
- Antrieb
- 111,
112, 113, 114
- Druckwerk
- 111',
112', 113', 114'
- Druckzylinder
- 111'',
112'', 113'', 114''
- Presseur
- 111''',
112''', 113''', 114'''
- Antrieb
- 115
- Auszugswerk
- 115'''
- Antrieb
- 121,
122, 123, 124
- Kühlwalze
- 10,
20, 30
- Diagramm
- 11,
21, 31
- x-Achse
- 12,
22, 32
- y-Achse
- 13,
14
- Bahnspannungskurve
- 15,
25
- Beschleunigungsphase
- 16,
17, 26
- Kraft
- 23,
24, 33
- Registerabweichungskurve
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- - DE 102005056802
A1 [0013]