-
Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zum Steuern einer Brennkraftmaschine
sowie eine Steuervorrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
-
Zur
Einhaltung gesetzlicher Emissionsgrenzwerte verfügen moderne Kraftfahrzeuge
mit Ottomotor über
eine Tankentlüftungsvorrichtung,
mittels der aus dem Kraftstofftank entweichende Kraftstoffdämpfe in
einem Kraftstoffdämpfespeicher
(in der Regel ein Aktivkohlebehälter)
adsorbiert werden. Da die Speicherkapazität des Kraftstoffdämpfespeichers
limitiert ist, ist es notwendig, diesen bei geeigneten Betriebszuständen der Brennkraftmaschine
zu regenerieren. Zu diesem Zweck ist der Kraftstoffdämpfespeicher über eine
Entlüftungsleitung
mit dem Saugrohr der Brennkraftmaschine verbunden. Durch kontrolliertes Öffnen eines
in der Entlüftungsleitung
befindlichen Tankentlüftungsventils
wird der Kraftstoffdämpfespeicher
während
der Tankentlüftung
mit dem Saugrohr pneumatisch verbunden. Durch den im Saugrohr herrschenden
Unterdruck werden die im Kraftstoffdämpfespeicher adsorbierten Kraftstoffdämpfe als
Regeneriergas in das Saugrohr gesaugt, um anschließend an
der Verbrennung teilzunehmen.
-
Aufgrund
der im Regeneriergas enthaltenen Kohlenwasserstoffe kommt es bei
der Tankentlüftung
zu einer Veränderung
der Brenngemischzusammensetzung. Zur Gewährleistung einer ausreichenden
Verbrennungsgüte
(Laufruhe) und einer optimalen Abgasreinigung ist es jedoch notwendig,
das Luft/Kraftstoffverhältnis
des Brenngemisches auf einen definierten Wert einzustellen. Um dies
zu erreichen, wird die der Brennkraftmaschine über Einspritzventile zugemessene
Kraftstoffmenge entsprechend angepasst. Die Durchführung der Tankentlüftung ist
jedoch nur in bestimmten Betriebspunkten der Brennkraftmaschine
möglich,
nämlich
dann, wenn der Unterdruck im Saugrohr ausreichend groß ist, um
die im Speicherbehälter
adsorbierten Kohlenwasserstoffe anzusaugen. Die Tankentlüftung wird
deshalb vorzugsweise im Leerlauf oder im Teillastbetrieb durchgeführt.
-
Ferner
verfügen
moderne Brennkraftmaschinen über
eine Lambda-Reglereinrichtung,
d. h. einen geschlossenen Regelkreis zur Regelung der zuzumessenden
Kraftstoffmenge. Kernelemente der Lambda-Reglereinrichtung stellen
der Lambda-Regler, die Kraftstoffzuführung und ein im Abgasstrang
der Brennkraftmaschine angeordneter Lambdasensor dar, mittels dem
die Zusammensetzung des Abgases gemessen und Rückschlüsse auf die Zusammensetzung
des Brenngemisches gezogen werden können. Zur Gewährleistung einer
optimalen Abgasreinigung und einer guten Brennstabilität muss die
Abgaszusammensetzung bzw. die Brenngemischzusammensetzung auf einen
definierten Sollwert eingestellt werden. Bei einer Abweichung der Zusammensetzung
des Brenngemisches bzw. des Abgases vom Sollwert wird die der Brennkraftmaschine
zugeführte
Kraftstoffmenge entsprechend korrigiert und so auf den Sollwert
eingeregelt. Die dabei ermittelten Korrekturwerte können auch
zur Anpassung der betriebspunktabhängigen Vorsteuerung der Komponenten der
Kraftstoffeinspritzung und deren Diagnose herangezogen werden. Beispielsweise
können
Einspritzventile je nach Betriebspunkt unterschiedliche Charakteristika
aufweisen, welche bei einem Betriebspunktwechsel bereits in der
Vorsteuerung zu berücksichtigen
sind. Ferner kann sich das Betriebsverhalten dieser Komponenten auch über die
Lebensdauer verändern.
Derartige Abweichungen im Verhalten dieser Komponenten werden von
der Lambda-Reglereinrichtung erkannt und in Form eines entsprechenden
Korrekturwerts in der Vorsteuerung der jeweiligen Komponente berücksichtigt.
Dadurch kann die Verbrennungsstabilität verbessert werden, was insbesondere
im Leerlauf eine wichtige Rolle spielt. Die Anpassung der Vorsteuerung
der Komponenten des Kraftstoffmengenregelkreises ist auch als Grundgemischadaption
bekannt.
-
Bisher
war es nicht möglich,
den Tankentlüftungsvorgang
und die Grundgemischadaption gleichzeitig durchzuführen, da
eine Trennung der jeweiligen Effekte auf die Brenngemischzusammensetzung
nicht möglich war.
Wie oben bereits erwähnt,
werden die Tankentlüftung
und die Grundgemischadaption bevorzugt in Betriebsbereichen des
Leerlaufs und der unteren Teillast der Brennkraftmaschine durchgeführt. Durch
die Einführung
neuer Konzepte zur Kraftstoffeinsparung, wie beispielsweise die
automatische Stopp-Start-Automatik, werden die möglichen Zeitfenster zur Durchführung der
oben genannten Vorgänge
weiter reduziert.
-
Aus
der
DE 35 02 573 A1 ist
ein Verfahren zur Steuerung eines Tankentlüftungsvorgangs offenbart, bei
dem das Tankentlüftungsventil,
ausgehend von einem geschlossenen Zustand, rampenförmig geöffnet wird,
wodurch die im Aktivkohlefilter gespeicherten Kraftstoffdämpfe in
den Motor abgesaugt werden. Die durch diese Änderung hervorgerufene Abweichung
des Lambda-Regelfaktors vom Sollwert spiegelt sich in einem Korrekturwert
wieder, der bei der Berechnung der zuzuführenden Kraftstoffmenge oder
eines Kraftstoffeinspritzsignals entsprechend berücksichtigt
wird. Dadurch ergibt sich eine adaptive Vorsteuerung bei der Tankentlüftung.
-
Aus
der Patentschrift
US
5 746 187 A ist bekannt, während der Durchführung des
Tankentlüftungsvorgangs
die Spülgasrate
schrittweise in Richtung eines den Betriebsbedingungen des Motors
entsprechenden Zielwert zu ändern,
um so Störungen
bei der Lambda-Regelung zu vermeiden.
-
Es
ist die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Verfahren und eine
Vorrichtung zum Steuern einer Brennkraftmaschine bereitzustellen,
mittels denen die Tankentlüftung
und die Grundgemischadaption gleichzeitig durchgeführt werden
können.
-
Diese
Aufgabe wird durch das Verfahren und die Vorrichtung gemäß den unabhängigen Ansprüchen gelöst. Vorteilhafte
Aus gestaltungen der Erfindung sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
-
Ein
Steuerverfahren gemäß dem Anspruch
1 betrifft eine Brennkraftmaschine, welcher eine Tankentlüftungsvorrichtung
zugeordnet ist. Dabei wird ausgehend von einem Zustand, in dem ein
Tankentlüftungsventil
der Tankentlüftungsvorrichtung
geöffnet
ist, die Brennkraftmaschine an einem stationären Betriebspunkt betrieben.
Das Tankentlüftungsventil
wird derart gesteuert, dass ein definierter Regeneriergasvolumenstrom
von der Tankentlüftungsvorrichtung
zu der Brennkraftmaschine strömt
und das Regeneriergas an der Verbrennung teilnimmt. Ein erster Kraftstoffmengenkorrekturwert
wird ermittelt, um welchen ein Basisvorsteuerwert für die einzuspritzende
Kraftstoffmenge korrigiert werden muss, um die Abgaszusammensetzung
auf einen vorgegebenen Sollwert einzuregeln. Anschließend wird
der Regeneriergasvolumenstrom um einen vorgegebenen Änderungsbetrag
variiert. Es wird ein zweiter Kraftstoffmen genkorrekturwert ermittelt,
um welchen der Basisvorsteuerwert für die einzuspritzende Kraftstoffmenge
korrigiert werden muss, um die Abgaszusammensetzung nach Variation
des Regeneriergasvolumenstroms wieder auf den vorgegebenen Sollwert
einzuregeln. Basierend auf dem ersten Kraftstoffmengenkorrekturwert,
dem zweiten Kraftstoffmengenkorrekturwert und dem Änderungsbetrag
für den
Regeneriergasvolumenstrom wird ein dritter Kraftstoffmengenkorrekturwert
berechnet, um welchen der Basisvorsteuerwert für die einzuspritzende Kraftstoffmenge
korrigiert werden müsste,
um die Abgaszusammensetzung bei geschlossenem Tankentlüftungsventil
wieder auf den vorgegebenen Sollwert einzuregeln. Anschließend wird
basierend auf dem dritten Kraftstoffmengenkorrekturwert eine Korrektur
des Basisvorsteuerwerts für
die eingespritzte Kraftstoffmenge und/oder eine Diagnose einer der
Brennkraftmaschine zugeordneten Komponente durchgeführt.
-
Dieses
Verfahren erlaubt es, während
der Durchführung
eines Tankentlüftungsvorgangs
eine Grundgemischadaption und/oder eine Diagnose einer der Brennkraftmaschine
zugeordneten Komponente durchzuführen.
Dazu muss während
des Tankentlüftungsvorgangs
der Regeneriergasvolumenstrom bzw. der Öffnungsgrad des Tankentlüftungsventils
nur um einen gewissen Betrag geändert
werden. Kerngedanke der Erfindung ist es, an einem stationären Betriebspunkt
der Brennkraftmaschine durch Variation des Regeneriergasvolumenstroms
den Anteil der Tankentlüftung
an den Korrekturwerten für
die Kraftstoffeinspritzung zu quantifizieren und in einem weiteren
Schritt rechnerisch auf den Anteil der Korrekturwerte zu erhalten,
welcher durch betriebspunktabhängige
Variationen im Betriebsverhalten von Komponenten bedingt ist. Darauf
aufbauend können
dann eine Grundgemischadaption und/oder eine Diagnose der Komponenten
durchgeführt
werden. Dadurch, dass die Tankentlüftung, die Grundgemischadaption
und/oder eine Diagnose einer der Brennkraftmaschine zugeordneten
Komponente zeitgleich durchgeführt
werden können,
kann die Häufigkeit
dieser Vorgänge
deutlich gesteigert werden.
-
In
Ausgestaltung des Verfahrens gemäß den Ansprüchen 2 und
3 ergeben sich der erste und der zweite Kraftstoffmengenkorrekturwert
zumindest teilweise aus einer Ausgangsgröße einer Lambda-Reglereinrichtung
und/oder aus einem ermittelten Vorsteuerwert zur Kompensation der
durch den Regeneriergasstrom zusätzlich
zugeführten
Kraftstoffmenge.
-
Da
sowohl die Ausgangsgrößen der
Lambda-Reglereinrichtung als auch der Vorsteuerwert zur Kompensation
der durch den Regeneriergasstrom zusätzlich zugeführten Kraftstoffmenge
standardmäßig in eine entsprechenden
Steuervorrichtung ermittelt werden, können der erste und der zweite
Kraftstoffmengenkorrekturwerte auf einfache Weise quantitativ ermittelt
werden.
-
In
einer Ausgestaltung des Verfahrens nach Anspruch 4, betrifft die
Diagnose eine Kraftstoffeinspritzvorrichtung der Brennkraftmaschine,
wobei die Kraftstoffeinspritzvorrichtung als defekt beurteilt wird,
falls der dritte Kraftstoffmengenkorrekturwert außerhalb
eines vorgegebenen Toleranzbandes liegt.
-
Auf
diese Weise kann mit geringem Aufwand die Funktionstüchtigkeit
einer Komponente beurteilt werden.
-
In
einer Ausgestaltung des Verfahrens nach Anspruch 5, wird basierend
aus dem ersten Kraftstoffmengenkorrekturwert, dem zweiten Kraftstoffmengenkorrekturwert
und dem Änderungsbetrag
für den
Regeneriergasvolumenstrom eine Kraftstoffkonzentration (CL) im Regeneriergas
berechnet.
-
Auf
diese Weise kann zusätzlich
der korrekte Wert für
die Kraftstoffkonzentration im Regeneriergas ermittelt werden, welcher
bedeutend für
Vorsteuerung der Einspritzmenge während der Tankentlüftung ist.
Je genauer der Wert für
die Kraftstoffkonzentration im Regeneriergas ist, umso geringer
ist die Aktivität
des Lambdareglers.
-
Eine
Steuervorrichtung für
eine Brennkraftmaschine gemäß dem Anspruch
6 ist ausgebildet zur Durchführung
des Verfahrens nach Anspruch 1. Bezüglich der sich dadurch ergebenden
Vorteile wird auf die Ausführungen
zu Anspruch 1 verwiesen.
-
Im
Folgenden wird die Erfindung anhand eines Ausführungsbeispiels mit Bezug auf
die beigefügten Figuren
näher erläutert. In
den Figuren sind:
-
1 eine
schematische Darstellung einer Brennkraftmaschine;
-
2 ein Ausführungsbeispiel eines Verfahrens
zum Steuern einer Brennkraftmaschine in Form eines Ablaufdiagramms;
-
3 ein
Diagramm zur weiteren Erläuterung
des Ausführungsbeispiels
der 2.
-
In 1 ist
ein Ausführungsbeispiel
einer Brennkraftmaschine 1 dargestellt. Die Brennkraftmaschine 1 weist
mindestens einen Zylinder 2 und einen in dem Zylinder 2 auf
und ab beweglichen Kolben 3 auf. Die zur Verbrennung nötige Frischluft
wird über
einen Ansaugtrakt 4 in einen von dem Zylinder 2 und
dem Kolben 3 begrenzten Brennraum 5 eingeleitet.
Stromabwärts
einer Ansaugöffnung 6 befinden
sich in dem Ansaugtrakt 4 ein Luftmassensensor 7 zur
Erfassung des Luftdurchsatzes im Ansaugtrakt 4, welcher
als Maß für die Last der
Brennkraftmaschine 1 angesehen werden kann, eine Drosselklappe 8 zur
Steuerung des Luftdurchsatzes, ein Saugrohr 9 und ein Einlassventil 10,
mittels dem der Brennraum 5 mit dem Ansaugtrakt 4 wahlweise
verbunden oder getrennt wird.
-
Die
Zündung
des Brenngemisches geschieht mittels einer Zündkerze 11. Die durch
die Verbrennung erzeugte Antriebsenergie wird über eine Kurbelwelle 12 an
den Antriebsstrang des Kraftfahrzeuges (nicht dargestellt) übertragen.
Ein Drehzahlsensor 13 erfasst die Drehzahl der Brennkraftmaschine 1.
-
Die
Verbrennungsabgase werden über
einen Abgastrakt 14 der Brennkraftmaschine 1 abgeführt. Der Brennraum 5 wird
mittels eines Auslassventils 15 mit dem Abgastrakt 14 wahlweise
verbunden oder von diesem getrennt. Die Abgase werden in einem Abgasreinigungskatalysator 16 gereinigt.
Im Abgastrakt 14 befindet sich ferner ein so genannter
Lambda-Sensor 17 zur Messung des Sauerstoffgehalts im Abgas.
Bei dem Lambda-Sensor 17 kann es sich dabei sowohl um einen
binären
Lambda-Sensor als auch um einen linearen Lambda-Sensor 17 handeln.
-
Die
Brennkraftmaschine 1 umfasst ferner eine Kraftstoffversorgungseinrichtung
mit einem Kraftstofftank 18, einer Kraftstoffpumpe 19,
einer Hochdruckpumpe 20, einem Druckspeicher 21 und
zumindest einem steuerbaren Einspritzventil 22. Der Kraftstofftank 18 weist
einen verschließbaren
Einfüllstutzen 23 zum
Einfüllen
von Kraftstoff auf. Der Kraftstoff wird mittels der Kraftstoffpumpe 19 aus
dem Kraftstofftank 18 in eine Kraftstoffversorgungsleitung 24 gefördert. In
der Kraftstoffversorgungsleitung 24 sind die Hochdruckpumpe 20 und der
Druckspeicher 21 angeordnet. Die Hochdruckpumpe 20 hat
die Aufgabe, dem Druckspeicher 21 den Kraftstoff mit hohem
Druck zuzuführen.
Der Druckspeicher 21 ist dabei als gemeinsamer Druckspeicher 21 für alle Einspritzventile 22 ausgebildet.
Von ihm aus werden alle Einspritzventile 22 mit druckbeaufschlagtem
Kraftstoff versorgt. Im Ausführungsbeispiel
handelt es sich um eine Brennkraftmaschine 1 mit Kraftstoffdirekteinspritzung,
bei der der Kraftstoff mittels eines in den Brennraum 5 ragenden
Einspritzventils 22 direkt in den Brennraum 5 eingespritzt
wird. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die vorliegende Erfindung
nicht auf diese Art der Kraftstoffeinspritzung beschränkt ist,
sondern auch auf andere Arten der Kraftstoffeinspritzung, wie beispielsweise
Saugrohreinspritzung, anwendbar ist.
-
Die
Brennkraftmaschine 1 weist ferner eine Tankentlüftungsvorrichtung
auf. Zu der Tankentlüftungsvorrichtung
gehört
ein Kraftstoffdämpfespeicher 25,
welcher beispielsweise als Ak tivkohlebehälter ausgebildet ist und über eine
Verbindungsleitung 26 mit dem Kraftstofftank 18 verbunden
ist. Die in dem Kraftstofftank 18 entstehenden Kraftstoffdämpfe werden
in den Kraftstoffdämpfespeicher 25 geleitet
und dort von der Aktivkohle adsorbiert. Der Kraftstoffdämpfespeicher 25 ist über eine
Entlüftungsleitung 27 mit
dem Saugrohr 9 der Brennkraftmaschine 1 verbunden.
In der Entlüftungsleitung 27 befindet
sich ein steuerbares Tankentlüftungsventil 28.
Ferner kann dem Kraftstoffdämpfespeicher 25 über eine
Belüftungsleitung 29 und
ein optional darin angeordnetes steuerbares Belüftungsventil 30 Frischluft
zugeführt
werden. In bestimmten Betriebsbereichen der Brennkraftmaschine 1,
insbesondere im Leerlauf oder bei Teillast, herrscht aufgrund des
starken Drosseleffekts durch die Drosselklappe 8 ein großes Druckgefälle zwischen
der Umgebung und dem Saugrohr 9. Durch Öffnen des Tankentlüftungsventils
und des Belüftungsventils 30 während eines
Tankentlüftungszeitraums kommt
es daher zu einem Spüleffekt,
bei dem die in dem Kraftstoffdämpfespeicher 25 gespeicherten
Kraftstoffdämpfe
als Regeneriergasstrom in das Saugrohr 9 geleitet werden
und an der Verbrennung teilnehmen. Die Kraftstoffdämpfe verursachen
somit eine Veränderung
der Zusammensetzung der Brenngase und der Abgase.
-
Der
Brennkraftmaschine 1 ist eine Steuervorrichtung 31 zugeordnet,
in welcher kennfeldbasierte Motorsteuerungsfunktionen (KF1 bis KF5)
softwaremäßig implementiert
sind. Die Steuervorrichtung 31 ist mit sämtlichen
Aktuatoren und Sensoren der Brennkraftmaschine 1 über Signal-
und Datenleitungen verbunden. Insbesondere ist die Steuervorrichtung 31 mit
dem steuerbaren Belüftungsventil 30,
dem steuerbaren Tankentlüftungsventil 28,
dem Luftmassensensor 7, der steuerbaren Drosselklappe 8,
dem steuerbaren Einspritzventil 22, der Zündkerze 11,
dem Lambda-Sensor 17, dem Drehzahlsensor 13 und
einem integrierten Druck-/Temperatursensor 32 zur Messung
des Umgebungsdrucks und der Umgebungstemperatur verbunden.
-
Teile
der Brennkraftmaschine 1 und der Steuervorrichtung 31 bilden
eine Lambda-Reglereinrichtung. Die Lambda- Reglereinrichtung umfasst insbesondere
den Lambda-Sensor 17, einen in der Steuervorrichtung 31 softwaremäßig implementierten
Lambda-Regler 33, sowie die Einspritzventile 22 und
deren Steuermechanismus und Steuerelektronik, mit denen die über die
Einspritzventile 22 zugemessene Kraftstoffmenge eingestellt
wird. Bei dem Lambda-Regler 33 handelt es sich beispielsweise
um einen PI-Regler. Die Lambda-Reglereinrichtung bildet einen geschlossenen
Lambda-Regelkreis und ist derart ausgestaltet, dass eine von dem Lambda-Sensor 17 erfasste
Abweichung der Abgaszusammensetzung von einem vorgegebenen Lambda-Sollwert
mittels einer Kraftstoffmengenkorrektur korrigiert wird.
-
Die
Bemessung der zuzuführenden
Kraftstoffmenge erfolgt im Wesentlichen durch zwei Aspekte. Zum einen
wird durch die Steuervorrichtung 31 ein betriebspunktabhängiger Basisvorsteuerwert
für die
zuzuführende
Kraftstoffmenge ermittelt. Der betriebspunktabhängige Basisvorsteuerwert wird
beispielsweise mittels eines Kennfeldes in Abhängigkeit von der Drehzahl und
einem Lastparameter (zugeführte
Frischluftmenge oder Saugrohrdruck) ermittelt. Die Bedatung des
Kennfeldes kann beispielsweise an einem Motorprüfstand erfolgen.
-
Zum
anderen erfordern veränderte
Betriebsbedingungen oder Umgebungsbedingungen eine entsprechende
Anpassung der zuzuführenden
Kraftstoffmenge. Dabei wird der betriebspunktabhängige Basisvorsteuerwert durch
entsprechende Kraftstoffmengenkorrekturwerte korrigiert. Typische
Situationen, welche eine derartige Anpassung erfordern, sind die
Tankentlüftung,
bei der der Brennkraftmaschine zusätzlicher Kraftstoff zugeführt wird,
oder alterbedingte und betriebspunktabhängige Veränderungen in der Betriebscharakteristik
von Komponenten der Kraftstoffzuführung (beispielsweise der Einspritzventile 22).
-
Bei
Durchführung
einer Tankentlüftung
wird der Brennkraftmaschine 1 zusätzlicher Kraftstoff zugeführt. Bei
Kenntnis der Kraftstoffkonzentration im Regeneriergas und dem Durchfluss
am Tankentlüftungsventil 28 kann
durch die Steuereinrichtung 33 ein entsprechender Kraftstoffmengenkorrekturwert
ermittelt werden, um den Einfluss der Tankentlüftung auf die Brenngemischzusammensetzung
von vornherein abzuschwächen. Dabei
wird der Basisvorsteuerwert durch den Kraftstoffmengenkorrekturwert
in Form einer Vorsteuerung korrigiert. Der Einfluss der Tankentlüftung auf
die Brenngemischzusammensetzung wird durch den Kraftstoffmengenkorrekturwert
nicht immer komplett kompensiert.
-
Auch
bei alterbedingten und betriebspunktabhängigen Veränderungen in der Betriebscharakteristik der
Komponenten der Kraftstoffeinspritzung kommt es zu einer Abweichung
der zugemessenen Kraftstoffmenge und damit zu einer ungewollten Änderung
der Brenngemischzusammensetzung.
-
Änderungen
der Brenngemischzusammensetzung werden von dem Lambda-Sensor 17 erfasst.
Der gemessene Lambda-Wert weicht in dem Fall von einem aktuellen
Sollwert ab. Es kommt also zu einer Regelabweichung, welche durch
den Lambda-Regler 33 registriert und durch eine entsprechende
Veränderung
der Regler-Ausgangsgröße ausgeregelt
wird. Dies geschieht durch Vorgabe einer entsprechenden Stellgröße an die
Einspritzventile 22, wodurch die eingespritzte Kraftstoffmenge
unter Vorgabe eines Kraftstoffmengenkorrekturwerts entsprechend
derart korrigiert wird, bis die Störung ausgeregelt ist.
-
Die
der Brennkraftmaschine zuzuführende
Kraftstoffmenge an einem Betriebspunkt ergibt sich demnach durch
den Basisvorsteuerwert und die Kraftstoffmengenkorrekturwerte, welche
sowohl von der Steuervorrichtung ermittelte Vorsteuerwerte oder
Regler-Ausgangswerte des Lambdareglers 33 sein können.
-
In 2 ist ein Ausführungsbeispiel eines Verfahrens
zum Steuern der Brennkraftmaschine 1 in Form eines Ablaufdiagramms
dargestellt. 3 dient der Veranschaulichung
des Verfahrens. Dabei ist der Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr über dem gesamten Regeneriergasstrom ΔṁTot,CP darge stellt. Der Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr stellt dabei die Summe der Kraftstoffmengenkorrekturwerte
(wie oben beschrieben), um welche der Basisvorsteuerwert für die zuzuführende Kraftstoffmenge
korrigiert werden muss, um die Abgaszusammensetzung auf den Sollwert
einzuregeln.
-
Das
Verfahren wird mit Schritt 200, beispielsweise beim Anlassen
der Brennkraftmaschine 1 gestartet.
-
In
Schritt 201 wird an einem beliebigen Betriebspunkt in einem
geeigneten Betriebsbereich, beispielsweise im Leerlauf oder im unteren
Teillastbereich, ein Tankentlüftungsvorgang
durch Öffnen
des Tankentlüftungsventils 28 gestartet.
Dabei strömt
Regeneriergas von der Tankentlüftungsvorrichtung
in die Brennkraftmaschine 1 und nimmt an der Verbrennung
teil. Das Tankentlüftungsventil 28 bleibt
während
der folgenden Schritte geöffnet.
Um den Einfluss der Tankentlüftung
auf die Brenngemischzusammensetzung zu verringern, wird beim Öffnen des
Tankentlüftungsventils
der Basisvorsteuerwert für
die zuzuführende
Kraftstoffmenge um einen Kraftstoffmengenkorrekturwert korrigiert.
Dieser Kraftstoffmengenkorrekturwert kann basierend auf der Kraftstoffkonzentration
im Regeneriergas und dem Durchfluss durch das Tankentlüftungsventil 28 ermittelt werden.
Der Wert der Kraftstoffkonzentration kann jedoch Ungenauigkeiten
aufweisen, sodass die Kompensation unvollständig ist. Dies wird jedoch
durch den Lambdaregler 3 ausgeglichen.
-
In
Schritt 202 wird geprüft,
ob ein stationärer
Betriebpunkt der Brennkraftmaschine vorliegt. Ein stationärer Betriebspunkt
wird beispielsweise dann erkannt, wenn sich die Drehzahl und die
Frischluftmenge über einen
vorgegebenen Zeitraum innerhalb eines Toleranzbandes befinden. Die
Abfrage wird so lange wiederholt bis sich ein positives Ergebnis
ergibt. Der stationäre
Betriebspunkt muss dabei nicht identisch mit dem Betriebspunkt sein,
an dem das Tankentlüftungsventil 28 geöffnet wurde.
-
Bei
einem positiven Ergebnis der Abfrage in Schritt 202 wird
in Schritt 203 das Tankentlüftungsventil 28 derart
gesteuert, dass sich ein definierter, konstanter Regeneriergasvolumenstrom ṁTot,CP,A (siehe 3) einstellt.
-
In
Schritt 204 wird die die Abgaszusammensetzung durch den
Lambda-Regler 33 auf den Sollwert eingeregelt. Dies kann
durch Ausgabe eines Reglerausgangswerts in Form eines Kraftstoffmengenkorrekturwerts erfolgen,
um welchen der Basisvorsteuerwert korrigiert wird.
-
In
Schritt 205 wird ein erster Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,A ermittelt. Dieser erste Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,A besteht aus der Summe aller Kraftstoffmengenkorrekturwerte,
um welche der Basisvorsteuerwert für die Kraftstoffeinspritzung
korrigiert werden muss, um die Abgaszusammensetzung bei Regeneriergasvolumenstrom ṁTot,CP,A auf den Sollwert einzuregeln. Im
Falle des Ausführungsbeispiels
stellt der erste Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,A die Summe aus dem Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,CP (siehe 3), welcher
sich rechnerisch aus dem Regeneriergasvolumenstrom und der Kraftstoffkonzentration im
Regeneriergas ergibt, und dem Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,λ (siehe 3),
welcher als Reglerausgangswert von dem Lambda-Regler 33 stammt.
-
In
Schritt 206 wird der Regeneriergasvolumenstrom ṁTot,CP vom Wert ṁTot,CP,A um
die Differenz ΔṁTot,CP auf den Wert ṁTot,CP,B verringert
(siehe 3). Durch diese Variation des Regeneriergasvolumenstroms ṁTot,CP verändert sich auch der Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,CP der Steuervorrichtung.
-
In
Schritt 207 wird die Abgaszusammensetzung durch den Lambda-Regler 33 wieder
auf den Sollwert eingeregelt.
-
In
Schritt 208 wird ein zweiter Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,B ermittelt. Analog dem ersten Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,A stellt auch der zweite Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,B die Summe aller Kraftstoffmengenkorrekturwerte
dar, um welche der Basisvorsteuerwert für die Kraftstoffeinspritzung
korrigiert werden muss, um die Abgaszusammensetzung bei Regeneriergasvolumenstrom ṁTot,CP,B auf den Sollwert einzuregeln.
-
Die
Werte des ersten Kraftstoffmengenkorrekturwerts ṁFuel,Corr,A und des zweiten Kraftstoffmengenkorrekturwerts ṁFuel,Corr,B legen im Diagramm der 3 die
Gerade CL fest, deren Steigung die Kraftstoffkonzentration im Regeneriergas
repräsentiert.
Darauf wird weiter unten noch eingegangen.
-
In
Schritt
209 wird basierend auf dem ersten Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁ
Fuel,Corr,A, dem zweiten Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁ
Fuel,Corr,B und dem Änderungsbetrag Δṁ
Tot,CP für
den Regeneriergasvolumenstrom ein dritter Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁ
Fuel,Corr,bas berechnet. Der dritte Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁ
Fuel,Corr,bas stellt den Wert dar, um welchen
der Basisvorsteuerwert für
die einzuspritzende Kraftstoffmenge korrigiert werden müsste, um
die Abgaszusammensetzung bei geschlossenem Tankentlüftungsventil
wieder auf den vorgegebenen Sollwert einzuregeln. Damit enthält der dritte
Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁ
Fuel,Corr,bas nur die
Korrekturen, die notwendig sind, um betriebspunktabhängige Änderungen
in der Gemischzusammensetzung, beispielsweise verursacht durch Abweichungen
in der Charakteristika von Komponenten der Kraftstoffeinspritzung,
zu korrigieren. Der Einfluss der Tankentlüftung auf die Gemischzusammensetzung
wird dadurch rechnerisch eliminiert. In
3 ergibt
sich der dritte Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁ
Fuel,Corr,bas durch den Schnittpunkt der
Linie CL und der Ordinate, d. h. bei einem Regeneriergasvolumenstrom ṁ
Tot,CP von Null. Die Berechnung kann dabei
folgendermaßen
erfolgen:
Die allgemeine Gleichung der Gerade CL ergibt sich
zu:
-
Daraus
kann der dritte Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁ
Fuel,Corr,bas berechnet werden:
-
Dabei
sind alle Werte zur Berechnung des dritten Kraftstoffmengenkorrekturwerts ṁFuel,Corr,bas bekannt bzw. von der Steuervorrichtung
ermittelbar.
-
-
Da
der dritte Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,bas nur
die Korrekturen enthält,
die notwendig sind, um betriebspunktabhängige Änderungen in der Gemischzusammensetzung,
beispielsweise verursacht durch Abweichungen in der Charakteristika
von Komponenten der Kraftstoffeinspritzung, zu korrigieren, wird
dieser in Schritt 210 dazu verwendet werden, den Basisvorsteuerwert
für diesen
Betriebspunkt der Brennkraftmaschine zu korrigieren, sodass diese
Grundgemischabweichung bei nächsten
Anfahren bereits im Basisvorsteuerwert für die zuzuführende Kraftstoffmenge enthalten
ist. Dadurch kann die Aktivität
des Lambdareglers 33 deutlich entlastet werden. Dieser
Vorgang wird auch als Grundgemischadaption bezeichnet.
-
Der
dritte Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,bas kann
auch zur Diagnose der Kraftstoffzuführeinrichtung (enthält alle
Komponenten, die für
die Kraftstoffzumessung notwendig sind) verwendet werden. Dies wird
in Schritt 211 durchgeführt,
in dem geprüft
wird, ob der dritte Kraftstoffmengenkorrekturwert ṁFuel,Corr,bas innerhalb eines vorgegebenen
Toleranzbandes liegt.
-
Ist
dies nicht der Fall, so wird die Kraftstoffzuführeinrichtung in Schritt 212 als
defekt bewertet und ein entsprechender Eintrag in einen Fehlerspeicher
vorgenommen. Andernfalls kann das Verfahren mit Schritt 213 beendet
oder alternativ von neuem begonnnen werden.
-
Wie
weiter oben schon erwähnt
wurde, stellt der Wert der Steigung der Geraden CL die Kraftstoffkonzentration
im Regeneriergas dar. Somit kann diese einfach durch folgende Gleichung
berechnet werden:
-
Das
erfindungsgemäße Verfahren
bietet den Vorteil, dass die Tankentlüftung, die Grundgemischadaption
und/oder eine Diagnose einer Komponente zeitgleich durchgeführt werden
können.
Im Unterschied zu bekannten Verfahren ist es nicht mehr notwendig,
diese getrennt durchzuführen.
Gerade im Hinblick auf aktuelle Technologien, wie beispielsweise
die Stopp-Start-Automatik,
durch welche die für
die Grundgemischadaption, die Komponentendiagnose und die Tankentlüftung geeigneten
Zeiträume
immer weiter beschränkt
werden, ist es durch das beschriebene Verfahren möglich, diese
Maßnahmen
mit der nötigen
Häufigkeit
durchzuführen.