DE102007046436A1 - Anpassverfahren für ein Hörgerät mit Trommelfellschwingungsanalyse und entsprechende Anpassvorrichtung - Google Patents
Anpassverfahren für ein Hörgerät mit Trommelfellschwingungsanalyse und entsprechende Anpassvorrichtung Download PDFInfo
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Abstract
Die Anpassung eines Hörgeräts an einen individuellen Hörverlust soll verbessert werden. Hierzu wird vorgeschlagen, das Trommelfell (10) eines Nutzers mit einer Schallquelle (11) zu stimulieren. Ein Vibrometer (12, 13) nimmt die Schwingungen des stimulierten Trommelfells (10) auf. Das Auswerten der Schwingungen erfolgt in einer Auswerteeinrichtung (14), wodurch mindestens ein Wert eines Anpassparameters für das anzupassende Hörgerät (16) gewonnen wird. Mit dieser Schwingungsanalyse des Trommelfells lassen sich Aussagen über das Hörvermögen, insbesondere auch bei kleinen Kindern, ermitteln und das Hörgerät entsprechend einstellen.
Description
- Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zum Anpassen eines Hörgeräts an die Hörfähigkeit eines Nutzers. Darüber hinaus betrifft die vorliegende Erfindung eine Anpassvorrichtung zum Anpassen eines Hörgeräts an die Hörfähigkeit eines Nutzers mit einer Schallquelle zum Stimulieren eines Trommelfells des Nutzers durch ein Schallsignal und einer Einstelleinrichtung zum Einstellen des Hörgeräts mit mindestens einem Anpassparameter.
- Hörgeräte sind tragbare Hörvorrichtungen, die zur Versorgung von Schwerhörenden dienen. Um den zahlreichen individuellen Bedürfnissen entgegenzukommen, werden unterschiedliche Bauformen von Hörgeräten wie Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO), Hörgerät mit externem Hörer (RIC: receiver in the canal) und In-dem-Ohr-Hörgeräte (IdO), z. B. auch Concha-Hörgeräte oder Kanal-Hörgeräte (ITE, CIC), bereitgestellt. Die beispielhaft aufgeführten Hörgeräte werden am Außenohr oder im Gehörgang getragen. Darüber hinaus stehen auf dem Markt aber auch Knochenleitungshörhilfen, implantierbare oder vibrotaktile Hörhilfen zur Verfügung. Dabei erfolgt die Stimulation des geschädigten Gehörs entweder mechanisch oder elektrisch.
- Hörgeräte besitzen prinzipiell als wesentliche Komponenten einen Eingangswandler, einen Verstärker und einen Ausgangswandler. Der Eingangswandler ist in der Regel ein Schallempfänger, z. B. ein Mikrofon, und/oder ein elektromagnetischer Empfänger, z. B. eine Induktionsspule. Der Ausgangswandler ist meist als elektroakustischer Wandler, z. B. Miniaturlautsprecher, oder als elektromechanischer Wandler, z. B. Knochenleitungshörer, realisiert. Der Verstärker ist üblicherweise in eine Signalverarbeitungseinheit integriert. Dieser prinzipielle Aufbau ist in
1 am Beispiel eines Hinter-dem-Ohr-Hörgeräts dargestellt. In ein Hörgerätegehäuse1 zum Tragen hinter dem Ohr sind ein oder mehrere Mikrofone2 zur Aufnahme des Schalls aus der Umgebung eingebaut. Eine Signalverarbeitungseinheit3 , die ebenfalls in das Hörgerätegehäuse1 integriert ist, verarbeitet die Mikrofonsignale und verstärkt sie. Das Ausgangssignal der Signalverarbeitungseinheit3 wird an einen Lautsprecher bzw. Hörer4 übertragen, der ein akustisches Signal ausgibt. Der Schall wird gegebenenfalls über einen Schallschlauch, der mit einer Otoplastik im Gehörgang fixiert ist, zum Trommelfell des Geräteträgers übertragen. Die Stromversorgung des Hörgeräts und insbesondere die der Signalverarbeitungseinheit3 erfolgt durch eine ebenfalls ins Hörgerätegehäuse1 integrierte Batterie5 . - Die Anpassung eines Hörgeräts bzw. eines Hörhilfegeräts erfolgt in der Regel im Dialog zwischen einem Hörgeräteträger und einem Akustiker. Dem Hörgeräteträger werden dabei unterschiedliche Testsignale dargeboten, die er subjektiv wahrnimmt, und seine Eindrücke teilt er dem Akustiker mit. Dieser vergleicht die Wahrnehmung des Hörgeräteträgers mit den Eindrücken Normalhörender auf das jeweilige Testsignal. Aus den unterschiedlichen Empfindungen leitet der Akustiker Hörgeräteparameter ab, die in der Regel zu einer verbesserten Anpassung des Hörgeräts an den Hörgeräteträger führen. Dieses Vorgehen wird solange wiederholt, bis der Schwerhörige eine Anzahl von Testsignalen subjektiv ähnlich empfindet wie ein Normalhörender.
- Die subjektiven Eindrücke sind jedoch insbesondere dann nicht zielführend, wenn er die Schalleindrücke nicht oder nicht mehr kennt. Auch ist die Anpassung an nicht-kooperative oder kommunikationsschwache Hörgeschädigte, wie beispielsweise Kinder oder demente Personen, mit bekannten Anpassverfahren problematisch. Daher versucht man bei diesen Personengruppen mit Hilfe audiometrischer Methoden einen Eindruck von der Fehlhörigkeit eines Hörgeschädigten zu gewinnen. Der Akustiker leitet daraus dann Parameter ab, von denen er annimmt, dass sie zu einer verbesserten Hörgeräteeinstellung führen. Dieses Vorgehen nimmt viel Zeit in Anspruch und führt häufig zu einer unvollkommenen, teilweise sogar gehörschädigenden Anpassung des Hörhilfegeräts an den Hörgeräteträger. Aus der Druckschrift
EP 1 073 314 A1 ist daher ein entsprechend weiter entwickeltes Verfahren zur Anpassung eines Hörhilfegeräts bekannt, bei dem Hörgeräteträger ebenfalls Stimuli zugeführt werden. Eine mit dem Hörgeräteträger verbundene Messeinrichtung erfasst durch die Stimulation evozierte Körpersignale und führt sie einer Auswerteeinheit zu, die daraus hörgerätespezifische Anpassparameter generiert. Diese werden an die Signalverarbeitungseinheit des Hörhilfegeräts zur individuellen Anpassung übertragen. Insbesondere werden folgende Messverfahren eingesetzt: Impedanzmessung des komplexen akustischen Widerstands des Mittelohrsystems, Elektroenzephalographie, Magnetoenzephalographie, Messung akustisch evozierter Ströme oder Potentiale und Messung otoakustischer Emissionen. - Weiterhin sind aus den Druckschriften
EP 1 262 734 A1 ,DE 195 27 108 A1 und Verfahren bekannt, bei denen mit Vibrometern bzw. Interferometern die Schwingungen eines Trommelfells gemessen werden können. Aus diesen Schwingungen kann auf die Hörfähigkeit eines Patienten rückgeschlossen werden.RU 2 258 462 C1 - Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, die Anpassung eines Hörgeräts gerade bei wenig kooperativen Personen zu verbessern.
- Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch ein Verfahren zum Anpassen eines Hörgeräts an die Hörfähigkeit eines Nutzers, durch Stimulieren eines Trommelfells des Nutzers mit einem Schallsignal, Aufnehmen von Schwingungen des stimulierten Trommelfells, Auswerten der Schwingungen zum Gewinnen mindestens eines Werts eines Anpassparameters für das Hörgerät und Einstellen des Hörgeräts mit dem mindestens einen Wert des Anpassparameters.
- Darüber hinaus wird erfindungsgemäß bereitgestellt eine Anpassvorrichtung zum Anpassen eines Hörgeräts an die Hörfähigkeit eines Nutzers mit einer Schallquelle zum Stimulieren eines Trommelfells des Nutzers mit einem Schallsignal und einer Einstelleinrichtung zum Einstellen des Hörgeräts mit mindestens einem Wert eines Anpassparameters, weiterhin umfassend ein Vibrometer zum Aufnehmen von Schwingungen des stimulierten Trommelfells und eine Auswerteeinrichtung zum Auswerten der Schwingungen und zum Gewinnen des mindestens einen Werts des Anpassparameters für das Hörgerät.
- In vorteilhafter Weise ist es somit möglich, direkt beispielsweise aus den Schwingungsamplituden der Schwingungen des Trommelfells den Wert eines Anpassparameters zu gewinnen. Der Akustiker ist dann nicht darauf angewiesen, das subjektive Empfinden des Hörgeschädigten in die Anpassung einfließen lassen zu müssen.
- In einer speziellen Ausführungsform können beim Auswerten der Schwingungen Daten über eine Hörschwelle des Nutzers gewonnen und für das Einstellen des Hörgeräts verwendet werden. Die Schwingungen des Trommelfells sind nämlich Grundvoraussetzung für die Hörschwelle des Patienten.
- Gleichzeitig zum Auswerten der Schwingungen kann auch eine Tonaudiometrie und/oder eine Hirnstammaudiometrie durchgeführt und zum Einstellen des Hörgeräts herangezogen werden. Auf diese Weise lässt sich das Anpassverfahren deutlich verfeinern, denn es gehen dann neben den rein objektiv messbaren Schwingungen auch subjektive Größen der neuronalen Verarbeitung des Hörgeschädigten in die Anpassung ein.
- Das Vibrometer der Anpassvorrichtung kann beispielsweise ein Laser-Interferometer aufweisen. Damit lassen sich die Schwingungen des Trommelfells sehr exakt optisch vermessen.
- Außerdem kann die Auswerteeinrichtung der Anpassvorrichtung einen Anpassrechner, insbesondere einen Anpass-PC aufweisen, mit dem umfangreiche Analysen durchgeführt und flexible Anpasswerte generiert werden können.
- Darüber hinaus kann die Einstelleinrichtung der Anpassvorrichtung eine Programmierschnittstelle für das Hörgerät, insbesondere eine so genannte „HiPro" umfassen. Damit lassen sich Anpasswerte in standardisierter Form drahtlos oder drahtgebunden auf ein Hörgerät übertragen.
- Die vorliegende Erfindung wird anhand der beigefügten Zeichnungen näher erläutert; in denen zeigen:
-
1 den prinzipiellen Aufbau eines Hörgeräts gemäß dem Stand der Technik; und -
2 eine Skizze einer erfindungsgemäßen Anpassvorrichtung. - Das nachfolgend näher geschilderte Ausführungsbeispiel stellt eine bevorzugte Ausführungsform der vorliegenden Erfindung dar.
- Die vorliegende Erfindung basiert auf dem Gedanken, dass die Schwingungen eines Trommelfells direkt für die Anpassung, d. h. zur unmittelbaren Gewinnung von Werten eines Anpassparameters, verwendet werden können. Daher wird gemäß
2 ein Trommelfell10 mit einer Schallquelle11 stimuliert. Der hierzu verwendete Testschall führt zu einer Schwingung des Trommelfells10 . Diese Trommelfellschwingung wird von einem Laser-Interferometer12 optisch erfasst. Ein entsprechendes Schwingungssignal wird an eine Analyseeinheit13 geliefert, die beispielsweise Schwingungsamplituden aus dem Signal gewinnt. Die Schwingungsamplituden werden dann von einem Anpass-PC14 ausgewertet und in einen Anpasswert umgesetzt. Diese Umsetzung erfolgt beispielsweise mit Hilfe einer LUT (Look-up-Table) oder einer analytischen Funktion, die die Schwingungsamplitude in eine Hörschwelle oder einen Hörverlust abbildet. Anschließend wird die Hörschwelle bzw. der Hörverlust mit der Hörschwelle oder dem Hörvermögen eines Normalhörenden verglichen. Schließlich wird aus dem Vergleich ein Anpasswert erzeugt. Unter Umständen wird auch direkt aus der Schwingungsamplitude mit einer Modellfunktion auf einen Anpasswert geschlossen. - Bei der Analyse der Trommelfellschwingung kann neben der Schwingungsamplitude auch beispielsweise der Verlauf einer Impulsantwort oder eine Phasenverschiebung für die Erzeugung eines Anpasswerts berücksichtigt werden.
- Der vom Anpass-PC
14 erzeugte Anpasswert wird mit Hilfe einer speziellen Programmierschnittstelle15 an das anzupassende Hörgerät16 übertragen. Als Programmierschnittstelle dient beispielsweise ein so genanntes „HiPro" das eine standardisierte Übertragung von Parameterwerten ermöglicht. Basierend auf den Schwingungsdaten des Trommelfells lässt sich somit ein Hörgerät16 genau anpassen. Diese Anpassung kann gegebenenfalls durch bereits etablierte Methoden der Hörgerätediagnostik ergänzt werden. Die mit dem Interferometer12 gewonnenen Schwingungsdaten geben direkt an, wie stark das Trommelfell schwingt. Durch den Vergleich mit den Werten Normalhörender lässt sich der korrespondierende Hörverlust ermitteln und somit die nötige Verstärkung für das Hörgerät16 berechnen. - Das oben beschriebene Verfahren lässt also eine Aussage über das Hörvermögen auch von weniger kooperativen Patienten, wie kleinen Kindern, zu. Als weiterer Vorteil gilt, dass sich die Messzeit im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren verkürzt. Schließlich lässt die Kombination von Tonaudiometrie oder Hirnstammaudiometrie eine wesentlich genauere Diagnose über das Ausmaß und den Ort zu, wo der Hörverlust zu lokalisieren ist. Letztendlich kann dadurch die Hörgeräteanpassung beschleunigt und verbessert werden, wodurch insgesamt die Rehabilitation des Schwerhörigen erleichtert wird.
- ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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- Zitierte Patentliteratur
-
- - EP 1073314 A1 [0005]
- - EP 1262734 A1 [0006]
- - DE 19527108 A1 [0006]
- - RU 2258462 C1 [0006]
Claims (8)
- Verfahren zum Anpassen eines Hörgeräts (
16 ) an die Hörfähigkeit eines Nutzers, gekennzeichnet durch – Stimulieren eines Trommelfells (10 ) des Nutzers mit einem Schallsignal, – Aufnehmen von Schwingungen des stimulierten Trommelfells (10 ), Auswerten der Schwingungen zum Gewinnen mindestens eines Werts eines Anpassparameters für das Hörgerät (16 ) und – Einstellen des Hörgeräts (16 ) mit dem mindestens einen Wert des Anpassparameters. - Verfahren nach Anspruch 1, wobei beim Auswerten Daten über eine Hörschwelle des Nutzers gewonnen und für das Einstellen des Hörgeräts (
16 ) verwendet werden. - Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei gleichzeitig zum Auswerten der Schwingungen eine Tonaudiometrie durchgeführt wird und zum Einstellen des Hörgeräts herangezogen wird.
- Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei gleichzeitig zum Auswerten der Schwingungen eine Hirnstammaudiometrie durchgeführt und zum Einstellen des Hörgeräts herangezogen wird.
- Anpassvorrichtung zum Anpassen eines Hörgeräts (
16 ) an die Hörfähigkeit eines Nutzers mit – einer Schallquelle (11 ) zum Stimulieren eines Trommelfells (10 ) des Nutzers mit einem Schallsignal und – einer Einstelleinrichtung (15 ) zum Einstellen des Hörgeräts (16 ) mit mindestens einem Wert eines Anpassparameters, gekennzeichnet durch, – ein Vibrometer (12 ,13 ) zum Aufnehmen von Schwingungen des stimulierten Trommelfells (10 ) und – eine Auswerteeinrichtung (14 ) zum Auswerten der Schwingungen und zum Gewinnen des mindestens einen Werts des Anpassparameters für das Hörgerät (16 ). - Anpassvorrichtung nach Anspruch 5, wobei das Vibrometer (
12 ,13 ) ein Laser-Interferometer aufweist. - Anpassvorrichtung nach Anspruch 5 oder 6, wobei die Auswerteeinrichtung (
14 ) einen Anpassrechner aufweist. - Anpassvorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 7, wobei die Einstelleinrichtung (
15 ) eine Programmierstelle für das Hörgerät (16 ) umfasst.
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|---|
| Schwab C.G.: Normalwetbestimmung von akustisch aus gelösten Trommelfell-Schwingungen mittels Laser Do ppler Interferometrie. Dissertation, Zürich, 2003 |
| Schwab C.G.: Normalwetbestimmung von akustisch ausgelösten Trommelfell-Schwingungen mittels Laser Doppler Interferometrie. Dissertation, Zürich, 2003 * |
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