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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren, vermittels dessen durch die explosionsartige
Zündung von flüssigen und gasförmigen
Treibstoffen in konzentrisch auf einem Stator angeordneten geschlossenen Brennkammern
ein axial wirkender Gasschubstrom erzeugt wird. Gleichzeitig werden
durch die erfindungsgemäße Anordnung eines Zellflügelrades
Rotationsimpulse auf einen Rotor übertragen, wodurch dieser
in axiale Umdrehungen versetzt wird.
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Dabei
wird ein entsprechendes Drehmoment auf der Abtriebswelle bereitgestellt.
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Die
gasförmigen Treibstoffe können vorzugsweise aus
einsatzüblichen vergasungsfähigen flüssigen
Brennstoffen oder gasförmigen Brennstoffen für Verbrennungsmotoren
und/oder Gasturbinen dargestellt werden.
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Für
den Antrieb von Luftfahrzeugen haben sich im Zuge der technischen
Entwicklung 2 Kategorien von Verbrennungskraftmaschinen herausgebildet:
der
Kolbenmotor und die Gasturbine.
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Als
Gasturbinen werden Axialgasturbinen eingesetzt, wobei unter Einschaltung
eines Untersetzungsgetriebes Propeller gekoppelt werden können (Propellerturbinen-Luftstrahltriebwerk – PTL,
sogenannte Turbopropantriebe).
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Weiterhin
wird zwischen Gleichdruck- und Gleichraumturbinen unterschieden,
wobei wiederum Gasturbinen vorrangig als Gleichdruckturbinen ausgelegt
sind (vgl.
DE1023051 ).
Dabei strömt der heiße Gasstrom ständig
zum offenen Turbinenraum auf der Austrittsseite. Bei Gleichraumturbinen
ist die Brennkammer gegenüber dem Turbolader durch Ventile abgeschlossen.
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Die
Treibstoffe werden der geschlossenen Brennkammer intermittierend
zugeführt, dadurch entsteht ein höherer Verbrennungsdruck
(Pulsionsantriebe). Eine Impulsturbine ist in
DE 1007118 beschrieben. Zur Erhöhung
des Wirkungsgrades wird die erforderliche Verbrennungsluft über
vorgeschaltete Turboverdichter komprimiert (Vgl.
Urlaub-Flugtriebwerke-SPRINGER-Verlag
1995).
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Eine
spezifische Eigenschaft der Axialgasturbinen ist ihr hohes Schub-/Masse-Verhältnis.
Dem steht ein hoher und nur bedingt regelbarer Treibstoffverbrauch
gegenüber. Von gravierendem Nachteil ist eine eingeschränkte
Möglichkeit der Lastregelung. Bei Unterschreitung einer
definierten Mindestdrehzahl kommt es zu einem rapiden Leistungsabfall,
was zur Folge hat, daß z. B. Strahlflugzeuge mit hohem potentiellem
Schub landen müssen, da im Falle eines notwendigen Durchstartens
ein Beschleunigen aus unteren Drehzahlbereichen zum Verlöschen
der Turbine führen kann, z. B. Mantelstromturbine von Eurojet
EJ 200 des Eurofighter.
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Axialgasturbinen
sind weiterhin nicht für Gegendruckleistungen geeignet,
d. h. schon bei einem geringen Gegendruck auf der Auslaßseite
neigen Axialgasturbinen ebenfalls zum Verlöschen, teilweise schon
bei 500 mm WS (sogen. Pumpen, das bedeutet Abgasstau mit Rückschlag
in den Brennraum). Dies erfordert beim Einsatz als Schubaggregat
z. B. für hydropneumatische Schiffsantriebe nach dem Prinzip
Wasserjetantrieb die Zwischenschaltung eines Turboverdichters mit
entsprechender Reduzierung des Wirkungsgrades (vgl. Patentanmeldung
Nr. 10019352.8-22 – Gasturbinenanordnung für Wasserfahrzeuge
mit Hybridantrieb und Verfahren zu ihrer Erzeugung).
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Bekannt
sind hohe Aufwendungen für die Fertigung der filigranen
Turbinenblätter bzw. der Einsatz hochfester Materialien
bei gleichzeitig hohem Wartungsaufwand und relativ geringer Standzeit.
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Es
ist Aufgabe der Erfindung, eine Impulsturbine zu schaffen, welche
auf die Ventilsteuerung sowie ein aufwendiges System von Turbinenblättern verzichtet
und statt dessen mit einem oder mehreren Zellflügelrädern
arbeitet.
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Dabei übernimmt
das Zellflügelrad, das nach dem Prinzip eines Kammerpropellers
aufgebaut ist, gleichzeitig die Funktion der Auslaßsteuerung
der Treibgase/Abgase und über ein integriertes Drehschiebersystem
auch die Einlaßsteuerung der Ladeluft.
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Durch
die erfindungsgemäße Anordnung der Turbinenachse
als Hohlwelle wird gleichzeitig als Pendant zur Mantelstromturbine
eine Kernstromturbine geschaffen. Durch die Anordnung der tangential angeordneten
und axial wirkenden Brennkammern kann im Gegensatz zur frei durchströmten
Axialturbine insbesondere eine kontrollierte und präzise
Dosierung und Regelbarkeit des Verbrennungsprozesses realisiert
werden. Die als Kernstromtriebwerk arbeitende Turbine hebt sich
grundsätzlich ab von den Konstruktionsprinzipien anderer
Impulsturbinen mit intermittierender Verbrennung, z. B
DE 3326985 .
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Durch
die elektronisch exakt auf den jeweiligen Leistungsbedarf abstimmbaren
Parameter Ladeluftspeisung, Treibstoffzufuhr und Zündvorgang
sind bei dem erfindungsgemäßen Kernstromtriebwerk
gegenüber herkömmlichen Axialgasturbinen deutliche Einsparungen
an Treibstoff zu erwarten.
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Gleichzeitig
ist eine äquivalente Senkung des CO2-Ausstoßes
damit verbunden. Auch kann der Geräuschpegel deutlich abgesenkt
werden, da die eigentlichen Verbrennungsvorgänge in von
der Außenwelt abgeschlossenen Räumen erfolgt.
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Als
besondere Vorteile ergeben sich lange Standzeiten infolge kompakter
Bauweise des Zellflügelrades sowie die Möglichkeit,
durch den Abgasstrom einen Gegendruck aufzubauen. Dies bedeutet eine
wirkungsvolle Bereitstellung eines hohen Drehmomentes auch bei niedrigen
Drehzahlen. Gleichzeitig wird das bei Luftstrahltriebwerken gefürchtete
Verlöschen ausgeschlossen (vgl. Schubert – Deutsche Triebwerke – Aviatic-Verlag
1999).
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Erfindungsgemäß wird
die Aufgabe für das Verfahren zur Erzeugung eines Kernstromes
dadurch gelöst, daß in einem Stator mindestens
ein axial gelagertes Zellflügelrad angeordnet ist. Dabei
werden konzentrisch auf dem Stator angeordnete Brennkammern von
diesem Zellflügelrad überdeckt.
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Diese
Brennkammern erfahren durch das rotierende Zellflügelrad
alternierend jeweils eine Abdeckung während des Zündvorganges
und eine Öffnung während des Ausströmvorganges
durch die erfindungsgemäße Gestaltung des Zellflügelrades.
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Die
Brennkammern werden nach dem üblichen Verfahren bei Verbrennungsmotoren
mit komprimierter Ladeluft gespeist, wobei gleichzeitig eine elektronische
Treibstoffeinspritzung mit nachfolgender elektronischer Zündung
dieses Gemisches erfolgt.
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Der
Abgasstrom erzeugt infolge seiner kinetischen Energie aus dem Explosionsdruck
beim Anströmen der diagonalen, strömungstechnisch
optimierten Zellflügel des Zellflügelrades eine
Rotationsbewegung, wobei das Drehmoment auf der Abtriebswelle bereitgestellt
wird. Dieses Drehmoment kann vorrangig zum Antrieb einer gekoppelten
Luftschraube sowie betriebsnotwendiger Hilfsaggregate genutzt werden.
Dabei fungiert das Zellflügelrad erfindungsgemäß als
Drehschieber sowohl zur Einlaßsteuerung der Ladeluft als
auch zur Auslaßsteuerung des Abgasstromes.
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Nach Überströmen
der diagonalen Zellflügel des Zellflügelrades
gelangt der Abgasstrom durch innenliegende seitliche Abstromöffnungen
in die Rotorhohlwelle. Die Anordnung des Aggregates für
Zuführung der Ladeluft erfolgt seitlich der Brennkammern, wobei
ein rotierender Steuerring am Zellflügelrad den Zustrom
der komprimierten Verbrennungsluft intermittierend steuert.
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Die
Anordnung der Aggregate für Treibstoffeinspritzung und
Zündung ist entsprechend der optimalen Gestaltung des Brennraumes
in Abhängigkeit von der Geometrie der Brennräume
auf dem Stator frei wählbar.
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Da
der Abgasstrom bei Austritt aus dem Zellflügelrad in die
Zellflügelrad-Hohlwelle hochenergetisch beaufschlagt ist,
wird er, gemischt mit dem aus Anströmung der nach vorn
offenen Hohlwelle gebildeten axialen Luftstrom aus Staudruck, als
Kernstrom wirksam und erzeugt bei entsprechendem Massedurchsatz
den erforderlichen Schub.
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Hierbei
kann wahlweise eine niedrige Geschwindigkeit zum primären
Betrieb einer Luftschraube oder eine hohe Rotationsgeschwindigkeit
zur primären Erzeugung eines aktiven Massestromes bzw. eine
optimale Antriebsvariante aus beiden Vortriebswirkungen gefahren
werden. Dabei wirkt das Kernstromtriebwerk mit gekoppeltem Propeller
als Turboprob-Antrieb.
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Für
den Betrieb des Kernstromtriebwerkes sind, abgesehen von weiteren
betriebswichtigen Hilfsaggregate, drei externe Primäraggregate
notwendig. Zum einen ist die Anordnung eines Verdichteraggregates
für Ladeluft erforderlich, welcher vorzugsweise auf der
Turbinenwelle analog dem Verdichterprinzip bei herkömmlichen
Axialgasturbinen anzuordnen ist. Jedoch sind auch direkt oder indirekt
gekoppelte externe Verdichtereinheiten anwendbar. Zum anderen ist
die Anordnung einer Einspritzpumpe mit entsprechender elektronischer
Steuerung notwendig, welche den Treibstoff mit dem erforderlichen
Druck in die Brennkammer injiziert. Weiterhin ist die Anordnung
einer externen Zündstromerzeugung und einer elektronischen
Zündsteuerung erforderlich, welche an der Zündquelle
die entsprechende Zündung bewirkt. Dies sind jedoch Einrichtungen
herkömmlicher Verbrennungskraftmaschinen.
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Von
besonderem Vorteil ist die Ausbildung der Welle des Zellflügelrades
als Zellflügelradhohlwelle. Diese gestattet neben der primären
Nutzung als Schubstrahldüse durch die thermische Nutzung des
heißen Abgasstromes und die damit verbundene Volumenerhöhung
durch die Erhitzung des Luftstaustrahles die Zuführung
eines Kühlmediums, vorzugsweise in gasförmiger
Form, um die thermische Beanspruchung des Zellflügelrades
in betriebs- und materialunschädlichen Grenzen zu halten.
Die Lagerung des Zellflügelrades kann dabei in turbinenüblicher Ausführung,
gegebenenfalls mittels Wellendichtung, erfolgen. Weiterhin ist in
der Zellflügelradhohlwelle oder in deren Peripherbereich
die Anordnung von strömungswirksamen Aggregaten möglich,
um betriebstechnische Hilfsleistungen zu fahren, z. B. Anordnung
von Turboladern.
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Die
Anordnung der Brennkammern ist variabel. Sie kann zum einen in einer
Ebene erfolgen.
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Im
Beispiel ist die Anordnung von 8 Brennkammern dargestellt. Es ist
dabei auch eine deutliche Erhöhung der Anzahl der Brennkammern
auf einer Ebene als auch deren Anordnung auf mehreren Ebenen, senkrecht
zur Triebwerksachse, möglich. Demzufolge ist auch eine
entsprechende Reihung von Zellflügelrädern möglich.
Dadurch können entsprechend der jeweilig erforderlichen
Laststufen einzelne Brennkammern ohne Last gefahren (z. B. bei Marschgeschwindigkeit)
und bei plötzlichem Bedarf an zusätzlichem Drehmoment
zugeschaltet werden. Damit ist eine gut dosierbare und sparsame
Fahrweise mit entsprechender Regulierung von Verbrauch und Schadstoffausstoß möglich.
Ebenfalls ist die Anordnung dieser gestaffelten Funktionsebenen
dazu geeignet, jeweils separate arbeitende und abgesicherte Antriebskreise
zu realisieren und damit die Betriebssicherheit des Kernstromtriebwerkes
wesentlich zu erhöhen.
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Die
Anwendung der erfindungsgemäßen Anordnung kann
u. a. auch zu deutlichen Verbesserungen im Einsatzbereich von Mikroturbinen
führen, welche infolge ihrer spezifisch geringen Maschinengröße
im Verhältnis zur energetischen Leistung und dem damit
verbundenen geringen Wirkungsgrad bisher kaum Einsatzmöglichkeiten
fanden z. B. Capstone T28-60/80H.
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Dies
erforderte bisher auch die Wahl hoher Drehzahlen, um das Drehmoment
zu realisieren. So wird z. B. die russische Turbine Typ Saratow
2PW8 mit 36.000 U/min gefahren, was bei einer Leistung von 90 kW
einen spezifischen Verbrauch von 100 Liter JET A 1 pro Stunde erfordert.
Die Turbine Saratow GTD-5M erfordert gar 45 000 U/min zur Erzeugung von
29 kW. Jedoch auch Großturbinen fahren z. T. mit Umdrehungen,
die deutlich über 5000 rpm liegen. Bild 1 zeigt eine schematische
Darstellung des Kernstrahltriebwerkes im Radialschnitt sowie die
Verfahrensanordnung für Zuführung von Ladeluft,
Treibstoffeinspritzung und Zündung.
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Das
Kernstrahltriebwerk besteht vorzugsweise aus einem Stator (1)
und einem in diesem Stator (1) drehbar gelagerten Zellflügelrad
(2). Der Stator (1) enthält konzentrisch
auf seinem Umfang angeordnete Brennkammern (3), in welche
die Einspritzdüsen (5) für den Treibstoff
sowie die Zündaggregate (7) integriert sind. Weiterhin
enthält der Stator die Ladeluftkanäle (6).
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Das
Zellflügelrad (2) entspricht in Aufbau und Wirkungsweise
einem Propeller.
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Dabei
ist das Zellflügelrad (2) in einzelne Zellen unterteilt,
welche paßgenau zu den Brennkammern des Rotors konzentrisch
auf dem Umfang des Zellflügelrades (2) angeordnet
sind. Jede Zelle besteht aus einem Zellflügel (9),
einer Schottblende (10), einer Rückwand (11)
und einer Abstromöffnung (12).
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Vorgelagert
ist das Plansegment (13). Das Plansegment (13)
deckt während des Zündvorganges die Brennkammer
(3) ab. Nach erfolgter Zündung wird durch die
Drehung des Zellflügelrades (2) die Brennkammer
(3) freigegeben, wobei der hochgespannte Gasstrom auf den
Zellflügel (9) trifft und an diesen einen Drehimpuls
abgibt. Das Zellflügelrad wirkt dadurch über die
Plansegmente als Drehschieber (siehe Bild 4). Wichtig für
einen hohen Wirkungsgrad ist die gasdynamisch optimierte Formgebung der
Zellen, insbesondere der des Zellflügels (9).
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Die
Steuerung des Ladeluftstromes erfolgt über den Drehschieber
(8), welcher als umlaufende ringförmige Kante
in den Umfang der Brennkammerebene eingreift und abwechselnd die
Ladeluftkanäle (6) öffnet und schließt.
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Die
Funktion ist in Bild 2 als Schnitt dargestellt.
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Bild
3 zeigt in schematischer Form eine Teilabwicklung des Vorganges
der Drehschiebersteuerung für den Abgasstrom jeweils in
Zündphase und Impulsphase.
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Durch
die erfindungsgemäße Konstruktion des Zellrades
(2) in Verbindung mit den Brennkammern (3) erfährt
die Kernstromturbine in der dargestellten Form mit 8 Brennkammern
8 × 8 = 64 Arbeitstakte je Umdrehung, wobei sich Anzahl
der Brennkammern (3) und Anzahl der Zellflügelräder
(2) entsprechend den Erfordernissen erheblich vergrößern lassen.
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Das
erfindungsgemäß beschriebene Kernstromtriebwerk
stellt letztlich eine deutliche Vereinfachung der bisher einsatzüblichen
Mantelstromtriebwerke dar und erhöht ihre Steuerungsfähigkeit
und Betriebssicherheit erheblich. Es ist jedoch auch als Triebwerk
mit günstigem Masse-Leistungsverhältnis für
Hubschrauber, Wasserfahrzeuge, Landfahrzeuge und als stationäre
Maschine einsetzbar.
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- 1
- Stator
- 2
- Zellflügelrad
- 3
- Brennkammer
- 4
- Zellflügelradhohlwelle
- 5
- Einspritzdüse
- 6
- Ladeluftkanal
- 7
- Zündaggregat
- 8
- Drehschieber
- 9
- Zellflügel
- 10
- Schottblende
- 11
- Zellrückwand
- 12
- Abstromöffnung
- 13
- Plansegment
- 14
- Luftstrom
Staudruck
- 15
- Schubstrom
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Zitierte Patentliteratur
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- - DE 1023051 [0006]
- - DE 1007118 [0007]
- - DE 3326985 [0013]
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Zitierte Nicht-Patentliteratur
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- - Urlaub-Flugtriebwerke-SPRINGER-Verlag
1995 [0007]
- - Schubert – Deutsche Triebwerke – Aviatic-Verlag 1999 [0016]