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Vorrichtung
und Verfahren zur Durchführung von emersen Mikrokultivierungen
bei Mikroorganismen und Zellen
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Die
Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Durchführung
von emersen Mikrokultivierungen bei Mikroorganismen und Zellen,
insbesondere zur Untersuchung von Wachstum, Morphologie und Metabolismus
in adressier- und aufbewahrbarer Form.
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Mikroorganismen
und Zellen werden seit Jahrzehnten auf/in verschiedensten Medien
kultiviert und untersucht.
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Die
bisherigen Untersuchungen erfolgen anhand von Oberflächenkulturen
in Petrischalen (Emerskulturen), die eine Schicht einer hydrokolloiden
Wachstumsmatrix (bspw. in Form eines Nähragar) enthalten,
auf deren Oberfläche die Kolonien wachsen bzw. in Flüssigkultur
(Submerskultur) (Schlegel H. G.: Allgemeine Mikrobiologie,
6. Auflage, unter Mitarbeit von K. Schmidt. Stuttgart, New York:
Thieme, 1985).
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Dabei
ist bei Emerskulturen der plane Boden der häufig trommelförmigen
Petrischale von einer Schicht Nähragar als hydrokolloide
Wachstumsmatrix bedeckt. Diese enthält die Wachstumssubstrate und
liefert sogleich die für das Wachstum notwendige Feuchtigkeit.
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Die
Wand der Schale ist Teil des sterilisierbaren Raumes, der durch
einen überlappenden, aber nicht luftdicht aufliegenden
Deckel verschlossen wird. Durch den Verschluss mit dem Deckel bildet sich
ein feuchtes Klima und der Zutritt von Kontaminationen wird verhindert.
Der Boden der Petrischale schließt zusammen mit der aufliegenden
Wachstumsmatrix den sterilen Raum nach unten ab.
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Die
Submerskulturen werden als Stand- bzw. Schüttelkulturen
fermentiert.
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Ausgehend
davon, dass die Diversität der für den Menschen
nützlichen Stoffwechselleistungen von Mikroorganismen bei
weitem nicht ausgeschöpft ist, wird auch zukünftig
das Screening nach neuen Mikrorganismen von großer Bedeutung
sein (R. H. Baltz, Marcel Faber Roundtable: Is our antibiotic Pipeline
unproductive because of starvation, constipation or lack of inspiration?
J. Ind. Microbiol. Biotechnol. 33 (2006), 507–513; J.
Berdy, Bioactive Microbial Metabolites. J. Antibiot. 58 (2005),
1–26; F. v. Nussbaum et al.: Antibakterielle
Naturstoffe in der medizinischen Chemie – Exodus oder Renaissance. Angew.
Chem. 118 (2006), 5194–254).
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Das
Screening nach Mikroorganismen mit neuen Stoffwechselleistungen
erfordert die Untersuchung einer großen Zahl von Mikroorganismen.
Aus den Koloniezahlen von Plattierungen auf Agarplatten sind durchschnittliche
Lebendkeimzahlen von etwa 106 bis 108 Mikroorganismen pro Gramm Erde ermittelt
worden. Um ein Überwachsen bzw. Ineinanderwachsen von Mikroorganismen
zu verhindern, muss eine geringe Zelldichte pro Flächeneinheit
(idealerweise weniger als 100 Keime auf einer Petrischale von 78
cm2 Fläche) erreicht werden. D.
h. um allen Mikroorganismen aus 1 g Erde ein Wachstum als Reinkultur
zu ermöglichen und somit auch die Isolierung selten vorkommender
Arten zu gewährleisten, wären eine Millionen Petrischalen
notwendig. Um beispielsweise den Produzenten eines neuen Antibiotikums
aufzufinden, müssen schätzungsweise 107 Mikroorganismen kultiviert und getestet
werden (R. H. Baltz, Marcel Faber Roundtable: Is our antibiotic Pipeline
unproductive because of starvation, constipation or lack of inspiration?
J. Ind. Microbiol. Biotechnol. 33 (2006), 507–513).
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Bei
den traditionellen Isolierungsverfahren werden sehr geringe Mengen
einer Suspension einer Bodenprobe in Verdünnungen auf Agarplatten
aufgetragen, um Klone bzw. Reinkulturen zu erhalten, die jeweils
auf ein Individuum zurückgehen. Daraus resultieren nur
eine beschränkte Anzahl von Kolonien, deren Anzahl bei
weitem nicht für die Isolierung großer Zahlen
neuer Mikroorganismen ausreicht.
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Eine
Möglichkeit diese Einschränkungen zu umgehen,
ist die Erzeugung sehr kleiner Kolonien, so genannter Mikrokulturen,
deren Durchmesser im Bereich von 10 μm bis 100 μm
liegen sollte.
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Die
Vereinzelung von Mikroorganismen zur Gewinnung reiner Klone wird
von verschiedenen Autoren vorgeschlagen (Brehm-Stecher BF, Johnson EA.
Single-cell Microbiology: Tools Technologies, and Applications. Microbiology
and Molecular Biology Reviews, 2004, 68, 538–559 und
Chan ECS, Pelczar MJ, Krieg NR, Verwendung von Reinkulturen – Grundvoraussetzung
für das Studium der Mikroorganismen. In: Laboratory Exercise
in Microbiology. Chan ECS, Pelczar MJ, Krieg N (eds). McCraw-Rill, New
York, (1993) 123–152 und Huber R. Die
Laserpipette als Basis für Einzelkultivierung. Biospektrum 4,
(1999), 289-291).
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Zur
Vereinzelung von Mikroorganismen werden auch mikrofluidische Systeme
genutzt, bei denen kontinuierlich Sequenzen kleiner wässriger
Mikrokulturtröpfchen in einen Strom eines mit Wasser nicht
mischbaren Trennmittels injiziert. Sie werden mit dem Trennmittelstrom
in eine Kapillare transportiert und inkubiert. Nach der Inkubation
wird das Wachstum bevorzugt mit optischen Methoden detektiert. Zur
Detektion werden beispielsweise Fluoreszenzspektrometer vorgeschlagen
(Martin K, Henkel T, Baier V, Grodrian A, Schön,
T, Roth M, Köhler JM and Metze J. Generation of larger
numbers of separated microbial populations by cultivation in segmented-flow
microdevices. Lab an a chip 3 (2003) 202–207).
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Eine
weitere Methode, Mikrokulturen von vereinzelten Mikroorganismen
zu schaffen, besteht in der Herstellung kleiner viskoser Tropfen,
sogenannter Gel-Mikrotropfen (gel microdroplets, GMD) aus einer
Probe (Weaver JC, Process for measuring microbial active material,
US-Patent 4401755 , 1981;
Williams
GB, Demain AL, Rapid microbial detection and enumeration using gel
microdroplets and colorimetric or fluorescence indicator systems.
J. Clinical. Microbiol. 1990, 28, 1002–1008;
Manome
A, Zhang H, Tani Y, Katsuragi T, Kurane R, Tsuchida T, Application
of gel microdroplet and flow cytometry techniques to selective enrichment
of non-growing cells. FEMS Microbiol. Lett. 2001, 197, 29–33).
Die GMD werden zusammen in einer Nährlösung inkubiert
und an jedem einzelnen Kügelchen erfolgt die Detektion
des Wachstums.
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Mit
mikrostrukturierten Wafers bzw. Nanoplates können beispielsweise
6000 Kammern (Mayer G, Wohlfart K, Schober A, and Köhler
JM (1999) Nanotiterplates for synthesis and screening. In: Micorosystem
technology: a powerful tool for biomolecular studies. Eds. Köhler
JM, Mejaveia T, Saluz HP. P. 75–128, Birkhäuser
Basel) auf einer Platte kultiviert werden.
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Mit
piezoelektrischen Zerstäubern, die nach dem Inkjet-Prinzip
arbeiten und bis zu 10.000 Mikrotropfen pro Sekunde mit einem Volumen
zwischen 5 Picoliter und einigen Nanolitern herstellen, können die
Platten mit vereinzelten Mikroorganismen beimpft, inkubiert, detektiert
und aufbewahrt werden (Schober A, Günther R, Schwinhorst
A, Döring M and Lindemann BF. Accurate High-speed liqiud
handling of very small biological samples. BioTechniques (1993)
15, 324–329). Ein nicht gelöstes Problem
ist bei dieser Technik die schnelle Austrockung der Mikrokulturen.
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Textile
Flächengebilde der verschiedensten Ausformungen werden
für das Wachstum von Mikroorganismen in Form einer Nährstoffe
enthaltenden Matrix eingesetzt (Tatsurn T, Shiro I, Katsutoshi A, Carrier
for cultivation of cell and microorganisms.
WO9821351 und
JP 2154685 ). Bekannt ist außerdem,
dass auf textilen Flächen ein unerwünschtes Mikroorganismenwachstum
stattfinden kann. Anordnungen, bestehend aus Hohlfasern, werden
zur Versorgung von Kulturen mit Nährstoffen bzw. als Kultivierungsbehälter
eingesetzt (siehe
JP 63309177 und
JP63071186 ).
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Die
DE 100 53 394 A1 verwendet
eine Vielzahl angeordneter kurzer Fiberelemente, um auf ihnen Substanzen
zu binden und nach Einbringen der Elemente in ein Analysengerät
auf ihnen analytische Reaktionen durchzuführen. Der longitudinale
Bewegungstyp von Fäden, verbunden mit der Behandlung mit
flüssigen Agentien, ist typisch für viele Prozesse bei
der Herstellung von textilen Fäden und Textilien (siehe
EP 1 369 521 A1 ).
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Sich
longitudinal bewegende, so genannte "eindimensionale" Festphasen-Reaktoren,
z. B. in Form eines Fadens, sind aus
DE 10 2004 008 319 A1 bekannt.
Der Begriff "eindimensional" beschreibt hierbei Elemente, deren
Länge im Vergleich zu ihrem mittleren Durchmesser sehr
groß ist und die deshalb allgemein auch als Faden, Fiber,
Filament oder Draht bezeichnet werden. Mit ihnen werden Substanzen, darunter
auch mikrobielle Kontaminationen, an einem Reaktionsort an den Faden
bioaffin gebunden und nach Durchlaufen von weiteren Reaktionsorten qualitatitiv
oder quantitativ bestimmt.
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Der
Nachteil dieser technischen Lösung ist, dass eine Durchführung
von mikrobiellen Wachstums- und Produktbildungsprozessen über
längere Zeiträume auf diesen eindimensionalen
Elementen (Fäden) nicht möglich ist und keine
kompakte Stapelung und Bevorratung der bewachsenen Fäden
erfolgen kann.
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Bewegte
Fäden wurden auch für die Durchführung
einer Abfolge verschiedener chemischer Reaktionen bei mikropräparativen
Arbeiten unter dem Mikroskop eingesetzt. (Mészáros
L, Mészáros I.; Kontinuierlich arbeitender Fadenreaktor
für mikropräparative Zwecke. Fette, Seifen, Anstrichmittel
(2006) 70, 940–941).
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Die
WO 03/025113 offenbart
eine Anordnung und ein Verfahren zur Parallelkultivierung von Mikroorganismen,
wobei eine von groben Feststoffen befreiten Suspension oder Kultur
einer homogen oder heterogen zusammengesetzte Mikroorganismenpopulation,
Nährsubstrate und/oder Effektoren und/oder mikrobielle
Metabolite zugesetzt werden, anschließend ein Volumen der
mikrobiellen Suspension, welche N Mikroorganismen enthält,
mit einem Portionierer in n
1 Teilvolumina
geteilt wird, wobei die Zahl n
1 zwischen
N und 100 N, bevorzugt zwischen N und 10 N gewählt wird,
anschließend die Teilvolmina gegebenenfalls unter Zuführung
von Nährsubstraten und/oder Effektoren zur Beimpfung von
n
2 separaten Mikrokulturen in Mikroarealen
oder Mikrokavitäten, wobei n
2 größer/gleich
n
1 ist, verwendet werden, anschließend
die Mikrokulturen inkubiert und während des Wachstums gegebenfalls
weitere Nährsubstrate und/oder Effektoren und/oder Metabolite
zugeführt und physiologische Parameter und das Wachstum der
einzelnen Mikrokulturen mit geeigneten Messverfahren erfasst werden.
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Gemäß dieser
Offenbarung wird zum Vereinzeln der Mikroorganismen ein miniaturisierter
Fluidschalter in Verbindung mit einer Mikroinjektionseinheit verwendet,
wobei die Mikroorganismen in Flüssigkeitssegmenten in einem
geschlossenen Mikrokapillarsystem kultiviert werden. (serieller
Fluss).
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Der
serielle Fluss der Flüssigkeitssegmente wird durch periodisches
Wechseln der Volumenflußrate durch Gasblasen oder durch
mit Wasser nicht mischbare Trennflüssigkeiten erzeugt,
wobei die Flüssigkeitssegmente mit einer Wahrscheinlichkeit <5% mehr als eine
Zelle pro Segment enthalten.
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Nachteilig
an dieser technischen Lösung zur Kultivierung von Mikroorganismen
oder Zellen in Mikrokapillaren ist jedoch, dass aufwendig einzelne Flüssigkeitssegmente
erzeugt werden müssen und die Wand der Kapillaren bzw.
die Flüssigkeitssegmente spezielle Oberflächeneigenschaften
aufweisen müssen, damit die Mikroorganismen oder Zellen in
den Mikrokapillaren nicht vermischt werden bzw. dass nicht die Mikrokapillaren
durch an der Wand anhaftende, Kolonie-bildende Mikroorganismen oder Zeltverbände
verstopft werden.
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Die
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die Nachteile des Standes
der Technik zu vermeiden und eine Vorrichtung und ein Verfahren
zur Untersuchung von Wachstum, Morphologie und Metabolismus verschiedenster
emers wachsender Mikroorganismen oder Zellen in adressier- und aufbewahrbarer
Form auf einfache Weise zu ermöglichen, ohne dass es zu
einer Vermischung der verschiedenen Zellen und Mikroorganismen kommt.
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Die
Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht auch darin, dass eine
sehr große Vielzahl von emersen Mikrokulturen von Mikroorganismen
in einer Form hergestellbar sind, bei der auf einer möglichst klein
dimensionierten Vorrichtung die Mikrokulturen inkubiert, detektiert,
adressiert und außerdem für nachfolgende Entnahmen
von Beimpfungsmaterial vorgehalten werden. Um dies zu erreichen,
müssen die Mikrokulturen sehr klein dimensioniert werden und
sie sollen, um keine exzessiv großen. Kultivierungsflächen
zu benötigen, in einer kompakten zwei- bzw. dreidimensionalen
Anordnung gespeichert werden können.
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Zur
Lösung der Aufgabe wird eine erfindungsgemäße
eindimensionale bzw. fadenförmige Kultivierungsvorrichtung
(KV) vorgeschlagen, die mindestens aus einem zugfesten Element und
einer das Wachstum fördernden, Nährstoffe enthaltenden Matrix
besteht.
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Auf
oder in der erfindungsgemäßen Kultivierungsvorrichtung
sind linear angeordnete Mikrokultursequenzen kultivierbar, so dass
die Mikroorganismen oder Zellen adressierbar kultivier- und aufbewahrbar
sind.
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Erfindungsgemäß werden
die auf die KV aufzubringenden Mikroorganismen in einem Beimpfungsraum
auf die Oberfläche oder in das Innere der KV mit einer
Impfflüssigkeit übertragen, die KV in einen Inkubationsraum
und nach einer Kultivierungszeit die KV mit den gewachsenen Mikrokulturen
zu einem Detektionsraum transportiert, wo über bevorzugt
optische Detektionsvorrichtungen oder beispielsweise unter Anwendung
bioaffiner Nachweismethoden das Mikrokoloniewachstum bzw. die lineare
Mikrokultursequenz und der Metabolismus der Mikrokulturen in einer
die einzelne Mikrokulturen adressierbaren Weise detektiert wird.
Anschließend werden die bewachsenen KV in einen Aufbewahrungsraum
transportiert, in dem zur Aufbewahrung geeignete Temperaturen, bevorzugt
zwischen 0°C und 12°C vorliegen und wo Zugriffsmöglichkeit
zu den einzelnen Mikrokulturen bestehen.
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Die
bevorzugt in den verwendeten Impfkulturen vereinzelt vorliegenden
Mikroorganismen werden dabei auf die Oberfläche oder in
das Innere einer eindimensionalen Kultivierungseinrichtung eingebracht. Die
beimpften KV werden dann durch Bewegung in longitudinaler Richtung
in einen Inkubationsraum, der für das Wachstum günstige
Bedingungen aufweist, transportiert und dort in einer möglichst
kompakten Form angeordnet. Die Luftfeuchtigkeit im Inkubationsraum
muss hoch sein, bevorzugt zwischen 90% und 100% relativer Luftfeuchtigkeit,
um ein Austrocknen der hydrokolloiden Kultivierungsmatrix zu verhindern.
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Gegebenenfalls
erfolgt durch Besprühen mit feindispersen Wassernebel eine
zusätzliche Befeuchtung.
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Die
Temperatur im Inkubationsraum liegt in der Regel zwischen 10°C
und 80°C, bevorzugt bei 18°C bis 40°C.
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Nachdem
die Mikroorganismen bzw. Mikrokulturen gewachsen sind, werden sie
mit der eindimensionalen Kultivierungseinrichtung bzw. einer Vielzahl
von ihnen, aus dem Inkubationsraum in einen Raum transportiert,
wo die Analyse der Stoffwechselprodukte sowie die Kontrolle des
Wachstums erfolgt (Detektionsraum) und zugleich eine Möglichkeit
zur Adressierung besteht. Anschließend erfolgt in einer
Weise ähnlich wie in dem Inkubationsraum der Transport
in einen Aufbewahrungsraum, der in der Regel gekühlt ist,
um weiteres Wachstum sowie Stoffwechseltätigkeit zu unterbinden.
Auch hier werden sie, bevorzugt in einer kompakten Form, gelagert.
Der Transport kann durch longitudinale Bewegung beispielsweise in
Kombination mit dem Transport der gestapelten Flächen als
Ganzes erfolgen. Die longitudinale Bewegung erfolgt in der Regel durch
Zugkräfte bzw. ihres Vektors.
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In
einer anderen Ausführung erfolgt Beimpfung, Inkubation
und Detektion der KV kontinuierlich. In einer Ausführungsform
erfolgt die Beimpfung der Quasi-Kulturfläche durch Besprühen
mit Mikrotropfen, in einer anderen durch Kontakt mit einer Beimpfungsflüssigkeit.
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Bevorzugt
werden vereinzelte Mikroorganismen eingesetzt. Die Vereinzelung
wird hierbei durch eine entsprechend hohe Verdünnung der
Beimpfungsflüssigkeiten, die als Beimpfungskultur eingesetzt
werden, erreicht.
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Eine
andere Anwendung der Erfindung betrifft den Nachweis von Substraten,
Wirkstoffen, Faktoren und Hormonen. Die Mikrokulturen werden diesen
Substanzen ausgesetzt und deren Anwesenheit und Konzentration über
Veränderungen im Wachstumsverhalten bestimmt.
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Das
Wesen der erfinderischen Lösung besteht darin, „eindimensionale"
bzw. fadenförmige Kultivierungseinrichtungen zu schaffen,
die neben der notwendigen Festigkeit gegenüber Zugkräften
zugleich die Möglichkeit bieten, in ihnen oder auf ihnen hintereinander
einzelne oder auch mehrere Mikroorganismen aufzubringen und deren
Wachstum zu fördern.
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Erfindungsgemäß werden
Mikroorganismen als Mikrokulturen auf einer Kultivierungsvorrichtung (KV)
kultiviert, die aus einem zugstabilen eindimensionalen Element und
aus einer Nährstoffe für das Wachstum enthaltenden
Matrix besteht und deren Verhältnis Länge der
KV zum mittleren KV-Durchmesser größer als 500
ist. Die Längenausdehnung der Mikrokolonien auf dem Faden
ist, ohne dass dadurch die Erfindung eingeschränkt wird,
bevorzugt kleiner als 1000 μm und der Abstand zwischen
dem äußeren Rändern benachbarten Wachstumsbereiche
soll 1000 μm nicht unterschreiten.
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In
besonderen Fällen kann das zugstabile Element gleichzeitig
die Funktion der Nährstoffe enthaltenden Matrix aufweisen.
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Die
Nährstoffe enthaltende Matrix besteht aus den als Wachstumssupport
bereits seit langem eingesetzten gelbildenden und hydrophilen Substanzen
wie Agar, Pektin, Chitosan, Carrageenan, Hyaluronsäure,
Alginsäure, Xanthan, Zellulose, Bakterienzellulose oder
deren Derivate und Salze oder Polyelektrolytkomplexen oder anderen
hydrokolloiden Gelbildnern oder auch aus wasserspeicherndem Silicagel,
Tonerde oder Siliziumpolymere.
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Die
gelbildenden Substanzen sind vorzugsweise durch Immobilisieren,
Härten, Vernetzen oder über mechanische Kräfte
bzw. Adhäsion mit Strukturunebenheiten mit dem zugstabilen
Element verankert.
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Die
Strukturunebenheiten können beispielsweise Oberflächentopographien
in Form von Löchern, Erhebungen, unidirektionale Furchen
oder überlagerte Furchen und/oder konvexe oder konkave Profile
oder die Form von Spitzen, Wölbungen oder Blöcken
aufweisen.
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Die
Nährstoffe enthaltende Matrix kann im Inneren der KV oder
auf der Oberfläche als kontinuierlich ausgebildeter Mantel
oder diskontinuierlich angeordnet sein. Bei der diskontinuierlichen
Anordnung können beispielsweise Gel-Tröpfchen äquidistant oder
auch unregelmäßig auf der Oberfläche
der KV verteilt sein.
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Die
KV kann monofil ausgebildet sein, bevorzugt werden jedoch polyfile
eindimensionale Gebilde wie Garne eingesetzt.
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Die
KV kann aus Stapelfasern oder aus Endlosfilamenten oder Gemischen
beider Typen bestehen.
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Mehrere
der Fasern oder Filamente können in Form eines Gestrickes
oder Gewirkes vorliegen. Bevorzugt wird ein Gestrick in Form eines
Schlauches, wobei der gewirkte Schlauchmantel regelmäßige Öffnungen
bzw. Maschen aufweist, eingesetzt.
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Erfindungsgemäß sind
auch Kultivierungsvorrichtungen, bei denen das zugstabile Element durch
Pressen durch eine ringförmige Düse in Form eines
Schlauches hergestellt wird, der gleichzeitig über eine
Düse mit einer Nährstoffe enthaltenden Matrix,
die lebende Mikroorganismen enthält, gefüllt wird.
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Die
Fäden können unterschiedliche Profile wie dreieckig,
U-förmig oder sternförmig aufweisen. Auch eine
Bandform wie bei den Folienfäden ist dann erfindungsgemäß,
wenn bei ihnen ein Breiten/Höhen-Verhältnis von
10 nicht überschritten wird.
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Erfindungsgemäß ist
beispielsweise ein Folienfaden, auf dem sich in äquidistantem
Abstand aus einem oder mehreren Geltropfen gebildete Zonen befinden,
welche durch geltropfenfreie Zonen getrennt sind, wobei die Geltropfen
die Funktion einer Nährstoffe enthaltenden Matrix aufweisen.
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Bevorzugt
werden oberflächenstrukturierte KV mit Rillen, die in Längsrichtung
verlaufen oder durch Fibrillierung aufgeraute Oberflächen
oder netzartig zusammenhängende Fibrillen aufweisen. An solchen
Oberflächen ist die Nährstoffe enthaltende Matrix
besser gegen Abscheren geschützt bzw. ihre Bindung an das
zugstabile Element ist fester. Mikroporosität der KV oder
auch eine Kapillarisierung der KV, wie sie beispielsweise durch
saugfähige Fasern erzeugt wird, ist auch deshalb günstig,
weil in den Mikrostrukturen Wasser und Nährstoffe bevorratet
werden kann.
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Die
KV können weiterhin eine bilaterale Struktur wie Seite-Seite-,
Kern/Mantel oder Matrix/Fibrillen aufweisen. Fäden mit
mehr hydrophilen Eigenschaften sind deshalb auch günstiger
als Fäden mit sehr hydrophoben Eigenschaften. Die Durchmesser solcher
geeigneter und bekannter technischen Filamente bzw. Fäden
liegt in der Regel zwischen 4 bis 60 μm.
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Es
werden sowohl Stapelfasern als auch endlose natürlich vorkommende
Filamente pflanzlicher, tierischer, mineralischer, anorganischer
Herkunft bzw. Fasern aus natürlichen Polymeren bestehend
aus Keratin, wie Wolle oder Seide, aus Polyaminosäuren,
aus Polysacchariden, wie Carrageenan, Chitosan/Chitin, Alginaten,
Zellulose, Viskose oder Baumwolle oder deren Derivaten, Salzen oder
Polyelektrolytkomplexen, aus Biokunststoffe wie Polylactat oder
Polyalkanoate, aus synthetischen Polymeren wie Polyethylen, Polypropylen,
Polyacrylamid, Polystyrol, Polyester, Polyvinylalkohol oder Polyamid oder
aus Fasern aus Metall oder Glas eingesetzt.
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Die
Fasern können als Mikrofaser als Fasermischung oder als
Verbundwerkstoff vorliegen.
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Vorteilhaft
an der vorgeschlagenen Vorrichtung und dem vorgeschlagen Verfahren
ist, dass eine sehr große Anzahl von Mikrokulturen, bevorzugt
in Form von auf festen Oberflächen gewachsenen Kolonien
(emers-Wachstum), erzeugt werden kann.
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Diese
Wachstumsform, die auch bei der herkömmlichen Agarplattenkultivierung
auftritt, ist besonders günstig für das Erkennen
bzw. die Detektion der mikrobiellen Produkte im Vergleich zu denen
bei Wachstum in Flüssigkulturen entstehenden Formen.
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Der
für die Produktion von Sekundärmetaboliten günstige
Differenzierungszustand der ausgereiften Kolonien als auch die generell
hohe Zelldichte führt zur Bildung von höheren
und dadurch besser nachweisbaren Konzentrationen.
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Durch
spezielle Anwendungen der Erfindung entsteht weiterhin eine Reihe
von Vorteilen:
Bei herkömmlichem Wachstum von mikrobiellen
Kolonien auf herkömmlichen Agarplattenkulturen nimmt die
nährstoffbereitstellende Fläche mit dem Quadrat des
Abstandes zu. Das bedeutet, dass die Kolonien auf Grund des großen
Nährstoffdepots relativ groß werden können,
weil Nährstoffe sehr lange nachdiffundieren.
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Vorteilhaft
an der erfindungsgemäßen eindimensionalen Form
der KV ist deshalb, dass die nährstoffbereitstellende Fläche
in Richtung der Längsausdehnung der KV nur linear mit dem
Abstand wächst. Durch die so begrenzte Diffusion von Nährstoffen wird
das Wachstum in longitudinaler Richtung stark verlangsamt, sodass
die Kultur während der Kultivierungszeit nur den Umfang
der KV und einen relativ kurzen Abschnitt des KV bewachsen kann.
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Die
letzten Endes erreichte Größe der Mikrokulturen
steht in einem engen Zusammenhang mit den Kultivierungsparametern
wie der Kultivierungszeit, der für unterschiedliche Mikroorganismen
spezifischen Wachstumsgeschwindigkeit, Lag-Phasen und besonders
mit der Konkurrenz mit benachbarten Kolonien um die Nährstoffe
in den sich überlappenden Arealen sowie außerdem
mit strukturellen, als Barrieren wirkenden Elementen der KV.
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Diese
Barriereelemente werden erfindungsgemäß durch
die textile Fadenstrukturen oder auch durch eingebrachte Barrieren
gebildet und stehen im Zusammenhang mit dem Typ der als Faden eingesetzten
KV.
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Bevorzugt
in den Zwischenräumen zwischen den einzelnen Fäden
aus denen die Filamente z. B. als Gestrick zusammengesetzt sind,
kann die Nährstoffe enthaltende Matrix aufgebracht werden.
Die so entstandenen Wachstumszonen sind dann teilweise durch die
Filamente voneinander getrennt. Aber auch monofile KV sind erfindungsgerecht.
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In
einer speziellen Ausführung der Erfindung wird die lineare
Mikrokultursequenz der auf der KV befindlichen Mikrokulturen durch
Replizieren vervielfältigt, indem eine zweite oder auch
mehrere KV in engem Kontakt zueinander als lose Mehrfachfäden angeordnet
werden oder als miteinander verbundene Mehrfachfäden über
Sollbruchzonen getrennt werden. Sie stellen dann nach Abtrennung
ein identisches Replikat der Mikrokultursequenz dar, das für weitere
Untersuchungen genutzt werden kann.
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Bei
Anwendung herkömmlicher Methoden zur Replikation, beispielsweise
bei der Prüfung auf antimikrobielle Aktivitäten
der Mikrokulturen werden diese zwangsläufig mit den Testkeimen
verunreinigt oder gehen verloren. Durch die Möglichkeit
des erfindungsgemäßen identischen Replizierens
kann mit dem Replikat auf die unverfälschte Sequenz der
Mikrokulturen auf der KV auch später zurückgegriffen werden.
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Der
Nachweis der Mikrokulturen und/oder der von ihnen gebildeten Substanzen
erfolgt mit an sich bekannten, bevorzugt optischen Methoden. So besteht
die Möglichkeit, gemäß der Offenbarung
von
DE 10 2004
008 319 A1 spezifische Bindungen an bioaffine Substanzen,
wie beispielsweise fluoreszierende Antikörper, zu nutzen
und die Reaktionen direkt am longitudinal bewegten, mit Mikrokulturen
bewachsenen Faden auszuführen.
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Die
Prüfung auf antimikrobielle Aktivität kann auf
herkömmliche Weise durch Auflegen der KV auf eine mit einem
Testkeim bewachsenen Agraroberfläche, mittels einer zweiten,
in engen Kontakt mit der KV gebrachten und mit dem Teststamm beimpften KV
oder durch Beschichten der KV mit einem den Testkeim und Nährstoffe
enthaltenden gelförmigen Schicht erfolgen. An den Stellen,
wo der Testkeim nicht wächst, entsteht wie beim klassischen
Hemmhoftest für den Nachweis von Antibiotika ein nicht
mit dem mikrobiellen Testkeim bewachsener Hemmhof.
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In
einer anderen Ausführung wird die Quasi-Kulturfläche
mit einer den Testkeim enthaltenden gelförmigen Schicht überschichtet
und anschließend die Hemmzonen registriert. Das Hemmhofsignal kann
durch Verwendung eines markierten z. B. fluoreszierenden Testkeims
oder durch Anwendung von Redox-Indikatoren wie Tetrazoliumverbindungen
verstärkt werden.
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Weiterhin
ist die Verwendung der erfindungsgemäßen KV vorteilhaft
bei der Untersuchung der morphologischen Eigenschaften der Kulturen,
weil die KV auf einfache Weise unter dem Objektiv eines Mikroskops
bzw. anderer optischer Detektoren entlang geführt und dabei
untersucht werden kann.
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Eine
weitere Lösung der erfinderischen Aufgabe, die KV in einer
möglichst kompakten Form bzw. miniaturisierbaren Form anzuordnen,
besteht darin, eine Vielzahl von parallel verlaufenden eindimensionalen
KV's, darunter auch die losen und die gekoppelten Mehrfachfäden
in Form einer in der Regel rechteckigen Fläche als sogenannte
Quasi- Kulturflächen anzuordnen. Durch diese Anordnung wird im
Vergleich zu einer herkömmlichen Agarkulturfläche
erreicht, dass sehr viel mehr Mikrokulturen pro Fläche
wachsen können.
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Die
Quasi-Kulturfläche kann wie eine Agarplattenkultur auch
als Ganzes mit Beimpfungsmaterial beimpft, inkubiert und detektiert
werden. Die KV werden beispielsweise durch Aufspannen in einer Konstruktion
des Aufspannrahmens als Fläche fixiert.
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Das
Fixieren der KV in den Aufspannrahmen erfolgt beispielsweise durch
Einklemmen der parallel zueinander angeordneten KV in die oberen
und unteren Rahmenteile mit einer Klemmvorrichtung. Die Aufspannrahmen
werden nacheinander durch Einbringen der oberen und unteren Rahmenbegrenzungen
in die aus der Beimpfungszone austretenden Quasi-Kulturflächen
eingeschoben und durch ihr geeignetes Anheben oder Absenken die
Quasi-Kulturfläche angehoben oder abgesenkt und zu den
Quasi-Kulturfläche nach Einklemmen mit dem Aufspannrahmen
formiert.
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Das
Aufwickeln auf Rahmen führt zu paarigen Quasi-Kulturflächen.
Durch die Stärke des Rahmens wird hierbei der Abstand zwischen
den paarig auftretenden Quasi-Kulturflächen bestimmt. Die
verbindenden Fäden zwischen den einzelnen Flächen können
mit Hilfe einer Schneideeinrichtung durchtrennt werden und so die
einzelnen Aufspannrahmen mit den in ihnen aufgespannten Quasi-Kulturflächen separat
bearbeitet werden.
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Der
Transport der KV aus dem Beimpfungsraum erfolgt bevorzugt durch
das Spannen der KV in dem Aufspannrahmen, der in einer Ausführung
dabei eine drehende Bewegung vollführt, bei welchen der Zugkraftvektor,
der bei der Drehung des Rahmens entsteht, die KV durch den Beimpfungsraum
und gegebenenfalls durch den Beschichtungsraum zieht.
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Erfinderisch
ist aber auch das Aufwickeln der KV auf eine Spule oder Haspel.
Dabei werden möglichst wenig Berührungspunkte
zwischen der Spule bzw. Haspel und den KV erzeugt, Abstandshalter
eingesetzt bzw. eine inerte Schicht z. B. in Form eines Flächengebildes
zwischen den Quasi-Kulturflächen angebracht, um eine partielle
Zerstörung der mechanisch instabileren Nährstoffe
enthaltenden Matrix zu vermeiden.
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Bei
Untersuchungen zum Einfluss von Substraten, Wirkstoffen, Puffersubstanzen
oder Faktoren werden diese entweder in der Nährstoffe enthaltenden
Matrix deponiert oder während der Kultivierung durch Auftropfen,
Versprühen oder durch direkte Zugabe zu den KV bzw. Quasi-Kulturflächen
zugegeben.
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Ein
weiterer Vorteil ist eine wesentliche Erhöhung der Mikrokoloniedichte
pro Volumeneinheit durch eine dreidimensionale Speicherung der KV. Gemäß der
Erfindung wird eine Vorrichtung vorgeschlagen, bei der mit Hilfe
beweglicher Anordnungen die Quasi-Kulturflächen parallel
zueinander gestapelt werden, so dass sich eine dreidimensionale
Anordnung der KV in Form eines Stapels ergibt. Der Stapel stellt
eine kompakte Form dar, mit der eine sehr hohe Mikrokulturdichte
realisiert werden kann.
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Die
dreidimensionale Anordnung kann auch durch eine direkte, ohne vorherige
Formierung als Quasi-Kulturfläche erfolgte parallele oder
durch eine um 90° verschobene dreidimensinale Anordnung
der KV erfolgen.
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Die
Mikrokulturen werden in der dreidimensionalen Anordnungsform beispielsweise
inkubiert und aufbewahrt. Vorteilhaft ist, dass bei einem genügend großen
Abstand der KV bzw. Quasikulturflächen voneinander, die
Versorgung mit Sauerstoff als auch die Aufrechterhaltung von Temperatur
und Luftfeuchtigkeit auch im Inneren des Stapels gewährleistet
werden kann.
-
In
einer größer dimensionierten Ausführung der
Erfindung erfolgen Beimpfung als auch die Wachstums- und Produktbildungsuntersuchungen innerhalb
eines Zeitraumes ständig und kontinuierlich.
-
Die
beimpfte KV wird auf eine Verzögerungstrommel bzw. Verzögerungshaspel
mit einer Vielzahl von Verzögerungswickelungen aufgespult
und das andere Ende gleichzeitig wieder abgespult, dann einem Detektorraum
zugeführt, detektiert und gegebenenfalls anschließend
der Doppelfaden in zwei Einzelfaden aufgetrennt und unterschiedlich
genutzt. Es können auch zwei oder mehrere Fäden über
Sollbruchstellen miteinander verbunden vorliegen, die durch mechanische
Kräfte oder chemische Behandlungen voneinander getrennt
werden.
-
Potentielle
Anwendungsgebiete der Erfindung sind das Hochdurchsatzscreening
nach neuen Mikroorganismen sowie Untersuchungen zum Einfluss von
Substraten, Wirkstoffen oder Faktoren, die durch Mikroorganismen
gebildet werden oder der analytische Nachweis von physiologisch
aktiven Substanzen mit Mikroorganismen als Testkeim.
-
Die
Erfindung wird nachstehend an Hand der Zeichnungen und des Ausführungsbeispiels
näher erläutert. Es zeigen:
-
1 eine
schematische Darstellung einer ersten Ausführungsform der
erfindungsgemäßen eindimensionalen Kultivierungseinrichtung
in einer Seitenansicht (zeitlicher Ablauf der Herstellung und Nutzung),
-
2 eine
schematische Darstellung einer zweiten Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Vorrichtung in einer Seitenansicht,
-
3 eine
schematische Darstellung einer dritten Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Vorrichtung in einer Seitenansicht;
-
4 eine
schematische Darstellung des Ablaufs einer erfindungsgemäßen
Verfahrensvariante unter Verwendung einer Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Vorrichtung in einer Seitenansicht;
-
5 eine
schematische Darstellung einer Ausführungsform der erfindungsgemäßen
Vorrichtung mit einem aus mehreren Quasi-Kulturflächen zusammengesetzten
Stapel, der sich in einem Detektionsraum befindet, in einer Seitenansicht,
-
6 eine
schematische Darstellung der Beimpfung eines von einer Spule 9 abgewickelten Mehrfachfadens
in Form eines Doppelfadens in einer Seitenansicht und
-
7 eine
schematische Darstellung eines mit Mikrokulturen bewachsenen, als
Doppelfaden ausgebildeten losen Mehrfachfadens in einem Querschnitt.
-
Die 1 zeigt
in Seitenansicht schematisch den zeitlichen Ablauf der Herstellung
und Nutzung eines speziellen Typs der erfindungsgemäßen eindimensionalen
Kultivierungseinrichtung 1 (KV). Rechts in der 1 ist
die Herstellung einer eindimensionalen Kultivierungseinrichtung 1 (KV)
nach einem Stranggussverfahren mittels einer Spinndüse 2, die
in ihrem äußeren Hohlraum 3 das Material
für den schlauchförmigen zugstabilen Mantel 7 der
KV 1 und in einer innen liegenden Düse das Matrixmaterial 4, aus
dem die Nährstoffe enthaltenden Matrix 8 entsteht,
zusammen mit den zur Beimpfung dienenden vereinzelten Mikroorganismen 6 enthält,
dargestellt.
-
Beim
Spinnen des Fadens wird gleichzeitig das Innere mit dem Material
der hydrokolloiden Matrix 7, welches außerdem
Mikroorganismen als Beimpfungsmaterial enthält, gefüllt.
-
Nach
dem Härten der zugstabilen Matrix, bevorzugt durch Behandlung
in einem Fällungsbad 5 oder andere chemische oder
physikalische Prozesse entsteht der auf der linken Seite dargestellte
Abschnitt der funktionsfähigen KV 1. In ihrem
Inneren enthält sie die meist flüssige oder halbfeste
Kultivierungsmatrix 8 mit den gewachsenen Kolonien 6.
Die Kultivierungsmatrix ist von dem in der Regel sauerstoffdurchlässigen
Mantel umgeben, der in diesem Beispiel gleichzeitig das zugstabile
Element 7 darstellt.
-
Ausgewählte
Mikrokulturen können bei dieser Art der Ausführung
durch Ausschneiden des die ausgewählte Mikrokultur enthaltenden
Abschnitts gewonnen und anschließend zur Beimpfung von
nachfolgenden Kulturen eingesetzt werden.
-
Die 2 zeigt
in Seitenansicht einen weiteren speziellen Typ der eindimensionalen
KV 1, die aus einem innen liegenden zugstabilen Element 7 und
einer als Beschichtung ausgeführten, Nährstoffe enthaltenden
Matrix 8 besteht und mit mikrobiellen Kolonien 6 bewachsen
ist.
-
Die 3 zeigt
in Seitenansicht einen mit Kolonien 6 bewachsenen anderen
speziellen Typ der eindimensionalen Kultivierungseinrichtung KV 1,
bei dem die Nährstoffe enthaltende Matrix 8 von
einem außen liegenden zugstabilen Element 7 in
Form eines textilen Geflechts umschlossen wird.
-
Die 4 zeigt
schematisch den Ablauf einer erfindungsgemäßen
Verfahrensvariante unter Verwendung einer Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Vorrichtung in Seitenansicht,
bei der von einer Spule zugstabile Elemente 7 in Form eines
Faden abgespult werden und die Beschichtung im Imprägnierungsraum 10 mit
dem Matrixmaterial 4 erfolgt.
-
Mittels
Andruck- bzw. Umlenkrollen 11 wird hierbei der Faden in
das verflüssigte Matrixmaterial 4 gedrückt.
-
Die
nach Verfestigung des Matrixmaterials gebildete eindimensionale
Kultivierungsvorrichtung KV 1 wird anschließend
in einem Beimpfungsraum 12 durch die Rollen 11 in
das Beimpfungsmaterial gedrückt. Die KV 1 wird
anschließend durch Zugkräfte 14 in einen
Inkubationsraum 13 transportiert, in dem sie für
die Dauer der Kultivierungszeit in Form eines Stapels 15 verbleibt.
-
Die 5 zeigt
schematisch einen aus mehreren Quasi-Kulturflächen 17 zusammengesetzten
Stapel 15, der sich in einem Detektionsraum 16 befindet.
-
Jede
Quasi-Kulturfläche besteht aus einem Rahmen 18,
auf dem die KV 1 parallel nebeneinander aufgespannt sind.
-
Die
Detektion der auf den KV 1 gewachsenen Kulturen bzw. Kolonien 6 erfolgt
beispielsweise berührungslos über ein an sich
bekanntes optisches Detektorsystem, bestehend aus einer Lichtquelle 19, die
mit einem Lichtstrahl 20 die KV 1 bzw. die auf
ihnen befindlichen Mikrokulturen abgetastet und mit einem Fluoreszenzempfänger 21 mit
einem angeschlossenen Rechner 22 die Fluoreszenzsignale auswertet.
-
Die 6 zeigt
in Seitenansicht die Beimpfung eines von einer Spule 9 abgewickelten
Mehrfachfadens in Form eines Doppelfadens 23 bzw. einer
doppelten KV 1, der in einem Beimpfungsraum 12 beimpft,
auf einer Verzögerungstrommel 24 mit einer Vielzahl
von Wicklungen aufgespult und das andere Ende gleichzeitig wieder
abgespult, einem Detektorraum 16 zugeführt, detektiert
und anschließend der Mehrfachfaden 23 in zwei
Einzelfäden abgetrennt wird. Die in der Abbildung unten
noch einmal in der Aufsicht 25 dargestellte Verzögerungstrommel zeigt
das Wickelungsschema des Doppelfadens.
-
Die 7 zeigt
im Querschnitt einen mit Mikrokulturen 6 bewachsenen, als
Doppelfaden ausgebildeten losen Mehrfachfaden 26, bei der
sich die Wachstumsmatritzen der beiden Fäden in engen Kontakt
befinden und weiterhin gekoppelten Mehrfachfaden 27, bei
dem die zugfesten Elemente zweier parallel angeordneter Fäden
untereinander durch eine Sollbruchstelle 28 verbunden sind.
Die KV bestehen auch hier aus einem zugstabilen Element 7 und
einer Nährstoffe enthaltenden Matrix 8.
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In
einer nicht durch Abbildungen dargestellten Ausführung
der erfindungsgemäßen Vorrichtung werden eine,
zwei oder eine Mehrzahl von sich in longitudinaler Richtung bewegende
Kultivierungseinrichtungen (KV) kontinuierlich beimpft, kultiviert
und detektiert. Durch Trennung der sich in einer Ausführung
der Erfindung während der Inkubation in engem Kontakt befindlichen
eindimensionalen Kultivierungseinrichtungen (Mehrfachfäden)
ist es möglich, die Mikrokultursequenz identisch zu replizieren.
In einer anderen Ausführung wird eine auf einem Rahmen angeordnete
Vielzahl parallel angeordneter eindimensionaler Kultivierungseinrichtungen,
die eine Quasi-Kulturfläche bilden, in einer kompakten,
zwei- oder nach Stapelbildung auch dreidimensionalen Anordnung inkubiert,
dann flächenweise oder in Fadenform detektiert und anschließend
in kompakter Form zugriffsbereit aufbewahrt.
-
Ein
bevorzugtes Anwendungsgebiet der Erfindung ist die Kultivierung
großer Zahlen von Mikroorganismen, bevorzugt in Form von
Klonen, zur Charakterisierung und Typisierung ihrer Wachstums- und Stoffwechseleigenschaften
sowie der Entwicklung morphologischer Merkmale im Zusammenhang mit chemischen
Einflussgrößen und Kultivierungsparametern. Außerdem
ist sie anwendbar für das Hochdurchsatzscreening nach neuen
Mikroorganismen mit besonderen metabolischen Leistungen und Produktbildungen.
-
Alle
in der Beschreibung und den nachfolgenden Ansprüchen dargestellten
Merkmale können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination miteinander
erfindungswesentlich sein.
-
- 1
- Kultivierungsvorrichtung
(KV)
- 2
- Spinndüse
- 3
- äußerer
Hohlraum
- 4
- Matrixmaterial
- 5
- Fällungsbad
- 6
- Kulturen,
Kolonien
- 7
- zugstabiles
Element
- 8
- hydrokolloide
Nährstoffe enthaltende Matrix
- 9
- Spule
- 10
- Imprägnierungsraum
- 11
- Umlenk-
bzw. Andruckrollen
- 12
- Beimpfungsraum
- 13
- Inkubationsraum
- 14
- Zugkräfte
bzw. Bewegungsrichtung
- 15
- Stapel
- 16
- Detektionsraum
- 17
- Quasi-Kulturfläche
- 18
- Aufspannrahmen
- 19
- Lichtquelle
- 20
- Lichtstrahl
- 21
- Fluoreszenzempfänger
- 22
- Rechner
- 23
- Doppelfaden
- 24
- Verzögerungstrommel,
Seitenansicht
- 25
- Verzögerungstrommel,
Aufsicht
- 26
- loser
Mehrfachfaden
- 27
- gekoppelter
Mehrfachfaden
- 28
- Sollbruchzone
- 29
- Aufbewahrungsraum
-
ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
-
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