DE102007018574B4 - Fahrzeugsitz mit Schaumpolster - Google Patents
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Abstract
Description
- Die Erfindung betrifft einen Fahrzeugsitz mit einem Schaumpolster bzw. mit einem Deformationskörper.
- Solche Fahrzeugsitze sind allgemein bekannt. Beispielsweise ist aus der deutschen Offenlegungsschrift
DE 198 44 307 A1 ein Sitz mit einem Deformationskörper bekannt. Ferner sind Fahrzeugsitze mit einer Aktuierungseinrichtung bekannt, beispielsweise aus der Druckschrift . Hierbei ist jedoch nachteilig, dass im Normalbetrieb des Fahrzeugsitzes einerseits zwischen der Aktuierungseinrichtung und dem Benutzer des Fahrzeugsitzes ein möglichst großer Abstand bestehen sollte, um die Komforterfordernisse des Benutzers möglichst zu berücksichtigen. Andererseits ist mit einem vergleichsweise großen Abstand zwischen der Aktuierungseinrichtung und dem Benutzer des Fahrzeugsitzes auch ein vergleichsweise großer Weg zurückzulegen, bis die Aktuierungseinrichtung trägheitskraftgesteuert betätigt werden kann. Es wird außerdem auf die DruckschriftWO 2005/097545 A2 DE 198 00 078 A1 verwiesen. - Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Fahrzeugsitz zu schaffen, der in den unterschiedlichen Betriebszuständen, also insbesondere im Normalbetriebszustand und in einem Unfallbetriebszustand, ein möglichst optimales Verhalten hinsichtlich den Komfortansprüchen eines Benutzers einerseits und den Sicherheitsanforderungen andererseits gewährleistet und darüber hinaus einfach, robust, lebensdauerstabil und kostengünstig bereitgestellt werden kann.
- Diese Aufgabe wird gelöst durch einen Fahrzeugsitz mit einem Deformationskörper wobei der Fahrzeugsitz eine Aktuierungseinrichtung aufweist, wobei der Deformationskörper zur Weiterleitung eines Stoßimpulses im Bereich der Aktuierungseinrichtung angeordnet ist. Gemäß der vorliegenden Erfindung ist ferner vorgesehen, dass das Schaumpolster bzw. der Deformationskörper von Rückenlehne und/oder Sitzteil Bereiche aufweist, welche sich im normalen Fahrbetrieb komfortabel weich verhalten, bei einer unfallbedingten Impulsbelastung jedoch verhärten bzw. härter verhalten und damit eine Abstützung des Sitzinsassen oder eine zügige Übertragung von Trägheitskräften ermöglichen. Hierdurch wird erreicht, dass der Deformationskörper ein impulsabhängiges Deformationsverhalten aufweist. Hierdurch ist es erfindungsgemäß in vorteilhafter Weise möglich, dass in vielfältiger Hinsicht den Bedürfnissen eines Sitzbenutzers Rechnung getragen wird, insbesondere für einen guten Komfort gesorgt wird, wenn dies der Fahrzeugzustand des Kraftfahrzeugs zulässt (keine Unfallsituation), und insbesondere für einen sicheren Betrieb gesorgt wird, wenn dies aufgrund der Fahrzeugsituation notwendig ist.
- Erfindungsgemäß ist ferner bevorzugt, dass der Fahrzeugsitz ein Lehnenteil und eine Kopfstütze aufweist, wobei die Kopfstütze ein dem Kopf eines Sitzinsassen zugewandtes Teilstück (
7' ) aufweist, wobei das Teilstück (7' ) aus einer Gebrauchsstellung zum Kopf des Sitzinsassen hin in eine Sicherheitsstellung verlagerbar ist und wobei die Verlagerung des Teilstücks (7' ) mittels der Aktuierungseinrichtung vorgesehen ist. Hierdurch ist es in besonders vorteilhafter Weise möglich, dass eine sogenannte aktive Kopfstützenfunktionalität für den Fall von Heckzusammenstößen eines Fahrzeugs erzielt wird. Zur Wirkung derartiger Kopfstützen und dem Aufbau eines geeigneten Antriebsmittels bzw. einer geeigneten Aktuierungseinrichtung wird auf die Druckschrift WOA2 Bezug genommen, die durch Bezugnahme in ihrer Gänze zum Bestandteil dieser Patentanmeldung gemacht wird. - Ferner ist es erfindungsgemäß bevorzugt, dass die Aktuierungseinrichtung im Bereich des Lehnenteils angeordnet ist, wobei insbesondere ein Übertragungselement, bevorzugt ein Bowdenzug, zur Übertragung der Aktuierung auf die Kopfstütze vorgesehen ist. Hierdurch ist es in besonders einfacher, robuster, lebensdauerstabiler und kostengünstiger Weise möglich, eine Übertragung der Aktuierung vom Bereich der Aktuierungseinrichtung zur Kopfstütze zu ermöglichen.
- Erfindungsgemäß ist es weiterhin bevorzugt, dass die Kopfstütze höhenverstellbar mittels wenigstens einer Haltestange mit dem Lehnenteil verbunden ist, wobei insbesondere das Übertragungselement durch die wenigstens eine Haltestange geführt vorgesehen ist. Hierdurch wird erfindungsgemäß in vorteilhafter Weise gewährleistet, dass auf bewährte Konstruktionsprinzipien bei der Anordnung bzw. Anbringung von Kopfstützen zurückgegriffen werden kann und dennoch ein Vielzahl von Sicherheitsfunktionen und Komfortfunktionen in die Kopfstütze integrierbar ist.
- Erfindungsgemäß ist es ferner bevorzugt vorgesehen, dass der Fahrzeugsitz ein Sitzteil aufweist, wobei das Sitzteil einen weiteren Deformationskörper zur Absorption von Stoßenergie aufweist, wobei der weitere Deformationskörper von hinten nach vorne im Sitzteil bevorzugt rampenartig ansteigend angeordnet ist. Hierdurch wird in vorteilhafter Weise eine weitere Sicherheitsfunktion für den Unfallbetrieb bei einem erfindungsgemäßen Fahrzeugsitz bereitgestellt.
- Darüber hinaus wird ein Verfahren zum Betrieb eines erfindungsgemäßen Fahrzeugsitzes offenbart, wobei sich der Deformationskörper und/oder der weitere Deformationskörper während eines Normalbetriebs des Fahrzeugsitzes bei vergleichsweise geringer Formänderungsgeschwindigkeit vergleichsweise weich verhält und dass sich der Deformationskörper und/oder der weitere Deformationskörper während eines Unfallbetriebs des Fahrzeugsitzes bei vergleichsweise großer Formänderungsgeschwindigkeit vergleichsweise hart verhält. Hierdurch kann in vorteilhafter Weise ein besonders hohes Maß an Komfort für den Sitzinsassen bei einem Normalbetrieb des Fahrzeugsitzes bzw. des Fahrzeuges mit einem besonders hohen Maß an Sicherheit für den Sitzinsassen bei einem Unfallbetrieb des Fahrzeugsitzes bzw. des Fahrzeuges verbunden werden.
- Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung sind in der Zeichnung dargestellt und in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.
-
1 und2 zeigen schematisch erfindungsgemäße Fahrzeugsitze in Seitenansicht. - In
1 ist in schematischer Weise ein erfindungsgemäßer Kraftfahrzeugsitz1 in Seitenansicht dargestellt. Der Fahrzeugsitz1 umfasst ein Sitzteil2 und eine Rückenlehne3 mit einer Kopfstütze4 . Die Kopfstütze4 weist eine Basis5 auf, die mittels Haltestangen6 höheneinstellbar mit der Rückenlehne3 verbunden ist. In Fahrtrichtung (bzw. in Richtung auf einen Sitzinsassen hin) vor der Basis5 ist ein Polsterteil7 angeordnet (Gebrauchsstellung), das unfallbedingt mittels einer Antriebseinrichtung8 in Richtung des Kopfes des Sitzinsassen nach vorne verlagert wird (Sicherheitsstellung7' des Polsterteils). Die Antriebseinrichtung8 wird durch eine Aktuierungseinrichtung9 betätigt, die mittels eines durch mindestens eine Haltestange6 geführten Bowdenzugs10 bzw. mittels eines sonstigen Übertragungselements10 mit der Antriebseinrichtung8 wirkverbunden sind. - Die Aktuierungseinrichtung
9 ist im unteren Bereich (Beckenanlage) der Rückenlehne3 angeordnet und wird durch den bei einem Heckaufprall in das Polster der Rückenlehne3 gepressten Körper des Sitzinsassen betätigt, nimmt die dabei gewonnene Energie auf und überträgt sie durch den Bowdenzug10 in die Antriebseinrichturig8 . In diesem Fall wirkt die Aktuierungseinrichtung9 als Betätigungseinrichtung der Antriebseinrichtung8 , wobei die Antriebseinrichtung8 erfindungsgemäß bevorzugt in der Kopfstütze4 angeordnet ist. Es kann erfindungsgemäß auch vorgesehen sein, dass die Aktuierungseinrichtung9 lediglich als Auslöseeinrichtung für die Antriebseinrichtung8 fungiert, so dass letztlich die zur Vorverlagerung des Polsterteils7 in seine Sicherheitsstellung7' benötigte Energie im Wesentlichen nicht von der Aktuierungseinrichtung9 und dem Übertragungselement10 übertragen wird, sondern nur die Auslösung der Antriebseinrichtung8 erfolgt und der wesentliche Teil der zur Vorverlagerung des Polsterteils7 benötigte Energie beispielsweise mechanisch in der Antriebseinrichtung8 (bspw. mittels einer gespannten Feder oder dergleichen) gespeichert ist. - Durch die Vorverlagerung des Polsterteils
7 wird die Anlagefläche11 der Kopfstütze4 näher zum Kopf des Sitzinsassen bewegt (Anlagefläche11' ) und verhindert dadurch eine Überstreckung der Nackenwirbel. Zur Wirkung derartiger Kopfstützen und dem Aufbau eines geeigneten Antriebsmittels wird hiermit ausdrücklich auf das Dokument WO verwiesen.2005/ 097545 A2 - Erfindungsgemäß ist insbesondere die Rückenlehne
3 mit einem Schaumpolster12 versehen, welches sich auch über einen Bereich13 zwischen der Aktuierungseinrichtung9 und einer Anlagefläche14 für den Sitzinsassen erstreckt, beispielsweise in Form einer speziellen Schaumeinlage. Zumindest in diesem Bereich13 weist das Schaumpolster die eingangs genannten impulsabhängigen Härteeigenschaften auf, so dass der Sitzinsasse in normalem Fahrbetrieb (beispielsweise bei Werten der Beschleunigung des Sitzinsassen in X-Richtung (entgegen Fahrtrichtung) von weniger als einem g (9,81 m/s2)) keine Komforteinbussen erleidet, die Aktuierungseinrichtung9 jedoch bei einem Heckaufprall (beispielsweise bei Werten der Beschleunigung des Sitzinsassen in X-Richtung (entgegen Fahrtrichtung) von mindestens dem 6- bis 9-fachen von einem g) im Wesentlichen unverzüglich durch den gegen die Anlagefläche14 gepressten Sitzinsassen betätigt wird. Es wird durch eine solche Gestaltung des Schaumpolsters12 im Bereich13 zwischen der Aktuierungseinrichtung9 und der Anlagefläche14 für den Sitzinsassen ein Deformationskörper13 realisiert, der ein impulsabhängiges Deformationsverhalten aufweist. Ein geeigneter Schaum zur Realisierung eines solchen Deformationskörpers13 kann aus Polyurethan bestehen, der eine Zellstruktur aufweist, die nur sehr kleine Verbindungsöffnungen zwischen den einzelnen Zellen aufweist. Diese Verbindungsöffnungen reichen in normalem Fahrbetrieb mit vergleichsweise geringer auf den Insassen wirkenden Beschleunigung (Normalbetrieb) aus, Luft zwischen den einzelnen Zellen auszutauschen und dem Schaum hierdurch eine geringe Härte zu verleihen. Bei einer Impulsbelastung des Schaums hingegen steigt der Druck in den Zellen stark an, da die engen Verbindungsöffnungen dem Luftaustausch einen hohen Widerstand entgegen setzen. Der Schaum verhält sich hierdurch relativ steif. Dies wird erfindungsgemäß zur Übertragung der Aktuierungskraft zwischen dem Sitzinsassen14 und der Aktuierungseinrichtung9 ausgenutzt. - Bei dem in
2 gezeigten Fahrzeugsitz1 ist im Sitzteil2 ein von hinten nach vorne rampenartig ansteigender Bereich eines weiteren Deformationskörpers13' im Schaumpolster12' des Sitzteils2 vorgesehen. Dieser weitere Deformationskörper13' weist die eingangs genannten impulsabhängigen Härteeigenschaften auf und bildet bei einem Frontalaufprall einen Schutz gegen ein Durchtauchen des Sitzinsassen unter einen Beckengurt (nicht dargestellt) aus. Auch bei dem in2 dargestellten Fahrzeugsitz1 kann in der Rückenlehne die Aktuierungseinrichtung9 und der Deformationskörper13 sowie eine aktive Kopfstütze4 vorgesehen sein (nicht dargestellt). - Bezugszeichenliste
-
- 1
- Fahrzeugsitz
- 2
- Sitzteil
- 3
- Rückenlehne
- 4
- Kopfstütze
- 5
- Basis
- 6
- Haltestange
- 7
- Polsterteil in Gebrauchsstellung
- 7'
- Sicherheitsstellung des Polsterteils
- 8
- Antriebsmittel
- 9
- Aktuierungseinrichtung
- 10
- Übertragungselement / Bowdenzug
- 11'
- Anlagefläche des Polsterteils
- 12
- Schaumpolster der Rückenlehne
- 12'
- Schaumpolster des Sitzteils
- 13
- Deformationskörper / Bereich mit impulsabhängiger Härte
- 13'
- weiterer Deformationskörper / weiterer Bereich mit impulsabhängiger Härte
- 14
- Anlagefläche des Sitzinsassen
Claims (5)
- Fahrzeugsitz (1) mit einem Deformationskörper (13), dadurch gekennzeichnet, dass der Fahrzeugsitz (1) eine Aktuierungseinrichtung (9) aufweist, wobei der Deformationskörper (13) zur Weiterleitung eines Stoßimpulses im Bereich der Aktuierungseinrichtung (9) angeordnet ist und wobei der Deformationskörper (13) ein impulsabhängiges Deformationsverhalten aufweist.
- Fahrzeugsitz (1) nach
Anspruch 1 , dadurch gekennzeichnet, dass der Fahrzeugsitz (1) ein Lehnenteil (3) und eine Kopfstütze (4) aufweist, wobei die Kopfstütze (3) ein dem Kopf eines Sitzinsassen zugewandtes Teilstück (7, 7') aufweist, wobei das Teilstück (7, 7') aus einer Gebrauchsstellung zum Kopf des Sitzinsassen hin in eine Sicherheitsstellung verlagerbar ist und wobei die Verlagerung des Teilstücks (7, 7') mittels der Aktuierungseinrichtung (9) vorgesehen ist. - Fahrzeugsitz (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Aktuierungseinrichtung (9) im Bereich des Lehnenteils (3) angeordnet ist, wobei insbesondere ein Übertragungselement (10), bevorzugt ein Bowdenzug, zur Übertragung der Aktuierung auf die Kopfstütze (4) vorgesehen ist.
- Fahrzeugsitz (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Kopfstütze (4) höhenverstellbar mittels wenigstens einer Haltestange (6) mit dem Lehnenteil (3) verbunden ist, wobei insbesondere das Übertragungselement (10) durch die wenigstens eine Haltestange (6) geführt vorgesehen ist.
- Fahrzeugsitz (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Fahrzeugsitz (1) ein Sitzteil (2) aufweist, wobei das Sitzteil (2) einen weiteren Deformationskörper (13') zur Absorption von Stoßenergie aufweist, wobei der weitere Deformationskörper (13') von hinten nach vorne im Sitzteil (2) bevorzugt rampenartig ansteigend angeordnet ist.
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