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Die
vorliegende Erfindung betrifft Suspensionen von SiO2-Partikeln
in einer äußeren Phase, die polymerisierbare Monomere,
Oligomere und/oder Prepolymere umfasst. Die Erfindung betrifft zudem Verfahren
zur Herstellung einer erfindungsgemäßen Suspension
sowie teil- oder vollausgehärtete Dispersionen, die aus
einer erfindungsgemäßen Dispersion herstellbar
sind.
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SiO2-Partikel einer mittleren Teilchengröße von
beispielweise maximal 100 nm sind häufiger Bestandteil
von polymerisierbaren Formulierungen (insbesondere Lacksysteme)
und bewirken in diesen als nanoskaliger Füllstoff positive
Eigenschaften wie:
- – verringerte Viskosität
der Formulierung im Vergleich mit konventionellen verstärkenden
Füllstoffen;
- – Erhöhung der Bruchfestigkeit, der Schlagzähigkeit
und des Modulus;
- – verbesserte Kratz- und Abriebfestigkeit;
- – verringerter Härtungsschrumpf und verringerte thermische
Expansion;
- – einen hohen Gesamtfüllstoffanteil, insbesondere
bei Kombination mit konventionellen Füllstoffen (insbesondere
konventionellen Füllstoffen eines größeren
Teilchendurchmessers).
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Besonders
bevorzugt ist der Einsatz oberflächenmodifizierter sphärischer
SiO2-Partikel mit einem mittleren Teilchendurchmesser
von maximal 100 nm.
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DE 196 17 931 C2 offenbart
bestimmte gefüllte und polymerisierbare Dentalmaterialien
umfassend
- (a) eine äußere
Phase umfassend polymerisierbare Verbindungen sowie
- (b) eine dispergierte Phase bestehend aus oberflächenmodifizierten
amorphen SiO2-Partikeln, wobei die amorphen
SiO2-Partikel mittels eines Sol-Gel-Verfahrens
herstellbar sind und eine mittlere Größe von 10
bis 100 nm besitzen.
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EP 1 366 112 B1 offenbart
Dispersionen, die in der dispersen Phase amorphes Siliziumdioxid
enthalten, welches aus einer wässrigen Silikatlösung durch
Polykondensation hergestellt wird. Gemäß
EP 1 366 112 B1 liegt
die mittels Neutronenkleinwinkelstreuung (SANS) gemessene mittlere
Teilchengröße des Siliziumdioxids zwischen 3 und
50 nm bei einer maximalen Halbleitsbreite der Verteilungskurve von 1,5
d
max. Derartige Siliziumdioxid-Teilchengrößen
und die offenbarten Herstellverfahren für amorphes SiO
2 sind auch im Rahmen der vorliegenden Erfindung
bevorzugt.
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Für
eine Vielzahl von Anwendungen werden Suspensionen von (nanoskaligen)
SiO2-Partikeln in einer polymerisierbaren äußeren
Phase gesucht, welche eine hohe Stabilität der SiO2-Partikel gegenüber Zusammenballung
(insbesondere Flockulation, Aggregation, Agglomeration) besitzen.
Derartige Suspensionen sollten vorzugsweise auch bei Zugabe üblicher
Lösungsmittel, Bindemittel, Additive oder Reaktionspartner
(die beispielsweise die Polymerisation des Bindemittels auslösen
sollen) stabil im genannten Sinne bleiben, d. h. die suspendierten SiO2-Partikel sollten sich nicht aufgrund der
besagten Zugabe zusammenballen (d. h. zu größeren
Partikeln vereinigen). Nachteiligerweise wird nämlich in
der Praxis häufig beobachtet, dass es während
des Formulierungs- und Verarbeitungsprozesses zu einer Störung
der Primärteilchenstabilität und damit zu einer
erhöhten Neigung zum Zusammenballen (insbesondere zur Flockulation)
kommt. Störungen der genannten Art treten beispielsweise
regelmäßig beim Mischen einer Primärsuspension
mit Bindemittel oder Lösungsmittel auf. In diesem Zusammenhang wird
dann vom sogenannten Bindemittel- oder Lösungsmittelschock
gesprochen. In Lackformulierungen kommt es beispielsweise häufig
zu einer Flockulation der ursprünglich eingesetzten SiO2-Nanopartikel, was sich durch Schlieren
sowohl im Lack als auch in der ausgehärteten Beschichtung
zeigt. Der dadurch entstehende höhere Streuanteil des Lichtes führt
zur Glanz- und Farbton Beeinträchtigung (Trübung,
Aufhellung) und ist daher in vielen technischen Bereichen (zum Beispiel
im Automobilbereich) nicht akzeptabel.
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In
der Praxis hat es sich insbesondere gezeigt, dass es bereits nach
Zusatz geringer Mengen von Hexamethylendiisocyanat (HDI), beispielsweise in
Form eines Hexamethylendiisocyanat-Biurets (HDI-Biurets), zu Suspensionen
von SiO2-Nanopartikeln zu einem Zusammenballen
der SiO2-Nanopartikel zu größeren
Partikeln kommt, was insbesondere an der Umsetzung des Isocyanats
mit freien OH-Gruppen auf der Oberfläche der SiO2-Partikel liegen dürfte.
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Es
war daher die primäre Aufgabe der vorliegenden Erfindung,
eine Suspension von nanoskaligen SiO2-Partikeln
in einer polymerisierbaren äußeren Phase anzugeben,
wobei die SiO2-Partikel in der Suspension
eine nur geringe Neigung zum Zusammenballen (Agglomeration, Aggregation,
Flockulation) besitzen sollten, und zwar auch dann, wenn die Suspension
mit üblichen weiteren Bindemittel- oder Lösungsmittelkomponenten, üblichen
sonstigen Additiven oder üblichen Reaktionspartner versetzt
wird. Insbesondere sollte der Zusatz von Isocyanaten wie HDI zu
den anzugebenden Suspensionen nicht oder nur vergleichsweise langsam
zur Zusammenballung der SiO2-Partikel führen.
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Die
vorstehend genannte Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst
durch Angabe einer Suspension von (üblicherweise amorphen)
SiO2-Partikeln, umfassend oder bestehend
aus:
- (a) einer äußeren Phase
umfassend oder bestehend aus:
- (a1) polymerisierbaren Monomeren, Oligomeren und/oder Prepolymeren
und
- (a2) einer oder mehreren co-polymerisierbaren oder nicht co-polymerisierbaren
organischen Säuren
und
- (b) einer dispergierten Phase bestehend aus:
oberflächenmodifizierten
und/oder nicht oberflächenmodifizierten SiO2-Partikeln,
wobei die SiO2-Partikel mittels eines Sol-Gel-Verfahrens herstellbar
sind und eine mittlere Teilchengröße von maximal
100 nm besitzen,
wobei die Art und die Menge der co-polymerisierbaren
oder nicht co-polymerisierbaren organischen Säure bzw.
Säuren so ausgewählt ist, dass die oberflächenmodifizierten
und/oder nicht oberflächenmodifizierten SiO2-Partikel
nach Vermischen von 1 Gewichtsteil Hexamethylendiisocyanat-Biuret
(HDI-Biuret) mit 1 Gewichtsteil der Suspension gegen Zusammenballung
zu Partikeln einer mittleren Teilchengröße von
zumindest 1000 nm stabilisiert sind.
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Ein
geeignetes HDI-Biuret ist beispielsweise von der Firma Bayer unter
dem Namen Desmodur N 100 kommerziell erhältlich.
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Eine
gute Stabilisierung wird regelmäßig erreicht,
wenn zumindest 1 mol organische Säure pro 225 g SiO2-Partikel (entspricht 6 mol reines SiO2) eingesetzt wird; zu bevorzugten organischen
Säuren siehe unten.
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Eine
erfindungsgemäße Suspension umfasst oder besteht
aus einer äußeren Phase (a) und einer dispergierten
Phase (b). Die äußere Phase umfasst oder besteht
aus (a1) polymerisierbaren Monomeren, Oligomeren und/oder Prepolymeren
und (a2) einer oder mehreren organischen Säuren (wobei
der Begriff "Säure" auch die entsprechenden Säureanhydride
umfasst). Die Säuren (bevorzugt Carbonsäuren,
insbesondere Monocarbonsäuren vorzugsweise Moncarbonsäuren
mit 2 oder mehr C-Atomen) sind vorzugsweise co-polymerisierbar;
nicht co-polymerisierbare organische Säuren können
jedoch ebenfalls eingesetzt werden, vorzugsweise neben co-polymerisierbaren
Säuren. Die dispergierte Phase (b) einer erfindungsgemäßen
Suspension besteht aus oberflächenmodifizierten und/oder
nicht oberflächenmodifizierten SiO2-Partikeln.
Oberflächenmodifizierte SiO2-Partikel
sind bevorzugt. Aus nicht-oberflächenmodifizierten SiO2-Partikeln lassen sich oberflächenmodifizierte
SiO2-Partikel beispielsweise durch Umsetzung
mit einem Organosilan erhalten, z. B. durch Umsetzung mit Methacrylsilan,
Octylsilan, Hexadecylsilan, HMDS oder Dimethyldichlorsilan.
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Auch
oberflächenmodifizierte SiO2-Partikel besitzen
regelmäßig in gewissen Umfang noch freie Hydroxygruppen.
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Die
erfindungsgemäß in der dispergierten Phase (b)
vorhandenen SiO2-Partikel besitzen eine mittlere
Teilchengröße von maximal 100 nm. Die mittlere
Teilchengröße der SiO2-Partikel
in der Suspension wird dabei mittels Photonenkorrelationsspektroskopie
(PCS) bestimmt (vgl. RÖMPP online; Müller,
R. H., Schumann, R., Teilchengrößenmessung in
der Laborpraxis, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart,
(1996).
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Die
in der dispergierten Phase (b) vorhandenen (üblicherweise
amorphen) SiO
2-Partikel sind mittels eines
Sol-Gels-Verfahrens herstellbar. Ein bevorzugtes Verfahren zur Herstellung
der SiO
2-Partikel der dispergierten Phase
(b) einer erfindungsgemäße Suspension ist ein
Verfahren mit den Schritten a) bis f) gemäß
EP 1 366 112 B1 .
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Art
und Menge der (vorzugsweise co-polymerisierbaren) organischen Säure
(dieser Begriff umfasst auch die entsprechenden Säureanhydride)
beziehungsweise der organischen Säuren, die als Komponente
(a2) Bestandteil der äußeren Phase (a) einer erfindungsgemäßen
Suspension sind, sind erfindungsgemäß so ausgewählt,
dass die SiO2-Partikel (gemäß Komponente
(b)) nach Vermischen von 1 Gewichtsteil Hexamethylendiisocyanat-Biuret (HDI-Biuret)
mit 1 Gewichtsteil der Suspension gegen Zusammenballung zu Partikeln
einer mittleren Teilchengröße von zumindest 1000
nm stabilisiert sind.
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Die
(üblicherweise amorphen) SiO2-Partikel gelten
im Rahmen der vorliegenden Erfindung als stabilisiert, wenn es nach
Vermischen von Hexamethylendiisocyanat-Biuret mit der erfindungsgemäßen Suspension
in dem angegebenen Mengenverhältnis nicht oder im Vergleich
mit einer Suspension, die bei ansonsten gleicher Zusammensetzung
keine Komponente (a2) umfasst, nur verzögert zu einer Zusammenballung
der SiO2-Partikel der Komponente (b) zu Partikeln
mit einer mittleren Teilchengröße von zumindest
1000 nm kommt, insbesondere nicht oder nur verzögert zur
Ausflockung, Gelierung oder Trübung.
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Der
Quotient aus den Geschwindigkeitskonstanten der Zusammenballung
(Flockulation, Agglomeration, Aggregation) der Vergleichs-Suspension ohne
Anwesenheit der Komponente (a2) (d. h. ohne Anwesenheit einer organischen
Säure) und einer erfindungsgemäßen Suspension
mit Komponente (a2) wird Stabilitätsquotient W genannt.
Vorzugsweise ist eine erfindungsgemäße Suspension
derart stabil gegen die Zusammenballung der SiO2-Partikel
der Komponente (b), dass der Stabilitätsquotient W einen
Wert von zumindest 102, vorzugsweise zumindest
103, besonders vorzugsweise zumindest 104, ganz besonders bevorzugt zumindest 105 besitzt.
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Die
Monomeren, Oligomeren und/oder Prepolymeren der Komponente (a1)
der äußeren Phase einer erfindungsgemäßen
Suspension sind polymerisierbar. Dies bedeutet, dass Sie in höhermolekulare Verbindungen
(z. B. Polymere, Makromoleküle oder Polymerisate) überführt
werden können. Der Begriff "polymerisierbar" umfasst im
Rahmen der vorliegenden Erfindung auch die Möglichkeit
der Vernetzung.
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Monomere
im Sinne der vorliegenden Erfindung sind vorzugsweise Verbindungen,
aus denen über Polyreaktionen Polymere aufgebaut werden können.
Diese Polyreaktionen können dabei Kettenreaktionen oder
Stufenreaktionen, wie Polyaddition beziehungsweise Polykondensation
sein. Monomere können erfindungsgemäß als
Einzelsubstanzen oder in Form von Substanzgemischen (neben weiteren Monomeren,
Oligomeren und/oder Prepolymeren) eingesetzt werden. Bevorzugt ist
der Einsatz von Monomeren, die so polymerisierbar sind, dass sie
eine konstitutionelle Einheit bilden, deren vielfache Wiederholung
als konstitutionelle Repetiereinheit identifizierbar ist.
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Oligomere
sind Verbindungen, in deren Molekülen nur wenige Atome
oder Atom-Gruppen (konstitutionelle Einheiten) gleicher oder verschiedener Art
wiederholt miteinander verknüpft sind.
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Prepolymere
sind oligomere oder selbst bereits polymere Verbindungen, die als
Vor- oder Zwischenprodukte zur Synthese von Polymeren eingesetzt
werden können.
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Eine
erfindungsgemäße Suspension kann neben den Komponenten
(a1) und (a2) in der äußeren Phase weitere Komponenten
besitzen (siehe dazu auch unten). Eine erfindungsgemäße
Suspension kann zudem neben der dispergierten Phase (b) eine weitere
dispergierte Phase umfassen, beispielsweise anorganische Partikel
(insbesondere SiO2-Partikel) einer mittleren
Teilchengröße von mehr als 100 nm. Vorzugsweise
liegt die Suspension dann als bi- oder multimodale Mischung dispergierter Phasen
vor.
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Sofern
eine erfindungsgemäße Suspension neben den SiO2-Partikeln der dispergierten Phase (b) weitere
SiO2-Partikel umfasst, werden diese vorzugsweise
so gewählt, dass sie sich nicht nur in ihrer mittleren
Teilchengröße von den SiO2-Partikeln
der dispergierten Phase (b) unterscheiden, sondern zusätzlich
aufgrund zumindest einer weiteren chemischen oder physikalischen
Eigenschaft. Beispielsweise können neben den SiO2-Partikeln der dispergierten Phase (b) als
Bestandteil einer weiteren dispergierten Phase (c) SiO2-Partikel
vorgesehen sein, die nicht mittels eines Sol-Gel-Verfahrens herstellbar sind.
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Vorzugsweise
sind in einer erfindungsgemäßen Suspension neben
den SiO2-Partikeln der dispergierten Phase
(b) keine weiteren SiO2-Partikel vorhanden,
die mittels eines Sol-Gel-Verfahrens herstellbar sind.
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Die
Erfindung beruht auf der überraschenden Erkenntnis, dass
organische Säuren (einschließlich der entsprechenden
Anhydride) dispergierte oberflächenmodifizierte und/oder
nicht oberflächenmodifizierte SiO2-Partikel,
die mittels eines Sol-Gel-Verfahrens herstellbar sind und eine mittlere Teilchengröße
von maximal 100 nm besitzen, in einer äußeren
Phase stabilisieren können, die polymerisierbare Monomere,
Oligomere und/oder Prepolymere umfasst. „Stabilisieren"
bedeutet dabei, wie oben ausgeführt, dass nach Vermischen
von 1 Gewichtsteil Hexamethylendiisocyanat-Biuret mit 1 Gewichtsteil
der Suspension eine Zusammenballung der SiO2-Partikel
zu Partikeln einer mittleren Teilchengröße von
zumindest 1000 nm verhindert oder zumindest deutlich verlangsamt
wird. Dabei ist zu berücksichtigen, dass erfindungsgemäße
Suspensionen zwar definitionsgemäß zumindest so
stabilisiert sind, dass es nach Vermischen von 1 Gewichtsteil Hexamethylendiisocyanat-Biuret
mit 1 Gewichtsteil der Suspension nicht oder nur verlangsamt zu
einer Zusammenballung zu Partikeln einer mittleren Teilchengröße
von zumindest 1000 nm kommt, dies aber ganz allgemein bedeutet,
dass auch bei Vermischen mit anderen Isocyanaten oder bei Vermischen
mit (weiteren bzw. anderen) Bindemittelkomponenten, Lösungsmitteln,
Reaktionspartnern, Additiven oder dergleichen im Regelfall eine
Zusammenballung der SiO2-Partikel der Komponente
(b) nicht oder nur verlangsamt stattfindet.
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Vorzugsweise
sind einzelne oder sämtliche der polymerisierbaren Monomeren,
Oligomeren und/oder Prepolymeren der Komponente (a1) mittels Additionsreaktion
polymerisierbar. Von den für eine gegebene Polyadditionsreaktion
erforderlichen Monomeren müssen in einer erfindungsgemäßen
Suspension nicht sämtliche vorhanden sein. So kann beispielsweise
von den zwei Monomertypen, die für die Bildung von Polyurethan
erforderlich sind (z. B. Diol und Diisocyanat) lediglich eine (z.
B. das Diol) in der erfindungsgemäßen Suspension
vorliegen. Eine entsprechende erfindungsgemäße
Suspension ist dann lediglich dafür vorbereitet, mit dem
weiteren für die Polyadditionsreaktion erforderlichen Monomer
(z. B. Diisocyanat) versetzt zu werden.
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Eine
bevorzugte erfindungsgemäße Suspension ist eine,
in der die äußere Phase (a) umfasst oder besteht
aus:
- (a1) mit Isocyanat zu Polyurethan polymerisierbaren
Polyol-Monomeren, -Oligomeren und/oder -Prepolymeren
und
- (a2) einer oder mehreren co-polymerisierbaren oder nicht co-polymerisierbaren
organischen Säuren.
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Vorzugsweise
umfasst die äußere Phase (a) dabei als Komponente
(a3) auch ein geblocktes oder ungeblocktes Isocyanat zur Umsetzung
mit der Komponente (a1).
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Vorzugsweise
ist die äußere Phase einer erfindungsgemäßen
Suspension ein Dual-Cure-System, insbesondere eines, das eine Additionspolymerisation
(vorzugsweise eine Polyol/Isocyanat-Reaktion) und eine radikalische
Polymerisation (vorzugsweise eine photoinitiierte radikalische Polymerisation)
ermöglicht.
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Erfindungsgemäße
Suspensionen, deren äußere Phase ein Dual-Cure-System
ist, sind insbesondere für Automobillackierungen einsetzbar;
die erfindungsgemäße Suspension wird dann regelmäßig
als Klarlack formuliert, wobei dieser Klarlack durch den Anteil
der Komponente (b) vorteilhafte Eigenschaften erhält, wie
sie oben in der Einleitung angegeben sind.
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Ein
weiteres Einsatzgebiet für erfindungsgemäße
Suspensionen mit einer äußeren Phase, bei der
sich um ein Dual-Cure-System handelt, ist die Verbesserung der Folienapplikationstechnik
für z. B. In-Mold-Verfahren. In einem solchen Verfahren
wird eine (vorzugsweise thermoplastische) Trägerfolie mit einer
oder mehreren Lackschichten versehen. Erfindungsgemäße
Suspensionen mit einer äußeren Phase, bei der
sich um ein Dual-Cure-System handelt, eignen sich hierbei insbesondere
zum Einsatz als Klarlack, der durch die Anwesenheit von Komponente
(B) die oben erwähnten vorteilhaften Eigenschaften besitzt.
Nach dem Auftrag einer Lackschicht wird die Folie vorzugsweise getrocknet
oder gehärtet. Die Trocknung erfolgt vorzugsweise chemisch
oder physikalisch, beispielsweise thermisch wie etwa in einem Umluftofen.
Vorzugsweise wird die Folie anschließend durch Tiefziehen
(insbesondere unter Erwärmung) in eine gewünschte
dreidimensionale Form gebracht. Vorzugsweise wird bzw. werden danach die
Lackschicht bzw. -schichten durch geeignete Methoden gehärtet,
z. B. durch Additionspolymerisation und radikalische Polymerisation.
Vorzugsweise wird die geformte und gehärtete Folie anschließend
auf der nicht mit der oder den Lackschichten versehenen Seite mit
Kunststoff verstärkt, insbesondere durch Hinterspritzen
oder Hinterschäumen.
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Sofern
es sich bei der äußeren Phase einer erfindungsgemäßen
Suspension um ein Dual-Cure-Lacksystem handelt, ermöglicht
dieses zwei netzwerkbildende Reaktionsmechanismen, vorzugsweise
(i) eine Additionspolymerisation (z. B. Polyol-/Isocyanat-Reaktion
sowie (ii) eine radikalische Polymerisation.
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Vorzugsweise
sind die bevorzugten erfindungsgemäßen Suspensionen,
welche als Komponente (a1) mit Isocyanat zu Polyurethan polymerisierbare
Polyol-Monomere, -Oligomere und/oder Prepolymere umfassen, als Dual-Cure-System
ausgestaltet.
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Sofern
die äußere Phase einer erfindungsgemäßen
Suspension ein Dual-Cure-System ist, ist es vorteilhaft, wenn darin
- (i) die Monomeren, Oligomeren und/oder Prepolymeren
der Komponente (a1) sowohl radikalisch (z. B. photoinitiiert) als
auch nicht-radikalisch (z. B. durch Additionsreaktion) polymerisierbar
sind
oder
- (ii) die Monomeren, Oligomeren und/oder Prepolymeren der Komponente
(a1) ausschließlich nicht-radikalisch (z. B. durch Additionsreaktion) polymerisierbar
sind
und die äußere Phase als zusätzliche
Komponente
(a4) radikalisch polymerisierbare (z. B. photoinitiiert
polymerisierbare) Monomere, Oligomere und/oder Prepolymere umfasst.
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Beispiele
für Monomere, Oligomere und/oder Prepolymere der Komponente
(a1), die sowohl radikalisch als auch nicht-radikalisch polymerisierbar
sind, sind z. B. HEA, HEMA, Laromer LR 9000 (BASF), Urethanacrylat
00-022 (Rahn).
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Beispiele
für Monomere, Oligomere und/oder Prepolymere der Komponente
(a1), die ausschließlich nicht-radikalisch polymerisierbar
sind, sind OH-funktionelle Harze und deren Härter, z. B. Desmophen-Typen
und Desmodur-Härter (beide Bayer), bevorzugt z. B. Desmophen
1200 und Desmodur N 100.
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Beispiele
für radikalisch polymerisierbare Monomere, Oligomere und/oder
Prepolymere, die vorzugsweise neben den nicht-radikalisch polymerisierbaren
Verbindungen als Komponente (a4) eingesetzt werden, sind UV-funktionelle
Harze und Reaktivverdünner, z. B. Laromer-Typen (BASF),
HDDA, PETIA.
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Die äußere
Phase einer bevorzugten erfindungsgemäßen Suspension
umfasst als zusätzliche Komponente
- (a5)
einen oder mehrere Photoinitiatoren zur Initiierung der radikalischen
Polymerisation der radikalisch polymerisierbaren Monomere, Oligomere und/oder
Prepolymere (der Komponente (a1), soweit vorhanden).
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Beispiele
für besonders geeignete Photoinitiatoren zur Initiierung
der radikalischen Polymerisation der radikalisch polymerisierbaren
Verbindungen sind alpha-Hydroxyhetone, Phenylglyoxylate, alpha-Aminoketone
oder dergleichen, z. B. Irgacure 184 (1-Hydroxycycohexyl(phenyl)methanon,
Ciba).
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Vorzugsweise
sind eine, mehrere oder sämtliche der organischen Säuren
(vorzugsweise Carbonsäuren) der Komponente (a2) co-polymerisierbar.
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Bevorzugt
ist es wenn die eine beziehungsweise eine, mehrere oder sämtliche
der organischen Säuren (vorzugsweise Carbonsäuren,
insbesondere Monocarbonsäuren) der Komponente (a2)
- (i) mit Isocyanat co-polymerisierbar sind
oder
- (ii) radikalisch co-polymerisierbar sind.
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Bevorzugt
sind erfindungsgemäße Suspensionen, umfassend
in oder als Komponente (b) SiO2-Partikel,
die mittels eines Organosilans (siehe dazu oben) oberflächenmodifiziert
sind.
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Erfindungsgemäße
Suspensionen umfassen vorzugsweise zumindest 0,5 Gew.-%, vorzugsweise zumindest
5 Gew.-%, besonders bevorzugt zumindest 20 Gew.-% an dispergierter
Phase (b), bezogen auf das Gesamtgewicht der Suspension.
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In
einer bevorzugten erfindungsgemäßen Suspension
ist die bzw. sind eine oder sämtliche der co-polymerisierbaren
oder nicht co-polymerisierbaren organischen Säuren der
Komponente (a2) Carbonsäuren (vorzugsweise Monocarbonsäuren
mit 2 oder mehr C-Atomen) und vorzugsweise ausgewählt aus
der Gruppe bestehend aus:
Acrylsäure, Methacrylsäure,
Essigsäure und deren Anhydride.
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Bevorzugt
sind Acrylsäure und Methacrylsäure.
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Vorzugsweise
handelt es sich bei der erfindungsgemäßen Suspension
(insbesondere in einer der vorstehend als bevorzugt angegebenen
Ausgestaltungen) um ein Klarlacksystem (insbesondere zur Verwendung
im Automobilbereich) oder um ein pigmentiertes Lacksystem.
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Die
Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung einer erfindungsgemäßen
Suspension. Ein solches erfindungsgemäßes Verfahren
umfasst die folgenden Schritte:
- – Bereitstellen
einer Vor-Suspension umfassend
(a) eine äußere
Phase
und
(b) eine dispergierte Phase bestehend aus:
oberflächenmodifizierten
und/oder nicht oberflächenmodifizierten SiO2-Partikeln,
wobei die SiO2-Partikel mittels eines Sol-Gel-Verfahrens herstellbar
sind und eine mittlere Teilchengröße von maximal
100 nm besitzen,
- – Mischen der bereitgestellten Vor-Suspension mit
(a2)
einer oder mehreren co-polymerisierbaren oder nicht co-polymerisierbaren
organischen Säuren,
wobei die Art und die Menge
der co-polymerisierbaren oder nicht co-polymerisierbaren organischen Säure
bzw. Säuren so ausgewählt ist, dass die oberflächenmodifizierten
und/oder nicht oberflächenmodifizierten SiO2-Partikel
nach Vermischen von 1 Gewichtsteil Hexamethylendiisocyanat-Biuret
(HDI-Biuret) mit 1 Gewichtsteil der Suspension gegen Zusammenballung
zu Partikeln einer mittleren Teilchengröße von
zumindest 1000 nm stabilisiert sind.
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Hinsichtlich
der bevorzugten Ausgestaltung der Komponenten (a), (b) und (a2)
gilt dabei das vorstehend hinsichtlich der erfindungsgemäßen
Suspension Gesagte entsprechend.
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Vorzugsweise
wird in einem erfindungsgemäßen Herstellverfahren
die durch Mischen der Vor-Suspension mit der Komponente (a2) hergestellte
Mischung auf einer Temperatur im Bereich von 60°C bis 110°C,
vorzugsweise 75°C bis 85°C gehalten. Vorzugsweise
wird die Temperatur für einen Zeitraum von zumindest 60
Minuten, vorzugsweise 90 Minuten gehalten.
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In
einem erfindungsgemäßen Verfahren kann die äußere
Phase (a) die oben für die erfindungsgemäße
Suspension definierte Komponente umfassen oder aus dieser Komponente bestehen.
Alternativ kann die äußere Phase in einem erfindungsgemäßen
Verfahren auch ausschließlich aus anderen Verbindungen
bestehen, die dann insgesamt die Funktion eines Dispersionsmittels
für die Phase (b) erfüllen müssen. Sofern
die äußere Phase (a) einer erfindungsgemäß bereitzustellenden
Vor-Suspension noch keine polymerisierbare Komponente (a1) umfasst,
muss diese zu einem späteren Zeitpunkt hinzugegeben werden.
Beispielsweise kann die äußere Phase (a) der Vor-Suspension übliche
Lösungsmittel umfassen, die dann im Wege des Lösungsmittelaustausches
gegen die Komponente (a1), d. h. gegen die polymerisierbaren Monomeren,
Oligomeren und/oder Prepolymeren ausgetauscht werden.
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Die
vorliegende Erfindung betrifft auch die Verwendung einer co-polymerisierbaren
oder nicht co-polymerisierbaren organischen Säure (vorzugsweise
Carbonsäure, insbesondere Monocarbonsäure) als
Stabilisierungsmittel zur Stabilisierung oberflächenmodifizierter
er nicht oberflächenmodifizierter (vorzugsweise amorpher)
SiO2-Partikel gegen ein Zusammenballen in
einer Suspension.
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Schließlich
betrifft die vorliegende Erfindung auch teil- und vollausgehärtete
Dispersionen, die durch Polymerisation zumindest der Komponente (a1)
bzw. (a4) einer erfindungsgemäßen Suspension herstellbar
sind.
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Die
Erfindung wird nachfolgend anhand von Beispielen näher
erläutert:
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Beispiele:
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Beispiel 1: Vermischen einer stabilisierten
Suspension von SiO2-Partikeln mit HDI-Biuret
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1.1 Stabilisierte Suspension von SiO2-Partikeln
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Vorgelegt
wird eine im Folgenden als Nanocryl XP21/3724 bezeichnete Suspension
bestehend aus:
36 g Oberflächenmodifizierte SiO2-Nanopartikel (nach einem Sol-Gel-Verfahren
hergestellt, mittlere Größe 20 nm,
45g Urethanacrylat-Oligomer
(Ebecryl 1290, Fa. Cytec)
9g HDDA
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Unter
Rühren fügt man 10 g Acrylsäure hinzu,
rührt weitere 5 min und inkubiert anschließend
90 min bei 75°C. Die so hergestellte Mischung ist klar.
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1.2 Vermischen mit HDI-Biuret
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100
g eines aliphatischen Polyisocyanats (HDI-Biurets, Desmodur N 100)
werden zu 100 g einer stabilisierten Suspension von SiO2-Partikeln
aus 1.1 unter Rühren zugefügt. Es ist keine Trübung
feststellbar.
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Beispiel 2 (nicht erfindungsgemäß):
Vermischen einer nicht-stabilisierten Suspension von SiO2-Partikeln mit HDI-Biuret
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100
g eines aliphatischen Polyisocyanats (HDI-Biurets, Desmodur N 100)
werden 100 g einer nicht-stabilisierten Suspension von SiO2-Partikeln (Nanocryl XP21/3724) unter Rühren
zugefügt. Bereits bei Betrachtung mit bloßem Auge
ist eine Trübung und ein Viskositätsanstieg feststellbar.
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Beispiel 3: Lack hergestellt unter Verwendung
einer stabilisierten Suspension von SiO2-Partikeln
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3.1 Stabilisierte Suspension von SiO2-Partikeln
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Eine
stabilisierte Suspension von SiO2-Partikeln
wird hergestellt wie unter Beispiel 1.1 beschrieben.
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3.2 Lackkomponente A
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70
g der stabilisierten Suspension von SiO2-Partikeln
aus 3.1 werden vorgelegt. Unter Rühren werden die folgenden
Komponenten nacheinander einzeln zugefügt, wobei nach jeder
Zugabe 5 min weiter gerührt wird: 10 g eines hydroxylgruppenhaltigen
Polyesters (Desmophen 800), 10 g 2-Hydroxyethylmethylacrylat, 9
g Hexandioldiacrylat und 1 g einer Lösung von 1 Gew.-%
Dibutylzinndilaurat in Hexandioldiacrylat. Nach jedem Rührvorgang
wird die jeweilige Mischung visuell kontrolliert. Hierbei ist in keinem
Fall eine Trübung feststellbar.
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3.3 Lackkomponente B
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27,9
g eines aliphatischen Polyisocyanats (HDI-Biurets, Desmodur N 100)
werden vorgelegt. Unter Rühren fügt man 13,8 g
einer Lösung von 10 Gew.-% eines Photoinitiators (Irgacure
184) in Butylacetat hinzu und rührt weitere 5 min. Die
so hergestellte Mischung ist klar.
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3.4 Lack
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Lackkomponente
A aus 3.2 wird vorgelegt und Lackkomponente B aus 3.3 unter gründlichem Rühren
zugefügt. Es wird keine Eintrübung und kein Viskositätsanstieg
beobachtet. Die Mischung wird in einer Schichtdicke von ca. 200 μm
auf eine Glasplatte mittels eines Kastenrakels wie folgt aufgetragen: Anschließend
erfolgt eine ofentrocknung für 10 min. bei 75°C;
danach eine UV-Härtung (8 s bei 100 W/cm mit einem Abstand
von 20 cm). Es wird keine Trübung der gehärteten
Schicht festgestellt.
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Beispiel 4 (nicht erfindungsgemäß):
Lack hergestellt unter Verwendung einer nichtstabilisierten Suspension
von SiO2-Partikeln
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4.1 Lackkomponente A'
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63
g einer nicht-stabilisierten Suspension von SiO2-Partikeln
(Nanocryl XP21/3724) werden vorgelegt. Unter Rühren werden
die folgenden Komponenten nacheinander einzeln zugefügt,
wobei nach jeder Zugabe 5 min weiter gerührt wird: 10 g
eines hydroxylgruppenhaltigen Polyesters (Desmophen 800), 10 g 2-Hydroxyethylmethylacrylat,
16 g Hexandioldiacrylat und 1 g einer Lösung von 1 Gew.-%
Dibutylzinndilaurat in Hexandioldiacrylat. Nach jedem Rührvorgang
wird die jeweilige Mischung visuell kontrolliert. Hierbei ist bei
Betrachtung mit bloßem Auge in keinem Fall eine Trübung
feststellbar.
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4.2 Lackkomponente B
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Lackkomponente
B wird hergestellt wie unter Beispiel 3 beschrieben.
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4.3 Lack
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Lackkomponente
A' aus 4.1 wird vorgelegt und Lackkomponente B aus 4.2 unter gründlichem Rühren
zugefügt. Bereits mit bloßem Auge ist eine starke
Trübung, ein Anstieg der Viskosität sowie z. T. Gelierung
zu beobachten. Die Mischung wird wie unter Beispiel 3 beschrieben
auf das Substrat aufgetragen und gehärtet. Eine Trübung
der gehärteten Schicht ist bereits mit bloßem
Auge festzustellen.
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt
keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
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Zitierte Patentliteratur
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- - DE 19617931
C2 [0004]
- - EP 1366112 B1 [0005, 0005, 0016]
- - US 4455205 [0006]
- - US 4478876 [0006]
- - US 4348462 [0006]
-
Zitierte Nicht-Patentliteratur
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- - RÖMPP
online; Müller, R. H., Schumann, R., Teilchengrößenmessung
in der Laborpraxis, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, (1996) [0015]