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Die
Erfindung betrifft allgemein Panzerungen, insbesondere Panzerungen
gegen hochdynamische Impulsbelastungen auf Basis von Glas- oder Glaskeramik-Materialien.
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Panzerungen
sind im allgemeinen als Schichtverbund mit einem harten Material
und einem Träger
oder Backing aufgebaut. Als Träger
kommen beispielsweise Aramidfaser-Gewebe, Stahlnetze oder auch Stahlplatten
zum Einsatz. Solche Panzerungen dienen beispielsweise dem Personenschutz, etwa
für eine
kugelsichere Weste oder zum Schutz von Objekten, wie Fahrzeugen
und Fluggeräten.
In allen diesen Einsatzgebieten ist es wesentlich, daß die Panzerungen
bei hoher Festigkeit nicht zu schwer werden.
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Aus
der
US 4,473,653 A ist
eine Panzerung mit einer Lithium-Aluminosilikat-Glaskeramik und
deren Herstellung bekannt. Es ist weiterhin bekannt, Fluggeräte, wie
etwa Hubschrauber durch Borcarbid-haltige Panzerungen zu schützen. Im
allgemeinen wird dazu eine Keramik eingesetzt, die Aluminiumoxid
(Al
2O
3), Siliziumcarbid
(SiC), Borcarbid (B
4C) und Titanborid (TiB
2) enthält.
Diese Materialien sind zwar relativ leicht, allerdings aufgrund
der aufwändigen
Herstellung auch sehr teuer. Panzerungen aus keramischem Komposit-Material
sind außerdem
aus der
US 5,763,813
A bekannt.
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Bei
den vielfach verwendeten keramischen Materialien für antiballistische
Panzerungen, beziehungsweise Panzerungen gegen hochdynamische Impulsbelastungen,
die beim Auftreffen von Projektilen besteht im allgemeinen das Problem,
daß Keramik
noch eine gewisse Porosität
aufweist. Die Poren können
dabei Schwachstellen darstellen, welche die Fortpflanzung von Rissen
beim Auftreffen eines Geschosses begünstigen. Insbesondere bei keramischen
Komposit-Materialien
ergibt sich weiterhin auch das Problem, daß die keramische Matrix die weitere
Phase, wie etwa eingebettete Fasern vielfach nicht perfekt umschließt, da das
keramische Material beim Sintern nicht fließen kann. Gerade bei keramischen
Materialien können
daher erhöhte
Porositäten auftreten.
Zudem sind weisen viele für
Panzerungen geeignete keramische Materialien ein hohes Gewicht auf.
So beträgt
die Dichte von Aluminiumoxid-Keramik etwa 4 g/cm3.
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Der
Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Panzerung gegen
hochdynamische Impulsbelastungen, beispielsweise gegen Beschuss bereitzustellen,
welche leichtgewichtig ist und ein gegenüber keramischen Kompositmaterialien
verbessertes, dichteres Gefüge
aufweist. Diese Aufgabe wird bereits in überraschend einfacher Weise
durch den Gegenstand der unabhängigen
Ansprüche
definiert. Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der
Erfindung sind in den jeweiligen abhängigen Ansprüchen angegeben.
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Die
Erfindung sieht demgemäß eine vorzugsweise
plattenförmige
Panzerung oder Bewehrung gegen hochdynamische Impulsbelastungen
vor, welche ein Komposit-Material
mit zumindest zwei Phasen umfasst, wobei die erste Phase eine Matrix für die zweite
Phase bildet, und wobei die erste Phase ein Glas oder eine Glaskeramik
ist, und wobei die zweite Phase in Gestalt von Partikeln und/oder Fasern
in der vom Material der ersten Phase gebildeten Matrix eingebettet
und darin verteilt ist.
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Eine
solche Panzerung wird hergestellt, indem Fasern und/oder Partikel
mit pulverförmigem glas-
oder glaskeramikbildendem Material vermischt und das Gemisch erhitzt
wird, so daß sich
aus dem glas- oder glaskeramikbildendem Material eine fließfähige Glas-
oder Glaskeramik-Phase bildet, welche Zwischenräume zwischen den Fasern und/oder
Partikeln ausfüllt,
so daß nach
dem Abkühlen
die Fasern und/oder Partikel in der erstarrten Glas- oder Glaskeramik-Phase
eingebettet und darin verteilt sind.
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Dies
bietet gegenüber
herkömmlichen
Keramik-Panzerungen den Vorteil, daß Zwischenräume zwischen den Fasern und/oder
Partikeln der zumindest einen weiteren Phase des Komposits durch
die Fließfähigkeit
des glas- oder glaskeramikbildenden Materials wesentlich besser
ausgefüllt
werden können,
als beim Sintern einer Keramik. Der erfindungsgemäße Prozeß kann auch
als ein Schmelzsintern bezeichnet werden, da das Glas oder die Glaskeramik
während
ihrer Kristallisation zumindest zähflüssig sind. Dadurch wird eine
dichte Füllung
mit geringem Porenanteil zwischen den Fasern und/oder Partikeln
der zweiten Phase bewirkt. Es kann dabei eine Dichte des Komposit-Materials
von über
99% der theoretischen Dichte eines porenfreien Körpers mit den verwendeten Komponenten
erreicht werden. Ein wesentlicher Vorteil der Erfindung ist weiterhin,
daß bei den
beschriebenen Glas- oder Glaskeramik-Kompositen die Dichte des Materials
dennoch auf unter 3,5 g/cm3, selbst bei
Verwendung von Stahlpartikeln oder Stahlfasern in der Glas- oder Glaskeramik-Matrix
gehalten werden kann. Werden Partikeln oder Fasern außer Stahlfasern,
beziehungsweise Stahlpartikeln verwendet, kann die Dichte des Materials
noch deutlich weiter reduziert werden. Damit ist das Material hinsichtlich
seines geringen Gewichts vielen keramischen Panzerungen überlegen.
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Durch
das dichtere Gefüge
wird insbesondere eine bessere Verbindung der beiden Phasen, beziehungsweise
der Fasern/Partikel mit der Glas- oder Glaskeramik-Matrix erreicht.
Damit wird eine hohe Bruchzähigkeit
gegen hochdynamische mechanische Beanspruchungen, wie sie beim Auftreffen
eines Geschosses auftritt, erreicht. Gemeinsames Merkmal aller nachfolgend
beschriebenen Weiterbildungen der Erfindung ist unter anderem, daß das Panzermaterial
aus seinen Einzelbestandteilen additiv aufgebaut wird.
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Zur
Herstellung der erfindungsgemäßen mehrphasigen
Panzerungen werden die Komponenten gemischt und die Mischung wird
einer Temperaturbehandlung unterzogen. Im Speziellen gibt es viele
verschiedene Wege zur Herstellung mehrphasiger glas- oder glaskeramikhaltiger
Werkstoffe. Eine bevorzugte Möglichkeit
ist, die Panzerung durch heißisostatisches
Pressen des Gemischs herzustellen. Der beim heißisostatischen Pressen auf
das Gemisch ausgeübte
Druck unterstützt
den Fluß des
glasigen Materials. In Weiterbildung dieser Ausführungsform der Erfindung kann
eine Portion der Mischung einem Trockenpressprozeß unterzogen
werden. Der gepresste Formkörper
kann dann in einem weiteren Fertigungsschritt heißisostatisch
fertiggepresst werden. Auch kann alternativ als Vorprodukt ein Vorkörper des
Gemisches, beziehungsweise ein Prepreg hergestellt und der Vorkörper anschließend uniaxial
heißgepresst
werden.
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In
jedem Fall kann aus dem Gemisch zunächst ein Vorkörper durch
kaltisostatisches Pressen hergestellt und dieser anschließend durch
Erwärmen,
beispielsweise heißisotatisch oder
unter uniaxialem Heißpressen,
oder auch drucklos versintert werden. Beim kaltisostatischen Pressen
werden in der Presse vorzugsweise Drücke von zumindest 500 Atmosphären, vorzugsweise
zumindest 2000 Atmosphären
auf das Gemisch ausgeübt,
um bereits vor der Versinterung ein möglichst dichtes Gefüge zu erhalten.
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Als
weitere Phase des Komposits, die mit dem glas- oder glaskeramikbildenden
Material zur Herstellung der Panzerung vermischt werden, kommen
insbesondere folgende Materialien in Betracht:
Carbonfasern,
Hartstofffasern, wie Fasern aus SiC (Siliziumcarbid), Si3N4 (Siliziumnitrid),
Al2O3 (Aluminiumoxid),
ZrO2 (Zirkoniumoxid), Bornitrid, und/oder Mullit
als Hauptkomponenten, ggf. mit Zusätzen von Si, Ti, Zr, Al, O,
C, N, z.B. Fasern des Sialon-Typs (Si, Al, O, N), Glasfasern, Metallfasern,
wie insbesondere Stahlfasern, Metallpartikel, Hartstoffpartikel,
wie insbesondere Partikel aus den vorgenannten Materialien von Hartstofffasern.
Die vorgenannten Materialien können
besonders vorteilhaft auch miteinander kombiniert werden.
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Carbonfasern
und Siliziumcarbid-Fasern oder -Partikel weisen vergleichsweise
geringe Temperaturausdehnungskoeffizienten auf. Um innere Spannungen
im Material zwischen den Fasern und/oder Partikeln und der umgebenden
Matrix zu verringern, ist gerade bei solchen Materialien der zweiten
Phase die Verwendung einer Glas- oder Glaskeramik-Matrix mit geringem
linearen Temperaturausdehnungskoeffizienten, vorzugsweise kleiner 10·10-6/K günstig.
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Ziel
und Kern der Erfindung ist es, durch geeignete Einstellung der Mehrphasigkeit
eine hohe Bruchzähigkeit
und damit letztlich Beschußfestigkeit, beziehungsweise
einen hohen Widerstand gegen hochdynamische mechanische Beanspruchungen
zu erzielen. Werden Metallpartikel und/oder Metallfasern eingebettet,
wird dies erreicht durch die Abwechslung von duktilen und spröden Komponenten. Bei
faserverstärkten
Gläsern
und Glaskeramiken wird die hohe Bruchzähigkeit gegen hochdynamische
Belastungen durch einen "pull-out"-Effekt erreicht,
der stark energieabsorbierend wirkt. Relevante Elementarmechanismen
im Komposit sind beispielsweise Rißumlenkung, Rißverzweigung,
Rißstoppung
und Energiedissipation. Zusätzlich
kommt es aufgrund der unterschiedlichen Schallgeschwindigkeiten
in den einzelnen Materialien des Komposit-Materials zu einer Streuung
und Dispersion der beim Auftreffen entstehenden Stoßwelle,
so daß diese
abgeschwächt
wird.
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Besonders
geeignet als Partikel sind Metallspäne, vorzugsweise mit Abmessungen
bis 1 cm Länge.
Diese Metallspäne
können
durch Verformung große
Mengen an Bewegungsenergie absorbieren. Bei Fasern als Bestandteil
der zweiten Phase werden demgegenüber anstelle von Drähten kleinere
Abmessungen bevorzugt. Insbesondere können Fasern mit Durchmessern
kleiner 0,2 Millimetern eingesetzt werden. Die dünnen Fasern können so
in größerer Anzahl
beigemischt werden. Dies ist günstig,
um eine Verteilung der Kräfte
in eine große
Zahl unterschiedlicher Richtungen zu bewirken.
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Bei
den Fasern kann es sich um Kurz-, Lang-, und Endlosfasern handeln.
Die Fasern können
geordnet oder ungeordnet eingebettet sein. Für geordnete Faseranordnungen
mit nichtmetallischen Fasern, wie beispielsweise Gewebe, Gewirke
oder Vliese aus nichtmetallischen Fasern gibt es wiederum verschiedene
Möglichkeiten.
Beispielsweise können "Crossply"-Gewebe (0°/90°-Gewebe)
oder Gewebe mit Faserwinkeln von 0°/45°/90°/135° eingesetzt werden.
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Glaskeramiken
zeichnen sich allgemein durch hohe Basiswerte des Elastizitätsmoduls
aus und sind daher sehr gut für
eine Panzerung gegen hochdynamische Impulsbelastungen geeignet.
Es zeigt sich allerdings, daß Glaskeramiken
in kristallisierter Form im allgemeinen nur schwer oder gar nicht
mehr versintert werden können,
insbesondere wenn der erfindungsgemäße Schmelzsinterprozess eingesetzt
wird, bei welchem das glaskeramikbildende Material zumindest zeitweise
flüssig
sein soll.
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Dies
läßt sich
in Weiterbildung der Erfindung aber dadurch lösen, daß Pulver eines Ausgangsglases
für Glaskeramik
als glaskeramik-bildendes Material verwendet wird und eine Keramisierung
des Ausgangsglases während
der Erhitzung des Gemischs erfolgt. Dabei erfolgt demgemäß bei der
Erhitzung des Gemischs zunächst
eine Bildung des Ausgangsglases, welches auch als Grünglas bezeichnet
wird. Dieses Grünglas
kann dann in die Zwickel zwischen die Partikel und/oder Fasern der
zweiten Phase fließen,
bevor eine vollständige
Keramisierung erfolgt. Vorzugsweise wird die Temperaturführung bei
der Herstellung des Kompositmaterials so ausgestaltet, daß zumindest
eine Teilkeramisierung des Grünglases
während
des Erhitzens des Gemisches, beispielsweise unter isostatischem
oder uniaxialem Pressen stattfindet.
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Bei
Glaskeramiken als Matrix ist insbesondere auch daran gedacht, andere
als MAS-Glaskeramiken (Magnesium-Aluminium-Silikat-Glaskeramiken) einzusetzen.
Für die
Glaskeramikmatrix geeignete Stoffsysteme sind außer den vorgenannten MgO-Al2O3-SiO2-Glaskeramiken
(MAS- Glaskeramiken),
CaO-Al2O3-SiO2-Glaskeramiken, oder MgO-CaO-BaO-Al2O3-SiO2-Glaskeramiken.
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Eine
weitere, für
die Erfindung besonders geeignete Glaskeramik-Klasse stellen Mg-Al-haltige Glaskeramiken
dar, die eine Spinellphase, vorzugsweise MgAl2O4-basierte Spinelle enthalten. Diese Kristallite
zeichnen sich durch einen hohen Elastizitätsmodul aus. Diese Glaskeramiken
erweisen sich aufgrund der Kristallite mit Spinellstruktur überraschend
in Verbindung mit den eingelagerten Partikeln und/oder Fasern als
besonders stabil gegenüber hochdynamischen
Impulsbelastungen.
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Glaskeramiken,
wie beispielsweise Cordierit-Glaskeramiken, die sich unter Beimengung
von Hartstoffpartikeln zu einem sehr harten Komposit-Material verarbeiten
lassen. Besonders geeignet für
diese Glaskeramik sind Zirkoniumoxid-haltige Partikel. Um hier die
Bruchzähigkeit
des zwar harten, aber auch spröden
Materials zu verbessern, eignen sich insbesondere Fasern und/oder
duktile Komponenten, wie Metallpartikel.
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Die
maximale Prozesstemperatur bei der Erhitzung des Gemisches zur Herstellung
des Panzermaterials wird vorzugsweise anhand der Verarbeitungstemperatur
oder einer anderen geeigneten Kenngröße des temperaturabhängigen Verlaufs
der Viskosität
des eingesetzten Glases gewählt.
Damit wird sichergestellt, daß die
Glasschmelze ausreichend gut in die Zwickel zwischen den anderen
Bestandteilen, insbesondere den Partikeln und/oder Fasern der weiteren
Phase fließen
kann. Für
sogenannte "low-Tg"-Gläser (Gläser mit
niedriger Transformationsstemperatur kleiner 560°C) können dabei 800°C als Verarbeitungstemperatur
bereits ausreichen. Für viele
andere technische Gläser
werden Verarbeitungstemperaturen oberhalb von 1200°C bevorzugt. Als
Verarbeitungstemperatur wird bevorzugt eine Temperatur eingesetzt,
bei welcher die Viskosität kleiner
oder gleich dem Littleton-Punkt von η = 107,6 dPas·s ist.
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Alternativ
oder zusätzlich
zu einer Verwendung von Glaspulver zur Herstellung des Gemisches mit
den Fasern und/oder Partikeln kann auch ein Gemisch der Ausgangsstoffe
für ein
Glas oder eine Glaskeramik als glas- oder glaskeramikbildendes Material
verwendet und mit den Fasern und/oder Körnern vermischt werden. In
diesem Fall entsteht dann das Glas beim Erhitzen des Gemisches auf
die für
die Glasherstellung erforderliche Temperatur.
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Besonders
geeignete Gläser
zur Herstellung der erfindungsgemäßen Panzerung, beziehungsweise
deren Matrix für
die eingelagerten Fasern und/oder Partikel sind borsäurehaltige
Gläser,
wie insbesondere Borosilikat-Gläser. Die
hohe Temperaturwechselbeständigkeit
von Borosilikatglas erweist sich auch als vorteilhaft für die Widerstandsfähigkeit gegenüber hochdynamischen
Beanspruchungen, wie sie beim Auftreffen eines Geschosses auftreten. Um
eine solche Panzerung herzustellen, kann Borosilikat-Glaspulver
als glasbildendes Material verwendet werden. Alternativ oder zusätzlich können auch die
Ausgangsstoffe für
Borosilikatglas mit den Fasern und/oder Partikeln gemischt werden,
so daß sich beim
Erhitzen des Gemisches das Borosilikatglas aus den Ausgangsstoffen
bildet. Bevorzugte Zusammensetzungsbereiche solcher Gläser in Gewichtsprozent
auf Oxidbasis sind 70-80 Gew% SiO2, 7-13 Gew% B2O3, 4-8 Gew% Alkalioxide
und 2-7 Gew% Al2O3.
Diese Gläser,
zu denen auch die unter den Handelsnamen "Pyrex" und "Duran" bekannten Gläser gehören, weisen einen linearen
Temperaturausdehnungskoeffizienten im Bereich von 3-5·10-6/K und eine Glasübergangstemperatur im Bereich
von 500°C
bis 600°C
auf.
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Auch
Aluminosilikatgläser
als Matrix können eingesetzt
werden. Hierbei werden Gläser
bevorzugt, die folgende Zusammensetzung in Gewichtsprozent auf Oxidbasis
aufweisen:
50-55 Gew% SiO2, 8-12 Gew%
B2O3, 10-20 Gew% Erdalkalioxide
und 20-25 Gew% Al2O3.
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Weiterhin
ist auch an die Verwendung von Alkali-Erdalkali-Silikatglas für die Glasmatrix der ersten
Phase der Panzerung gedacht. Bevorzugte Zusammensetzungen liegen
im Bereich von 74 ± 5 Gew%
SiO2, 16 ± 5 Gew% Na2O,
10 ± 5
Gew% CaO. Diese Gläser
sind besonders preisgünstig
und erlauben unter anderem auch die wirtschaftliche Herstellung
großflächiger Panzerungen.
Auch ist der lineare Temperaturausdehnungskoeffizient im allgemeinen noch
kleiner als 10·10-6/K.
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Weiterhin
ist auch die Verwendung von Basaltglas oder ein Ausgangsglas für Steinwolle
möglich.
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Trifft
ein Geschoss auf die Panzerung auf, so wird dessen kinetische Energie
abgebaut, während es
in das Panzermaterial eindringt. Die Wirkung der Panzerung kann
daher verbessert werden, indem sich auch deren Gefüge in Richtung
entlang der Auftreffrichtung des Geschosses, also im allgemeinen
in Richtung senkrecht zur exponierten Seite der Panzerung ändert. Insbesondere
können
sich vorteilhaft die Dichte, Zusammensetzung oder Größe der Faser und/oder
Partikel entlang dieser Richtung ändern. Mit einer variierenden
Dichte wird dabei insbesondere eine variierende Partikel- und/oder
Faserdichte verstanden. So kann die Panzerung plattenförmig ausgebildet
sein, wobei die Fasern oder Partikel in senkrecht zu einer Seitenoberfläche der
plattenförmigen Panzerung
variierender Dichte angeordnet sind.
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Ein
bevorzugter Volumenanteil der zweiten Phase, also der Volumenanteil
der in der Matrix eingelagerten Fasern und/oder Partikel liegt im
Bereich von 10 bis 70 Volumen-Prozent.
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Eine
erfindungsgemäße Panzerung
gegen hochdynamische Impulsbelastungen ist besonders geeignet zur
Verwendung in einer Personenschutz-Einrichtung, insbesondere für gepanzerte Kleidungsstücke, wie
gepanzerte Westen, sowie zur Panzerung von Fahrzeugen und Fluggeräten. Diesen Anwendungen
gemeinsam ist, daß ein
niedriges Gewicht gewünscht
wird. Insbesondere können
die leichtgewichtigen, aber sehr teuren Borcarbid-haltigen keramischen
Panzerungen durch die Erfindung ersetzt werden.
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Weiterhin
können
auch mehrere unterschiedliche erfindungsgemäße Komposit-Materialien mit
einer Glas- oder Glaskeramik-Matrix und vorzugsweise in beiden Materialien
verteilten Fasern und/oder Partikeln aufeinander angeordnet werden, um
einen besonders wirksamen Verbund zu erzeugen. Beispielsweise können zwei
erfindungsgemäße plattenförmige Komposit-Materialien
aufeinandergesetzt werden. Dies kann direkt oder mit einem Zwischenmaterial
erfolgen.
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Mittels
des erfindungsgemäßen Herstellungsverfahrens
durch Schmelzsintern eines Gemisches mit einem glas- oder glaskeramikbildenden Material
und Fasern und/oder Partikeln lassen sich nahezu beliebige Formen
des Komposit-Materials herstellen.
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Werden
metallische Fasern und/oder Partikel als Bestandteil der zweiten
Phase verwendet, läßt sich
ein besonderer Synergieeffekt erzeugen. Metallische Bestandteile
wirken aufgrund ihrer Duktilität nicht
nur stark energieabsorbierend, auch kann das Herstellungsverfahren
beschleunigt werden. In diesem Falle kann nämlich die Mischung mit dem
pulverförmigem
Material, welches eine Glas- oder Glaskeramik-Matrix bildet, induktiv
beheizt werden, wobei sich durch das elektromagnetische Feld der
Induktionsbeheizung die metallischen Fasern und/oder Partikel erhitzen
und die Wärme
an das umgebende Material abgeben. Da auf diese Weise der Energieeintrag
direkt in das Volumen der Mischung erfolgt, kann die Aufheizung
sehr schnell und außerdem
sehr homogen durchgeführt
werden.
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Die
Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen und unter
Bezugnahme auf die beigeschlossenen Zeichnungen näher erläutert. Dabei
verweisen gleiche Bezugszeichen auf gleiche oder ähnliche
Teile.
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Es
zeigen:
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1 bis 3 Herstellungsschritte
für ein Komposit-Material einer Panzerung,
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4 eine
Panzerung mit variierender Verteilung des Kompositmaterials,
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5 eine
mit einem Gewebe verstärktes Kompositmaterial,
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6 ein
Verbund mit zwei Kompositmaterialien,
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7 ein
Beispiel einer Panzerung gegen hochdynamische Impulsbelastungen
in Form einer kugelsicheren Weste.
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Die 1 bis 3 zeigen
Herstellungsschritte für
eine Panzerung gegen hochdynamische Impulsbelastungen mit einem
Komposit-Material, welches zumindest zwei Phasen enthält, wobei
die erste Phase eine Matrix für
die zweite Phase bildet, und wobei die erste Phase ein Glas oder
eine Glaskeramik ist, und wobei die zweite Phase in Gestalt von
Partikeln und/oder Fasern in der vom Material der ersten Phase gebildeten
Matrix eingebettet und darin verteilt ist. Die Herstellung, wie
sie anhand der 1 bis 3 schematisch
dargestellt ist, basiert darauf, daß Fasern und/oder Partikel
mit pulverförmigem
glas- oder glaskeramikbildendem Material vermischt und das Gemisch
erhitzt wird, so daß sich
aus dem glas- oder glaskeramikbildendem Material eine fließfähige Glas-
oder Glaskeramik-Phase bildet, welche Zwischenräume zwischen den Fasern und/oder
Partikeln ausfüllt,
so daß nach
dem Abkühlen
die Fasern und/oder Partikel in der erstarrten Glas- oder Glaskeramik-Phase
eingebettet und darin verteilt sind.
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Zunächst werden,
wie in 1 gezeigt, die für das Gemisch verwendeten Komponenten
bereitgestellt. Bei dem gezeigten Beispiel sind dies Glaspulver
mit Glaspartikeln 3, Hartstoff-Partikel 5, Metallpartikel 7 und
Fasern 9. Als Glaspulver kann beispielsweise pulverisiertes
Borosilikatglas verwendet werden. Ebenso kann ein pulverisiertes
Grünglas
für eine
Glaskeramik, beispielsweise eine Cordierit-Glaskeramik oder eine
Hochquarz-Mischkristall oder Kristallite mit Spinellstruktur bildende
Glaskeramik verwendet werden. Die Hartstoff-Partikel 8 und Fasern 9 können jeweils
SiC, Si3N4, Al2O3, ZrO2,
Bornitrid, und/oder Mullit als Hauptkomponenten enthalten. Alternativ
oder zusätzlich
zu Hartstofffasern können
auch Metallfasern, wie insbesondere Stahlfasern und/oder Carbonfasern
eingesetzt werden. Die Fasern sind vorzugsweise dünn mit Durchmessern
von höchstens
0,2 Millimetern. Weiterhin können
die Metallpartikel 7 in Form von Spänen, vorzugsweise mit Abmessungen
bis 1 cm Länge
vorliegen.
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Die
in 1 dargestellten Komponenten werden, wie in 2 dargestellt,
anschließend
gemischt und in einer Presse zwischen zwei Pressform-Hälften 13, 15 kaltisostatisch
zu einem Vorkörper 11 gepresst.
Dieser Formkörper 11 wird
anschließend über die
Erweichungstemperatur Tg des Glases hinaus
erwärmt,
so daß das
Glas fließfähig wird
und die verbleibenden Lücken
zwischen den Partikeln 5, 7 und Fasern 9 ausfüllt. Wird
ein Ausgangsglas, beziehungsweise Grünglas einer Glaskeramik eingesetzt,
so wird die Erwärmung
vorteilhaft so durchgeführt,
daß außerdem eine
Keramisierung des Glases auftritt.
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Die
Beimischung der Metallpartikel 7 ermöglicht dabei für die Aufheizung
eine induktive Beheizung mittels einer die Pressform umgebende Induktionsspule 19.
Das elektromagnetische Wechselfeld erwärmt die Metallpartikel 7 direkt
durch in den Partikeln induzierte Ströme. Die Metallpartikel geben
ihre Wärme
an das umgebende Material ab, so daß ein schneller Temperaturausgleich
und eine homogene Erwärmung
erreicht wird. Für
die induktive Beheizung werden allgemein -unabhängig vom Pressverfahrenhoch-
oder mittelfrequente Ströme
zur Erregung der Induktionsspule 19 mit Frequenzen im Bereich
von 5 bis 500 kHz bevorzugt.
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Das
resultierende plattenförmige
Kompositmaterial 2 einer Panzerung 1 ist in 3 dargestellt. Durch
das Fließen
des Glases wird eine Glas- oder Glaskeramikmatrix 20 erhalten,
in welcher die Partikel 5, 7, 9 eingebettet
und verteilt sind.
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Die
Glas- oder Glaskeramik-Matrix 20 ist sehr hart, allerdings
auch spröde.
Die Härte
des Materials wird noch durch die eingelagerten Hartstoff-Partikel
lokal erhöht.
Diese Partikel wirken zerstörend
auf ein auftreffendes Geschoss. Zusätzlich wirken die Metallpartikel 7 aufgrund
ihrer Duktilität energieabsorbierend
und verteilen die vom Geschoß auf
das Material übertragenen
Kräfte.
Die Fasern 9 schließlich
erhöhen
die Bruchzähigkeit
gegenüber den
hochdynamischen Schlagbelastungen beim Auftreffen des Geschosses.
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In 4 ist
eine Variante des in 3 gezeigten Beispiels dargestellt.
Bei dieser Variante sind die Partikel 5, 7 und
Fasern 9 nicht wie bei dem in 3 gezeigten
Beispiel homogen über
das Volumen des plattenförmigen
Komposit-Materials der Panzerung 1 mit Seiten 21, 22 verteilt.
Vielmehr weisen die Fasern 9 und/oder Partikel 5, 7 in
Richtung senkrecht zu einer exponierten Seite der Panzerung eine
variierende Dichte auf. Die exponierte Seite, also die Fläche, welche
bei der Panzerung nach außen
weist und auf der im Falle eines Beschusses dann ein Geschoß auftrifft,
kann bei der in 4 gezeigten Panzerung 1 beispielsweise
die Seite 21 sein. Wie anhand von 4 zu erkennen
ist, nimmt die Dichte der Partikel 5, 7 von der
Seite 21 zur Seite 22 hin ab, während die
Dichte der Fasern 9 entlang dieser Richtung zunimmt, so
daß die
höchste
Konzentration von Fasern im Bereich der Seite 22, also beispielsweise
der Rückseite
vorliegt. Trifft ein Geschoß auf
die Seite 21 auf, so wirken die Hartstoffpartikel 5 in
der harten Glas- oder Glaskeramik-Matrix 20 geschoßzerstörend, während die
duktilen Metallpartikel 7 durch Verformung energieabsorbierend
wirken.
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Zusätzlich wird
die entstehenden Stoßwelle aufgrund
der unterschiedlichen Dichte der Matrix 20 und der Partikel 5, 7 an
den Partikeln gestreut, so daß die
Stoßwelle
mit verminderter Intensität
auf der Rückseite 22 auftrifft.
Die Fasern 9, die auf der Rückseite mit höherer Partikeldichte
eingebettet sind, erhöhen
dort die Bruchzähigkeit
und vermögen
die entstehenden Zugbelastungen entlang der Rückseite aufzunehmen. Auf diese
Weise wird verhindert, daß das
Komposit-Material in Stücke
reißt,
was zu einem Hindurchtreten des Geschosses führen würde.
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In 5 ist
noch eine Weiterbildung dargestellt, bei welcher die Fasern 9 in
Gestalt eines Hartstoff-Fasergewebes 90 in
die Matrix des Komposit-Materials 2 eingebettet sind. Dazu
kann die Pressform zur Herstellung des Ausgangskörpers oder des Kompositmaterials
teilweise mit dem pulverisierten glas- oder glaskeramikbildenden
Material 3 gefüllt, das
Gewebe 90 eingelegt und dann die Pressform weiter mit glas-
oder glaskeramikbildenden Material 3 gefüllt werden.
Dem glas- oder glaskeramikbildenden Material 3 können wiederum
Hartstoffpartikel 5 und/oder Metallpartikel 7 beigemischt
werden.
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Glas-
oder Glaskeramikplatten werden ansonsten im Allgemeinen durch Walzen,
im Falle einer Glaskeramik durch Walzen einer Grünglasscheibe, die anschließend keramisiert
wird, hergestellt. Damit werden scheibenförmige Körper mit ebenen Flächen erhalten.
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6 zeigt
ein Verbundmaterial für
eine Panzerung mit zwei aufeinandergesetzten Platten aus verschiedenen erfindungsgemäßen Kompositmaterialien 200 und 201.
Beispielsweise können
die Kompositmaterialien 200 und 201 jeweils verschiedene
Glas- und/oder Glaskeramik-Materialien aufweisen. Alternativ oder
zusätzlich
können
sich die Materialien hinsichtlich der Größe und/oder Zusammensetzung
und/oder der Materialien der eingebetteten Partikel und/oder Fasern
unterscheiden. Die beiden Komposit-Materialien können vorteilhaft direkt aufeinandergeschmolzen
sein. Dazu kann zum Beispiel ein Vorkörper hergestellt werden, der
entsprechend unterschiedliche Schichten, etwa Schichten mit unterschiedlichen
glas- oder glaskeramikbildenden Materialien aufweist. Dieser Vorkörper kann dann
durch Schmelzsintern in das Kompositmaterial, beziehungsweise hier
einem Verbund mit mehreren Kompositmaterialien umgewandelt werden.
Auch können
einfach wenigstens zwei einzeln hergestellte Kompositmaterialien 200, 201 aufeinandergelegt
und durch ein geeignetes Backing, beziehungsweise einen Träger gehalten
werden.
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In 7 ist
ein Beispiel einer Panzerung gegen hochdynamische Impulsbelastungen
mit dem erfindungsgemäßen Kompositmaterial
in Form einer kugelsicheren Weste 35 dargestellt.
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Das
Textilmaterial 37 der Weste 35 dient als Träger für Platten
des Verbundmaterials 2, die beispielsweise zwischen zwei
Textillagen eingenäht
sein können.
Die nicht von außen
sichtbaren, eingenähten
Platten des Verbundmaterials sind in 9 als gestrichelte
Linien dargestellt. Als textiles Trägermaterial kommt beispielsweise
Aramid-Gewebe oder uHDPE-Gewebe (ultrahochdichtes Polyethylen) in Betracht.
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Es
ist dem Fachmann ersichtlich, dass die Erfindung nicht auf die vorstehend
beschriebenen Ausführungsbeispiele beschränkt ist.
Insbesondere können
die einzelnen Merkmale der Ausführungsbeispiele
auch in vielfältiger
Weise miteinander kombiniert werden.