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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zum Steuern des Abtauens eines
Verdampfers eines Kühlmöbels.
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Kühlmöbel werden
beispielsweise als offene Verkaufskühlmöbel für die Normalkühlung oder
Tiefkühlung
von Lebensmitteln in Supermärkten
oder dergleichen eingesetzt. Der Verdampfer des Kühlmöbels dient zur
Aufnahme von Wärme
von der zu kühlenden
Ware und der die Ware umgebenden Luft. Hierbei kommt es infolge
der in der Umgebungsluft enthaltenen Feuchtigkeit im Laufe der Zeit
zu einer Vereisung des Verdampfers, die den Wirkungsgrad des Geräts unerwünscht verringert.
Besonders gravierend ist diese Eisbildung am Verdampfer bei offenen
Kühlmöbeln, bei
denen ständig
frische Umgebungsluft und somit zusätzliche Feuchtigkeit an den
Verdampfer gelangt. Der Verdampfer muss also regelmäßig enteist
werden.
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Hierfür ist es
bekannt, den Verdampfer mit einer wahlweise aktivierbaren Elektroheizung
auszustatten. Speziell für
die Tiefkühlung
ist eine sogenannte Heißgasabtauung
bekannt, bei der erhitztes gasförmiges
Kältemittel
durch die Wärmetauscherrohre
des Verdampfers geführt
wird.
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Problematisch
ist jedoch die Erkennung des tatsächlichen Vereisungsgrades des
Verdampfers. Üblicherweise
wird in Abhängigkeit
von dem speziellen Möbelfabrikat
gemäß vorbestimmter
Zeitintervalle abgetaut, ohne dass die besonderen Aufstell- bzw.
Umgebungsbedingungen des Möbels
berücksichtigt
werden. Hierdurch wird in der Praxis meist unnötig oft abgetaut. Die Abtauung
ist deshalb mit einem unnötigen
Energiebedarf ver bunden, und die in dem Kühlmöbel gelagerte Ware kann durch
zu häufige
oder unnötige
Abtauprozesse in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Vereisungsgrad
kann zwar über
die während
der Abtauung gemessene Schmelzzeit beurteilt werden, die zum Abschmelzen
des Eisansatzes benötigt
wird. Nachteilig hieran ist jedoch, dass die Beurteilung nur für die Vergangenheit
erfolgt.
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Es
ist deshalb eine Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren anzugeben,
durch das sich der tatsächliche aktuelle
Abtaubedarf eines Verdampfers eines Kühlmöbels unter Verwendung von möglichst
wenigen zusätzlichen
Messfühlern
mit hoher Genauigkeit bestimmen lässt.
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Diese
Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst,
und insbesondere dadurch, dass eine tatsächliche Eisbildung am Verdampfer
durch Messung zumindest der Umgebungstemperatur und der Luftfeuchte
der Umgebung geschätzt
wird; dass eine Nenn-Eisbildung
am Verdampfer für
einen Nenn-Betriebspunkt des Kühlmöbels geschätzt wird,
wobei für
den Nenn-Betriebspunkt des Kühlmöbels eine
Nenn-Vereisungsrate – wie
beispielsweise ein Nenn-Abtauintervall – bekannt ist; und dass die
geschätzte tatsächliche
Eisbildung und die geschätzte
Nenn-Eisbildung zueinander ins Verhältnis gesetzt werden, um aus dem
Verhältnis
und aus der bekannten Nenn-Vereisungsrate einen nächsten Abtautermin
zu bestimmen oder eine Abtauart festzulegen.
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Es
werden also zwei rechnerische Abschätzungen vorgenommen. Zum einen
wird eine tatsächliche Eisbildung
am Verdampfer, also eine Eismenge (Masse oder Volumen) oder eine
Eisbildungsrate, geschätzt. Hierfür werden
zumindest die Umgebungstemperatur und die Luftfeuchte der Umgebung
(relative oder absolute Luftfeuchte) gemessen und berücksichtigt.
Diese Messungen bedeuten gewöhnlich
keinen erheblichen Zusatz aufwand, da beispielsweise in Supermärkten mit
mehreren Kühlmöbeln üblicherweise
ohnehin eine zentrale Messung der Umgebungstemperatur und der Luftfeuchte
erfolgt und diese Messwerte an die jeweilige Steuereinrichtung der
Kühlmöbel oder
eine zentrale Steuereinrichtung übermittelt
werden.
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Zum
anderen wird eine Nenn-Eisbildung am Verdampfer gemäß einem
vorbestimmten Nenn-Betriebspunkt des Kühlmöbels bzw. dessen Verdampfers,
nämlich
zumindest gemäß einer
Nenn-Umgebungstemperatur und/oder einer Nenn-Luftfeuchte geschätzt, wobei
die Ermittlung der Nenn-Eisbildung vorzugsweise analog zu der Ermittlung
der vorgenannten tatsächlichen
Eisbildung vorgenommen wird. Der genannte Nenn-Betriebspunkt kann beispielsweise der
Nenn-Umgebungstemperatur und/oder der Nenn-Luftfeuchte einer Klimaklasse
nach der Norm EN441 oder einer vergleichbaren Norm (z.B. EN23953)
entsprechen, also z.B. 25°C
und 60 % relative Feuchte für
die Klimaklasse "3".
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Wichtig
ist, dass für
den berücksichtigten
Nenn-Betriebspunkt des Verdampfers eine Nenn-Vereisungsrate des
Verdampfers bekannt ist. Diese Nenn-Vereisungsrate kann für das spezielle
Kühlmöbel vom
Betreiber empirisch ermittelt worden und/oder vom Kühlmöbelhersteller
spezifiziert sein. Der genannte Nenn-Betriebspunkt des Verdampfers
ist insbesondere so gewählt,
dass er den ungünstigsten
zu erwartenden Umgebungsbedingungen entspricht (z.B. höchste zu
erwartende Temperatur und höchste
zu erwartende relative Luftfeuchte am Aufstellort des Kühlmöbels). Die
zugeordnete Nenn-Vereisungsrate wiederum ist insbesondere die Vereisungsrate,
die diesen ungünstigsten
zu erwartenden Umgebungsbedingungen entspricht. Ausgangspunkt für das Verfahren
ist also eine Nenn-Vereisungsrate,
deren Berücksichtigung
auch für
die ungünstigsten zu
erwartenden Umgebungsbedingungen (z.B. entsprechend den Umge bungsbedingungen
gemäß einer
speziellen Klimaklasse nach EN441) für eine rechtzeitige Abtauung
ausreichend ist. Bei der genannten Nenn-Vereisungsrate kann es sich um ein Abtauintervall
(also ein Zeitintervall zwischen zwei aufeinander folgenden Abtauterminen)
oder auch um die Angabe eines Eisbildungsvolumens oder einer Eisbildungsmasse
pro Zeiteinheit handeln.
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Um
einen nächsten
erforderlichen Abtautermin zu bestimmen und/oder um für den nächsten vorbestimmten
Abtautermin (Nenn-Abtautermin) eine geeignete Art des Abtauverfahrens
festzulegen, werden die (anhand der Messwerte) geschätzte tatsächliche
Eisbildung und die (auf Grundlage der entsprechenden Nennwerte)
geschätzte
Nenn-Eisbildung zueinander ins Verhältnis gesetzt, beispielsweise – jedoch
nicht notwendigerweise – durch
Quotientenbildung, und dieses Verhältnis wird wiederum mit der
vorgenannten Nenn-Vereisungsrate ins Verhältnis gesetzt, beispielsweise
durch Multiplikation oder Division.
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Durch
diese Verhältnisbildung
wird letztlich eine Verzögerung
der ermittelten Abtautermine bezüglich der
für die
ungünstigsten
zu erwartenden Umgebungsbedingungen vorausgesetzten Nenn-Vereisungsrate bzw.
Abtautermine bewirkt, oder es wird hierdurch der Anteil ermittelt,
um den die tatsächliche
Eisbildung von der Nenn-Eisbildung abweicht, und zwar jeweils in
Abhängigkeit
von der Abweichung der gemessenen realen Bedingungen von den Nennbedingungen.
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Ein
besonderer Vorteil dieses Verfahrens besteht in der Berücksichtigung
einer vom Gerätehersteller bereits
angegebenen Klimaklasse (wodurch die Nenn-Umgebungstemperatur und
die Nenn-Luftfeuchte vorgegeben sind) bzw. einer für einen
derartigen Nenn-Betriebspunkt des Verdampfers gewöhnlich ohnehin
bereits bekannten Nenn-Vereisungsrate (z.B. Nenn- Abtauintervall). Dies hat nämlich zur
Folge, dass der den Verdampfer beaufschlagende Volumen- oder Massenstrom
der Umgebungsluft indirekt berücksichtigt
werden kann, ohne dass eine eigene Messung dieses Volumen- oder
Massenstroms erforderlich ist. Nur unter Berücksichtigung dieses Volumen-
oder Massenstroms ist jedoch eine genaue Abschätzung der am Verdampfer pro Zeiteinheit
anfallenden Kondensatmenge möglich.
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Mögliche Ausgestaltungen
des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden nachstehend erläutert,
wobei zum besseren Verständnis
zunächst
der typische Aufbau des hier betroffenen Kühlmöbels erklärt werden soll.
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1 und 2 zeigen
jeweils eine schematische Seitenansicht eines Kühlmöbels mit einem Verdampfer und
verschiedenen Luftströmen.
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In 1 ist
ein hier an seiner Frontseite offenes Kühlmöbel lediglich schematisch dargestellt.
Das Kühlmöbel besitzt
einen Verdampfer V. Dieser ist in üblicher Weise in einen an sich
bekannten Kältemittelkreislauf
eingebunden, d.h. der Verdampfer V ist in Strömungsrichtung des Kältemittels
beispielsweise mit einem Verdichter, einem Verflüssiger und einem Expansionsventil
verbunden.
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Ferner
sind in 1 verschiedene Luftströme gezeigt.
So wird ein Luftstrom 1 in dem Kühlmöbel zu dem Verdampfer V geführt. Die
Luft wird am Verdampfer V abgekühlt
und verlässt
diesen als Luftstrom 2. An der Oberseite des Kühlmöbels, nämlich an
einem Luftaustritt A, wird die gekühlte Luft als Luftstrom 3 ausgegeben.
Die gekühlte
Luft strömt
entlang der Frontseite des Kühlmöbels vorhangartig
nach unten (Luftstrom 4), wobei die im Kühlmöbel angeordnete
Ware gekühlt
wird. In diesen Luftstrom 4 vermischt sich Luft aus der
Umgebung U (Luftstrom 5). Die am unterseitigen Lufteintritt
E des Kühlmöbels eintretende
und den Luftstrom 1 bildende Luft ist also ein Gemisch
des gekühlten
Luftstroms 4 und des Umgebungsluftstroms 5. Für eine übliche Normalkühlung kann
die Lufttemperatur am Austritt A beispielsweise ca. +2°C und am
Lufteintritt E des Kühlmöbels ca.
+5°C betragen.
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In 1 sind
außerdem
die am Luftaustritt A, in der Umgebung U, am Lufteintritt E und
am Verdampfer V vorherrschenden Temperaturen T, die relativen Feuchten
rF und die absoluten Feuchten (Wassergehalt) x dargestellt. Die
im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens
verwendeten Messwerte sind jeweils von einem Kreis umgeben, wobei
eine durchgezogene Linie einen obligatorischen Messwert und eine
gestrichelte Linie einen optionalen Messwert kennzeichnet. Eine
jeweilige rechteckige Umrandung kennzeichnet einen berechneten Wert,
wobei optionale Berechnungen wiederum durch eine gestrichelte Linie
gekennzeichnet sind. Speziell der jeweilige Wassergehalt x (absolute
Feuchte) kann als Funktion der Temperatur T und der relativen Feuchte
rF dem Mollier-Diagramm entnommen werden, wobei vereinfachend ein
konstanter Druck angenommen werden kann.
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Nachfolgend
wird zunächst
ein besonders genaues Verfahren zur Bestimmung eines Abtautermins
für den
Verdampfer V gemäß 1 erläutert (sogenanntes
Kondensatmodell). Bei diesem Verfahren werden auch die in 1 als
optional gekennzeichneten Messwerte ermittelt, und es werden die
als optional gekennzeichneten Berechnungen durchgeführt. Anschließend wird
eine vereinfachte Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
erläutert
(sogenannter linearer Ansatz).
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(a) Schätzen der tatsächlichen
Eisbildung am Verdampfer V:
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Zum
einen wird die (volumen- oder massenspezifische) tatsächliche
Eisbildung am Verdampfer geschätzt.
Hierfür
werden zumindest die Umgebungstemperatur TU und
die relative Feuchte rFU der Umgebung gemessen.
Hierdurch ist der Wassergehalt xU des dem
Kühlluftstrom 4 zugemischten
Umgebungsluftstroms 5 bekannt (Mollier-Diagramm).
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Im
Rahmen des sogenannten Kondensatmodells wird für das Schätzen der tatsächlichen
Eisbildung am Verdampfer V letztlich eine Differenz Δx zwischen
der absoluten Feuchte xE am Verdampfereintritt
E und der absoluten Feuchte xA am Luftaustritt
A ermittelt, wobei angenommen wird, dass die Erwärmung der Kühlluft zwischen dem Luftaustritt
A (Luftstrom 3) und dem Lufteintritt E (Luftstrom 1)
allein aus der Beimischung der Umgebungsluft (Luftstrom 5)
resultiert.
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Die
absolute Feuchte xA am Luftaustritt A kann
mit dem Wassergehalt xV am Verdampfer V
gleichgesetzt werden. Der Luftstrom 2 vom Verdampfer V
zum Luftaustritt A erwärmt
sich zwar, d.h. die relative Feuchte rF ändert sich. Der absolute Wassergehalt
x bleibt jedoch konstant. Vernünftigerweise
kann auch angenommen werden, dass sich die Luft am Verdampfer V
auf den Taupunkt oder unterhalb des Taupunkts abkühlt (relative
Feuchte rFV am Verdampfer V von 100 %).
Somit kann der Wassergehalt xV bzw. xA direkt aus der Temperatur TV am
Verdampfer V ermittelt werden (Mollier-Diagramm). Dieser Wert wiederum
kann mittels des üblicherweise
am Verdampfer V ohnehin vorhandenen Temperatursensors gemessen werden.
Alternativ kann unter Vernachlässigung
der vorgenannten Erwärmung
die Temperatur TA am Luftaustritt A anstelle
der Temperatur TV am Verdampfer V herangezogen
werden.
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Die
absolute Feuchte xE am Lufteintritt E wird – wie bereits
erwähnt – unter
Berücksichtigung
des Umstands ermittelt, dass der am Luftaustritt A ausgegebenen
Kühlluft
(Luftstrom 3) ein Luftstrom 5 aus der Umgebung
U beigemischt wird. Allerdings sind die jeweiligen Massenströme nicht
bekannt. Die absolute Feuchte xE wird deshalb
gemäß einer
Mischungsregel ermittelt (Mischung der auf unterschiedlichem Temperaturniveau befindlichen
Luftmassen), wobei die anfallenden Kondensatmengen spezifisch, also
jeweils bezogen auf eine definierte Luftmasse (z.B. ein Kilogramm)
bezogen werden.
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Zur
besseren Erläuterung
der verwendeten Mischungsregel wird auf 2 verwiesen,
in der die Massenströme
eingezeichnet sind. Es wird angenommen, dass der Massenstrom im
Kühlmöbel konstant
ist (m1 = m3, m5 = m6). Es findet
somit ein Massenaustausch zwischen dem Luftstrom 2 im Kühlmöbel und
der Umgebung U um den Betrag m6 = m5 statt. Mit dieser Bedingung bleibt der
Massenstrom in der Berechnung konstant.
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Nach
der Mischungsregel ergibt sich für
den Luftstrom
1 am Lufteintritt E eine Mischtemperatur
T
1, die sich zunächst aus den Temperaturen T
4 und T
5 der Luftströme
4 und
5 sowie
aus den entsprechenden Massen und Wärmekapazitäten ableiten lässt:
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Hierbei
bezeichnet c
i die jeweilige spezifische
Mischwärmekapazität des Luft-
und des Wasseranteils bei gegebener Temperatur und relativer Feuchte.
Wie vorstehend erläutert,
kann angenommen werden, dass m
4 = m
3 – m
6 = m
3 – m
5 gilt. Außerdem wird zur Vereinfachung
der jeweilige Wasseranteil in den Teilströmen, der beispielsweise maximal
ca. 2 % der Gesamtmasse ausmacht, vernachlässigt. Aus der Gleichung (1)
ergibt sich:
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Die
Wärmekapazität ci kann vereinfachend als konstant angenommen
werden. Es lässt
sich abschätzen,
dass die durch die Vernachlässigung
der ungleichen Wärmekapazitäten von
Luft und Wasser verursachten Fehler geringfügig sind und dass die vorgenannten
Vereinfachungen die Gleichung (2) lediglich "sicherer" machen, da sie letztlich zu größeren berechneten
Kondensatmengen am Verdampfer V führen.
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Hieraus
kann dann die beizumischende Menge m
5 Umgebungsluft
näherungsweise
berechnet werden zu:
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Aufgrund
der vorgenannten Gleichung (3) ist das Massenverhältnis m5/m3 bekannt. Die
Temperatur T1 entspricht nämlich der
im Zusammenhang mit 1 genannten Eintrittstemperatur
TE und kann mittels eines am Lufteintritt
E des Kühlmöbels angeordneten
Temperatursensors gemessen werden. Die Temperatur T3 entspricht
der Austrittstemperatur TA des Luftaustritts
A gemäß 1;
auch hierfür
kann ein zugeordneter Temperatursensor vorgesehen sein, oder die
Austrittstemperatur TA wird vereinfachend
mit der Temperatur TV am Verdampfer V gleichgesetzt.
Die Temperatur T5 schließlich entspricht der Umgebungstemperatur
TU gemäß 1.
Somit ist aus der genannten Gleichung (3) durch Messung der Temperaturen
TE, TA (oder TV) und TU das Massenverhältnis m5/m3 der anteiligen Beimischung
der Umgebungsluft (Luftstrom 5 gemäß 1) in den Kühlluftstrom 3 bekannt.
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Die
absolute Feuchte x
E am Lufteintritt E, also
der dort vorherrschende Wassergehalt (g/kg), ist die Summe des Wassergehalts
der Luftströme
4 und
5 gemäß
1.
Die absolute Feuchte x
E ergibt sich somit aus
dem Produkt der absoluten Feuchte x
A am
Luftaustritt A mit der dortigen Luftmasse m
3,
wobei hiervon das Produkt der absoluten Feuchte x
A am
Luftaustritt A mit der Masse m
6 zu subtrahieren
ist (an die Umgebung abgegebene Wassermenge), wobei hierzu wiederum
das Produkt der absoluten Feuchte x
U der
Umgebungsluft mit der von der Umgebung U zugeführten Masse m
5 zu
addieren ist, und wobei diese Funktion natürlich hinsichtlich der Gesamtmasse
m
1 = m
3 zu normieren
ist:
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Insgesamt
ergibt sich hieraus, dass die absolute Feuchte xE als
ein auf die umgewälzte
Luftmasse bezogener Wert berechnet werden kann. Die absolute Feuchte
xA am Luftaustritt A kann nämlich mit
dem Wassergehalt xV der Luft am Verdampfer
V gleich gesetzt werden, der wiederum aus der am Verdampfer V gemessenen
Temperatur TV und aus der Annahme abgeschätzt werden
kann, dass der Taupunkt erreicht oder unterschritten ist, wie vorstehend
bereits erläutert.
Die absolute Feuchte xU der Umgebungsluft
kann aus der gemessenen Umgebungstemperatur TU und
relativen Feuchte rFU berechnet werden (Mollier-Diagramm).
Die vorgenannte Masse m6 entspricht bei
konstantem Massenstrom der Masse m5 (vgl. 2).
Das Massenverhältnis
m5/m3 ergibt sich
gemäß Gleichung
(3) aus den gemessenen Temperaturen T1 =
TE, T3 = TA (oder T3 = TV) und T5 = TU.
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Somit
ist auch die vorgenannte Differenz Δx der absoluten Feuchten xE und xA bekannt,
die der Kondensat- bzw. Eisbildung am Verdampfer V entspricht, und
zwar als ein auf die umgewälzte
Luftmasse bezogener Wert (z.B. g/kg). Mit anderen Worten ist durch
Berücksichtigung
der erläuterten
Mischungsregel die tatsächliche
Eisbildung Δx
am Verdampfer V bislang lediglich als volumen- oder massenspezifischer
Wert abgeschätzt,
nämlich
bezogen auf das Volumen bzw. die Masse des im Kühlmöbel zirkulierenden Luftstroms.
Dieser ist jedoch nicht bekannt und soll möglichst nicht gemessen werden
müssen.
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(b) Schätzen einer Nenn-Eisbildung
am Verdampfer:
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Der
somit fehlende Massenstrom oder Volumenstrom im Kühlmöbel wird
deshalb indirekt berücksichtigt,
nämlich
in Form einer Nenn-Vereisungsrate
des Kühlmöbels bzw.
dessen Verdampfers. Diese Nenn-Vereisungsrate,
beispielsweise ein Nenn-Abtauintervall, kann vom Betreiber des Kühlmöbels empirisch
ermittelt worden sein oder – ebenfalls
aufgrund empirischer Ermittlung – vom Kühlmöbelhersteller spezifiziert
sein. Die Nenn-Vereisungsrate entspricht insbesondere den ungünstigsten
zu erwartenden realen Umgebungsbedingungen am Aufstellort des Kühlmöbels, und
sie kann einer speziellen Klimaklasse nach der Norm EN441 entsprechen.
Der Nenn-Vereisungsrate sind als Nenn-Betriebspunkt des Verdampfers
eine Nenn-Umgebungstemperatur und eine Nenn-Luftfeuchte zugeordnet.
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Anhand
dieser Nenn-Umgebungstemperatur und Nenn-Luftfeuchte wird die Abschätzung der Nenn-Eisbildung
xNenn am Verdampfer V vorgenommen, wobei
analog zu der vorstehend erläuterten
Abschätzung
der tatsächlichen
Eisbildung verfahren wird. Hierbei werden beispielsweise ledig lich
die tatsächlich
gemessene Umgebungstemperatur TU und Luftfeuchte
rFU durch die entsprechenden Nennwerte (Nenn-Umgebungstemperatur
bzw. Nenn-Luftfeuchte) ersetzt. Die weitere Berechnung der Nenn-Eisbildung xNenn geschieht wie vorstehend für die Berechnung
der tatsächlichen
Eisbildung im Einzelnen erläutert,
insbesondere unter Berücksichtigung
derselben Messwerte (z.B. TA, TE,
TV).
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Alternativ
zu dem Ersetzen der tatsächlich
gemessenen Umgebungstemperatur TU und Luftfeuchte
rFU durch die entsprechenden Nennwerte kann
auch lediglich einer dieser Messwerte durch den entsprechenden Nennwert
des Nenn-Betriebspunkts des Verdampfers ersetzt werden. Beispielsweise
ist es ausreichend, lediglich die gemessene Luftfeuchte rFU der Umgebung durch die Nenn-Luftfeuchte
des Kühlmöbels zu
ersetzen, d.h. für
die Berechnung der Nenn-Eisbildung xNenn analog
zu der Berechnung der tatsächlichen
Eisbildung wird die gemessene Umgebungstemperatur TU =
T5 (und nicht die Nenn-Umgebungstemperatur)
berücksichtigt.
Dies bedeutet gemäß der vorstehenden
Gleichung (3), dass von demselben Massenverhältnis m5/m3 (Verhältnis
des aus der Umgebung U zugeführten
Luftstroms 5 zum Luftstrom 3 am Austritt A) ausgegangen
wird wie bei der Berechnung der tatsächlichen Eisbildung, und nicht
etwa von einem verringerten derartigen Massenverhältnis bei
höherer
Temperatur T5.
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Somit
liegt nun auch die Nenn-Eisbildung xNenn als
volumen- oder massenspezifischer Wert vor (z.B. g/kg).
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(c) Verhältnisbildung der tatsächlichen
Eisbildung und der Nenn-Eisbildung
am Verdampfer:
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Schließlich werden
die (volumen- oder massenspezifische) geschätzte tatsächliche Eisbildung Δx am Verdampfer
und die (volumen- oder massenspezifische) geschätzte Nenn-Eisbildung xNenn zueinander ins Verhältnis gesetzt, beispielsweise
durch Quotientenbildung Δx/xNenn. Durch Berücksichtigung der vorgenannten Nenn-Vereisungsrate
wird der fehlenden Kenntnis des Luftvolumenstroms bzw. Luftmassenstroms
Rechnung getragen.
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So
kann ein nun nicht mehr vom Volumenstrom oder Massenstrom abhängiges Verhältnis V
der tatsächlichen
Eisbildung X zu der geschätzten
Nenn-Eisbildung X
Nenn aus den entsprechenden
volumen- oder massenspezifischen Größen Δx bzw. x
Nenn gebildet
werden wie folgt:
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Mit V . ist
hierbei der Volumenstrom (m3/min) im Kühlmöbel bezeichnet. ρLuft ist
die Dichte der Luft (kg/m3). Es ist ersichtlich,
dass die spezifischen Werte der tatsächlichen Eisbildung Δx und der
Nenn-Eisbildung xNenn sich auf eine Masse
beziehen (z.B. 1 kg Luft), die um das Kühlmöbel zirkuliert. Da die Berechnung der
tatsächlichen
Eisbildung X und die Berechnung der Nenn-Eisbildung XNenn analog
zueinander erfolgen und der Volumenstrom und die Dichte der Luft
sich aus der Berechnung des Verhältnisses
V herauskürzen,
können sich
der Volumenstrom und die Dichte der Luft ändern, ohne dass dies das Verhältnis V
beeinflusst. Der Volumenstrom und die Dichte der Luft müssen nicht
bekannt sein.
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Das
Verhältnis
V entspricht somit einem Vereisungsgrad. Es bezeichnet das Verhältnis der
tatsächlichen
Eisbildung zu der Nenn-Eisbildung. Der Nenn-Eisbildung wiederum
ist die Nenn-Vereisungsrate zugeordnet. Das Verhältnis V bezeichnet somit den
Anteil, um den aufgrund der (günstigeren)
realen Bedingungen die Nenn-Vereisungsrate unterschritten ist bzw.
ein Nenn-Abtauintervall TAbtau überschritten
werden kann.
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Das
Verhältnis
V kann beispielsweise periodisch bestimmt werden, wobei die einzelnen
ermittelten Werte V
i aufsummiert werden.
Die geschätzte
tatsächliche
Eisbildung und die geschätzte
Nenn-Eisbildung werden also kumuliert. Vorzugsweise werden die einzelnen
ermittelten Werte V
i (oder die gebildete
Summe) zusätzlich
hinsichtlich der Nenn-Vereisungsrate normiert, insbesondere durch
Verhältnisbildung
mit der Nenn-Vereisungsrate.
Zum Beispiel können
die ermittelten Werte V
i mit dem Verhältnis des
jeweiligen Messintervalls Δt
Mess,i (Zeitdauer zwischen zwei Messungen)
zu dem Nenn-Abtauintervall T
Abtau (Abtauintervall
für Nennbedingungen)
multipliziert werden:
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Anstelle
einer Summenbildung kann natürlich
auch ein Aufintegrieren erfolgen.
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Sobald
dieser aufsummierte (bzw. aufintegrierte) und normierte Vereisungsgrad
V(n) einen vorbestimmten Schwellwert, beispielsweise den Wert 100
%, erreicht oder überschreitet,
wird die nächste
Abtauung eingeleitet, und zwar entweder sofort oder nach Erreichen
eines programmierten Abtaufreigabetermins (beispielsweise um ein
Abtauen lediglich zu bestimmten Nacht- oder Wochenendzeiten zu ermöglichen).
Somit werden – sofern
günstigere
Umgebungsbedingungen vorliegen als die Nennbedingungen – ein oder
sogar mehrere Nenn-Abtautermine übersprungen.
Der Vergleich des hinsichtlich der Nenn-Vereisungsrate normierten
Vereisungsgrads V(n) mit einem vorbestimmten Schwellwert (wie z.B.
100 %) entspricht indirekt einem Vergleich des Vereisungsgrads mit
der Nenn-Vereisungsrate
(z.B. mit dem Nenn-Abtauintervall TAbtau).
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Es
ist auch möglich,
den aktuell ermittelten Vereisungsgrad in eine zeitliche Prognose
des nächsten tatsächlich erforderlichen
Abtautermins umzurechnen, beispielsweise indem der Vereisungsgrad
mit dem Nenn-Abtauintervall
TAbtau ins Verhältnis gesetzt wird.
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Alternativ
zu dem vorstehend erläuterten
Einleiten der nächsten
Abtauung kann auch vorgesehen sein, dass unabhängig von dem ermittelten Vereisungsgrad
die vorbestimmten regelmäßigen Abtautermine (Nenn-Abtautermine) beibehalten – also nicht übersprungen – werden.
Jedoch kann in Abhängigkeit
von dem ermittelten Vereisungsgrad lediglich die Art des Abtauverfahrens
geändert
werden. In diesem Fall findet eine Summierung der Vereisungsgrade
also nicht über
mehrere Nenn-Abtauintervalle statt. Insbesondere kann – falls
bei Verstreichen eines Nenn-Abtauintervalls
der ermittelte Vereisungsgrad einen Schwellwert von 100 % (gerechnet
ab dem letzten Abtauvorgang) überschritten
hat – an
stelle eines ansonsten vorgesehenen nicht energetischen Abtauverfahrens
ein energetisches Abtauverfahren ausgewählt werden. Zum Beispiel wird – insbesondere
im Falle der Pluskühlung
(> 0°C) – für die erwarteten
Umgebungsbedingungen zum jeweiligen Nenn-Abtautermin eine Umluftabtauung
vorgesehen (zeitweiliges Abschalten der Kühlung, d.h. allein die im Kühlmöbel zirkulierende
Luft sorgt für
eine Enteisung des Verdampfers). Falls sich allerdings ungünstigere Umgebungsbedingungen
einstellen (die zu einem erhöhten
ermittelten Vereisungsgrad führen),
so wird zu dem Nenn-Abtautermin anstelle der Umluftabtauung eine
Elektroabtauung durchgeführt.
In diesem Fall wird dem Verdampfer beispielsweise elektri sche Heizenergie
zugeführt;
es wird also ein erhöhter
Energieverbrauch in Kauf genommen, dafür ist jedoch eine wirkungsvollere
Enteisung gewährleist,
d.h. der Verdampfer wird zuverlässig
vollständig
enteist.
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(d) Zusammenfassung des Kondensatmodells:
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Zusammenfassend
sollen nochmals die dem vorstehend erläuterten Kondensatmodell zugrunde
liegenden Annahmen genannt werden:
Es wird von einem konstanten
Luftdruck ausgegangen (z.B. 1 bar). Die Erwärmung der Luft zwischen Austritt und
Eintritt am Kühlmöbel erfolgt
nur über
die Umgebungsluft. Der kälteste
Punkt des Luftkreislaufs im Kühlmöbel wird
mittels eines Temperatursensors gemessen, wobei an diesem Punkt
die relative Luftfeuchte 100 % beträgt. Der Massenstrom im Kühlmöbel ist
konstant. Die Temperatur und Feuchte der Umgebungsluft sind bekannt
bzw. werden gemessen.
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Durch
Anwendung einer Massenmischungsregel lässt sich die Kondensatmenge
am Verdampfer V massen- oder volumenspezifisch berechnen, nämlich bezogen
auf die im Kühlmöbel zirkulierende
Luft. Durch Berücksichtigung
einer gerätespezifischen
Nenn-Vereisungsrate mit zugeordneter Nenn-Umgebungstemperatur und
Nenn-Luftfeuchte kann der Massenstrom bzw. Volumenstrom der zirkulierenden
Luft, d.h. die Zeitabhängigkeit
der geschätzten
Kondensatbildung berücksichtigt
werden.
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Das
Kondensatmodell berücksichtigt
tiefere Verdampfungstemperaturen (d.h. tiefer als den normalen Betriebsbedingungen
entsprechend) mit einer größeren Kondensatmenge
(früherer
Abtautermin). Abgedeckte Kühlmöbel bzw.
Zeiten, in denen das Kühlmöbel temporär abgedeckt
oder geschlos sen ist, werden mit einer geringeren Kondensatmenge
berücksichtigt
(späterer
Abtautermin).
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(e) Linearer Ansatz:
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Die
Abschätzung
der Eisbildung kann auch gemäß einem
vereinfachten linearen Ansatz erfolgen, so dass die in 1 gestrichelt
umrandeten Werte nicht zwingend gemessen bzw. bestimmt werden müssen. Hierfür wird die
tatsächliche
Eisbildung am Verdampfer V anhand der absoluten Feuchte xU der Umgebungsluft U geschätzt. Diese
wird anhand der gemessenen Umgebungstemperatur TU und
der gemessenen relativen Feuchte rFU der
Umgebung berechnet. Außerdem
wird eine Nenn-Eisbildung
am Verdampfer V geschätzt,
indem für
eine Nenn-Umgebungstemperatur und/oder eine Nenn-Luftfeuchte eine
Referenzfeuchte xRef berechnet wird. Diese
Nennbedingungen können
wiederum einer Klimaklasse nach der Norm EN441 entsprechen. Wichtig
ist, dass diesen Nennbedingungen ist eine bekannte Nenn-Vereisungsrate
zugeordnet ist.
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Es
wird nun die geschätzte
tatsächliche
Eisbildung (tatsächliche
Feuchte xU) durch Quotientenbildung zu der
Nenn-Eisbildung (Referenzfeuchte xRef) ins
Verhältnis
gesetzt, und der hierbei erlangte Wert wird mit der Nenn-Vereisungsrate
verglichen. Hierdurch kann beispielsweise – wie bei dem erläuterten
Kondensatmodell – ein
Vereisungsgrad bestimmt werden, um bei Erreichen eines Vereisungsgrads
von 100 % einen Abtauvorgang einzuleiten.
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Insbesondere
wird ein aktueller Vereisungsgrad durch Aufsummieren und Normieren
der Messwerte gebildet, oder es wird beispielsweise durch Integration
ein zeitlicher Mittelwert der geschätzten tatsächlichen Eisbildung ermittelt
und berücksichtigt.
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Außerdem können bei
der Quotientenbildung Korrekturparameter vorgesehen sein, insbesondere
ein Steigungskorrekturwert und/oder ein Offsetkorrekturwert.
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Schließlich ist
anzumerken, dass sowohl bei dem erläuterten Kondensatmodell als
auch bei dem vereinfachten linearen Ansatz durch entsprechende Messung
der Umgebungsdruck berücksichtigt
werden kann, um eine noch höhere
Genauigkeit der zugrunde liegenden Schätzungen zu erreichen.
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- 1–5
- Luftstrom
- A
- Luftaustritt
- E
- Lufteintritt
- U
- Umgebung
- V
- Verdampfer