-
Die Erfindung betrifft ein Messgerät zum Vermessen einer Hohlschaftkegel-Werkzeugaufnahme (HSK-Werkzeugaufnahme), die eine Mitnehmernut mit Radienecken aufweist, mit mindestens einem Messmittel und einem Mitnehmerstück. Die Erfindung betrifft weiter ein Verfahren zum Vermessen einer HSK-Werkzeugaufnahme und eine Verwendung eines Messgeräts.
-
Die Genauigkeit einer Werkzeugaufnahme trägt entscheidend zur Qualität von Bearbeitungen mit einem zugehörigen Werkzeug bei. Es ist daher bekannt, eine Werkzeugaufnahme durch geeignete Messmittel zu prüfen. Zur Qualitätskontrolle einer HSK-Werkzeugaufnahme werden üblicherweise eine Nutbreite und eine Symmetrie einer Mitnehmernut der HSK-Werkzeugaufnahme sowie der Außendurchmesser und die Kegelform eines kegelförmigen Bereichs der HSK-Werkzeugaufnahme geprüft.
-
Maße und Ausführungen von Kegel-Hohlschäfte mit Plananlage (HSK) sind beispielsweise gemäß DIN 69893-1:2003-05 festgelegt.
-
In dem Firmenprospekt „Diebold Messtechnik” der Firma Helmut Diebold GmbH & CO. Goldring Werkzeugfabrik, Jungingen (Ausgabe Juli 2006), Seite 11 ist ein Mitnehmernut-Messgerät für HSK-Werkzeugaufnahmen gezeigt, mit dem die Nutbreite und der Mittenversatz vom Bezugspunkt „Kegelmantel” aus geprüft werden kann.
-
Ein Gerät zum Messen von Außenkegeln und -durchmessern ist beispielsweise aus der
DE 2 406 308 B bekannt. Das Gerät weist einen Axialanschlag und drei in Bezug auf das zu messende Werkstück radial bewegliche Taststifte auf, welche in Axialrichtung beabstandet sind und jeweils mit einem gegenüberliegenden Anschlag zusammenwirken.
-
Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Messgerät und ein Verfahren zum Vermessen von HSK-Werkzeugaufnahmen zu schaffen, wobei durch wenige, einfach durchzuführende Prüfschritte eine zuverlässige Qualitätsaussage über die HSK-Werkzeugaufnahme gegeben werden kann.
-
Diese Aufgabe wird durch die Gegenstände mit den Merkmalen der Ansprüche 1, 12 und 22 gelöst. Weitere Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen.
-
Die Aufgabe wird insbesondere gelöst durch ein Messgerät zum Vermessen einer HSK-Werkzeugaufnahme, die eine Mitnehmernut mit Radienecken aufweist, mit mindestens einem Messmittel und einem Mitnehmerstück, wobei die Mitnehmernut entlang ihrer Längsrichtung verschieblich auf das Mitnehmerstück aufsetzbar ist und ein Radieneckenmaß der Mitnehmernut durch das Messmittel erfassbar ist. Die Breite des Mitnehmerstücks ist kleiner oder gleich einer minimalen Nutbreite der zu vermessenden HSK-Werkzeugaufnahme.
-
Die Mitnehmernut einer HSK-Werkzeugaufnahme ist in einem kegelförmigen Bereich einer HSK-Werkzeugaufnahme ausgeformt. Eine Wandung des kegelförmigen Bereichs weist zu diesem Zweck Ausnehmungen auf, deren Ränder die Mitnehmernut seitlich begrenzen. Die Ränder sind – in der Draufsicht – jeweils mit einem bestimmten Radius abgerundet. Der Übergang zwischen dem Radius der Wandung des kegelförmigen Bereichs und dem geringeren Radius an den Rändern der Mitnehmernut wird hier als „Radienecke” bezeichnet. Die Erfindung beruht auf der bislang nicht berücksichtigten Erkenntnis, dass der parallel zur Längsachse der Mitnehmernut gemessene Abstand zweier an den Enden der Mitnehmernut liegenden Radienecken – dieser Abstand wird in dieser Anmeldung als „Radieneckenmaß” bezeichnet – ein geeignetes Maß z. B. für eine Prüfung ist, ob der HSK-Werkzeughalter in eine zugehörige Maschinenspindel passt. Mit Hilfe der Ermittlung des Radieneckenmasses sind auch andere die Qualität der HSK-Werkzeugaufnahme charakterisierende Kenngrößen ableitbarder, z. B. bestimmte Symmetriewerte. Relevante Bezugspunkte für eine zugehörige Prüfung oder Vermessung sind vorzugsweise nur die Radienecken. Eine Prüfung ist somit unabhängig von einer Kegelform und/oder -größe des HSK-Werkzeughalters und von der Oberflächenbeschaffenheit der Kegelaussenseite. Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden, die als Referenzfläche die fertig bearbeitete Außenfläche des Hohlschaftkegels nutzen, ist die erfindungsgemäße Vermessung des HSK-Werkzeughalters bei Bedarf zu einem frühen Zeitpunkt in der Fertigung vor einer abschließenden Oberflächenbehandlung der Kegelaußenseite möglich. Die Überprüfung bzw. Bestimmung des Radieneckenmaßes ist beispielsweise sowohl bei Teilen mit Hartbearbeitungsaufmaß als auch bei Teilen mit Fertigmaß schnell und einfach durchführbar.
-
In einer Weiterbildung der Erfindung weist das Messgerät mindestens einen ersten und einen zweiten Anschlag auf, die in Längsrichtung des Mitnehmerstücks zur Bildung eines ersten Verfahrweges für die Mitnehmernut zueinander so beabstandet angeordnet sind, dass der Abstand größer oder gleich einem maximalen Radieneckenmaß ist. Der Verfahrweg ist mit dem Radieneckenmaß korreliert. Durch Verfahren des Werkzeughalters in einer ersten Messrichtung entlang des Mitnehmerstücks ist somit eine einfache Bestimmung des Radieneckenmaßes möglich. Ist der Abstand gleich dem maximalen Radieneckenmaß so sind HSK-Werkzeugaufnahmen, welche nicht zwischen den Anschlägen einsetzbar sind, Ausschuss. Ist der Abstand größer als das maximale Radieneckenmaß, so ist die HSK-Werkzeugaufnahme unter Spiel zwischen den Anschlägen einsetzbar und eine Messung des Spiels kann zur bestimmung des Radieneckenmasses genutzt werden. Gleiches gilt auch, wenn der Abstand gleich dem maximalen Radieneckenmaß, d. h. dem maximal zulässigen Radieneckenmaß, ist, die zu prüfende Werkzeugaufnahme jedoch ein geringeres Radieneckenmaß aufweist.
-
In einer Weiterbildung der Erfindung sind der erste und/oder der zweite Anschlag an dem Mitnehmerstück ausgeformt. Dadurch ist eine einfache Bauweise möglich und der Abstand kann sehr präzise vorgegeben werden, z. B. mit einer Genauigkeit im Mikrometerbereich.
-
In einer Weiterbildung der Erfindung weist das erste Messmittel mindestens einen parallel zu dem ersten Verfahrweg angeordneten Messfühler auf. Der Messfühler erfasst berührungslos, beispielsweise optisch, und/oder durch Berührung den Verfahrweg entlang des Mitnehmerstücks. Durch die parallele Anordnung ist ein einfaches Erfassen des Spiels durch Ablesen des Verfahrwegs ohne Umrechnung möglich.
-
In einer Weiterbildung der Erfindung ist das Mitnehmerstück in einem Aufnahmering angeordnet, in welchen die HSK-Werkzeugaufnahme einsetzbar ist. Der Aufnahmering kann, insbesondere wenn die Anschläge an dem Mitnehmerstück ausgeformt sind, beliebig dimensioniert werden, so dass HSK-Werkzeugaufnahmen nahezu beliebiger Form und/oder Größe in den Aufnahmering einsetzbar sind und durch ein einziges Messgerät verschiedene HSK-Werkzeugaufnahmen prüfbar sind. Bei manchen Ausführungsformen ist das Mitnehmerstück ein gesondertes Bauteil, welches in dem Aufnahmering z. B. mittels Schrauben befestigt wird. Es ist auch möglich, den Aufnahmering und das Mitnehmerstück in Monoblock-Bauweise als einstückiges Bauteil zu fertigen.
-
In einer Weiterbildung der Erfindung weist der Aufnahmering an seiner einer Planfläche der HSK-Werkzeugaufnahme zugewandten Oberfläche Auflagestellen für eine plane Auflage der Planfläche der HSK-Werkzeugaufnahme auf. Die Auflagestellen sind dabei als punktförmige Bereiche oder als Flächen ausgebildet. In einer vorteilhaften Ausführungsform sind Auflagestellen in ausreichender Anzahl und/oder Größe vorgesehen, so dass eine plane Auflage und ein planes Verschieben der HSK-Werkzeugaufnahme an dem Aufnahmering möglich sind. Der Aufnahmering selbst muss dabei keine besonderen Anforderungen an die Genauigkeit erfüllen. In einer vorteilhaften Ausgestaltung handelt es sich bei den Aufnahmestellen um Zylinderstifte, welche in den Aufnahmering so eingearbeitet sind, dass ihre Stirnflächen über die Oberfläche des Aufnahmerings hinaus ragen und koplanar angeordnet sind. Es ist jedoch auch möglich, am Aufnahmering selbst z. B. durch materialabtragende Bearbeitung eine Auflagefläche bzw. Auflagestellen zu schaffen.
-
In einer Weiterbildung der Erfindung weist das Messmittel mindestens einen zweiten Messfühler auf, durch den eine Nutbreite der Mitnehmernut erfassbar ist. Dadurch sind durch ein Messgerät verschiedene, wichtige Kenngrößen einer HSK-Werkzeugaufnahme auf einfache Weise prüfbar.
-
In einer Weiterbildung der Erfindung ist der zweite Messfühler quer zu dem ersten Verfahrweg, insbesondere orthogonal zu dem ersten Verfahrweg, in einer zweiten Messrichtung angeordnet. Dabei ist es möglich, ohne Entnahme der zu vermessenden HSK-Werkzeugaufnahme aus dem Messgerät das Radieneckenmaß und die Nutbreite zu erfassen.
-
In einer Weiterbildung der Erfindung ist der erste und/oder der zweite Messfühler ein in Bezug auf den Hohlschaftkegel der zu vermessenden HSK-Werkzeugaufnahme radial beweglicher Taststift einer Messuhr, insbesondere einer Feinmessuhr. Durch einen derartigen Taststift ist eine sehr exakte Messung eines Verfahrwegs möglich, wobei eine robuste Gestaltung des Messgeräts gegeben ist.
-
Die Aufgabe wird weiter gelöst durch ein Verfahren zum Vermessen einer HSK-Werkzeugaufnahme mit einer Radienecken aufweisenden Mitnehmernut, wobei ein Radieneckenmaß der Mitnehmernut mittels mindestens eines Messmittels und eines Mitnehmerstücks erfasst wird, indem die Mitnehmernut entlang ihrer Längsrichtung verschieblich auf das Mitnehmerstück aufgesetzt und das Radieneckenmaß (REM) der Mitnehmernut durch das Messmittel erfasst wird.
-
Für das Verfahren wird in einer Ausgestaltung ein Größtmaß für das Radieneckenmaß definiert, bei dem eine Passung mit einer zugehörigen Maschinenspindel noch möglich ist. Das Prüfmittel sollte vorzugsweise geeignet sein, um geringe Abweichungen in einem bevorzugten Toleranzbereich zwischen „+0 mm” und „–0.1 mm” erfassen zu können.
-
In einer Ausgestaltung des Verfahrens wird die Mitnehmernut der HSK-Werkzeugaufnahme auf ein Mitnehmerstück in Längsrichtung des Mitnehmerstücks zwischen mindestens zwei Anschlägen unter Spiel verschieblich aufgesetzt. Die HSK-Werkzeugaufnahme wird anschließend entlang des Mitnehmerstücks in einer ersten Messrichtung zwischen den beiden Anschlägen verschoben und ein erster Verfahrweg zwischen den Anschlägen, der mit dem Radieneckenmaß korreliert ist, gemessen. Ein derartiges Verfahren ist einfach und ohne größere Schulung und/oder Erfahrung durchführbar. Das Radieneckenmaß ergibt sich dabei aus der Differenz zwischen dem Abstand des ersten und des zweiten Anschlags und dem gemessenen Verfahrweg. In anderen Worten wird ein Spiel, unter welchem die HSK-Werkzeugaufnahme zwischen den Anschlägen eingesetzt wird, erfasst. Der Zusammenhang zwischen dem gemessenen Verfahrweg und einem Radieneckenmaß ist beispielsweise in Tabellen ablegbar, welchen dann bei vorgegebenem Abstand der Anschläge unter Kenntnis des Verfahrwegs das Radieneckenmaß entnehmbar ist. In anderen Ausführungsformen wird im Vorfeld für bestimmte HSK-Werkzeugaufnahmen ein zulässiges Spiel festgelegt. Der dem tatsächlichen Spiel entsprechende Verfahrweg ist dabei direkt mit dem zulässigen Spiel vergleichbar.
-
In einer Ausgestaltung des Verfahrens wird der Verfahrweg durch einen in Bezug auf den kegelförmigen Bereich der zu vermessenden HSK-Werkzeugaufnahme radial beweglichen Taststift einer Messuhr, insbesondere einer Feinmessuhr, gemessen. Eine derartige Messuhr erlaubt ebenfalls eine einfache Bedienbarkeit und die einfache Erfassung geringer Toleranzen.
-
In einer Ausgestaltung des Verfahrens wird die Messuhr, insbesondere die Feinmessuhr, bei Erreichen eines ersten Anschlags genullt. Bei einer analogen Messuhr erfolgt ein Nullen beispielsweise durch Drehen eines Skalenrings. Bei einer digitalen Messuhr ist ein Nullen mittels Tastendruck oder Ähnlichem möglich. Durch ein Nullen kann der Verfahrweg direkt von der Messuhr ohne Umrechnen abgelesen werden.
-
In einer Ausgestaltung des Verfahrens wird die HSK-Werkzeugaufnahme nach einer ersten Messung des Radieneckenmaßes in entgegengesetzter Ausrichtung auf das Mitnehmerstück aufgesetzt und der Verfahrweg zwischen den Anschlägen erneut ermittelt. Unter einem Aufsetzen in entgegengesetzter Richtung wird bei einer geraden Mitnehmernut ein um ca. 180° verdrehtes Aufsetzen der HSK-Werkzeugaufnahme verstanden. Durch erneutes Ermitteln des Verfahrwegs nach Drehung um 180° lassen sich Symmetriewerte der Radieneckenmaße bzw. daraus abgeleitete Kenngrößen bestimmen.
-
In einer Ausgestaltung des Verfahrens wird weiter eine Nutbreite der Mitnehmernut erfasst.
-
In einer Ausgestaltung des Verfahrens wird zur Erfassung der Nutbreite die Mitnehmernut der HSK-Werkzeugaufnahme auf das Mitnehmerstück quer zur Längsrichtung des Mitnehmerstücks unter Spiel verschieblich aufgesetzt, wobei ein zweiter Verfahrweg quer Längsrichtung des Mitnehmerstücks durch an Anlage der Nutflanken der Mitnehmernut an Seitenwänden des Mitnehmerstücks begrenzt ist, die HSK-Werkzeugaufnahme quer zu dem Mitnehmerstück verschoben, so dass zuerst eine erste Nutflanke in Anlage mit einer ersten Seitenfläche und anschließend eine zweite Nutflanke in Anlage mit einer zweiten Seitenfläche kommt, und ein zweiter Verfahrweg zwischen der Anlage der ersten Nutflanke und der Anlage der zweiten Nutflanke an den Seitenflächen, welcher mit der Nutbreite korreliert ist, gemessen. Ein derartiges Verfahren ist einfach und ohne größere Schulung und/oder Erfahrung durchführbar. Die gesuchte Nutbreite ergibt sich dabei aus der Summe einer zwischen den parallelen Seitenflächen des Mitnehmerstückes gemessenen Breite des Mitnehmerstücks und dem gemessenen, zweiten Verfahrweg. In einer Ausführungsform wird dabei im Vorfeld für bestimmte HSK-Werkzeugaufnahmen ein zulässiges Spiel in Querrichtung des Mitnehmerstücks festgelegt. Der dem tatsächlichen Spiel entsprechende zweite Verfahrweg ist dabei direkt mit dem zulässigen Spiel vergleichbar. Das Verfahren zur Prüfung der Nutbreite ist ohne Umrüstung eines Messgeräts gemeinsam mit dem Verfahren zur Prüfung des Radieneckenmaßes durchführbar.
-
In einer Ausgestaltung des Verfahrens wird der zweite Verfahrweg durch einen in Bezug auf den kegelförmigen Bereich der zu vermessenden HSK-Werkzeugaufnahme radial beweglichen Taststift einer Messuhr, insbesondere einer Feinmessuhr, gemessen.
-
In einer Ausgestaltung des Verfahrens wird die Messuhr, insbesondere die Feinmessuhr, bei Erreichen einer ersten Seitenfläche genullt. Dadurch ist der zweite Verfahrweg direkt abmessbar.
-
In einer Ausgestaltung des Verfahrens wird die HSK-Werkzeugaufnahme in entgegengesetzter Ausrichtung auf das Mitnehmerstück aufgesetzt und der Verfahrweg zwischen den Anlagen an den Nutflanken erneut erfasst. Durch die Messung bei entgegengesetzter Ausrichtung ist eine Symmetrie der Mitnehmernut, insbesondere ein Mittenversatz, ermittelbar.
-
Weitere Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung eines Ausführungsbeispiels der Erfindung, das in den Zeichnungen schematisch dargestellt ist. Für gleiche oder ähnliche Bauteile werden dabei einheitliche Bezugszeichen verwendet.
-
In den Zeichnungen zeigen:
-
1: eine Sicht von unter auf eine HSK-Werkzeugaufnahme mit einer Mitnehmernut;
-
2: eine Draufsicht auf ein Messgerät zur Vermessung der HSK-Werkzeugaufnahme gemäß 1 und
-
3: eine Seitenansicht des Messgeräts gemäß 2.
-
1 zeigt schematisch eine HSK-Werkzeugaufnahme 1 von unten. Die dargestellte HSK-Werkzeugaufnahme 1 hat einen kegelförmigen Bereich 10, mit welchem die Werkzeugaufnahme 1 in eine nicht dargestellte Maschinenspindel einsetzbar ist, und eine stirnseitige Planfläche 15, mit welcher sie an der zugehörigen Planfläche der nicht dargestellten Maschinenspindel plan aufliegt.
-
In den kegelförmigen Bereich 10 sind stirnseitig Ausnehmungen 11 eingearbeitet. Ränder 12 der Ausnehmungen 11 bilden seitliche Begrenzungen bzw. Nutflanken für eine Mitnehmernut 13. Die Ränder 12 sind abgerundet und weisen einen Bogen mit Radius r auf. Die derart in dem kegelförmigen Bereich 10 ausgebildete Mitnehmernut 13 hat die Nutbreite B. Bei Einsetzen der Werkzeugaufnahme in eine Maschinenspindel greift ein in der Maschinenspindel angebrachtes Mitnehmerstück definierter Breite in die Mitnehmernut ein, um eine verdrehungsgesicherte Aufnahme zu gewährleisten.
-
Der kegelförmige Bereich 10 hat eine Wandung mit einem Außenradius R am offenen Ende der Wandung. Der Übergang von der Wandung des kegelförmigen Bereichs 10 mit Radius R zu den Rändern 12 mit Radius r wird als Radienecke 14 bezeichnet. Der parallel zur Längsachse der Mitnehmernut gemessene Abstand zwischen zwei Radienecken 14 an gegenüberliegenden Enden der Mitnehmernut 13 wird in dieser Anmeldung als Radieneckenmaß REM bezeichnet. Das Radieneckenmaß REM ist eine wichtige und nützliche Kenngröße z. B für eine Passung zwischen einer HSK-Werkzeugaufnahme 1 und der zugehörigen Maschinenspindel. Ist das Radieneckenmaß REM zu groß, so passt die Werkzeugaufnahme ggf. nicht in den zugehörigen Bereich der Maschinenspindel. Ist das Radieneckenmaß REM zu gering, so ist keine sichere, spielfreie Halterung der Werkzeugaufnahme 1 in der zugehörigen Maschinenspindel gewährleistet. In einer Ausführungsform des Messverfahrens wird für die Messung ein Sollwert definiert, welcher einen Höchstwert repräsentiert. Eine geringe Unterschreitung des Sollwerts ist dabei zulässig, eine Überschreitung jedoch nicht tolerierbar. Durch eine direkte Messung des Radieneckenmaßes REM ist eine frühe Qualitätsprüfung in der Fertigung der HSK-Werkzeugaufnahme 1 möglich. Vorzugsweise wird für die Messung ein erfindungsgemäßes Messgerät eingesetzt.
-
2 und 3 zeigen schematisch eine Draufsicht und eine Seitenansicht einer Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Messgeräts 2 zur Vermessung der HSK-Werkzeugaufnahme 1 gemäß 1. Das Messgerät 2 umfasst eine Grundplatte 21 mit einer Nut 210, in welcher ein Mitnehmerstück 22 angeordnet ist. Das Mitnehmerstück 22 ist so ausgeformt, dass die Mitnehmernut 13 der in 1 dargestellten HSK-Werkzeugaufnahme 1 entlang ihrer Längsrichtung und ihrer Querrichtung unter Spiel auf das Mitnehmerstück 22 aufsetzbar ist.
-
Das Mitnehmerstück 22 weist parallel zu seiner Längsrichtung zwei Seitenflächen 224 auf, welche jeweils durch erste und zweite Anschläge 220, 222 an den zwei Enden begrenzt sind. Die Anschläge 220, 222 sind dabei jeweils mit einem quer zu den Seitenflächen 224 verlaufenden Bereich ausgebildet. Die Seitenflächen 224 und die Anschläge 220, 222 dienen als Anlageflächen bzw. Anschläge für die Messung des Radieneckenmaßes und der Nutbreite. Das Mitnehmerstück 22 ist daher zumindest in diesen Bereichen mit einer hohen Präzision im Mikrometerbereich gefertigt. Die zwischen den Seitenflächen des Mitnehmerstückes gemessene Breite des Mitnehmerstückes entspricht dem zulässigen Kleinstmaß der Nutbreite. Der parallel zur Längsachse der Mitnehmernut gemessene Abstand der Anschläge entspricht dem zulässigen Größtmaß des Radieneckenmaßes. Die Toleranzen für eine Werkzeugaufnahme der Dimensionierung HSK 63 betragen z. B. 12.50 0.00/+0.08 für die Nutbreite und 0/–0.1 für das Radieneckenmaß.
-
Das Messgerät 2 weist weiter einen Aufnahmering 23 auf, welcher an der Grundplatte 21 befestigt ist. In den Aufnahmering 23 sind Zylinderstifte 24 eingearbeitet, deren plane Stirnflächen geringfügig über die Oberseite des Aufnahmerings 23 hinausragen und durch koplanare Anordnung eine Plananlage bilden. Die Planfläche 15 der in 1 dargestellten HSK-Werkzeugaufnahme 1 ist auf der so gebildeten Plananlage plan auflegbar und auf diesem plan verschiebbar.
-
Das Messgerät 2 weist ein Messmittel auf, welches in der dargestellten Ausführungsform eine parallel zur Längsachse des Mitnehmerstücks 22 angeordnete Messuhr 3 mit einem Taststift 31 und eine quer zur Längsachse des Mitnehmerstücks 22 angeordnete Messuhr 4 mit einem Taststift 41 umfasst. Die Messuhren 3, 4 weisen ablesbare Messanzeigen 32, 42 auf. Die Bezugspunkte für die Taststifte liegen im kegelförmigen Bereich der zu prüfenden HSK-Werkzeugaufnahme. Gemessen werden jedoch Verfahrwege entlang des Mitnehmerstücks 22 und quer dazu, welche unabhängig von der Form und/oder Größe und/oder Außenflächenqualität der HSK-Werkzeugaufnahme im kegelförmigen Bereich sind.
-
Zum Vermessen des Radieneckenmaßes gemäß einem vorteilhaften Verfahren wird die HSK-Werkzeugaufnahme 1 gemäß 1 auf das Mitnehmerstück 22 aufgesetzt. Die HSK-Werkzeugaufnahme wird manuell und/oder durch eine geeignete Vorrichtung in Richtung des Taststifts 31 verschoben, so dass die Radienecken an den ersten Anschlägen 220 anliegen. In dieser Position wird die Messanzeige 32 der Messuhr 3 auf Null gestellt. Anschließend wird die HSK-Werkzeugaufnahme in entgegengesetzte Richtung verschoben, bis sie an den zweiten Anschlägen 222 des Mitnehmerstücks 22 anliegt. An der Messanzeige 32 ist jetzt direkt ein Verfahrweg zwischen den Anschlägen 220, 222 ablesbar. Der gemessene Verfahrweg kann dabei mit dem maximal und/oder minimal zulässigem Spiel der zu überprüfende HSK-Werkzeugaufnahme zwischen den Anschlägen 220, 222 verglichen werden. Aus dem Verfahrweg ist unter Kenntnis des Abstands zwischen den Anschlägen 220, 222 das Radieneckenmaß der zu vermessenden HSK-Werkzeugaufnahme ermittelbar. Selbstverständlich ist es auch möglich, die Bewegung zunächst weg von der Messuhr 3 durchzuführen und die Messanzeige 32 bei Anlage an die zweiten Anschläge 222 zu Nullen.
-
Nach dieser ersten Messung des Radieneckenmasses wird die zu vermessende HSK-Werkzeugaufnahme vorzugsweise entgegengesetzt, insbesondere um ca. 180° verdreht, auf das Mitnehmerstück 22 erneut aufgesetzt und die HSK-Werkzeugaufnahme in Richtung der Messuhr 3 verschoben. Dadurch lassen sich die Symmetrieeigenschaften der Radienecken und/oder eine Parallelität der Seitenflächen 224 ermitteln. In einer anderen Ausführungsform sind nur an den Enden einer Seitenfläche 224 Anschlage 220, 222 vorgesehen. Durch Messung und anschließendem Drehen um 180° und eine Wiederholung der Messung lassen sich dabei die Radieneckenmaße an den beiden gegenüberliegenden Seiten der Nut messen.
-
Zur Messung der Nutbreite B der in 1 dargestellten HSK-Werkzeugaufnahme 1 wird diese quer zur Längsachse des Mitnehmerstücks 22 verschoben, so dass sie erst an der einen Seitenfläche 224 und dann an der gegenüberliegenden zweiten Seitenfläche 224 des Mitnehmerstücks 22 mit den jeweils zugeordneten Rändern 12 anliegt. Dabei ist ebenfalls durch Anlage der Ränder einer Seite an einer Seitenfläche 224 und Nullen der Messanzeige 42 nach Verschieben an die gegenüberliegende, zweite Seitenfläche 224 ein Verfahrweg direkt ablesbar. Der gemessene Verfahrweg kann dabei mit dem maximal und/oder minimal zulässigem Spiel der zu überprüfenden Mitnehmernut auf dem Mitnehmerstück in Querrichtung verglichen werden. Aus dem Verfahrweg ist unter Kenntnis einer Breite des Mitnehmerstücks 22 eine Nutbreite B der zu vermessenden HSK-Werkzeugaufnahme ermittelbar. Die Nutbreite B ist dabei die Summe aus Verfahrweg und Breite des Mitnehmerstücks 22. Der Verfahrweg wird an dem kegelförmigen Bereich der HSK-Werkzeugaufnahme gemessen. Durch Drehen der HSK-Werkzeugaufnahme um 180° und ein Aufsetzen in entgegengesetzter Richtung ist eine Symmetrie der Mitnehmernut, insbesondere ein Mittenversatz, ebenfalls durch das Messgerät 2 erfassbar, indem die HSK-Werkzeugaufnahme in Richtung der Messuhr 4 verschoben wird.
-
Das Verfahren zur Überprüfung der Mitnehmernut 13 der in 1 dargestellten HSK-Werkzeugaufnahme 1 ist unabhängig von einer Kegelform und/oder einer Größe der HSK-Werkzeugaufnahme. Die Überprüfung des Radieneckenmaßes REM und der Nutbreite B ist daher sowohl bei Teilen mit Hartbearbeitungsaufmaß als auch bei Teilen mit Fertigmaß schnell und einfach durchführbar.
-
Das Radieneckenmaß und die Nutbreite sind durch ein gemeinsames Messgerät ohne Umrüsten durch Verschieben der HSK-Werkzeugaufnahme in einer ersten Messrichtung in Längsrichtung des Mitnehmerstücks und Verschieben der HSK-Werkzeugaufnahme in einer zweiten Messrichtung, welche bei üblichen HSK-Werkzeugaufnahmen orthogonal zu ersten Messrichtung ist, in Querrichtung des Mitnehmerstücks ermittelbar. Die zu prüfende HSK-Werkzeugaufnahme wird zu diesem Zweck unter Spiel in Längs- und/oder Querrichtung des Mitnehmerstücks auf dieses aufgesetzt und das Spiel jeweils erfasst.
-
Zur Überprüfung sind geeignete Toleranzen zu definieren. Dabei ist für die Nutbreite ein Kleinstmaß festzulegen, mit dem eine Aufnahme durch ein korrespondierendes Mitnehmerstück einer nicht dargestellte Maschinenspindel noch möglich ist. Für das Radieneckenmaß ist dagegen ein Größtmaß zu definieren. HSK-Werkzeugaufnahmen, deren Radieneckenmaß das definierte Größtmaß überschreitet, sind nicht mehr durch die zugehörige Maschinenspindel aufnehmbar und somit Ausschuss.