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Die
vorliegende Erfindung betrifft einen strukturierten Katalysator
zur Entfernung von Stickoxiden aus Abgasen von überwiegend mit magerem Luft/Kraftstoffverhältnis betriebenen
Verbrennungsmotoren durch selektive katalytische Reduktion unter
Verwendung von Ammoniak oder einer zu Ammoniak zersetzlichen Verbindung
als Reduktionsmittel. Bei solchen Verbrennungsmotoren handelt es
sich um Dieselmotoren und direkteinspritzende Benzinmotoren. Sie
werden zusammenfassend als Magermotoren bezeichnet.
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Das
Abgas von Magermotoren enthält
neben den üblichen
Schadgasen Kohlenmonoxid CO, Kohlenwasserstoffe HC und Stickoxide
NOx einen relativ hohen Sauerstoffgehalt
von bis zu 15 Vol.-%. Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffe können durch
Oxidation leicht unschädlich
gemacht werden. Die Reduktion der Stickoxide zu Stickstoff ist wegen
des hohen Sauerstoffgehaltes wesentlich schwieriger.
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Ein
bekanntes Verfahren zur Entfernung von Stickoxiden aus Abgasen in
Gegenwart von Sauerstoff ist das Verfahren der selektiven katalytischen
Reduktion (SCR-Verfahren; Selective Catalytic Reduktion) mittels
Ammoniak, das auch aus einer Vorläuferverbindung wie zum Beispiel
Harnstoff in situ erzeugt werden kann. In diesem Verfahren erfolgt
die Komproportionierung der Stickoxide mit Ammoniak unter Bildung
von Stickstoff an einem geeigneten Katalysator, kurz als SCR-Katalysator
bezeichnet.
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Da
Verbrennungsmotoren im Kraftfahrzeug in transienten Fahrzyklen betrieben
werden, muß der SCR-Katalysator
auch bei stark schwankenden Betriebsbedingungen möglichst
hohe Stickoxidumsätze
bei guter Selektivität
gewährleisten.
Dabei muß eine
vollständige
und selektive Stickoxid-Konvertierung bei niedrigen Temperaturen
ebenso sichergestellt sein, wie der selektive und vollständige Umsatz
hoher Stickoxidmengen, die beispielsweise bei Vollastfahrten auftreten,
in sehr heißem
Abgas. Zudem bereiten die stark schwankenden Betriebsbedingungen
Schwierigkeiten bei der exakten Dosierung des Ammoniaks, die idealerweise
in stöchiometrischem
Verhältnis
zu den zu reduzierenden Stickoxiden erfolgen sollte. Daraus ergeben
sich hohe Anforderungen an die Robustheit des SCR-Katalysators,
also an dessen Fähigkeit,
Stickoxide in einem breiten Temperaturfenster bei hochvariablen
Katalysatorbelastungen und schwankendem Reduktionsmittelangebot mit
hohen Umsatz- und Selektivitätsraten
zu Stickstoff reduzieren zu können.
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EP 0 385 164 B1 beschreibt
sogenannte Vollkatalysatoren zur selektiven Reduktion von Stickoxiden mit
Ammoniak, die neben Titanoxid und mindestens einem Oxid von Wolfram,
Silicium, Bor, Aluminium, Phosphor, Zirkonium, Barium, Yttrium,
Lanthan und Cer eine zusätzliche
Komponente enthalten, ausgewählt
aus der Gruppe der Oxide von Vanadium, Niob, Molybdän, Eisen
und Kupfer.
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US 4 961 917 A beansprucht
Katalysatorformulierungen zur Reduktion von Stickoxiden mit Ammoniak,
die neben Zeolithen mit einem Silica:Alumina-Verhältnis von
mindestens 10 und einer Porenstruktur, die in allen Raumrichtungen
durch Poren mit einem durchschnittlichen kinetischen Porendurchmesser
von mindestens 7 Ångström verknüpft ist,
Eisen und/oder Kupfer als Promotoren enthalten.
EP 1 495 804 A1 und
US 6 914 026 B2 zeigen
Methoden zur Verbesserung der Stabilität solcher Zeolith-basierter
Systeme unter hydrothermalen Alterungsbedingungen auf.
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Die
in den genannten Schriften beschriebenen SCR-Katalysatorformulierungen,
die den gegenwärtigen
Stand der Technik repräsentieren,
haben gemeinsam, daß sie
erst oberhalb von 350°C
gute Stickoxid-Konversionsraten aufweisen. Die Umsetzung läuft in der
Regel nur in einem relativ schmalen Temperaturbereich optimal ab.
Dieses Umsatzoptimum ist für
SCR Katalysatoren typisch und liegt in der Arbeitsweise der Katalysatoren
begründet.
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Infolge
der optimalen Stöchiometrie
der Reaktion verläuft
die Reduktion einer 1:1-molaren
Mischung von Stickstoffmonoxid NO und Stickstoffdioxid NO2 mit Ammoniak NH3 um
ein Vielfaches schneller als die Reduktion von reinem Stickstoffmonoxid
NO. Da die im Abgas von Magermotoren enthaltenen Stickoxide NOx überwiegend
NO und nur geringe Anteile NO2 enthalten,
die Oxidation von NO zu NO2 bei Temperaturen
unterhalb von 300°C
jedoch durch einen Oxidationskatalysator kinetisch enthemmt werden
muß, ist
es für
einen SCR-Katalysator, wenn er im Tieftemperaturbereich signifikante
Umsätze
zeigen soll, erforderlich, daß er über eine
gewisse Oxidationskraft verfügt.
Andererseits führt
eine zu hohe Oxidationskraft bei Temperaturen oberhalb von 350°C dazu, daß Ammoniak
durch den hohen Sauerstoffgehalt im Abgas von Magermotoren unter Bildung
niedervalenter Stickoxide, wie beispielsweise Lachgas N2O,
oxidiert wird.
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Dieser
Zielkonflikt ist Ursache dafür,
daß zur
Entfernung von Stickoxiden aus dem Abgas von Magermotoren typischerweise
SCR-Katalysatoren wie die in der
EP 0 385 164 B1 oder der
US 4 961 917 A genannten
Formulierungen entweder in Kombination mit einem vorgeschalteten
Oxidationskatalysator, oder in Kombination mit einem weiteren Stickoxid-Reduktionskatalysator
mit einem anderen Arbeitsbereich eingesetzt werden müssen, um
die Entfernung der Stickoxide bei allen im Fahrbetrieb auftretenden
Arbeitstemperaturen, die zwischen 200°C und 600°C liegen, sicherstellen zu können.
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Beispielsweise
offenbart die
US
2006 0 039 843 A1 eine entsprechende Systemlösung. In
Absatz [0062] wird als vorteilhafte Ausführungsform ein System zur Abgasreinigung
beschrieben, in dem ein mit einem SCR-Katalysator beschichtetes
Substrat zwischen dem Reduktionsmittelinjektor und einem Katalysatorträger, der
mit einem SCR-Katalysator und einem Ammoniak-Vernichtungskatalysator
beschichtet ist, angeordnet wird. Die SCR-Katalysatorformulierungen
werden den Angaben in dieser Schrift zufolge in einer bevorzugten Ausführungsform
so gewählt,
daß der
erste Katalysator bei höheren
Betriebstemperaturen optimal arbeitet, während sich der zweite Katalysator
eher für
den Einsatz in kühleren
Segmenten des Abgassystems eignet.
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DE 103 60 955 A1 beschreibt
eine Abgasreinigungsanlage für
einen Verbrennungsmotor, in der das in der SCR-Reaktion als Reduktionsmittel
genutzte Ammoniak an einem in Strömungsrichtung ersten Katalysator aus
entsprechenden Abgasbestandteilen erzeugt wird, wenn eine fette
Abgaszusammensetzung vorliegt. An einem in Strömungsrichtung zweiten Katalysator
wird das vom ersten Katalysator erzeugte Ammoniak bei fetter Abgaszusammensetzung
zwischengespeichert. Bei magerer Abgaszusammensetzung werden die
im Abgas enthaltenen Stickoxide unter Verwendung des zwischengespeicherten
Ammoniaks reduziert. Hinter dem zweiten Katalysator ist ein dritter,
Edelmetall-haltiger Katalysator angeordnet, der wenigstens eines
der Platingruppenmetalle Pt, Pd oder Rh auf Trägermaterialien enthält, wobei
die Trägermaterialien
in der Lage sind, bei fetter Abgaszusammensetzung Ammoniak zu speichern
und bei magerer Abgaszusammensetzung Ammoniak freizusetzen. Den
Angaben dieser Schrift zufolge, ergänzen sich die Temperatur-Aktivitätsbereiche
des in zweiter Position verwendeten Standard-SCR-Katalysators und
des edelmetallhaltigen Katalysators, so daß es mit der vorgeschlagenen
Abgasreinigungsanlage gelingt, den Stickoxid-Umsatz besonders bei
tiefen Temperaturen erheblich zu steigern.
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Solche
Systemlösungen
stellen zwar sicher, daß die
im Abgas des Magermotors enthaltenen Stickoxide im transienten Betrieb
des Motors möglichst
vollständig
entfernt werden, weisen jedoch erhebliche Nachteile auf. So muß zunächst der
Bauraum im Fahrzeug für
alle geforderten Katalysatoren zur Verfügung gestellt werden. Weiterhin
erzeugt jeder Katalysator einen meßbaren Abgasgegendruck, der
zu Verlusten der zum Betrieb des Fahrzeugs verfügbaren Motorleistung und somit
in letzter Konsequenz zu erhöhten
Kraftstoffverbräuchen
führt.
Außerdem
erfordern solche Systemlösungen
während
der Entwicklungsphase eines Fahrzeugs aufwendige Untersuchungen
zur Fahrzeugapplikation, mit denen sichergestellt werden muß, daß alle Katalysatoren
in hinsichtlich Umsatz- und Selektivitätsverhalten optimaler Position
angeordnet sind. Dabei wird die optimale Position der Katalysatoren
maßgeblich
durch die erreichbaren Betriebstemperaturen und somit zum einen
durch die Entfernung zum Motor und zum anderen durch die Wärmeverluste
in der Abgasanlage bestimmt. Selbstverständlich bedeutet jedes weitere
Bauteil höhere
Kosten.
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Aufgabe
der vorliegenden Erfindung ist es nun, einen Katalysator zur selektiven
katalytischen Reduktion von Stickoxiden mit Ammoniak oder einer
zu Ammoniak zersetzlichen Verbindung zur Verfügung zu stellen, der bei Erhalt
der gewohnten SCR-Aktivität und Selektivität im Temperaturbereich
oberhalb von 350°C
zusätzlich
eine gute SCR-Aktivität
im Temperaturbereich unterhalb von 350°C aufweist. Mit Hilfe eines
solchen Bauteils können
aufwendige Systemlösungen
vermieden bzw. entsprechende Abgasanlagen deutlich vereinfacht werden.
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Diese
Aufgabe wird durch einen strukturierten SCR-Katalysator gelöst, der
sich aus mehreren katalytisch aktiven Materialzonen zusammensetzt,
die vom Abgas zeitlich nacheinander kontaktiert werden. Diese Materialzonen
können
auf einem katalytisch inerten Tragkörper angeordnet sein. Sie zeichnen
sich durch unterschiedliche Umsatzprofile in der SCR-Reaktion aus:
Das Umsatzprofil der vom zu reinigenden Abgas zuerst kontaktierten
Materialzone liegt bei höheren
Temperaturen als das Umsatzprofil einer vom zu reinigenden Abgas
nachgeordnet kontaktierten Materialzone. Der Katalysator ist dadurch
gekennzeichnet, daß die
vom Abgas zuerst kontaktierte Zone einen Eisen-ausgetauschten Zeolithen
enthält
und die vom zu reinigenden Abgas nachgeordnet kontaktierte Materialzone
einen Übergangsmetall-ausgetauschten
Zeolithen oder ein Übergangsmetalloxid
ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Vanadiumpentoxid, Wolframtrioxid und
Titandioxid oder Kombinationen davon oder einen Übergangsmetall-ausgetauschten
Zeolithen und ein Übergangsmetalloxid
ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Vanadiumpentoxid, Wolframtrioxid und
Titandioxid oder Kombinationen davon enthält.
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Vor
einer eingehenden Erläuterung
der Erfindung werden im folgenden einige Begriffe definiert, die
für die
Erfindung von Bedeutung sind.
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Unter
Umsatzprofil eines Katalysators im Sinne dieser Patentschrift wird
das optimale Arbeitstemperaturfenster eines SCR-Katalysators im
frisch hergestellten Zustand verstanden, also der Temperaturbereich, in
dem maximale Stickoxidkonvertierungen bei einer Mindestanforderung
an die Selektivität
des Katalysators erreicht werden. Die Festlegung der Begrenzungen
dieses Temperaturbereiches erfolgt mit Hilfe zweier temperaturabhängiger Umsatzwerte,
die sich an der unter den gewählten
Betriebsbedingungen gemessenen Maximalkonvertierung des frisch hergestellten
Katalysators bemessen. Im unteren Temperaturbereich ist das Anspringverhalten
des Katalysators und damit dessen Oxidationskraft für dessen
Leistung entscheidend. In Analogie zu der zur Charakterisierung
von Oxidationskatalysatoren üblichen
und dem Fachmann gut bekannten Terminologie des „Light-Off-Verhaltens" wird als untere
Grenze des Umsatzprofils ein T50-Wert festgelegt.
Dies ist die Temperatur, bei der unter den gewählten Betriebsbedingungen 50
% der für
den Katalysator charakteristischen Maximalkonvertierung erreicht
werden. Im oberen Temperaturbereich wird der Umsatz durch die aus der Überoxidation
von Ammoniak resultierende Bildung von Stickoxiden limitiert. Als
obere Grenze des Umsatzprofils wird die Temperatur gewählt, bei
der 90 % der für
den Katalysator unter den gewählten
Betriebsbedingungen charakteristischen Maximalkonvertierung unterschritten
werden. Im Hinblick auf die hohen Selektivitätsanforderungen und unter Berücksichtigung
der Tatsache, daß das
aus der Überoxidation
von Ammoniak entstehende Lachgas N2O eine
unerwünschte
Sekundäremission
darstellt, wird der als Umsatzprofil definierte Temperaturbereich
weiter eingeschränkt,
wenn der nach Katalysator gemessene N2O-Gehalt
eine kritische Grenze überschreitet.
Bei den von der Anmelderin durchgeführten Untersuchungen gilt ein
maximaler Wert von 25 ppm als akzeptabel.
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Zur
Veranschaulichung sind in 1 die Umsatzprofile
zweier konventioneller SCR-Katalysatoren dargestellt,
die in den beiden Vergleichsbeispielen beschrieben werden. Das Umsatzprofil
von VK1 ist durch die mit (|||) gekennzeichnete Fläche gekennzeichnet
und umfaßt
den Temperaturbereich 225°C
bis > 500°C. Das Umsatzprofil
von VK2, dargestellt durch die mit (≡) gekennzeichnete Fläche wird
an der oberen Grenze durch einen auf über 25 ppm ansteigenden N2O-Gehalt nach Katalysator begrenzt und umfaßt den Temperaturbereich
175°C bis
310°C
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Unter
katalytisch aktiver Materialzone im Sinne dieser Patentschrift wird
ein im Katalysator enthaltener und im Rasterelektronenmikroskop
als geschlossene Zone sichtbarer Materialbereich verstanden. Dabei
kann es sich um die katalytisch aktive Beschichtung eines inerten
Tragkörpers
handeln. Diese Beschichtung kann ihrerseits aus mehreren katalytisch
aktiven Materialzonen aufgebaut sein, wenn sie beispielsweise aus
mehreren Schichten unterschiedlichen Materials besteht. Zum besseren
Verständnis
des Begriffes der Materialzone zeigt 2 den Ausschnitt
aus einer Rasterelektronenmikroskopaufnahme der angeströmten Querschnittsfläche eines
Katalysators, der aus einem inerten Wabenkörper mit katalytisch aktiver
Beschichtung besteht. Die Bezugsziffer (3) bezeichnet den
als inerten Tragkörper
verwendeten Wabenkörper.
Die Bezugsziffern (1) und (2) zeigen die verschiedenen
katalytisch aktiven Materialzonen, aus denen die Beschichtung zusammengesetzt
ist. Die eingezeichneten gestrichelten Hilfslinien verdeutlichen
die Abgrenzungen der Materialzonen zueinander.
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Weiterhin
wird unter einer Materialzone ein Tragkörper verstanden, auf dem eine
Beschichtung bestehend aus einer oder gegebenenfalls mehreren Materialzonen
aufgebracht sein kann, vorausgesetzt, daß der Träger selbst katalytische Aktivität in der
SCR-Reaktion zeigt.
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Der
erfindungsgemäße strukturierte
SCR-Katalysator setzt sich aus mehreren katalytisch aktiven Materialzonen
zusammen, wobei das Umsatzprofil der zuerst vom zu reinigenden Abgas
kontaktierten Materialzone bei höheren
Temperaturen liegt als das Umsatzprofil der vom zu reinigenden Abgas
nachgeordnet kontaktierten Materialzone.
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In
einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung liegt das Umsatzprofil
der zuerst vom Abgas kontaktierten Materialzone zwischen 350°C und 500°C. Ein solches
Umsatzprofil ist vor allem für
SCR-Katalysatoren auf der Basis Eisen-ausgetauschter Zeolithe typisch.
Das Umsatzprofil der vom Abgas nachgeordnet kontaktierten Materialzone
liegt bervorzugt im Temperaturbereich zwischen 100°C und 400°C, besonders
bevorzugt im Temperaturbereich zwischen 200°C und 350°C. Diese Materialzonen enthalten Übergangsmetall-ausgetauschte
Zeolithe und/oder Übergangsmetalloxide
ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Vanadiumpentoxid, Wolframtrioxid und
Titandioxid. Dabei wird als im Zeolithen enthaltenes Übergangsmetall
bevorzugt eines aus der Gruppe Kupfer, Mangan, Cobalt, Nickel, Silber
und Gold oder Kombinationen davon verwendet. Ganz besonders bevorzugt
ist Kupfer.
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Eine
solche Anordnung der durch ihr Umsatzprofil gekennzeichneten Materialzonen
gewährleistet
einen deutlichen Anstieg des Stickoxid-Umsatzes im Temperaturbereich
unterhalb von 350°C,
ohne daß es
im Temperaturbereich oberhalb von 350°C zu nennenswerten Störungen der
Selektivität
durch eine Überoxidation
von Ammoniak zu niedervalenten Stickoxiden kommt. Infolgedessen
kann das für
den SCR-Katalysator typische Umsatzprofil additiv um einen signifikanten
Temperaturbereich unterhalb von 350°C verbreitert werden.
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Die
additive Verbreiterung des Umsatzprofils des erfindungsgemäßen Katalysators
resultiert vermutlich daher, daß je
nach Betriebstemperatur des Katalysators jeweils eine der Materialzonen
nicht signifikant zum Stickoxid-Umsatz beiträgt, gleichzeitig aber auch
nicht Selektivitäts-zerstörend wirkt,
sondern sich quasi inert verhält.
So ist bei Temperaturen unterhalb von 300°C die vom Abgas zuerst kontaktierte
Materialzone noch nicht ausreichend aktiv, weder bezüglich der
Umsetzung von Stickoxiden, noch bezüglich der Überoxidation von Ammoniak.
Die im Abgas enthaltenen Stickoxide treffen zusammen mit dem Reduktionsmittel
Ammoniak nahezu unverändert
auf die nachgeordnet kontaktierte Materialzone, die in diesem Temperaturbereich ihr
Umsatzprofil hat. Dort werden die Stickoxide unter Bildung von Stickstoff
reduziert und desorbiert. Bei Temperaturen ab 300°C weist die
vom Abgas zuerst kontaktierte Materialzone bereits nennenswerte
katalytische Aktivität
auf. Der Anteil der in der nachgeordneten Materialzone ankommenden
Stickoxide und des Ammoniaks wird deutlich geringer. Ab 350°C werden
die im Abgas enthaltenen Stickoxide praktisch vollständig in
der ersten Materialzone umgesetzt. Demzufolge enthält das die
nachgeordnete Materialzone kontaktierende Abgas neben Stickstoff
nur noch sehr geringe Mengen Ammoniak. Diese werden mit dem im mageren
Abgas enthaltenen Sauerstoff nun zu Stickstoff und Wasser oxidiert.
Infolge der geringen Konzentrationen des Ammoniaks bleibt dabei
der Anteil der durch die Oxidationskraft der nachgeordneten Materialzone
gebildeten Stickoxid-Moleküle
unerheblich.
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Die
umgekehrte Anordnung der Materialzonen, in der das zu reinigende
Abgas zuerst die Materialzone mit Umsatzprofil bei tieferen Temperaturen
kontaktiert, ist nicht zielführend.
Eine solche Anordnung zeigt gute Stickoxid-Umsätze bei hohen Selektivitäten, wenn
sie bei Temperaturen bis maximal 350°C betrieben wird. Bei höheren Betriebstemperaturen
sinkt der Stickoxid-Umsatz der dann vom Abgas zuerst kontaktierten
Zone bei gleichzeitig zunehmender Überoxidation von Ammoniak,
die zu höheren
Stickoxidkonzentrationen im auf die zweite Materialzone treffenden
Abgas führt.
Damit wird die Katalysatorbelastung der zweiten Materialzone bedingt
durch die höheren
Stickoxidkonzentrationen bei zugleich verringerten Reduktionsmittelkonzentrationen höher. Die
erzielbaren Umsatzraten nehmen im Vergleich zur umgekehrten Anordnung
deutlich ab.
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Die
Materialzonen können
sowohl horizontal als auch vertikal zueinander angeordnet sein. 3 zeigt die
erfindungsgemäßen Ausführungsformen.
Darin zeigen die Figurenteile A und B Ausführungsformen mit vertikaler
Anordnung der Materialzonen. Die Figurenteile C bis F zeigen Ausführungsformen
mit horizontaler Anordnung der Materialzonen. Die Bezugsziffer (4)
bezeichnet die vom Abgas zuerst kontaktierte Materialzone mit Umsatzprofil
bei höheren
Temperaturen. Die Bezugsziffern (5) und (7) bezeichnen
vom Abgas nachgeordnet kontaktierte Materialzonen mit Umsatzprofil
bei niedrigeren Temperaturen, wobei Bezugsziffer (7) nur
für den
Spezialfall verwendet wird, daß die
nachgeordnet kontaktierte Materialzone einen in der SCR-Reaktion katalytisch
aktiven Tragkörper
darstellt. Bezugsziffer (6) bezeichnet einen inerten Tragkörper. Der
durch zwei mit gestrichelten Linien umrissene Dreiecksflächen in
Figurenteil C bezeichnete Bereich (8) kennzeichnet einen Überlappungsbereich
der Materialzonen (4) und (5). Die mit Bezugsziffer
(9) gekennzeichnete freie Fläche in Figurenteil E stellt
eine unbeschichtete Zwischenzone zwischen zwei Materialzonen auf
einem inerten Tragkörper
dar.
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Vertikale
Anordnungen wie in 3B eignen sich
immer dann, wenn als vom Abgas nachgeordnet zu kontaktierende Materialzone
(7) Vollkatalysatoren mit Umsatzprofil bei niedrigeren
Temperaturen eingesetzt werden, die gleichzeitig als Tragkörper für eine weitere
katalytisch aktive Beschichtung mit Umsatzprofil bei höheren Temperaturen
(4) dienen. Alternativ kann ein inerter Tragkörper (6)
zunächst
mit einer katalytisch aktiven Beschichtung mit einem Umsatzprofil
bei niedrigeren Temperaturen (5) beschichtet werden und
der so entstehende „Tieftemperatur-SCR-Katalysator" als Tragkörper für eine katalytisch
aktive Beschichtung, die bei höheren
Temperaturen gute SCR-Aktivität
und -Selektivität
zeigt (4), verwendet werden. Dadurch entsteht die in 3A dargestellte Ausführungsform.
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Bei
der Wahl der bevorzugten räumlichen
Anordnung der Schichten sind unter anderem applikative Aspekte zu
berücksichtigen.
Bei einer vertikalen Anordnung der Schichten gemäß den 3A oder 3B ist zu bedenken, daß bei hohen Temperaturen negative
Wechselwirkungen zwischen den Materialzonen nicht ausgeschlossen
werden können.
Beispielsweise kann durch thermisch induzierte Wanderungen von Übergangsmetallatomen
aus (5) bzw. (7) in (4) hinein die Selektivität des Systems
zerstört
werden, da eine solche Innenwanderung zu einer unerwünschten
Erhöhung
der Oxidationskraft der vom Abgas zuerst kontaktierten Materialzone
mit der Folge einer erhöhten Überoxidationsrate
von Ammoniak bei höheren
Betriebstemperaturen führt.
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Werden
die Materialzonen horizontal, also in Strömungsrichtung des Abgases nacheinander
angeordnet (3C bis 3F),
so wird die Kontaktfläche
der Materialzonen selbst bei ihrer Überlappung (3C)
deutlich reduziert. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Grenzflächendurchtritts
von Übergangsmetallatomen
aus (5) bzw. (7) nach (4) deutlich. Dabei
darf der Überlappungsbereich
der Materialzonen (8) eine Längenausdehnung von 5 Millimeter
in Strömungsrichtung
des Katalysators nicht überschreiten.
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Kann
eine Überlappung
der Materialzonen gänzlich
vermieden werden, wie in den 3D und 3E dargestellt, so muß eine Schädigung der Selektivität des erfindungsgemäßen Katalysators
durch die Diffusion von Übergangsmetallatomen
aus Schicht (5) nach Schicht (4) nicht mehr befürchtet werden.
Diese Ausführungsformen
zeichnen sich daher durch eine verbesserte Alterungsstabilität gegenüber den
Varianten 3A, 3B, 3C und 3F aus
und sind somit ganz besonders bevorzugt. Dabei sollte die Entfernung
zwischen den Materialzonen (9) eine Längenausdehnung von 5 Millimeter
in Strömungsrichtung
des Katalysators aus Gründen
der effektiven Bauraumausnutzung nicht überschreiten.
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Werden
die Materialzonen in Strömungsrichtung
nacheinander angeordnet, so stellt das Längenverhältnis der Materialzonen ebenfalls
eine durch die Applikation bestimmte Optimierungsmöglichkeit
dar. Ist der erfindungsgemäße strukturierte
SCR-Katalysator für
den Einsatz in einem Fahrzeug mit eher niedrigen Verbrennungstemperaturen
wie einem Dieselfahrzeug oder für
die Positionierung in einer weit vom Motor entfernten, eher kalten
Position in der Abgasanlage vorgesehen, so daß die Betriebstemperaturen
des Katalysators 350°C
in der Regel nicht überschreiten,
so muß die
vom zu reinigenden Abgas nachgeordnet kontaktierte Materialzone
den größten Anteil
der Längenausdehnung
des Katalysators einnehmen. Bevorzugt sind in solchen Applikationen
Anordnungen mit einem Verhältnis
der Materialzonen (4):(5) von 5:95 bis 45:55,
besonders bevorzugt von 10:90 bis 25:75. Der Grund dafür liegt
darin, daß die
bevorzugt einen Eisen-ausgetauschten Zeolithen enthaltende Materialzone
(4) schon bei geringen Temperaturen Ammoniak speichert,
diesen bei Temperaturen unterhalb von 350°C aber nur langsam wieder abgibt.
Wird der Ammoniak-Speicher der vom Abgas zuerst kontaktierten Materialzone überdimensioniert,
so wird der hinteren und in diesem Temperaturbereich die Reinigungsaufgaben übernehmenden
Materialzone der zur Umsetzung notwendige Ammoniak vorenthalten. Die
Umsatzraten gehen zurück.
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Ist
der erfindungsgemäße strukturierte
SCR-Katalysator für
den Einsatz in einem Fahrzeug mit höheren Verbrennungstemperaturen,
beispielsweise mit einem mager betriebenen, Benzin direkteinspritzenden Motor,
oder für
den Einbau in einer motornäheren
Position vorgesehen, so muß die
bevorzugt Eisen-ausgetauschten Zeolith enthaltende Materialzone
(4) den Hauptteil der Beschichtung einnehmen. Wenn, wie
in solchen Anwendungen nicht unüblich,
die Betriebstemperaturen des Katalysators in der Regel oberhalb
von 350°C
liegen, muß ein
möglichst
vollständiger
Umsatz der Stickoxide in der ersten Materialzone in Kombination
mit einer möglichst
geringen Ammoniak-Durchbruchsrate
gewährleistet
sein. Durch die erste Materialzone durchbrechende Stickoxide können in
der hinteren Materialzone aufgrund ihres Umsatzprofils nicht mehr
zufriedenstellend umgesetzt werden. Durchbrechender Ammoniak würde zudem
wegen des Selektivitätsverlustes
zu weiteren Stickoxiden überoxidiert.
Bei entsprechender Dimensionierung der vom Abgas als zweites kontaktierten
Materialzone kann deren Oxidationskraft positiv als Ammoniak-Sperrkatalysator
ausgenutzt werden und zur weiteren Bauteileinsparung im Abgassystem
beitragen. Bevorzugt sind in eher heißen Applikationen Anordnungen
mit einem Verhältnis
der Materialzonen (4):(5) von 95:5 bis 55:45,
besonders bevorzugt von 90:10 bis 75:25.
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Die
Erfindung wird im folgenden an Hand von zwei Vergleichsbeispielen,
zwei Beispielen und den 1 bis 7 näher erläutert. Es
zeigen
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1:
Umsatzprofile zweier konventioneller SCR-Katalysatoren.
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2:
Ausschnitt aus einer Rasterelektronenmikroskopaufnahme des Querschnittes
durch einen inerten Wabenkörper
(3) mit aufgebrachter Beschichtung bestehend aus zwei Materialzonen
(1) und (2).
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3:
Bezüglich
der räumlichen
Anordnung der Materialzonen verschiedene bevorzugte Ausführungsformen
der erfindungsgemäßen strukturierten
SCR-Katalysatoren.
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Hierin
bezeichnen die Bezugsziffern
- (4) die vom Abgas
zuerst kontaktierte Materialzone mit Umsatzprofil bei höheren Temperaturen.
- (5) die vom Abgas nachgeordnet kontaktierte Materialzone
mit Umsatzprofil bei niedrigeren Temperaturen, wenn es sich nicht
um einen in der SCR-Reaktion
katalytisch aktiven Tragkörper
handelt.
- (6) einen inerten Tragkörper.
- (7) einen in der SCR-Reaktion katalytisch aktiven Tragkörper als
vom Abgas nachgeordnet kontaktierte Materialzone mit Umsatzprofil
bei niedrigeren Temperaturen.
- (8) Überlappungsbereich
der Materialzonen.
- (9) eine urbeschichtete Zwischenzone.
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Die
verschiedenen Bildteile zeigen als bevorzugte Ausführungsformen
erfindungsgemäßer Katalysatoren
- A und B die möglichen
vertikalen Anordnungen zweier Materialzonen.
- C: die horizontale Anordnung zweier Materialzonen auf einem
inerten Tragkörper
mit Überlappungsbereich;
- D und E: die horizontale Anordnung zweier Materialzonen auf
einem inerten Tragkörper
ohne Überlappungsbereich;
- F: die horizontale Anordnung zweier Materialzonen mit teilweisem Überlappungsbereich,
wenn die vom Abgas nachgeordnet kontaktierte Materialzone ein in
der SCR-Reaktion katalytisch aktiver Tragkörper ist.
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3 hat
bezüglich
der dargestellten Ausführungsformen
der erfindungsgemäßen Katalysatoren
weder umfassenden noch ausschließlichen Charakter. Die Darstellung
ist beispielhaft.
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4:
Umsatzprofile zweier frisch hergestellter erfindungsgemäßer strukturierter
SCR-Katalysatoren mit vertikaler Anordnung der Materialzonen.
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5:
Stickoxid-Umsätze
zweier erfindungsgemäßer strukturierter
SCR-Katalysatoren mit vertikaler Anordnung der Materialzonen und
eines herkömmlichen
SCR-Katalysators nach hydrothermaler Alterung.
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6:
Umsatzprofil eines erfindungsgemäßen strukturierten
SCR-Katalysators mit horizontaler Anordnung der Materialzonen in
frisch hergestelltem Zustand.
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7:
Stickoxid-Umsatz eines erfindungsgemäßen strukturierten SCR-Katalysators
mit horizontaler Anordnung der Materialzonen und eines herkömmlichen
SCR-Katalysators nach hydrothermaler Alterung.
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Vergleichsbeispiel 1:
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In
diesem Vergleichsbeispiel wurde das Umsatzprofil eines konventionellen
SCR-Katalysators
auf der Basis Eisen ausgetauschter Zeolithe untersucht. Solche Katalysatoren
zeigen typischerweise ein Umsatzprofil mit Maximalumsätzen bei
Temperaturen oberhalb von 300°C.
Zur Herstellung dieses Vergleichskatalysators, der im Folgenden
als VK 1 bezeichnet wird, wurden 6,4 g einer aus mit Eisen ausgetauschten
Zeolithen bestehenden katalytisch aktiven Beschichtung auf einen
inerten keramischen Wabenkörper
aufgebracht. Das Volumen des Wabenkörpers betrug 0,04 l. Er besaß 62 Zellen
pro cm2 mit einer Wandstärke von 0,17 mm.
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Die
Untersuchung der Umsatzprofils erfolgte in einem stationären Test
an einer Modellgasanlage mit folgenden Gaskonzentrationen:
| Modellgaskomponente: | Konzentration: |
| NO | 500
ppm |
| NH3 | 425
ppm |
| O2 | 5
Vol% |
| H2O | 1,3
Vol% |
| N2 | Rest |
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Das
Molverhältnis
von Ammoniak zu den Stickoxiden wird bei Untersuchungen der SCR-Aktivität gewöhnlich mit
Alpha bezeichnet:
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Aus
den in der Tabelle aufgeführten
Gaskonzentrationen ergibt sich ein Alpha-Wert von α = 0,85.
Die Raumgeschwindigkeit in den durchgeführten Modellgastests betrug
30.000 h–1.
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Das
Ergebnis der Untersuchungen ist in 1 dargestellt.
Hierin zeigen die mit (o) gekennzeichneten Kurven die Ergebnisse
für VK1.
Der Katalysator erreicht in frisch hergestelltem Zustand einen Stickoxid-Maximalumsatz
von 70 % bei Temperaturen zwischen 350°C und 500°C. Da bei 500°C noch keine
Degradation des Umsatzes zu beobachten ist, kann angenommen werden,
daß das
Umsatzniveau von ca. 70 % auch bei höheren Temperaturen gehalten
werden kann. Unterhalb von 350°C
steigen die Umsätze
langsam und nahezu linear mit der Temperatur an. T50 liegt
bei 225°C.
Der durch Überoxidation
von Ammoniak entstehende N2O-Gehalt nach
Katalysator liegt im gesamten Temperaturfenster unterhalb von 10
ppm ist ist somit für
die Festlegung des Umsatzprofils nicht relevant.
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Demzufolge
umfaßt
das für
VK1 typische Umsatzprofil im Sinne dieser Patentschrift den mit
(|||) gekennzeichneten Temperaturbereich von 225°C bis > 500°C.
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Vergleichsbeispiel 2:
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In
diesem Vergleichsbeispiel wurde das Umsatzprofil eines konventionellen
SCR-Katalysators
auf der Basis Kupfer ausgetauschter Zeolithe untersucht. Solche
Katalysatoren zeigen nach Erfahrungen der Anmelderin aufgrund der
höheren
Oxidationswirkung des Kupfers in der Regel ein Umsatzprofil bei
Temperaturen unterhalb von 350°C.
Zur Herstellung dieses Vergleichskatalysators, der im Folgenden
als VK 2 bezeichnet wird, wurden 10 g einer aus mit Kuper ausgetauschten
Zeolithen bestehenden katalytisch aktiven Beschichtung auf einen
inerten keramischen Wabenkörper
aufgebracht. Das Volumen des Wabenkörpers betrug ebenfalls 0,04
l. Er besaß 62
Zellen pro cm2 mit einer Wandstärke von
0,17 mm.
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Die
Untersuchung erfolgte in einem stationären Test an einer Modellgasanlage
unter denselben Bedingungen wie in Vergleichsbeispiel 1.
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Das
Ergebnis der Untersuchungen ist in 1 dargestellt.
Hierin zeigen die mit (∎) gekennzeichneten Kurven die Ergebnisse
für VK2.
Der Katalysator erreicht in frisch hergestelltem Zustand nach Durchschreiten des
T50-Wertes bei 175°C einen Stickoxid-Maximalumsatz von
74 % bei 240°C.
Oberhalb von 350°C
fallen die beobachteten Stickoxidumsätze deutlich ab und unterschreiten
ab 380°C
Werte von 66 %. Bereits bei tieferen Temperatur steigen die aus
der Überoxidation
von Ammoniak resultierenden N2O-Konzentrationen
auf über
25 ppm an.
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Dementsprechend
umfaßt
das für
VK2 typische Umsatzprofil im Sinne dieser Patentschrift den mit
(≡) gekennzeichneten
Temperaturbereich von 175°C
bis 310°C.
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1 zeigt
sehr deutlich die für
konventionelle SCR-Katalysatoren typische Einschränkung des
Arbeitsbereiches, die durch den Zielkonflikt zwischen der mindestens
erforderlichen Oxidationskraft zur effektiven Voroxidation von NO
zu NO2 einerseits und der maximal nutzbaren
Oxidationskraft, die gerade noch zulässig ist, um eine Überoxidation
des als Reduktionsmittel eingesetzten Ammoniak zu verhindern, andererseits,
zustande kommt.
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Beispiel 1:
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Untersucht
wurden Umsatzprofil und Alterungsverhalten zweier erfindungsgemäßer strukturierter SCR-Katalysatoren
mit vertikaler Materialzonenanordnung. Zur Herstellung der Katalysatoren
wurde eine aus zwei Materialzonen bestehende katalytisch aktive
Beschichtung auf einen inerten keramischen Wabenkörper aufgebracht.
Hierzu wurde der Wabenkörper
zunächst
mit einer Materialzone aus einem mit Kupfer ausgetauschten Zeolithen
entsprechend Katalysator VK 2 aus Vergleichsbeispiel 2 versehen
und zur besseren Haftung der Beschichtung bei 500°C für die Dauer
von 2 Stunden an Luft kalziniert. Anschließend wurde eine weitere Materialzone
bestehend aus einem mit Eisen ausgetauschten Zeolithen entsprechend
VK 1 aus Vergleichsbeispiel 1 aufgebracht. Auf diese Weise wurden
zwei erfindungsgemäße Katalysatoren
mit vertikaler Materialzonenanordnung entsprechend
3A mit
einem Katalysatorvolumen von 0,04 l hergestellt. Beide Katalysatoren
wiesen eine Zellzahl von 62 Zellen pro cm
2 und
eine Wandstärke
von 0,17 mm auf. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden
erfindungsgemäßen Katalysatoren
bestand in dem in der nachstehenden Tabelle angegebenem Mengenverhältnis der
Materialzonen.
| Katalysator: | Mengenverhältnis [untere
Materialzone: obere Materialzone] |
| V1: | [5:16] |
| V2: | [16:5] |
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Bei
einer solchen Anordnung der Materialzonen diffundiert das zu reinigende
Abgas zunächst
durch die aus mit Eisen ausgetauschtem Zeolith bestehende Materialzone,
die sich durch ein Umsatzprofil bei höheren Temperaturen auszeichnet.
Dort erfolgt die SCR-Reaktion bei Betriebstemperaturen oberhalb
von 350°C. Nach
Durchdringen dieser oberen Materialzone wird die unten liegende,
den mit Kupfer ausgetauschten Zeolithen enthaltende Schicht erreicht,
in der gegebenenfalls nicht umgesetzte Stickoxide mit nicht umgesetztem Ammoniak
reagieren. Dies erfolgt insbesondere dann, wenn die Betriebstemperaturen
des Katalysators noch unterhalb von 350°C liegen.
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Das
Umsatzprofil der beiden erfindungsgemäßen Katalysatoren wurde im
frisch hergestellten Zustand in einem stationären Modellgastest untersucht.
Die gewählten Testbedingungen
entsprachen genau den in Vergleichsbeispiel 1 aufgeführten Bedingungen. 4 zeigt
das Ergebnis der Untersuchung.
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Beide
erfindungsgemäße Katalysatoren
weisen ein breiteres oder einen größeren Bereich des Zielarbeitsfensters
abdeckendes Umsatzprofil auf als die Vergleichskatalysatoren aus
den Vergleichsbeispielen 1 und 2. V1 zeigt mit einem T50-Wert
von 180°C
einen etwas langsameren Anstieg des Stickoxid-Umsatzes im Tieftemperaturbereich
als V2 mit T50 von 160°C. Die maximale Konvertierung
liegt für
V1 bei 290°C
mit 76 %, für
V2 bei 240°C
mit 78 % Konvertierung. Die sich daraus ergebenden oberen Grenzen
des Umsatzbereiches von 68 % Konvertierung für V1 bzw. 70 % Konvertierung
für V2
liegen bei 490°C
(V1) bzw. 425°C
(V2). Ein N2O-Gehalt nach Katalysator von
mehr als 25 ppm wird nicht beobachtet.
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Aus
dem gemessenen Daten ergibt sich für V1 das mit (|||) schraffierte
Umsatzprofil von 180°C
bis 490°C.
Das durch (≡)
gekennzeichnete Umsatzprofil von V2 umfaß den Temperaturbereich 160°C bis 425°C.
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Im
Vergleich zu den gewählten
Vergleichskatalysatoren aus den beiden Vergleichsbeispielen, die
den gegenwärtigen
Stand der Technik repräsentieren,
zeigten beide erfindungsgemäße Katalysatoren
ein deutlich zu tieferen Temperaturen hin verschobenes bzw. erweitertes
Umsatzprofil. Gegenüber
VK2 wird eine signifikante Verbreiterung des Umsatzprofils erreicht.
Gegenüber
VK1 erreicht V1 eine Verbreiterung des Umsatzprofils im gemessenen
und für
die Anwendung relevanten Temperaturbereich.
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Zusätzlich zum
Umsatzprofil im frisch hergestellten Zustand wurde für diese
beiden Katalysatoren das Leistungsverhalten nach hydrothermaler
Alterung untersucht. Dazu wurden die Katalysatoren V1 und V2 einer synthetischen
Alterung in einem auf 700°C
aufgeheizten Ofen, in dem eine Atmosphäre bestehend aus 10 % Sauerstoff
und 10 % Wasserdampf in Stickstoff herrschte, für die Dauer von 48 Stunden
unterzogen. Anschließend
wurden die beiden Katalysatoren erneut unter den in Vergleichsbeispiel
1 genannten Bedingungen an der Modellgasanlage getestet. Zum Vergleich
mit herkömmlichen
SCR-Katalysatoren wurde VK1 derselben Behandlung und Testung unterzogen.
Das Ergebnis ist in 5 dargestellt.
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Die
erfindungsgemäßen Katalysatoren
zeigen nach hydrothermaler Alterung erwartungsgemäß erhebliche
Einbußen
im Stickoxid-Umsatz insbesondere unterhalb von 350°C. Dieses
Verhalten ist von herkömmlichen
SCR-Katalysatoren, wie VK1 zeigt, bekannt und stellt ein allgemeines,
bislang noch ungelöstes Problem
dar. Der beobach tete Leistungseinbruch der erfindungsgemäßen Katalysatoren
ist allerdings erheblich stärker
als bei konventionellen Katalysatoren. Dies ist auf negative Wechselwirkungen
zwischen den beiden Materialzonen zurückzuführen, vermutlich auf eine unkontrollierte
Wanderung von Übergangsmetallatomen,
die sich selektivitätszerstörend auswirkt.
Eine solche Wechselwirkung läßt sich
durch eine Verkleinerung der Kontaktflächen zwischen den Materialzonen
erheblich minimieren.
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Demzufolge
ist eine horizontale Anordnung der Materialzonen insbesondere dann
die bevorzugte Ausgestaltung der Erfindung, wenn die Katalysatoren
bei sehr hohen Temperaturen und Wasserdampfgehalten im Abgas eingesetzt
werden sollen.
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Beispiel 2:
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In
diesem Beispiel wurde ein erfindungsgemäßer Katalysator mit einer horizontalen
Anordnung der Materialzonen, wie sie in 3D dargestellt
ist, untersucht. Dazu wurde ein inerter keramischer Wabenkörper mit
einem Volumen von 0,04 l und einer Zellenzahl von 62 Zellen pro
cm2, die eine Wandstärke von 0,17 mm aufwiesen,
mit einer Beschichtung bestehend aus zwei Materialzonen versehen.
Es wurde zunächst
eine aus einem Eisen ausgetauschten Zeolithen bestehende Materialzone
in einem konventionellen Tauchverfahren bis zur Hälfte der
Längenausdehnung
des inerten Tragkörpers
aufgebracht. Dann wurde die noch unbeschichtete Hälfte mit
einer Materialzone bestehend aus mit Kupfer ausgetauschtem Zeolithen
versehen, so daß beide
Materialzonen sich ohne Überlappungszone
berührten.
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In
einem stationären
Modellgastest wurde das Umsatzprofil des so hergestellten Katalysators
H1 untersucht. Dabei wurden dieselben Testbedingungen gewählt, die
in Vergleichsbeispiel 1 beschrieben wurden. Der Katalysator wurde
so in den Modellgasreaktor eingebaut, daß die Materialzone, die den
mit Eisen ausgetauschten Zeolithen enthält und das bei höheren Temperaturen
gelegene Umsatzprofil aufweist, zuerst vom durchströmenden Modellgas
kontaktiert werden mußte.
Das Ergebnis der Messungen ist in 6 dargestellt.
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Der
erfindungsgemäße Katalysator
H1 mit horizontaler Anordnung der Materialzonen erreicht ab einer Temperatur
von 180°C
Stickoxid-Umsätzevon
mehr als 40 %. Der Maximalumsatz von 81 % wird nach Durchschreiten
eines Umsatzplateaus bei 79-80 % ab 300°C bei 440°C erreicht. Dann erfolgt eine
leichte Abnahme des Umsatzes, wobei eine Unterschreitung von 72
% im untersuchten Temperaturbereich bis 500°C nicht beobachtet wird. Die
nach Katalysator gemessene Lachgas-Konzentration beträgt in der
Regel weniger als 10 ppm.
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Daraus
ergibt sich für
den gemessenen Katalysator ein durch die schraffierte Fläche gekennzeichnetes
Umsatzprofil von 180°C
bis > 500°C. Dies stellt
gegenüber
herkömmlichen
SCR-Katalysatoren eine erhebliche Verbreiterung des Umsatzprofils
insbesondere in Richtung des Tieftemperaturbereichs dar.
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Nach
Abschluß der
Umsatzprofilanalyse in frisch hergestelltem Zustand wurde der erfindungsgemäße Katalysator
H1 zusammen mit einem weiteren gemäß Vergleichsbeispiel 1 hergestellten
Katalysator VK1' in einem
Ofen einer synthetischen Alterung unter hydrothermalen Bedingungen
unterzogen. Die Dauer der Alterung betrug 48 Stunden, die Temperatur
650°C. Die
Atmosphäre
im Ofen bestand aus 10 Vol% Sauerstoff und 10 Vol% Wasserdampf in
Stickstoff. Nach Alterung wurden beide Katalysatoren in einem stationären Modellgastest
untersucht, wobei erneut die in Vergleichsbeispiel 1 beschriebenen
Testbedingungen verwendet wurden. Die Einbaurichtung für Katalysator
H1 wurde wiederum so gewählt,
daß das
Modellgas zunächst
die den mit Eisen ausgetauschten Zeolithen enthaltende Materialzone
durchströmen
mußte.
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Die
Ergebnisse der Untersuchung sind in 7 dargestellt.
Wie bei den in Beispiel 1 gezeigten Ergebnissen wurde auch für den erfindungsgemäßen Katalysator
mit horizontaler Materialzonenanordnung H1 ein deutliches Einbrechen
des Stickoxid-Umsatzes im Tieftemperaturbereich beobachtet, das
auch von herkömmlichen
SCR-Katalysatoren wie VK1' bekannt
ist. Im Unterschied zu den erfindungsgemäßen strukturierten SCR-Katalysatoren V1
und V2 aus Beispiel 1 kann mit H1 das Umsatzniveau des VK' im Temperaturbereich oberhalb
300°C jedoch
gehalten bzw. leicht übertroffen
werden. Unterhalb von 300°C
zeigt H1 nach Alterung im Vergleich zum konventionellen SCR-Katalysator deutliche
Umsatzverbesserungen. Durch die horizontale Anordnung der Materialzonen
wird also zusätzlich
zu einem verbreiterten Umsatzprofil im Frischzustand eine Verbesserung
der Alterungsstabilität
unter hydrothermalen Bedingungen erreicht.