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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Einrichtung zur drahtlosen
Fernsteuerung einer mindestens drei zueinander orthogonale Ortungsspulen aufweisenden
Arbeitskapsel eines Magnetspulensystems.
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In
der Medizin ist es häufig
notwendig, im Inneren eines in der Regel lebenden Menschen oder Tieres
als Patienten eine medizinische Maßnahme auszuführen, die
z. B. eine Diagnose oder Behandlung sein kann. Zielgebiet einer
derartigen medizinischen Maßnahme
ist oft ein Hohlorgan im betreffenden Patienten, insbesondere dessen
Gastrointestinaltrakt. Über
lange Zeit wurden die medizinischen Maßnahmen mit Hilfe von Katheterendoskopen durchgeführt, welche
nicht- oder minimalinvasiv von außerhalb des Patienten in diesen
eingeführt
wurden. Herkömmliche
Katheterendoskope weisen hierbei verschiedene Nachteile auf, z.
B. verursachen sie beim Patienten Schmerzen oder können entfernt
liegende innere Organe nur schwer oder gar nicht erreichen.
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Zur
katheterfreien bzw. kabellosen Endoskopie sind deshalb z.B. Videokapseln
der Fa. Given Imaging bekannt, welche der Patient schluckt. Die
Videokapsel bewegt sich aufgrund der Peristaltik durch den Verdauungstrakt
des Patienten und nimmt hierbei eine Reihe von Videobildern auf.
Diese werden nach außerhalb
des Patienten per Funk übertragen. Der
Patient kann sich während
des mehrere Stunden dauernden Kapselaufenthaltes im Körper frei
bewegen, da er entsprechende Empfangsantennen und einen Rekorder
zur Aufzeichnung der Videobilder am Körper mit sich führt. Ausrichtung
der Kapsel und damit Blickrichtung der Videobilder sowie Verweildauer im
Körper
des Patienten sind hierbei zufällig
bzw. nicht beeinflussbar. Außer
der Bildaufnahme hat die Kapsel keine aktive Funktionalität. Diagnosefunktionen,
wie gezielte Betrachtung, Reinigung, Biop sie sind ebenso wenig möglich wie
gezielte Behandlungen im Inneren des Patienten, z. B. Medikamentengabe.
Für eine
vollständige
Diagnose ist dies inakzeptabel bzw. nicht zufrieden stellend.
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Neuerdings
ist es deshalb, z. B. aus der
DE 103 40 925 B3 oder der noch nicht veröffentlichten Patentanmeldung
DE 10 2005 01 04 89.4 bekannt, mit
Hilfe eines Magnetspulensystems magnetische Körper durch Hohlorgane eines
Patienten mittels magnetischer, berührungsfreier Kraftübertragung
zu bewegen. Die Kraftausübung
erfolgt hierbei also gezielt, berührungslos und von außen kontrolliert.
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Ein
magnetischer Körper
ist hierbei z.B. eine einen Dauermagneten enthaltende Arbeitskapsel, auch
Endokapsel oder Endoroboter genannt. Die Arbeitskapseln weisen Funktionalitäten eines
herkömmlichen
Endoskops auf, z.B. Videoaufnahme, Biopsie oder Clips. Mit einer
derartigen Arbeitskapsel kann so eine medizinische Maßnahme autark,
d.h. kabellos bzw. katheterfrei durchgeführt werden, es besteht also
keinerlei Kabel- oder
mechanische Verbindung von der Arbeitskapsel nach außen. Während der
medizinischen Maßnahme
befindet sich der Patient zumindest zeitweise ganz oder teilweise
innerhalb des Magnetspulensystems.
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5 der
Zeichnungen zeigt ein entsprechendes, aus der
DE 103 40 925 B3 bekanntes
Magnetspulensystem
100, das im Folgenden kurz beschrieben
wird. Für
eine weiterführende,
ausführlichere
Beschreibung des Magnetspulensystems
100 bzw. dessen Funktionsweise
wird auf die
DE 103
40 925 B3 verwiesen. Das Magnetspulensystem
100 umfasst
vierzehn Erregerspulen
102a–n, von denen in
5 nur
die Erregerspulen
102a–c,
102e,
und
102g–n
sichtbar sind. Die sechs Erregerspulen
102a–f sind
dabei rechteckig ausgeführt
und bilden die Kanten eines Quaders. Die verbleibenden acht Erregerspulen
102g–n bilden
zusammen die Mantelfläche
eines in den eben beschriebenen Quader eingebetteten Zylinders.
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Jede
einzelne der Erregerspulen 102a–n ist über eine Versorgungsleitung 104a–n an einer
Leistungsversorgung 106 angeschlossen. In 5 sind der Übersichtlichkeit
halber nur die Versorgungsleitungen 104a–c und 104e dargestellt. Über die
Leistungsversorgung 106 wird jeder der Erregerspulen 102a–n unabhängig voneinander
eine bestimmte Stromstärke
mit bestimmtem zeitlichem Verlauf, natürlich im Rahmen der Leistungsfähigkeit
der Leistungsversorgung 106, eingeprägt.
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Jede
der Erregerspulen 102a–n
erzeugt somit für
sich ein Magnetfeld. Im Innenraum 108 des Magnetspulensystems 100 kann
damit eine nahezu beliebige magnetische Feldverteilung bezüglich Stärke, Richtung
und Geometrie erzeugt werden. In diesem Innenraum 108 befindet
sich ein nicht dargestellter Patient und in dessen Körperinneren
eine Arbeitskapsel 110, welche ein nicht dargestelltes
magnetisches Element, z. B. einen Dauermagneten, enthält.
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Dem
Magnetspulensystem 100 ist eine Ortungsvorrichtung 112 zugeordnet,
welche Lage und Orientierung der Arbeitskapsel 110 in einem
dem Magnetspulensystem 100 zugeordneten Koordinatensystem 114 erfasst.
Die Lage bzw. der Ort 116 der Arbeitskapsel 110,
bzw. die Lage des geometrischen Mittelpunkts dieser, ist in 5 durch
die gestrichelten Linien angedeutet. Die Orientierung 118 der
Arbeitskapsel 110 ist in 5 durch
einen Pfeil dargestellt und wird von der Ortungsvorrichtung 112 in
Bezug auf das Koordinatensystem 114 erfasst. Die Arbeitskapsel
kann hierbei eine beliebige, z. B. längliche oder rotationssymmetrische,
geometrische Form aufweisen. Die Orientierung entspräche dann
z. B. der Richtung des Einheitsvektors in Längsrichtung der Arbeitskapsel 110.
Die gesamte Lage der Arbeitskapsel 110, also insbesondere
die Schwerpunktskoordinaten und die Längsachsenrichtung, ist somit
im Koordinatensystem 114 vollständig beschrieben und bekannt.
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Die
Ortungsvorrichtung 112 ist eine elektromagnetische Ortungsvorrichtung.
Hierfür
beinhaltet die Arbeitskapsel 110 drei (dargestellt) bis
sechs zueinander orthogonale Ortungsspulen 124. Diese arbeiten
mit einer Trägerfrequenz
von z.B. 12 kHz beim "Aurora"-System der Fa. NDI.
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Die
Ortungsvorrichtung 112 erzeugt mit Hilfe einer integrierten
Spulenanordnung 125 ein elektromagnetisches Feld, insbesondere
am Kapselort, dargestellt durch die Feldlinien 120. Die
Arbeitkapsel nimmt das Feld durch die Ortungsspulen 124 auf
und sendet die empfangene Feldstärke
zurück
an die Ortungsvorrichtung 120. Diese errechnet aus der
von der Arbeitskapsel übermittelten,
empfangenen Feldstärke
den Ort 116 und die Orientierung 118.
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Die
Ortungsvorrichtung 112 übermittelt
Ort 116 und Orientierung 118 der Arbeitskapsel 110 an die
Leistungsversorgung 106. Diese bestromt daraufhin die Erregerspulen 102a–n derart,
dass sich am Ort der Arbeitskapsel 110 ein nicht dargestelltes
Navigationsmagnetfeld 111 einstellt. Dieses Magnetfeld ist
so ausgelegt, dass es mit dem Dauermagneten in der Arbeitskapsel 110 derart
wechselwirkt, dass eine erwünschte
Kraft 122 und/oder ein gewünschtes, nicht dargestelltes
Drehmoment an der Arbeitskapsel 110 angreift. Auf diese
Art wird die Arbeitskapsel 110 im Patienten bewegt, ausgerichtet
und/oder rotiert.
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Die
gesamte Energie, welche die Arbeitskapsel selbst während der
Durchführung
der medizinischen Maßnahme
benötigt,
wird z.B. über
nicht dargestellte Batterien oder Kondensatoren im Inneren der Arbeitskapsel
oder durch drahtlose Energieübertragung
(nicht dargestellt) zur Kapsel bereitgestellt. Letztere ist besonders
günstig
für leistungsintensive medizinische
Maßnahmen,
wie z.B. Hohlorganausleuchtung, Biopsienahme, thermische Koagulation oder
Laserapplikationen. Die induktive Energieeinkopplung in die Arbeitskapsel 110 benötigt eine
nicht dargestellte Induktionsspule in der Kapsel und arbeitet mit
Frequenzen von ca. 500 Hz bis ca. 500 kHz. Die Größe der Arbeitskapsel
ist z.B. für
den Einsatz im oberen Magen-Darm-Trakt
einschließlich
Dünndarm
begrenzt auf ca. 25 mm Länge und
ca. 10 mm Durchmesser; bei reinem Einsatz im Dickdarm etwas mehr.
Hierdurch ist der Raum für
Einbauten generell begrenzt.
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Zur
Ausführung
der beabsichtigten Aufgaben benötigt
die Kapsel Steuersignale von außerhalb
des Patienten, z.B. zum Auslösen
einer Biopsienahme, zur Aufnahme von Videobildern, zur gezielten
Medikamentengabe usw. Eine Fernsteuerung reicht hierbei von einfachen
Befehlen, wie "Biopsiezange
ausfahren", z.B.
mittels Übertragung
eines zweistelligen Nummerncodes, bis zur Übertragung von modifiziertem
Programmcode in die Kapsel, z.B. für eine geänderte Bildvorverarbeitung
bei Videoaufnahmen. Je nachdem wird ein nieder- oder hochfrequentes
Trägersignal
für die
Fernsteuerung mit niedriger oder hoher Bandbreite zur Datenübertragung
benötigt.
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In 5 ist
zur Kommunikation in der Kapsel 110 eine nicht dargestellte
Empfängerspule,
und außerhalb
des Patienten eine Fernsteuereinheit 126 vorgesehen, die
an eine Kapselsteuerung 128 für die Kapselfunktionen angeschlossen
ist. Die Fernsteuereinheit 126 dient zum Senden der Steuerbefehle
zur Kapsel, aber auch optional zum Empfang von Rückmeldesignalen, z.B. zur Bestätigung eines
von der Arbeitskapsel 110 empfangenen Befehls. Die Kommunikation
entlang des Pfeils 130 verläuft also immer zur Kapsel hin
und optional auch von dieser zurück.
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Weiterhin
wird zur Datenübertragung
von der Arbeitskapsel 110 nach außen ein hochfrequentes Trägersignal
im Bereich 430 MHz benutzt, um z.B. Sensordaten oder Live-Videobilder
aus dem Patienteninneren zu übertragen.
Hierzu ist eine zusätzliche, nicht
dargestellte Sendespule im Kapselinneren vorgesehen.
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Neben
dem Magnetspulensystem für
die Kraftausübung
auf die Kapsel sind also etliche weitere Spulenanordnungen bzw.
Systeme innerhalb und außerhalb
der Kapsel nötig
bzw. bei vollem Systemausbau und maximaler Kapselfunktionalität vorhanden.
Je mehr Einzelspulen aber nötig
sind, umso aufwändiger,
voluminöser
und teurer wird das Gesamtsystem.
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Insbesondere
in der Arbeitskapsel 110 ist der Einbauraum äußerst begrenzt,
durch die Vielzahl notwendiger Spulen bzw. Kommunikationskomponenten steht
also sehr wenig Platz für
die eigentlichen medizinischen Komponenten zur Verfügung. Dieser
Platz wird jedoch benötigt,
um z.B. eine Kapsel mit möglichst
großem
Funktionsumfang zu bauen, die dann für die verschiedensten medizinischen
Zwecke universell einsetzbar ist.
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Aus
der nicht veröffentlichten
Patentanmeldung
DE 10 2005
01 23 87.2 ist es bekannt, mittels eines gemeinsamen bzw.
einzigen extrakorporalen Spulensystems die Kraftausübung auf
und die Positionsbestimmung der Kapsel gemeinsam zu realisieren.
Kapselseitig ist eine Kombination beider Teilaufgaben nicht sinnvoll,
da der Permanentmagnet durch eine mit Energie zu versorgende Spule
ersetzt werden müsste.
Diese Energie könnte
in der Kapsel weder gespeichert noch zugeführt werden. Die Ohmschen Verluste
in der Kapsel wären
zu hoch.
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Aus
der nicht veröffentlichten
Patentanmeldung
DE 10 2005
05 37 59.6 ist es bekannt, mittels eines gemeinsamen bzw.
einzigen extrakorporalen Spulensystems die Kraftausübung auf
und die drahtlose Energieübertragung
zur Kapsel gemeinsam zu realisieren. Auch hier ist wegen der gleichen
Gründe wie
oben eine kapselseitige Kombination nicht sinnvoll.
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Aus
der
US 2004 0215083
A1 ist eine sowohl senderseitige als auch kapselseitige
Kombination von induktiver Energieeinkopplung und Fernsteuerung
der Kapsel bekannt.
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Eine
Kombination von induktiver Energieeinkopplung und Positionserkennung
ist dagegen aus der
US
2004 0225184 A1 bekannt.
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Alle
bekannten Maßnahmen
reduzieren die Einzelmodule bzw. Bauteile, und damit die Kosten und
den Aufwand des Gesamtsystems aus Magnetspulensystem und Endoskopiekapsel.
Dennoch verbleibt ein immer noch aufwändiges und teures System.
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Aufgabe
der vorliegenden Erfindung ist es, das Gesamtsystem weiter zu vereinfachen
bzw. Komponenten und damit Platzbedarf einzusparen.
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Hinsichtlich
des Verfahrens wird die Aufgabe gelöst durch ein Verfahren gemäß Patentanspruch
1.
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Die
Erfindung nutzt hierbei folgende Erkenntnis: Zur Positionsbestimmung
mit dem elektromagnetischen Ortungssystem beinhaltet die Kapsel
mindestens drei orthogonal zueinander ausgerichtete Empfangsspulen
bzw. Ortungsspulen. Diese sind in der Regel zum Empfang von Feldern
von z.B. 12 kHz ausgelegt. Der empfang von Wechselfeldern in diesem
oder einem leicht veränderten
Frequenzbereich, von z.B. 15 kHz ist also möglich.
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Die
benötigten
Fernsteuersignale für
die Kapsel sind in der Regel niederfrequent. Derartige Signale liegen
im Bereich einer Trägerfrequenz
von maximal ca. 10 kHz. Dies ist für die meisten Fernsteueraufgaben
ausreichend, da die zu übertragende Informationsmenge
eher gering ist, verglichen z.B. mit einer Bildübertragung eines Kamerasignals.
Der oben erwähnte
Frequenzbereich des Ortungssystems genügt also für gewöhnliche Fernsteueraufgaben.
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Daher
können
also die Fernsteuersignale in Form des zweiten Magnetfeldes auch
von den Ortungsspulen empfangen werden. Eine separate Empfangsspule
für die
Fernsteuerung in der Kapsel ist überflüssig und
es verbleibt mehr Platz für
die restlichen Einbauten. Das Gesamtsystem wird dadurch einfacher
und kostengünstiger.
Komponenten werden eingespart.
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In
der Regel sind die Ortungsspulen symmetrisch ausgeführt. Da
sie außerdem
orthogonal zueinander sind, decken sie den kompletten dreidimensionalen
Empfangsbereich für
elektromagnetische Felder bezüglich
der Feldorientierung ab. Das zweite Magnetfeld kann also in beliebiger
Richtung erzeugt werden.
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Es
kann jedoch auch sein, dass aufgrund der Spulengeometrie die Ortungsspulen
doch eine Vorzugsrichtung für
das zweite Magnetfeld aufweisen.
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Position
und Orientierung der Arbeitskapsel müssen ohnehin für die Navigation,
also Kraftausübung
auf die Arbeitskapsel bekannt sein. Die relative Position und Orientierung
der Ortungsspulen im ortsfesten Koordinatensystem sind also bekannt.
Natürlich
muss die Lage der Ortungsspulen in der Kapsel bekannt sein. Im einfachsten
Fall sind daher die Ortungsspulen starr in der Kapsel eingebaut.
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Damit
ist die augenblickliche Orientierung der Ortungsspulen im Magnetspulensystem
bekannt. Das zweite Magnetfeld kann dann stets so erzeugt werden,
dass es in die bezüglich
der Vorzugsrichtung der Ortungsspulen bestmöglich ausgerichtet ist, also in
diese bestmöglich
einkoppelt, z.B. genau entlang der Spulenachse einer bestimmten
Ortungsspule ausgerichtet ist. Bei gegebener Feldstärke des
Fernsteuerfeldes ist so die in derjenigen Ortungsspule empfangene
Leistung und damit die Signalqualität maximal.
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Erstes
und zweites Magnetfeld können
in voneinander unterschiedlichen ersten und zweiten Frequenzbereichen
erzeugt werden. Die Frequenzbereiche können dann insbesondere nicht überlappend
ausgeführt
werden, so dass Ortung und Fernsteuerung gesonderten Frequenzbereichen
zugeordnet sind. Eine gegenseitige Störung ist so ausgeschlossen.
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Der
Frequenzbereich von 500 Hz bis 500 kHz eignet sich hierbei besonders
zur Übertragung durch
menschliches Körpergewebe
zur Kapsel bei den gegebenen Abständen von ca. 20 bis 60 cm zwischen
den Sendern für
erstes und zweites Magnetfeld und der Arbeitskapsel.
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Durch
die Unterscheidung der Frequenzbereiche für die ersten und zweiten magnetischen
Felder zur Ortung und zur Fernsteuerung beeinflussen sich diese
gegenseitig kaum. Z.B. kann das zweite Magnetfeld zur Fernsteuerung
hochfrequent und das erste zur Ortung niederfrequent gewählt werden.
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Erstes
und zweites Magnetfeld können
daher überlagert
werden. Dies führt
dazu, dass während
der Ortung gleichzeitig eine Fernsteuerung der Kapsel stattfindet.
Somit ist eine ständige
Kontrolle der Kapselfunktionen, also eine Steuerung zu jedem beliebigen
Zeitpunkt, möglich.
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Hierbei
kann z.B. das Fernsteuersignal, also das zweite Magnetfeld z.B.
amplitudenmoduliert auf das Ortungssignal, also das erste Magnetfeld
aufmoduliert werden.
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Alternativ
kann das zweite Magnetfeld im zeitlichen Multiplex zum ersten Magnetfeld
erzeugt werden. Erstes und zweites Feld werden also zeitlich im
Wechsel, und nicht gleichzeitig erzeugt. Hierdurch steht sowohl
für die
Positionsbestimmung als auch für
die Fernsteuerung die jeweils maximale Leistung des übertragenen
ersten bzw. zweiten Feldes zur Verfügung, was eine störungsfreie
Signalübertragung
ermöglicht.
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Während der
Fernsteuerung findet dann keine Ortung statt. Dies stört jedoch
nicht, wenn z.B. währenddessen
die Kapsel im Patienten ohne Kraftausübung ruht. Durch entsprechend
kurze zeitliche Abstände
zwischen zwei Fernsteuerungen kann so dennoch eine quasi kontinuierliche
Ortung erfolgen. Die Arbeitskapsel kann dann so benutzt werden, dass
diese lediglich im ruhenden Zustand aktiv gesteuerte medizinische
Maßnahmen
durchführt.
Da die Kapselbewegung sowieso eher langsam geschieht, z.B. mit einer
Geschwindigkeit von 1 cm pro Minute, ist eine nicht dauerhafte Ortung
ausreichend, da die Kapsel ihren Aufenthaltsort nicht sprunghaft ändert.
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Da
die Ortungsspulen zu Ihrer Funktion kaum Energie aus einem externen
Magnetfeld aufnehmen müssen,
um die Positionserkennung durchzuführen, können diese klein im Verhältnis zur
Kapselgröße ausgelegt
werden und benötigen
somit kaum Platz in der Kapsel.
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Erstes
und zweites Magnetfeld können
von einem einzigen bzw. gemeinsamen Spulensystem erzeugt werden.
So sinkt auch außerhalb
der Kapsel die Komplexität
des Gesamtsystems im Gegensatz zu getrennten Spulen für Ortung
und Fernsteuerung mit den oben bereits genannten Vorteilen. Eine
entsprechende Halterung und eine Kühlung für das gemeinsame Spulensystem
braucht somit nur einmal vorgesehen zu werden.
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Die
Spulenkörper
des Spulensystems werden so zur Ortung und Fernsteuerung gemeinsam genutzt.
Auch eine gemeinsame Ansteuerung erfolgt hierbei. Dies reduziert
den Aufwand des Gesamtsystems.
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Insbesondere
kann die gemeinsame Spulenanordnung das Magnetsystem zur Kraftausübung auf die
Kapsel sein. Somit ist neben diesem überhaupt keine weitere externe
Komponente für
Ortung und Fernsteuerung vorzusehen. Das Gesamtsystem wird weiter
vereinfacht. Das Magnetspulensystem übernimmt also drei Aufgaben,
nämlich
die Kapselnavigation, also Kraftausübung anhand der Navigationsmagnetfelder,
die Ortung der Kapsel und die Fernsteuerung, also Übertragung
von Steuersignalen zur Kapsel, jeweils wie oben beschrieben, im
zeitlichen Wechsel oder gleichzeitig.
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Um
die Erregerspulen der gemeinsamen Spulenanordnung bzw. des Magnetspulensystems besonders
gut zur Erzeugung der ersten und zweiten magnetischen Felder ansteuern
zu können,
können diese
Erregerspulen mehrere Anzapfungen aufweisen und über verschieden Anzapfungen
betrieben werden. Somit kann eine Erregerspule in verschiedenen
Betriebsarten betrieben werden, um jeweils günstige Voraussetzung für die spezielle
Felder zeugung zu haben, z.B. bestimmte Impedanz, Windungszahl oder
Widerstand.
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Zur
Erzeugung von erstem und zweitem Magnetfeld können aus der gemeinsamen Spulenanordnung
oder dem Magnetspulensystem auch jeweils andere Teilspulen verwendet
werden, die hierfür
besser geeignet sind als andere. Die Felderzeugung für erstes
und zweites Magnetfeld ist so jeweils optimiert.
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In
machen Fällen
kann es vorteilhaft sein, nicht nur Fernsteuerbefehle vom Magnetspulensystem
zur Kapsel zu übertragen,
sondern auch Rückmeldungen
von der Kapsel nach außen
zu senden. Dies ist im einfachsten Fall eine Rückmeldung, dass der Fernsteuerbefehl
empfangen wurde, z.B. ein sogenanntes Acknowledge-Signal. Es können aber auch
einfache Sensordaten, z.B. ein Temperatur- oder pH-Wert oder sonstige
Informationen von der Kapsel gesendet werden. In diesem Fall kann
das Rückmeldesignal
vom gemeinsamen Spulensystem bzw. dem Magnetspulensystem empfangen
werden. Die betreffenden Sendespulen für erstes und zweites Magnetfeld
arbeiten dann gleichfalls als Empfangsantenne. Eine separate Empfangsantenne
wird überflüssig. Das
Rückmeldesignal
kann dann über
ein Filter im Spulensystem aus diesem ausgekoppelt und zur Weiterverarbeitung
weitergeleitet werden, z.B. an die oben genannte Kapselsteuerung.
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Da
das Ortungssignal und das Fernsteuersignal also erstes und zweites
Magnetfeld, in der Kapsel jeweils am gleichen Bauteil, nämlich der
Ortungsspule empfangen werden, kann das kombinierte elektrische
Ausgangssignal der Ortungsspule in getrennte, jeweils dem ersten
und zweiten Magnetfeld korrelierte elektrische Signale aufgeteilt
werden. Dies kann z.B. bei Aufmodulation durch Bandpassfilter für verschiedene
Trägerfrequenzen
oder ähnliches
geschehen. Die kapselseitigen Komponenten für Ortung und Fernsteuerung
können
dann jeweils mit den bereits getrennten Fernsteuer- und Ortungssignalen versorgt
werden. So müssen
diese Anordnungen nicht modifi ziert werden gegenüber der Lösung mit getrennten Empfangsantennen.
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Insbesondere
wird das von der Ortungsspule kommende gemeinsame elektrische Signal
vor der Aufteilung vorverstärkt.
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Hinsichtlich
der Einrichtung wird die Aufgabe der Erfindung gelöst durch
eine Einrichtung gemäß Patentanspruch
13.
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Die
sich aus der erfindungsgemäßen Einrichtung
ergebenden Vorteile wurden bereits im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
erläutert.
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Für eine weitere
Beschreibung der Erfindung wird auf die Ausführungsbeispiele der Zeichnungen verwiesen.
Es zeigen, jeweils in einer schematischen Prinzipskizze:
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1 ein
Magnetspulensystem zur magnetischen Navigation und Fernsteuerung
einer Arbeitskapsel,
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2 Spulenströme einer
Erregerspule aus 1 zur Navigation und Fernsteuerung
(a) getrennt, (b) aufeinander aufmoduliert und (c) im Zeitmultiplex,
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3 eine
alternative Ansteuerung des Magnetspulensystems im Detail,
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4 die
Arbeitskapsel im Detail,
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5 ein
Magnetspulensystem zur Bewegung eines magnetischen Körpers in
einem Patienten gemäß Stand
der Technik.
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1 zeigt
nochmals das bekannte Magnetspulensystem 100 aus 5 gemäß Stand
der Technik, jedoch erfindungsgemäß modifiziert. Eine Kraftsteuerung 2 empfängt von
der Ortungseinrichtung 112 aktuelle Positionsdaten 4 der
Arbeitskapsel 110 im Koordinatensystem 114 sowie
von einer nicht dargestellten Bedieneinrichtung Solldaten für eine neue Position
und Geschwindigkeit der Arbeitskapsel 110. Die Positionsdaten 4 sind
Ort 116 und Orientierung 118 der Arbeitskapsel 110 im Koordinatensystem 114,
wie im Zusammenhang mit 5 ausführlich erläutert.
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Da
die Lage der Ortungsspulen 124 in der Arbeitskapsel 110 fest
und damit wie beschrieben im Koordinatensystem 114 bekannt
ist, liefern die Positionsdaten 4 der Auswerte- und Steuereinheit 2 ebenso
Position und Orientierung der Ortungsspulen 124.
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Die
Kapselsteuerung 128, die für die Steuerung der Kapselfunktionen
zuständig
ist, sendet, angedeutet durch den Pfeil 6, ein Steuersignal,
das die Arbeitskapsel 110 erreichen soll, an die Ortungseinrichtung 112.
Diese sendet über
die Spulenanordnung 125, die gemäß Stand der Technik nur zur
Erzeugung des Ortungssignals dient, in Form des Feldes 8 das
Steuersignal an die Kapsel 110. Das Feld 8 stellt
somit das erfindungsgemäße zweite
Magnetfeld dar. Das Feld 8, welches die Ortungsspulen 124 durchsetzt,
von diesen empfangen, und in der Arbeitskapsel 110 als
Fernsteuerbefehl dekodiert.
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Die
Ortungsvorrichtung 112 berechnet aus den Positionsdaten 4 den
Ströme
IA(t) in der Spulenanordnung 125.
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Die
Ströme
IA(t) bis IN(t)
erzeugen am Ort der Ortungsspulen 124 eine magnetische
Feldstärke
zur Ortung und Fernsteuerung der Kapsel 110.
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2a zeigt zwei zeitliche Stromverläufe Iort(t) und Ist(t),
deren Summe die Stromstärke
IA(t) in der Spulenanordnung 125 von 1 ist.
Iort(t) ist hierbei ein beispielhafter zeitlicher
Stromstärkeverlauf zur
Ortung der Arbeitskapsel 110 gemäß Stand der Technik. Die Frequenz
f1 von Iort(t) liegt
hierbei im Bereich von 0–50
Hz. Ist(t) zeigt einen zeitlichen Stromverlauf
für IA(t) zur Übertragung
eines Fernsteuerbefehls zu den Ortungsspulen 124. Die Arbeitsfrequenz f2 von ISt(t) beträgt hierbei
ca. 10 kHz.
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Für die tatsächliche
Bestromung der Spulenanordnung 125 sind in den 2b und 2c zwei
Alternativen dargestellt. 2a zeigt
eine Stromverteilung IA(t), in welcher die
Ströme
Iort(t) und Ist(t)
aus 2a überlagert sind, angedeutet
durch den Mischer bzw. Summierer 12.
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Die
Bestromung bzw. Beschaltung der Spulenanordnung 125 erfolgt
hierbei über
die Anzapfungen 18a und 18b, die an dieser endseitig
angeordnet sind, d. h. die gesamte Spulenanordnung 125 wird vom
Strom IA(t) durchflossen. In 1 sind
die Anzapfungen 18a, b und c, wie unten beschrieben, nur beispielhaft
für die
Spulenanordnung 125 dargestellt.
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Bei
einer derartigen Bestromung findet in 1 die Ortung,
der Arbeitskapsel 110 sowie die Fernsteuerung der Arbeitskapsel 110 gleichzeitig statt,
da auch beide Strommuster Iort(t) und Ist(t) gleichzeitig in der entsprechenden
Spulenanordnung 125 fließen.
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2c zeigt im Gegensatz einen Zeitverlauf des
Stromes IA(t), bei welchem die Ströme Iort(t) und Ist(t)
aus
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2a im Zeitmultiplex als Strom IA(t) auf die Spulenanordnung 125 geschaltet
werden.
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Vom
Zeitpunkt t1 bis t2 fließt
dort der Strom Iort(t), zwischen t2 und
t3 der Strom Istt(t), zwischen t3 und t4
wiederum Iort(t) usw. Ortung der Arbeitskapsel 110 findet
somit nur in den Zeiträumen
t1 bis t2, t3 bis t4 und nach t5 statt. In den Zeiträumen von
t2 bis t3 und t4 bis t5 dagegen findet keine Ortung der Arbeitskapsel 110,
dafür deren
Fernsteuerung statt, welche zu den erstgenannten Zeiträumen eben
dann nicht stattfindet.
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Die
Bestromung bzw. Beschaltung der Spulenanordnung 125 erfolgt
nun, wie oben beschrieben, nur für
den Strom Iort(t) über die Anzapfungen 18a und 18b.
Die Bestromung mit Ist(t) erfolgt jeweils über die
Anzapfungen 18a und 18c. Die Anzapfung 18c ist hierbei
etwa mittig in der Spulenanordnung 125 angeordnet. Nur
ein Teil der Windungen der Spulenanordnung 125 wird also
vom Strom Ist(t) durchflossen. Die Spulenanordnung 125 weist
dann eine geeignetere Induktivität
bzw. Widerstand für
dieses Strommuster auf.
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Durch
die unterschiedlichen Frequenzbereiche der Ströme Iort(t)
und Ist(t) beeinflussen sich Ortung und
Fernsteuerung zur Kapsel 110 nicht gegenseitig.
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Optional
kann die Kapsel Rückmeldesignale, angedeutet
durch die Pfeile 22a, b, an das Magnetspulensystem 100 oder
die Spulenanordnung 125 senden. Die Signale werden dann
von den entsprechenden Spulen, aufgefangen und an die Kapselsteuerung 128 geleitet.
Dort ist ein Filter 20 integriert, das die empfangenen
Rückmeldesignale
ausleitet und entlang der Pfeils 22a oder 22b an
die Kapselsteuerung 128 zur Weiterverarbeitung weiterleitet. Die
Empfängerspule 124 arbeitet
dann gleichzeitig als Sendespule.
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Alternativ
kann auch eine externe Antenne 24 vorhanden sein, die die
Rückmeldesignale
entlang des Pfeils 26 auffängt und zur Kapselsteuerung 128 leitet.
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3 zeigt
nochmals die Ansteuerung der Spulenanordnung 125 im Detail
bzw. in einer Ausführungsalternative.
Jeder der nicht dargestellten Einzelspulen im Spulensystem 125 ist
hierbei ein Leistungsverstärker 30a–n vorgeschaltet,
der die eigentlichen jeweiligen Spulenströme IA(t)
erzeugt.
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Die
Ansteuerung der Leistungsverstärker 30a–n erfolgt
hierbei jeweils durch die Ortungsvorrichtung 112 und die
Kapselsteuerung 128 für
die Fernsteuerung. Anders als in 1 werden
also die Navigations- und Fernsteuersignale nicht in der Kapselsteuerung 128 vermischt.
Die Ausgangssignale beider Einheiten werden daher durch getrennte
Signalleitungen 32a, b jeweils über Vorverstärker 34 zu Kombinierern
bzw. Mischern 36 geführt.
Erst dort werden die Signale gemäß den Alternativen in 2 gemischt
oder gemultiplext und dann zu den Leistungsverstärkern 30a–n geführt.
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4 zeigt
die Arbeitskapsel 110 im Detail. Die Ortungsspulen 124 empfangen
das magnetische Feld 120 zur Ortung und das Feld 8 zur
Fernsteuerung, in 4 durch einen einzigen Pfeil
als Gesamtfeld verdeutlicht, entweder gleichzeitig oder im zeitlichen
Multiplex, wie oben erläutert.
Das magnetische Gesamtfeld wird in diesem Ausführungsbeispiel von den Ortungsspulen 124 in
ein elektrisches Signal 38 konvertiert, das zu einem Zirkulator 40 weitergeleitet wird,
gelangt so auf einen Signalteiler 42 und wird gleichermaßen an zwei
Bandpassfilter 44a, b weitergeleitet.
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Das
Bandpassfilter 44a extrahiert aus dem Signal 38 das
mit dem Feld 120 zur Ortung korrelierte Ortungssignal 46.
Das Bandpassfilter 44b dagegen extrahiert entsprechend
das Fernsteuersignal 48, das mit dem Feld 8 zur
Fernsteuerung korreliert ist. Über
Vorverstärker 50 werden
beide Signale jeweils auf die Positionserkennung 52 und
die Funktionssteuerung 54 der Kapsel 110 geführt und
dort weiterverarbeitet.
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Die
Funktionssteuerung 54 bedient die nicht dargestellten Kapseleinbauten,
wie z.B. Biopsiezange, Medikamentenreservoir, Videokamera oder Beleuchtung.
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Die
Positionserkennung 52 detektiert die von den Ortungsspulen 124 empfangene
Feldstärke
des Feldes 120.
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Von
der Rücksendeeinheit 56 werden
z.B. Rückmeldungen
der Kapseleinbauten, wie "Licht
ist an" oder "Kamera läuft" nach außerhalb
des nicht dargestellten Patienten gesendet. Rückmeldungen können auch
von der Positionserkennung 52 kommen. Z.B. wird eine, die
in der Kapsel gemessene Feldstärke
repräsentierende
Zahl von der Kapsel nach außen
gesendet.
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Die
Rücksendeeinheit 56 überträgt hierzu
einen entsprechenden Befehl in Form eines Rückmeldesignals 58 zu
einem Mischer 60 zur Aufmodulation auf ein Trägersignal 61 eines
Oszillators 62. Über den
Zirkulator 40 gelangt das resultierende Rücksendesignal
zur Spulenanordnung 124, die es als elektromagnetisches
Feld auf dem in 1 gezeigten Weg 22a oder 22c oder 26 zurück zur Kapselsteuerung 128 bzw.
Ortungsvorrichtung 112.