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Die
Erfindung betrifft einen evolventischen Prüfkörper mit überlagerten Wellenstrukturen.
Mit ihm können
2D- und 3D-Messgeräte, Messverfahren,
Werkzeugmaschinen und Fertigungsverfahren quantitativ oder qualitativ
beurteilt werden.
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Darüber hinaus
lässt sich
der Prüfkörper als
Zahnrad oder Schnecke in ein Getriebe einbauen, um Untersuchungen
am Laufverhalten oder an Geräuschen
durchzuführen.
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Die
nachfolgenden Begriffe der Verzahnungsmesstechnik entsprechen der
DIN-Norm 3960 und den Richtlinien VDI/VDE 2612 und 2607 [1, 2, 3].
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Es
ist bekannt, dass die Signalübertragungskette
von Formmessgeräten
durch das Abtasten von darauf zugeschnittenen Normalen geprüft und kalibriert
werden kann. Seit einigen Jahren existieren dazu so genannte Mehrwellennormale
[4]. Sie beschränken
sich meist auf zylindrische Prüfkörper, die
auf der Zylindermantelfläche
eine Überlagerung
von einer oder mehreren harmonischen Wellen verkörpern.
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Ebenfalls
ist bekannt, dass auch axiale Wellennormale auf Zylindern realisiert
sind. Bei diesen sind die Wellen entlang der Zylinderachse ausgebildet.
In Umfangsrichtung sind axiale Wellennormale kreisförmig.
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Die
typischerweise von Wellennormalen verkörperten Wellenzahlen entsprechen
den genormten Grenzwellenzahlen der Formmesstechnik. Die definierten
Wellen erlauben die Untersuchung des Verhaltens der gesamten Signalübertragungskette,
beginnend beim Messsensor, etwa einem taktilen Taster, über den
Signalverstärker
und der anschließenden
Digitalisierung im Messrechner bis zur digitalen Filterung in der
Software.
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Weiterhin
ist bekannt, dass die Messprofile von Wellennormalen durch Frequenzanalyseverfahren, wie
etwa der Fouriertransformation, ausgewertet werden können.
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Es
sind weiter Profilnormale bekannt, die ein bestimmtes Profil verkörpern, das
aus einfachen geometrischen Elementen aufgebaut ist [5]. Solche
Normale dienen z. B. zur Prüfung
von Konturen- oder Koordinatenmessgeräten.
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Es
ist weiterhin bekannt, dass die oben erwähnten Normale wegen ihrer abweichenden
Gestalt nicht zur Prüfprozesseignung
von Verzahnungsmessgeräten
eingesetzt werden können.
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Es
ist weiterhin bekannt, dass im Bereich der Zahnrad- und Schneckengetriebe
Geräusche
durch wellige Strukturen auf den Zahnflanken eines Zahnrades verursacht
werden. Mit dem Ziel, die Geräusche
zu minimieren, wird daher versucht, die Zusammenhänge zwischen
den welligen Oberflächenstrukturen
und der Geräusche
quantitativ herzuleiten. Hierzu werden Testräder in ein Getriebe oder in
einen Prüfstand
eingebaut, um die Geräusche
bei verschiedenen Drehzahlen zu erfassen. Anschließend erfolgen
die Messungen der Zahnradflanken auf Koordinaten- oder Verzahnungsmessgeräten.
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Es
sind weiterhin Vorrichtungen zum Messen der Zahnflankentopographie
bekannt. Hierzu gehören die
Messverfahren Einflankenwälzprüfung [6]
und Zweiflankenwälzprüfung [7].
Mit beiden Verfahren ist es möglich,
die Summe aller Einzelfehler am Zahnrad, wie Profil-, Flankenlinien-,
Teilungs- und Flankenformfehler, zu ermitteln.
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Es
ist weiterhin bekannt, dass die bestehenden Auswerteverfahren keinen
Bezug auf die Verzahnungskinematik nehmen. Dieser ist aber unverzichtbar,
um einen direkten Zusammenhang zwischen der welligen Oberflächenstruktur
eines Zahnrades und dem Aufschwingen des Getriebezuges und somit
der Geräuschbildung
herzuleiten.
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Es
ist weiterhin bekannt, dass bisher keine wellenförmigen Evolventennormale existieren,
die Bezug auf die Verzahnungskinematik nehmen und mit denen die
Mess- und Auswerteverfahren rückführbar geprüft oder
quantifiziert werden können.
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Weiterhin
ist bekannt, dass die Reproduzierbarkeit der Geräuschuntersuchungen nicht sichergestellt ist,
da jedes der Testräder
eine zufällige
Oberflächenstruktur
aufweist. Die Lebensdauer der Testräder ist jedoch beschränkt, da
die Untersuchungen oftmals unter Last durchgeführt werden und sich dadurch
die Oberflächenstruktur
der Testräder
durch Verschleiß ändert.
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Der
Erfindung lag daher die Aufgabe zugrunde, einen Prüfkörper mit
evolventischer Grundform zu entwickeln, mit dem sich wellenförmige Abweichungen
auf Verzahnungsmessgeräten
oder Koordinatenmessgeräten
mit entsprechender Verzahnungssoftware rückführbar prüfen lassen und zugleich Einflüsse, wie
beispielsweise die Verwendung unterschiedlicher Taststifte oder
unterschiedlicher Messgeschwindigkeiten, auf die Verzahnungsmessung
quantitativ bestimmt werden.
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Weiterhin
soll die Fertigung des Prüfkörpers auch
dazu dienen, die Fertigungsfähigkeit
von Fertigungsverfahren zu quantifizieren, indem der Prüfkörper nach
der Fertigung gemessen wird.
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Weiterhin
soll der Prüfkörper in
einen Antriebsprozess, z. B. in einem Getriebe oder in einem Prüfstand,
integriert werden können,
um so Rückschlüsse auf
die Laufeigenschaften oder Geräusche
zu ermöglichen.
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Zur
Lösung
dieser Aufgabe ist erfindungsgemäß ein evolventischer
Prüfkörper mit überlagerten
periodischen Strukturen der eingangs erwähnten Art dadurch gekennzeichnet,
dass die periodischen Strukturen entlang der Eingriffslinie der
Evolventenfläche
verzerrungsfrei abgebildet und ebenso entlang der Eingriffslinie definiert
sind.
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Erfindungsgemäß ist der
Prüfkörper ein
Evolventenzahnrad oder zumindest eine Flanke eines Evolventenzahnrades,
auf dessen Flankenfläche
bzw. Flankenflächen
eine wellenförmige
Struktur überlagert
ist. In 1 ist der Stirnschnitt eines
außenverzahnten
evolventischen Prüfkörpers in
Form eines Zahnrades mit überlagerten
Wellen dargestellt. Die Zähne,
wie beispielsweise der erste Zahn 1 und der zweite Zahn 2,
werden in mathematisch negativer Richtung gezählt. Der Grundkreis 3 ist
die Bezugsgröße der fehlerfreien
Evolvente 4. Der Zahnfuß 5 liegt am Grundkreis 3,
der Zahnkopf 6 am Außenkreis
der Verzahnung. Bei den Flanken unterscheidet man zwischen linker
Flanke 7 und rechter Flanke 8. Die wellenförmige Struktur 9 ist überhöht dargestellt.
In 1 ist zu erkennen, dass sich die Wellenstruktur 9 vom
Zahnfuß 5 zum
Zahnkopf 6 linear dehnt.
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In 2 sind
die Eingriffsverhältnisse
zweier gegeneinander laufender Zahnräder dargestellt. Das treibende
Zahnrad 10 bewegt das getriebene Zahnrad 11. Dabei
berühren
sich die beiden evolventischen Flanken 12 und 13 für die ausgewählte Drehstellung
in ihrem gemeinsamen Berührpunkt 14.
Während
einer Drehung liegen alle Berührpunkte
auf der Eingriffslinie 15. Unter Berücksichtigung der Verzahnungskinematik
wandert der Berührpunkt
auf der Eingriffsstrecke linear zur Drehbewegung der beiden Zahnräder. Die
Eingriffslinie eignet sich daher in besonderer Weise zur Darstellung
der Wellen, da oszillierende Verschiebungen der Berührpunkte
unmittelbar zu oszillierenden Drehbewegungen des getriebenen Rades
führen.
Darüber
hinaus lassen sich die Wellen verzerrungsfrei über der Eingriffslinie darstellen.
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3 beschreibt
beispielhaft eine Wellenstruktur 16 über der Eingriffslinie 17.
Die Amplituden der Welle entsprechen dabei Abweichungen 18 auf
den Flanken. Die harmonischen Wellen beziehen sich auf eine Bezugslänge 19.
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Mathematische Modellierung:
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Die
Flanken des Prüfkörpers lassen
sich nach Gleichung 1 in kartesischen Koordinaten darstellen:
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Hierin
sind:
- hand:
- Charakterisierung
für die
Steigungsrichtung des Zahnrades
–1 für linkssteigend; 0 für geradverzahnt;
1 für rechtssteigend
- flank:
- Charakterisierung
der Flanke
–1
für linke
Flanke; 1 für
rechte Flanke
- φb:
- Positionswinkel der
Evolvente am Grundkreis
- c:
- Helixkonstante
- z:
- Z-Koordinate
- invαf:
- Evolventenfunktion überlagert
mit Wellen
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Die
Positionswinkel der Evolventen werden wie folgt dargestellt:
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Hierin
sind:
- type:
- Charakterisierung
der Verzahnung
–1
für Innenverzahnung;
1 für Außenverzahnung
- i:
- Zahnnummer
- p:
- Zahndicke
- r0:
- Teilkreisradius
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Die
Lagedifferenz zwischen den einzelnen Zähnen Δφb wird
nach Gleichung 3 berechnet. Δφb = 2π / n
Gleichung
3
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Hierin
ist n die Zähnezahl
des Zahnrades. Die Helixkonstante c wird nach Gleichung 4 durch
den Grundkreiswinkel βb und den Grundkreisradius rb beschrieben.
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Der
Grundkreiswinkel ergibt sich aus dem Eingriffswinkel α0 am
Teilkreis und dem Schrägungswinkel β0 am
Teilkreis nach Gleichung 5.
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Der
Teilkreisradius wird anhand Gleichung 6 berechnet. Hierin ist mn der Normalmodul.
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Das
wellenförmige
Profil wird durch die Evolventenfunktion dargestellt. invαf = tan(α) – αf
Gleichung 7
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Hierin
sind α der
Eingriffswinkel der glatten Evolvente und αf der
Eingriffswinkel der wellenförmigen Evolvente.
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Der
Eingriffswinkel ergibt sich allgemein nach Gleichung 8 aus dem Verhältnis des
Grundkreisradius rb zu dem Messkreisradius
r.
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Unter
Beachtung der Wälzkinematik
lässt sich
der Messkreisradius durch den Wälzwinkel
ly nach Gleichung 9 darstellen.
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Für die wellenförmig überlagerten
Evolventen ergeben sich die Gleichungen 10 und 11.
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Die
Wellen werden in Form einer Summe von harmonischen Schwingungen
beschrieben, die dem Wälzweg überlagert
wird. Der modifizierte Wälzweg
lässt sich
nach Gleichung 12 darstellen.
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Hierin
sind:
- αi:
- Amplituden der Harmonischen
- λi:
- Wellenlängen der
Harmonischen
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Die
bevorzugte Ausführungsform
sind drahterodierte Zähne
eines außenverzahnten
Zahnrades. Die Flankenflächen
sind dabei mit drei Wellen überlagert.
Für das
maßgebende
Zahnrad gelten die folgenden Parameter:
| Zähnezahl
n: | 8 |
| Normalmodul
mit in mm | 19 |
| Eingriffswinkel α0 in ° | 38 |
| Steigungswinkel β0 in ° | 0 |
| Wälzlänge Fußkreis in
mm | 35 |
| Wälzlänge Kopfkreis
in mm | 65 |
| Lfd.
Nr. der Harmonischen | Wellenlänge in mm | Frequenz
in Wellen/100 mm | Amplitude
in μm |
| 1 | 25 | 4,0 | 10 |
| 2 | 8 | 12,5 | 7 |
| 3 | 2,5 | 40,0 | 5 |
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Die
Vorteile des erfindungsgemäßen Prüfkörpers liegen
in der Anordnung seiner Wellen. Sie sind aus der Verzahnungskinematik
abgeleitet. So erzeugt ein Prüfkörper, der
mit konstanter Winkelgeschwindigkeit angetrieben wird, an einem
fehlerfreien Gegenrad Winkelschwingungen, die linear den Wellen
des Prüfkörpers zugeordnet
werden können.
Hierdurch können
erstmals direkt und quantitativ Rückschlüsse von welligen Strukturen
einer Flankenoberfläche
auf das Übertragungsverhalten
des Gegenrades gezogen werden.
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Ein
weiterer Vorteil des Prüfkörpers besteht
in der Möglichkeit,
ihn im so genannten Wälzverfahren hochgenau
kalibrieren zu können.
Das Wellenprofil wird hierbei in einer Eingriffsebene gemessen.
Mit diesem kalibrierten Prüfkörper können Messprozesse
analysiert und Messgerätefähigkeiten
nachgewiesen werden. Dies ist gerade bei der Verzahnungsmesstechnik
von großer
Bedeutung, da die Messpunkte je nach verwendeter Messstrategie auf
der Flanke unterschiedlich verteilt aufgenommen werden und dies
zu unterschiedlichen Messergebnissen führen kann.
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Ein
weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Prüfkörpers besteht in der Möglichkeit,
ihn unter verschiedenen Messbedingungen zu messen, um so Messgeräte und Messverfahren
zu beurteilen. Hierzu kann der Prüfkörper beispielsweise mit unterschiedlichen
Taststiften, unterschiedlicher Messpunktedichte oder mit unterschiedlicher
Messgeschwindigkeit gemessen werden.
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Ein
weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Prüfkörpers besteht in der Möglichkeit,
mit ihm unterschiedliche Messgeräte,
wie Koordinatenmessgeräte,
Verzahnungsmessgeräte
oder Computertomographen, zu vergleichen, indem ein kalibrierter
Prüfkörper mit
diesen Messgeräten
gemessen wird und die Ergebnisse mit den kalibrierten Werten verglichen
werden.
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Ein
weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Prüfkörpers besteht in der Möglichkeit,
ihn zu messen und Auswertealgorithmen dahingehend zu prüfen, ob
und in welcher Qualität
sie die aufgebrachten Wellen herausfiltern können.
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Darüber hinaus
kann die Fertigung des Prüfkörpers verwendet
werden, um Werkzeugmaschinen und Fertigungsverfahren zu quantifizieren.
In Zahnfußnähe werden
kurzwellige Strukturen gefertigt, die in Richtung des Zahnkopfes
kontinuierlich langwelliger werden. Die nachgeschaltete Messung
der gefertigten Prüfkörper ermöglicht direkte
Rückschlüsse auf
die Qualität
bzw. Quantität
des Fertigungsverfahrens.
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Ein
weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Prüfkörpers besteht schließlich in
der Möglichkeit,
ihn als Zahnrad oder Schnecke zu fertigen und ihn in ein Getriebe
oder einen Prüfstand
einzubauen, um so den Rückschluss
auf Laufeigenschaften oder Geräusche
zu erhalten.
- [1] Norm DIN 3960; Begriffe und
Bestimmungsgrößen für Stirnräder (Zylinderräder) und
Stirnradpaare (Zylinderradpaare) mit Evolventenverzahnung, 1987
- [2] Richtlinie VDI/VDE 2612; Profil- und Flankenlinienprüfung an
Zylinderrädern
mit Evolventenprofil; 2000
- [3] Richtlinie VDI/VDE 2607; Rechnergestützte Auswertung von Profil-
und Flankenlinienmessungen an Zylinderrädern mit Evolventenprofil;
2000
- [4] Richtlinie VDI/VDE 2631; Blatt 2, Formprüfung – Bestimmung der Empfindlichkeit
der Signalübertragungskette
- [5] Richtlinie VDI/VDE 2629; Blatt 1, Genauigkeit von Konturenmessgeräten – Kenngrößen und
deren Prüfung – Annahmeprüfung und
Bestätigungsprüfung für Konturenmessgeräte nach
dem taktilen Tastschnittverfahren
- [6] Patentschrift DE
195 19 429 C1 ; Vorrichtung zum Messen der Zahnflankentopographie
von Getriebeverzahnungen, Veröffentlichungstag
02.10.1996
- [7] Master Gear for Detecting Error of Tooth Trace Direction,
Japanese Patent Office, Publication number JP 63177034 A , Date of publication
of application 21.07.1988