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Die
Erfindung betrifft ein Verfahren zum Betreiben einer Brennkraftmaschine,
insbesondere einer Mehrzylinderbrennkraftmaschine, mit einer Motorbremseinrichtung,
mit pro Zylinder zumindest einem, vorzugsweise zusätzlich zu
Ein- und Auslassventilen vorgesehenem Bremsventil, welches in einen
gemeinsamen Druckbehälter
(Brems-Rail) mündet,
wobei das Bremsventil im Motorbremsbetrieb vor, zu Beginn und/oder
während
der Kompressionsphase des Zylinders zumindest einmal geöffnet ist, sowie
eine Brennkraftmaschine zur Durchführung des Verfahrens.
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In
Fahrzeugmotoren, insbesondere Nutzfahrzeugmotoren, integrierte Bremssysteme
erlangen zunehmend an Bedeutung, da es sich bei diesen Systemen
um kostengünstige
und platzsparende Zusatzbremssysteme handelt. Die Steigerung der
spezifischen Leistung moderner Nutzfahrzeugmotoren bedingt allerdings
auch die Anhebung der zu erreichenden Bremsleistung.
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Eine
Motorbremse ist beispielsweise aus der
DE 34 28 626 A bekannt. Darin
wird eine Viertaktbrennkraftmaschine beschrieben, welche zwei Zylindergruppen
mit jeweils vier Zylindern umfasst. Jeder Zylinder weist Ladungswechselventile
sowie ein Zusatzauslassventil auf, wobei im Bremsbetrieb die Zusatzauslassventile
während
des gesamten Bremsvorganges geöffnet
sind. Weiters ist im gemeinsamen Auslasskanal der beiden Zylindergruppen
eine auf einer Welle drehfest gelagerte Drosselklappe angeordnet,
deren Stellung über
eine Steuerstange durch eine Betätigungseinrichtung
beeinflussbar ist. Nachteilig bei diesem bekannten System ist die
Abhängigkeit
von der Drehzahl, insbesondere eine relativ niedrige Bremsleistung
im unteren Drehzahlbereich.
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Weiters
zeigt die
DE 25 02 650
A eine ventilgesteuerte Hubkolben-Brennkraftmaschine, bei
welcher während
des Bremsvorganges verdichtete Luft über ein Druckluftventil in
einen Speicherkessel gefördert
und beim Anfahren über
das gleiche Druckluftventil zur Arbeitsleistung zurückgeleitet
wird.
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Aus
der
EP 0 898 059 A ist
in diesem Zusammenhang eine Dekompressionsventil-Motorbremse bekannt,
mit welcher ein Drucklufterzeuger für alle Betriebszustände der
Brennkraftmaschine realisierbar ist. Dabei wird ein Druckluftbehälter eines
Druckluftsystems über
eine Bypassleitung mit komprimiertem Gas aus dem Brennraum der Zylinder
befüllt.
Es können
ein oder mehrere Zylinder zur Belieferung des Druckluftsystems verwendet
werden.
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Aus
der
EP 0 828 061 A ist
eine Motorbremse bekannt, bei welcher ein Gasaustausch zwischen den
einzelnen Zylindern über
das gemeinsame Abgassammelrohr ermöglicht wird. Der Gasaustausch erfolgt über die
Auslassventile der Sechszylinder-Brennkraftmaschine. Nachteilig
bei dieser Motorbremse ist unter Anderem der relativ geringe erzielbare
Bremsdruck.
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Aus
der
AT 4.963 U1 ist
eine Mehrzylinder-Brennkraftmaschine bekannt, welche zusätzlich zu
den Ein- und Auslassventilen pro Zylinder ein Bremsventil aufweist.
Alle Bremsventile der Brennkraftmaschine münden in einen gemeinsamen,
rohrförmigen
Druckbehälter,
so dass bei Betätigung
der Bremsventile ein Gasaustausch zwischen den einzelnen Zylindern
der Brennkraftmaschine möglich
ist. Der rohrförmige
Druckbehälter
weist ein Druckregelventil auf, welches in Abhängigkeit von der Stellung eines
Bremsschalters oder Bremspedals mit Steuersignalen beaufschlagbar
ist.
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Aufgabe
der Erfindung ist es, auf möglichst einfache
Weise ein Regulierung der Bremsleistung durchzuführen. Eine weitere Aufgabe
der Erfindung ist es, die Kaltstarteigenschaften der Brennkraftmaschine
zu verbessern. Ferner ist es Aufgabe der Erfindung, die Abgasqualität zu verbessern.
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Erfindungsgemäß wird dies
dadurch erreicht, dass die Bremsleistung der Motorbremseinrichtung durch
Verändern
der Steuerzeiten des Bremsventils gesteuert wird. Da das Bremsventil
variabel betätigt wird,
kann ein eigenes Druckregelventil zur Steuerung des Druckes im Druckbehälter entfallen.
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Der
vorzugsweise rohrförmige
Druckbehälter weist
somit kein Druckregelventil auf. In den Druckbehälter mündet zumindest ein vom Bremsventil
ausgehender Bremskanal. Zur Steuerung der Bremsleistung ist das
Bremsventil in Abhängigkeit
von der Stellung eines Bremsschalters oder Bremspedals mit Steuersignalen
beaufschlagbar.
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Wichtiger
Bestandteil der Motorbremseinrichtung ist das sogenannte "Brems-Rail", ein vorzugsweise
rohrförmiger
Druckbehälter,
der im Bremsbetrieb einen Gasaustausch, beispielsweise zwischen
den einzelnen Zylindern, ermöglicht.
Die Zusatzbremsleistung der Motorbremse ist beispielsweise über mehrere
Rasterstellungen eines Bremsschalters oder Bremspedals in der Fahrzeugkabine an
die jeweiligen Betriebsparameter anzupassen.
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Der
Druckbehälter
kann direkt in den Zylinderkopf der Brennkraftmaschine integriert
sein oder auch als außen
liegendes Druckrohr, ähnlich
einem Einlass- oder
Auslassbehälter,
ausgeführt
sein.
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Eine
maximale Bremsleistung wird erreicht, wenn das Bremsventil im Bereich
von etwa 180° Kurbelwinkel
vor dem oberen Totpunkt des Kompressionstaktes, also kurz vor dem
Einlassschließzeitpunkt,
geöffnet
und in einem Bereich zwischen 0° und
30° Kurbelwinkel
nach dem oberen Totpunkt des Kompressions taktes geschlossen wird,
und zwar, wenn der Zylinderdruck und der Druck im Druckbehälter etwa
gleich sind.
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Zur
Dosierung der Motorbremsleistung kann der Schließzeitpunkt des Bremsventils,
maximal bis 360° Kurbelwinkel
nach dem oberen Totpunkt des Kompressionstaktes hinausgezögert werden,
wodurch der Gasdruck im Druckbehälter
sinkt. Alternativ oder zusätzlich
dazu kann auch der Öffnungszeitpunkt
des Bremsventils verzögert
werden, wodurch das Aufladen des Gases vom Druckbehälter in
den Zylinder vermindert wird.
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Übersteigt
der Druck im Druckbehälter
einen vorbestimmten zulässigen
Druck wird zumindest ein Bremsventil durch den zu hohen Gasdruck
entgegen der Schließkraft
einer Ventilfeder geöffnet,
wodurch der unzulässig
hohe Rail-Druck in einen Zylinder entweichen kann.
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Während des
Bremsbetriebes beträgt
der maximale Druck im Druckbehälter
etwa 15 bis 30 bar.
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In
weiterer Ausführung
der Erfindung kann vorgesehen sein, dass mittels des Bremsventils
und des Druckspeichers eine interne Abgasrückführung in zumindest einem Betriebsbereich
der Brennkraftmaschine durchgeführt
wird. Für
die interne Abgasrückführung wird
das Bremsventil zweimal innerhalb eines Arbeitszyklus geöffnet. Zum
Beladen des Rails mit Abgas wird das Bremsventil im Bereich des
Auslasstaktes oder früher,
also in einem Bereich zwischen 0° bis
360° Kurbelwinkel
nach dem oberen Totpunkt des Kompressionstaktes geöffnet. Je
früher der Öffnungszeitpunkt
stattfindet, desto mehr Abgas kann in den Druckbehälter geladen
werden. Das Bremsventil wird geschlossen, wenn der Zylinderdruck
unter den Rail-Druck abfällt,
da ansonsten eine Rückströmung des
Gases stattfindet.
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Zur
Rückförderung
des Abgases aus dem Druckbehälter
in den Zylinder wird das Bremsventil im Bereich des Einlassöffnens,
also etwa bei 360° nach
dem oberen Totpunkt des Kompressionstaktes, geöffnet und bei etwa 540° nach dem
oberen Totpunkt des Kompressionstaktes wieder geschlossen. Um die
NOx-Emissionen möglichst gering zu halten, ist
es besonders vorteilhaft, wenn das im Druckbehälter zwischengespeicherte Abgas
zwischen dem Beladen und dem Entladen gekühlt wird.
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Eine
besonders vorteilhafte Ausführungsvariante
sieht vor, dass bei den Zylindern der ersten Gruppe die Bremsventile
im Bereich von 540° Kurbelwinkel
bis 720° Kurbelwinkel,
vorzugsweise im Bereich von 570° Kurbelwinkel
bis 690° Kurbelwinkel nach
dem oberen Totpunkt der Kompression, geöffnet werden, um den Druckbehälter mit
Ladeluft zu beladen, sowie dass bei den Zylindern der zweiten Gruppe
die Bremsventile im Bereich von 480° Kurbelwinkel bis 630° Kurbelwinkel
vorzugsweise im Bereich von 510° Kurbelwinkel
bis 610° Kurbelwinkel nach
dem oberen Totpunkt der Kompressionsphase geöffnet werden, um komprimierte
Ladeluft aus dem Druckbehälter
zuzuführen.
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Bevorzugt
weisen beide Gruppen von Zylindern gleich viele Zylinder auf (z.B.
bei Sechs-, Acht- oder Zwölf-Zylindermotoren),
es ist jedoch auch möglich,
dass sich die Anzahl der Zylinder der ersten Gruppe von der Anzahl
der Zylinder der zweiten Gruppe unterscheidet, so dass beispielsweise
bei einer Fünf-Zylinderbrennkraftmaschine
ein Teilungsverhältnis
von 2:3 oder 3:2 realisiert wird.
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Erfindungsgemäß kann die
Mehrzylinder-Brennkraftmaschine während einer kurzen Warmlaufphase
ausschließlich
von den Zylindern der zweiten Gruppe betrieben werden.
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Gemäß einer
weiteren Ausführungsvariante der
Erfindung ist es auch möglich,
dass die Mehrzylinder-Brennkraftmaschine während einer kurzen Warmlaufphase
ausschließlich
von den Zylindern der zweiten Gruppe betrieben wird.
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Weiters
ist in einer bevorzugten Ausführungsvariante
der Erfindung vorgesehen, dass der Druckbehälter eine Einrichtung zur Kühlung des
Behälterinhaltes
aufweist, welche vorzugsweise in den Kühlmittelkreislauf der Brennkraftmaschine
integriert ist. Dabei ist es von Vorteil, wenn die Kühleinrichtung einen
vom Kühlmittel
durchströmten
Kühlmantel
aufweist, welcher den Druckbehälter
umfasst. Bei einer Querspülung
der Einzelzylinderköpfe
kann der Kühlmantel
pro Zylinder jeweils einen Kühlmittelanschluss
aufweisen, wobei in diesem Fall der Kühlmantel als Kühlmittelsammler
dient.
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In
weiterer Ausführung
der Erfindung kann vorgesehen sein, dass die Kühleinrichtung zumindest ein
axial in den Druckbehälter
eingeschobenes, von Kühlmittel
durchströmtes
Kühlrohr
aufweist, wobei der Außenmantel
des Kühlrohres
an einen das Gas zumindest eines Zylinders einschließenden Gasraum
grenzt und vom Gas umströmt
wird. Durch das von Kühlmittel
durchströmte
Kühlrohr
kann die Kühlleistung
und somit die Bremsleistung der Motorbremseinrichtung erhöht werden.
Eine weitere Steigerung der Kühlleistung
ist dadurch möglich,
dass die Kühleinrichtung
ein axial in den Druckbehälter
eingeschobenes Bündel
von Kühlmittel
durchströmten Kühlrohren
aufweist, wobei die Außenseiten
der Kühlrohre
an den Gasraum des Druckbehälters
grenzen und vom Gas umströmt
werden.
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Weiters
ist in einer erfindungsgemäßen Ausführungsvariante
vorgesehen, dass der Kühlmantel pro
Zylinder einen mit dem jeweiligen Bremskanal verbundenen Bremskanalanschluss
aufweist, wobei weiters im Kühlmantel
eine Druckölleitung
integriert sein kann, welche pro Zylinder einen zum jeweiligen Bremsventil
füh renden
Druckölanschluss
aufweist. Das gekühlte
Brems-Rail ist somit ein kompaktes Bauteil, welches folgende Funktionalität aufweist:
- – Bewerkstelligung
eines Gasaustausches zwischen den einzelnen Zylindern sowie Rückführung der
Abgase über
das Druckregelventil in den Abgaskreislauf;
- – Verwendung
als Abgaskühler.
- – Führung des
Kühlmittels
von den einzelnen Zylinderköpfen
zurück
in den Kühlmittelkreislauf;
- – Führung von
Drucköl,
welches von einer separaten Hydraulikpumpe bereitgestellt wird und
für die
Betätigung
der Bremsventile dient;
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Zur
einfacheren Montage der Einzelelemente ist erfindungsgemäß vorgesehen,
dass der Kühlmittelanschluss,
der Bremskanalanschluss und der Druckölanschluss pro Zylinder jeweils
in einer gemeinsamen Flanschebene angeordnet sind.
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Weiters
kann die Kühleinrichtung
ein thermostatisch gesteuertes Kühlmittelsteuerelement
aufweisen, welches vorzugsweise im Kühlmittelkreislauf der Brennkraftmaschine
angeordnet ist. Damit lassen sich Vorteile für die Warmlaufphase des Motors
erzielen.
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Zur
optimalen Übertragung
der Kühlleistung des
Kühlmittels
auf die im Druckbehälter
geführten Gase
kann dieser nach innen weisende Kühlrippen aufweisen. Die Erfindung
ist nicht nur für
Motoren mit Einzelzylinderköpfen
geeignet, sondern kann auch in einem durchgehenden Zylinderkopf
integriert werden.
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Die
Betätigung
der Bremsventile im Bremsbetrieb kann über einen hydraulischen, elektrischen oder
mechanischen Antrieb bzw. eine Kombination der genannten Antriebe
erfolgen. Das erfindungsgemäße Brems-Rail
dient lediglich zum Aufbau des Bremsdruckes bzw. zum Gasaustausch
zwischen den Zylindern, wobei das Volumen des Brems-Rails klein
gehalten werden kann. Somit kann das neue Motorbremssystem bei wesentlich
höheren
Betriebsdrücken
(z.B. bis zu ca. 30 bar) als bekannte Auspuff-Bremssysteme arbeiten,
bei welchen die Brems- bzw.
Dekompressionsventile während
des Bremsbetriebes konstant geöffnet
sind und direkt in den Abgasstrang geöffnet werden. Zur Reduzierung
der Wärmebelastung
im Bremsbetrieb kann der Druckbehälter bzw. das Brems-Rail in
das Kühlsystem
des Motors integriert werden und zum Beispiel außen vom Kühlwasser des Motors umspült werden.
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Anders
als bei herkömmlichen
Systemen hängt
der Druck im Brems-Rail kaum von der Motordrehzahl ab, wodurch eine
wesentlich höhere
Bremsleistung bei kleinen Motordrehzahlen erreicht werden kann.
Aufgrund des kleinen Volumens des Brems – Rails ist weiters ein schnelleres
Ansprechverhalten als bei herkömmlichen
Systemen zu erwarten, da bei letztgenannten Systemen das gesamte
Abgassystem bis zur Bremsklappe mit komprimierter Luft gefüllt werden
muss, bis die volle Bremsleistung erreicht wird.
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Aufgrund
der hohen Bremsleistung des erfindungsgemäßen Systems kann auf eine herkömmliche
Auspuff-Stauklappe verzichtet werden. Da der Abgasstrang – im Gegensatz
zur bekannten Auspuff-Stauklappenbremse – nicht verschlossen wird, kann
ein Teil der entstehenden Bremswärme
mit dem Gasstrom über
das Auspuffsystem abgeführt
werden, wodurch sich die Wärmebelastung
der Bauteile im Zylinder verringert. Soll allerdings die Bremsleistung
der erfindungsgemäßen Motorbremse
weiter erhöht
werden, kann im Abgassysteme eine herkömmliche Abgas-Stauklappe vorgesehen
sein. In diesem Fall muss allerdings die dann erhöhte Wärmebelastung
im Zylinder beachtet werden. Eine weitere Leistungssteigerung kann
mit einem Abgasturbolader mit variabler Turbinengeometrie (VTG)
erzielt werden.
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In
weiterer Ausführung
der Erfindung ist vorgesehen, dass in der Startphase der Brennkraftmaschine
eine erste Gruppe von Zylindern von der Kraftstoffzufuhr abgeschaltet
wird, so dass die Zylinder der ersten Gruppe als Kompressor betrieben
werden und der Druckbehälter über deren
Bremsventile mit komprimierter Ladeluft beladen wird, das den Zylindern
einer zweiten, mit Kraftstoff versorgten Gruppe von Zylindern über deren
Bremsventile komprimierte Ladeluft aus dem Druckbehälter zugeführt wird,
so dass der Verdichtungsdruck und die Verdichtungstemperatur in
den Zylindern der zweiten Gruppe während der Startphase angehoben
werden.
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Bereits
vorhandene Elemente, wie Brems-Rail und Bremsventile können, unter
Anpassung der Motorsteuerung (Steuerzeiten der Bremsventile, Abschaltung
der Brennstoffzufuhr zu den einzelnen Zylindern) verwendet werden,
um das Kaltstartverhalten der Brennkraftmaschine entscheidend zu
verbessern und den Kraftstoffverbrauch zu minimieren. Weiters wird
das Weißrauchverhalten
in der Startphase verbessert, da weniger unverbrannte Kraftstoffe
in das Abgas gelangen. Die Brennkraftmaschine kann in vorteilhafter
Weise mit einem geringeren Verdichtungsverhältnis betrieben werden (auch bisher
war zur Verbesserung des Kaltstarts das Verdichtungsverhältnis hoch),
wodurch der Spitzendruck bei Volllast abgesenkt werden kann.
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Die
Erfindung wird im Folgenden anhand der Figuren näher erläutert. Es zeigen:
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1 eine
schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Brennkraftmaschine mit
einer Motorbremseinrichtung;
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2 ein
Brems-Rail im Längsschnitt
in einer Ausführungsvariante;
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3 ein
Brems-Rail in einer zweiten Ausführungsvariante;
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4 den
Zylinderdruck über
dem Kurbelwinkel aufgetragen;
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5 den
Massenstrom durch die Gaswechselventile über dem Kurbelwinkel aufgetragen;
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6 den
Ventilhub der Gaswechselventile während des Motorbremsbetriebes über dem
Kurbelwinkel aufgetragen;
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7 den
Ventilhub der Gaswechselventile bei Motorbetrieb mit Abgasrückführung über dem Kurbelwinkel
aufgetragen;
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8 den
Ventilhub der Gaswechselventile während eines Startvorganges über dem
Kurbelwinkel aufgetragen; und
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9 den
Ventilhub der Bremsventile während
eines Startvorganges für
eine Sechszylinder-Brennkraftmaschine.
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In 1 wird
die Erfindung beispielsweise anhand eines Sechszylinder-Turboladermotors
näher erläutert, wobei
darauf hingewiesen wird, dass die Funktion der erfindungsgemäßen Motorbremseinrichtung
sowohl von Zylinderzahl, als auch vom Ladesystem unabhängig ist
und beispielsweise auch bei einem Saugmotor zur Anwendung kommen
kann.
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Die
sechs Zylinder C1, C2, C3, C4, C5, C6 der Brennkraftmaschine 1 stehen über nicht
weiter dargestellte Einlasskanäle
mit einem Einlasssammler 2 in Verbindung, welcher ausgehend
vom Luftfilter 3 über
den Kompressorteil C des Turboladers 4 und über den
Ladeluftkühler 5 mit
Ladeluft versorgt wird. Die Abgasventile der Brennkraftmaschine 1 münden in
das Abgassystem 6, wobei die Abgase in herkömmlicher
Weise über
den Turbinenteil T des Turboladers 4 geführt werden
und über
einen Schalldämpfer 7 austreten.
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Die
Motorbremseinrichtung 8 weist einen rohrförmigen Druckbehälter 9 (Brems-Rail) auf, in welchen
von den Bremsventilen 10 ausgehende Bremskanäle 11 führen, so
dass ein Gasaustausch zwischen den einzelnen Zylindern C1, C2, C3,
C4, C5, C6 auf relativ hohem Druckniveau möglich ist.
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Um
die Bremsleistung zu erhöhen,
kann zusätzlich
auch eine Abgasstauklappe 15 im Abgasstrang vorgesehen
sein, welche in 1 strichliert dargestellt ist.
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Eine
weitere Leistungssteigerung lasst sich erreichen, wenn statt einer
Stauklappe ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie verwendet
wird.
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Der
Druckbehälter 9 weist
eine vorteilhafter Weise in den Kühlmittelkreislauf 16, 16' der Brennkraftmaschine
integrierte Kühleinrichtung 17 zur
Kühlung
der zwischen den einzelnen Zylindern C1, C2, C3, C4, C5, C6 ausgetauschten
Gasmengen auf. Wie mit Pfeil 16 angedeutet, gelangt das
Kühlmittel über einen
Kühlmittelanschluss 19 an
einem Ende des Druckbehälters 9 in
die Kühleinrichtung 17 und wird über einen
weiteren Anschluss 19' an
der Kühleinrichtung 17 am
anderen Ende des Druckbehälters 9 wieder
in den Kühlmittelkreislauf
zurückgeführt (siehe
Pfeil 16').
Alternativ zu einem einzigen Kühlmittelanschluss 19 kann
pro Zylinder ein Kühlmittelanschluss 19a zur
Zufuhr des Kühlmittels
vorgesehen sein. Die Motorbremseinrichtung kann im Motorbetrieb
auch als Abgasrückführsystem
verwendet werden. Die Kühleinrichtung 17 dient
dabei als Kühler
für das
rückgeführte Abgas.
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Der
in 1 nur rein schematisch angedeutete Druckbehälter 9 mit
der Kühleinrichtung 17 ist
in 2 und 3 im Detail dargestellt. Die
Kühleinrichtung 17 weist
ein von der Stirnseite axial in den rohrförmigen Druckbehälter 9 eingeschobenes
Kühlrohr 170 auf.
Der Außendurchmesser
D des Kühlrohres 170 ist
wesentlich kleiner als der Innendurchmesser D des Druckbehälters 9,
so dass zwischen dem Kühlrohr 170 und
dem Druckbehälter 9 ein
ringförmiger
Druckraum 90 ausgebildet ist. Das Kühlrohr 170 wird zwischen
den Kühlmittelanschlüssen 19, 19' vom Kühlmittel
durchflossen und vom Brems- bzw. Abgas im Druckraum 90 umströmt. Der
Druckraum 90 ist über
Kanalanschlüsse 20 mit
den von den Zylindern C1, C2, C3, C4, C5, C6 ausgehenden Kanälen 11 verbunden.
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Zur
Erhöhung
des Wärmeüberganges
zwischen dem Druckraum 90 und dem Kühlraum weist das Kühlrohr 170 an
seinem Außenmantel 171 schraubenartig
gewundene Kühlrippen 172 auf,
welche die vom heißen
Gas benetzte Oberfläche
erhöhen
und darüber
hinaus die Turbulenz steigern. Alternativ dazu oder zusätzlich können auch
auf der Kühlmittelseite
innerhalb des Kühlrohres 170 Kühlrippen angeordnet
sein.
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Im
Bereich beider Enden 173, 174 ist das Kühlrohr 170 über Flansche 175, 176 im
Druckbehälter 9 längs verschieblich
gelagert, so dass Wärmedehnungen
ausgeglichen werden können.
Das Kühlrohr 170 ist
dabei kühlmittelseitig
durch O-Ringdichtungen 177 abgedichtet.
Gasseitig schützen
Kolbenringe 178 die O-Ringdichtungen 177 vor
direkter Beaufschlagung mit dem heißen Brems- bzw.
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Abgas.
Im Bereich der halben Länge
des Kühlrohres 170 ist
dieses mit einer durch eine Schraube gebildeten Fixiereinrichtung 179 mit
dem Druckbehälter 9 verbunden
und damit gegen Schwingungen gesichert. Wärmedehnungen des Kühlrohres 170 werden
auf beide Seiten aufgeteilt.
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Anstelle
eines einzigen Kühlrohres 170 kann auch
ein ganzes Paket von Kühlrohren 170 in
dem Druckbehälter 9 eingeschoben
sein. Dabei werden mehrere Kühlrohre 170 mit
den Endflanschen 175, 176 verbunden und dieses
gesamte Rohrpaket in den Druckbehälter 9 eingeschoben
(3).
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Weiters
kann die Kühleinrichtung 17 einen äußeren Kühlmantel 18 aufweisen,
welcher im Bereich der Enden 173, 174 mit dem
Kühlrohr 170 verbunden
ist.
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Zur
Vergrößerung des
gasseitigen Wärmeübergangs
kann auch der Kühlmantel 18 Kühlrippen aufweisen.
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Das
Kühlmittel
gelangt – wie
durch die Pfeile 16, 16' angedeutet – über den Kühlmittelanschluss 19 in
die Kühleinrichtung 17,
durchströmt
das Kühlrohr 170 und
den äußeren Kühlmantel 18 und
verlässt
die Kühleinrichtung 17 über den
Kühlmittelanschluss 19'. Alternativ
dazu kann pro Zylinder ein Kühlmittelübertritt 19a in
den äußeren Kühlmantel 18 vorgesehen
sein, über
welchen das Kühlmittel
in den Kühlmantel 18 gelangt.
Das eingeschobene Kühlrohr 170 wird
nur an den Enden 173, 174 in den Kühlkreislauf
eingebunden.
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Weiters
kann die Kühleinrichtung 17 ein
thermostatisch gesteuertes Kühlmittelsteuerelemente 26 aufweisen
(1), welches bevorzugt im Kühlmittelkreislauf der Brennkraftmaschine
angeordnet ist. Es ist jedoch auch möglich, einen separaten Kühlmittelkreislauf
für das
Brems-Rail 9 (z.B. als Bypass zum Kühlmittelkreislauf) vorzusehen
und dort ein Kühlmittelsteuerelement
anzuordnen.
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4 zeigt
für einen
Arbeitszyklus den Druck PZ im Zylinder und
den Druck PB im Brems-Rail 9.
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5 zeigt
den Massenfluss durch die Gaswechselventile, wobei der Massenfluss
durch das Bremsventil 10 mit mB,
der Massenfluss durch das Auslassventil mit mA und
der Massenfluss durch das Einlassventil mit mE bezeichnet
ist. Der Massenfluss durch das Bremsventil 10 ist während einer
Motorbremsphase dargestellt. Die Massendurchflüsse sind jeweils auf den Zylinder
bezogen, Massenflüsse
in den Zylinder sind somit mit positivem, Massenflüsse aus
dem Zylinder mit negativem Vorzeichen behaftet.
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Wie
in 6 gezeigt ist, werden die Ventile 10 im
Bremsbetrieb pro Arbeitszyklus des Motors jeweils einmal betätigt, wobei
die größte Motorbremswirkung
zu er zielen ist, wenn das Bremsventil 10 bei etwa 540° Kurbelwinkel
KW, also etwa 360° Kurbelwinkel
vor dem oberen Totpunkt der Kompressionsphase geöffnet wird und in einem Bereich
zwischen 0° und
30° nach
dem oberen Totpunkt der Kompressionsphase geschlossen wird, wenn
der Zylinderdruck und der Druck im Brems-Rail 9 in etwa
gleich ist. Die Öffnung
des Bremsventils 10 kann in zwei Phasen B1,
B2 unterteilt werden. Während der Phase B1,
der Aufladephase, strömt
verdichtete Luft aus dem Brems-Rail 9 in den Brennraum
ein. Dadurch steigt der Zylinderdruck zu Beginn der Kompressionsphase
des Hochdrucktaktes auf das Druckniveau des Brems-Rails 9.
Dies erhöht
die aufzubringende Kompressionsarbeit und somit die Bremsleistung
des Motors. Während
der Phase B2, der Dekompression des Zylinders,
tritt hochverdichtete Luft aus einem der Zylinder C1, C2, C3, C4,
C5 oder C6 in das Brems-Rail 9 aus. Dadurch wird einerseits
das Brems-Rail 9 mit Druckluft gefüllt (bis ca. 30 bar Bremsdruck),
andererseits die Expansionsarbeit des Zylinders verringert, wodurch
die Bremsleistung entsteht.
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Die
Motorbremse kann gesteuert werden, indem der Öffnungszeitpunkt O1 verspätet, als
später als
540° Kurbelwinkel
KW, erfolgt, oder indem der Schließzeitpunkt O2 hinausgezögert wird,
wodurch der Gasdruck im Rail gesenkt wird. Das Hinauszögern des
Schließzeitpunktes
O2 kann theoretisch bis etwa 360° Kurbelwinkel
KW nach dem oberen Totpunkt der Kompression erfolgen. Die Veränderung der
Steuerzeit des Bremsventils 10 kann beispielsweise in einfacher
Weise mittels eines Bremsschalters 14 in der Fahrzeugkabine
erfolgen, wodurch geeignete Steuerimpulse an die Bremsventile geleitet werden.
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Da
die Motorbremsleistung direkt über
die Steuerzeit des Bremsventils 10 gesteuert wird, können weitere
Steuerungsmittel, wie beispielsweise ein eigenes Druckregelventil
am Druckbehälter 9,
entfallen. Übersteigt
der Druck im Brems-Rail 9 den
zulässigen
Druck, werden die Bremsventile 10 durch den zu hohen Gasdruck
entgegen einer Feder mit definierter Schließkraft geöffnet, und der unzulässig hohe
Raildruck entweicht in den Zylinder. Dadurch können Beschädigungen am Motor verhindert
werden.
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Die
Hubkurve der Auslassventile ist mit hA, die
Hubkurve der Einlassventile mit hE bezeichnet. Die
Hubkurve des Bremsventils 10 ist mit hB dargestellt.
In 6 ist die Hubkurve hB des
Bremsventils 10 für
maximale Bremsleistung in durchgezogenen Linien eingezeichnet. Hubkurven
hB für
reduzierte Bremsleistung sind strichliert eingezeichnet.
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7 zeigt
die Hubkurven hA, hE und
hB für Auslassventil,
Einlassventil und Bremsventil 10 während des normalen Motorbetriebes
bei interner Abgasrückführung über das
Bremsventil 10. Das Bremsventil 10 öffnet im
Bereich des Auslassventils, oder früher. Je früher das Öffnen des Bremsventils 10 erfolgt,
desto mehr Abgas kann rückgeführt werden und
desto höher
ist die NOx-Reduktion. Der Öffnungsbereich
des Bremsventils 10 für
das Beladen des Brems-Rails 9 mit Abgas beträgt theoretisch
zwischen 0° bis
360° Kurbelwinkel
KW. Das Öffnen
des Bremsventils 10 kann in die Beladephase B3 und
die Entladephase B4 unterteilt werden.
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Das
Entladen des Brems-Rails 9 in der Phase B4 erfolgt
im Bereich des Öffnungshubes
des Einlassventils. Das Bremsventil 10 öffnet dabei im Bereich des
Einlassöffnens,
also etwa bei 360° Kurbelwinkel
nach dem oberen Totpunkt der Kompression. Das Schließen des
Bremsventils 10 in der Entladephase B4 erfolgt
im Bereich des Einlass-Schließzeitpunktes,
also etwa bei 540° Kurbelwinkel
KW.
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Zwischen
dem Beladen und dem Entladen wird das Abgas innerhalb des Brems-Rails 9,
sowie in den Kanälen
zum Brems-Rail 9 gekühlt.
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Aus
diesem Abgasrückführ-Betrieb
kann eine Strategie zu Regeneration von Abgasnachbehandlungssystemen
abgeleitet werden:
Extremes Frühstellen des ersten Öffnens des
Bremsventils, (z.B. vor 90° Kurbelwinkel
KW) verschlechtert deutlich den Hochdruckwirkungsgrad. Mehr Kraftstoff muss
eingespritzt werden, wodurch die Abgastemperatur weiter steigt.
Zusätzlich
sinkt der λ-Wert
wegen der Abgasrückführung, wodurch
die Abgastemperatur weiter steigt. Diese Variante ist in 7 mit
der strichlierten Linie B5 angedeutet.
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8 zeigt
die Hubkurven hA, hE und
hB der Auslass-, Einlass- und Bremsventile
während
eines Kaltstarts. Zur Verbesserung der Kaltstarteigenschaften gibt
die Steuerelektronik ECU geänderte
Steuerzeiten für
die Bremsventile 10 vor. Dabei werden zwei verschiedene
Ventilsteuerzeiten vorgegeben:
Einige Zylinder (im dargestellten
Beispiel die Zylinder C1, C2, C3 der Zylinderbank G1) werden dazu
verwendet, das Brems-Rail 9 mit komprimierter Luft zu laden.
In der Start- und Kaltlaufphase wird in diesen Zylindern C1, C2,
C3 kein Kraftstoff eingespritzt, der Verdichtungsdruck und daher
auch die Verdichtungstemperatur in diesen Zylindern ist gering.
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Die
restlichen Zylinder (im dargestellten Beispiel die Zylinder C4,
C5, C6 der Zylinderbank G2) entnehmen komprimierte Luft aus dem
Brems-Rail 9 kurz nach Schluss der herkömmlichen Einlassventile (z.B.
bei 540° Kurbelwinkel
KW), der Zylinder C1 fördert
somit komprimierte Luft über
das Brems-Rail 9 zum Zylinder C5 etc. (siehe 9).
Dadurch steigt der Verdichtungsenddruck und die Verdichtungsendtemperatur
dieser Zylinder deutlich an und der eingespritzte Kraftstoff kann
zuverlässig
gezündet
werden. Somit beschleunigt der Motor von der Startdrehzahl zur Leerlaufdrehzahl
nur mit Hilfe der gefeuerten Zylinder C4, C5, C6 und kann auch in
einer kurzen Warmlaufphase ausschließlich mit den Zylindern C4, C5,
C6 betrieben werden. Danach wird die Starthilfe durch Änderung
der Ventilsteuerzeiten in der Steuerelektronik ECU deaktiviert und
alle Zylinder C1, C2, C3, C4, C5, C6 schalten auf gefeuerten Betrieb
um.