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Die
Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren gemäß dem Oberbegriff
des Anspruchs 1.
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Insbesondere
bezieht sich die Erfindung auf die lückenlose Erkennung eines Fehlers
(Beschädigung)
an einer schnell vorbeilaufenden Kante. Diese kann beispielsweise
an einer industriell gefertigten Kante im produktionsmäßigen Durchlauf
bzw. Rotation eines platten- bzw. scheibenförmigen Prüfteils stattfinden. Die Qualitätskontrolle
eines Kantenprofils spielt heutzutage eine immer größere Rolle
bei der industriellen Herstellung von Kantenprofilen, welche durch
Umformung, Zuschnitt oder Anbringen einer Oberflächenbeschichtung, beispielsweise
bei furnierten bzw. beschichteten Spanplatten in der Möbelherstellung,
gefertigt werden. Dabei können
Fehlstellen, Kantenausbrüche,
geometrische Unregelmäßigkeiten
und Aufrauungen durch einen kontinuierlich anwachsenden Verschleiß der Bearbeitungswerkzeuge entstehen.
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Zur
Bestimmung der Position einer Kante und damit ihrer Qualitätsprüfung sind
verschiedene Prüfanordnungen
bekannt. Bei den berührungslosen Verfahren
haben sich die optischen Prüfverfahren durchgesetzt.
Dabei unterscheidet man im Wesentlichen zwei verschiedene Anordnungen:
Durchlichtverfahren und Lichtschnitt- bzw. Triangulationsverfahren.
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Beim
Durchlichtverfahren (
DE
19960653 A1 ,
DE
19758214 A1 ) wird das zu prüfende Objekt senkrecht zum
Kantenverlauf mit einer lichtschrankenartigen Lichtquellen-Sensor-Anordnung beleuchtet
und aus dem Beugungsbild sehr präzise
die Position der Kante bestimmt. Dieses Verfahren ist zur Erkennung von
kleinen Ausbrüchen
direkt an der Kante ungeeignet, da es sich bei den Prüfobjekten
nicht um dünne Folien,
sondern um Objekte mit einer nicht zu vernachlässigenden Dicke im Zentimeterbereich
handelt. Dadurch ist unterhalb des eigentlichen Kantenausbruchs
noch genügend
Material vorhanden, so dass das Objekt mit und ohne beschädigter Kante
im Durchlichtverfahren eine unveränderte Kantenposition aufweist.
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Höhenmessverfahren
werden mit Triangulations-Sensoren bzw. Laser-Abstandssensoren (
DE 4315264 A1 ,
EP 1160537 A2 )
angewandt, bei denen der Abstand eines Objekts mit einem senkrecht über der
Oberfläche
des Objekts angeordneten positionsempfindlichen Sensor und einem
in einem Winkel auf die Objektoberfläche projizierten Laserspot
gemessen wird. Bei unterschiedlicher Höhenlage kommt es zu einer lateralen
Verschiebung des Laserpunkts auf dem Sensor. Je flacher der Einfallswinkel
des Laserspots, desto größer ist
die bei einer Höhenänderung zu
beobachtende Verschiebung des Punktes. Objekte können in dieser Anordnung Punktweise
vermessen werden. Zur Fehlerdetektierung an einer Kante muss allerdings
der Laserspot exakt auf die Position der Kante ausgerichtet sein.
Dies ist unter industriellen Bedingungen kaum möglich, da bereits eine leichte
laterale Verschiebung der Kantenlage gegenüber der Position des Laserspots
durch Vibrationen oder Seitwärtsbewegungen
aufgrund eines unpräzisen Seitenanschlags
zu einer Dejustage und damit automatisch zu Fehlfunktionen führt.
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Stand
der Technik ist es seit einigen Jahrzehnten, Höhenprofile nach dem Lichtschnittverfahren
zu vermessen. Eine frühe
Anwendung dieses Verfahrens ist beispielsweise das Lichtschnittmikroskop
von Carl Zeiss (
DE 915156
B ). In der 3D-Messtechnik werden heutzutage vorzugsweise
Laser in Verbindung mit modernster Kameratechnik eingesetzt. Das
Laserlichtschnittverfahren ist ein Verfahren zur Profilmessung in
einer Schnittebene. Nach dem Triangulationsprinzip registriert eine
senkrecht über
einem Objekt angeordnete Flächenkamera
den lateralen Versatz bzw. die Verformung einer in einem Winkel
auf die Objektoberfläche
projizierten Laserlinie. Laserlinie und Kamera können dabei in ihrer Anordnung
auch vertauscht werden. Das gesuchte Höhenprofil wird aus der Abweichung
der Laserlinie von der Nulllage berechnet. Voraussetzung für die Anwendung
des Lichtschnittverfahrens ist eine zumindest anteilig diffus reflektierende
Oberfläche
des Objekts.
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Die
gesamte profilierte Oberfläche
bzw. das komplette Kantenprofil lässt sich durch eine Lateralbewegung
des Objekts unter der Kamera quer zur Laserlinie schrittweise scannen.
Aus jedem einzelnen Kamerabild erhält man das entsprechende Profil an
der Stelle, welche gerade von der Laserlinie beleuchtet wird. Dies
entspricht durch die Fokussierung des Lasers typischerweise einer
Länge in
der Größenordnung
von 1/100 bis 1/10 mm. Bei ausgedehnten Prüfteilen mit einer Kantenlänge im Bereich
von mehreren Metern sind für
eine kontinuierliche lückenlose
Fehlerprüfung
sehr viele Aufnahmen notwendig. Das Auslesen und Auswerten der kompletten
Flächenbilder
lässt aber
trotz hoher Rechenleistung eine lückenlose Prüfung bei hohen Durchlaufgeschwindigkeiten
kaum zu.
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Bei
einer Prüfung
mit fester Schrittweite zur Takterhöhung werden dagegen kleine
Fehler nur zufällig
getroffen, was nur bei häufig
auftretenden Fehlern zu einer statistisch ausreichenden Fehlererkennung
führt.
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Mit
den genannten Verfahren, die als Stand der Technik gelten, lässt sich
zwar die Höhe
an verschiedenen Positionen eines Objektes sehr exakt bestimmen.
Weiterhin sind diese Verfahren auch sehr flexibel gegenüber Höhenänderungen
individueller Objekte an sich, so dass unterschiedlichste Objektformen
bzw. Kantenformen vermessen werden können (
EP 0778462 A2 ). Nachteilig
daran ist, dass diese Verfahren nicht auf Hochgeschwindigkeitsprüfungen ausgelegt
sind. Entweder sind sie relativ langsam oder eine Schrittweite wird
gewählt,
die permanent Bereiche der Kante überspringt, und damit keine lückenlose
Prüfung
zulässt.
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Ausgehend
hiervon liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung
und ein Verfahren zur kontinuierlichen lückenlosen Qualitätsprüfung einer
Kante unter hoher Durchlaufgeschwindigkeit zu schaffen.
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Zur
Kantenprüfung
bei schneller Vorschubgeschwindigkeit ist ein positionsempfindlicher
Zeilensensor (z.B. CCD-Zeilenkamera) aufgrund der mehr als hundertfach
höheren
Auslesefrequenz sehr viel besser geeignet als ein für das Lichtschnittverfahren sonst üblicher
Flächensensor.
Zeilensensor und Laser sind wie beim Lichtschnittverfahren in einem
Winkel gegeneinander auf die Kante senkrecht zur Bewegungsrichtung
ausgerichtet. Die Zeilenkamera ist dabei entgegen der bekannten
Triangulationsanordnung parallel zum Verlauf der Laserlinie orientiert. Zeilensensor
und Laserlinie sollen so auf die Kante ausgerichtet werden, dass
das an der Kantenfläche diffus
gestreute Licht der Laserlinie bei fehlerfreien Prüfteilen
der vorgegebenen Dicke von dem Zeilensensor direkt erfasst wird.
Eine Höhenänderung
der Kantenfläche
führt automatisch
zu einem lateralen Versatz zwischen der Lage der Laserlinie und
des Zeilensensors. Die gestreute Laserlinie wird vom Zeilensensor
nicht mehr erfasst. Bei einer seitlichen Verschiebung der Kantenposition
bleibt die gestreute Laserlinie im Erfassungsbereich des Sensors,
nur die Startposition innerhalb der Zeile verschiebt sich. Bei einer
Rauhigkeitsänderung
der Objektoberfläche ändert sich
die Intensität
der diffusen Streuung entlang des Linienverlaufs innerhalb der aufgenommenen Zeile.
Mit der entgegengesetzten Anordnung der Zeilenkamera senkrecht zu
Laserlinie könnte
zwar die als stabil vorausgesetzte absolute Höhenlage des Prüfteils exakt
ermittelt, nicht aber Fehlstellen an der Kante selbst detektiert
werden, für
den Fall, dass die Seitenlage des Kantenverlaufs leicht variiert. Ändert sich
die Dicke der Prüfteile
(z.B. beim Chargenwechsel), so muss die optische Prüfeinheit
(Laser und Sensor) mechanisch an den neuen Abstand zu Kantenoberfläche angepasst
werden.
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Dieser
beschriebene Aufbau für
das Laserlichtschnittverfahren mit einem Zeilensensor ist für eine kontinuierliche
lückenlose
Fehlerdetektierung einer ebenen Kante unter schneller Vorschubgeschwindigkeit
ideal. Allerdings ist diese Anordnung für den produktionsmäßigen Einsatz
durch die starre Position des Zeilensensors und die relativ aufwendige
Justage der optische Prüfeinheit
unflexibel und damit nur bedingt einsetzbar.
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Eine
Lösung
des technischen Problems, welche die Vorteile der hohen Bildrate
von Zeilensensoren ausnutzt, und dazu wesentlich flexibler auf Änderungen
der Höhenlage
der zu prüfenden
Kanten reagiert, ergibt sich durch die Merkmale der Patentansprüche 1 bis
8.
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Gemäß Anspruch
1 kann eine schnelle, kontinuierliche und lückenlose Qualitätsprüfung einer Kante
mit Hilfe eines Flächensensors
mit einzeln adressierbaren Zeilen durchgeführt werden, wobei nur die parallel
zur Laserlinie ausgerichtete und der Kantenhöhenlage (Dicke der Prüfteile)
entsprechende Zeile des Flächensensors
ausgelesen wird, welche bei fehlerfreiem Kantenverlauf die gestreute
Laserlinie enthalten sollte. Fehlstellen im Kantenverlauf, die eine
lokale Höhen-
bzw. Rauhigkeitsänderung
des Kantenprofils aufweisen, bewirken in der mit dem Flächensensor
aufgenommenen Zeile eine laterale Verschiebung der Startposition
oder einen Intensitätsabfall
der gestreuten Laserlinie. Die einzelne Zeile des Flächensensors
(z.B. CMOS-Flächenkamera)
wird dabei als virtueller flexibler Zeilensensor verwendet. Flexibilität und Stabilität des Verfahrens werden
dadurch erreicht, dass bei einer definierten Änderung der Höhenlage
der zu prüfenden
Kante bzw. der Dicke der Prüfteile
nur eine Korrektur der Adresse der auszulesenden Zeile des Flächensensors
erfolgt und nicht, wie beim Aufbau mit einer starr befestigten Zeilenkamera,
eine mechanische Anpassung an die neue Höhenlage vorgenommen werden muss.
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Die
Zuordnung zwischen Prüfteilhöhe und entsprechender
Adresse der auszulesenden Zeile des Flächensensors erfolgt gemäß Anspruch
2 in einem separaten Justagedurchlauf, bei dem die exakten Positionen
der gestreuten Laserlinie aus sämtlichen
Zeilen des Flächensensors
entsprechend der verwendeten Dicken der Prüfobjekte ermittelt werden.
Diese Zuordnung kann beispielsweise in einer Look-Up-Tabelle verwaltet
werden, auf die bei einer Dickenänderung
der Prüfteile
während
der Kanteninspektion automatisch ein Zugriff erfolgt. Dadurch ist es
möglich
die optische Prüfeinheit
bei einer Dickenänderung
der Prüfteile
durch eine Korrektur der Adresse der auszulesenden Zeile dynamisch
während
der Kantenprüfung
anzupassen. Dies kann beispielsweise durch die Anwahl fest vorgegebener Prüfteildicken
oder durch eine separate schrittweise Dicken- bzw. Abstandsprüfung im
Durchlauf der Prüfteile
erfolgen.
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Gemäß Anspruch
3 können
in speziellen Fällen
zusätzlich
zur definierten Zeile des Flächensensors
die dazu unmittelbar benachbarten Zeilen ausgelesen werden, aus
denen eine einzelne gemittelte Zeile erzeugt wird. Sie soll als
einzelne virtuelle Zeile benutzt werden. Dies ist beispielsweise
erforderlich, falls die optische Auflösung des Sensors kleiner als die
Linienbreite der Laserlinie gewählt
werden sollte.
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Die
Erkennung eines Kantenfehlers erfolgt über die kontinuierliche Bestimmung
der jeweiligen Kantenposition, welche aus der Startposition der
gestreuten Laserlinie innerhalb einer einzeln aufgenommenen Zeile
unter Berücksichtigung
der gestreuten Intensität
bei einer Rauhigkeitsänderung
der Kantenoberfläche
ermittelt wird. Bei einem exakt geradlinigen Verlauf der Kante können Fehlstellen
bei einer Abweichung von der Normlage unmittelbar aus den einzelnen
aufgenommenen Zeilen erkannt werden. Für eine Klassifizierung der
Fehlstellen in Abhängigkeit
der ermittelten Fehlergröße und Fehlerform
in verschiedene Fehlertypen wird gemäß Anspruch 4 eine Kurve für den Kantenverlauf
aus den einzeln ermittelten Startpositionen zusammengesetzt, an
der die weiterführende
Fehlerbewertung stattfinden soll. Die Kurve kann sich dabei auch
nur über
Teilbereiche des kompletten Kantenverlaufs erstrecken. Dadurch ist
eine Unterscheidung von kleinen lokalen Fehlern zu größeren Fehlern,
welche sich über
mehrere Zeilen erstrecken, möglich.
Desweiteren wird eine höhere
Flexibilität
erreicht, da nicht mehr die absolute Lage der Startposition der
gestreuten Linie in der Zeile zur Fehlererkennung zwingend erforderlich
ist.
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Gemäß Anspruch
5 wird alternativ aus mehreren mit dem Flächensensor einzeln aufgenommenen
Zeilen ein Bild zusammengesetzt, welches sich dabei auch nur über Teilbereiche
des kompletten Kantenverlaufs erstrecken darf, auf dem die Ermittelung
der Lage der Kante und eine weiterführende Fehlererkennung stattfinden
soll. Bei diesem Verfahren können
bereits bekannte konturverfolgende Kantenerkennungsalgorithmen angewandt
werden.
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Gemäß Anspruch
6 soll eine Approximation des ermittelten Kantenverlaufs mit einer
mathematisch beschreibbaren Kurve (z.B. Gerade, Kreisbogen, Polygonzug)
durchgeführt
werden, um eine präzise
Fehlerbewertung sowie eine geometrische Kontrolle der Kante zu ermöglichen.
Dadurch können Prüfteile mit
einer von einem exakt geradlinigen Kantenverlauf abweichender Form
geprüft
werden oder ein Drift der Kantenposition der Prüfteile durch eine unzureichende
mechanische Führung
kompensiert werden. Zur Fehlerbewertung wird der gemessene Kurvenverlauf
mit dem approximierten oder vordefinierten Kurvenverlauf der Kante
verglichen. Die entsprechenden Fehlerbreiten ergeben sich aus den
lateralen Abweichungen der beiden Kurvenverläufe zueinander.
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Gemäß Anspruch
7 soll zur optimalen Approximation und Glättung des Kurvenverlaufs der
ermittelten Kante eine Anwendung der eindimensionalen morphologischen
Filterung verwendet werden. Aus einer Kombination von verschiedenen
morphologischen Operationen, wie z.B. Erosionen und Dilatationen
kann der ermittelte Kurvenverlauf der Kante in verschiedenen Graden
geglättet
werden, wobei Rauschen weitestgehend unterdrückt wird, Form und Lage von
charakteristischen Merkmalen wie z.B. Plateaus und Kanten dagegen
unverändert
bleiben. Diese Filterung verursacht im Gegensatz zu konventionellen
Filterungsmethoden keine Verfälschungen
der zu untersuchenden Kurve und erlaubt damit eine fehlerfreie Kurvendiskussion.
Bei konventionellen Filterungsmethoden, wie beispielsweise nach
dem Prinzip der Mittellinienfilterung bzw. der Approximation mit
Exponentialfunktionen, werden scharfe Kanten im Kurvenverlauf nur
verschmiert bzw. fälschlicherweise
mit Überschwingern
wiedergegeben.
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Gemäß Anspruch
8 kann der ermittelte Kurvenverlauf der Kante durch Anwendung einer
speziellen morphologischen Filterung, die auf dem Prinzip der mechanischen
Abtastung und Umhüllung
basiert, in die charakteristischen Anteile wie beispielsweise Kurvenrauhigkeit
und Kurvenwelligkeit zerlegt werden. Damit kann eine Fehlerbewertung
durchgeführt werden,
die sensitiv auf lokale Fehlstellen wie Kantenausbrüche bzw.
Randbeschädigungen
ist und langgezogene Welligkeiten oder einen kontinuierlichen Drift
in der Kantenposition kompensiert. Dadurch können auch bei ungenauer Seitenführung der Prüfteile kleine
Fehler wie Ausbrüche
erkannt werden, deren Fehlerbreite sehr viel kleiner als die absolute
Amplitude der Schwankungen in der Toleranz der Seitenführung ist.
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Durch
die hier genannte Vorrichtung und das entsprechende Verfahren zur
schnellen lückenlosen Fehlerdetektierung
an einer Kante kann sowohl auf die langsame bzw. lückenhafte
Kantenprüfung
nach dem herkömmlichen
Lichtschnittverfahren, als auch auf das für die Fehlererkennung unzureichende Durchlichtverfahren
verzichtet werden.
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Weitere
Merkmale, Anwendungsmöglichkeiten
und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
von Ausführungsbeispielen
der Erfindung, die anhand der Zeichnungen 1–8 näher erläutert werden.
Dabei bilden die beschriebenen oder dargestellten Merkmale für sich oder
in beliebiger Kombination den Gegenstand der Erfindung, unabhängig von
ihrer Zusammenfassung in den Patentansprüchen oder ihrer Formulierung
bzw. Darstellung in der Beschreibung.
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Als
Beispiel kann angenommen werden, dass ein langes plattenförmiges Prüfteil 1 in
Vorschubrichtung 2 unter dem Prüfsystem bestehend aus Flächensensor
mit einzeln adressierbaren Zeilen 3 (im weiteren Verlauf
als flexibler virtueller Zeilensensor bezeichnet) und Laserlinie 4 durchgefahren wird. 1 zeigt
dabei die Schrägansicht, 2 bzw. 3 die
Seiten- bzw. Frontansicht des Aufbaus. Der virtuelle Zeilensensor
bestehend aus einer einzelnen Bildzeile des Flächensensors 3 ist
senkrecht über
der zu prüfenden
Kante 6 mit der Kantenfläche 7 des Prüfteils 1 angebracht.
Der Laser 4 ist dazu in einen Winkel gemäß dem Triangulationsprinzip
verkippt. Laser und Zeilenkamera können auch in ihrer Position
vertauscht sein. Des weiteren kann die optische Prüfeinheit 3, 4 ebenso
unterhalb und bei einem festen präzisen Seitenanschlag auch an
der Seite der Prüfobjekts
angebracht werden.
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Der
flexible virtuelle Zeilensensor 3 und die Laserlinie 5 sind
senkrecht zur Bewegungsrichtung 2 des Prüfteils angeordnet.
Die optische Prüfeinheit 3, 4 wird
bei der Justage so ausgerichtet, dass bei der vorgegebenen Objektdicke
die auf die Kantenfläche 7 projizierte
Laserlinie 5 innerhalb des Messbereichs des Sensors 12 liegt.
Es ergibt sich die in 4-II, a dargestellte
Anordnung, wobei der Anteil 13 der Laserlinie 5 auf
der Kantenfläche 7 innerhalb
der während
der Kanteninspektion einzigen ausgelesenen Messzeile 12 des
Sensors 3 liegt. Laserlinie 5 und Messfeld des
flexiblen virtuellen Zeilensensors 12 müssen sich auf genügend große Bereiche
außerhalb
und innerhalb der vorgegebenen Kantenposition erstrecken, da sonst
keine lateralen Schwankungen des Kantenverlaufs 6 berücksichtigt
werden können.
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Ziel
ist es, mit dieser Anordnung sämtliche Fehlstellen 8 entlang
des Kantenverlaufs 6 lückenlos zu
detektieren. Als Beispiel kann angenommen werden, dass sich die
Fehler in lokale Höhenänderungen 10 und
in lokale Rauhigkeitsänderungen 11 aufteilen lassen. 4-I zeigt Beispiele für verschiedene Kantenprofiltypen
im Querschnitt. Eine fehlerfreie Kantenform 9 ist in 4-I, a dargestellt. 4-I,
b zeigt einen Bereich der Kante mit Ausbruch und somit ein verändertes
Höhenprofil 10 im
Kantenprofil. 4-I, e zeigt einen Bereich
der Kante mit einer erhöhten Rauhigkeit 11 an
der Kante. In 4-II sind die diesen
drei Fällen
zugehörigen
Lagen der Laserlinie gegenüber
dem virtuellen Zeilensensor in der Draufsicht dargestellt.
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Bei
fehlerfreiem Kantenverlauf (siehe 4-a)
ist die auf die Kante 6 projizierte Laserlinie 5 in
zwei Teile 13 und 14 getrennt. Der Anteil 13 der Laserlinie,
der die Kantenfläche 7 trifft,
liegt innerhalb der Bildzeile 12 des Sensors 3.
Der Anteil 14, der die Kante 6 nicht mehr trifft,
ist aufgrund der Höhendifferenz
des Prüfteils
zum Hintergrund verschoben. Der Abstand zwischen den beiden Strecken 13 und 14 ist hier
stark verringert dargestellt. Die Messgröße ist bei dieser Prüfanordnung
die Lagebestimmung des Startpunkts 18 der Laserlinie im
Bild. Dieser gibt die exakte lokale Kantenposition 17 des
Kantenverlaufs 6 wieder. Bei einem gleichmäßigen Kantenverlauf
ist die Position des Startpunktes 18 auf dem virtuellen Zeilensensor 12 konstant.
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Bei
einem Ausbruch an der Kante (siehe 4-b)
erfolgt durch die Höhenänderung
eine laterale Verschiebung des mittleren Teils 15 der Laserlinie 5.
Dieser Anteil 15 wandert dementsprechend aus der Bildzeile 12 des
Sensors heraus. Der Startpunkt 20 der Laserlinie innerhalb
der Bildzeile 12 ist nun nicht mehr wie im fehlerfreien
Fall durch den Übergang
zum Hintergrund 14 bestimmt, welcher die lokale Position
der Kante 17 des Kantenverlauf 6 wiedergibt, sondern
durch den Übergang
zwischen 13 und 15, welcher der lokalen Randposition 19 der Fehlstelle
entspricht, ab der die Höhenlage
der Kantenfläche 7 verändert ist.
Dieser Startpunkt 19 ist gegenüber der ursprünglichen
Position 17 des Startpunktes bei fehlerfreier Kantenoberfläche verschoben.
Der Abstand zwischen den Positionen 17 und 19 gibt
die lokale Breite der Fehlstelle an. Die Bestimmung der Tiefe der
Fehlstelle, die über
den lateralen Versatz der Linienteile 13 und 15 wiedergegeben wird,
ist mit dieser Prüfanordnung
nicht möglich.
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Bei
einer Rauhigkeitsänderung
an der Kante (siehe 4-c) erfolgt durch
lokale Maxima und Minima eine partielle Intensitätsänderung des mittleren Teils 16 der
Laserlinie 5. Dieser Anteil 16 liegt im Gegensatz
zur absoluten Höhenänderung
noch zum größten Teil
innerhalb der Bildzeile 12 des Sensors. Durch Berücksichtigung
des Intensitätsverlaufs
innerhalb des Zeilensensors führt
eine Lageermittlung des Startpunktes wiederum zur Ermittlung des Übergangs
zwischen 13 und 16, unabhängig von der Lage der eigentlichen
Kante beim Übergang
zum Linienanteil 14. Der ermittelte Startpunkt 22 entspricht
der lokalen Randposition 21 der Fehlstelle, ab der die
Rauhigkeit der Kantenfläche 7 verändert ist.
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Die
Startpositionen 17, 19 bzw. 21 der Laserlinie
innerhalb des virtuellen Zeilensensors 12 werden direkt
aus den einzelnen Bildzeilen oder nach dem Zusammensetzen eines
Teilbildes aus mehreren mit dem Sensor einzeln aufgenommenen Bildzeilen
mit Hilfe von bekannten konturverfolgenden Kantenerkennungsalgorithmen
direkt aus diesem Teilbild gewonnen.
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5 zeigt
ein Beispiel für
einen Ausschnitt aus einem geprüften
fehlerhaften Kantenverlauf einer furnierten Möbelplatte mit kleinen Ausrissen
im Furnier. Das Flächenbild
wurde durch das Zusammensetzen der im Durchlauf der Möbelplatte
nacheinander aufgenommenen identischen Zeilen eines Flächensensors
gewonnen. Zur besseren Übersichtlichkeit
ist der vom Laser ausgeleuchtete Bereich innerhalb der Bildzeile,
welcher der geforderten Höhenlage
der Kante und somit dem Furniermaterial entspricht, schwarz dargestellt.
Die horizontale Trennlinie zwischen schwarzem Bereich (unten) und weißem Bereich
(oben) liefert den beobachteten Kantenverlauf 6 des Furniers
der Möbelplatte.
Im Kantenverlauf des Furniers sind deutlich mehrere Fehlstellen
in Form von kleinen Ausbrüchen 8 sichtbar,
welche durch Materialverschleiß von
Bearbeitungswerkzeugen erzeugt wurden. Weiterhin ist zu erkennen,
dass der schleichende Versatz der Kante stärker ausgeprägt ist,
als die Tiefe der kleinen Ausbrüche
selbst, so dass eine Approximation bzw. Filterung des Kurvenverlaufs
der Kante zur Fehlerbewertung unumgänglich ist. Hier wurde vielmehr
der Effekt der erhöhten
Rauhigkeit der Spanplattenoberfläche im
Vergleich zum glatten Furnier beobachtet als der Höhenunterschied
durch die relativ geringe Furnierdicke.
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Falls
die mechanische Führung
der Prüfteile sehr
präzise
sein sollte, kann das optische Prüfsystem statt über oder
unter der Prüfkante
auch alternativ an die Seite der Prüfkante positioniert werden.
Dadurch können
Prüfteile
mit variierender Dicke einfacher geprüft werden.
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Bei
variierender Dicke der Prüfteile
kann das optische Prüfsystem
auch alternativ über
einen externen Abstandssensor nachgeregelt werden. Der Abstandssensor
misst beispielsweise in einem bestimmten Abstand vor dem optischen
Prüfsystem
die mittlere Entfernung zum Prüfteil.
Aus diesen Messdaten wird dann die entsprechende Adresse der virtuellen
Zeile des Flächensensors
errechnet und der Sensor während
der laufenden Prüfung
in kleinen Schritten umprogrammiert.
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Der
ermittelte Kurvenverlauf der Kante kann anschließend mit einer mathematisch
beschreibbaren Kurve approximiert werden, um eine präzise Fehlerbewertung
sowie eine geometrische Kontrolle der Kante durchführen zu
können.
Dadurch können
Prüfteile
mit einer von einem exakt geradlinigen horizontalen Kantenverlauf
abweichenden Form geprüft, oder
ein Drift der Kantenposition der Prüfteile durch eine unzureichende
mechanische Führung
kompensiert werden. In 6 ist ein Beispiel für einen
statistisch verrauschten Kurvenverlauf mit einem Drift in der Kantenposition
dargestellt. Der Kurvenverlauf 23 der Kante, schwarz dargestellt,
enthält
dabei mehrere unterschiedlich stark ausgeprägte Fehlstellen 8. Der
Drift des Kantenverlaufs kann durch die Approximationskurve 24,
grau dargestellt, ausgeglichen werden. Die entsprechenden Fehlerbreiten
ergeben sich aus den lateralen Abweichungen der beiden Kurvenverläufe 23 und 24 zueinander.
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In 7 ist
ein Beispiel für
die Wirkungsweise der speziellen morphologischen Filterung eines Profils,
die auf dem Prinzip der mechanischen Abtastung und Umhüllung basiert,
dargestellt. Die Originalkurve 25 des Profils, hier mit
gestricheltem Linienverlauf und Kreisen an den einzelnen Stützstellen
dargestellt, weist dabei, neben einem starken statistischen Rauschen,
verschiedenen Kanten und einer geschwungenen Form, eine Vertiefung
auf, welche einen Fehler zeigen soll. Die Tiefe des Fehlers ist
dabei kleiner als die Gesamtamplitude des geschwungenen Kurvenverlaufs
gewählt.
Eine morphologische Filterung mit kleinem Glättungsgrad liefert als Ergebnis
die Hüllkurve
h1 26, mit schwarzer durchgezogener
Linie dargestellt. Der Fehler und die Kanten im Kurvenverlauf werden
weitgehend nachgebildet, das statistische Rauschen bereits teilweise
unterdrückt. Die
Hüllkurve
h2 27, mit grauer durchgezogener
Linie dargestellt, zeigt das Ergebnis der speziellen Filterung mit
einem Glättungsgrad,
der bereits größer als die
Fehlerbreite ist. Der Fehler kann in diesem Fall nicht mehr nachgebildet
werden, die eigentliche Form der Kurve bleibt jedoch erhalten.
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Dieser
Prozess kann als Entstehen einer neuen Wellenfront zu verschiedenen
Zeitpunkten dargestellt werden. Die zu untersuchende Kurve kann
dabei als Wellenfläche
angesehen werden, wobei jeder Punkt der Kurve als Ausgangspunkt
einer neuen, sogenannten Elementarwelle charakterisiert wird (Huygenssches
Prinzip). Dementsprechend kann die gefilterte Kurve vergleichbar
mit einer einhüllenden
ebenen Wellenfront als Resultierende von einer Vielzahl einzelner
Elementarwellen aufgefasst werden (Physik/Dorn – 13.Aufl. – Hannover: Hermann Schroedel
Verlag, 1969).
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Aus
der Differenz der beiden Hüllkurven
h1 und h2 kann eine
resultierende Fehlerkurve 28 gebildet werden, welche direkt
die Abweichungen von der geschwungenen Form des Profils wiedergibt,
die eigentliche Form des Profils aber kompensiert. Die Fehlstelle
ist in dieser Kurve 28 sehr deutlich ausgeprägt und kann
sehr einfach über
einen Schwellwert für
die Fehleramplitude separiert werden. Die Kante im weiteren Verlauf
des Profils wirkt sich dabei nicht störend aus.
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Durch
die wiederholte Anwendung der speziellen morphologischen Filterung
mit unterschiedlichen Glättungsgraden
(entspricht einer Abtastung mit verschiedenen Abtastkörpern) kann
der gemessene Kurvenverlauf eines Profils 29 in die charakteristischen
Anteile, wie z.B. Kurvenrauhigkeit 30 und Kurvenwelligkeit 31 zerlegt
werden. In 8 ist dazu ein weiteres Beispiel
dargestellt. Durch die Anwendung dieser speziellen morphologische
Filterung kann eine präzise
Fehlerbewertung durchgeführt werden,
so dass aus dem Vergleich der kurvencharakteristischen Anteile lokale
Fehlstellen wie Kantenausbrüche
bzw. Randbeschädigungen
sensitiv ermittelt werden können.
Langgezogene Welligkeiten oder ein kontinuierlicher Drift in der
Kantenposition werden dabei kompensiert bzw. können durch die Zerlegung einer
weiteren Geometrieprüfung
unterzogen werden. Dadurch können
auch bei ungenauer Seitenführung
der Prüfteile
kleine Fehler wie Ausbrüche erkannt
werden, deren Fehlerbreite sehr viel kleiner als die absolute Amplitude
der Schwankungen in der Toleranz der Seitenführung ist.
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Das
Ergebnis dieser speziellen morphologischen Filterung entspricht
dem eines Verfahrens mit einer mechanischen Abtastung des Oberflächenprofils
zur Gewinnung der Hülle
eines Oberflächenprofils.
Nach der Filterung werden beispielsweise alle wesentlichen Merkmale
der inneren Hülle
wie Vertiefungen, welche die Materialausbrüche Wiederspiegeln, unverändert dargestellt,
das statistische Rauschen dagegen wird abhängig vom verwendeten Glättungsgrad
stark gedämpft
wiedergegeben. Dieses spezielle Verfahren der morphologischen Filterung, basierend
auf Hüllkurven,
ist der Umhüllung von
Gebäuden
bzw. Naturobjekten des Künstlers Christo
sehr ähnlich.
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Damit
ist die oben beschriebene Vorrichtung und das oben beschriebene
Verfahren sehr gut zur kontinuierlichen, lückenlosen und schnellen Fehlererkennung
an ebenen Kanten geeignet.
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1 Schrägansicht
des Aufbaus der erfindungsgemäßen Vorrichtung
zur schnellen lückenlosen
Fehlerdetektierung an einer Kante
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2 Seitenansicht
des Aufbaus der erfindungsgemäßen Vorrichtung
zur schnellen lückenlosen
Fehlerdetektierung an einer Kante
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3 Frontansicht
des Aufbaus der erfindungsgemäßen Vorrichtung
zur schnellen lückenlosen
Fehlerdetektierung an einer Kante
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4 Position
der Laserlinie in Abhängigkeit von
der Kantenform
I) Frontansicht
II) Draufsicht
a)
Fehlerfreie Kantenform
b) Kantenausbruch
c) Kantenrauhigkeit
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5 Ausschnitt
aus einem im Durchlauf gemessenen fehlerhaften Kantenverlauf einer
Möbelplatte
mit kleinen Ausrissen, erzeugt durch das Zusammensetzen einer einzeln
aufgenommenen identischen Zeile eines Flächensensors.
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6 Beispiel
für die
Approximation eines Kurvenverlaufs
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7 Beispiel
für die
erfindungsgemäße Filterung
eines Profils mit der speziellen morphologischen Filterung
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8 Beispiel
für die
Aufspaltung eines Profils in die Anteile Welligkeit und Rauhigkeit
mit der speziellen morphologischen Filterung
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- 1
- Prüfobjekt
- 2
- Vorschubrichtung
- 3
- Flächensensor
mit einzeln adressierbaren Zeilen
- 4
- Laser
- 5
- Auf
die Kante projizierte Laserlinie
- 6
- Zu
prüfende
Kante
- 7
- Kantenfläche der
zu prüfenden
Kante
- 8
- Kantenfehler
- 9
- Fehlerfreies
Kantenprofil
- 10
- Kantenfehler
in Form eines Ausbruchs
- 11
- Kantenfehler
in Form einer erhöhten
Kantenrauhigkeit
- 12
- Position
der virtuellen flexiblen Zeile des Sensors
- 13
- Normposition
der projizierte Laserlinie auf fehlerfreien Kantenoberfläche
- 14
- Verschobene
Position der projizierten Laserlinie des Hintergrundes
- 15
- Verschobene
Position der projizierten Laserlinie aufgrund einer Höhenänderung
- 16
- Intensitätsänderung
der projizierten Laserlinie aufgrund einer Rauhigkeitserhöhung
- 17
- Lokaler
Kantenpunkt bei fehlerfreier Kante
- 18
- Startpunkt
der Laserlinie bei fehlerfreier Kante
- 19
- Lokaler
Randpunkt bei Höhenänderung
- 20
- Startpunkt
der Laserlinie bei einer Verschiebung der Laserlinie
- 21
- Lokaler
Randpunkt bei Rauhigkeitsänderung
- 22
- Startpunkt
der Laserlinie bei einer Intensitätsänderung
- 23
- Verlauf
des Originalprofils (schwarze durchgezogene Linie)
- 24
- Verlauf
der Approximationskurve (graue durchgezogene Linie)
- 25
- Verlauf
des Originalprofils f (schwarze gestrichelte Linie mit offenen Kreisen)
- 26
- Verlauf
der Hüllkurve
h1 (schwarze durchgezogene Linie) mit kleinem
Glättungsradius
- 27
- Verlauf
der Hüllkurve
h2 (graue durchgezogene Linie) mit größerem Glättungsradius
- 28
- Resultierende
Fehlerkurve aus der Differenz der beiden Hüllkurven h1 und
h2
- 29
- Originalprofil
- 30
- Anteil
der Welligkeit
- 31
- Anteil
der Rauhigkeit