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Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Steuern einer Sicherheitsvorrichtung eines Fahrzeugs gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1 und ein entsprechendes Verfahren gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 20.
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Zur Steuerung einer Fahrzeugsicherheitsvorrichtung wie beispielsweise eines Insassenschutzsystems werden die Signale von Beschleunigungssensoren dadurch ausgewertet, dass sie mit einem oder mehreren vorgegebenen Schwellwerten verglichen werden. Bei Überschreiten der Schwellwerte werden Auslösesignale für Schutzmittel wie beispielsweise Airbags oder Gurtstraffer erzeugt. Zwischen der Detektion einer crashrelevanten Beschleunigung des Fahrzeugs und dem Bilden eines Auslösesignals liegt jedoch nur eine kurze Zeitspanne, in der Regel wenige Millisekunden, welche die Unterscheidung verschiedener Unfall- bzw. Crashszenarien mit unterschiedlichen Auslöseanforderungen oftmals erschwert oder sogar überhaupt nicht ermöglicht.
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Um das Auslösen von Schutzmitteln besser an ein Unfallszenario anpassen zu können und damit einen effizienteren Einsatz von Schutzmitteln zu erzielen, kann die beispielsweise mittels eines Precrash-Sensors gemessene Relativgeschwindigkeit zwischen einem Fahrzeug und dem Kollisionsobjekt ausgewertet und zur Anpassung von Auslöseschwellen von Schutzmitteln eingesetzt werden. Eine weitere Verbesserung der Effizienz von Sicherheitsvorrichtungen kann durch eine Klassifikation von Kollisionsobjekten und entsprechende Anpassung des Einsatzes von Schutzmitteln erzielt werden. Beispielsweise beschreibt die
EP 1 409 296 B1 ein Verfahren, das Objekte anhand von Beschleunigungssignalen, die aus Daten eines Precrash-Sensors gewonnen werden, und deren zeitlicher Ableitung klassifiziert. Aus der
WO 2004/033260 A1 ist zudem eine Vorrichtung bekannt, bei der die Auslösung einer zweiten Airbagstufe eines mehrstufigen Airbags abhängig von der Beschleunigung und einer gemessenen Aufprallgeschwindigkeit erfolgt. Eine weitergehende Klassifizierung ist aus der
DE 102 35 164 A1 bekannt, die ein Verfahren beschreibt, das aus den Signalverläufen eines Precrash-Sensors und von Beschleunigungssensoren einen Zusammenstoß mit einem Pfahl erkennen kann.
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Eine besonders genaue Klassifikation von Kollisionsobjekten kann beispielsweise mit einer Kamera und einer entsprechenden Bildverarbeitung erreicht werden. Eine derartige Lösung ist jedoch technisch sehr aufwendig und daher teuer. Ein low-cost Precrash-Sensor besitzt für eine derart genaue Klassifikation nicht die erforderliche Auflösung und eignet sich daher auch nicht als Kamera-Ersatz.
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Weitere Methoden zur Objektklassifikation werden in den folgenden Schriften beschrieben.
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Die
DE 102 43 397 A1 stellt einen Abstandssensor kombiniert mit einem Bildsensor zur Erfassung von potentiellen Kollisionsobjekten vor. Abstände, Abstandsänderungen und Kontrastdifferenzbilder werden zur Erkennung von Hindernissen und deren Gefährdungsart und Potential ausgewertet.
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Die
DE 102 31 362 A1 offenbart eine Vorrichtung zur Umfeldüberwachung in einem Fahrzeug, die Objekte in dem Erfassungsbereich auswählt und nur diese Objekte weiter verfolgt. Dies soll den adaptiven Einsatz von reversiblen Rückhaltemitteln ermöglichen.
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Die
DE 102 02 908 A1 stellt ein Precrash-Sensorsystem zur Ermittlung möglicher Unfälle vor. Dazu wird ein vom Sensorsystem erfasstes Objekts klassifiziert und die ermittelte Objektklasse bei der Einstellung von Sicherheitseinrichtungen berücksichtigt.
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Die
DE 103 42 045 A1 zeigt eine Vorrichtung zur Umfelderkennung durch ein magnetisches Wechselfeld. Durch ein Objekt in der Fahrzeugumgebung wird ein zweites magnetisches Wechselfeld in Abhängigkeit von dem ersten Wechselfeld hervorgerufen.
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In der
DE 103 35 601 A1 wird ein Verfahren zur Objektklassifizierung unter Verwendung einer 3D-Modelldatenbank beschreiben. Zur Erkennung von Umfeldobjekten werden Videobilder aufgenommen und mit gespeichert Datenmodellen verglichen. Dazu wird auch die 3-D-Lage des Modells im Raum variiert.
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Auch die
DE 103 24 217 A1 hat die Klassifizierung von wenigstens einem Objekt mit einer Umfeldsensorik zum Gegenstand. Die Objektklasse wird anhand der Geschwindigkeit und der Beschleunigung des detektierten Objekts bestimmt.
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Die
DE 100 65 518 A1 offenbart ein Verfahren zum Auslösen von Rückhaltemitteln in einem Fahrzeug. Hier ist eine Klassifizierung des detektierten Umgebungsobjekts hinsichtlich seiner Masse und Steifigkeit vorgesehen. Dazu wird der zeitliche Verlauf der Beschleunigung des Objekts nach dem Aufprallzeitpunkt klassifiziert Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es nun, eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Steuern einer Sicherheitsvorrichtung eines Fahrzeugs vorzuschlagen, die eine Klassifikation von Kollisionsobjekten mittels eines Precrash-Sensors ermöglichen.
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Diese Aufgabe wird durch eine Vorrichtung zum Steuern einer Sicherheitsvorrichtung eines Fahrzeugs mit den Merkmalen von Anspruch 1 und durch ein entsprechendes Verfahren mit den Merkmalen von Anspruch 20 gelost. Bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen.
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Ein wesentlicher Gedanke der Erfindung besteht darin, Objekten aufgrund charakteristischer Merkmale in einem von einem Precrash-Sensor gemessenen Signalverlauf bestimmte Objektklassen zuzuordnen und die Auslösezeit und/oder Auslöseintensität von einem oder mehreren Schutzmitteln einer Sicherheitsvorrichtung abhängig von den zugeordneten Objektklassen einzustellen.
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Die Erfindung betrifft nun konkret eine Vorrichtung zum Steuern einer Sicherheitsvorrichtung eines Fahrzeugs, mit einem Precrash-Sensor, der mehrere getrennt auswertbare Erfassungsbereiche aufweist, zur Detektion von Kollisionsobjekten und einer Steuereinheit zum Steuern der Sicherheitsvorrichtung. Die Steuereinheit ist ausgebildet, um Kollisionsobjekten aufgrund charakteristischer Merkmale in einem vom Precrash-Sensor gemessenen Signalverlauf bestimmte Objektklassen zuzuordnen und die Auslösezeit und/oder Auslöseintensität von einem oder mehreren Schutzmitteln der Sicherheitsvorrichtung abhängig von den zugeordneten Objektklassen einzustellen.
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Ein weiteres wesentliches Erfindungsmerkmal ist es, dass in mehreren Erfassungsbereichen des Precrash-Sensors detektierte Kollisionsobjekte für jeden Erfassungsbereich ermittelte Abstandswerte miteinander zu vergleichen und die Kollisionsobjekte als ein Objekt zu klassifizieren, falls die ermittelten Abstandswerte innerhalb eines vorgegebenen Toleranzbereichs liegen.
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Vorzugsweise weist der Precrash-Sensor drei getrennt auswertbare Erfassungsbereiche auf, für die jeweils ein Abstandswert zwischen einem im jeweiligen Erfassungsbereich erfassten Kollisionsobjekt und dem Fahrzeug ermittelt werden kann. Es hat sich gezeigt, dass mit drei Erfassungsbereichen eine ausreichend genaue Klassifizierung von Kollisionsobjekten bei einem relativ geringen technischen Aufwand möglich ist.
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Insbesondere können für die Objektklassen und Erfassungsbereiche Abstandsbereiche festgelegt sein, in denen eine Detektion eines Kollisionsobjekts erwartet wird.
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Die Objektklassen können hierbei abhängig von der Geometrie der Erfassungsbereiche und relevanter Kollisionsobjekte gewählt sein.
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Weiterhin kann die Steuereinheit ausgebildet sein, um bei einem in einer bestimmten Kombination von Erfassungsbereichen und in einem bestimmten Abstandsbereich detektierten Kollisionsobjekt einen Objekt-Indikator für eine oder mehrere Objektklassen zu setzen.
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Anstelle von Abstandsbereichen können auch für jede Objektklasse Wahrscheinlichkeitsfunktionen festgelegt sein, die den ermittelten Abstandswert eines Kollisionsobjekts und die Kombination der erfassenden Erfassungsbereiche als Eingangsgrößen und die Erkennungswahrscheinlichkeit der jeweiligen Objektklasse als Ausgangsgröße besitzt.
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Ferner kann die Steuereinheit ausgebildet sein, um Objekt-Indikatoren und/oder Erkennungswahrscheinlichkeiten einer Qualifikation, Integration und/oder Filterung zu unterziehen, um ein möglichst exakte Klassifikationsergebnis zu erzielen.
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Die Steuereinheit kann zudem ausgebildet sein, um zum Zeitpunkt einer tatsächlichen Kollision und/oder in einem festlegbaren Zeit- oder Abstandsfenster die einzelnen zugeordneten Objektklassen hinsichtlich ihres Qualitätsindex, Integrals oder Filterausgangs zu vergleichen und die wahrscheinlichste Objektklasse als relevant auszuwählen und auszugeben.
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Typischerweise umfassen die Objektklassen eine etwa frontale Kollision mit einem Pfahl und einer Wand, eine Kollision mit einer Wand im schrägen Winkel und eine Kollision mit einem seitlich versetzten Hindernis.
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Zusätzlich zu den Objektklassen kann eine gesonderte Klasse vorgesehen sein, die Objekte umfasst, die einen Abstand besitzen, der kürzer als eine Außenabmessung eines Fahrzeugs ist. Derartige Objekte können z. B. eine LKW(Lastkraftwagen)-Unterfahrten oder auch Fahrzeug-Fußgänger-Kollisionen sein, bei denen sich der Oberkörper oder Kopf des Fußgängers bereits teilweise über der Motorhaube eines Fahrzeugs befindet.
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Die Steuereinheit kann auch ausgebildet sein, um ein oder mehrere Kriterien zu überwachen, welche die Zuordnung einer Objektklasse zu einem Kollisionsobjekt bei einer ungenügenden Aussagesicherheit verhindern. Dies erhöht die Sicherheit vor einer Fehlklassifikation.
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Ein Kriterium kann als mögliches Kriterium z. B. einen Mindestwert einer relevanten Objektklasse und/oder eine Mindestdifferenz einer relevanten zu allen anderen Objektklassen umfassen.
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In einer bevorzugten Ausführungsform ist die Steuereinheit ausgebildet, um eine begrenzte Trennschärfe zwischen den Erfassungsbereichen des Precrash-Sensors bei der Zuordnung eines Kollisionsobjekts zu einer Objektklasse zu berücksichtigen. Dadurch lässt sich die Genauigkeit der Klassifikation erhöhen.
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Weiterhin kann die Steuereinheit ausgebildet sein, um eine Toleranz eines gemessenen Abstands eines Kollisionsobjekts bei der Zuordnung des Kollisionsobjekts zu einer Objektklasse zu berücksichtigen, wodurch ebenfalls die Genauigkeit der Klassifikation erhöht werden kann.
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In der Steuereinheit kann ein Parameter gespeichert sein, der auf den Abstand, in dem eine Kollision zwischen Fahrzeug und Kollisionsobjekt zu erwarten ist, einstellbar ist. Dieser Abstand kann beispielsweise der Abstand zwischen Precrash-Sensor und einer zentralen Stelle des Stoßfängers des Fahrzeugs sein.
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Vorzugsweise ist der Abstand in Abhängigkeit vom Winkel einstellbar, unter dem ein potentielles Kollisionsobjekt von einem oder mehreren Crashsensoren erfasst werden kann. Dadurch können unterschiedliche Kollisionsabstände beispielsweise für gerade und schräge Kollisionen berücksichtigt werden, die sich durch die Geometrie des Stoßfängers bzw. des Fahrzeugs ergeben.
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Die Steuereinheit kann auch ausgebildet sein, um eine einem Kollisionsobjekt zugeordnete Objektklasse und/oder eine Ausrichtung des erfassenden Erfassungsbereichs für die Auswahl weiterer Daten des Precrash-Sensors zu verwenden.
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Der Precrash-Sensor kann nach dem Prinzip eines Radar-, Laser- oder Ultraschallsensors arbeiten, wobei eine Laufzeit und/oder Frequenz/Phasenverschiebung zwischen einem ausgesandten und einem empfangenen Signal erfasst wird.
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Schließlich kann die Steuereinheit derart ausgebildet sein, dass die Auslösezeit und/oder Auslöseintensität von einem oder mehreren Schutzmitteln der Sicherheitsvorrichtung bei einer Objektklasse mit einer geringen anfänglichen Beschleunigung im Kollisionsfall wie einem mittigen Pfahl oder einer deformierbaren Barriere vorverlegt bzw. erhöht wird und bei einer Objektklasse mit einer hohen anfänglichen Beschleunigung im Kollisionsfall wie einer Wand verzögert bzw. abgeschwächt oder die Auslösung in Abhängigkeit weiterer Kriterien ganz unterdrückt wird.
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Die Erfindung betrifft ferner ein Verfahren zum Steuern einer Sicherheitsvorrichtung eines Fahrzeugs, bei dem ein Precrash-Sensor, der mehrere getrennt auswertbare Erfassungsbereiche aufweist, Kollisionsobjekte detektiert. Den Kollisionsobjekten werden aufgrund charakteristischer Merkmale in einem vom Precrash-Sensor gemessenen Signalverlauf bestimmte Objektklassen zugeordnet und die Auslösezeit und/oder Auslöseintensität von einem oder mehreren Schutzmitteln der Sicherheitsvorrichtung abhängig von den zugeordneten Objektklassen eingestellt. Zudem sieht das Verfahren vor, bei in mehreren Erfassungsbereichen des Precrash-Sensors detektierten Kollisionsobjekten die für jeden Erfassungsbereich ermittelten Abstandswerte miteinander zu vergleichen und die Kollisionsobjekte als ein Objekt zu klassifizieren, falls die ermittelten Abstandswerte innerhalb eines vorgegebenen Toleranzbereichs liegen. Der Toleranzbereich kann beispielsweise empirisch ermittelt werden.
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Weitere Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung in Verbindung mit den in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispielen.
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In der Beschreibung, in den Ansprüchen, in der Zusammenfassung und in den Zeichnungen werden die in der hinten angeführten Liste der Bezugszeichen verwendeten Begriffe und zugeordneten Bezugszeichen verwendet.
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Die Zeichnungen zeigen in:
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1 in einer Draufsicht die Erfassung einer frontalen Kollision mit einer Wand durch einen Precrash-Sensor mit drei Erfassungsbereichen;
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2 in einer Draufsicht die Erfassung einer frontalen Kollision mit einem Pfahl durch einen Precrash-Sensor mit drei Erfassungsbereichen;
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3 in einer Draufsicht die Erfassung einer Kollision mit einer Wand in einem schrägen Winkel durch einen Precrash-Sensor mit drei Erfassungsbereichen;
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4 in einer Draufsicht die Erfassung verschiedener Kollisionen mit einem seitlich zur Längsachse eines Fahrzeugs versetzten Pfahl (a) und b)) und mit einer seitlich zur Längsachse eines Fahrzeugs versetzten Wand (c) und d)) durch einen Precrash-Sensor mit drei Erfassungsbereichen;
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5 in einer Draufsicht die Erfassung einer Kollision mit einem bereits in die Fahrzeugstruktur eingedrungenen Pfahl (a)) und einer bereits in die Fahrzeugstruktur eingedrungenen Wand (b)) durch einen Precrash-Sensor mit drei Erfassungsbereichen; und
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6 ein Fahrzeug mit einer Vorrichtung zum Steuern einer Sicherheitsvorrichtung gemäß der Erfindung.
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Im Folgenden können gleiche und/oder funktional gleiche Elemente mit den gleichen Bezugszeichen versehen sein.
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1 zeigt in einer Draufsicht eine Erfassung einer frontalen Kollision mit einer Wand 12 durch einen Precrash-Sensor, der einen ersten, rechten Erfassungsbereich 22, einen zweiten, linken Erfassungsbereich 24 und einen dritten, mittleren, d. h. zwischen dem ersten und zweiten Erfassungsbereich angeordneten Erfassungsbereich 23 aufweist. Die drei Erfassungsbereiche 22, 23 und 24 können sich überlappen, was die Trennschärfe zwischen den Erfassungsbereichen des Precrash-Sensors beeinflusst. Mit dem Precrash-Sensor kann detektiert werden, ob und in welchem Abstand zum Precrash-Sensor sich ein Kollisionsobjekt befindet.
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In 1 ist als Kollisionsobjekt eine Wand 12 dargestellt, die sich frontal einem Fahrzeug mit dem Precrash-Sensor nähert. Die Wand 12 wird in allen drei Erfassungsbereichen 22, 23 und 24 im etwa gleichen Abstand detektiert. Dadurch ordnet eine nicht dargestellte Steuereinheit durch entsprechende Verarbeitung des vom Precrash-Sensor gemessenen Signalverlaufs die in den drei Erfassungsbereichen 22, 23 und 24 detektierten Objekte einem einzigen, breiten Kollisionsobjekt 12 zu.
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In 2 ist eine frontale Kollision mit einem Pfahl 14 als Kollisionsobjekt dargestellt. Hier wird nur im mittleren Erfassungsbereich 23 ein Kollisionsobjekt detektiert. Daher ordnet die Steuereinheit aufgrund des entsprechenden vom Precrash-Sensor gemessenen Signalverlaufs das im Erfassungsbereich 23 detektierte Objekt als ein einzelnes schmales Kollisionsobjekt wie einen Pfahl oder einen Baum ein.
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3 zeigt eine Kollision mit einer Wand 12 im schrägen Winkel. Hierbei wird wieder in jedem der drei Erfassungsbereiche 22, 23 und 24 jeweils ein Objekt detektiert, allerdings mit jeweils unterschiedlichen Abständen. Im links in 3 dargestellten Szenario wird im Erfassungsbereich 22 ein Objekt im Abstand d1 detektiert, im Erfassungsbereich 23 ein Objekt im Abstand d2 und im Erfassungsbereich 24 ein Objekt im Abstand d3. Hierbei gilt für die Abstände: q1 < d2 < d3. Die Steuereinheit verarbeitet nun den vom Precrash-Sensor gemessenen Signalverlauf dadurch, indem er zunächst die gemessenen Abstände untereinander vergleicht. Liegen die gemessenen Abstände innerhalb eines vorgegeben Abstandsbereichs oder besitzen Werte wie oben erläutert, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass drei Objekte zu einem einzigen Kollisionsobjekt 12 gehören. Durch die Abstände d1 und d3 kann zudem die Steuereinheit ermitteln, in welchem Winkel sich das Kollisionsobjekt 12, d. h. die Wand dem Precrash-Sensor nähert. Derartige Informationen werden in der Steuereinheit zur Einstellung der Auslösezeit(en) und Auslöseintensität(en) von Schutzmitteln wie Airbags verwendet. Beispielsweise wird die Auslösung eines Airbags im Falle einer Kollision mit einer Wand 12, wie in 3 angedeutet, zeitlich verzögert und die Intensität abgeschwächt, beispielsweise, indem der Gasgenerator für den Airbag entsprechend angesteuert wird.
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4 zeigt Kollisionen mit seitlich zur Längsachse des Precrash-Sensors und damit des Fahrzeugs, in dem der Precrash-Sensor angeordnet ist, versetzten Kollisionsobjekten. In 4a) und b) ist ein Pfahl 14 als Kollisionsobjekt derart seitlich versetzt, dass er sich im ersten, rechten bzw. zweiten, linken Erfassungsbereich 22 bzw. 24 des Precrash-Sensors befindet. Die Steuereinheit klassifiziert den Pfahl daher als schmales Kollisionsobjekt, das seitlich versetzt ist. In 4c) und d) ist ein anderes Fahrzeug 12 als Kollisionsobjekt seitlich versetzt und wird vom Precrash-Sensor im ersten, rechten und mittleren Erfassungsbereich 22 und 23 (4c)) bzw. im zweiten, linken und mittleren Erfassungsbereich 24 und 23 (4d)) erfasst. Aufgrund des gleichen Abstands in beiden Erfassungsbereichen 22 und 23 bzw. 24 und 23 wird das andere Fahrzeug 12 als ein einzelnes Kollisionsobjekt klassifiziert, das seitlich versetzt ist. Die Klassifikation kann wieder zur Anpassung der Auslösung eines Schutzmittels verwendet werden, beispielsweise indem Schutzmittel auf der Seite des Fahrzeugs frühzeitig und mit hoher Intensität ausgelöst werden, auf der sich das Kollisionsobjekt befindet.
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Schließlich zeigt 5 noch einen Pfahl 14 (5a)) bzw. eine Struktur eines anderen Fahrzeugs 12 (5b)) als Kollisionsobjekt, der bzw. die bereits in die Struktur eines Fahrzeugs 26 eingedrungen ist bzw. sich oberhalb der Struktur eines Fahrzeugs befindet. Auch in derartigen Fällen kann der Precrash-Sensor noch auswertbare Informationen für den Einsatz von Schutzmitteln liefern, beispielsweise in welche Richtung sich das Kollisionsobjekt beim Eindringen in die Fahrzeugstruktur bewegt, sowie über den Zeitpunkt und die Tiefe des Eindringens bzw. Überlappens.
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6 zeigt ein Fahrzeug 26 in Seitenansicht mit einer schematisch dargestellten Vorrichtung zum Steuern einer Sicherheitsvorrichtung 18, die einen Precrash-Sensor 10, der im Bereich des Rückspiegels im Fahrzeuginnenraum montiert ist und den Bereich vor dem Fahrzeug erfasst, und einer Steuereinheit 16 zum Steuern der Sicherheitsvorrichtung, die im vorliegenden Fall ein Airbagsystem mit einem Airbag 20 umfasst.
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Die Steuereinheit empfängt nicht nur ein Signal vom Precrash-Sensor 10 zum Auswerten und entsprechenden Steuern des Airbags, sondern beispielsweise auch von einem Crashsensor 28 im Bereich des Stoßfängers, der direkt einen Crash detektiert. Die Steuereinheit umfasst weitere Beschleunigungssensoren 30 zur Crashdetektion, vorzugsweise in der Nähe des Fahrzeug-Schwerpunkts.
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Im Folgenden wird in einer Tabelle zur Übersicht ein Ausführungsbeispiel der Zuordnung von Kollisionsobjekten zu Objektklassen anhand des vom Precrash-Sensor gemessenen Signalverlaufs verdeutlicht, wie sie beispielsweise gemäß der Erfindung durch einen in der Steuereinheit implementieren Algorithmus zur Auswertung und Verarbeitung des vom Precrash-Sensors gemessenen Signalverlaufs vorgenommen werden kann:
| Objektklasse | Kollisionsobjekt | Signalverlauf |
| 1 | Pfahl frontal (Fig. 2) | Kollisionsobjekt im Erfassungsbereich 23 erfasst; ein einzelnes schmales Kollisionsobjekt |
| 2 | Wand frontal (Fig. 1) | Kollisionsobjekt jeweils im Erfassungsbereich 22, 23 und 24 erfasst; gemessene Abstände in den Erfassungsbereichen liegen innerhalb geeigneter Toleranzen zueinander, daher ein einziges breites Kollisionsobjekt |
| 3a, 3b | Wand im schrägen Winkel (Fig. 3) | Kollisionsobjekt jeweils im Erfassungsbereich 22, 23 und 24 erfasst; gemessene Abstände in den Erfassungsbereichen sind unterschiedlich, verringern sich jedoch von links nach rechts bzw. umgekehrt, daher mit hoher Wahrscheinlichkeit ein einziges breites Kollisionsobjekt im schrägen Winkel; Winkel ungefähr durch gemessene Abstände in den äußeren Erfassungsbereichen 22 und 24 bestimmbar |
| 4a, 4b | Pfahl seitlich versetzt (Fig. 4a), b)) | Kollisionsobjekt im Erfassungsbereich 22 bzw. 24 erfasst; ein einzelnes schmales Kollisionsobjekt, seitlich versetzt zur Precrash-Sensor-Längsachse |
| 5a, 5b | Wand oder Fahrzeug seitlich versetzt (Fig. 4c), d)) | Kollisionsobjekt in den Erfassungsbereichen 22 und 23 bzw. 23 und 24 erfasst; etwas gleiche Abstände in den Erfassungsbereichen gemessen, daher ein einzelnes breites Kollisionsobjekt, seitlich versetzt zur Precrash-Sensor-Längsachse |
| 6 | Pfahl in Fahrzeugstruktur bereits eingedrungen (Fig. 5a)) | In allen drei Erfassungsbereichen 22, 23 und 24 Kollisionsobjekt erfasst, mit etwa gleichen Abstand, sehr nahe am Precrash-Sensor, daher ein einziges Kollisionsobjekt, das bereits in Fahrzeugstruktur eingedrungen ist |
| 7 | Objekt in Fahrzeugstruktur bereits eingedrungen (Fig. 5b)) bzw. oberhalb davon | In allen drei Erfassungsbereichen 22, 23 und 24 Kollisionsobjekt erfasst, mit etwa gleichen Abstand, sehr nahe am Precrash-Sensor, daher ein einziges Kollisionsobjekt, das bereits in Fahrzeugstruktur eingedrungen ist bzw. sich oberhalb davon befindet |
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Für jede Objektklasse kann nun wiederum in der Steuereinheit ein bestimmter Einsatzplan für Schutzmittel wie Airbags, Gurtstraffer oder dergleichen vorgesehen sein. Beispielsweise kann festgelegt sein, dass bei der Objektklasse 4a oder 4b rechts bzw. links im Fahrzeug angeordnete Seitenairbags frühzeitig mit hoher Intensität ausgelöst werden und die Seitenairbags links bzw. rechts im Fahrzeug nicht ausgelöst werden. Bei der Objektklasse 5a und 5b kann festgelegt sein, dass Gurtstraffer unmittelbar und alle im Frontbereich des Fahrzeugs vorhandenen Airbags sofort mit hoher Intensität aktiviert werden.
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Die Erfindung ermöglicht also insgesamt einen weit flexibleren und besser an ein Unfallgeschehen angepassten Einsatz von Schutzmitteln unter Verwendung eines low-cost Precrash-Sensors.
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Bezugszeichenliste
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- 10
- Precrash-Sensor mit drei Erfassungsbereichen
- 12
- Kollisionsobjekt Wand oder Fahrzeug
- 14
- Kollisionsobjekt Pfahl
- 16
- Steuereinheit zum Steuern einer Sicherheitseinrichtung
- 18
- Airbagsicherheitssystem
- 20
- Airbag
- 22
- erster, rechter Erfassungsbereich des Precrash-Sensors 10
- 23
- dritter, mittlerer Erfassungsbereich des Precrash-Sensors 10
- 24
- zweiter, linker Erfassungsbereich des Precrash-Sensors 10
- 26
- Fahrzeug
- 28
- Crashsensor
- 30
- Beschleunigungssensoren