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Die
Erfindung betrifft eine Vorrichtung, welche als An- und als Ausziehhilfe
für röhrenförmige textile
oder textilähnliche
Stoffe, z.B. für
Kompressionsstrümpfe,
verwendet werden kann. Bei Kompressionsstrümpfen besteht das Problem,
dass es besonders älteren
Menschen schwer fällt,
sie sich über
das Bein zu ziehen oder sie auch wieder vom Bein zu entfernen. Mit
der hier vorgestellten Erfindung werden auf einfache Art beide Problem
behoben.
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Bekannte
Anziehhilfen sind z.B. Drahtgestelle, über die der Kompressionsstrumpf
manuell gezogen wird. Anschließend
wird der Fuß in
das Drahtgestell samt Strumpf gesteckt, das Gestell angehoben und
der Strumpf dabei auf das Bein abgestreift. Konstruktionen dieser
Art sind jedoch relativ aufwändig zu
produzieren und für
den Endkunden sehr teuer. Zum Ausziehen der Kompressionsstrümpfe sind
sie nicht zu verwenden.
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Eine
andere Anziehhilfe funktioniert unter Zuhilfenahme eines glatten
Textils, welches in den Strumpf gesteckt wird. Beim Anziehen ist
durch die glatte Oberfläche
des innenliegenden Textils der Gleitwiderstand stark verringert.
Dadurch kann der Kompressionsstrumpf nun leichter über das
Bein gezogen werden. Nachteil dieser Anziehhilfe ist aber, dass
es trotzdem schwierig bleibt, sie über den Hacken zu ziehen. Grund
dafür ist,
dass der Kompressionsstrumpf im Gegensatz zu den vorher erwähnten starren
Konstruktionen nicht auseinandergespreizt wird. Für die enge
Stelle des Hackens bleibt somit ein hoher Anpressdruck und damit
eine hohe Reibung erhalten. Zum Ausziehen von Kompressionsstrümpfen lässt sich
diese Anziehhilfe leider nicht verwenden.
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In
dem deutschen Patent mit der Nummer 8906458 ist eine Anziehhilfe
beschrieben, in welcher ein Kunststoffring mit Kugeln als Anziehhilfe
benutzt wird. Dazu wird der Strumpf auf die Anziehhilfe aufgerollt.
Nachteil dieser Konstruktion ist hier die feste Länge des
Kunststoffringes. Da das Bein am Fuß einen viel kleineren Umfang
hat als am Oberschenkel, muss der Ring einen Umfang von mindestens
dem des Oberschenkels haben. Dadurch wird es enorm schwierig, den
Kompressionsstrumpf auf den Ring zu wickeln.
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Ist
das Ringkernmaterial in dieser Anziehhilfe starr, also z.B. ein
fester Draht, so wird es aufgrund der großen, vom gewickelten Kompressionstrumpf ausgehenden
Zugkräfte
ins Ringzentrum kaum möglich
sein, das enge Fußteil
auf den oberschenkeldicken Ring zu spreizen und zu wickeln. Ist
das Ringkernmaterial dagegen fadenartig und flexibel, so wird es
aufgrund der stark ins Ringzentrum ziehenden Kräfte zu einer Knickung des Ringes
kommen. Diese Knickung erschwert das Aufwickeln ganz erheblich.
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Die
neue Anziehhilfe soll die Nachteile der genannten Konstruktionen
vermeiden und ein leichtes Anziehen von röhrenförmigen Textilien, wie z.B. Strümpfen ermöglichen.
Die neue Anziehhilfe kann gegebenenfalls auch für das Anziehen von röhrenförmigen Teilen
von Textilien, wie z.B. Ärmeln
und Hosenbeinen verwendet werden. Sie soll ebenfalls ein leichtes
Ausziehen von röhrenförmigen Textilien
oder Textilienteilen ermöglichen.
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Dazu
wird das röhrenförmige Textil
oder das röhrenförmige Textilienteil
auf einen elastischen Ring aufgerollt bzw. aufgewickelt. Dieser
Ring kann z.B. aus einer ursprünglich
geraden Stahlfeder bestehen, die unter Spannung kreisförmig gebogen
wurde und deren Enden lösbar
oder unlösbar
miteinander verbunden sind. 1 zeigt beispielhaft
einen solchen elastischen Ring, hier eine kreisförmig gebogene Stahlfeder. Es
kann sich aber auch um einen Ring aus einem elastischen Material,
wie z.B. Gummi handeln.
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Im
Folgenden wird die Benutzung dieses elastischen Ringes zunächst beispielhaft
als Ausziehhilfe für
Kompressionsstrümpfe
beschrieben. Anschließend
ist es leichter, den entgegengesetzten Prozess des Anziehens und
somit die Benutzung des elastischen Ringes als Anziehhilfe zu verstehen.
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Das
röhrenförmige Textil,
z.B. ein Kompressionsstrumpf, sei der Gliedmaße, hier z.B. dem Bein, bereits
angezogen. 2 zeigt ein Bein mit komplett angezogenem
Kompressionsstrumpf. Dann wird der elastische Ring um ein beliebiges
Ende des röhrenförmigen Textils
gelegt; hier also am Oberschenkel oder am Fuß. 2 zeigt, wie
der elastische Ring an der oberen Textilöffnung am Oberschenkel anliegt. Der
elastische Ring kann, wie hier gezeigt, am Oberschenkel anliegen.
Er kann aber auch einen größeren Umfang
als den des Oberschenkels haben und ein Stück von ihm abstehen.
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Wenn
die beiden Enden des elastischen Ringmaterials, hier also der Stahlfeder,
unlösbar
miteinander verbunden sind, so muss man die Gliedmaße, hier
das Bein, durch den elastischen Ring stecken. Wenn die beiden Enden
des elastischen Materials dagegen lösbar miteinander verbunden
sind, z.B. durch einen Verschlussmechanismus, so genügt es, das
elastische Material direkt am gewünschten Ende der röhrenförmigen Textils
per Hand um die Gliedma ße
zu biegen und die beiden Enden lösbar miteinander
zu verbinden. In beiden Fällen
umschließt
das elastische Material nun ringförmig sowohl die Gliedmaße als auch
das eine Ende des röhrenförmigen Textils
(siehe 2).
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Nun
kann das eine ringförmige
Ende des röhrenförmigen Textils
lösbar
am elastischen Ring, z.B. mit Hilfe von mehreren Haken und Ösen, befestigt
werden. Für
das Beispiel des Kompressionsstrumpfes heißt das also, dass an der runden
Stahlfeder kleine Haken sein können
und dass am oberen Ende des Kompressionsstrumpfes kleine Ösen sein können. Die Ösen des
Kompressionsstrumpfes werden nun in die Haken des elastischen Ringes
eingehängt.
Statt Ösen
und Haken kann aber auch z.B. ein Klettverschluss benutzt werden.
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Eine
solche lösbare
Befestigung ist jedoch nicht unbedingt nötig, da die Reibung zwischen
elastischem Ring und dem Textil genügen sollte. Dann wird das röhrenförmige Textil
erfindungsgemäß von der
Gliedmaße
ab- und dabei gleichzeitig auf den elastischen Ring aufgewickelt
(siehe 3). Dies wird solange fortgesetzt, bis beispielsweise
der Kompressionsstrumpf komplett auf den Ring aufgewickelt ist. 4 zeigt
den auf den elastischen Ring aufgewickelten Strumpf.
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Dieses
Verfahren hat folgende technischen Besonderheiten. Hier wird ein
elastisches Material, beispielsweise ein textiler Stoff (z.B. Kompressionsstrumpf)
nicht über
einen starren Körper
wie z.B. ein Walze gewickelt, sondern über einen formveränderlichen,
ebenfalls elastischen Körper.
Die Rotationsachse ist nun nicht mehr geradlinig, sondern ringförmig. Ohne äußere Einflüsse würde der
elastische Ring seine natürliche,
kreisrunde Form annehmen. Umschließt er aber einen Körper, z.B.
eine Gliedmaße,
so kann er sich jedoch dem umringten Querschnitt des Körpers, hier
der Gliedmaße,
anpassen. Auch lässt
sich der elastische Ring von Hand auf leichte Weise verformen. Der
elastische Ring ist also im Prozess des An- oder Ausziehens nicht
notwendigerweise immer kreisförmig.
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Eine
weitere Besonderheit im Vergleich zum obig angegebenen Patent (Ring
mit Kugeln) ist die viel leichtere Wickelbarkeit der neuen Anziehhilfe. Das
wird auch dadurch erreicht, dass die Torsion, die punktuell an einer
Stelle, z.B. durch eine drehende Handbewegung aufgebracht wird,
sich durch die elastischen Eigenschaften des Ringes über den
gesamten Torus fortsetzt und so zu einer Drehung, d.h. Abrollbewegung
des gesamten elastischen Ringes führt. Diese Eigenschaft ist
bei dem obig zitierten Patent (Ring mit Kugeln) nicht vorhanden,
da die Kugeln nicht miteinander verbunden sind. Eine punktuelle Wickelbewegung
dieser Anziehhilfe führt
also nur zu einer Auf- oder Abwicklung an dieser einen Stelle.
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Je
mehr der Kompressionsstrumpf auf den elastischen Ring gewickelt
wird, umso mehr drückt der
aufgewickelte Teil des Textils, hier beispielhaft des Kompressionsstrumpfes,
den Ring zusammen. In der oben erwähnten Patentschrift bezüglich einer Anziehhilfe,
welche aus einem Kunststoffring fixen Umfanges mit aufgefädelten Kugeln
besteht, führt dieser
Effekt bei fadenartigem Ringmaterial nachteilig zu einer Knickung
des Ringes und macht ein Auf- oder
Abwickeln nahezu unmöglich.
Bei der hier vorgestellten Erfindung dagegen drückt der aufgewickelte Teil
des Kompressionsstrumpfes den elastischen Ring immer weiter zusammen,
der Ring verkleinert somit seinen Umfang. Dabei bleibt die Ringform
erhalten. Eine Knickung des Ringes kann durch die Erfindung somit
vermieden werden und ein gleichmäßiges Auf-
bzw. Abwickeln des Kompressionsstrumpfes auf den Ring ist somit
möglich.
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Der
elastische Ring kann erfindungsgemäß ebenfalls als Anziehhilfe
benutzt werden. Dazu muss das röhrenförmige Textil
oder das röhrenförmige Textilteil
bereits auf den Ring aufgewickelt sein. Dies kann z.B. für einen
Kompressionsstrumpf wie eben beschrieben durch den Vorgang des Ausziehens
bereits geschehen sein.
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Das
Anziehen mit der Anziehhilfe wird nun am Beispiel des Kompressionsstrumpfes
beschrieben. Der Patient steckt seinen Fuß in den Torus, in dessen Inneren
sich der elastische Ring befindet (siehe 4). Nun kann
der Patient den Ring manuell mitsamt dem aufgewickelten Strumpf
einfach am Bein abrollen (siehe 3). Dies geschieht
so lange, bis der Strumpf komplett bis zum Oberschenkel am Bein
abgerollt ist (siehe 2). Danach wird die Anziehhilfe
entfernt (siehe 1). Bei unlösbarem Verschluss der beiden
Ringenden wird das Bein aus dem Ring gezogen, bei lösbarem Verschluss
kann der Verschluss gelöst
werden.
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Das
Prinzip des Abrollens in dieser Erfindung hat den großen Vorteil,
dass die Reibkräfte
gegenüber
dem gleitenden Reiben in den beiden erstgenannten bekannten Anziehhilfen
minimal sind und dadurch das An- oder Ausziehen enorm erleichtert wird.
Im Folgenden soll gezeigt werden, wie durch das spezielle Design
des elastischen Ringes weitere Verbesserungen in der leichteren
Anziehbarkeit von beispielsweise Kompressionsstrümpfen erreicht werden.
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Prinzipiell
kann der Ring auf diverse Beanspruchungen beliebig elastisch sein
(z.B. Zug, Druck, Scherung, Torsion). Es ist jedoch möglich, den
elastischen Ring so zu konstruieren, dass er den An- und Ausziehprozess
möglichst
optimal unterstützt.
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So
können
prinzipiell z.B. Zug- oder auch Druckfedern als Ringmaterial verwendet
werden. Druckfedern haben jedoch einen großen Vorteil. Sie wirken den
ins Ringzentrum wirkenden Kompressionskräften des gewickelten Stützstrumpfes
entgegen Dadurch wird eine Spreizung des Strumpfes bewirkt, wie
sie sonst nur durch starren Anziehhilfen aus Draht erreicht wird.
Solcherart aufgedehnt lässt
sich der Kompressionsstrumpf viel leichter an- und auch ausziehen.
Eine Druckfeder ließe
sich beispielsweise so auslegen, dass sie den teilweise aufgewickelten Kompressionsstrumpf
an der schwierigsten Stelle, dem Hacken, so weit spreizt, dass der
Strumpf sich leicht über
den Hacken ziehen lässt.
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Die
Erfindung hat gegenüber
den genannten anderen Anziehhilfen folgende Vorteile. Die neue Anziehhilfe
ist klein und einfach. Durch das erfindungsgemäße Abrollen eines röhrenförmigen elastischen Stoffes
(z.B. eines Kompressionsstrumpfes) wird der Reibwiderstand gegenüber den
anderen, gleitreibenden Verfahren, stark verringert. Durch die Verwendung
beispielsweise einer Druckfeder als Ringmaterial kommt es zu einer
reversiblen Spreizung des röhrenförmigen elastischen
Stoffes. Durch die Spreizung drückt
der (hier beispielhafte) Kompressionsstrumpf im Moment des An- oder
Ausziehens weniger auf den Untergrund, hier das Bein. Dadurch wird
der Rollwiderstand herabgesetzt und das Abrollen erleichtert.
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Die
Erfindung hat den Vorteil, dass sie auf umgekehrte Weise außerdem als
Ausziehhilfe verwendet werden kann. Der Patient muss des weiteren keine
weiteren Vorbereitungen mehr treffen, wie z.B. den Strumpf über ein
Gestell ziehen oder ein glattes Textil in den Strumpf einlegen.
Der Patient kann mit der neuen Anziehhilfe den Strumpf ohne Vorbereitungen
einfach an- oder ausziehen. Ein goßer Vorteil der Erfindung liegt
weiterhin in ihrer äußerst preisgünstigen
Herstellung. Als Ringmaterial können
z.B. ursprünglich
geradlinige Federnstränge
genutzt werden, welche ein billiges Standardprodukt der Federnindustrie
sind. Durch all die genannten Vorteile kann dem Kunden eine einfache,
aber wirksame Anziehhilfe angeboten werden.
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Die
Vorrichtung ist zunächst
als manuell betriebene Anziehhilfe für Kompressionstrümpfe gedacht.
Jedoch lässt
sie sich selbstverständlich
auch für
andere Textilien oder Teile von Textilien verwenden. Des weiteren
kann ganz allgemein der Verpackungsvorgang auch für andere
mechanische oder auch biologische Körper von dieser Vorrichtung
profitieren. Wenn z.B. ein Gegenstand verpackt werden soll, so kann
mit Hilfe des elastischen Ringes das elastische Verpackungsmaterial,
z.B. eine Folie, auf den Gegenstand aufgebracht werden. Die Abwicklung
des Ringes kann mit der Hand oder auch mechanisiert erfolgen.
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Abschließend sei
ganz besonders darauf hingewiesen, dass die zuvor erläuterten
Ausführungsbeispiele
lediglich zur Erörterung
der erfindungsgemäßen Lehre
dienen, diese jedoch nicht auf diese Ausführungsbeispiele beschränken.