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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines
Hohlzylinders aus Quarzglas, indem durch Abscheiden von SiO2-Partikeln auf einer Mantelfläche eines
um seine Längsachse
rotierenden Trägers
ein poröses
Sootrohr mit zentraler Innenbohrung hergestellt, und das Sootrohr
in einem Ofen erhitzt und gesintert wird, und dabei mittels einer
Haltevorrichtung gehalten wird, die ein in die Innenbohrung hineinragendes,
langgestrecktes Formelement umfasst, auf welches das Sootrohr unter Bildung
des Hohlzylinders aufkollabiert.
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Weiterhin
betrifft die Erfindung eine Vorrichtung, umfassend einen Ofen zum
Sintern eines eine Innenbohrung aufweisenden, porösen Sootrohres, eine
Heizeinrichtung zum Erhitzen und Sintern des Sootrohres, eine Haltevorrichtung
zum Halten des Sootrohres in vertikaler Orientierung in dem Ofen, und
ein in die Innenbohrung hineinragendes, langgestrecktes Innenrohr
mit gasdurchlässiger
Wandung, auf welches das Sootrohr unter Bildung eines Quarzglas-Hohlzylinders
aufkollabiert.
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Hohlzylinder
aus synthetischem Quarzglas werden als Zwischenprodukte für die Herstellung
von Vorformen für
optische Fasern verwendet. Beim sogenannten „Sootverfahren" umfasst ihre Herstellung einen
Abscheideprozess unter Bildung eines porösen Rohlings aus SiO2-Partikeln (hier als „Sootkörper" oder als „Sootrohr" bezeichnet) und einen Sinterprozess
zur Verglasung des Sootkörpers.
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Aus
der
DE 197 36 949
C1 ist ein Verfahren zur Herstellung eines rohrförmigen Sootkörpers nach dem „OVD-Verfahren" (Outside Vapour
Deposition) bekannt. Dabei werden mittels eines Flammhydrolysebrenners
feine SiO
2-Partikel durch Flammenhydrolyse
von SiCl
4 gebildet und schichtweise auf
der Mantelfläche
eines mit beiden Enden in eine Drehbank eingespannten und um seine
Längsachse
rotierenden Trägerstabes
abgeschieden. Ergebnis des Abscheideprozesses ist ein Sootrohr,
dessen Innenbohrung die Trägerstab-Außenkontur
abbildet. Der Trägerstab
besteht beispielsweise aus Aluminiumoxid, Graphit oder aus Quarzglas.
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Häufig sind
Hohlzylinder mit einem möglichst großen Verhältnis zwischen
Außen- und Innendurchmesser
erwünscht.
Im einfachsten Fall wäre
dies durch ein Sootrohr mit möglichst
kleiner Innenbohrung und möglichst
großem
Außendurchmesser
zu erreichen. Hierbei erweisen sich jedoch die mechanische Belastbarkeit
und die thermische Beständigkeit des
Trägerstabs
sowie die Abscheideeffizienz als begrenzende Faktoren. Einerseits
soll der Trägerstab einen
möglichst
kleinen Außendurchmesser
aufweisen, um eine kleine Innenbohrung zu hinterlassen. Je kleiner
der Außendurchmesser
des Trägerstabs
zu Beginn des Abscheideprozesses ist, umso geringer ist die jedoch
die Abscheideeffizienz. Andererseits muss der Trägerstab das Gewicht des Sootrohres aufnehmen,
das hundert Kilogramm leicht überschreiten
kann, und er muss während
des Abscheideprozesses einer hohen thermischen Belastung über mehrere
Stunden standhalten. Daher ist für
die Herstellung schwerer Sootkörper
ein dementsprechend mechanisch stabiler, also in der Regel dicker Trägerstab
unabdingbar, um Bruch oder Durchbiegung zu verhindern und eine angemessene
Abscheideeffizienz zu erreichen.
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Das
Sintern (auch als „Verglasen" bezeichnet) des
Sootkörpers
ist beispielsweise in der
EP
701 975 A2 beschrieben, aus der auch eine Vorrichtung der
eingangs genannten Gattung bekannt ist. Nachdem der Trägerstab
aus der Innenbohrung entfernt ist, wird das Sootrohr in einen Verglasungsofen
eingebracht und darin in vertikaler Orientierung mittels einer Haltevorrichtung
gehalten. Diese umfasst einen Haltestab, der sich von oben durch
die Innenbohrung des Sootrohres erstreckt und der mit einem Haltefuß verbunden
ist, auf dem das Sootrohr mit seinem unteren Ende aufsteht. Der
Haltestab besteht aus kohlefaserverstärktem Grafit (CFC; carbon fiber
reinforced carbon) und er ist im Bereich der Innenbohrung des Sootrohres
von einem gasdurchlässigen Hüllrohr aus
reinem Grafit umhüllt.
Beim Verglasen kollabiert das Sootrohr auf das Grafit-Hüllrohr auf, wobei
eingeschlossene Gase durch das gasdurchlässige Hüllrohr nach Innen entweichen
können. Durch
Variation der Dicke des Hüllrohres
können
verglaste Hohlzylinder mit unterschiedlichen Innendurchmessern unabhängig vom
Außendurchmesser des
Haltestabes, erzeugt werden.
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Beim
Kollabieren des Sootrohres erweist sich die Weite des Spaltes zwischen
dem Hüllrohr und
der Innenwandung des Sootrohres als kritisches Merkmal. Ein weiter
Spalt behindert das Aufschrumpfen des Sootrohres auf das Hüllrohr,
so dass sich bei dem Hohlzylinder nach dem Sintern ein beliebiger, undefinierter
Innendurchmesser einstellt. Außerdem kann
es zu unkontrollierbaren plastischen Verformungen und damit einhergehend
zu Schlierenbildung kommen, was die Qualität der Innenbohrung und des
verglasten Hohlzylinders insgesamt beeinträchtigt und ebenfalls zu einer
geringen Reproduzierbarkeit dieses Verfahrensschrittes beiträgt. Aus diesem
Grund wird in der Regel ein Hüllrohr
eingesetzt, das die Innenbohrung des Sootrohres so weit wie möglich ausfüllt. Der
Innendurchmesser des resultierenden Hohlzylinders kann nicht kleiner
sein als der Außen
durchmesser des Hüllrohres.
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Aus
der
DE 44 32 806 C1 ist
eine weitere Vorrichtung zum Halten von Formkörpern aus Kieselsäurepartikeln
in einem Verglasungsofen bekannt, umfassend einen Haltestab aus
kohlefaserverstärktem
Grafit, der von einem gasdurchlässigen
Hüllrohr aus
reinem Grafit mit einer Porosität
von etwa 15% umhüllt
ist. Beim Verglasen kollabiert der Formkörper auf das poröse Grafit-Hüllrohr auf.
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In
der
DE 103 25 538
A1 ist ein Verfahren zur Herstellung einer optischen Faser
beschreiben, bei dem ein Kernstab in der Innenbohrung eines Quarzglas-Hohlzylinders eingesetzt
wird, dieser Verbund mit seinem unteren Ende beginnend zonenweise
erweicht, und aus dem erweichten Bereich die optische Faser gezogen
wird. Dabei wird im Ringspalt zwischen Hohlzylinder-Innenwandung
und Kernstab ein Vakuum aufrechterhalten.
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Bei
dem Verfahren zur Herstellung eines optischen Gegenstandes gemäß der
DE 28 27 303 A1 wird
vorgeschlagen, beim Kollabieren eines hohlzylindrischen SiO
2-Sootkörpers
in der Hohlzylinder-Innenbohrung ein Vakuum anzulegen. Dabei wird
jedoch kein Hohlzylinder als Endprodukt erhalten, sondern ein Vollzylinder.
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Es
ist daher kein Verfahren bekannt, das die wirtschaftliche und reproduzierbare
Herstellung von Hohlzylindern mit kleinem Innendurchmesser oder mit
großem
Verhältnis
zwischen Außen-
und Innendurchmesser ermöglicht.
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Der
Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein wirtschaftliches
Verfahren anzugeben, mittels dem Quarzglas-Hohlzylinder mit enger
Innenbohrung über
das Sootverfahren erhalten werden können. Eine weitere Aufgabe
der Erfindung die Aufgabe ist in der Bereitstellung einer zur Durchführung des
Verfahrens geeigneten Vorrichtung zu sehen.
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Hinsichtlich
des Verfahrens wird diese Aufgabe ausgehend von dem eingangs genannten
Verfahren erfindungsgemäß dadurch
gelöst,
dass beim Sintern mindestens zeitweise eine Druckdifferenz zwischen
einem in der Innenbohrung des Sootrohres herrschenden niedrigeren
Innendruck und einem außerhalb
der Innenbohrung anliegenden höheren
Außendruck
erzeugt und aufrechterhalten wird, wobei das Formelement als ein
in die Innenbohrung hineinragendes Innenrohr mit gasdurchlässiger Wandung ausgebildet
ist, und der niedrigere Innendruck in der Innenbohrung durch Absaugen über die
gasdurchlässige
Innenrohr-Wandung aufrechterhalten wird.
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Beim
erfindungsgemäßen Verfahren
wird beim Sintern des noch porösen
Sootrohres eine Druckdifferenz zwischen dem in der Innenbohrung wirkenden
Innendruck und dem Außendruck
erzeugt. Dabei ist zu beachten, dass die Gaspermeabilität des porösen Sootrohres
den ständigen
Druckausgleich zwischen dem Innendruck und dem Außendruck
fördert,
dem durch fortlaufendes Absaugen von Gas aus der Innenbohrung entgegenzuwirken
ist. Demnach erfordert das Erzeugen und Auf rechterhalten der Druckdifferenz
sowohl eine Abdichtung der offenen Stirnseiten der Innenbohrung,
als auch eine kontinuierliche oder intervallweise Absaugung der
Innenbohrung. Ergänzend
dazu kann auch auf das zu sinternde Sootrohr ein erhöhter Druck
von Außen
angelegt werden.
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Es
hat sich gezeigt, dass das Erzeugen und Aufrechterhalten einer Druckdifferenz
beim Kollabieren der Innenbohrung den Verformungsvorgang stabilisiert
und undefinierte plastische Verformungen vermindert oder verhindert.
Der Unterdruck in der Innenbohrung trägt zur besseren Reproduzierbarkeit bei,
indem er zusätzliche,
nach Innen wirkende Kräfte beim
Kollabieren erzeugt, so dass zufällige
Schwankungen anderer Verfahrensparameter, welche zu einer undefinierten
Kollabierprozess führen
können, kompensiert
werden. Auch ein breiter Spalt zwischen der Innenwandung des Sootrohres
und dem Formelement lässt
sich so in reproduzierbarer Weise ohne Schlierenbildung beim Kollabieren
des Sootrohres schließen.
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Das
Sootrohr schrumpft beim Sintern auf das in die Innenbohrung ragende
Formelement auf, so dass dieses die Innenkontur und den Bohrungsdurchmesser
des verglasten Hohlzylinders bestimmt. Insbesondere wegen des breiten
Spaltes zwischen Formelement und Innenwandung des Sootrohres und
der daher notwendigerweise starken plastischen Verformungen beim
Kollabieren der Innenbohrung ist das Formelement für die Ausbildung
eines vorgegebenen, kleinen Bohrungsdurchmessers unerlässlich.
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Dadurch
ermöglicht
es das erfindungsgemäße Verfahren,
den Außendurchmesser
des verglasten Hohlzylinders weitgehend unabhängig von demjenigen des Sootrohres
einzustellen, und insbesondere auch solche Hohlzylinder herzustellen,
deren Innendurchmesser deutlich kleiner sind als der Träger-Außendurchmesser.
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Ein
vorteilhafter Nebeneffekt des erfindungsgemäßen Verfahrens liegt darin,
dass aus einem Sootrohr-Standard verglaste Hohlzylinder mit unterschiedlichen
Außendurchmessern
erzeugt werden können,
was eine ansonsten erforderliche Variabilität der Trägertypen reduziert und die
Lagerhaltung vereinfacht.
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Das
Verglasen oder Kollabieren von SiO2-Sootrohren
unter Helium oder Vakuum ist allgemein bekannt. Demgegenüber wird
gemäß der vorliegenden
Erfindung eine Druckdifferenz zwischen Innendruck und Außendruck
erzeugt und aufrechterhalten, mit dem Ziel der Herstellung eines
Quarzglas-Hohlzylinders mit kleinem Innendurchmesser, der durch
die Außenkontur
des in der Innenbohrung angeordneten Formelements vorgegeben ist.
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Das
Formelement ist dabei als ein in die Innenbohrung hineinragendes
Innenrohr mit gasdurchlässiger
Wandung ausgebildet, wobei der niedrigere Innendruck in der Innenbohrung
durch Absaugen über
die gasdurchlässige
Innenrohr-Wandung aufrechterhalten wird.
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Das
Innenrohr dient hierbei nicht nur als das den Innendurchmesser des
verglasten Hohlzylinders bestimmende Formteil, sondern auch als
Bestandteil einer Absaugung für
die Innenbohrung. Zum Erzeugen und Aufrechterhalten der Druckdifferenz
wird Gas aus der Innenbohrung über
die Innenrohr-Wandung und von dort über die Bohrung des Innenrohres abgesaugt.
Die Gasdurchlässigkeit
der Innenrohr-Wandung ermöglicht
auch dann noch den Durchgriff der Absaugung über die gesamte Länge der
Innenbohrung, wenn das Sootrohr bereits stellenweise auf das Innenrohr
aufkollabiert ist. Dadurch werden Gaseinschlüsse, die zu sogenannten „Taschen" führen können, vermieden.
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In
dem Zusammenhang hat es sich bewährt, wenn
die Innenrohr-Wandung einen Permeabilitätskoeffizienten nach DIN 51935
von mindestens 10–2 cm2/s
aufweist.
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Der
Permeabilitätskoeffizient
ist ein Maß für die Durchlässigkeit
einer Schicht für
gasförmige
Substanzen infolge eines Druckgefälles beiderseits der Wandung.
Für die
Bestimmung sind verschiedene Methoden bekannt. die oben genannte
Untergrenze ergibt sich anhand der Bestimmungsmethode gemäß der DIN
51935. Ein Innenrohr mit einem Permeabilitätskoeffizienten unterhalb der
genannten Untergrenze von 10–2 cm2/s
erschwert durch seinen hohen Gasströmungswiderstand das Erzeugen
und Aufrechterhalten eines ausreichend geringen Innendrucks in der
Innenbohrung, insbesondere wenn dort durch das Sintern zusätzliche
Gase freigesetzt werden. Der Permeabilitätskoeffizient des Innenrohres
wird nach oben durch die erforderliche mechanische Stabilität begrenzt.
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Bei
Einsatz eines Innenrohres aus einem gasdichten Werkstoff kann die
erforderliche Gasdurchlässigkeit
des Innenrohres durch Erzeugen von Öffnungen in der Innenrohr-Wandung
eingestellt werden. Dieser Fertigungsaufwand für die Herstellung von Öffnungen
in der Innenrohr-Wandung wird bei einer bevorzugten Verfahrensweise
vermieden, bei der ein Innenrohr aus einem porösen, gasdurchlässigen Werkstoff
eingesetzt wird.
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Als
geeignete Werkstoffe für
diesen Zweck haben sich Grafit und CFC erwiesen.
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Diese
Werkstoffe sind bei den üblichen
Sintertemperaturen thermisch stabil und gegenüber Quarzglas inert. Rohre
aus Grafit und CFC sind in hoher Reinheit und mit unterschiedlichen
Porositäten erhältlich.
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Dabei
hat es sich als günstig
erwiesen, wenn das Innenrohr eine Wandstärke im Bereich zwischen 3 und
15 mm und eine offene Porosität
im Bereich zwischen 10% und 25% aufweist.
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Bei
dünner
Wandung und hoher Porosität
ergibt sich eine besonders hohe Gasdurchlässigkeit des Innenrohres, die
zu einer ausgeprägten
Gasströmung
zum Ort des geringsten Innendruckes führen kann. Eine derartige Gasströmung kann
die Einstellung eines gewollten Temperaturprofils beim Sintern beeinträchtigen,
insbesondere wenn ein über
die Länge
des Sootrohres homogenes Temperaturprofil angestrebt wird, wie beim
isothermen Sintern. Eine dicke Wandung und eine geringe Porosität kann zu einer
ungenügenden
Absaugung und zur Ausbildung eines Gaspolsters um das Innenrohr
führen,
was ein gleichmäßiges Aufkollabieren
des Sootrohres auf das Innenrohr erschweren kann.
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Insbesondere
aus diesem Grund wird vorzugsweise ein Innenrohr mit einem Strömungswiderstand
eingesetzt wird, der geringer ist als der anfängliche Strömungswiderstand des Sootrohres.
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Der
Strömungswiderstand
des Sootrohres nimmt mit abnehmender Gasdurchlässigkeit im Verlauf des Sinterprozesses
zu. Daher entspricht der anfängliche
Strömungswiderstand
zu Beginn des Sinterprozesses dem kleinsten zu erwartenden Strömungswiderstand
des Sootrohres. Die Ausbildung von Gaspolstern zwischen dem Sootrohr
und dem Innenrohr kann sicher verhindert werden, indem ein Innenrohr
mit noch geringerem Strömungswiderstand eingesetzt
wird.
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Bei
einer ersten bevorzugten Verfahrensvariante erfolgt das Sintern
des Sootrohres durch isothermes Erhitzen, indem über der Länge des Sootrohres ein weitgehend
homogenes Temperaturfeld erzeugt wird.
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Dabei
wandert die Verglasungsfront über
die gesamte Sootrohr-Länge
von Außen
nach Innen, was zu einem kurzen Sinterprozesses führt.
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Eine
weitere Beschleunigung des Sinterprozesses wird erreicht, wenn während einer
ersten Sinterphase, in der das Sootrohr eine höhere Gasdurchlässigkeit
aufweist, ein geringerer Außendruck
aufrecht erhalten wird, und während
einer zweiten Sinterphase, in der das Sootrohr eine geringere Gasdurchlässigkeit
aufweist, der Außendruck
erhöht wird.
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Während der
ersten Sinterphase wird das Sootrohr einem möglichst geringen Gasdruck ausgesetzt,
um den Einbau von Gasen und die Entstehung von Blasen im verglasten
Material zu vermeiden. Aus dem Grund ist der poröse Soot vorzugsweise mit einer
Gasphase unter geringem Druck (Vakuum) in Kontakt oder mit einer
Gasphase, die ein in Quarzglas schnell diffundierendes Gas enthält, wie
Helium. Der Übergang
zur zweiten Sinterphase kann durch Messung des Innendrucks ermittelt
werden, da sich mit abnehmender Gasdurchlässigkeit der Sootrohr-Wandung
infolge der fortlaufenden Absaugung in der Innenbohrung ein geringerer
Druck einstellt. Während
der zweiten Sinterphase wird die bereits verdichtete Sootrohr-Außenwandung
einem höheren Außendruck
ausgesetzt, so dass sich eine höhere Druckdifferenz
zum Innendruck ergibt, die den Kollabiervorgang beschleunigt, ohne
dass deswegen ein verstärkter
Einbau von Gasen in die Wandung zu befürchten wäre.
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Besonders
bevorzugt wird der Außendruck in
dieser Sinterphase erhöht,
indem außerhalb
der Innenbohrung Stickstoff in den Ofen eingeleitet wird.
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Der
Diffusionskoeffizient für
die Diffusion von Stickstoff in Quarzglas ist vergleichsweise niedrig,
so dass sich mit Stickstoff gefüllte
Blasen in Glasschmelzen nur sehr langsam auflösen. Der Einbau von Stickstoff
in das erweichende Quarz glas ist daher möglichst zu vermeiden. Wegen
der geringeren Gasdurchlässigkeit
der äußeren Wandungsbereiche des
Sootrohres in dieser Sinterphase besteht jedoch keine Gefahr einer
merklichen Eindiffusion von Stickstoff. Die an und für sich in
dieser Hinsicht gefährdete,
noch poröse
Innenwandung des Sootrohres ist vor Kontakt mit dem Stickstoff geschützt, da
die Innenbohrung verschlossen ist. Vorteile des Einsatzes von Stickstoff
anstelle von Helium bestehen zum einen in seiner geringeren Wärmeleitfähigkeit,
die einem unerwünschten
Aufheizen von Ofenbereichen außerhalb
der Erhitzungszone entgegenwirkt, und in seinem geringeren Preis.
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Es
hat sich bewährt,
das Sootrohr in der ersten Sinterphase einem Dotier- oder Reinigungsgas und
in der zweiten Sinterphase einem Druckgas, das sich von dem Dotier-
oder Reinigungsgas unterscheidet, auszusetzen.
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Das
Dotier- oder Reinigungsgas dient dazu, Materialeigenschaften des
SiO2-Soots einzustellen oder zu verändern. Diese
Maßnahmen
sind in der ersten Sinterphase, bei porösem Soot, besonders effektiv.
Als Dotier- oder Reinigungsgas werden beispielsweise chlorhaltige
oder fluorhaltige Gase eingesetzt. Das Druckgas dient dazu, die
Umformung des Sootrohres zum gewünschten
Quarzglas-Hohlzylinder zu bewirken oder zu unterstützen. Da
diese Maßnahmen
erst in der zweiten Sinterphase, bei wenigstens an der Außenwandung
verglastem Sootrohr ergriffen werden, ist eine Dotier- oder Reinigungswirkung
durch die Gasatmosphäre
nicht mehr zu erwarten. Als Druckgas sind daher Gase besonders geeignet,
die preiswerter oder weniger giftig sind als Dotier- oder Reinigungsgase.
Hierfür
kommen insbesondere Edelgase oder Stickstoff in Betracht.
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In
einer anderen vorteilhaften Verfahrensvariante wird das Sootrohr
zonenweise gesintert, indem es mit einem Ende beginnend einem im
Ofen vorgesehenen Erhitzungsbereich kontinuierlich zugeführt wird.
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Das
zonenweise Sintern erleichtert die Ausdiffusion im Sootrohr enthaltener
Gase, da dessen Oberfläche
erst nach und nach durch Verglasen gasdicht abgeschlossen wird.
Die in axialer Richtung gleichmäßig voranschreitende
Schmelzfront vermeidet außerdem
den Einschluss unverglaster Bereiche.
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Insbesondere
im Hinblick auf eine gute Reproduzierbarkeit einer vorgegebenen
Länge des
verglasten Hohlzylinders hat sich eine Verfahrensweise besonders
bewährt,
bei der das Sootrohr mit seinem einen Ende an einem ersten Halteelement,
und mit seinem anderen Ende an einem zweiten Halteelement fixiert
ist, wobei der Halteelement-Abstand zwischen erstem und zweitem
Halteelement beim Sintern einstellbar ist.
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Bei
den Halteelementen handelt es sich Bauteile, die an den Enden des
Sootrohres fixiert sind. Diese können
gleichzeitig zum Abdichten der Innenbohrung dienen. Wesentlich ist,
dass beide Enden des Sootrohres mittels der Halteelemente gelagert werden.
Der Abstand zwischen erstem und zweitem Halteelement während des
Sinterns bleibt konstant oder er wird verändert. Bei konstantem Abstand
wird die ansonsten beim Sintern einsetzende Längenkontraktion des Sootrohres
verhindert. Außerdem
sind Stauchungen des Hohlzylinders durch allmähliches Verkürzen des
Abstandes, bzw. Längungen
durch kontinuierliche Vergrößerung des
Abstands möglich. Bei
dieser Verfahrensvariante kann auch das Verhältnis von Außendurchmesser
bzw. Innendurchmesser und Wandstärke
des verglasten Hohlzylinder gezielt beeinflusst werden. Eine über die
Länge des
Hohlzylinders besonders gleichmäßige Verformung
wird bei der oben genannten zonenweisen Sinter-Variante erreicht,
wenn der Abstand in linearer Abhängigkeit
von der Zufuhrgeschwindigkeit des Sootkörper in die Erhitzungszone
verändert
wird.
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Eine
weitere Wirkung der beschriebenen zweiseitigen Halterung besteht
darin, dass das Innenrohr von dem Gewicht des aufkollabierenden Sootrohres
entlastet wird und daher einer nur geringen mechanischen Stabilität bedarf.
Es kann daher besonders dünn
sein und/oder aus porösem
Werkstoff bestehen. Denn die unterhalb der Erhitzungszone befindliche
Masse des Sootkörpers
wird beim Sintern vom unteren, stützenden Halteelement aufgenommen,
und die oberhalb der Erhitzungszone befindliche Masse hängt am oberen
Halteelement. Während
des Sinterns werden beide Halteelemente belastet. Je nach Position
der Erhitzungszone wirken entweder auf das obere oder auf das untere
Halteelement stärkere
Gewichtskräfte.
Das Sootrohr kann gleichzeitig sowohl am oberen Halteelement hängend gehalten
als auch vom unteren Halteelement gestützt werden. Die Halteelemente
tragen insoweit ein Teil des Gewichts des Sootrohres beim Sintern, oder sie übernehmen
dieses vollständig.
Dadurch wird das in der Innenbohrung des Sootrohres angeordnete
Formelement von dieser Aufgabe entlastet, was dessen Ausbildung
als besonders filigranes, dünnes
und/oder poröses
Innenrohr ermöglicht.
Diese Entlastung beseitigt auch die Gefahr des Verbiegens des Innenrohres
unter dem Gewicht des Sootrohres beim Sintern, mit der Folge einer
gebogenen Innenbohrung beim Quarzglas-Hohlzylinder, wie dies bei
den bekannten Verfahren beobachtet wird.
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Es
hat sich als günstig
erwiesen, die Innenbohrung mittels Stopfen abzudichten.
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Die
Stopfen erleichtern die Einhaltung der Druckdifferenz zwischen dem
Innendruck und dem Außendruck.
Die Stopfen bestehen aus einem hochtemperaturfesten, möglichst
reinen Werkstoff. Aus grafithaltigen Werkstoffen, die für diesen
Zweck geeignet sind, lassen sich Stopfen mit geringem Fertigungsaufwand
herstellen.
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Vorteilhaft
werden die Stopfen beidseitig an dem Sootrohr fixiert, wobei sie
gleichzeitig als Halteelement dienen.
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Die
Stopfen können
dabei in die Innenbohrung reib- oder formschlüssig eingesetzt sein, beispielsweise
indem sie mit einem Gewinde versehen sind, das in die poröse Sootrohr-Wandung
eingedreht wird. Die Stopfen selbst oder Teile davon können auch
während
des Abscheideprozesses an den Enden des Sootrohres eingebettet werden.
Neben ihrer Funktion zum Abdichten der Innenbohrung dienen sie auch
zur Halterung des Sootrohres, indem diese Stopfen während des
Sinterns entweder unmittelbar oder mittelbar über ein weiteres Bauteil mittels einer
Haltevorrichtung gelagert sind. Das Sootrohr ist somit beiderseits
mit Halteelementen in Form der Stopfen verbunden, mittels denen
es beim Sintern in vertikaler Orientierung gehalten wird, wie dies
oben näher
erläutert
ist. Der Abstand der separat gelagerten Stopfen kann während des
Sinterns konstant gehalten oder er kann verändert werden.
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Es
hat sich weiterhin als günstig
erwiesen, außerhalb
der Innenbohrung eine Atmosphäre
zu erzeugen, die ein Reinigungs- oder Dotiermittel enthält.
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Über die
in der Innenbohrung wirkenden Absaugung wird das Reinigungs- oder
Dotiermittel durch die Sootrohr-Wandung gezogen, so dass sich ein
vergleichsweise homogenes Konzentrationsprofil mit geringem Gradienten
ergibt, das zu einer gleichmäßigen Reinigung
beziehungsweise zu einer homogenen Dotiermittelverteilung über die
Sootrohr-Wandung führt.
Als Reinigungsmittel kommen in ersten Linie Chlor und chlorhaltige
Verbindungen und als Dotiermittel Fluor und fluorhaltige Verbindungen
in Betracht.
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Vorteilhafterweise
wird der Innendruck auf 1 mbar oder weniger eingestellt und aufrechterhalten.
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Im
Bereich der Innenwandung des Sootrohres liegt bis zum Ende des Sinterprozesses
poröses Sootmaterial
vor, das im Hinblick auf einen Einbau von Gasen gefährdet ist,
wie bereits weiter oben erläutert.
Aus dem Grund ist möglichst
geringer Gasdruck im Kontakt mit diesem Bereich des Sootrohres beim
Sintern einzustellen.
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Auch
das poröse
Sootmaterial der Außenwandung
des Sootrohres wird vorzugsweise einem möglichst geringen Gasdruck ausgesetzt.
Je geringer der Gasdruck ist, umso weniger Gas diffundiert in das
Sootrohr. Zudem nimmt der Wärmetransport
im Ofenraum mit zunehmender Gasmenge zu, was zu einer höheren Temperaturbelastung
des Ofens und zu einem höheren
Energieverbrauch beiträgt.
Aus diesen Gründen
wird die Druckdifferenz zwischen dem Innendruck und dem Außendruck
möglichst
gering gehalten und im Bereich zwischen 1 mbar bis 200 mbar eingestellt.
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Da
beim Sintern durch isothermes Erhitzen des Sootrohres der Verglasungsvorgang
im Bereich der Außenwandung
beginnt, ergibt sich bei dieser Verfahrensweise die Möglichkeit
einer Erhöhung während der
zweiten Sinterphase (wie oben erläutert) ohne Gefahr eines zusätzlichen
Einbaus von Gasen.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren
ermöglicht
die Herstellung von Hohlzylindern mit schmaler Innenbohrung. Es
hat sich besonders bewährt
für die Herstellung
von Hohlzylindern mit einem Innendurchmesser im Bereich zwischen
20 mm und 45 mm.
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In
Bezug auf die Vorrichtung wird die oben genannte Aufgabe ausgehend
von der eingangs genannten Vorrichtung erfindungsgemäß dadurch
gelöst,
dass das Innenrohr verschließbar
und mit einer Vakuumleitung verbunden ist, und dass Stopfen zum beidseitigen
Verschließen
der Innenbohrung des Sootrohres vorgesehen sind.
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Die
erfindungsgemäße Vorrichtung
ermöglicht
auch bei einem breiten Spalt zwischen der Innenwandung des Sootrohres
und dem in der Innenbohrung angeordneten Innenrohr ein reproduzierbares
Kollabieren des Sootrohres auf das Innenrohr. Zu diesem Zweck ist
das Innenrohr verschließbar
und über
einer Vakuumleitung evakuierbar. Beim Evakuieren wird wegen der
Gasdurchlässigkeit
der Innenrohr-Wandung auch Gas aus der Innenbohrung abgesaugt, und
dadurch in der Innenbohrung ein Unterdruck gegenüber dem auf den Sootrohr-Außenmantel
wirkenden Druck erzeugt und aufrecht erhalten. Die Gasdurchlässigkeit
der Innenrohr-Wandung ermöglicht
auch dann noch den Durchgriff der Absaugung über die gesamte Länge der
Sootrohr-Innenbohrung, wenn dieses bereits stellenweise auf das Innenrohr
aufkollabiert ist, so dass Gaseinschlüsse, die zu sogenannten „Taschen" führen können, vermieden
werden. Zum Einstellen des Unterdrucks in der Innenbohrung ist es
weiterhin erforderlich, einen Druckausgleich durch einen Gaseinlass über die
offenen Enden der Innenbohrung möglichst
zu verhindern. Zu diesem Zweck sind Stopfen zum Verschließen der
Innenbohrung vorgesehen, wobei im Idealfalls zwar eine absolute
Gasdichtheit des Stopfenveschlusses gegeben wäre, wegen der Absaugung der Innenrohr-Bohrung
jedoch nicht erforderlich ist.
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Das
Sootrohr kollabiert beim Sintern auf das Innenrohr auf, so dass
dessen Außenmaße und Außenkontur
die Innenmaße
und -kontur des verglasten Hohlzylinders bestimmen. Gerade bei einem
breiten Spalt zwischen Innenrohr und Innenwandung des Sootrohres
und der damit einhergehenden notwendigerweise starken plastischen
Verformungen beim Kollabieren der Innenbohrung ist die Formwirkung des
Innenrohres für
die Ausbildung eines vorgegebenen, kleinen Bohrungsdurchmessers
unerlässlich.
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Durch
das Erzeugen und Aufrechterhalten einer Druckdifferenz beim Kollabieren
der Innenbohrung wird der Verformungsvorgang zusätzlich stabilisiert, so dass undefinierte
plastische Verformungen vermindert oder verhindert werden. Auch
ein breiter Spalt zwischen der Innenwandung des Sootrohres und dem
Innenrohr lässt
sich so in reproduzierbarer Weise ohne Schlierenbildung beim Kollabieren
des Sootrohres schließen.
Im Übrigen
wird auf die obigen Erläuterungen
zum erfindungsgemäßen Verfahren verwiesen.
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Vorteilhafte
Ausgestaltungen der erfindungsgemäßen Vorrichtung ergeben sich
aus den Unteransprüchen.
Soweit in den Unteransprüchen
angegebene Ausgestaltungen der Vorrichtung den in Unteransprüchen zum
erfindungsgemäßen Verfahren
genannten Verfahrensweisen nachgebildet sind, wird zur ergänzenden
Erläuterung
auf die obigen Ausführungen
zu den entsprechenden Verfahrensansprüchen verwiesen. Die in den übrigen Unteransprüchen genannten
Ausgestaltungen der erfindungsgemäßen Vorrichtung werden nachfolgend
näher erläutert.
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Durch
eine Verbindung zwischen Sootrohr und Stopfen können letztere gleichzeitig
zur Halterung und Lagerung des Sootrohres im Ofen dienen, indem
sie als oberes Halteelement und als unteres Halteelemente ausgestaltet
sind.
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Bevorzugt
weist die erfindungsgemäße Vorrichtung
eine Bewegungseinrichtung auf, mittels der mindestens das obere
Halteelement in Richtung der Sootrohr-Längsachse
bewegbar ist.
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Dadurch
kann der Abstand zwischen den beiden Halteelementen während des
Sinterns variiert werden, so dass eine Stauchung oder Streckung
des Sootrohres bzw. des daraus resultierenden Quarzglas-Hohlzylinders
ermöglicht
wird.
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Zum
Strecken des Sootrohres ist ein Innenrohr erforderlich, das länger ist
als das Sootrohr. Insbesondere zur Lösung dieses Problems hat es
sich als vorteilhaft erwiesen, wenn der obere Stopfen eine Bohrung
aufweist, in der das Innenrohr verschiebbar in Richtung der Sootrohr-Längsachse
geführt
ist.
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Die
gleitende Lagerung von oberem Stopfen und Innenrohr zueinander ermöglicht ein
allmähliches „Nachschieben" des Innenrohres
in die Innenbohrung des Sootrohres. Dabei ist ein Gaseintritt in die
Innenrohr-Bohrung möglichst
zu vermeiden. Für diesen
Zweck ist eine gasdicht geschlossene Bohrung mit einer Dichtfläche zum
Innenrohr-Außenmantel
geeignet. Alternativ dazu ist die Bohrung als Durchgangsbohrung
ausgelegt, und das obere, aus der Bohrung herausragende Ende des
Innenrohres ist gasundurchlässig
(versiegelt), so dass ein Gaseintritt über die Innenrohr-Wandung in
diesem Bereich vermieden wird. Bevorzugt wird das Problem jedoch
dadurch gelöst,
dass die Bohrung als Durchgangsbohrung ausgebildet ist, durch die
hindurch sich das obere Ende des Sootrohres in eine Kammer erstreckt,
welche die Durchgangsbohrung nach Außen abdichtet.
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Mittels
der Kammer wird sowohl die Durchgangsbohrung als auch das obere
Ende des Innenrohres nach Außen
abgedichtet, so dass weder eine Versiegelung des oberen Innenrohr-Endes,
noch eine dichte Ausbildung der Stopfen-Bohrung erforderlich sind.
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Nachfolgend
wird das erfindungsgemäße Verfahren
anhand eines Ausführungsbeispiels
und einer Zeichnung näher
erläutert.
In der Zeichnung zeigen im Einzelnen
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1 in
schematischer Darstellung das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Vorrichtung
in einer ersten Ausführungsform,
wobei ein poröses
Sootrohr mittels einer Haltevorrichtung in einem Verglasungsofen
gehalten wird,
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2 ein
Fließdiagramm
zur Erläuterung
einer Verfahrensweise zur Herstellung eines Quarzglas-Hohlzylinders
anhand des erfindungsgemäßen Verfahrens,
und
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3 eine
weitere Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens
und der erfindungsgemäßen Vorrichtung
in schematischer Darstellung.
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Beispiel 1
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1 zeigt
ein poröses
SiO2-Sootrohr 1, das zum Sintern
mittels einer Haltervorrichtung in einem Verglasungsofen 2 gehalten
wird. Das Sootrohr 1 hat eine Länge von 3 m, einen Außendurchmesser
von 300 mm und eine Innenbohrung mit einem Innendurchmesser von
50 mm.
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In
der Innenbohrung des Sootrohres 1 erstreckt sich ein Innenrohr 3 aus
porösem
Grafit. Das Innenrohr 3 hat einen Außendurchmesser von 30 mm, eine
Wandstärke
von 10 mm und eine Länge, die
etwas kürzer
ist als diejenige des Sootrohres 1. Der nach DIN 51935
ermittelte Permeabilitätskoeffizient
des Innenrohres 3 beträgt
10–1 cm2/s und es weist eine offene Porosität von 16%
auf.
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Zwischen
der Sootrohr-Innenwandung und dem Innenrohr 3 verbleibt
ein Ringspalt 9 mit einer Spaltweite von 10 mm.
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Die
Haltevorrichtung umfasst zwei Grafitstopfen 4, 5 sowie
daran jeweils angreifende Greifer 10, mittels denen die
Grafitstopfen 4, 5 ortsfest gelagert sind. Die
Grafitstopfen 4, 5 sind jeweils mit einem Gewinde 6 und
mit einem Schließkonus 7 versehen.
Sie sind in die beiden stirnseitigen Enden des Sootrohres 1 eingedreht
und schließen
sowohl den Ringspalt 9 nach Außen hin ab, als auch die Bohrung 8 des
Innenrohres 3, in welche die Schließkonen 7 beidseitig
hineinragen. Zwecks Längenausgleich
infolge der Wärmeausdehnung
des Innenrohres 3 ist zwischen oberen Grafitstopfen 4 ein
gewissen Spiel in Richtung der Mittelachse 16 vorhanden.
Durch den unteren Grafitstopfen 5 ist eine in die Bohrung 8 mündende Vakuumleitung 11 geführt, die
mit einer Vakuumpumpe verbunden ist.
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Mittels
eines Muffelrohres 12 aus Grafit ist das Sootrohr 1 von
einem ringförmigen
Heizelement 13 abgeschirmt, das sich über die gesamte Länge des
Sootrohres 1 erstreckt. In den Muffelrohr-Innenraum 15 mündet eine
Leitung 14 für
die Gaseinleitung und zum Evakuieren des Muffelrohres 12.
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Nachfolgend
wird anhand des Fließdiagramms
von 2 ein Ausführungsbeispiel
für das erfindungsgemäße Verfahren
zur Herstellung eines Hohlzylinders aus synthetischem Quarzglas
unter Einsatz der in 1 dargestellten Vorrichtung 1 näher beschrieben:
Durch
Flammenhydrolyse von SiCl4 werden in der Brennerflamme
eines Abscheidebrenners SiO2-Sootpartikel
gebildet und diese auf einem um seine Längsachse rotierenden Trägerstab
aus Al2O3 unter Bildung
eines Sootkörpers
aus porösem
SiO2 schichtweise abgeschieden. Der Trägerstab,
der eine leicht konische Außenform
mit einem mittleren Durchmesser um 50 mm hat, wird nach Abschluss des
Abscheideverfahrens entfernt. Die Dichte des so erhaltenen SiO2-Sootrohres 1 beträgt etwa
25% der Dichte von Quarzglas. Daraus wird ein transparentes Quarzglasrohr
anhand des nachfolgend beispielhaft erläuterten Verfahrens hergestellt:
In
die Innenbohrung des Sootrohres 1 wird das poröse Innenrohr 3 eingesetzt
und darin mittels der beidseitig eingeschraubten Grafitstopfen 4, 5 fixiert
und zentriert. Das Sootrohr 1 wird in den Verglasungsofen 2 eingebracht
und darin mittels der Greifer 10 der Haltevorrichtung in
vertikaler Ausrichtung gehalten.
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Der
Sinterprozess umfasst eine erste Sinterphase 21, während der
die Sootrohr-Wandung
noch gasdurchlässig
ist, und eine zweite Sinterphase 22, während der eine von Außen nach
Innen wandernde Schmelzfront eine allmähliche Verglasung und damit eine
Verdichtung der Sootrohr-Wandung bewirkt.
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Der
ersten Sinterphase 21 sind eine 16-ständige Ausheizbehandlung bei
einer Temperatur von 900°C
und eine Dehydratationsbehandlung 20 vorgeschaltet, denen
das Sootrohr 1 zum Entfernen der herstellungsbedingt eingebrachten
Hydroxylgruppen unterzogen wird. Bei der Dehydratationsbehandlung 20 wird
der gesamte Muffelrohr-Innenraum 15 durch Absaugen über die
Vakuumleitung 11 und über
die Leitung 14 zunächst
vollständig
evakuiert, und anschließend
wird das Sootrohr 1 bei einer Temperatur um 900°C in einer
Helium und Chlor enthaltenden Atmosphäre behandelt. Hierzu wird in
der Bohrung 8 durch kontinuierliches Absaugen ein Absolutdruck von
etwa 1 mbar erzeugt und aufrechterhalten, der sich infolge der Gasdurchlässigkeit
des Innenrohres 3 auch im Ringspalt 9 einstellt
(Innendruck). Gleichzeitig wird über
die Leitung 14 ein chlorhaltiges Gas in den Muffelrohr-Innenraum 15 eingeleitet,
wodurch sich außerhalb
des Sootrohres 1 ein höherer
Druck einstellt (Außendruck;
etwa 50 mbar) als im Ringspalt 9. Das chlorhaltige Gas
wird infolge des Druckgefälles
zwischen Außen-
und Innendruck über
die noch vollständig
poröse
Sootrohr-Wandung von Außen nach
Innen gesaugt. Dadurch ergibt sich eine besonders wirkungsvolle
und gleichmäßige Dehydratisierung.
Diese Behandlung ist nach etwa acht Stunden abgeschlossen.
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Zu
Beginn der ersten Sinterphase 21 wird weiterhin das Chlor
und Helium Gasgemisch über
die Leitung 14 in den Innenraum 15 eingeleitet,
und zwar in einer Menge, die bei fortgesetzter Evakuierung der Bohrung 8 und
damit des Ringspaltes 9 eine Druckdifferenz zwischen dem
Außendruck
und dem Innendruck von 100 mbar bewirkt. Infolge der Druckdifferenz
diffundiert das Gasgemisch von Außen durch die Sootrohr-Wandung
nach Innen.
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Gleichzeitig
wird das Sootrohr 1 unter der Wirkung dieser Druckdifferenz
auf eine Temperatur um 1450°C
aufgeheizt, so dass das Sootrohr 1 allmählich verglast, indem von seiner
Außenwandung beginnend
eine Schmelzfront von Außen
nach Innen fortschreitet.
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Sobald
sich eine über
die Länge
des Sootrohres 1 eine vollständig verglaste, äußere Schicht gebildet
hat, stoppt diese den weiteren Transport von Gas durch die Sootrohr-Wandung,
so dass die Soll-Druckdifferenz von bisher 100 mbar sprunghaft ansteigt
und damit den Beginn der zweiten Sinterphase 22 anzeigt.
Die Evakuierung der Bohrung 8 und des Ringspalts 9 wird
in dieser Phase 22 fortgeführt, allerdings wird die Zufuhr
des Chlor-Helium-Gasgemisches beendet und stattdessen wird Stickstoff über die
Leitung 14 in den Innenraum 15 in einer Menge
eingeleitet, dass sich zwischen dem Innendruck und dem Außendruck
eine Druckdifferenz von etwa 100 mbar einstellt. Die im Vergleich
zu Helium geringere Wärmeleitfähigkeit
von Stickstoff verringert die weitere Aufheizung der außerhalb
des Heizelements 13 liegenden Bestandteile des Verglasungsofens 2.
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Infolge
der in der zweiten Sinterphase 22 erhöhten Druckdifferenz kollabiert
die Innenbohrung des allmählich
verglasenden Sootrohres 1 besonders gleichmäßig auf
das Innenrohr 3 auf. Dieses hat wegen der separaten Halterung
des Sootrohres 1 keinerlei tragende Funktion, und kann
aus diesem Grund als besonders filigranes, dünnwandiges und aus porösem Grafit
bestehendes Rohr ausgebildet sein.
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Die
beidseitige Lagerung des Sootrohres 1 an den Grafitstopfen 4, 5 verhindert
die ansonsten beim Sintern des Sootrohres 1 einsetzende
Längenkontraktion,
so dass ein Quarzglasrohr mit genau der vorgegebenen Länge erhalten
wird. Außerdem
wird das Innenrohr 3 durch die Lagerung des Sootrohres 1 an
den Grafitstopfen 4, 5 vollkommen entlastet und verbiegt
sich dadurch nicht.
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Nach
Abschluss der Sinterprozesses wird das Innenrohr 3 entfernt.
Es wird ein Quarzglasrohr 23 mit einem Außendurchmesser
von 150 mm und mit einer qualitativ hochwertigen Innenbohrung erhalten,
die sich insbesondere durch einen besonders kleinen Innendurchmesser
von 30 mm auszeichnet.
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Die
Innenoberfläche
der Innenbohrung ist gerade, eben und sauber. Nach einer geringfügigen mechanischen
Nachbearbeitung durch Honen ist das Quarzglasrohr 23 für einen
Einsatz als Mantelrohr für die
Herstellung von Vorformen für
optische Fasern geeignet.
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Beispiel 2
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In
einer alternativen Verfahrensweise wird ein Quarzglasrohr ausgehend
von einem Sootrohr 1, wie oben in Beispiel 1 beschrieben
hergestellt, indem das Sootrohr 1 zonenweise erweicht und
verglast und dabei auf das Innenrohr 3 aufkollabiert wird.
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Der
hierzu eingesetzte Verglasungsofen ist in 3 schematisch
dargestellt. Sofern in 3 dieselben Bezugsziffern wie
in 1 verwendet sind, so sind damit baugleiche oder äquivalente
Bauteile und Bestandteile der erfindungsgemäßen Vorrichtung bezeichnet,
wie sie oben anhand der Beschreibung zu 1 näher erläutert sind.
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Der
Verglasungsofen nach 3 unterscheidet sich gegenüber dem
in 1 Dargestellten im Wesentlichen dadurch, dass
sich das ringförmige Heizelement 33 lediglich über eine
Teillänge
des Sootrohres 1 erstreckt, und dass zusätzlich eine
Bewegungsvorrichtung vorgesehen ist, mittels der das Sootrohr 1 kontinuierlich
durch das Heizelement 33 bewegt wird. Die Bewegungsvorrichtung
umfasst eine obere Verschiebeeinrichtung 31, die am oberen Grafitstopfen 4 (bzw.
am Greifer 10) angreift, und eine untere Verschiebeeinrichtung 32,
die am unteren Grafitstopfen 5 angreift. Die Verschiebeeinrichtungen 31, 32 sind
unabhängig
voneinander auf und ab bewegbar und ermöglichen so eine Stauchung oder
Streckung des Sootrohres 1 während des Sinterns.
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Das
Ausführungsbeispiel
gemäß 3 zeigt schematisch
eine Streckung während
des Sinterns. Hierzu wird die untere Verschiebeeinrichtung 32 kontinuierlich
nach unten bewegt, so dass das gesamte Sootrohr 1 entlang
der Heizeinrichtung geführt
und dabei zonenweise erhitzt und gesintert wird. Die obere Verschiebeeinrichtung 31 ist
nach oben und nach unten bewegbar. Im Ausführungsbeispiel wird sie zwecks
einer Streckung des Sootrohres 1 während des zonenweise Sinterns
ebenfalls kontinuierlich nach unten bewegt, allerdings mit einer
etwas geringeren Geschwindigkeit als die untere Verschiebeeinrichtung 32,
so dass sich beim Sintern der Abstand zwischen den Verschiebeeinrichtungen 31, 32 und damit
der Abstand zwischen den Grafitstopfen 4, 5 laufend
vergrößert, wie
dies weiter unten noch näher erläutert wird.
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Um
eine Streckung oder Stauchung des Sootrohres 1 beim Sintern
zu ermöglichen,
ist der obere Grafitstopfen 4 entlang des Innenrohres 3 verschiebbar.
Die in 3 dargestellte Streckung des Sootrohres 1 erfordert
ein Innenrohr 1, das länger
ist als die anfängliche
Länge des
Sootrohres 1. Hierzu ist der Grafitstopfen 4 mit
einer Durchgangsbohrung versehen, durch die hindurch sich das verlängerte Innenrohr 3 nach
oben erstreckt. Das obere Ende 37 des Innenrohres 3 ragt
in eine Kammer 38, die aus dem Greifer 10 und
einer Hülle 35 gebildet
wird, und die die Durchgangsbohrung des Grafitstopfens 4 umgibt.
Mittels der Kammer 38 wird sowohl die Durchgangsbohrung
als auch das obere Ende 37 des Innenrohres 3 nach
Außen
abdichtet, so dass ein Gaseinbruch über die poröse Wandung des Innenrohres 1 in
die Bohrung 8 oder über
die Durchgangsbohrung in den Ringspalt 9 vermieden wird.
Zusätzlich
ist das obere Ende 37 des Innenrohres 3 mit einem
weiteren Stopfen 34 abgedichtet. An der Hülle 35 greift
ein Ziehstab 36 an, der über eine druckdichte Durchführung aus
dem Ofenraum 15 heraus geführt ist.
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Die
verschiebbare Lagerung von Innenrohr 3 und oberem Stopfen 4 zueinander
ermöglicht
eine laufende Verlängerung
des Abstandes zwischen oberem und unterem Grafitstopfen während des
Sinterns, indem kontinuierlich das Innenrohr 3 in die Innenbohrung 9 „nachgeschoben" wird.
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Unter
Bezugnahme auf 3 wird im Folgenden die Verfahrensweise
gemäß Beispiel
2 näher erläutert:
Dem
eigentlichen Sinterprozess ist eine Dehydratationsbehandlung vorgeschaltet,
die sich von der oben anhand Beispiel 1 Beschriebenen nicht unterscheidet.
Daran anschließend
wird über
die Leitung 14 ein Chlor-Helium-Gasgemisch in den Innenraum 15 eingeleitet,
und zwar in einer Menge, die bei fortgesetzter Evakuierung der Bohrung 8 und
damit des Ringspaltes 9 eine Druckdifferenz zwischen dem
Außendruck
und dem Innendruck von 50 mbar bewirkt.
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Das
Sintern beginnt, indem das Sootrohr 1 mit seinem unteren
Ende beginnend dem auf eine Temperatur um 1500°C eingestellten Heizelement 33 kontinuierlich
von oben zugeführt
dabei zonenweise erhitzt und verglast wird. Beim Sintern und Kollabieren
des Sootrohres 1 wandert eine Schmelzfront innerhalb des
Sootrohres 1 von Außen
nach Innen und gleichzeitig von Unten nach Oben. Der Innendruck
innerhalb der Bohrung 8 wird beim Verglasen durch fortlaufendes
Evakuieren bei 0,5 mbar gehalten. Während des Verglasens schrumpft
das Sootrohr 1 auf das Innenrohr 3 zonenweise
auf. Dabei entweichende Gase werden über den noch offenporigen Bereich
des Sootrohres 1 und über
das gasdurchlässige
Innenrohr 3 abgeleitet, so dass eine Blasenbildung vermieden
wird.
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Eine
weitere Besonderheit dieser Verfahrensweise besteht darin, dass
während
des zonenweisen Sinterns die Greifer 10 mittels der Verschiebeeinrichtungen 31, 32 kontinuierlich
mit einer Geschwindigkeit 2 mm/min auseinander bewegt werden. Hierzu
werden die Absenkgeschwindigkeit der unteren Verschiebeeinrichtung 32 auf
7 mm/min, und die Zufuhrgeschwindigkeit des Sootrohres 1 zu
der Heizzone 33 mittels der oberen Verschiebeeinrichtung 31 auf
5 mm/min eingestellt. Dadurch ergibt sich während des Sinterprozesses eine
Abstandsvergrößerung von
40% zum anfänglichen
Abstand.
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Auch
bei dieser Verfahrensweise kollabiert die Innenbohrung des zonenweise
verglasenden Sootrohres 1 infolge der Druckdifferenz zwischen
Innendruck und Außendruck
besonders gleichmäßig auf
das Innenrohr 3 auf, so dass ein Quarzglasrohr mit einer
qualitativ hochwertigen und geraden Innenbohrung erhalten wird,
die sich insbesondere durch einen besonders kleinen Innendurchmesser
von 30 mm auszeichnet. Das Innenrohr 3 hat keinerlei tragende
Funktion, was seine Ausbildung in Form eines dünnwandigen und porösen Grafitrohres
ermöglicht.
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Es
wird ein Quarzglasrohr erhalten mit einer Länge von etwa 4,20 m, einem
Außendurchmesser von
127 mm und einem Innendurchmesser von 30 mm.