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Die
Erfindung betrifft eine elektrohydraulische Bremsanlage für Kraftfahrzeuge
nach der Gattung des Hauptanspruchs mit einer Fremdkraft-Bremsanlage
und einer Muskelkraft-Hilfsbremsanlage, die beim Ausfall der Fremdkraftbremsanlage die
erfindungsgemäße Bremsanlage
per Muskelkraft betätigt
und/oder im Normalbetrieb (Fremdkraftbremsung) mittels einer elektrisch
steuerbaren Einrichtung eine Nachgiebigkeit des Bremspedals durch
eine aktive Pedalweg-Simulation ermöglicht.
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Die
Erfindung beruht auf dem allgemeinen Gedanken, die Bremsanlage im
Normalbetrieb ("Brake-by-Wire"-Betrieb) getrennt
von der direkten Bremswirkung des Fahrers und in Abhängigkeit
von Fahrzustand und Fahrerwunsch anzusteuern und sie im Fehlerfall
und/oder beim Systemausfall durch die direkte, hydraulische Bremswirkung
des Fahrers zu betätigen
bzw. durch eine entsprechende Redundanz an Sensorik und Elektronik
funktionsfähig
zu halten.
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Ein
derartiges Bremssystem mit einer hydraulischen Bremswirkung des
Fahrers im Fehlerfall ist Gegenstand der
DE 19701070 A1 . Bei diesem
bekannten System wird der Druck an den Radbremszylindern im Normalbetrieb
durch eine hydrostatische Stelleinrichtung bestehend aus einer Konstantpumpe,
einem Hochdruckspeicher, einem Niederdruckspeicher und einer steuerbaren
Regelventilanordnung (regelbares Bremsdruckaufbau- und regelbares Bremsdruckabbauventil)
moduliert. Bei einer solchen Bremsanlage ist zwar diese Druckmodulation
grundsätzlich
möglich,
erfordert aber auf der einen Seite aufgrund der großen Komponentenzahl
(Elektropumpe, Hochdruck (HD)-, Niederdruck (ND)-Speicher und Regelventile)
einen sehr hohen Aufwand bzgl. des Raumplatzbedarfs und der Kosten.
Auf der anderen Seite ist die Regelgüte und damit der Bremskomfort,
beispielsweise bei radselektiven Bremseingriffen, begrenzt, da die
feine, durch die exakte Steuerung bzw. Regelung der Bremsdruckventile
erzielte Dosierung der immer maximal vorhandenen, durch die Pumpe
und/oder den Hochdruckspeicher zur Verfügung gestellten Druckenergie
Regelinstabilitäten und
Geräusche
verursachen kann. Darüber
hinaus ist die Realisierung der aktiven Pedalwegsimulation bei dieser
Bremsanlage sehr aufwändig
(ND-Speicher, Elektropumpe, HD-Speicher und zwei regelbare Pedalwegventile)
und kann aufgrund der Anwendung des selben ND-Speichers für die Pedalwegsimulation
und die Pumpenversorgung dazu führen, dass
während
einer ABS-Regelung beispielsweise der Bremsdruckabbau auf einen
niedrigen Wert verhindert wird. Mögliche Gegenmaßnahmen
dazu wären
u. a. die Überdimensionierung
der Pumpe und der Speicher und gegebenenfalls auch der Dauerbetrieb
der Pumpe während
einer Bremsung.
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Gegenüber dem
eingangs beschriebenen gattungsbildenden Stand der Technik besteht
aufgrund der Anwendung einer schnell ansprechbaren, hoch präzisen und
regelbaren Förderpumpe
ein Vorteil der Erfindung darin, zum einen ohne einen Hochdruckspeicher
und Regelventile auszukommen und zum anderen darüber hinaus darin, auf eine
einfache und sichere Weise eine exakte Druckmodulation an den Radbremszylindern
und dadurch ein feines Bremsen der Fahrzeugräder erzielen zu können. Des Weiteren
arbeitet die erfindungsgemäße Einrichtung mit
einer sehr einfachen Pedalwegsimulation mittels einer Pedalweg-Stellanordnung
ohne einen negativen Einfluss auf den Druckaufbau und/oder Druckabbau
an den Radbremszylindern und gewährleistet
einen guten Lösevorgang
des Bremspedals, da die Pedalwegsimulation die Integration eines
federbelasteten ND-Pedalwegspeichers und eines Rückschlagventils vorsieht.
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Eine
erste Aufgabe der Erfindung ist es, eine neuartige Bremsanlage (Brake-by-Wire-System)
so zu schaffen, dass durch den Ersatz der Konstantpumpe und des
Hochdruckspeichers durch eine hochfrequent und präzise arbeitende
Förderpumpe und
durch das Weglassen bzw. den Ersatz der Regelventile durch einfache
Schaltventile eine Reduzierung des Platzbedarfs und der Kosten sowie
eine bessere und sicherere Regelbarkeit der Bremsanlage zu erzielen
ist. Wichtig für
die Realisierung dieser erfindungsgemäßen Lehre ist, dass eine hochfrequent
arbeitende, exakt steuer- bzw. regelbare Förderpumpe eingesetzt wird.
Erfindungsgemäße Förderpumpen
dieser Art sind insbesondere solche mit piezoelektrischen, magnetostriktiven
und/oder elektrochemischen Aktoren als Förderelemente.
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Ein
derartiges Bremssystem mit einer Piezopumpe ist Gegenstand der
DE 19950160 A1 .
So ein bekanntes Bremssystem stellt aufgrund des niedrigen Druckniveaus
an der Saugseite (dem drucklosen Vorratsbehälter) und damit des schlechten
Ansaugverhaltens der Pumpe keine optimale Lösung für eine aktive Bremsung (ASR-
und ESP-Modus) dar. Schnellarbeitende Förderpumpen erfordern für ein gutes
Befüllen
ihres Kompressionsraums sowohl eine sehr gute Eigendynamik des Saug-
und Druckventils als auch ein relativ hohes Druckniveau an der Saugseite.
Darüber
hinaus kann dieses System auch nicht als "Brake-by-Wire" charakterisiert werden, da es im Normalbetrieb
keine hydraulische Trennung und keine über Draht realisierte, elektronische
Verbindung zwischen dem Hauptbremszylinder und den Radbremszylindern
vorsieht, so dass beispielsweise aufgrund des Rückförderns der Pumpe in den Hauptbremszylinder
während
eines Druckabbaus im ABS-Modus negative Einflüsse (z. B. Druckpulsationen)
auf das Bremspedal übertragen
werden können.
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Eine
grundsätzliche
Lösung
dieses Problems zeigt eine gattungsgemäße Bremsanlage mit den kennzeichnenden
Merkmalen der Patentansprüche
1 und 21.
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Gegenüber der
zuletzt genannten Erfindung sieht die erfindungsgemäße Ausführung zur
optimalen Erfüllung
der ersten Aufgabe der Erfindung noch folgende Maßnahmen
vor:
- – hydraulische
Trennung im Normalbetrieb (Brake-by-Wire-Betrieb) zwischen dem Hauptbremszylinder
und den Radbremszylindern
- – Optimierung
des Saugverhaltens der Förderpumpe
durch die Integration eines mit einem minimal erforderlichen Druck
beaufschlagten Niederdruckspeichers (ND-Speichers) an der Saugseite der
Pumpe (Vorladung der Förderpumpe)
- – Druckabbau
in den Radbremszylindern beispielsweise im ABS-Modus nicht über ein
Rückfördern der
Pumpe in den Hauptbremszylinder, sondern durch die Druckentlastung
in den ND-Speicher der Pumpe mittels Bremsabbauventile
- – Optimierung
der radselektiven Bremseingriffe durch die Anwendung von mehr als
einer Förderpumpe
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Zusätzlich hat
die Erfindung die Aufgabe der aktiven Pedalwegsimulation, mit der
trotz der Trennung im Normalbetrieb (Brake-by-Wire) zwischen dem
Fahrer und den Radbremszylindern ein Pedalweg erzielt wird und damit
dem Fahrer ein Pedalgefühl
vermittelt wird, das dem Pedalgefühl einer konventionellen Bremsanlage
entspricht. Ebenso soll mit dieser Pedalwegsimulationsanordnung
ein guter Lösevorgang
des Bremspedals erreicht werden, ohne beispielsweise dem Bremssystem
zusätzliche
Energie zuzuführen.
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Ein
derartiges Bremssystem mit einer hydraulischen Pedalwegsimulation
ist auch Gegenstand der
DE
197 01 070 A1 . Ein solches bekanntes Bremssystem gewährleistet
zwar sowohl ein gutes Pedalgefühl
als auch ein gutes Löseverhalten
des Bremspedals, es zeigt aber einen sehr aufwändigen Aufbau der Pedalwegsimulation
(ND-Speicher, Elektropumpe, HD-Speicher und zwei regelbare Pedalwegventile)
und kann beispielsweise negativ auf den Bremsdruckabbau im ABS-Modus
Einfluss nehmen, da der Pedalwegsimulations- und der Brake-by-Wire-Bremskreis den gleichen
ND-Speicher haben. Dadurch ist ein Bremsdruckabbau an den Rad- bremszylindern auf
einen niedrigen Wert nicht immer bzw. nur mit einem großen Energieaufwand
sicher.
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Eine
grundsätzliche
Lösung
dieses Problems zeigt eine gattungsgemäße Stellvorrichtung mit den
kennzeichnenden Merkmalen der Patentansprüche 19 und 20 auf.
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Gegenüber der
DE 197 01 070 A1 beruht
die erfindungsgemäße Ausführung der
Pedalwegsimulationsanordnung neben der Erzeugung einer Pedalreaktionskraft
für den
Fahrer während
einer Normalbremsung durch die Einstellung eines hydraulischen Widerstandes
mittels einer Regelventilanordnung auch auf folgenden konstruktiven
Gedanken:
- – hydraulische
Trennung zwischen dem Pedalwegsimulations- und dem Brake-by-Wire-Bremskreis
- – Integration
in die Pedalwegsimulationsanordnung eines federbelasteten ND-Pedalwegspeichers,
der unabhängig
vom ND-Speicher der Förderpumpe
ist und im Normalbetrieb (bei geöffnetem
Pedalwegventil) einen minimal erforderlichen Druck in seinem Inneren
aufbauen lässt.
Dieser Druck soll die Befüllung
des Hauptbremszylinders während
eines Lösevorgangs
unterstützen
- – der
Einbau in die Pedalwegsimulationsanordnung eines Rückschlagventils
soll ebenfalls zu einer besseren Befüllung des Hauptbremszylinders während eines
Lösevorgangs
beitragen
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Sollte
das Bremspedal keine hydraulische Verbindung zu den Radbremszylindern
vorsehen und seine mechanische Ausführung nur zur Erfassung des
Fahrerwunsches mittels entsprechender Sensorik dienen, ist eine
Pedalwegsimulation für
den Fahrer auch mit "trockenen" Stellvorrichtungen
möglich. Zu
diesen Systemen zählen
u.a. elektromagnetische, piezoelektrische und elektrorheologische
Bremsen und Dämpfer.
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Da
Gas oder Luft die Wirkung der Bremsanlage herabsetzen und damit
zu einem Totalausfall der Bremsanlage führen können, ist es auch Aufgabe der Erfindung,
eine gezielte Entfernung von Verunreinigungen, insbesondere von
Gas- oder Lufteinträgen aus
der Bremsanlage mittels eines Druckmittelspülvorgangs vorzusehen.
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Ausführungsbeispiele
der Erfindung, anhand der die beanspruchten Ausführungsformen noch im Einzelnen
näher erläutert werden,
sind in der Zeichnung dargestellt. In dieser zeigen in jeweils schematischer
Darstellung
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1 eine
mit einer hydraulischen Zwangskoppelung mittels Trennventilen ausgebildete
Bremsanlage mit einer intermittierend arbeitenden, hochfrequenten
Förderpumpe,
einem Bremsabbauventil in 2/2-Schaltventil-Ausführung je Radbremszylinder und
einer regelbaren, hydraulischen Pedalwegsimulationsanordnung,
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2 eine
Bremsanlage nach 1 mit einem Trennkolben je Radbremszylinder
und einem ND-Pumpenspeicher,
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3 eine
Bremsanlage nach 2 mit einer als Piezopumpe ausgebildete
Förderpumpe,
die eine hydraulische Steuerungseinheit (HCU) und eine zentrale
Elektronik (ECU) aufweist,
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4 eine
Bremsanlage nach 3 mit Druckregel- bzw. Volumenstromregelventilen
für den Bremsdruckabbau
und für
die Pedalwegsimulation,
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5 eine
ohne hydraulische Zwangskoppelung ausgebildete Bremsanlage mit einer
als Fertigteil montierten Bremsdruckmodulations-Einheit, bestehend
aus mindestens einer intermittierend arbeitenden, hochfrequenten
Piezopumpe, einem Bremsdruckabbauventil in 2/2-Schaltventil-Ausführung, einem
ND-Pumpenspeicher mit integriertem Reser voir und einem Trennkolben
sowie einer regelbaren, elektrischen Pedalwegsimulationsanordnung und
einer zentralen Elektronik (ECU),
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6 eine
Bremsanlage nach 5 mit Bremsdruckmodulations-Einheit
mit integrierter Elektronik (ECU),
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7 eine
Bremsanlage nach 5 mit Bremsdruckmodulations-Einheit
mit integrierter ND-Speicherbefüllung
und
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8 eine
Bremsanlage nach 5 mit Bremsdruckmodulations-Einheit
mit integrierter Feststellbremsfunktion.
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Die
in 1 lediglich schematisch dargestellte hydraulische
Fahrzeugbremsanlage 1 des Typs "Brake-by-Wire" weist eine mittels Bremspedal 2 betätigbare
Betätigungseinheit 3 als
Hilfskraft-Bremsanlage auf, die im Wesentlichen aus einem Zweikreis-Druckgeber
bzw. Tandem-Hauptbremszylinder 4 und einem Druckmittelvorratsbehälter 5 besteht.
Der Hauptbremszylinder 4 weist seinerseits zwei voneinander
getrennte, mit dem Vorratsbehälter 5 in
Verbindung stehende Druckräume 6, 7 auf, an
die zwei voneinander unabhängige
Bremskreise I, II angeschlossen sind. Die Druckräume 6, 7 sind über eine
anhand eines elektromagnetisch betätigbaren, in seiner Grundstellung
offenen Trennventils 8, 9 absperrbare hydraulische
Leitung 10, 11 mit Radbremsen 12 einer
Vorderachse (VA) und einer Hinterachse (HA) verbunden. In der hydraulischen
Verbindung 13, 14 zwischen den Radbremsen 12 einer
Achse ist jeweils ein elektromagnetisch betätigbares, in seiner Grundstellung
offenes Druckausgleichsventil 15, 16 (Balanceventil)
eingefügt,
das im Brake-by-Wire-Modus im geöffneten
Zustand einen Druckausgleich an den Radbremsen einer Achse und im
geschlossenen Zustand eine radindividuelle Bremsdruckregelung ermöglicht.
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Zur
Gewährleistung
eines guten Pedalgefühls
für den
Fahrer und eines guten Lösevorgangs des
Bremspedals während
der Normalbremsung (Brake-by-Wire-Betrieb) ist erfindungsgemäß eine Pedalwegsimulationsanordnung 22 an
den Bremskreis I zwischen dem Tandem-Bremszylinder 4 und dem Trennventil 8 angeschlossen,
die ein regelbares Pedalwegventil 23 in 2/2-Wegeventil-Ausführung, einen
federbelasteten ND-Speicher 24 und ein Rückschlagventil 25 vorweist.
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Des
Weiteren weist die in 1 dargestellte, erfindungsgemäße Fahrzeugbremsanlage 1 als Fremdkraft-Bremsanlage
je Radbremse 12 eine regelbare Förderpumpe 17 als Fremddruckquelle
mit einem Elektroantrieb 18 und einem elektromagnetisch
betätigbaren,
in seiner Grundstellung offenen Bremsdruckabbauventil 19 in
2/2-Wegeventil-Ausführung
auf, deren Saugseite unter Zwischenschaltung eines ersten Rückschlagventils 20 (Saugventil) an
den Vorratsbehälter 5 und
deren Druckseite unter Zwischenschaltung eines zweiten Rückschlagventils 21 (Druckventil)
an die entsprechende Radbremse 12 angeschlossen ist.
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Die
erfindungsgemäße Fahrzeugbremsanlage
weist auch Raddrucksensoren 26 an jeder Radbremse 12,
einen Drucksensor 27 für
jede Verdrängungskammer
des Hauptbremszylinders 4 und mindestens einen Pedalwegsensor 28 für das Bremspedal 2 auf,
mit dem der Hauptbremszylinder 4 betätigbar ist. Des Weiteren sind
Raddrehsensoren 29 an jedem Fahrzeugrad vorgesehen.
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Die
Steuerung der Elektroventile 8, 9, 15, 16, 19, 23 und
des Pumpenantriebs 18 erfolgt mittels eines elektronischen
Steuergeräts 30,
das Signale von den Drucksensoren 26, 27, dem
Pedalwegsensor 28 und den Raddrehsensoren 29 erhält.
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Die
in 1 beschriebene Bremsanlage arbeitet wie folgt:
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Fremdkraftbremsung (Brake
by Wire)
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Zur
Fremdkraftbremsung werden die Trennventile 8, 9 geschlossen,
d. h. der Hauptbremszylinder 4 wird hydraulisch von den
Radbremsen 12 getrennt. Bei einer Fremdkraftbremsung wird
zwischen zwei Fällen
unterschieden.
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a) Fremdkraftbremsung
mit Fahrerwirkung (Normalbetrieb)
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Der
Fahrer tritt auf das Bremspedal 2 und sein Bremswunsch
wird beispielsweise über
den Pedalwegsensor 28 und/oder den Drucksensor 27 sensiert.
Zur aktiven Einleitung einer Druckaufbauphase werden neben den Trennventilen 8, 9 die
einzelnen Bremsdruckabbauventile 19 geschlossen und die
regelbare Förderpumpe 17 eingeschaltet
und zur aktiven Pedalwegsimulation das Pedalwegventil 23 entsprechend
dem Fahrerwunsch geregelt geöffnet.
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Der
Fahrer spürt
dabei eine pedalwegabhängige,
mit dem Drucksensor 27 messbare Gegenkraft, d. h. eine
vorgewählte
Nachgiebigkeit des Bremspedals 2, die dem Fahrer das gewohnte
Bremspedalgefühl
vermittelt und durch die definierte Charakteristik der Pedalwegsimulationsanordnung 22 gebildet
wird. Auf diese Weise lässt
sich jede gewünschte
Pedalkraft-/Pedalweg-Kennlinie
einstellen und durch Modifikation des Regelalgorithmus, mit dem
das elektronische Steuergerät 30 das
Pedalwegventil 23 steuert, ändern. Dadurch wird ein vordefinierter
Volumenstrom über
das geregelte Pedalwegventil 23 in den ND-Pedalspeicher 24 abgelassen.
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Bei
einer Fremdkraftbremsung mit Fahrerwirkung dient der Hauptbremszylinder 4 als
Bremskraft-Sollwertgeber. In den Druckräumen 6,7 des Hauptzylinders 4 baut
sich ein Druck auf, der aus der Pedalkraft resultiert und mit den
Drucksensoren 27 gemessen wird. Aus den Steuersignalen
des Pedalwegsensors 28 und/oder der Drucksensoren 27 wird der
Bremsdruck des Fahrers beispielsweise als Sollverzögerung oder
Sollbremskraft errechnet. Aus diesem Fahrerwunsch werden die einzelnen
Soll-Radbremsdrücke
gebildet. Mit dieser Information baut die Förderpumpe 17 durch
das Verdrängen
der aus dem Vorratsbehälter 5 gesaugten
Bremsflüssigkeit
in die Radbremse 12 die Ist-Radbremsdrücke auf, die mit den Drucksensoren 26 gemessen
werden. Eine Druckhaltephase wird durch das Ausschalten der Förderpumpe 17 eingeleitet.
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Bei
einem Druckabbau (z. B. im ABS-Modus) werden die Bremsdruckabbauventile 19 bei
ausgeschalteten Förderpumpen
pulsierend geöffnet,
so dass das von den Radbremsen 12 aufgenommene Druckmittelvolumen über die
Leitung 31 in den Vorratsbehälter 5 abgelassen
werden kann. Bei einem Pedallösevorgang
werden die Bremsdruckabbauventile 19 und das Pedalwegventil 23 ganz
geöffnet, so
dass das von den Radbremsen 12 aufgenommene Druckmittelvolumen
weiter in den Vorratsbehälter 5 und
das von dem ND-Pedalspeicher 24 aufgenommene Druckmittelvolumen über das
Rückschlagventil 25 und
das Pedalwegventil 23 wieder in den Druckraum 6 des
Hauptbremszylinders 4 strömt.
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b) Fremdkraftbremsung
ohne Fahrerwirkung (Aktivbremsung: Z.B. ASR-/ESP-Modus)
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In
diesem Fall tritt der Fahrer nicht auf das Bremspedal 2,
so dass sein Bremswunsch über
den Pedalwegsensor 28 und/oder den Drucksensor 27 nicht
sensiert zu werden und das Bremspedalgefühl durch das Regeln des Pedalwegventils 23 der
Pedalwegsimulations-Anordnung 22 nicht simuliert zu werden
brauchen.
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Die
aktive Einleitung einer Druckaufbauphase und einer Druckabbauphase
findet ähnlich
wie bei einer Fremdkraftbremsung mit Fahrerwirkung statt. Der einzige
Unterschied ist, dass bei einer Fremdkraftbremsung ohne Fahrerwirkung
das Druckausgleichsventil 15, 16 zur radindividuellen
Bremsdruckregelung in seine geschlossene Stellung geschaltet wird.
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Die
regelbare Förderpumpe 17 der
in 1 dargestellten Fahrzeugbremsanlage 1 kann
entweder durch den hier nicht dargestellten Einbau zwischen der
Druckseite der Förderpumpe 17 und
der entsprechenden Radbremse 12 von einem zusätzlichen
2/2-Wegeventil oder durch den Ersatz des einzelnen 2/2-Wegeventils
(19) durch ein hier nicht dargestelltes Mehrwegeventil
mehrere Radbremsen 12 bedienen. Darüber hinaus kann die Fähigkeit, Schnelligkeit
und Sicherheit der Fremdkraftbremsung der in 1 dargestellten
Fahrzeugbremsanlage 1 durch den hier nicht dargestellten
Einbau von mehreren regelbaren Förderpumpen 17 erhöht werden.
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Bei
der regelbaren Förderpumpe 17 handelt es
sich erfindungsgemäß um eine
hochfrequente, verzögerungsfrei
in kürzesten
Zeitintervallen schaltbare Pumpe. Insbesondere geeignet hierfür sind Förderpumpen
mit piezoelektrischen, magnetostriktiven und/oder elektrochemischen
Aktoren als Elektroantriebe 18. Mit der erfindungsgemäßen Bremsanlage nach 1 lassen
sich beliebige Bremsdrücke
bei den Radbremsen 12 durch unterschiedliche Fördervolumina
erreichen, die durch unterschiedliche Förderzeiten, Fördermengenströme und/oder
Förderfrequenzen
der Regelpumpe 17 realisierbar sind. Beim Bremssystem nach 1 wird
im Vergleich zu den bekannten elektrohydraulischen Bremssystemen deutlich,
dass sich durch die Verwendung einer hoch präzise und intermittierend arbeitenden
Förderpumpe 17 zumindest
folgende Vorteile ergeben:
- – Verzicht auf einen Hochdruckspeicher
im gesamten Bremssystem
- – Verzicht
auf Bremsaufbauventile
- – hohe
Genauigkeit und Variabilität
der Fremdkraftbremsung aufgrund der sehr guten Regelbarkeit der
Förderpumpe 17 vor
allem im Vergleich zu der einer Konstantpumpe mit nachgeschaltetem Regel-
bzw. Schaltventil als Bremsaufbauventil
- – niedriger
Energieverbrauch, da die Förderpumpe 17 in
der Regel nur bei einem Bremsaufbau arbeitet
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Hilfskraftbremsung (Notbremsung)
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Im
Fehlerfall bzw. bei einem Ausfall der Fremdkraftbremsanlage 50,
der beispielsweise durch einen Batteriedefekt, einen Kurzschluss
oder durch Ausschalten der Zündung
verursacht wird, lässt
sich die erfindungsgemäße Fahrzeugbremsanlage 1 als Hilfskraft-Bremsanlage 40 per
Muskelkraft betätigen. Dabei
werden sowohl die Trennventile 8, 9 als auch das
Pedalwegventil 23 und die Druckausgleichsventile 15, 16 in
die in der 1 gezeigte inaktive Schaltstellung
umgeschaltet, so dass eine hydraulische Verbindung zwischen dem
Hauptbremszylinder 4 und den Radbremsen 12 freigegeben
wird, über
die ein Druckaufbau erfolgen kann. Die Realisierung des bei der
Hilfskraftbremsung nicht aktiven Pedalwegsimulators mittels des
Pedalwegventils 23 hat den Vorteil, dass er bei der Hilfskraftbremsung
keine aus dem Hauptbremszylinder 4 verdrängte Bremsflüssigkeit
aufnimmt, so dass kein Pedalweg verloren geht. Um weiter sicher
zu stellen, dass der Pedalweg während
einer Notbremsung voll genutzt wird, ist entweder die Realisierung
der Bremsdruckabbauventile 19 in einer hier nicht dargestellten,
geschlossenen Grundstellung oder der Einbau zwischen der Saugseite
der Förderpumpen 17 und
dem Druckmittelvorratsbehälter 5 eines
hier nicht dargestellten, in seiner Grundstellung geschlossenen
Sperrventils erforderlich.
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Im
Allgemeinen ist die in 1 dargestellte Bremsanlage auch
für die
Diagonalaufteilung der Bremskreise bei gleichem Komfort sowie gleichem Kosten-
und Energieaufwand realisierbar.
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Die
Ausführungsform
nach 2 unterscheidet sich von der Ausführungsform
nach 1 vor allem dadurch, dass zur Verbesserung des
Saugverhaltens der regelnden Förderpumpe 17 die
Saugseite der Förderpumpe 17 nicht
mit dem Druckmittelvorratsbehälter 5,
sondern mit dem mit einem minimal erforderlichen Druck beaufschlagten
ND-Pumpenspeicher 32 verbunden ist. Da beim Nichtbremsen
eine Druckbelastung der Radbremsen 12 durch diese durch
den ND-Pumpenspeicher 32 verursachte Vorladung der Förderpumpe 17 auf
jeden Fall zu vermeiden ist, ist zwischen der Förderpumpe 17 und der entsprechenden
Radbremse 12 der Einbau eines federbelasteten Trennkolbens 33 vorzusehen.
Der Trennkolben 33 trennt damit beim Nichtbremsen die Fremdkraft-Bremsanlage 50 hydraulisch
von der Muskelkraft-Hilfsbremsanlage 40, d.h. das Druckniveau
des ND-Pumpenspeichers 32 von dem des Druckmittelvorratsspeichers 5.
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Ein
nach dem schematischen Aufbau in 2 arbeitendes
Bremssystem ist in 3 mit Bezug auf eine Piezopumpe
als Regelpumpe dargestellt.
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Die
Piezopumpe 17 besteht aus einem Gehäuse 34, in dem einige
geschichtet aufeinander liegende, zur Erzeugung einer Längenausdehnung elektrisch
beaufschlagbare Piezoelemente 35 gelagert sind. In Ausdehnungsrichtung
wirken diese Piezoelemente 35 auf ein kolbenförmig ausgebildetes Verdrängerelement 36,
das den Förderraum 37 der Piezopumpe 17 beaufschlagt
und zur Volumenänderung
innerhalb des Förderraumes 37,
von den Piezoelementen 35 angetrieben, verschiebbar ist.
Der Förderraum 37 ist
gegenüber
dem Raum 38 der Piezoelemente 35 über das
Verdrängerelement 36 gedichtet.
Zur Vermeidung von Zugspannungen sind die zu einem Stapel geschichteten
Piezoelemente 35 durch eine sich an dem Gehäuse 34 der
Piezopumpe 17 abstützende
Feder 39 vorgespannt. Weitere Vorspannungsmaßnahmen
sind möglich.
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Weitere
Bauelemente der Piezopumpe 17 sind die hydraulisch-mechanisch
betätigten
Rücklaufsperrventile
oder Einwegeventile 40, 41 an der Saug- und Druckseite
der Piezopumpe 17. Zur Optimierung der Förderfunktion
der Piezopumpe 17 sind diese Einwegeventile 40, 41 mit
der entsprechenden Federsteifigkeit (c) und Masse (m) so auszulegen, dass
durch das so definierte Verhältnis
c/m eine günstige
Förderdynamik
der Piezopumpe 17 entsteht. Mögliche Ausführungsmöglichkeiten für diese Einwegeventile 40, 41 sind
u. a. Kugel und Platten aus Kunststoff oder Keramik mit Spiral-,
Teller- und/oder Biegefeder.
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Diese
Einwegeventile 40, 41 können durch folgende, alternative
Ausführungen
(hier nicht dargestellt) ersetzt werden:
- – elektromagnetische
bzw. piezoelektrische Schaltventile, die in Übereinstimmung mit der Arbeitsfrequenz
der Piezoelemente 35 angesteuert werden sollen und
- – konstante
Drosselstellen, die durch geometrische Maßnahmen in ihre zwei Durchflussrichtungen
unterschiedliche Durchflusskoeffizienten aufweisen, so dass ein
Pumpeffekt der Piezopumpe 17 auf einfache Weise ermöglicht wird
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Zur
Fremdkraft-Bremsung mit/ohne Fahrerwirkung funktioniert die vorstehend
beschriebene Piezopumpe bei dem Bremssystem nach 3 wie folgt:
Die Piezopumpe 17 wirkt unter elektrischer Beaufschlagung
der einzelnen Piezoelemente 35 als eine hochfrequente Pumpe,
die durch die oszillierende Bewegung des Verdrängerelementes 36 Hydraulikflüssigkeit
aus dem ND-Pumpenspeicher 32 über das Einwegeventil 40 sowie
den Förderraum 37 und anschließend das
Einwegeventil 41 in die Kammer 42 des Trennkolbens 33 transportiert.
Der dadurch aufgebaute Hydraulikdruck verschiebt den Trennkolben 33 gegen
die Kraft der Kolbenfeder 43. Diese Bewegung des Trennkolbens 33 verdrängt Bremsflüssigkeit
aus der die Kolbenfeder 43 aufweisenden Kammer 44 in
die Radbremse 12, die dadurch betätigt wird. Voraussetzung für einen
Druckausbau durch die Piezopumpe 17 während einer Fremdkraft-Bremsung ist das
Schalten des Bremsdruckabbauventils 19 in die geschlossene
Stellung. Da das Trennventil 8, 9 während der
Fremdkraft-Bremsung geschlossen ist, ist der Hauptbremszylinder 4 vom Trennkolben 33 getrennt
und wird nicht beaufschlagt.
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Beim
Erreichen des vom Fahrer gewünschten
Bremsdruckes an der Radbremse 12 wird die Piezopumpe 17 elektrisch
inaktiv geschaltet und bei einem Bremsdruckabbau auch das Bremsdruckabbauventil 19 in
seine offene Grundstellung zurückgeschaltet,
so dass die in der Kammer 42 unter Druck stehende Hydraulikflüssigkeit
in den ND-Pumpenspeicher 32 abfließen kann.
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Wie
in 3 dargestellt ist, ist es möglich alle elektrohydraulischen
Komponenten (z. B. Elektroventile, Piezopumpen, Niederdruckspeicher, Trennkolben
und Drucksensoren) der Bremsanlage in eine zentrale Hydraulikeinheit
(HCU) 46 zu integrieren, die in direkter Verbindung mit
der elektronischen Steuerungseinheit (ECU) 30 steht.
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Die
Ausführungsform
nach 4 unterscheidet sich von der Ausführungsform
nach 3 dadurch, dass erfindungsgemäß
- – das geregelte
Pedalwegventil in 2/2-Wegeventil-Ausführung entweder durch ein Druckregelventil 23a oder
durch ein Volumenstromregelventil 23b ersetzt werden kann
und
- – das
Bremsdruckabbauventil 19 in 2/2-Wegeventil-Ausführung durch
ein Regelventil 19a mit integrierter Druckbegrenzungsfunktion
(DBV-Regelfunktion) ersetzt werden kann.
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Die
Ausführungsform
nach 4 zeigt auch eine beliebige Druckquelle 45,
um die Hydraulikflüssigkeit
im ND-Pumpenspeicher 32 unter Druck zu halten. Diese Druckquelle 45 kann
beispielsweise entweder eine bei einem Kraftfahrzeug aus anderen Gründen bereits
vorhandene Hydraulikpumpe oder eine auch piezoelektrisch realisierte
Förderpumpe sein.
Durch eine Druckbeaufschlagung der Hydraulikflüssigkeit im ND-Pumpenspeicher 32 lässt sich das
Saugverhalten der Piezopumpe 17 optimieren, das vor allem
durch die Temperatur beeinflusst werden kann.
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Die
Ausführungsform
nach 5 unterscheidet sich von der Ausführungsform
nach 3 und 4 vor allem dadurch, dass die
Fremdkraft-Bremsanlage – bestehend
aus Piezopumpe 17, Bremsdruckabbauventil 19, Trennkolben 33,
mit integriertem Bremsflüssigkeitvorratsbehälter 47 eingebautem
ND-Pumpenspeicher 32 und evtl. Drucksensor 26 – als Fertigteil
in eine Bremsdruckmodulations-Einheit 50a zusammen mit
der Radbremse 12 bzw. in ihre Nähe montiert ist und dass keine
hydraulische Verbindung zwischen der Fremdkraft-Bremsanlage 50a und
der Betätigungseinheit 3 vorliegt.
Die Kommunikation zwischen der Bremsdruckmodulationseinheit 50a und
der Betätigungseinheit 3 findet rein
elektronisch über
die ECU 30 statt.
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Darüber hinaus
zeigt die Ausführungsform nach 5 auch
eine „trockene" Pedalwegsimulationsanordnung 49,
die elektrisch mittels elektromagnetischer, piezoelektrischer oder
elektrorheologischer Bremsen und Dämpfer 52 einen vorzugsweise progressiven
Bremsrückwirkungskraftverlauf
mit zunehmendem Pedalweg einstellt, indem die ECU 30 die
Signale des Weg- 28 und/oder des Kraftsensors 51 erfasst
und die Pedalbremse 52 entsprechend ansteuert.
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Das
Rückschlagventil 49 der
Bremsdruckmodulations-Einheit 50a dient dem Druckausgleich zwischen
der Radbremse 12 und dem Bremsflüssigkeitsvorratsbehälter 47 beim
Nichtbremsen, der vor allem aufgrund von Temperatureinflüssen und
Leckverlusten erforderlich sein kann.
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Die
Ausführungsform
nach 6 unterscheidet sich von der Ausführungsform
nach 5 dadurch, dass die gesamte Bremsanlage auf eine zentrale
ECU 30 verzichtet und dass stattdessen die einzelnen Bremsdruckmodulations-Einheiten 50a und
die Pedalbremse 52 mit eigener ECU 30a, 30b, 30c, 30d und 30e ausgerüstet sind.
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Im
Vergleich zu der Ausführungsform
nach 5 zeigen die Bremsdruckmodulations-Einheiten 50a der
Ausführungsform
nach 7 die Möglichkeit,
die Hydraulikflüssigkeit
im ND-Pumpenspeicher 32 mit Hilfe der eigenen Piezopumpe 17 unter
Druck zu halten, indem vorzugsweise beim Nichtbremsen und beim Detektieren
eines Druckverlustes im ND-Pumpenspeicher 32 mittels eines
hier nicht dargestellten Druck- bzw. Wegsensors die Piezopumpe 17 bei
geschlossenen 2/2-Wegeventil 53 Hydraulikflüssigkeit
aus dem Vorratsbehälter 47 durch
das Rückschlagventil 54 saugt
und durch das Bremsdruckabbauventil 19 in den ND-Pumpenspeicher 32 fördert, bis
der minimal erforderliche Druck wieder erreicht wird.
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Im
Vergleich zu der Ausführungsform
nach 5 zeigen die Bremsdruckmodulations-Einheiten 50a der
Ausführungsform
nach 8 die Integration einer Feststellbremsfunktion
für die
Radbremse 12, indem die Piezopumpe 17 beim Schließen des Bremsdruckabbauventils 19 und
beim Öffnen
des 2/2-Wegeventils 55 direkt in die Radbremse 12 Druck aufbaut.
Wird das 2/2-Wegeventil 55 wieder geschlossen, so wird
der Druck in die Radbremse 12 gehalten und das Bremsdruckabbauventil 19 kann wieder
ausgeschaltet werden. Zum Deaktivieren der Feststellbremse wird
das 2/2-Wegeventil 56 geöffnet, so dass ein Druckausgleich
zwischen der Radbremse 12 und dem Vorratsbehälter 47 stattfindet.