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Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung von Kreatin
und/oder einem seiner physiologisch geeigneten Derivate zur Prävention
oder Linderung von nicht krankheitsbedingten Beeinträchtigungen
und/oder Störungen der Muskelfunktion.
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Mit der Bezeichnung "nicht krankheitsbedingt" werden im Rahmen der
vorliegenden Erfindung sämtliche pathogenen oder pathologischen, aber
auch alle altersbedingten Ereignisse ausgeschlossen, die zum einen unter
den Fachbegriffen Myopathien, Dystrophien, Atrophien und Hypertrophien
zusammenzufassen sind, zum anderen aber auch alle anderen die
Muskelphysiologie oder Muskelfunktion betreffenden akuten oder
chronischen Krankheits- oder Alterserscheinungen. Dabei sollen unter
"Krankheit" alle Ereignisse und Syndrome verstanden werden, die nicht
vorübergehend sondern persistierend und zumeist progressiv auftreten
und/oder solche, die ohne gezielte therapeutische Maßnahmen zu massiven
und bleibenden Beeinträchtigungen der Lebensqualität durch
Veränderungen der Muskel- oder Muskelzellstruktur und/oder der
Muskelfunktion führen.
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Die nicht krankheitsbedingten Beeinträchtigungen und/oder Störungen der
Muskelfunktion umfassen im Sinne der vorliegenden Erfindung somit alle
den eben genannten oder äquivalenten Definitionen nicht zuzurechnenden,
akut auftretende und akut ausschleichende Ereignisse, die die
Muskel(zell-)struktur und/oder -funktion nicht nachhaltig verändern und die
die Lebensqualität nicht dauerhaft beeinträchtigen. Die unter dieser
Definition fallenden Symptome treten somit nur akut und vorübergehend
auf, sie gehen nicht auf eine bereits veränderte oder sich zunehmend
verschlechternde Muskel- oder Muskelzellstruktur und/oder
Muskelfunktion zurück und es müssen auch keine möglicherweise
intermittierenden aber kontinuierlichen Behandlungs- oder
Therapiemaßnahmen durchgeführt werden.
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Die möglichen Folgen von ungewohnten körperlichen Betätigungen im
Rahmen von intensiven Kurzzeit- oder anhaltenden Dauerbelastungen
treten in der Regel bei meist ungeübten oder untrainierten Personen auf,
sie sind deshalb weit verbreitet und bestens bekannt.
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Diese umgangssprachlich als "Muskelkater" bezeichneten Erscheinungen
äußern sich insbesondere im Auftreten von Muskelschmerzen, vor allem in
und um bewegte Körperpartien und üblicherweise 24 bis 48 Stunden nach
der außergewöhnlichen muskulären Beanspruchung. Im englischen
Sprachraum ist dafür der Begriff "delayed-onset muscle soreness" (DOMS)
verbreitet, was mit dem "verspäteten Einsetzen von Muskelschmerzen"
übersetzt werden kann und den typischerweise vom ursächlichen Ereignis
zeitversetzten Beginn der Symptome trefflich beschreibt.
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Aber auch Muskelschwäche, Muskelkraftverlust oder Schmerzereignisse als
Folge einer Muskelüberlastung können mit einer derartigen extensiven
Inanspruchnahme selektierter Muskelpartien einhergehen. Die Schwere
solcher Muskelschmerzen ist dabei neben der rein subjektiven Empfindung
auch abhängig von der Intensität und Dauer der vorangegangenen
Belastung, von der Art der Muskelarbeit sowie vom Alter und dem
Trainingszustand der betroffenen Person.
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Auch wenn populärwissenschaftlich vielfach eine lokale Übersäuerung der
betroffenen Körperteile durch eine erhöhte Akkumulierung von Milchsäure
in Folge anaeroben Glukoseabbaus dafür verantwortlich gemacht wird,
sieht der Fachmann die Ursache für "Muskelkater" und dessen verwandte
oder begleitende Symptome vielmehr in der Schädigung von Myofibrillen
und der nicht-kontraktilen Muskelelemente auf zellulärer Ebene (multiple
Mikrofaserrisse) mit einer lokalen Ödembildung und Entzündung der
entsprechenden Stellen als Folgereaktion. Die betroffene Muskulatur ist
nicht zuletzt aus diesem Grund in ihrer Funktion und Belastbarkeit für einen
längeren Zeitraum eingeschränkt; eine Belastung während dieser Phase
sollte vermieden werden. Gerade letzteres ist aber in vielen Fällen nicht
möglich. Darüber hinaus findet die zur Verhütung von Muskelkater
empfohlene Vermeidung eines abrupten Beginns und/oder drastischer
Intensitätssteigerungen bei körperlichen Aktivitäten vielfach keine
Beachtung.
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Gerade ältere und/oder untrainierte Personen leiden häufig in besonderem
Maße unter den Folgen einer gesteigerten exzentrischen (bremsenden)
oder isometrischen (andauernden) Belastung. Die Struktur der
Bevölkerungspyramide und der weit verbreitete sedative Lebensstil, der
eine regelmäßige körperliche Betätigung meidet und so die
durchschnittliche körperliche Betätigung drastisch reduziert, sorgen für
eine massive Verbreitung derartiger Muskelschmerzen insbesondere in
der westlichen Welt.
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Aber auch Spitzensportler im aktiven Trainingszustand können von diesen
negativen Effekten betroffen sein, insbesondere dann, wenn Art, Intensität
und Zeitraum der Belastung das ansonsten gewohnte Maß signifikant
übersteigen.
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Zur Behandlung derartiger Muskelschmerzen werden im allgemeinen
Maßnahmen empfohlen, die durchblutungsfördernd wirken oder allgemein
zur Stärkung der körperlichen Regenerationsmechanismen beitragen
sollen. Im Besonderen wird zu einer leichten Weiterbewegung der
betroffenen Muskulatur und zur Wärmeeinwirkung auf die entsprechenden
Körperpartien, bspw. durch heiße Wannenbäder oder wiederholte
Saunaaufenthalte geraten. Auch Massagen oder leichte Gymnastik sind weit
verbreitet, während ausgedehnte aufwärmende Maßnahmen, z. B. in Form
von Dehnen, Strecken oder langsam nachlassenden Bewegungen (z. B.
"cool down" in Form von Auslaufen oder Austraben) nach der eigentlichen
Belastung offensichtlich keinen oder einen nur geringen Effekt auf
Ausbildung und Entwicklung eines "Muskelkaters" zu haben scheinen.
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Die Supplementierung mit Kreatin als Hilfsmittel zur Herbeiführung von
ergogenen (kraftsteigernden) Wirkungen ist ausführlich beschrieben (vgl.
z. B. Physiol. Rev. 2000, 80, 1107, und die darin zitierten Literaturstellen 1,
46, 103, 128, 225, 305, 336, 441, 583, 627, 674, 829, 911, 913, 952, 1038, 1041,
1106). Darin wird aber lediglich die positive Wirkung von Kreatin auf die
Steigerung der Muskelkraftleistung und die Stimulierung von
Muskelwachstum, vor allem während hochintensiver Kurzzeit-Belastungen
mit Wiederholungen sowie in Übungen von mittlerer Dauer vermerkt.
Darüber hinaus existieren auch anekdotische Hinweise darauf, dass eine
orale Kreatin-Supplementierung auch die Substratverwertung und
Leistungsfähigkeit während ausgedehnteren submaximalen Belastungen zu
steigern vermag (Clin. Sci. (ENGLAND) 1994, 87, 707). Ein Bezug zu
vorbeugenden oder lindernden Effekten von Kreatin bzgl. Muskelschmerz
oder Muskelkater fehlt in diesen den Stand der Technik umfassend
wiedergebenden Literaturstellen dagegen völlig.
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Die WO 2001/28 360 schildert ein Nahrungsmittelprodukt aus Galaktose,
Kreatin und einer fakultativen dritten Komponente als ergogenes Hilfsmittel
bei sportlicher Betätigung, wobei der Vorteil des Produkts auf der
Beibehaltung oder Steigerung der Glykogenspeicher und der
Glukoseverfügbarkeit beruhen soll und wonach seine Einnahme die
Leistungsfähigkeit und Effizienz der Athleten steigert sowie eine Kurzzeit-
Energiezufuhr unter anaeroben und aeroben Bedingungen bewirkt.
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Im US-Patent 6,193,973 wird ein Nahrungsmittelzusatz in Form einer
Kombination von Kreatin mit Ginseng und Astragalus sowie ggf. Glutamin
beschrieben, der den Muskelzuwachs, die Muskelstärke und den
Muskelkraftanstieg fördert. Darüber hinaus können laut US 6,114,379
Chelate von Kreatin mit Metallen wie z. B. Magnesium, Calcium, Kupfer,
Zink oder Eisen als Nahrungsmittel-Supplement bei intensiven
Kurzzeitbelastungen körperliche Ermüdungserscheinungen lindern und die
Erholungsphase verkürzen.
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In "Medicine and Science in Sports and Exercise" (1999, 31, 1147) wurde
der Effekt der Kreatinzufuhr in Verbindung mit einem Gegendruck-Training
("resistance training") auf die muskuläre Kreatin-Akkumulation sowie
Muskelfaser-Hypertrophie untersucht, wobei die fettfreie Muskelmasse, die
physische Leistungsfähigkeit sowie die Muskelmorphologie gegenüber
dem Placebo verbessert wurden.
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Verschiedene muskuläre Erkrankungen (Dystrophien, Atrophien,
Myopathien) gehen mit erniedrigten intrazellulären Kreatinkorizentrationen
einher; die Behandlung dieser Erkrankungen mittels oraler Kreatin-
Supplementierung wurde daher vorgeschlagen (Medical Hypotheses 1998,
51, 333). DE-OS 198 30 768 beschreibt einen Kreatin und Liponsäure sowie
eine Reihe anderer Komponenten enthaltenden medizinischen Tee zur
Behandlung der muskulären Dystrophie. WO 00/10 408 beschreibt die
Herstellung von Nahrungsmittelzusätzen mit Liponsäure und Kreatin mit
einer dritten Komponente (vorzugsweise Dextrose) für Athleten zur
Steigerung von individueller Stärke und Muskelgröße. US 6,277,842
bezeichnet die Zufuhr von L-Carnitin, Chrompikolinat, Coenzym Q10,
Kreatin, Liponsäure, Niacin, Pyruvat, Riboflavin, und Thiamin als
Voraussetzung für eine Körpergewichtsabnahme und
Fettanteilsreduzierung. EP-A 1 002 532 beschreibt die Verwendung von
Kreatin oder Kreatin-Analoga zur Behandlung von Muskelatrophien, die auf
durch Alter oder Krankheit bedingte Immobilisierung oder auf eine
eingeschränkte physische Aktivität zurückzuführen sind, insbesondere zur
Wiederherstellung von Muskelmasse während des Rehabilitationstrainings.
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Gemäss Diabetes (2001), 50(1), 18-23, verhindert eine orale Kreatin-
Supplementierung den Rückgang des Gehalts von muskulärem GLUT4-
Protein im Fuß während einer zweiwöchigen Immobilisierungsphase und
steigert den Gehalt während der anschließenden Rehabilitationsphase.
Eine topische Darreichungsform von Kreatin in Form einer Salbe kann laut
WO 96/33 707 zur Steigerung der muskulären Effizienz bei Patienten in der
Rehabilitationsphase verwendet werden.
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Des Weiteren sind in "Creatine: the power supplement" (M. H. Williams,
R. B. Kreider, J. D. Branch, Human Kinetics, Champaign 1999) eine Vielzahl
von kommentierten Studien zu finden, mit deren Hilfe der ergogene, also
kraftfördernde Nutzen von Kreatin belegt werden kann (Seite 11). Die
Auswirkung von Kreatin auf die athletische Leistung wird darin als "sehr
hilfreich" (Seite 9) beschrieben, insbesondere für einmalige (Sprints) oder
wiederholte hochintensive Kurzzeitbelastungen, gegebenenfalls aber auch
in weniger intensiven länger andauernden anaeroben Übungsschüben
(Seiten 34 und 41) sowie Sportarten mit Widerstandsleistung (z. B.
Gewichtsheben). Phosphokreatin kann durch seine puffernde, eine
pH-Absenkung vermeidende Wirkung auf das Muskelgewebe
Ermüdungserscheinungen ("fatigue") verzögern (Seite 23). Kreatin-
Supplementierung wiederum kann durch Erhöhung der Phosphokreatin-
Verfügbarkeit, durch Erhöhung der Phosphokreatin-Wiedersynthese, durch
eine Verringerung der Muskel-Übersäuerung, durch Steigerung des
oxidativen Metabolismus, durch Ermöglichung einer höheren Trainings-
Belastung ("training load") und/oder durch eine Steigerung der
insbesondere fettfreien Körpermasse einer Ermüdung von Muskeln
vorbeugen (Seite 39 ff). Schließlich wird Kreatin als geeignet angesehen,
um Kraftanstrengungen beibehalten zu können (Seite 108), zur Steigerung
des Durchhaltevermögens in Trainingsübungen (Seite 155) sowie zur
vorteilhaften Einflussnahme bei Intervalltrainingseinheiten (Seite 156).
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Alle bislang gemäß Stand der Technik beschriebenen Verwendungszwecke
von Kreatin bzw. einer seiner Vorläuferverbindungen oder Metaboliten
beziehen sich somit ausschließlich entweder auf die Behandlung von
persistierenden oder progressiven Erkrankungen des Muskelapparates,
des Muskels, seiner Fasern oder Zellen oder aber auf die Verabreichung
von Kreatin-Derivaten zumeist als Nahrungsergänzungsmittel zur
nachhaltigen Vermehrung der Muskelmasse, zur kurzzeitigen Steigerung
der Leistungsfähigkeit oder zur Erhöhung der Toleranzgrenze bei
Ermüdungserscheinungen, wobei die Verabreichung stets in mehreren,
sich wiederholenden Einzeldosen und über einen "Anflutungszeitraum"
hinweg erfolgt, um so im Gewebe ein bestimmtes Kreatinniveau
einzustellen.
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Zusammenhänge zwischen der Verabreichung von Kreatin und subjektiv
empfundenen vorübergehenden Störungen oder Beeinträchtigungen des
Muskelapparates, von Muskelfasern oder Muskelzellen sowie ihrer
Funktionen, die sich hinsichtlich der Ursachen, der Genese und der
Physiologie deutlich von den für die Gabe von Kreatin bekannten
krankheitsbedingten Muskelfunktionsstörungen unterscheiden, wurden
bislang allerdings nicht beschrieben.
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Formulierungshilfsmittel als Füllstoffe Oxide von Magnesium, Aluminium,
Silicium oder Titan, mikrokristalline Cellulose und Cellulosepulver, Stärken
und deren Derivate (bspw. Maltadextrine), Lactose, Mannit und
Calciumdiphosphat; als Schmiermittel sind Stearate von Aluminium und
Calcium ebenso geeignet wie Talkum oder Silikone; als Fließmittel
kommen Magnesiumstearat, kolloidales Siliciumdioxid, Talkum oder
Aerosil, als Weichmacher niedermolekulare Polyalkylenoxide,
niedermolekulare organische Weichmacher, wie Glyzerin, Pentaerythrit,
Glyzerinmonoacetat, -diacetat oder -triacetat, Propylenglykol, Sorbit oder
Na-Diethylsulfonsuccinat, als Farbstoffe Azofarbstoffe, (an-)organische
Pigmente oder natürliche Farbmittel oder sonstige übliche Hilfsstoffe wie
Zucker(-alkohole), Polymere, Phosphate, Aromastoffe und Tenside in
Frage. Diese Formulierungshilfsmittel können im Bedarfsfall einzeln oder in
beliebigen Kombinationen in einem Gesamtanteil zwischen 0,05 und
90 Gew.-% und insbesondere zwischen 1,0 und 50 Gew.-%, jeweils
bezogen auf das Gesamtgewicht der Darreichungsform enthalten sein.
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Schließlich berücksichtigt die vorliegende Erfindung auch die
Verwendung der Kreatin-Komponente in wässrigen Lösungen, Gelen,
halbfesten Darreichungsformen, festen Lösungen, in Getränken, Brause-
oder Instantpulvern, Tabletten, Dragees, Puddings, Joghurts oder Riegeln.
Diese Auflistung gibt lediglich die besonders geeigneten
Darreichungsformen wieder. Andere Formen wie bspw. Pflaster,
Verbände, Lutschpastillen, Sprays usw. sind aber genauso geeignet.
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Aufgrund der völlig unkomplizierten Art der Verabreichung und besonders
aufgrund der guten Verträglichkeit des Kreatins sieht die Erfindung die
bevorzugte Verwendung der Kreatin-Komponente im Rahmen einer
Ergänzungs- oder Kombinationstherapie vor. Möglich ist aber auch eine
entsprechende unterstützende Verwendung bspw. bei therapeutischen
Maßnahmen während der Heilung, Rekonvaleszenz, Remission oder
Regeneration nach offenen oder geschlossenen Frakturen der Grade 1 bis 4
im Rahmen von Reposition, Retention, Ruhigstellung, Ergotherapie oder
Krankengymnastik.
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Für die vorliegende Erfindung hat sich somit die Aufgabe gestellt, eine
neue Verwendungsmöglichkeit von Kreatin und/oder einem seiner
physiologisch geeigneten Derivate im Hinblick auf den Muskelapparat
bereitzustellen.
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Gelöst wurde diese Aufgabe durch die Verwendung von Kreatin und/oder
einem seiner physiologisch geeigneten Derivate zur Prävention oder
Linderung von nicht krankheitsbedingten Beeinträchtigungen und/oder
Störungen der Muskelfunktion.
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Überraschend hat sich nun herausgestellt, dass durch die bereits
hinlänglich gut bekannte Verabreichung von Kreatin-Derivaten auch
Symptome im Bereich des Muskelapparats vermieden oder drastisch
gelindert werden können, die nicht auf eine Krankheit zurückzuführen oder
damit verbunden sind, sondern bei denen es sich zumeist um eher
subjektiv empfundene Beeinträchtigungen oder Störungen der
Muskelfunktion handelt, die vorübergehend und ohne Spät- oder
Begleitfolgen auftreten, deren Ausprägungen vielfach von der individuellen
Prädisposition des Betroffenen abhängen und die meist von
Schmerzempfindungen begleitet werden. Dass die positiven Auswirkungen
mit der Verabreichung von Kreatin-Derivaten selbst mit Hilfe von
Einzelgaben erreicht werden können, war aufgrund der bislang bekannten
Wirkungsweise des Kreatins bspw. durch eine Vermehrung der
Muskelmasse nicht zu erwarten.
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Die erfindungsgemäße Verwendung der Kreatin(-Derivate) empfiehlt sich
besondere bei Muskelkater, Muskelschwäche, Muskelkraftverlust,
Muskelüberlastung oder Muskelschmerzen, besonders bevorzugt mit
verspätetem Einsetzen ("delayed-onset muscle soreness"; DOMS), aber
auch bei Muskelzittern (Tremor), Muskelzuckungen (Myoklonien),
spontanen Muskelkontraktionen (Myokymien), Muskelverhärtungen oder
Muskelhärte (Myogelose), Muskelprellungen, bei Muskelbruch (Hernie,
Myozele), Muskelschwiele, Muskelsteifheit (Rigor), Muskelverspannungen,
diffusen oder lokalisierten Myalgien (insbesondere der Kopfmuskulatur mit
ggf. Kopfschmerzen), Myastheniesyndrom, bei mechanisch oder chemisch
bedingten Muskelentzündungen oder bei Muskelverknöcherungen
(Myositis), Muskelmetaplasien, Muskelerschlaffung (Parese),
Muskelparalyse oder Muskelplegie und allen damit assoziierten oder
assoziierbaren Symptomen.
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Ähnlich breit wie die unter der Bezeichnung "nicht krankheitsbedingte
Beeinträchtigungen oder Störungen" zusammenfassbaren Symptome ist
auch das Spektrum der zu deren Vorbeugung oder Linderung im Rahmen
der vorliegenden Erfindung bevorzugt zu verwendenden Kreatin-
Komponenten. So sind insbesondere folgende Verbindungen geeignet:
Kreatin, Kreatinmonohydrat, Kreatinin, Dikreatin, Kreatinascorbate der
Formel (Kreatin)x(Ascorbat)y(H2O)n mit x = 1 bis 100, y = 1 bis 100 und
n = 0 bis 20, Kreatindihydroascorbat, Kreatin-Citronensäure-Verbindungen
im molaren Verhältnis 1 : 1 bis 3 : 1, Kreatin-α-ketoglutarat,
Kreatinpyruvate der Formel (Kreatin)x(Pyruvat)y(H2O)n mit x = 1 bis 100,
y = 1 bis 10 und n = 0 bis 10, Kreatinphosphat, Phosphokreatin,
Kreatinacetat, Kreatinmaleat, Kreatinmalat, Kreatinfumarat,
Kreatingluconat, Kreatinformiat, Kreatinaspartat,
Kreatinphosphoenolpyruvat, Kreatinfolat, Kreatindihydrolipoat oder
Kreatinlipoat oder beliebige Mischungen daraus. Selbstverständlich
können auch alle anderen geeigneten und physiologisch verträglichen
Kreatin-Derivate dem Erfindungsgedanken folgend eingesetzt werden.
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Da die erfindungsgemäße Verwendung der Kreatin-Derivate zumeist in
Selbstmedikation erfolgt und die entsprechend subjektiv empfundenen
Störungen oder Beeinträchtigungen der Muskelfunktion sehr individuell
ausgeprägt sind, berücksichtigt die vorliegende Erfindung Einzeldosen
der Kreatin-Komponente, die zwischen 10 mg und 10,0 g, vorzugsweise
zwischen 1,0 und 5,0 g liegen. Es kann aber auch zweckdienlich sein, die
Einzeldosen unter einer Tagesdosis zu summieren, für die Kreatin-Mengen
zwischen 30 mg und 30,0 g und vorzugsweise zwischen 3,0 und 15,0 g
empfohlen werden. Wesentlich nicht nur in diesem Zusammenhang ist die
Tatsache, dass die erfindungsgemäße Verwendung prophylaktisch, also
vorbeugend erfolgt oder aber zum Zweck der Linderung bereits sich
manifestierender nicht krankheitsbedingter Beeinträchtigungen oder
Störungen der Muskelfunktion. Die Verwendung gemäß Erfindung ist somit
immer an eine definierte und zeitlich begrenzt auftretende,
muskelbelastende Maßnahme gekoppelt.
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Die vorliegende Erfindung berücksichtigt aber auch neben der
Verabreichung der Kreatin-Komponente als Monopräparat entsprechende
Darreichungsformen, welche die Kreatin-Komponente in Anteilen von 1,0
bis 95,0 Gew.-%, bevorzugt in Anteilen von 5,0 bis 90,0 Gew.-% und
besonders bevorzugt in Anteilen von 25,0 bis 85,0 Gew.-%, jeweils
bezogen auf das Gesamtgewicht der Darreichungsform, enthalten.
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Alle im vorliegenden Zusammenhang genannten Dosen oder Anteile der
Kreatin-Komponente beziehen sich auf reines Kreatin. Dies bedeutet, dass
bei der Verwendung von Kreatin-Derivaten die angegebenen Mengen der
Dosierungen denen des freien Kreatin entsprechen und damit dem
veränderten Molekulargewicht angepasst werden müssen.
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Unabhängig davon, ob die Kreatin-Komponente allein oder in Kombination
mit anderen geeigneten Komponenten verabreicht wird, haben sich im
Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Verwendungszweck
insbesondere perorale, dermale, parenterale, enterale, rektale, vaginale
oder lokale (topische) Applikationszwecke als geeignet gezeigt.
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Berücksichtigt wird von der Erfindung aber auch, dass die Kreatin-
Komponente in Darreichungsformen eingesetzt wird, die Füllstoffe,
Schmiermittel, Fließhilfsmittel, Formentrennmittel, Weichmacher,
Treibmittel, Stabilisatoren, Farbstoffe, Streckmittel, Bindemittel,
Sprengmittel, Netzmittel, Fließmittel, Gegenklebemittel oder Mischungen
daraus enthalten, wodurch die Applikationsvielfalt zusätzlich gesteigert
wird. Für bestimmte Darreichungsformen, die für die erfindungsgemäße
Anwendung besonders geeignet sind, können also auch die üblichen
Formulierungshilfsmittel verwendet werden, die dann allerdings nur als
zusätzliche fakultative Komponenten anzusehen sind. In Frage kommen
hierbei aus dem breiten Spektrum aller möglichen geeigneten
Zusammenfassend ist festzustellen, dass mit der vorliegenden Erfindung die
bereits bekannten Einsatzmöglichkeiten von Kreatin im Hinblick auf den
Muskelapparat eine vorteilhafte und aufgrund einer offensichtlich
abweichenden Wirkungsweise des Kreatins nicht vorhersehbare Ergänzung
erfahren.
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Die aufgeführten Beispiele verdeutlichen wesentliche Vorteile der
erfindungsgemäßen Verwendung von Kreatin oder einem seiner
geeigneten Derivate.
Beispiele
Beispiel 1
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32 gesunde, untrainierte Personen (18 m, 14 w) wurden randomisiert in vier
Gruppen mit je n = 8 eingeteilt. Allen vier Gruppen wurde die Erzeugung
einer Überlastung der Arm-Muskulatur durch definierte,
negativdynamische Arbeit (20% der isometrischen Maximalkraft über 45 min)
auferlegt. Gruppeneinteilung:
Gruppe 1: Supplementierung mit 4 g Kreatinmonohydrat 30 min vor, mit
Placebo 30 min nach der Belastung.
Gruppe 2: Supplementierung mit Placebo 30 min vor, mit 4 g
Kreatinmonohydrat 30 min nach der Belastung.
Gruppe 3: Supplementierung mit je 4 g Kreatinmonohydrat 30 min vor und
30 min nach der Belastung.
Gruppe 4 (Kontrollgruppe): Supplementierung mit Placebo 30 min vor und
30 min nach der Belastung.
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Alle Messungen und Befragungen erfolgten ein- bis zweimal pro Tag und
einen Tag vor bis drei Tage nach der induzierten Muskelüberlastung.
Ergebnisse
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- - physiologische Parameter: Die Gruppen 1 bis 3 wiesen im Vergleich
zur Kontrollgruppe 4 keine signifikant verschiedenen Serumspiegel von
Kreatinkinase, Alanin-Aminotransferase und Aspartat-Aminotransferase
auf; dies steht in Übereinstimmung mit Literaturbefunden (Williams,
Kreider and Branch, "Creatine: the power supplement", Champaign
1999, und darin zitierte Literatur).
- - Muskelschmerzempfindung: Die Probanden der Gruppen 1 bis 3
schätzten das Ausmaß des Muskelschmerzes anhand einer subjektiven
Skala von 1 (geringer Grad) bis 10 (hoher Grad) durchschnittlich
signifikant geringer ein als die Kontrollgruppe 4 (G1: 6; G2: 5; G3: 3;
G4: 8).
- - Zeitlicher Verlauf der Maximalkraft: Die Probanden der Gruppen 1
bis 3 wiesen gegenüber der Kontrollgruppe 4 eine signifikant kleinere
Verringerung der isometrischen Maximalkraft auf. Dies ist wiederum in
Übereinstimmung mit der überwiegenden Teil der Literaturbefunde
(Williams, Kreider and Branch, "Creatine: the power supplement",
Champaign 1999, und darin zitierte Literatur).
Beispiel 2
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18 gesunde, männliche und untrainierte Personen wurden randomisiert in
zwei Gruppen mit je n = 9 eingeteilt. Beide Gruppen sollten an einem
elektronischen Fahrradergometer solange wie möglich eine vorgegebene
Leistung (170 ± 25 W) erreichen und halten; die erzielte Zeit wurde
festgehalten. Zwei Tage nach der ersten Belastung wurde dieselbe Übung
wiederholt. Gruppeneinteilung:
Gruppe 1: Supplementierung mit je 6 g Kreatinmonohydrat 60 min vor
jeder Belastung.
Gruppe 2 (Kontrollgruppe): Supplementierung mit Placebo 60 min vor
jeder Belastung.
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Alle Messungen und Befragungen erfolgten ein- bis zweimal pro Tag und
einen Tag vor der ersten bis drei Tage nach der letzten Belastung.
Ergebnisse
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- - physiologische Parameter: Die Gruppe 1 wies im Vergleich zur
Kontrollgruppe 2 einen geringfügigen Anstieg des Serumspiegels von
Kreatinkinase auf, insbesondere nach der zweiten Belastung. Ähnliche
Befunde finden sich in Medicine Sci. Sports Exercise 1998, 30, 73 sowie
in FASEB J. 1996, 10, A791.
- - Muskelschmerzempfindung: Die Probanden der Gruppe 1 schätzten
das Ausmaß des Muskelschmerzes anhand einer subjektiven Skala von 1
(geringer Grad) bis 10 (hoher Grad) durchschnittlich signifikant
geringer ein als die Kontrollgruppe 2, insbesondere nach der zweiten
Belastung (Belastung 1: G1: 5; G2: 7. Belastung 2: G1: 3; G2: 8).
- - mittlere Ausdauer: Die Probanden der Gruppe 1 wiesen gegenüber
der Kontrollgruppe 2 eine signifikant größere mittlere Ausdauer auf.
Der Unterschied vergrößerte sich von der ersten auf die zweite
Belastungseinheit. Die Zahl der Ausfälle innerhalb der ersten zwanzig
Minuten jeder Belastungseinheit war in Gruppe 1 (n = 1 bzw. 2) deutlich
geringer als in der Kontrollgruppe 2 (n = 3 bzw. 5). Dies ist wiederum in
Übereinstimmung mit der überwiegenden Teil der Literaturbefunde
(Williams, Kreider and Branch, "Creatine: the power supplement",
Champaign 1999, und darin zitierte Literatur).