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Die Erfindung betrifft einen Auszug aus einer Brennesselpflanze, insbesondere aus
Brennnesselblättern, der mittels Extraktion mit einem lipophilen Extraktionsmittel herstellbar
ist. Ferner betrifft die Erfindung ein Arzneimittel umfassend einen derartigen Auszug
sowie die Verwendung des Arzneimittels bzw. des Auszugs zur Behandlung von
verschiedenen Erkrankungen, vorzugsweise immunologischen Erkrankungen, insbesondere
Autoimmunerkrankungen. Des weiteren betrifft die Erfindung Verfahren zur Herstellung des
Brennesselauszugs bzw. von diesen enthaltenden Arzneimitteln. Schließlich betrifft die
Erfindung ein Verfahren zur Anreicherung bzw. Isolierung von in der Brennesselpflanze
enthaltenen Wirkstoffen, sowie eine pharmazeutische Zusammensetzung umfassend
mindestens einen dieser Wirkstoffe.
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Die Brennessel (Urtica spec.) ist seit langer Zeit als Heilpflanze bekannt. Sie wird vielfach
in Kombination mit anderen Drogen zur Herstellung von Haartinkturen, Lotionen und
Haarwässern, die das Wachstum von Haaren fördern sollen, verwendet. Bekannt ist auch
die Verwendung eines wäßrigen Auszuges von Urtica spec. zusammen mit anderen
Arzneistoffen zur Herstellung einer therapeutischen Salbe, die antiseptisch wirkt. In der
Homöopathie wird Urtica spec. sowohl in Form der Urtinktur, als auch der Essenz
verwendet.
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Ethanolische und wäßrige Auszüge von Brennesselblättern (Urtica foliorum) werden als
Diuretika zur Durchspülungstherapie bei Steinleiden und zur unterstützenden Therapie
rheumatischer Beschwerden eingesetzt. Die pharmazeutische Wirksamkeit von Urtica
foliorum bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen ist durch die Sachverständigen
der Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes in Deutschland positiv
monographiert, siehe Monographie "Urtica herba, Urticum folium", BAnz Nr. 76 vom 23. April
1987. Die gegenwärtig für die adjuvante Therapie rheumatischer Erkrankungen
vertriebenen Präparate basieren auf wäßrigen bzw. wäßrig/alkoholischen (ethanolischen) Auszügen
aus Brennesselblättern, die in Form von Tropfen oder von in Kapseln enthaltenen
Trockenextrakten vertrieben werden. Besondere Bedeutung kommt solchen
Brennnesselblätterextrakten bei der Behandlung der Osteoarthritis und der rheumatoiden Arthritis zu.
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Ursache der Osteoarthritis ist meistens eine unphysiologische Belastung der Gelenke, mit
der Folge, daß Knorpelbestandteile abgerieben werden. Im Zuge der Knorpelregeneration
werden durch die Knorpelfragmente Makrophagen aktiviert, die in erhöhtem Maße
Cytokine sezernieren. Cytokine sind Immunbotenstoffe, die für Entzündungs- und
Knorpelabbauprozesse verantwortlich sind. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Cytokine
Interleukin-1E (IL-1E) und Tumornekrosefaktor-Δ (TNF-Δ). Diese Cytokine induzieren die Synthese
knorpelabbauender Enzyme sowie des Entzündungsmediators Prostaglandin E2 (PGE2).
Damit sind diese Cytokine für die Osteoarthritis zwar nicht ursächlich, aber für deren
Progredienz von entscheidender Bedeutung.
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Im Falle der Pathogenese der rheumatoiden Arthritis ist bekannt, daß ein
gelenkassoziiertes Autoantigen von TH1-Zellen spezifisch erkannt wird. Die Freisetzung von
Chemokinen lockt Monocyten und polymorphkernige Leukocyten an. Die IL-2-Ausschüttung
führt zur klonalen Expansion antigenspezifischer TH1-Zellen und wirkt mit IFN-θ
synergetisch bei der Aktivierung von Monocyten. Die aktivierten Monocyten differenzieren
sich zu Makrophagen und setzen weitere entzündungsfördernde Botenstoffe frei: IL-1E
und TNF-Δ. Diese Cytokine wiederum aktivieren das Endothel der lokalen Blutgefäße, so
daß diese Zellen spezifische Adhäsionsmoleküle exprimieren und eine verstärkte
transendotheliale Migration von Blutzellen ermöglichen. Die monocytären Cytokine IL-1E und
TNF-Δ aktivieren auch Chondrocyten und Synovialzellen, was in der Freisetzung von
Prostaglandinen und in der Expression von Metalloproteinasen resultiert. Die
Prostagladine führen zu Gefäßerweiterung, Schwellung und Rötung des Gelenks, die
Metalloproteinasen zerstören direkt das Knorpelgewebe. Die erhöhte Cytokinkonzentration in der
Synovia führt weiterhin zur synovialen Hyperplasie (Pannus-Bildung).
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Die ausgeschütteten Cytokine (IL-2/IFN-θ und IL-1E/TNF-Δ) sind die ursächlichen
Auslöser der Gewebeschäden, durch sie wird letztlich eine ganze Kaskade von
Entzündungsreaktionen in Gang gesetzt.
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T-Zellen und Cytokine sind auch für andere immunologische Erkrankungen, insbesondere
Autoimmunerkrankungen wie Psoriasis, Multiple Sklerose, insulinabhängiger Diabetes
mellitus, Morbus Crohn, Systemischer Lupus Erythematodes oder Typ IV-Allergien von
ursächlicher Bedeutung.
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Durch eine Hemmung der Synthese von IL-1E, TNF-Δ und der T-Zell-spezifischen
Cytokine sollte sich somit der Krankheitsverlauf der Osteoarthritis, der rheumatoiden Arthritis
sowie anderer immunologischer Erkrankungen positiv beeinflussen lassen.
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In neueren Ex-vivo-in-vitro-Studien an gesunden Probanden konnte gezeigt werden, daß
ein 50%-iger ethanolischer Brennesselextrakt (Rheuma-Hek) Einfluß auf die Sekretion
der monocytären Cytokine IL-1E und TNF-Δ und geringe Effekte auf die Prostraglandin-
Synthese ausübt (T. Teucher et. al., Arzneimittel-Forschung 46 (II), 9, 906-910, 1996).
Nach dreiwöchiger oraler Applikation von Rheuma-Hek ≤ konnte ex vivo abhängig von
der Einnahmedauer eine verminderte Freisetzung der beiden Cytokine nach
Lipopolysaccharid-Stimulation beobachtet werden.
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Die zuvor beschriebenen Effekte wurden in vitro nur bei relativ hohen
Extraktkonzentrationen beobachtet, In-vivo-Effekte traten erst nach längerer Behandlungsdauer auf, so daß
sich der für die Effekte verantwortliche Wirkstoff, der bislang noch nicht identifiziert
worden ist, im Körper wahrscheinlich erst anreichern muß, um eine Wirkung zu zeigen. Eine
Erhöhung der verabreichten Dosis des Brennesselextrakts ist auch und vor allem aus
arzneimittelrechtlichen Gründen nicht möglich.
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Für vorbekannte ethanolische Brennesselextrakte konnte belegt werden, daß der
Transkriptionsfaktor NF-NB das Target der wirksamen Brennessel-Inhaltsstoffe ist. NF-NB
ist von großer Bedeutung für die induzierbare Expression vieler Gene, die an
Entzündungsreaktionen beteiligt sind. NF-NB ist ubiquitär verbreitet und liegt als inaktiver
Komplex im Cytoplasma an seine inhibitorische Untereinheit INB gebunden vor. Die
aktive Form von NF-NB ist ein Heterodimer, das nach Phosphorylierung von fit
freigesetzt wird und in den Zellkern wandert. Dort bindet der aktive Transkriptionsfaktor an
regulatorische Gensequenzen der Target-Gene. Eine Vielzahl inflammatorischer Stimuli
wie LPS, Cytokine oder verschiedenen Stressoren sind in der Lage NF-NB-Aktivität zu
induzieren.
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Zu den Genen, deren Expression NF-NB auf diese Weise induziert, gehören
inflammatorische Cytokine (TNF-A, IL-1, IL-2, IL-6, IL-8), Adhäsionsmoleküle (ICAM-1, VCAM-1),
Cytokin-Rezeptoren und proinflammatorische Enzyme (iNOS, COX-2, MMP-1, MMP-3).
Bei vielen inflammatorischen Erkrankungen ist die NF-NB erhöht und führt zu der
Überexpression proinflammatorischer Genprodukte.
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NF-NB ist von zentraler Bedeutung für die Pathogenese verschiedener immunologischer
Erkrankungen. Durch die Hemmung von NF-NB wird zentral in den Entzündungsprozeß
eingegriffen, so daß NF-NB-hemmenden bzw. -modulierenden Substanzen eine besondere
pharmazeutische Bedeutung zukommt. Eine Möglichkeit NF-NB zu inhibieren, ist die
Aktivierung eines weiteren Transkriptionsfaktors, des sogenannten PPAR. PPAR wird
bekannter Weise z. B. durch Linolsäure und Linolensäure aktiviert. Diese Säuren sind, wie
im Rahmen der vorliegenden Erfindung gefunden worden ist, Inhaltsstoffe von
Brennesselblätterextrakten. Synthetische PPAR-Liganden finden bereits Anwendung in der
Behandlung des nicht-insulinabhängigen Diabetes mellitus. Darüber hinaus wird
angenommen, daß diesem Liganden auch Bedeutung bezüglich der Regulation der pathologischen
Veränderungen bei Alzheimer und verschiedenen Tumorarten zukommt.
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Die bisher bekannten Brennesselextrakte wurden nur zur adjuvanten Therapie
rheumatischer Erkrankungen verwendet. Zur Primärbehandlung werden derzeit non-steroidal
antiinflammatory drugs (NSAIDs), disease-modifying antirheumatoid drugs (DMARDs), wie
Immunsuppressiva. In der klinischen Erprobung sind weiterhin verschiedene gentechnisch
hergestellte Arzneimittel. Alle diese Arzneimittel haben jedoch den Nachteil erheblicher
Nebenwirkungen.
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Es wäre daher wünschenswert, über einen effektiveren Brennesselauszug zu verfügen, der
einen höheren Gehalt an Cytokin-hemmenden bzw. NF-NB inhibierenden Wirkstoffen
aufweist und so für eine wirksame und aufgrund der guten Verträglichkeit von
Brennesselextrakten nebenwirkungsarme Behandlung von Osteoarthritis, rheumatoider Arthritis und
anderen immunologischen sowie sonstigen Erkrankungen verwendet werden kann.
Insbesondere wäre es wünschenswert, die diesbezüglich wirksamen Substanzen im
Brennesselextrakt zu identifizieren und über eine pharmazeutische Zusammensetzung umfassend
diese wirksamen Substanzen zu verfügen.
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Es ist somit eine Aufgabe der vorliegendem Erfindung, einen Auszug aus der
Brennesselpflanze, insbesondere aus Brennesselblättern anzugeben, der bei der Behandlung von
Erkrankungen, insbesondere immunologischen oder Autoimmunerkrankungen eine höhere
Wirksamkeit aufweist als vorbekannte Auszüge.
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Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist die Bereitstellung eines Verfahrens zur
Herstellung eines derartigen Auszuges mit höherer Wirksamkeit.
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Noch eine weitere Aufgabe ist es, medizinische Verwendungen für diese Auszüge
anzugeben.
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Schließlich ist es Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Anreicherung bzw. Isolierung
von in der Brennesselpflanze enthaltenen Wirkstoffen zur Behandlung verschiedener
Erkrankungen, insbesondere Autoimmunerkrankungen, sowie diese Wirkstoffe enthaltende
pharmazeutische Zusammensetzungen anzugeben.
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Diese Aufgaben werden durch die Merkmale der unabhängigen Ansprüche gelöst.
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Die abhängigen Ansprüche definieren vorteilhafte Ausführungsformen der Erfindung.
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In den der vorliegenden Erfindung zugrundeliegenden Untersuchungen wurde
überraschend gefunden, daß Auszüge aus Brennesseln, die mittels Extraktionsmitteln
gewonnen worden sind, die unpolarer sind als Ethanol, im Bioassay eine höhere Hemmwirkung
auf die Sekretion der Cytokine IL-2, IL-1E und TNF-Δ zeigen als die vorbekannten
wäßrigen, wäßrig/ethanolischen oder ethanolischen Brennesselextrakte (siehe Beispiel 1
unten), wodurch sich solche lipophilen Extrakte für die Verwendung zur Behandlung von
immunologischen bzw. Autoimmunerkrankungen, insbesondere der rheumatoiden
Arthritis in hervorragender Weise eignen.
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Als Extraktionsmittel zur Herstellung der erfindungsgemäßen Auszüge kommen
grundsätzlich alle Lösungsmittel in Betracht, die unpolarer, also lipophiler, sind als Ethanol, wie
beispielsweise Propanol, Isopropanol, höhere ein- und mehrwertige Alkohole wie zum
Beispiel Butanol, bei Raumtemperatur flüssige Alkane wie n-Pentan, Hexan und Heptan
und dergleichen. Bevorzugt werden solche Extraktionsmittel, bei deren Verwendung ein
Drogen-Extrakt-Verhältnis (DEV), also ein Verhältnis zwischen der pflanzlichen Droge
und dem erhaltenen Extrakt, erreicht wird, das zwischen ca. 19-33 : 1, bevorzugt zwischen
22-28 : 1 liegt. Das besonders bevorzugte Extraktionsmittel ist Isopropanol.
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Die erfindungsgemäßen Auszüge können sowohl aus der gesamten Brennesselpflanze
gewonnen werden, bevorzugt werden erfindungsgemäß Auszüge aus Brennesselblättern
verwendet. Es können sowohl frische Brennesseln bzw. Brennesselblätter als auch
getrocknete Brennesseln bzw. Brennesselblätter verwendet werden. Die Extraktion der frischen
Pflanze bzw. ihrer Blätter erfolgt vorzugsweise nach Einfrieren der Pflanze bzw. ihrer
Blätter, beispielsweise in flüssigem Stickstoff. Gemäß einer bevorzugten
Ausführungsform werden die Brennesselblätter zunächst vermahlen und pro kg an Blättern mit 5 l
Extraktionsmittel ausgezogen. Der eigentliche Extraktionsvorgang ist unproblematisch
und kann in an sich bekannter Weise und unter Verwendung an sich bekannter
Apparaturen z. B. durch Mazeration oder Perkolation erfolgen. Bei der Verwendung von
Isopropanol als Extraktionsmittel kann die Extraktion bei Temperaturen zwischen 20 und 70°C
durchgeführt werden, bevorzugt ist die Extraktion bei Raumtemperatur. Der bei einer
derartigen Extraktion gewonnene Auszug kann entweder in flüssiger Form oder nach
teilweiser oder vollständiger Entfernung des Extraktionsmittels zu Arzneimitteln zur Behandlung
von Autoimmunerkrankungen weiter verarbeitet werden. Diese Arzneimittel können
sowohl für die orale Applikation in Form von Tabletten, Pellets, Granulaten, Kapseln,
Tropfen und dergleichen als auch für die topische Applikation (Salben, Lotionen) oder die
Applikation mittels Injektion konfektioniert sein. Neben dem Brennesselextrakt können
die Arzneimittel auch andere Wirkstoffe, wie NSAIDs und/oder DMARDs umfassen.
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Gemäß einem bevorzugten erfindungsgemäßen Verfahren, bei dem die in der Brennessel
enthaltenen biologisch aktiven Fettsäuren im Extrakt angereichert werden, wird zunächst
ein isopropanolischer Auszug aus Brennesseldroge hergestellt und nachfolgend das
Extraktionsmittel Isopropanol abgedampft. Dann wird zur Verseifung biologisch aktiver
Fettsäuren eine ethanolische Lösung einer alkalisch reagierenden Verbindung,
vorzugsweise Kaliumhydroxid oder Natriumhydroxid zugesetzt. Nachfolgend wird die so
erhaltene Lösung mit einem unpolaren Lösungsmittel, vorzugsweise Heptan, extrahiert,
wodurch nicht verseifbare unpolare Inhaltsstoffe abgetrennt werden. Nachfolgend wird die
wäßrige Phase angesäuert und mit einem unpolaren Lösungsmittel, vorzugsweise Heptan,
extrahiert. Die biologisch aktiven Fettsäuren befinden sich nun in der organischen Phase
und sind von polaren, in der wäßrigen Phase befindlichen Inhaltsstoffen abgetrennt
worden. Die organische Phase wird dann separiert und das Lösungsmittel abgedampft. In dem
erhaltenen Produkt liegen die biologisch aktiven Fettsäuren angereichert vor.
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Um die in den Extrakten gemäß der vorliegenden Erfindung enthaltenen Verbindungen zu
charakterisieren, wurde ein isopropanolischer Brennesselblätterextrakt mittels Hochdruck-
Flüssigkeitschromatographie (HPLC), Gaschromatographie mit Massenspektrometrischer
Detektion (GC-MS) und Kernmagnetischer Resonanz (NMR) untersucht. Das HPLC-
Chromatogramm eines erfindungsgemäßen isopropanolischen Auszuges ist in Fig. 1
dargestellt, in der die erhaltenen Peaks den mittels MS und NMR ermittelten Substanzen
zugeordnet sind. Neben Δ-Linolensäure und Δ-Linolsäure wurden auch die Verbindungen
9-Hydroxy-10,12-octadecadiensäure ("9-HODE"), 13-Hydroxy-9,11-octadecadiensäure
("13-HODE"), 9-Hydroxy-10,12,15-octadecatriensäure ("9-HOTrE") sowie 13-Hydroxy-
9,11,15-octadecatriensäure ("13-HOTrE") identifiziert. Mit Hilfe der in den
nachfolgenden Beispielen näher erläuterten Bioassays wurde überraschend gefunden, daß
Verbindungen aus der Klasse der Hydroxyoctadecatriensäuren, bevorzugt 13-HOTrE und 9-
HOTrE, neben der Hemmung der T-Zell-Cytokine auch eine signifikante Hemmung
monocytärer Cytokine bewirken. Damit wurde erstmals gefunden, daß die Verbindung 13-
HOTrE, die an sich als ein Fungizid bekannt ist und kommerziell von der Firma Cayman
Chemical bezogen werden kann, zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen
verwendet werden kann.
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Die vorliegende Erfindung betrifft somit auch die Verwendung von Verbindungen aus der
Klasse der Hydroxyoctadecatriensäuren, bevorzugt 13-HOTrE und 9-HOTrE, zur
Behandlung von immunologischen Erkrankungen, insbesondere Autoimmunerkrankungen, sowie
Arzneimittel umfassend Verbindungen aus der Klasse der Hydroxyoctadecatriensäuren,
bevorzugt 13-HOTrE und 9-HOTrE.
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Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen die Erfindung, ohne sie zu beschränken.
Beispiel 1
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Frische Brennesselblätter wurden geerntet und sofort in flüssigem Stickstoff eingefroren.
Die so gewonnenen Brennesselblätter wurden anschließend in flüssigem Stickstoff
zermörsert und mit verschiedenen Extraktionsmitteln bzw. bei verschiedenen
Extraktionstemperaturen ausgezogen, nämlich mit
- A) Wasser bei 60°C
- B) 50%-igem Ethanol bei 60°C
- C) Wasser bei 100°C und
- D) Isopropanol bei 45°C.
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Die so erhaltenen Extrakte wurden mit dem folgenden Bioassay hinsichtlich ihrer
biologischen Aktivität überprüft:
Jurkat-Zellen wurden mit 1 × 106 Zellen pro ml eingesetzt, mit 6 µg Phytohämagglutinin
(PHA)/1,2 ng Phorbolmyristatacetat (PMA) (bezogen von der Firma Sigma) stimuliert und
für 20 Stunden mit den erhaltenen Extrakten co-inkubiert. Der Zellkulturüberstand wurde
entnommen und die IL-2-Produktion mit Hilfe eines kommerziell erhältlichen ELISA
(Firma Biosource) gemessen.
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Die mittels dieses Bioassays ermittelten biologischen Aktivitäten der Extrakte A)-D) sind
in Tabelle 1 zusammengefaßt.
Tabelle 1
Biologische Aktivität verschiedener Brennesselblätterextrakte
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Aus den tabellierten Daten geht hervor, daß die wäßrigen Extraktionen (A und C) keinen
Einfluß auf die IL-2-Produktion zeigen. Der 50%-ige ethanolische Extrakt hemmte die IL-
2-Produktion um bis zu 30% und der isopropanolische Extrakt bis zu ca. 70%, wobei die
halbmaximale Hemmkonzentration (IC50) 200 µg/ml betrug.
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Aus diesen Ergebnissen geht hervor, daß isopropanolische Extrakte der Brennesselpflanze
eine sehr viel stärkere Hemmung der Produktion des proinflammatorisch wirkenden IL-2
zeigen als die vorbekannten wäßrigen bzw. ethanolischen Extrakte.
Beispiel 2
Verfahren zur Anreicherung aktiver Fettsäuren
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7,5 kg getrocknete Brennesselblätter wurden mit 37,5 l 95%-igem Isopropanol über 6 h
bei 70°C extrahiert. Danach wurden 170 g des gewonnen isopropanolischen Extrakts mit
3 l ethanolischer Natronlauge (1 n) versetzt und 1 h bei 60°C gerührt. Nach dem
Abkühlen wurden 0,5 l destilliertes Wasser zugesetzt und zweimal mit jeweils 2,5 l Heptan
extrahiert. Die Phasen wurden im Scheidetrichter separiert. Die wäßrige Phase wurde mit
400 ml 10%-iger Salzsäure versetzt und anschließend zweimal mit 2,5 l Heptan
extrahiert. Die Phasen wurden erneut separiert, die wäßrige Phase verworfen und die
Heptanphase am Rotationsverdampfer eingeengt. Es wurden 90 g Produkt erhalten, entsprechend
einem Droge-Extrakt-Verhältnis von 83 : 1. Das Produkt enthielt 36,4% Linolensäure und
14,2% Linolsäure (zum Vergleich: der vorbekannte ethanolische Extrakt aus
Brennesselblättern enthält 0,2% Linolensäure und 0,1% Linolsäure).
Beispiel 3
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Um den Einfluß der Extraktionsbedingungen auf die biologische Aktivität der
Brennesselextrakte zu bestimmen, wurden in mehreren Versuchsreihen Brennesseldroge bzw.
-drogenpulver mit verschiedenen Extraktionsmitteln und bei variierenden
Extraktionsparametern ausgezogen. Die in den jeweiligen Versuchen erhaltenen Extrakte wurden dann
mittels des oben in Beispiel 1 beschriebenen Bioassays auf ihre IL-2-Hemmwirkung
untersucht. Einige der erhaltenen Extrakte wurden mittels eines weiteren Bioassays, bei dem
peripheral blood mononuclear cells (PBMCs) von gesunden Probanden mit 5 ng/ml
Lipopolysaccharid (LPS bezogen von der Firma Sigma) stimuliert, für 8 Stunden mit den zu
testenden Extrakten bzw. Substanzen co-inkubiert und die IL-1E- und
TNF-Δ-Konzentrationen anschließend aus dem zellfreien Überstand mit Hilfe spezifischer ELISA (Firma
Biosource) bestimmt wurden. Die in diesen Versuchsreihen erhaltenen Ergebnisse sind in
Tabelle 2 zusammengefaßt und den für vorbekannte ethanolische Extrakte erhaltenen
Werten gegenübergestellt. Die Versuchsergebnisse sind detailliert in den Fig. 2 und 3
dargestellt. Zum Vergleich ist in der Tabelle auch die Hemmwirkung der Verbindung 13-
HOTrE aufgeführt. Ebenfalls aufgeführt sind die bei den verschiedenen Extraktionen
erhaltenen Droge-Extrakt-Verhältnisse. Die unter den verschiedenen Bioassays in
Klammern angegebenen Werte sind die maximalen Hemmungen, die im nichttoxischen
Konzentrationsbereich des jeweiligen Extraktes erreicht werden können bzw. die
Extraktkonzentration, bei der die maximale Hemmung erreicht wird.
Tabelle 2
Ermittelte biologische Aktivitäten
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Aus den tabellierten Daten und den Fig. 2 und 3 geht deutlich hervor, daß der direkt
aus Drogenpulver unter Verwendung von 99,8 bzw. 95%-igem Isopropanol gewonnene
Extrakt im Vergleich zu dem vorbekannten ethanolischen Extrakt Rheuma-Hek ≤ deutlich
erhöhte Hemmwirkungen auf die Cytokine IL-2, IL-1E und TNF-Δ ausübt.
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Während bei den Extraktionen mit Isopropanol ohne nachfolgende Verseifung und
Heptanextraktion Produkte erhalten werden, die einen relativen Fettsäuregehalt von ca. 4-7%
aufwiesen, konnten durch die Verseifung/Heptanextraktion Produkte mit einem relativen
Fettsäuregehalt von ca. 50% erhalten werden.
Beispiel 4
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Der nach isopropanolischer Extraktion und Trocknung erhaltene Brennesselblätterauszug
wurde zu befilmten Pellets folgender Zusammensetzung verarbeitet:
| Inhaltsstoff | Gehalt [Gew.-%] |
| Brennesselextrakt (Trockenrückstand) | 50,960 |
| Siliciumdioxid, hochdispers | 39,200 |
| mikrokristalline Cellulose | 7,840 |
| Befilmung: |
| Hydroxypropylcellulose | 1,143 |
| Polyethylenglycol 4000 | 0,286 |
| Talkum 3T Extra | 0,571 |
Beispiel 5
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Brennesselblätter wurden wie oben beschrieben mit Isopropanol extrahiert. Nach Filtration
wurde die isopropanolische Phase eingedampft, wodurch ein nativer
Brennesselblätterextrakt erhalten wurde. Dieser wurde zu einer Salbe mit folgender Zusammensetzung
verarbeitet:
| Hydrophile Salbe gemäß DAB 1999 | 94,9 Gew.-% |
| Sorbinsäure | 0,1 Gew.-% |
| Brennesselblätterextrakt, nativ | 5,0 Gew.-% |
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Die Herstellung erfolgte, indem die Salbengrundlage (hydrophile Salbe) vorgelegt und
eingeschmolzen wurde. Anschließend wurde das Konservierungsmittel Sorbinsäure, gelöst
in der 5-fachen Menge des Hilfsstoffes Ethanol, der in der resultierenden Salbe nicht
enthalten ist, zugegeben und der Ansatz gemischt. Danach wurde der Brennesselblätterextrakt
zur flüssigen Grundlage gegeben und bis zur homogen Masse gemischt. Der Ansatz wurde
bis zum Erkalten gerührt. Sobald er zu erstarren begann, wurde er abgefüllt.
Beispiel 6
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Entsprechend Beispiel 5 hergestellte Salben mit Gehalten an Brennesselblätterextrakt von
5,0 und 10,0 Gew.-% wurden zur Behandlung der Psoriasis und der Neurodermitis
verwendet, wobei die nachfolgend beschriebenen Erfolge erzielt wurden.
Fall 1, männlicher Patient, 72 Jahre
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Dieser Patient ist seit 1989 wegen einer ausgedehnten Psoriasis vulg. corp. et. cap. in
hautärztlicher Behandlung. Der Patient erhielt von Oktober 1999 bis Januar 2000 5-%ige und
10-%ige Brennesselsalbe gemäß Beispiel 5 zur lokalen Therapie. Diese Salbe verwandte
er 1 × täglich abends im Bereich der Hände, Finger und Arme. Nach ca. 5 Wochen trat
eine wesentliche Besserung auf, wobei die stark geröteten und schuppenden juckenden
Hautareale abblaßten. Der Patient gab eine Linderung der Beschwerden an. Die
Plaqueherde waren teilweise abgeflacht.
Fall 2, männlicher Patient, 71 Jahre
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Bei diesem Patienten besteht seit vielen Jahren eine chronisch-rezidivierende Psoriasis
vuig. corp. et. cap. Vor allem in den Herbst-/Winter- und Frühjahrs-Monaten klagt der
Patient über stärkeren Juckreiz in Verbindung mit ausgedehnten erythematosquamösen
Hautarialen am Armen und Unterschenkeln. Anamnetisch stellt sich ein geschwächtes
Immunsystem dar, da der Patient außerdem eine chronische Emphyembronchitis bei
Adipositas per magna hat.
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Im Herbst 1999 berichtete der Patient von einem Sturz, wobei er einen Ulcus im linken
Unterschenkel-Schienbeinkantenbereich bemerkte. Dort hatte er neben den
Psoriasisarealen auch die 5%ige Brennesselsalbe gemäß Beispiel 5 täglich abends dünn
aufgetragen. Auf diesem erosiven Hautareal (Ulcus) fühlte der Patient einen "brennenden"
Schmerz. Auf den Psoriasisherden jedoch empfand er die Salbe als angenehm kühlend.
Eine Linderung der Psoriasissymptomatik konnte nach etwa 4 Wochen festgestellt
werden. Nach Anwendung über 3 Monate konnte ein starkes Abflachen und Abblassen der
Psoriasisareale erreicht werden. Der Patient hatte zu diesem Zeitpunkt kaum Juckreiz,
wodurch die Verordnung von Antihistaminika in diesem Zeitraum eingestellt werden
konnte. Nach Therapieende mit der Brennesselsalbe verschlechterte sich der Hautbefund
wieder.
Fall 3, weibliche Patientin, 78 Jahre
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Diese Patientin ist seit Juni 1978 in hautärztlicher Behandlung wegen eines chronischen
endogenen Ekzems (Neurodermitis) mit subjektiv bestehendem Pruritus corp. Die
Patientin wurde Mitte Oktober 1999 mit der 5%-igen und 10%-igen Brennesselsalbe gemäß
Beispiel 5 behandelt. Die Salbe wurde einmal täglich abends auf die betroffenen
juckenden Hautareale an Armen und Beinen aufgetragen. Nach einer Behandlungsdauer von 4
Wochen stellte sich ein guter Hautbefund ein und es wurde eine deutliche Abnahme des
Juckreizes verzeichnet.
Fall 4, weibliche Patientin, 30 Jahre
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Diese Patientin leidet an einem chronischen rezidivierendem endogenen Ekzem bei
Pollinosis allergica auf Gräser, Roggen, Kräuter und Frühblüher. Die Patientin wurde Mitte
Oktober 1999 mit der 5%-igen und 10%-igen Brennesselsalbe gemäß Beispiel 5 im
Bereich der Hände und Arme behandelt. Nach 6 Wochen zeigte sich eine sichtbare
Besserung der Hauterscheinungen. Die Patientin schilderte nur noch einen leichten Juckreiz und
die Ekzemherde waren deutlich blasser und abgeflachter.
Beispiel 7
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Entsprechend Beispiel 5 hergestellte Salben mit Gehalten an Brennesselblätterextrakt von
10,0 Gew.-% wurden topisch in einem Psoriasis-Plaque-Test (Okklusionstest) über 10
Tage an einem Psoriasis-Patienten eingesetzt. In diesem Test wurden die Brennesselsalbe
(Verum), ein Placebo (Salbengrundlage) und eine Cortisonsalbe (Celestan V) zum
Vergleich auf benachbarte Hautregionen des psoriatischen Plaques aufgetragen und
vergleichend ausgewertet. Täglich wurden Erythem und Induration der Haut gemäß einer Skala
von 0 bis 5 bewertet, wobei 0 "abwesend" und 5 "extrem stark" bedeuten. Die Auswertung
des Plaque-Tests ist in den Fig. 4 und 5 dargestellt.