Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines
gesinterten metallischen Bauteils mit wenigstens einer Boh
rung.
Grundsätzlich ist es aus der DE 196 36 524 A1 bekannt, daß ge
sinterte metallische Bauteile durch die Verfahrensschritte
Mischen eines anwendungsspezifischen Pulvers, Einfüllen des
Pulvergemischs in eine Preßform, Pressen eines Grünlings,
Ausstoßen des Grünlings aus der Preßform, Sintern des Grün
lings zu einem metallischen Sinterteil mit sofern erforder
lich anschließender Oberflächenbehandlung und abschließenden
Einbringung von Bohrungen mittels spanender Bearbeitungsver
fahren, wie beispielsweise Bohren und Fräsen.
Das bekannte Verfahren weist den Nachteil auf, daß die Bau
teile nach dem Sintern schon eine hohe Härte aufweisen, die
eine spanende Bearbeitung des gesinterten Bauteils erschwert.
Insbesondere tritt ein höherer Verschleiß an den Werkzeugen
auf und es ist notwendig die spanende Bearbeitung unter Ein
satz von Kühlschmierstoffen durchzuführen.
Die Verwendung von Kühlschmierstoffen bei der spanenden Bear
beitung ist bekanntlich nachteilig, insbesondere da mit Kühl
schmierstoffen kontaminierte Späne anfallen, die kostenauf
wendig entsorgt werden müssen. Ferner entstehen Kosten durch
den Einsatz des Kühlschmierstoffes selbst.
Nachteilig erweist sich auch, daß bei der Herstellung von
Bohrungen an gesinterten Bauteilen eine unerwünschte Gratbil
dung am Bohreraustritt erfolgt, die kostenaufwendig durch
sich anschließende Bearbeitungsverfahren entfernt werden muß.
Hierdurch sind zusätzliche Bearbeitungschritte notwendig, die
auch die Gesamtherstellungszeit des Bauteils erhöhen.
Zusätzlich hat es sich gezeigt, daß nach dem bekannten Ver
fahren schlecht Bohrungen mit einem kleinen Verhältnis von
Bohrdurchmesser zu Bohrlänge hergestellt werden können, da
der Bohrer über die Bohrlänge verläuft und somit keine langen
Bohrungen mit geringen Durchmesser mit kleinen Toleranzen ge
fertigt werden können.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zu schaffen das
die vorstehend beschriebenen Nachteile vermeidet.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch Verfahren zur
Herstellung eines gesinterten metallischen Bauteils mit we
nigstens einer Bohrung, wobei ein Grundpulvergemisch durch
Mischen eines metallischen Pulvers mit einem Grundpreßhilfs
stoff erzeugt wird, dem Grundpulvergemisch wird ein zur Er
zeugung eines Endpulvergemischs ein Zusatzpreßhilfsstoff zu
gemischt, eine Preßform wird mit dem Endpulvergemisch ge
füllt, das Endpulvergemisch wird zu einem Grünling warmge
preßt, der gepreßte Grünling wird aus der Preßform ausgesto
ßen, wobei anschließend in den Grünling mittels spanender Be
arbeitungsverfahren wenigstens eine Bohrung eingebracht und
der Grünling anschließend gesintert wird.
Als Metallpulver können alle üblichen in der PM-Industrie
eingesetzten Metallpulver mit Gleitmittelgehalten verwendet
werden. Als Grundpreßhilfsstoff werden die üblichen in der
Pulvermetallurgie angewandten Preßhilfsstoffe bzw. Preß
hilfstoffmischungen eingesetzt. Als Zusatzpreßhilfsstoff wer
den Preßhilfsstoffe eingesetzt, die ein Warmpressen des Pul
vers zur Anhebung der Grünfestigkeit auf einen für die Grün
bearbeitung ausreichenden Wert ermöglichen. Die Zusammenset
zung des Pulvers richtet sich nach der jeweiligen Anwendungs
fall. Sie ist somit abhängig von den geforderten Festigkei
ten, Härten, Oberflächeneigenschaften etc..
In zweckmäßiger Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
daß der Grundpreßhilfsstoff in einer Menge von unter 1 Ge
wichts-%, bezogen auf den Pulveranteil in der Mischung ent
halten ist.
In weiterer zweckmäßiger Ausgestaltung der Erfindung ist vor
gesehen, daß der Zusatzpreßhilfsstoff in einer Menge von un
ter 1 Gewichts-%, bezogen auf den Pulveranteil in der Mi
schung enthalten ist. Vorteilhaft ist, daß bei einem Einsatz
von Preßhilfsstoffen mit einem geringen Anteil, beispielswei
se von 0,3 Gewichts-%, bezogen auf den Pulveranteil, hohe
Dichten des Sinterteils erzielbar sind, da höhere Gehalte an
Preßhilfsmitteln nur die Fertigung von Sinterteilen mit ge
ringeren Dichten ermöglichen.
In vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
daß der Zusatzpreßhilfsstoff wenigstens ein Polyethylenoxid,
insbesondere wenigstens ein Polyethylenglykol enthält. Die
Verwendung eines Zusatzpreßhilfsstoffs, der zumindest Anteile
aus der Familie der Polyalkylenoxide, insbesondere der Po
lyalkylenglykole, vorzugsweise der Polyethylenoxide, insbe
sondere in Form von Polyethylenglykolen enthält, hat überra
schend gezeigt, daß zur Erzielung hoher Dichten und hoher
Grünfestigkeiten sehr viel geringere Preßdrücke als bei ande
ren Preßhilfsstoffen aufzuwenden sind und daß auch die zum
Ausstoßen bzw. Freilegen des gepreßten Formteils aus der
Preßform notwendigen Kräfte deutlich verringert sind. Eines
besonderen Binders in der Pulvermischung bedarf es nicht, da
schon aufgrund der "Schmierung" der sich beim Preßvorgang re
lativ zueinander bewegenden Pulverteilchen bereits neben ei
ner hohen Dichte auch eine hohe Festigkeit des Grünlings
durch die sehr viel höhere "Packungsdichte" der Pulverteil
chen und damit eine Erhöhung von direkten Kontakten zwischen
den Metallteilchen im Pulver erzielt werden kann. Die hohe
Grünfestigkeit ist notwendig, um erfindungsgemäß den Grünling
vor dem Sintern noch einer spanenden Bearbeitung zur Herstel
lung von Bohrungen zu unterziehen.
In zweckmäßiger Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
daß zuerst während der ersten halben Mischzeit der Grundpreß
hilfsstoff dem Metallpulver zugemischt wird und anschließend
während der zweiten halben Mischzeit der Zusatzpreßhilfsstoff
dem Grundgemisch zugemischt wird. Die Zumischung des Grund
preßhilfstoffs und des Zusatzpreßhilfsstoffs erfolgt getrennt
voneinander oder nacheinander.
In weiterer zweckmäßiger Ausgestaltung der Erfindung ist vor
gesehen, daß die Zumischung des Grundpreßhilfsstoffs und/oder
des Zusatzpreßhilfsstoffs in einem diskontinuierlichen oder
kontinuierlichen Prozeß erfolgt.
In vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
daß das Mischen mit oder ohne externe Beheizung des Mischers
erfolgt.
In weiterer vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist
vorgesehen, daß der Grünling bei ungefähr 50° bis 140°C
warmgepreßt wird, wobei es zweckmäßig sein kann, wenn das
Warmpressen in temperierten Werkzeugen erfolgt. Ein besonde
rer Vorteil des verwendeten Zusatzpreßhilfsstoffs besteht
darin, daß durch eine entsprechende Auswahl des Molekularge
wichtes Einfluß auf die Preßparameter genommen werden kann,
und zwar sowohl hinsichtlich des Fließverhaltens beim Mischen
und beim Füllen der Form, als auch hinsichtlich des Erwei
chungspunktes und damit der Temperaturführung und des Materi
alflusses beim Preßvorgang. Hierbei ist insbesondere vorteil
haft, wenn der erfindungsgemäß verwendete Zusatzpreßhilfs
stoff, beispielsweise ein Polyethylenglykol, mit seinem Er
weichungspunkt zwischen 40°C und 80°C liegt, so daß bei
spielsweise in der Serienfertigung die sich beim fortlaufen
den Pressen einstellende Werkzeugtemperatur in der Regel aus
reicht, um ein einwandfreies "Fließen" der Pulvermischung
beim Einfüllen in die Preßform als auch beim Pressen zu be
wirken. Dementsprechend läßt sich das mit dem Preßhilfsmittel
versetzte Metallpulver mit Raumtemperatur in die Preßform
einzufüllen. Insbesondere in der Serienfertigung kann es
um etwaige Unterbrechungen des Serienlaufs aufzufangen.
Zweckmäßig ist eine geregelte Beheizung der Preßwerkzeuge auf
etwa 55°C, so daß sowohl die Aufheizung durch die Reibungs
wärme als auch Abkühlungen durch Arbeitsunterbrechungen be
rücksichtigt werden und so konstante Preßbedingungen vorgeb
bar sind. Hierdurch wird die Handhabung des Metallpulvers er
heblich vereinfacht, insbesondere das Füllverfahren, da mit
"kaltem" Pulver, also mit Pulver mit Raumtemperatur gearbei
tet werden kann. Anbackungen, Klumpenbildung oder dergl. kön
nen nicht auftreten, da die Erwärmung des mit dem Preßhilfs
mittel versetzten Metallpulvers erst in der Preßform erfolgt.
Bei extrem großvolumigen Teilen kann eine zusätzliche Pulver
vorwärmung zweckmäßig sein.
Der weitere Vorteil der niedrigen Erweichungstemperatur be
steht darin, daß unmittelbar nach dem Einfüllen zunächst ein
mal die Preßhilfsmittelanteile in den mit den aufgewärmten
Formwandungen in Kontakt stehenden Metallpulvermengen ihre
Erweichungstemperatur erhalten, so daß beim anschließenden
Preßvorgang die an den Werkzeugwandungen auftretenden Rela
tivbewegungen zwischen Pulverfüllung und Preßwerkzeug bereits
"geschmiert" erfolgen und so die Reibung in diesen Bereichen
herabgesetzt wird. Bei der anschließenden vollständigen
Druckbeaufschlagung wird die gesamte Pulverfüllung infolge
des Preßdruckes über der Erweichungspunkt hinaus erwärmt, so
daß auch die internen, infolge der durch die Teilchengeome
trie des Metallpulvers bedingten relativ großen Relativbewe
gungen in der Metallpulverfüllung durch die Wirkung des
schmierenden Preßhilfsmittels erleichtert werden. Infolge der
Verformung der Pulverteilchen und der dadurch bewirkten Erhö
hung der Packungsdichte wird zudem ein Teil des dann in
fließfähigem Zustand vorliegenden Preßhilfsmittels in den
Randbereich verdrängt, so daß sich auch beim Ausstoßen des
fertigen Grünlings eine erhebliche Reduzierung der Reibung
zwischen dem Grünling und der Wandung der Preßmatrize ergibt.
Die Erweichungstemperatur des Preßhilfsmittels muß also so
eingestellt werden, daß unter Berücksichtigung der Arbeitstemperatur
beim Preßvorgang die Außenflächen des Grün
lings durch das Preßhilfsmittel nicht "angefeuchtet" werden,
um ein Anhaften von losen Pulverteilchen zu vermeiden.
Auch bei niedrigem Molekulargewicht ergeben sich keine Nach
teile beim Mischen mit dem Metallpulver. Durch die Wahl des
Zusatzpreßhilfsstoffs und/oder einer Mischung von Zusatzpreß
hilfsstoffen mit entsprechendem Molekulargewicht kann auf den
Mischvorgang beim Einmischen in das Metallpulver und den Er
weichungspunkt in gewissen Grenzen Einfluß genommen werden.
Das Einmischen des Preßhilfsmittels in das Metallpulver kann
"kalt", d. h. bei Raumtemperatur erfolgen. Besonders zweckmä
ßig ist das warme Mischen des Preßhilfsmittels mit dem Me
tallpulver, beispielsweise in einem beheizten Trommelmischer
mit anschließender Kühlung bei gleichzeitiger Agitation, wo
bei die Temperatur des Mischers zunächst etwas höher als die
für das Preßverfahren vorgesehene Erweichungstemperatur ein
gestellt wird. Die Mischtemperatur beträgt zweckmäßig 50-
100°C, vorzugsweise 85°C. Nach der Abkühlung steht dann eine
rieselfähige Pulvermischung zur Verfügung, die eine gute
Handhabbarkeit bei der Formfüllung gewährleistet.
Bei flüssiger Konsistenz des Zusatzpreßhilfsstoffs ist es
möglich, den Preßhilfsstoff noch über eine zusätzliches Lö
sungsmittel in seiner Viskosität zu reduzieren, so daß die
Pulverteilchen in einem der Sprühtrocknung vergleichbaren
Verfahren mit dem Preßhilfsstoff noch dünner beschichtet wer
den können. Als Lösungsmittel eignen sich besonders Alkohole,
wie Ethanol, Isopropanol oder Benzylalkohol, die nach dem
Sprühen schnell verdampfen, so daß das gewonnene, mit dem
Preßhilfsmittel versetzte Pulver "trocken" ist und die gefor
derte Riesel- bzw. Fließfähigkeit beim Einfüllen in die Preß
form erhalten bleibt. Der Zusatzpreßhilfsstoff in Form von
Polyalkylenglykolen, insbesondere in Form von Polyethylengly
kolen, wird so ausgewählt, daß es einen Erweichungspunkt zwi
schen 40° und 80°C aufweist. Als vorteilhaft hat sich hierbei
die Verwendung von Polyethylenglykolen mit Molekulargewichten
zwischen 100 g/mol und 6500 g/mol, bevorzugt 3000 bis 6000 g/mol,
herausgestellt. Zweckmäßig sind hierbei auch Mischun
gen von Polyethylenglykolen mit unterschiedlichen Molakular
gewichten, die jedoch in der Mischung dann in etwa dem vor
stehenden Gesamtmolekulagewicht entsprechen. Die Hydroxylzahl
des Zusatzpreßhilfsstoffs kann zwischen 500 bis 700 liegen,
während die Dichte zwischen 0,9 bis 1,25 g/cm3 liegen kann.
Durch die Mischung von Polyethylenglykolen mit unterschiedli
chen Molekulargewicht läßt sich gezielt ein Zusatzpreßhilfs
stoff darstellen, der hinsichtlich Mischungseigenschaften,
Erweichungspunkt und Schmiereigenschaften genau auf das ver
wendete Verdichtungsverfahren abgestimmt werden kann. Der
hier erfindungsgemäß verwendete Zusatzpreßhilfsstoff kann mit
der nachstehend angegebenen Summenformel charakterisiert wer
den:
H-[-O-CH2-CH2-]n-OH
Die mit dem hier angegebenen Zusatzpreßhilfsstoffen zu erzie
lenden Erhöhungen der Preßdichten erfolgen nicht vorrangig
über eine temperaturabhängige Änderung der physikalischen Ei
genschaften des metallischen Pulvers, sondern im wesentlichen
über eine Verbesserung des Schmierverhaltens im zu verdich
tenden Pulver selbst, insbesondere aber zwischen der Matri
zenwand und der Pulverfüllung bei einer entsprechenden Tempe
raturführung an den Preßwerkzeugen. Ein weiterer Vorteil des
hier vorgeschlagenen Preßhilfsmittels besteht darin, daß es
vor dem Sintern thermisch einfacher zu eliminieren ist, bei
spielsweise über Diffusionsvorgänge, Entweichen über Kapil
larkräfte, Sublimieren, Verdampfen oder ähnliches. Hierbei
zeichnet sich der erfindungsgemäße Zusatzpreßhilfsstoff auch
durch eine umweltverträgliche Entsorgungsmöglichkeit aus, da
es über eine Pyrolyse in Wasserdampf und Kohlendioxid zerlegt
werden kann.
In vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
daß der Grünling nach dem Warmpressen vor der spanenden Bear
beitung auf eine Temperatur < 35°C abgekühlt wird. Der Grünling
wird durch eine geeignete Vorrichtung auf Werte typi
scherweise < 35°C heruntergekühlt, so daß keine Pulverparti
kel bei der weiteren Bearbeitung anhaften können. Das Hand
ling und der Kühlvorgang erfolgen im Takt der Presse. Das
Handling des Grünlings direkt nach dem Pressen ist so zu ge
stalten, daß ein Pulverkontakt und damit eine Verunreiningung
der Oberfläche durch Pulverrückstände vermieden
In zweckmäßiger Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
daß die spanende Bearbeitung ohne den Einsatz von Kühl
schmierstoffen erfolgt.
In vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
daß das metallische Pulver eine Zusammensetzung von 4% Ni,
2% Cu, 1,5% Mo und 92,5% Fe aufweist.
In vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
daß die Bohrung mittels Bohren bei einer Drehzahl des Bohrers
von 300 bis 6000 U/min, vorzugsweise 1600 U/min, erfolgt. Er
findungsgemäß wird das Bohren mit hoher Schnittgeschwindig
keit bzw. mit hoher Drehzahl durchgeführt, wobei die Schnitt
geschwindigkeit bzw. die Drehzahl wesentlich höher liegt als
in der konventionellen Metallbearbeitung. Es wird eine
Schnittgeschwindigkeit bzw. eine Drehzahl verwendet, die ähn
lich der Holzbearbeitung ist, beispielsweise bei einem Bohr
durchmesser von 2 mm mit einer Drehzahl < 5000 U/min). Beson
ders vorteilhaft erweist sich das erfindungsgemäße Verfahren
dahingehend, daß durch die Bearbeitung des Bauteils im Grün
zustand die sonst bei einer spanenden Bearbeitung von gesin
terten Bauteilen am Bohreraustritt entstehenden Grate nach
dem erfindungsgemäßen Verfahren nicht entstehen. Die Bauteile
müssen somit am Bohreraustritt nicht mehr kostenaufwendig
nachbearbeitet werden. Weiterhin hat sich überraschend her
ausgestellt, daß beim Bohren im Grünzustand nur ein Bohrer
verlauf < 0,1% der Bohrlänge auftritt. Durch die Bearbeitung
im Grünzustand tritt außerdem ein geringerer Werkzeugver
schleiß am Bohrer auf. Eine Kühlung mit Kühlschmierstoffen
während des Bohrens ist nicht notwendig, so daß keine durch
Kühlschmierstoffe kontaminierten Späne kostenaufwendig ent
sorgt werden müssen. Die Bearbeitung des Grünlings kann mit
konventionellen Werkzeugen erfolgen, da sich der Grünling im
Gegensatz zu einem gesinterten Bauteil leicht zerspanen läßt.
In zweckmäßiger Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
daß der Bohrer mit einer Vorschubgeschwindigkeit von 30 bis
500 mm/min, vorzugsweise 250 mm/min betrieben wird.
In vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist vorgesehen,
daß die Bohrung ein Verhältnis von Bohrungsdurchmesser zu
Bohrungslänge von < 1/10 aufweist.
In weiterer vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist
vorgesehen, daß der Bohrungsdurchmesser zwischen 0,5 und 6 mm
liegt.
In besonders vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist
vorgesehen, daß das erfindungsgemäße Verfahren verwendet wird
zur Herstellung von Pleueln, Antriebselementen sowie allge
meine Bauteile zur Kraftübertragung mit wenigstens einer Boh
rung, die ein Verhältnis von Bohrungsdurchmesser zu Bohrungs
länge von < 1/10 aufweist.
In besonders vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist
vorgesehen, daß das erfindungsgemäße Verfahren verwendet wird
zur Herstellung einer Pleuelstange, die wenigstens eine Boh
rung in dem Pleuelschaft aufweist, wobei die Bohrung ein Ver
hältnis von Bohrungsdurchmesser zu Bohrungslänge von < 1/10
aufweist und die Bohrung ein kleines und ein großes Pleuelau
ge verbindet. Derartige den Pleuelschaft durchsetzende Boh
rungen waren nach dem bekannten Verfahren nicht bzw. nur ko
stenintensiv herstellbar. Nach dem erfindungsgemäßen Verfah
ren ist es möglich derartige Pleuelstangen, die beispielswei
se in Kompressoren eingesetzt werden, mit kleinen Toleranzen
herzustellen, da die Einbringung der Bohrung schon im Grünzu
stand möglich ist. Die lange, dünne Bohrung zwischen den
Pleuelaugen und durch wenigstens eines der Pleuelaugen ermöglicht
eine gute Schmiermittelversorgung an dem jeweiligen
Pleuelauge. Durch das erfindungsgemäße Verfahren wird insbe
sondere die Herstellung von Bauteilen mit Bohrungen möglich,
bei denen nur noch eine geringe Restwandstärke vorhanden ist.
Die Erfindung wird anhand schematischer Zeichnungen näher er
läutert. Es zeigen:
Fig. 1 einen Schnitt durch eine erfindungsgemäß her
gestellte Pleuelstange,
Fig. 2 eine Tabelle mit den erzielbaren Toleranzen,
Drehzahlen und Vorschub bei Verwendung einer
Bohrbuchse von 3 mm
Fig. 3 eine Tabelle mit den erzielbaren Toleranzen,
Drehzahlen und Vorschub bei Verwendung einer
Bohrbuchse von 10 mm
In Fig. 1 zeigt eine nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
hergestellte Pleuelstange 1, die im Schnitt dargestellt ist.
Die Pleuelstange 1 wird aus einem Pleuelschaft 2 gebildet,
der an einem Ende ein großes Pleuelauge 3 und an dem anderen
Ende ein kleines Pleuelauge 4 aufweist.
Der Pleuelschaft 2 weist eine das große Pleuelauge 3 und das
kleine Pleuelauge 4 verbindende lange Bohrung 5 mit dem
Durchmesser d1 auf. Der Durchmesser der Bohrung 5 beträgt
beispielsweise 2 mm. Weiterhin weist das kleine Pleuelauge 4
in Verlängerung der Bohrung 5 eine Bohrung 6 mit einem größe
ren Durchmesser d2 als die Bohrung 5 mit dem Durchmesser d1
auf. Der Durchmesser der Bohrung 6 beträgt beispielsweise
3 mm. Die Bohrungen 5 und 6 liegen auf der gleichen Bohrungs
achse 8.
Die Pleuelstange 1 wird erfindungsgemäße dadurch hergestellt,
daß ein Grundpulvergemisch durch Mischen eines metallischen
Pulvers mit einem Grundpreßhilfsstoff erzeugt wird. Dem
Grundpulvergemisch wird zur Erzeugung eines Endpulvergemischs
ein Zusatzpreßhilfsstoff zugemischt. Als Metallpulver können
alle üblichen in der PM-Industrie eingesetzten Metallpulver
mit Gleitmittelgehalten verwendet werden. Als Grundpreßhilfs
stoff werden die üblichen in der Pulvermetallurgie angewand
ten Preßhilfsstoffe bzw. Preßhilfstoffmischungen eingesetzt.
Als Zusatzpreßhilfsstoff werden Preßhilfsstoffe eingesetzt,
die ein Warmpressen des Pulvers zur Anhebung der Grünfestig
keit auf einen für die Grünbearbeitung ausreichenden Wert er
möglichen. Der Zusatzpreßhilfsstoff wird in einer Menge von
0,4 Gewichts-%, bezogen auf den Pulveranteil in der Mischung
zugefügt. Der Zusatzpreßhilfsstoff ist Polyethylenglykol. Zu
erst wird während der ersten halben Mischzeit der Grundpreß
hilfsstoff dem Metallpulver zugemischt. Anschließend wird
während der zweiten halben Mischzeit der Zusatzpreßhilfsstoff
dem Grundgemisch zugemischt wird. Die Zumischung des Grund
preßhilfstoffs und des Zusatzpreßhilfsstoffs kann getrennt
voneinander oder nacheinander erfolgen, wobei dieses in einem
diskontinuierlichen oder kontinuierlichen Prozeß erfolgen
kann. Es ist vorteilhaft, wenn das Mischen mit externer Be
heizung des Mischers erfolgt.
Zur Erzielung hoher Dichten und hoher Grünfestigkeiten sind
nur relativ geringe Preßdrücke notwendig im Vergleich zu an
deren Preßhilfsstoffen. Auch die zum Ausstoßen bzw. Freilegen
des gepreßten Grünlings aus der Preßform notwendigen Kräfte
sind gering. Eines besonderen Binders in der Pulvermischung
bedarf es nicht, da schon aufgrund der "Schmierung" der sich
beim Preßvorgang relativ zueinander bewegenden Pulverteilchen
bereits neben einer hohen Dichte auch eine hohe Festigkeit
des Grünlings durch die sehr viel höhere "Packungsdichte" der
Pulverteilchen und damit eine Erhöhung von direkten Kontakten
zwischen den Metallteilchen im Pulver erzielt werden kann.
Die hohe Grünfestigkeit ist notwendig, um erfindungsgemäß den
Grünling vor dem Sintern noch einer spanenden Bearbeitung zur
Herstellung von Bohrungen zu unterziehen.
Der endkonturnah gepreßte Grünling wird bei ungefähr 50° bis
140°C warmgepreßt, wobei es zweckmäßig sein kann, wenn das
Warmpressen in temperierten Werkzeugen erfolgt.
Der Grünling wird nach dem Warmpressen und vor der spanenden
Bearbeitung auf eine Temperatur < 35°C abgekühlt, so daß
keine Pulverpartikel bei der weiteren Bearbeitung anhaften
können. Ein Pulverkontakt und damit eine Verunreiningung der
Oberfläche durch Pulverrückstände sollte vermieden werden.
Der gepreßte Grünling wird aus der Preßform ausgestoßen.
In den Grünling werden anschließend die Bohrungen 5 und 6
mittels Bohren bei einer Drehzahl des Bohrers von 300 bis
6000 U/min, vorzugsweise 1600 U/min, eingebracht. Vorteilhaft
ist, daß durch die Bearbeitung des Bauteils im Grünzustand
die sonst bei einer spanenden Bearbeitung von gesinterten
Bauteilen am Bohreraustritt entstehenden Grate nach dem er
findungsgemäßen Verfahren nicht entstehen. Außerdem tritt nur
ein Bohrerverlauf von < 0,1% der Bohrlänge auf. Es wird eine
Vorschubgeschwindigkeit von 30 bis 500 mm/min, vorzugsweise
250 mm/min verwendet.
Die Gesamtlänge l des zu bohrenden Bereichs der Bohrung 5 und
6 beträgt beispielsweise 41 mm bei einem Bohrungsdurchmesser
von 2 mm bzw. 3 mm. Somit besteht ein Verhältnis von Boh
rungsdurchmesser d1 bzw. d2 zu Bohrungslänge l, das < 1/10
ist.
Besonders vorteilhaft ist, daß die Kanten 7.1, 7.2, 7.3 und
7.4 der Bohrungen 5 und 6 durch das erfindungsgemäße Verfah
ren gratfrei hergestellt werden können, wodurch eine kosten
intensive Nachbearbeitung vermieden bzw. minimiert wird.
Fig. 2 zeigt einen Versuch, bei dem ein metallisches Pulver
Distaloy HP1 verwendet wurde. Das metallische Pulver weist
eine Zusammensetzung von 4% Ni, 2% Cu, 1,5% Mo und
92,5% Fe auf. Als Zusatzpreßhilfsstoff wurde 0,4% SP-Wachs
eingesetzt. Die Versuchsbohrung wurde quer zur Preßrichtung
mit einem HSS-Bohrer mit einem Durchmesser von 2 mm und einer
Bohrerlänge von 120 mm durchgeführt. Es ist deutlich erkenn
bar, daß Bohrungen mit hohem Vorschub, d. h. im Bereich von
63 mm/min bis 250 mm/min bei einer Drehzahl von 1600 U/min
hergestellt werden können, wobei die maximale Abweichung nur
in einem Bereich von 0,05 bis 0,25 mm liegt. Die maximale Ab
weichung ergibt sich aus der Abweichung in x- und y-Richtung.
Es sind Bohrungen in einem Abstand von 1 mm zur Außenwand des
Pleuelschafts 2 mögliche, ohne daß durch die Bohrung Ausbrü
che in der Außenwand entstehen.
Fig. 3 zeigt einen Versuch bei dem ein metallisches Pulver
Distaloy HP1 verwendet wurde. Das metallische Pulver weist
eine Zusammensetzung von 4% Ni, 2% Cu, 1,5% Mo und
92,5% Fe auf. Als Zusatzpreßhilfsstoff wurde 0,4% SP-Wachs
eingesetzt, wobei im Gegensatz zu dem in Fig. 2 dargestellten
Versuch eine Bohrbuchse von 10 mm eingesetzt wurde. Auch bei
diesem Versuch ist deutlich erkennbar, daß bei einer Bohrung
quer zur Preßrichtung mit einem HSS Bohrer mit einem Durch
messer von 2 mm und einer Bohrerlänge von 120 mm Bohrungen
mit hohem Vorschub, d. h. im Bereich von 63 mm/min bis 250 mm/min
bei einer Drehzahl von 1600 U/min hergestellt werden
können, wobei die maximale Abweichung nur in einem Bereich
von 0,18 bis 0,42 mm liegt.