DE10063020A1 - Verfahren zum eisenfreien Schmelzen von Magnesium und Magnesiumlegierungen - Google Patents
Verfahren zum eisenfreien Schmelzen von Magnesium und MagnesiumlegierungenInfo
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Abstract
Das Schmelzen und Aufbewahren von Magnesium und Magnesiumlegierungen erfolgt in indirekt beheizten Eisen- bzw. Stahltiegeln, was eine Verunreinigung von Magnesium zur Folge hat. Erfindungsgemäß wird dieses Problem dadurch gelöst, dass dünne Platten aus Sintertonerde in die indirekt beheizten Eisentiegel eingeklebt werden. Dann wird eine Eisenaufnahme der Magnesiumschmelze verhindert. Eine Beheizung der Tiegel erfolgt von außen.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum eisenfreien Schmelzen von
Magnesium sowie dessen Legierungen und das Aufbewahren von flüssigem
Magnesium und dessen Legierungen.
Als Tiegelmaterial, das mit der Magnesiumschmelze in Kontakt steht, wird beim
Schmelzen und Giessen Eisen bzw. Stahl, wie etwa St 37, verwendet. Die
Eisenlöslichkeit von Magnesium im flüssigen Zustand ist zwar gering und liegt
bei einer Temperatur von 700°C bei nur 0,05%, jedoch verursachen bereits
Eisengehalte über 0,004% Korrosion der Magnesiumwerkstoffe. Für hochreine
besonders korrosionsbeständige Magnesiumlegierungen (High Purity-
Legierungen) sind sogar Eisengehalte unter 0,001% erforderlich. Die Kontrolle
der Eisengehalte erfolgt durch die Einstellung bestimmter Gehalte an Mangan
im Magnesium in der Größenordnung von 0,2-0,5% je nach Legierung. Dadurch
sinkt die Eisenlöslichkeit in die benötigten Bereiche ab.
Für die Herstellung korngefeinter Magnesiumlegierungen wird Zirkon
zugegeben. Zirkon bildet jedoch mit dem Eisen der Tiegel intermetallische
Verbindungen, sodass ein erheblicher Überschuss an Zirkon zugesetzt werden
muss, um die kornfeinende Wirkung zu erreichen. Werden zirkonhaltige
Schrotte in den Eisentiegeln umgeschmolzen, so sinkt der Zirkongehalt sofort ab
und Zirkon muss in sehr aufwendiger Weise ergänzt werden.
Zusammenfassend sind die Nachteile der bisherigen Arbeitsweisen in
Zusammenhang mit den Eisen- bzw. Stahltiegeln:
- - durch unvermeidliche Temperaturschwankungen bilden sich Manganauscheidungen zum Beispiel zusammen mit Aluminium, die als Partikel in der Schmelze nach unten sinken und einen Tiegelschlamm bilden, der regelmäßig entfernt werden muß.
- - Es können keine manganfreien Legierungen in den Eisentiegeln erzeugt werden, die für die Korrosionsbeständigkeit ausreichend geringe Eisengehalte haben.
- - Das Erschmelzen von zirkonhaltigen Magnesiumlegierungen in Eisentiegeln ist nur mit einem grossen Überschuss an zirkonhaltigem Material zur Schmelze möglich, da Zirkon durch das Eisen ausgefällt wird.
- - Ein Recycling von zirkonhaltigen Magnesiumwerkstoffen in Eisentiegeln führt zu einem Absinken des Zirkongehaltes, der dann wieder aufwendig ergänzt werden muss.
Die Nachteile der Eisenbehälter können durch Anwendung keramischer
Auskleidungen behoben werden. Die Anwendung von Aluminiumoxidkeramik
für metallische Schmelzen ist bekannt. Die Öfen sind dann jedoch wegen der
Dicke der verwendeten Auskleidung von innen beheizt, was für eine
Magnesiumschmelze wegen des direkten Kontaktes mit den Brenngasen nicht
vorteilhaft ist. Der prinzipiell mögliche Einsatz von Tauchbrennern führt zu
einem starken Temperaturgradienten in der Schmelze und somit zu
Ausscheidungen aus der Magnesiumschmelze.
Einen Vorschlag, keramische Stampfmassen in Induktionsöfen zum Schmelzen
von Magnesium zu verwenden, bringt Granitzki, K. E.: Feuerfeste Werkstoffe in
Aluminium und Magnesiumgießereien, Aluminium 73, 1997, S. 31-33. Jedoch
erfordert dies einen teuren Induktionsofen, der auch als Beschickungsofen für
eine Druckgussmaschine nicht geeignet ist, da durch die Wirbelströme die
Sedimentation der in der Magnesiumschmelze vorhandenen Partikel nicht
möglich ist. DE 195 04 415 A1 beschreibt ein aus Keramikmaterial hergestelltes
Ofengehäuse zum Warmhalten von Metallschmelzen. Das genannte, mit der
Schmelze in Kontakt stehende Material ist Sillimanit, eine Mischung aus
Siliziumoxid und Aluminiumoxid, das jedoch gegen eine Magnesiumschmelze
nicht stabil ist. Die direkte Beheizung der Schmelze führt wiederum zu dem
bereits erwähnten Temperaturgradienten. Eine Beheizung von aussen ist wegen
der Dicke der Auskleidung nicht möglich. CZ 223752 beschreibt einen
mehrschichtigen Korundtiegel, wobei Heizwicklungen in die Korundschichten
eingebracht sind. Ein solcher Tiegel ist für Magnesiumschmelzen geeignet,
ermöglicht jedoch nicht eine Beheizung von aussen mit fossilen Brennstoffen.
Er hat den Nachteil einer sehr aufwendigen Einbringung der Heizung in die
Korundschichten und einer aufwendigen Herstellung.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine Ofenauskleidung zu
entwickeln, die bei den für Magnesiumschmelzen üblichen Temperaturen im
Bereich von 600-850°C ein eisenfreies Schmelzen, Recycling und Aufbewahren
von flüssigem Magnesium und Magnesiumlegierungen und die Herstellung von
manganfreien Magnesiumlegierungen sowie das Herstellen von zirkonhaltigen
Magnesiumlegierungen, ohne dass ein Überschuss an Zirkonlegierungsmaterial
zugegeben werden muss, ermöglicht. Hierbei sollen die kostengünstigen
Stahltiegel weiterhin verwendet werden können und die Beheizung der Tiegel
weiterhin indirekt, also von aussen elektrisch oder durch fossile Brennstoffe
erfolgen können.
Erfindungsgemäss wird diese Aufgabe gemäss Anspruch 1 dadurch gelöst, daß
ein für das Schmelzen und Aufbewahren von Magnesium verwendeter
Stahltiegel innen mit einer dünnen Auskleidung aus dichter
Aluminiumoxidkeramik (Sintertonerde) versehen wird. Thermodynamisch ist
Aluminiumoxid weniger stabil als Magnesiumoxid und müsste daher von
Magnesium reduziert werden. Es wurde dennoch überraschenderweise
gefunden, daß bei Verwendung von Sintertonerdeplatten, im Temperaturbereich
von 600-850°C keine Reaktion des Aluminiumoxids mit der
Magnesiumschmelze auftritt und die Keramik nicht benetzt wird. Hierzu werden
gemäß der schematischen Darstellung der Figur die dünnen Platten (1) aus
Aluminiumoxid so in den Stahltiegel (2) mit dem Kleber (3) eingeklebt, daß die
Aluminiumoxidplatten fest mit dem Stahl verbunden sind. Unerwarteter Weise
haftet der Kleber sowohl an der Stahltiegelwand als auch an den
Sintertonerdeplatten trotz der unterschiedlichen Wärmeausdehnung so fest, dass
die Platten fest mit dem Stahltiegel verbunden bleiben. Als Kleber wird eine
keramische Masse mit einer Zusammensetzung von 85% Al2O3, 14,5% MgO
und 0,5% SiO2 zusammen mit Natronwasserglas im Verhältnissen von 1 : 1-6 : 1
vorzugsweise 4 : 1 verwendet. Die Stärke der Aluminiumoxidplatten, die dicht
aneinanderstoßen, ist dabei so dünn gewählt, dass trotz der isolierenden
Wirkung des Aluminiumoxides eine Beheizung (4) des Stahltiegels von außen
stattfinden kann. Die Platten sind zwischen 2 und 20 mm, vorzugsweise
zwischen 3 und 10 mm, dick und haben sonst eine beliebige Größe, die aber an
die Ausmasse des auszukleidenden Tiegels angepasst ist. Bei einer
Ausmauerung großer ebener Flächen erfolgt eine zusätzliche Verankerung der
Platten am Stahltiegel.
Die Erfindung verbessert den Stand der Technik in folgenden Punkten:
- - Eine Verunreinigung der Schmelze mit Eisen, bei Beheizung von aussen, tritt nicht auf.
- - Zirkonhaltige Magnesiumlegierungen können, bei Beheizung von aussen, ohne Zirkonüberschuss hergestellt werden.
- - Recycling von zirkonhaltigen Magnesiumlegierungen ohne Nachlegierung von Zirkon, bei Beheizung von aussen, ist möglich.
- - Ein Verschleiss der Eisentiegel tritt nicht auf.
- - Manganfreie Magnesiumlegierungen können, bei Beheizung von aussen, hergestellt werden.
Die Erfindung wird durch Ausführungsbeispiele näher erläutert.
In einen Stahlkessel mit einem Volumen von 10 l werden, nach Entfernung der
Oxidschicht, Platten aus Sintertonerde (Hauptphase α-Korund) der
Abmessungen 50 × 25 × 4 mm eingeklebt. Als Kleber wird eine keramische Masse
mit einer Zusammensetzung von 85% Al2O3, 14,5% MgO und 0,5% SiO2
zusammen mit Natronwasserglas im Verhältnis von 6 : 1 verwendet. Nach
Trocknung wird der ausgekleidete Tiegel in einem elektrisch
widerstandsbeheizten Ofen indirekt mit einer Aufheizrate von 5 K/Minute
aufgeheizt und 10 kg reines Magnesium geschmolzen und 5 h bei einer
Temperatur der Schmelze von 720°C gehalten. Nach dem Ausschöpfen des
Ofens wird dieser abgeschaltet und abgekühlt. Die Ausmauerung war nicht
angegriffen und haftete trotz des Temperaturwechsels fest an der
Stahltiegelwand. Der Eisengehalt des Ausgangsmaterials veränderte sich nicht.
Er betrug im Ausgangsmaterial 0,026 Mass.% und im Produkt 0,023 Mass.%.
In dem mit Aluminiumoxidplatten ausgemauerten Stahltiegel aus Beispiel 1
wurden 10 Schmelzen mit zwischenzeitlichen Abkühlen nach jeder Schmelze
mit Magnesiumlegierungen durchgeführt. Die Ausmauerung haftete trotz des
Temperaturwechsels weiterhin fest an der Stahltiegelwand. Eine Zunahme des
Eisengehaltes der Legierungen trat nicht auf.
Claims (5)
1. Verfahren zum eisenfreien Schmelzen und/oder Aufbewahren von flüssigem
Magnesium und Magnesiumlegierungen dadurch gekennzeichnet, dass
dünne Sintertonerdeplatten an die Innenwand von indirekt beheizten
Stahltiegeln aufgeklebt werden.
2. Verfahren zum eisenfreien Schmelzen und/oder Aufbewahren von flüssigem
Magnesium und Magnesiumlegierungen gemäß Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, dass die Sintertonerdeplatten mit einer Stärke von 2 bis 20 mm,
vorzugsweise 3 bis 10 mm aufgeklebt werden.
3. Verfahren zum eisenfreien Schmelzen und/oder Aufbewahren von flüssigem
Magnesium und Magnesiumlegierungen gemäß Ansprüche 1 und 2, dadurch
gekennzeichnet, dass als Kleber eine keramische Masse mit einer
Zusammensetzung von 85% Al2O3, 14,5% MgO und 0,5% SiO2 zusammen
mit Natronwasserglas im Verhältnis 1 : 1 bis 6 : 1, vorzugsweise 4 : 1 verwendet
wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1-3 dadurch gekennzeichnet, dass manganfreie und
eisenfreie Magnesiumlegierungen hergestellt werden.
5. Verfahren nach Anspruch 1-3 dadurch gekennzeichnet, dass zirkonhaltige
Magnesiumlegierungen ohne Zugabe von überschüssigem
Zirkonlegierungsmaterial hergestellt werden.
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