DE10063692A1 - Verfahren und Vorrichtung zum Messen und Überwachen von erwärmungsbedingten Veränderungen von Substanzen in einem Backofen - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zum Messen und Überwachen von erwärmungsbedingten Veränderungen von Substanzen in einem BackofenInfo
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum kontinuierlichen Messen und Überwachen von erwärmungsbedingten Veränderungen von Substanzen, die in einem Backofen (1) in Backformen (10) aufgeheizt werden. Die bei bekannten Lösungen vorhandenen Unsicherheiten bezüglich Gestalt und Wassergehalt der Substanzen werden dadurch vermieden, dass die Messung unter Verwendung des Radarprinzips durchgeführt wird, wobei im oberen Bereich des Backofens (1) richtscharfe, auf den Boden (13) desselben gerichtete Radarantennen (4) angeordnet sind.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Messen und Überwachen
von erwärmungsbedingten Veränderungen von Substanzen, die in einem Backofen in
Gefäßen aufgeheizt werden, gemäß dem Oberbegriff der Ansprüche 1 und 6.
Bei üblichen Backöfen wird der Backprozess aufgrund von Erfahrungswerten über eine
Zeituhr gesteuert oder über eine subjektive, visuelle Beobachtung überwacht. Diese
Methoden sind unsicher, da sie z. B. den Einfluss des Feuchtigkeitsgehalts auf den
Garprozess und die Gestaltänderungen des Kuchenteigs während des Garprozesses
nicht erfassen können; außerdem erfordert diese Methode die Anwesenheit der
Bedienperson. Für eine sichere Beurteilung und für eine Automatisierung des
Backprozesses ist eine kontinuierliche Überwachung desselben nach objektiven Kriterien
erforderlich.
In der DE 690 17 441 T2 ist ein Hochfrequenzheizgerät zum Auftauen von tiefgefrorenen
Lebensmitteln beschrieben. Bei diesem wird der Effekt ausgenutzt, dass der von den
Lebensmitteln nicht absorbierte und zum Teil reflektierte Teil der Hochfrequenzstrahlung
Aussagen über den Zustand der Lebensmittel und die daraus folgende optimale
Auftauzeit erlaubt. Bei diesem Hochfrequenzheizgerät wird demnach der Rest der zum
Auftauen eingesetzten Strahlungsenergie als Maß des Auftauzustands und als
Steuergröße für die Auftauzeit verwendet. Nachteilig an diesem Hochfrequenzheizgerät
ist, dass es nur eine pauschale Aussage über den Auftauzustand der Lebensmittel,
jedoch keine Angabe über deren beim Erhitzungsprozess sich ändernde Gestalt bietet.
Es ist deshalb Aufgabe der Erfindung, für einen Backofen ein Verfahren und eine
Vorrichtung zu schaffen, wodurch eine Kontrolle von Gestalt und Feuchtigkeitsgehalt des
Gargutes während des Garprozesses möglich ist.
Die Aufgabe wird durch die Merkmale des Verfahrensanspruchs 1 und durch die
Merkmale des Vorrichtungsanspruchs 7 gelöst. Generelle Vorteile des Radarprinzips bzw.
der Mikrowellen-Sensorik bestehen darin, dass es sich um ein robustes, gegen
Verschmutzung, Temperatur- und Dampfbildung unempfindliches und insbesondere um
ein berührungslos arbeitendes, das Gargut und den Garvorgang in keiner Weise
beeinflussendes Messprinzip handelt.
Mit Hilfe des Radarprinzips können Substanzeigenschaften (z. B. der Feuchtiglkeitsgehalt
und die Dielektrizitätskonstante eines Kuchenteigs) bestimmt und zeitlich verfolgt werden.
Je nach Messfrequenz und Art der Substanz dringen Mikrowellen mehr oder weniger tief
in das Gargut ein. Mit Mikrowellensensoren können daher neben Aussagen über die
Gargutoberfläche auch solche über die innere Beschaffenheit des Gargutes während des
Garvorganges gewonnen werden. Da die Backöfen, speziell die Mikrowellenöfen nahezu
hochfrequenzdicht sind, bestehen wahrscheinlich keine funktionstechnischen
Zulassungsprobleme.
Durch Versuche hat sich als vorteilhaft herausgestellt, dass die Messung mit einem Signal
einer bevorzugten Sweep-Bandbreite von 8,5 GHz im Frequenzbereich von 15 bis 80 GHz,
vorzugsweise von 18 bis 26,5 GHz erfolgt.
Weitere Merkmale der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung und
der Zeichnung, in der ein Ausführungsbeispiel der Erfindung schematisch dargestellt ist.
Es zeigen:
Fig. 1 einen Backofen mit zwei Radarantenne und einem Backblech mit einer
Kuchenform;
Fig. 2 eine Darstellung des seitlichen Verlaufs der Amplitude eines Radarechos über der
Entfernung eines Kuchens von den Radarantennen.
In Fig. 1 ist ein Backofen 1 mit einer Backraum 2 dargestellt, in dessen oberen Bereich
eine Halterung 3 für Radarantennen 4 angeordnet ist. Die Radarantennen 4 sind über
Hochfrequenzkabel 5 mit einem Netzwerkanalysator 6 verbunden und auf den Boden 13
des Backofens gerichtet.
An den Seitenwänden 7 sind Backblecheinschübe 8 vorgesehen, in die Backbleche 9
einschiebbar sind. In Fig. 1 ist das Backblech 9 auf dem untersten der
Backblecheinschübe 8 angeordnet. Auf dem Backblech 9 befindet sich eine Backform 10
mit einem Backformrand 11. In der Backform 10 ist eine Kuchenoberfläche 12
angedeutet. Der Abstand zwischen den Radarantennen 4 und dem Backformrand 11
beträgt 11,3 cm, der zwischen Radarantennen 4 und Backblech 9 17,8 cm.
In Fig. 2 ist der zeitliche Verlauf der Amplitude eines Radarechos über die Entfernung
zwischen einem im Backrohr befindlichen Kuchen und den Radarantennen 4 dargestellt.
Die FMCW-Radarmessung erfolgte im Frequenzbereich von 18 bis 26,5 GHz. Vor der
Messung wurde der Ofen auf eine Temperatur von 175°C vorgeheizt und diese
Temperatur während des Backvorganges beibehalten (Umluftbetrieb). Über einen
Zeitraum von etwa 120 Minuten wurden in regelmäßigen Abständen Messwerte
aufgenommen. Dabei wurden getrennt voneinander die Reflexionsamplitude des Bleches
und die Reflexionsamplitude des aufgehenden Kuchens aufgezeichnet. Die
Messergebnisse für diesen Kuchen sind in Fig. 2 dargestellt. Zu erkennen ist einerseits
die zeitliche Änderung der Amplitude, die charakteristisch zum Ende des Backvorganges
stark abnimmt. Andererseits ist das "Aufgehen des Teiges bis zu einer maximalen Höhe
anhand des abnehmenden Abstandes zu den Radarantennen 4 sichtbar. Als senkrechte
Linien sind die Positionen des Backblechs 9 und des Backformrandes 11 mit
eingezeichnet. Der Zeitpunkt, zu dem der Kuchen fertig gebacken war, wurde im Bereich t
von ungefähr 79 Minuten festgestellt, so dass der in diesem Zeitbereich zu beobachtende
Knick der gemessenen Kennlinie als Klassifikator für den fertig gebackenen Zustand
erscheint. Die danach folgende Änderung der Position des gemessenen Echos resultiert
nicht aus einem "Zusammenfallen" des Kuchens, vielmehr ist davon auszugehen, dass
die Kuchenoberfläche entsprechend trocken wird und die Reflexionen in den weiter innen
liegenden, noch feuchten Bereichen des Kuchens entstehen.
Der Amplitudeneinbruch zu Beginn des Backvorganges ist auch charakteristisch und rührt
vermutlich daher, dass zunächst die Oberfläche des im Innern noch kalten Kuchens an
der heißen Luft im Ofen austrocknet und daher die Mikrowellen tiefer in den Kuchen
eindringen und die Reflexion dadurch gedämpft wird. Erst bei Durchwärmung der
gesamten Backware verdunstet deren Feuchtigkeit und befeuchtet die Oberfläche wieder.
Wenn sich ein quasi "eingeschwungender Zustand" eingestellt hat, backt der Teig
langsam aus (der gerade Bereich der Kurve) und am Ende des eigentlichen
Backvorganges setzt wiederum eine Austrocknung der Oberfläche (und nun natürlich
auch gesamten Teiges) ein.
Die vorgestellten Messungen zeigen, dass aus dem Messsignalverlauf Rückschlüsse auf
den Backvorgang und den Zustand eines Kuchens gezogen werden können. Als
Messfrequenz ist das Frequenzband um 24 GHz gut geeignet. Höhere Frequenzen sind
wegen ihrer geringeren Eindringtiefe für dünnschichtige Speisen interessant, tiefere
Frequenzen dann, wenn höhere Eindringtiefe erwünscht ist. Denkbar ist ebenfalls eine
Kombination verschiedener Messfrequenzen, um mehr Messinformationen zu bekommen.
Um zu einem Radarechoprofil zu gelangen, können die bekannten Puls- oder FM-
Radarprinzipien verwendet werden. Die maßgeblichen Parameter von derartigen
Radarantennen ergeben sich aus den geometrischen Randbedingungen bei der Messung
in Backöfen und den daraus resultierenden Anforderungen an die Strukturauflösung.
Die Strukturauflösung beschreibt die Fähigkeit eines Radarsensors, zwei in
Ausbreitungsrichtung des Messsignals dicht hintereinander liegende (axiale Auflösung)
bzw. zwei senkrecht zur Ausbreitungsrichtung des Messsignals nebeneinander liegende
(laterale Auflösung) ideale Reflektoren als getrennte Objekte wiederzugeben.
Die axiale Auflösung δax einer Radarantenne wird maßgeblich durch ihre Messbandbreite
Δf festgelegt. Mit der Lichtgeschwindigkeit c gilt der folgende Zusammenhang:
Die laterale Auflösung hängt maßgeblich von der Aperturgröße und der Mittenfrequenz
ab.
Die Nahbereichsgrenze beschreibt die minimale Distanz zwischen Radarantenne und
Reflektor, ab der ein genauer Entfernungswert detektiert werden kann. Erst außerhalb
dieses genannten Bereiches können sinnvolle Messwerte bestimmt werden. Da
Störungen durch andere überlappende Echos, beispielsweise Systemreflexionen an
Radarantenne oder Mehrfachechos verursacht werden, wird die Nahbereichsgrenze direkt
durch die Strukturauflösung festgelegt.
Die Orts- bzw. Winkelselektivität einer Radarantenne wird durch das Antennen-
Richtdiagramm bestimmt. Je größer das Verhältnis von Antennenapertur (entspricht
ungefähr der Fläche der Antenne) zur Radarwellenlänge ist, desto schmaler wird das
Richtdiagramm bzw. desto höher ist die Richtwirkung (Orts- bzw. Winkelselektivität) der
Radarantenne. Durch eine höhere Richtwirkung der Radarantenne verbessert sich die
Störfestigkeit der Radarmessung, da das Radarsignal besser auf das Messobjekt
focussiert wird. Für richtscharfe Radarantennen ist es im Prinzip wünschenswert,
möglichst hochfrequente Radare zu realisieren. Die Größe einer für eine bestimmte
Richtwirkung benötigten Radarantenne ist umgekehrt proportional zur Radarfrequenz,
d. h., bei Wahl einer hohen Radarfrequenz werden nur kleine Radarantennen benötigt.
Beim Puls-Echo-Radar wird die Laufzeit Ti eines kurzen Mikrowellenpulses vom
Radargerät zum Reflektor und zurück gemessen. Aus der Laufzeit lässt sich bei
bekannter Ausbreitungsgeschwindigkeit c (bei Mikrowellen = c = 3.108 m/s) direkt die
Reflektorentfernung di gemäß der folgenden Formel bestimmen:
di = 0,5.c.Ti.
Die erreichbare Auflösung ist proportional zur Länge der gesendeten Impulse. Für eine
Auflösung von 5 cm werden Pulse mit einer Dauer von ca. 0,1 ns notwendig.
Alle Verfahren, die auf einer Modulation der Sendefrequenz basieren, können unter der
Bedingung, dass die Änderung der Sendefrequenz innerhalb des Signal-Laufzeitintervalls
(also der Laufzeit des Signals vom Sender zum Reflektor und zurück) vernachlässigbar
klein ist, auf eine gemeinsame, einfache Theorie zurückgeführt werden. Zu dieser Gruppe
von Verfahren gehören beispielsweise die klassischen FMCW-Prinzipien, bei denen die
Frequenz kontinuierlich und zumeist linear innerhalb einer Bandbreite durchgestimmt wird
(Frequenz-Sweep) sowie alle Ausführungsformen des Stepped-Frequency-Verfahrens,
bei dem sequentiell verschiedene diskrete Sendesignalfrequenzen eingestellt werden.
Beim FMCW-Radar ergibt jedes reflektierte Teilsignal im Messsignal eine
Sinuskomponente mit konstanter Frequenz der Formel:
s0(t) = ai.sinus(2.π.fi.t).
Die Frequenz fi der Teilsignale ist proportional zur Entfernung di der zugehörigen
Reflektoren, die Amplitude ai wird durch die Eigenschaften des Reflektors (z. B. Fläche,
Oberflächenstruktur, Reflexionskoeffizient) bestimmt. Befinden sich mehrere Reflektoren
im Erfassungsbereich der Radarantenne, so ergibt sich als Messsignal eine
entsprechende Überlagerung mehrerer Sinussignale. Die Entfernung des jeweiligen
Teilreflektors und die zugehörige Frequenz sind wie folgt verknüpft:
wobei c die Wellenausbreitungsgeschwindigkeit (Lichtgeschwindigkeit), T die Sweep-
Dauer und Δf die Sweep-Bandbreite bezeichnen. Dieser einfache lineare
Zusammenhang zwischen der Misch-Signalfrequenz und der Signallaufzeit ergibt sich
jedoch nur, wenn der Sweep exakt linear erfolgt. Jede Nicht-Linearität führt zu einer
Verzerrung der Messgrößen. Darüber hinaus müssen sowohl die Bandbreite als auch die
Sweep-Dauer bekannt sein.
Die Aufgabe der Signalverarbeitung besteht bei einem FMCW-Radar also darin, die
Parameter der Sinusteilsignale, also deren Amplitude und Frequenz, zu bestimmen. Die
gängigste Methode zur Berechnung der Signalfrequenzen bei FMCW-Systemen ist die
Fouriertransformation (FT), die bei zeitdiskreten Signalen in aller Regel mit dem schnellen
Fouriertransformationsalgorithmus (FFT) durchgeführt wird. Der prinzipielle Vorteil der
Fouriertransformation besteht darin, dass sichergestellt ist, dass der Algorithmus für alle
Eingangssignale konvergiert und das Ergebnis die Frequenzanteile per Definition korrekt
wiedergibt, also physikalisch sinnvoll ist. Die maßgebliche Einschränkung ergibt sich
durch die begrenzte zeitliche Länge realer Messsignale und durch deren Zeit- und
amplituden-diskrete Verarbeitung. Die endliche zeitliche Apertur T bewirkt eine begrenzte
Frequenzauflösung (Fresnell-Auflösung) δf = 1 : T und Störungen durch Fenstereffekte.
Die Fenstereffekte können durch Verwendung von Fensterfunktionen, mit denen das
Messsignal gewichtet wird, verringert werden. Je nach Fensterfunktion bewirkt dies
jedoch eine Verschlechterung der Auflösung um den Faktor 1 bis 2. Die Auflösung δax
eines FMCW-Radars mit FFT-Auswertung beträgt etwa:
In der Praxis muss allerdings berücksichtigt werden, dass die angegebene
Auflösungsgrenze nur eine theoretischen Wert darstellt, der für zwei nahezu gleichgroße
Echos und nur bei moderatem Signal-zu-Rauschverhältnis gilt. Unterscheiden sich die
Amplituden der benachbarten Signalanteile sehr stark oder liegt ein schlechtes Signal-zu-
Rauschverhältnis vor, verschlechtert sich die Separierbarkeit merklich.
Für die Auswertung der Radarsignale ist es wichtig, dass der zeitliche Verlauf von
Laufzeit, Amplitude und Reflexionsfaktor des Radarsignals gemessen und interpretiert
bzw. klassifiziert wird, wobei insbesondere die Messwerte des Reflexionsfaktors unter
Berücksichtigung von Informationen über das Gargut und von solchen, die aus
angelernten Testmessungen oder aus einem trainierbaren Klassifikator, z. B. aus einem
mit Lerndaten trainierten neuronalen Netz stammen, ausgewertet werden.
Der Reflexionsfaktor eines Materials wird üblicherweise durch das Verhältnis von
reflektierter zu einfallender Leistungsdichte definiert. Der Reflexionsfaktor hängt neben
der Oberflächenstruktur des Materials maßgeblich von dessen elektrischen Eigenschaften
ab. Für eine ebene Flüssigkeitsoberfläche kann deren Reflexionsfaktor R wie folgt
angegeben werden:
wobei εr als Dielektrizitätskonstante bezeichnet wird. Die Dielektrizitätskonstante eines
Materials wird z. B. von dessen chemisch/physikalischen Eigenschaften, seiner
Temperatur und zudem von der Messfrequenz beeinflusst. Der Reflexionsfaktor von
körnigen Materialien hängt darüber hinaus von deren Korngröße ab. Sind die Strukturen
deutlich größer als eine Wellenlänge, so verhalten sie sich wie einzelne kleinere
Reflektoren. Das Messsignal besteht folglich aus einer Überlagerung der Signalanteile.
Liegt die Strukturgroße im Bereich der Wellenlänge, so findet eine fast vollständige
Absorption statt, und es ist praktisch kein Reflexionssignal zu messen. Sehr fein
strukturierte Oberflächen mit einer Strukturgröße deutlich unterhalb der Wellenlänge
wirken wie eine Flüssigkeit. Einen merklichen Einfluss auf das Reflexionsverhalten hat
natürlich auch die Menge der im Material eingeschlossenen Luft.
Die Ausführungen zeigen, dass die Messung des Reflexionsfaktors nicht ohne weiteres zu
einer konkreten Aussage über eine spezifische Eigenschaft eines Materials herangezogen
werden kann, da eine Vielzahl von Einflussfaktoren wirkt. Erst durch Einbeziehung von
Vorinformationen, z. B. über die Art des Gargutes, oder durch eine Auswertung von
zeitlichen Veränderungen des Reflexionsfaktors, können aussagekräftige Resultate
abgeleitet werden. Die Aufgabe der Signalverarbeitung besteht also bei einem
Mikrowellensensor zur Gargutüberwachung insbesondere darin, die Messwerte und deren
zeitlichen Verlauf zu interpretieren bzw. zu klassifizieren. Je nach Aufgabe ist der
Klassifikator mehr oder weniger komplex. Um komplexe Messaufgaben lösen zu können,
ist es günstig, die aktuellen Messdaten mit eingelernten Testmessungen zu vergleichen
oder aber einen trainierbaren Klassifikator, wie z. B. ein neuronales Netz, mit Lerndaten zu
trainieren.
Mindestens eine Radarantenne sendet ein Maßsignal in Richtung des interessierenden
Objekts (Gargut, Gargutablage wie z. B. Backblech oder Backrost) aus. Das Signal wird
am Objekt, je nach Beschaffenheit des Objektes ganz oder teilweise reflektiert und wieder
von mindestens einer Radarantenne empfangen. Die Eigenschaften des Messsignals, wie
z. B. Frequenz, Amplitude und Phase, lassen dann Rückschlüsse auf Lage und
Beschaffenheit des Objektes zu. Entscheidend für eine aussagekräftige Messung ist, dass
die detektierten Reflexionseigenschaften räumlich (d. h. konkreten Objekten) zugeordnet
werden können. Die räumliche Zuordnung von Reflexionseigenschaften kann im Prinzip
auch als Bildgebung bezeichnet werden. In seitlicher (lateraler) Richtung erfolgt die
Zuordnung durch die Verwendung richtscharfer Radarantennen, die nur einen definierten
Winkelbereich erfassen. In Tiefenrichtung (axial) erfolgt die Zuordnung durch Auswerten
der Laufzeit des Messsignals. Das Empfangssignal wird üblicherweise als ein Echoprofil
dargestellt, welches die Reflexionsbedingungen in Abhängigkeit von der Entfernung
darstellt. Die Einschubhöhe bzw. die Höhe des Gargutes ist aus dem Echoprofil (bzw.
dem Echoprofilen mehrerer nebeneinander angeordneter Radarantennen) ableitbar. Die
Separierbarkeit verschiedener Reflexionsanteile wird durch die Strukturauflösung
bestimmt. In Tiefenrichtung wird die Strukturauflösung (also hier die Breite der skizzierten
Peaks) durch die Bandbreite des Messsignals festgelegt, in lateraler Richtung durch die
Anzahl und die Richtschärfe der verwendeten Radarantennen.
Wegen der speziellen Messbedingungen im Backofen (starke Reflexionen an den
Metallwänden und sehr kleiner Reflexionsraum) kann davon ausgegangen werden, dass
berührungslose Messungen bei nur einer festen Frequenz in aller Regel wenig praktikabel
sind, da mit einem monofrequenten Radar keinerlei Auflösung in Tiefenrichtung
realisierbar ist. Die Reflexionen von Gargut, mögliche Mehrfachreflexionen oder
Reflexionen an den Wänden könnten somit nicht zuverlässig getrennt und ausgewertet
werden.
Im Gegensatz zu den beschriebenen Reflexionsmessungen wären auch so genannte
Transmissionsmessungen, bei denen das Objekt durchstrahlt wird, denkbar. In
konventionellen Backöfen, bei denen häufig metallische (also nicht
mikrowellendurchlässige) Gargefäße verwendet werden und bei stark reflektierenden
Medien (z. B. Gargüter mit hohem Wasseranteil) sind Transmissionsmessungen jedoch
nicht praktikabel. Speziell in Mikrowellenöfen, in denen ja ohnehin keine metallischen
Gefäße verwendet werden dürfen, könnten Transmissionsmessungen, insbesondere bei
der Bestimmung von Garguteigenschaften, interessant sein.
Die Reflexions- und Transmissionseigenschaften eines Materials hängen im
Wesentlichen von seinen dielektrischen Eigenschaften ab. Je niedriger die
Dielektrizitätskonstante eines Materials ist, desto schwächer reflektiert und desto besser
transmittiert es Mikrowellen. Maßgeblichen Einfluss auf die Dielektrizitätskonstante eines
Gargutes haben sein Feuchtigkeitsgehalt und seine Temperatur. Ändern sich die
dielektrischen Eigenschaften eines Gargutes während des Garvorganges, z. B. aufgrund
von Austrocknungs- oder chemischen Vorgängen oder Temperaturänderungen, ist dies
durch ein verändertes Reflexions- und Transmissionsverhalten erkennbar. Aufgrund
dieser Effekte gelingt es, den Garvorgang mit Hilfe von Mikrowellensensoren zu
monitorisieren.
Durch Versuche hat sich als vorteilhaft herausgestellt, dass die Messung mit einem Signal
einer bevorzugten Sweep-Bandbreite von 8,5 GHz im Frequenzbereich von 15 bis 80 GHz,
vorzugsweise von 18 bis 26,5 GHz erfolgt.
Die für die vorliegende Anwendung notwendige Auflösung lässt sich aus den
geometrischen Randbedingungen, wie z. B. dem Abstand der Einschübe, dem minimalen
Abstand vom Gargut/Gargefäß zu den Radarantennen sowie aus der minimalen Höhe
des Backgutes (falls Backgut und Backgutauflage von einer Radarantenne zugleich
erfasst werden) ableiten. Will man etwa eine für die Anwendung günstige Auflösung von
ca. 4 cm erreichen, ist hierzu eine Sweep-Bandbreite von ca. 8 GHz notwendig.
Diese außerordentlich große Brandbreite stellt hohe Anforderungen an die verwendete
Hardware. Darüber hinaus wird hierdurch die mögliche Messfrequenz weitgehend
festgelegt. Die relative Bandbreite (d. h. die Bandbreite durch Mittenfrequenz) einer
Radarantenne ist in aller Regel begrenzt und kann 10 bis 30% kaum übersteigen.
Messfrequenzen unterhalb 24 GHz sind daher für die vorliegende Anwendung wenig
geeignet. Mit zunehmender Frequenz erhöhen sich jedoch die Kosten und verschlechtern
sich die Verfügbarkeit der Hochfrequenzkomponenten, so dass Frequenzen über 80 GHz
zur Zeit ebenfalls nicht praktikabel sind. Das Frequenzband zwischen 15 GHz und 80 GHz
erscheint daher für die gegebene Applikation am besten geeignet.
Claims (9)
1. Verfahren zum Messen und Überwachen von erwärmungsbedingten
Veränderungen von Substanzen, die in einem Backofen (1) aufgeheizt werden,
dadurch gekennzeichnet, dass die Messung unter Verwendung des
Radarprinzips durchgeführt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei
den Substanzen vorzugsweise um Kuchenteig handelt, der während des gesamten
Backprozesses vermessen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die
Messung mit Hilfe eines frequenzmodulierten Radars (FM-Radar), insbesondere
eines frequenzmodulierten Continuous-Wave-Radars (FMCW-Radar) erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der
zeitliche Verlauf von Laufzeit, Amplitude und Reflexionsfaktor des Radarsignals
gemessen und interpretiert bzw. klassifiziert wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass
insbesondere die Messwerte des Reflexionsfaktors unter Berücksichtigung von
Informationen über das Gargut ausgewertet werden.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die
Informationen aus eingelernten Testmessungen oder aus einem trainierbaren
Klassifikator, insbesondere aus einem mit Lerndaten trainierten neuronalen Netz
stammen.
7. Vorrichtung zum Messen und Überwachen von erwärmungsbedingten
Veränderungen von Substanzen, die in einem Backofen (1) in Backformen (10)
aufheizbar sind, dadurch gekennzeichnet, dass im oberen Bereich des
Backofens (1) richtscharfe, auf einen Boden (13) des Backofens (10) gerichtete
Radarantennen (4) angeordnet sind.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die
Radarantennen (4) über Hochfrequenzkabel (5) mit einem Netzwerkanalysator (6)
verbunden sind.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die
Messung mit einem Signal einer bevorzugten Sweep-Bandbreite von 8,5 GHz im
Frequenzbereich von 15 bis 80 GHz, vorzugsweise von 18 bis 26,5 GHz erfolgt.
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Cited By (1)
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| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE102012006578A1 (de) * | 2012-03-30 | 2013-10-02 | Topinox Sarl | Gargerät und Verfahren zum Garen von Lebensmitteln |
| DE102017106392A1 (de) | 2017-03-24 | 2018-09-27 | Hochschule Heilbronn | Vorrichtung zur Überwachung eines Kochvorgangs |
Citations (4)
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| DE4207459C2 (de) * | 1992-03-10 | 1994-05-05 | Miele & Cie | Mikrowellenherd mit einer Vorrichtung zur Sensierung des Beladungszustandes |
| DE19618280C2 (de) * | 1995-05-16 | 1998-01-29 | Lg Electronics Inc | Mikrowellenherd |
| DE19831635A1 (de) * | 1998-07-15 | 2000-01-20 | Thomas Atzinger | Einrichtung zur Erfassung des Gärungszustandes von Teiglingen |
| JP2000338237A (ja) * | 1999-05-28 | 2000-12-08 | Mitsubishi Electric Corp | 車両周辺監視装置 |
-
2000
- 2000-12-20 DE DE2000163692 patent/DE10063692C2/de not_active Expired - Fee Related
Patent Citations (4)
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|---|---|---|---|---|
| US10222205B2 (en) | 2014-12-17 | 2019-03-05 | Koninklijke Philips N.V. | Method and apparatus for determining size information of food ingredients |
Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| DE10063692C2 (de) | 2003-03-06 |
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