DE10060393A1 - Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur - Google Patents
Crashenergie absorbierende FahrzeugteilstrukturInfo
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Abstract
Eine Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur weist zwei sich im wesentlichen in Fahrzeuglängsrichtung zu einem Fahrzeugende erstreckende Längsträger (1) auf, an deren Endabschnitten (2) zu dem Fahrzeugende hin jeweils ein sich nach unten erstreckender biegesteifer Zughaken (4) verbunden ist. Das freie Ende des Zughakens (4) besitzt einen in Richtung des Fahrzeugendes weisenden Mitnehmer (7). Weiterhin ist der Zughaken (4) in Richtung der Unterseite des zugehörigen Längsträgers (1) umlegbar. Der Verformungswiderstand des Endabschnittes (2) des Längsträgers (1) gegen eine nach unten gerichtete Biegung ist kleiner als der Verformungswiderstand des biegesteifen Zughakens (4), so daß sich bei einer Krafteinwirkung in Fahrzeuglängsrichtung auf den Mitnehmer (7) zunächst der Endabschnitt unter Zugbelastung durch den in Richtung der Unterseite geschwenkten Zughaken (4) plastisch verformt. Dadurch läßt sich die Unfallkompatibilität bei Stoßpartnern mit unterschiedlicher Bodenhöhe der Längsträgerebenen im Fall einer Kollision verbessern.
Description
Die Erfindung betrifft das Gebiet der Kompatibilität von Kraftfahrzeugstrukturen bei
Frontalkollisionen und Auffahrunfällen. Insbesondere bezieht sich die Erfindung auf eine
Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur.
Der Vorderwagen und das Heck moderner Personenkraftwagen werden heute im
Hinblick auf eine möglichst große Dissipation der bei einem Unfall (Crash) auftretenden
Energie ausgelegt. Durch eine gezielte Verformung dieser Fahrzeugteilstruktur soll die
Fahrgastzelle des Fahrzeugs weitgehend intakt bleiben. Zudem sollen die an den
Fahrgästen auftretenden Beschleunigungen bzw. Verzögerungen möglichst gering
gehalten werden. Dazu sind im Bereich der unfallgefährdeten Zonen Crashenergie
absorbierende Einrichtungen vorgesehen. Beispielsweise werden die Endabschnitte der
Längsträger einer Fahrzeugteilstruktur so ausgebildet, daß diese sich bei Einwirkung
einer Kraft in Fahrzeuglängsrichtung in einer bestimmten Art und Weise zusammenfalten
oder ausbeulen, um dadurch Crashenergie in Verformungsarbeit umzuwandeln. Die
Einleitung der Kraft erfolgt dabei meist über einen Querträger, der mit den Enden der
Längsträger verbunden ist.
Welche Verformungen bei einem Unfall auftreten hängt unter anderem stark von der
Ausgestaltung der Fahrzeugteilstruktur und der Fahrzeugmasse der beteiligten
Stoßpartner ab. Bei gleichartigen Stoßpartnern läßt sich eine weitgehende Aufteilung der
auftretenden Crashenergie auf beide Fahrzeugteilstrukturen erreichen, die an der
jeweiligen Fahrzeugteilstruktur in Verformungsarbeit umgewandelt wird. Sind die
Fahrzeugteilstrukturen einander gleich oder ähnlich, wird das Verformungsvermögen der
vorgesehenen Crashenergie absorbierenden Einrichtungen in der Regel besonders gut
ausgenutzt. Problematisch sind jedoch alle Situationen, in denen ungleiche Unfallgegner
aufeinandertreffen, beispielsweise ein Kleinwagen mit einem Oberklassefahrzeug
kollidiert.
Oftmals liegen die Angriffsebenen für eine optimale Absorption der Crashenergie an den
beiden Stoßpartnern in einer unterschiedlichen Höhe. Bei Kollisionen zwischen solchen
Stoßpartnern wird dann aufgrund der geometrischen Inkompatibilität ein Teil des
möglichen Crashenergieabsorptionspotentials verschenkt. Diese Inkompatibilität ist meist
in der unterschiedlichen Bodenhöhe der Längsträgerebenen begründet, so daß im
Verlauf eines Unfalls das eine Fahrzeug mit seiner Längsträgerebene die
Längsträgerebene des anderen Fahrzeugs überfährt und das Verformungsvermögen der
Fahrzeugteilstrukturen der beiden Fahrzeuge nur ungenügend ausgenutzt wird.
Zur Verbesserung der Unfallkompatibilität von Fahrzeugteilstrukturen mit
unterschiedlicher Bodenhöhe der Längsträgerebenen ist in der DE 32 16 590 A1
vorgeschlagen worden, an der Unterseite eines vorderen Stoßfängers bzw. Querträgers
nach unten gerichtete Laschen anzubringen, die mit dem Querträger starr verbunden
sind. Bei einer Kollision mit einem Fahrzeug mit niedrigerliegender Längsträgerebene
werden diese Laschen verformt, bevor dann anschließend eine Verformung des
Querträgers und der dahinterliegenden Längsträger einsetzt. Die Laschen besitzen hier
jedoch lediglich eine zusätzlich versteifende Funktion im unteren Bereich des
Querträgers und sind allein nicht geeignet, Crashenergie in einem ausreichenden Maße
zu absorbieren oder diese auf die Längsträger zu übertragen.
Weiterhin sind im Zusammenhang mit Nutzfahrzeugen eine Vielzahl von
Unterfahrschutzvorrichtungen bekannt, die bei einer Kollision mit einem
Personenkraftwagen ein Überfahren des erheblich leichteren Stoßpartners verhindern
sollen. Bei Nutzfahrzeugen liegt jedoch die Längsträgerebene weit über dem Boden.
Zudem sind dort die Längsträger sehr steif ausgebildet. Bei einer Kollision mit einem
Personenkraftwagen, einem Kleinbus oder einem Van liegt die Längsträgerebene des
Nutzfahrzeuges somit deutlich über den Längsträgerebenen der letzteren. Aus diesem
Grunde muß die auftretende Crashenergie, soweit sie auf Seiten des Nutzfahrzeuges
absorbiert wird, von Vorrichtungen aufgenommen werden, die unterhalb der
Längsträgerebene sitzen. Ein Beispiel für eine solche Vorrichtung ist aus der WO 98/41423
bekannt. Bei dieser bekannten Unterfahrschutzvorrichtung ist ein Crashenergie
absorbierendes Element mit einem sich über die Fahrzeugbreite erstreckenden
Querbalken an den Enden der Längsträger starr befestigt. Bei einem
Frontalzusammenprall mit einem Personenkraftwagen wird das Crashenergie
absorbierende Element verformt. Im Falle eines sehr starken Impakts reißt das
Crashenergie absorbierende Element von den Längsträgern ab, wird jedoch noch über
ein zusätzliches Schwenklager gehalten. Dabei wird jedoch lediglich das Crashenergie
absorbierende Element verformt, wohingegen an den Längsträgern keine wesentliche
Verformung auftritt. Derartige, für Nutzfahrzeuge geeignete Unterfahrschutzvorrichtung
lassen sich jedoch an Fahrzeugen mit geringerer Bodenhöhe wie Personenkraftwagen
einschließlich Kleinbussen und Vans nicht anbringen.
Vor diesem Hintergrund liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, die
Unfallkompatibilität bei Frontalkollisionen und Auffahrunfällen zwischen
Personenkraftwagen einschließlich Kleinbussen und Vans zu verbessern.
Diese Aufgabe wird gelöst durch eine Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur
mit zwei sich im wesentlichen in Fahrzeuglängsrichtung zu einem Fahrzeugende
erstreckenden Längsträgern, an deren Endabschnitten zu dem Fahrzeugende hin jeweils
ein sich nach unten erstreckender biegesteifer Zughaken vorgesehen ist, dessen freies
Ende einen in Richtung des Fahrzeugendes weisenden Mitnehmer aufweist, wobei der
Zughaken in Richtung der Unterseite des zugehörigen Längsträgers umlegbar ist und der
Verformungswiderstand des Endabschnittes des Längsträgers gegen eine nach unten
gerichtete Biegung kleiner ist, als der Verformungswiderstand des biegesteifen
Zughakens, derart, daß sich bei einer Krafteinwirkung in Fahrzeuglängsrichtung auf den
Mitnehmer zunächst der Endabschnitt des Längsträgers unter Zugbelastung durch den in
Richtung der Unterseite geschwenkten Zughaken plastisch verformt.
Mit der erfindungsgemäßen Fahrzeugteilstruktur wird die Gefahr eines Überfahrens einer
niedrigerliegenden Längsträgerebene eines zweiten Fahrzeuges verringert und dadurch
die Unfallkompatibilität zwischen einem meist größeren Fahrzeug mit einer
höherliegenden Längsträgerebene und einem meist kleineren Fahrzeug mit einer
niedrigerliegenden Längsträgerebene verbessert. Bei einer Kollision unterfährt das
Fahrzeug mit der niedrigerliegenden Längsträgerebene zunächst die höherliegende
Längsträgerebene des anderen Fahrzeugs. Dabei trifft es auf den biegesteifen
Zughaken, der in Stoßrichtung mit vernachlässigbarem Widerstand umgelegt wird, ohne
sich dabei selbst merklich zu verformen. Letztlich gelangt die niedrigerliegende
Längsträgerebene mittels des Zughakens in Anlage gegen die Unterseiten der
höherliegenden Längsträger und bildet dadurch ein Widerlager. Die dabei auf die
Zughaken einwirkenden Zugkräfte verformen die Endabschnitte der höherliegenden
Längsträger, deren Enden in Richtung der niedrigerliegenden Längsträgerebene
gezogen werden, wodurch sich die Längsträger der beiden Fahrzeuge im weiteren
Verlauf gewissermaßen ineinander einrollen. Trotz der unterschiedlichen Bodenhöhen
der Längsträgerebenen wird hierdurch das Verformungsvermögen der Längsträger
beider Fahrzeuge gut ausgenutzt.
Durch den vorstehend erläuterten Verformungsmechanismus bei der
Längsträgerdeformation kann die axiale Steifigkeit der Längsträger bei dem in der Regel
größeren Fahrzeug mit höherliegender Längsträgerebene gegenüber dem bekannten
Faltenbeulmechanismus gesenkt werden. Gleichwohl wird ein ausreichendes
Energieabsorptionsvermögen aufrechterhalten, jedoch die Differenz der Steifigkeiten der
unterschiedlichen Stoßpartner vermindert. Hierdurch wird dann wiederum die
Unfallsicherheit für den zumeist schwächeren Stoßpartner mit niedrigerliegender
Längsträgerebene verbessert.
Zudem bleibt das Verformungsverhalten der Fahrzeugteilstruktur bei einem Crash gegen
eine deformierbare Barriere (ODB) unverändert, da die Fangvorrichtung mit dem
Zughaken ohne Rückwirkung auf das Längsträgerverhalten durch eine Umlegbewegung
ausweichen kann. Bezogen auf Fahrzeug/Fahrzeug-Kollisionen ist das
Verformungsverhalten bei einer Streuung von Höhenversatz und Offset besser
reproduzierbar.
Weiterhin zeichnet sich die erfindungsgemäße Fahrzeugteilstruktur durch einen
einfachen konstruktiven Aufbau auf. Diese kann sowohl an einem Fahrzeugfrontende als
auch an einem Fahrzeugheck vorgesehen werden.
Vorzugsweise ist der Zughaken über ein Gelenk mit dem zugehörigen Längsträger
verbunden. Damit wird bei Unfallkraftbeaufschlagung des Zughakens ein definiertes,
sicheres Umlegen bzw. Schwenken erreicht.
In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist der Knick- bzw. Schwenkpunkt, um
den der Zughaken bei Unfallkraftbeaufschlagung drehbar ist, unterhalb der Unterseite
des zugehörigen Längsträgers angeordnet. Dies ermöglicht nach einem Verschwenken
des Zughakens eine besonders wirkungsvolle Krafteinleitung in das Ende des
zugehörigen Längsträgers zum Zwecke der Biegung desselben nach unten in Richtung
auf die niedrigerliegende Längsträgerebene des Stoßpartners.
Vorzugsweise sind die Enden der Längsträger über einen Querträger miteinander
verbunden, um eine bessere Verteilung der Krafteinleitung in die Längsträger zu
gewährleisten und sicherzustellen, daß nach dem Umbiegen der Längsträger mittels der
Zughaken ein Druck von oben auf die Längsträger des Stoßpartners mit
niedrigerliegender Längsträgerebene erzeugt wird.
In einer weiteren, vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist an den Enden der
Längsträger jeweils eine Stirnplatte vorgesehen, die über das Querschnittsprofil des
zugehörigen Längsträgers hinausragt. Weiterhin ist dann an jeder Stirnplatte jeweils
einer der Zughaken angelenkt. Dadurch wird eine einfache und stabile
Ankopplungsmöglichkeit für die unterschiedlichen Bauelemente an die Längsträger
geschaffen, die dann selbst als verhältnismäßig einfache Blechprofile ausgeführt werden
können.
Weiterhin kann der Querträger über jeweils eine plastisch verformbare Crashbox gegen
die Stirnplatte und damit gegen die Stirnenden der Längsträger abgestützt werden, wobei
sich der Querträger auf der Höhe der Längsträgerenden befindet. Damit wird das
Energieabsorptionspotential insbesondere im Hinblick auf einen Zusammenprall
gleichartiger Stoßpartner weiter verbessert. Jedoch nimmt die Crashbox auch im Fall der
oben beschriebenen gleichen Stoßpartner einen Teil der Crashenergie auf und trägt
folglich auch dann zu einer Verbesserung der Unfallsicherheit bei.
In einer besonders kompakten Ausführungsform ist die Höhe des Zughakens kleiner, als
die Profilhöhe des Längsträgerendes.
Weiterhin kann der Zughaken winkelförmig ausgebildet werden, so daß dieser zwei
Schenkel aufweist. Der erste Schenkel schließt dann an das Gelenk an, wohingegen der
zweite, abgewinkelte Schenkel den Mitnehmer ausbildet. Dabei ist der Zughaken so steif
dimensioniert, daß dieser bei den zu erwartenden Unfallkräften seine Form beibehält. In
diesem Zusammenhang ist es besonders vorteilhaft, den Zughaken als einstückiges
Formteil auszubilden, wodurch wiederum eine kompakte Bauweise begünstigt wird.
In einer weiteren, vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist an einem oder auch an
beiden Zughaken eine Öse vorgesehen, an die im Bedarfsfall ein Abschleppseil oder
eine Abschleppstange angeschlossen werden kann. Dabei soll jedoch der Zughaken
nicht verschwenken. Dies läßt sich durch einen entsprechenden Widerstand in dem
Gelenk verwirklichen. Vorzugsweise wird jedoch zwischen dem Zughaken und dem
Längsträger ein Versteifungselement vorgesehen, das bei einem Schwenken des
Zughakens in Richtung der Unterseite des Längsträgers drucknachgiebig, in
Gegenrichtung hingegen zugfest ist. Damit wird verhindert, daß im Kollisionsfall das
Zurückschwenken des Zughakens behindert wird. Die Anbindung des
Versteifungselementes an den Längsträger erfolgt dabei so, daß dieser nicht geschwächt
wird, um ein vorzeitiges Einknicken desselben zu vermeiden. Beispielsweise kann das
Versteifungselement als Zugseil oder auch als vorgebogener Zug-Knickstab ausgebildet
werden.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert. Die Zeichnung zeigt in
Fig. 1 eine schematische Darstellung einer Crashenergie absorbierenden
Fahrzeugteilstruktur, von der hier lediglich der Bereich um das Ende eines
Längsträgers dargestellt ist,
Fig. 2 eine Seitenansicht der Längsträger von zwei Stoßpartnern mit unterschiedlicher
Bodenhöhe der Längsträgerebenen, wobei der rechte Längsträger
entsprechend der Erfindung ausgebildet ist und die Längsträger zum Zeitpunkt
des Aufpralls mit dem noch nicht verschwenkten Zughaken dargestellt sind,
Fig. 3 eine Seitenansicht entsprechend Fig. 2 zu einem Zeitpunkt, zu dem die
Längsträger weiter axial gegeneinander verschoben sind, und der obenliegende
Längsträger infolge der Anlage des untenliegenden Längsträgers und des
Zughakens an seiner Unterseite einzuknicken beginnt,
Fig. 4 eine Seitenansicht entsprechend Fig. 3 zu einem weiteren, späteren Zeitpunkt
im Verlauf der Kollision, zu dem infolge einer Druckeinwirkung von oben der
untenliegenden Längsträger an seiner Oberseite einzuknicken beginnt,
Fig. 5 eine Seitenansicht entsprechend Fig. 4 zu einem weiteren, späteren Zeitpunkt
im Verlauf der Kollision, zu dem die Längsträger ineinander einrollen, und in
Fig. 6 eine Abwandlung des ersten Ausführungsbeispiels.
Das Ausführungsbeispiel zeigt in Fig. 1 eine schematische Ansicht einer Crashenergie
absorbierenden Fahrzeugteilstruktur, wobei hier lediglich einer der sich in
Fahrzeuglängsrichtung zu einem Fahrzeugende erstreckenden Längsträger 1 dargestellt
ist. Beide Längsträger sind gleichartig ausgebildet und liegen mit ihren Endabschnitten 2
in einer gemeinsamen, im wesentlichen horizontalen Längsträgerebene. Diese Struktur
ist Teil eines Vorderwagens eines Personenkraftwagens, kann jedoch auch an dessen
Heck vorgesehen werden. Weiterhin ist es möglich, eine solche Struktur auch in einen
Van oder einen Kleinbus einzubauen. Eine beispielhafte, detailliertere Ausgestaltung
dieser Struktur ist weiterhin den Fig. 2 bis 5 auf der rechten Seite zu entnehmen.
An dem stirnseitigen Ende des Endabschnittes 2 des Längsträgers 1 ist eine Stirnplatte 3
als Anschlußadapter befestigt, die sich im wesentlichen in einer Ebene quer zu der
Längserstreckungsrichtung des Längsträgers 1 erstreckt. An dem unteren Ende der
Stirnplatte 3, das unter die Unterseite des Endabschnittes 2 des Längsträgers 1
hinausragt, ist ein Zughaken 4 über ein Gelenk 5 angekoppelt. Dieses Gelenk 5 erlaubt
ein Verschwenken des Zughakens 4 gegen die Unterseite des Längsträgers 1, so daß
der Zughaken 4 mit seiner von dem nächstliegenden Fahrzeugende abgewandten Seite
gegen die Unterseite des Längsträgers 1 anschlagen kann. Im Normalzustand befindet
sich der Zughaken 4 in der in Fig. 1 dargestellten Position und ist in dieser Lage gegen
ein freies Pendeln gesichert. Bei einer Kraftbeaufschlagung in Fahrzeuglängsrichtung
durch einen Zusammenstoß mit einem Hindernis, insbesondere einem anderen
Fahrzeug, stellt die Lagesicherung jedoch keinen wesentlichen Widerstand dar.
Anstelle eines Gelenks 5 kann auch eine Sollknickstelle vorgesehen werden, die bei
einer Unfallkrafteinwirkung auf den Zughaken 4 die Funktion eines Schwenkgelenks
besitzt. Die Sollknickstelle kann an dem Zughaken 4, der Stirnplatte 3 oder auch an der
Verbindungsstelle dieser beiden Elemente vorgesehen werden
Der Zughaken 4 ist winkelförmig ausgebildet. Er weist einen ersten, längeren Schenkel 6
auf, der mit seinem oberen Ende an das Gelenk 5 anschließt. Weiterhin weist der
Zughaken 4 an seinem unteren Ende einen weiteren, kürzeren Schenkel 7 auf, der in
Richtung zu dem Fahrzeugende hin angewinkelt ist und einen Mitnehmer ausbildet,
dessen Funktion weiter unten noch erläutert wird. Der Zughaken 4 kann als
Schweißkonstruktion ausgebildet werden, ist hier jedoch ein einstückiges Formteil. Wie
den Fig. 2 bis 5 entnommen werden kann, ist die Höhe des Zughakens 4 kleiner als
die Profilhöhe des Längsträgerendes. Zudem weist der Zughaken 4 eine hohe
Biegesteifigkeit auf, so daß sich dieser bei den Kräften, die bei einem Unfall zu erwarten
sind, nicht oder nicht wesentlich verformt. Auch besitzt das Gelenk 5 eine ausreichende
Festigkeit, um diesen Kräften zu widerstehen und nicht auszureißen.
Bei dem in den Fig. 1 bis 5 dargestellten Ausführungsbeispiel ist zwischen der
Rückseite des Zughakens 4 und dem Längsträger 1 ein Versteifungselement 11
vorgesehen. Dieses Versteifungselement 11 ist hier als Bügel mit einer vorgebogenen
Knickstelle ausgebildet und damit drucknachgiebig, um die Schwenkfunktion des
Zughakens 4 bei einer Krafteinleitung infolge einer Kollision nicht zu behindern.
Andererseits besitzt das Versteifungselement 11 eine ausreichende Zugfestigkeit, um ein
Verschwenken des Zughakens 4 in die Gegenrichtung zu verhindern, wenn an dem
Zughaken 4 mit einem Abschleppseil oder einer Abschleppstange gezogen wird. Zur
besseren Befestigung des Abschleppseils oder der Abschleppstange sind an den
Zughaken 4 geeignete Anschlußeinrichtungen vorgesehen. Beispielsweise wird an einem
oder auch an beiden Zughaken 4 eine Öse ausgebildet. Bei der Anbindung des
Versteifungselementes 11 an den Längsträger 1 ist darauf zu achten, daß letzterer
hierbei an der Anbindungsstelle keine Vorschädigung erfährt, die bei einer
Biegebelastung zu einem unerwünschten vorzeitigen Einknicken des Längsträgers 1
führen könnte.
An den Stirnplatten 3 ist weiterhin ein Querträger 8 für einen Stoßfänger befestigt, der
die beiden Längsträger 1 in Fahrzeugquerrichtung miteinander verbindet. Der Querträger
8 liegt dabei auf der Höhe der Längsträgerebene und ist über jeweils eine Crashbox 9
gegen die Stirnplatte 3 und damit axial gegen das Ende des zugehörigen Längsträgers 1
abgestützt. Die Crashbox 9 ist ein kastenförmiges Deformationselement zur
Umwandlung von Crashenergie in Verformungsarbeit durch plastische Verformung. Dazu
wird die Crashbox 9 axial zusammengeschoben. Die über das Querschnittsprofil der
Crashbox 9 und des Längsträgers 1 hinausragenden Abschnitte der Stirnplatte 3 dienen
dabei als Widerlager.
Fig. 6 zeigt eine Abwandlung des Ausführungsbeispiels der Fig. 1 bis 5. Um einen
Pendeln oder Schwingen des Zughakens 4 zu verhindern, kann das Gelenk 5, wie oben
bereits erwähnt, mit einem inneren Reibungswiderstand ausgebildet werden. In diesem
Fall kann das Versteifungselement 11 weggelassen werden.
In einer weiteren Vereinfachung kann auch die Crashbox 9 in Fig. 1 oder Fig. 6
entfallen.
Im folgenden soll nun die Wirkungsweise der Crashenergie absorbierenden
Fahrzeugteilstruktur anhand der Fig. 2 bis 5 näher erläutert werden, in denen der
Verlauf einer Kollision mit einem Fahrzeug dargestellt ist, dessen Längsträgerebene eine
geringere Bodenhöhe aufweist. Die oben beschriebene Struktur ist in den Fig. 2 bis 5
auf der rechten Seite dargestellt. Der auf der linken Seite dargestellte Längsträger des
anderen Fahrzeuges ist hier mit dem Bezugszeichen 10 versehen. Wie diesen Figuren
weiter entnommen werden kann, ist die Höhedifferenz der Längsträgerebenen der
beiden Fahrzeuge im Vergleich zu einer Kollision mit einem Nutzfahrzeug
verhältnismäßig gering.
Fig. 2 zeigt einen frühen Zeitpunkt der Kollision, zu dem das linke Fahrzeug mit seinem
Querträger gegen den Zughaken 4 des rechten Fahrzeugs prallt, wobei jedoch der
Zughaken 4 gerade noch nicht verschwenkt ist. Im weiteren Verlauf der Kollision dringt
das linke Fahrzeug mit seinem Querträger und den anschließenden Längsträgern 10
weiter in das rechte Fahrzeug vor, wodurch das Versteifungselement 11 einknickt und
der Zughaken 4 gegen die Unterseite des obenliegende Längsträgers 1 geschwenkt
wird, bis der Zughaken 4 gegen den Längsträger 1 anschlägt. Dabei verhindert der
Mitnehmer bzw. untere Schenkel 7 des Zughakens 4 ein im wesentlichen
widerstandsloses Vorbeigleiten des Querträgers des linken Fahrzeuges unter dem
obenliegende Längsträger 1 hindurch. Vielmehr wird der Querträger des linken
Fahrzeugs durch den Mitnehmer 7 ebenfalls gegen die Unterseite des obenliegenden
Längsträgers 1 gelenkt, ohne daß sich dabei der Zughaken 4 wesentlich verformt.
Gleichzeitig wird über den Zughaken 4 und das Gelenk 5 in das Ende des obenliegenden
Längsträgers 1 eine Verformungskraft eingeleitet, um dessen Endabschnitt 2 zu
deformieren. Dazu ist der Verformungswiderstand des Endabschnittes 2 des
Längsträgers 1 gegen eine nach unten gerichtete Biegung kleiner als der
Verformungswiderstand des biegesteifen Zughakens 4, so daß sich bei einer
Krafteinwirkung in Fahrzeuglängsrichtung auf den Mitnehmer 7 zunächst der
Endabschnitt 2 unter Zugbelastung durch den in Richtung der Unterseite geschwenkten
Zughaken 4 plastisch verformen kann.
Fig. 3 zeigt einen unmittelbar an die Beendigung des Schwenkens des Zughakens 4
anschließenden Zeitpunkt, zu dem die Unterseite des Längsträgers 1 infolge des
Anschlagens einknickt. Die Anschlagstelle dient dabei als Widerlager für das an dem
Ende des obenliegenden Längsträgers 1 angreifende Moment aus dem Höhenversatz
der Längsträgerebenen. Dieses Moment läßt den Endabschnitt 2 des obenliegenden
Längsträgers 1 und das Stoßfängersystem des zugehörigen, rechten Fahrzeugs mit der
Crashbox 9 und dem Querträger 8 nach unten ausknicken.
Im weiteren Verlauf gelangt dann der Querträger 8 des rechten Fahrzeugs in Anlage
gegen die Oberseite der Längsträger 10 des linken Fahrzeugs. Dieser Zeitpunkt ist in
Fig. 4 dargestellt. Infolge der von oben auf die Längsträger 10 einwirkenden
Druckkräfte knickt auch die Oberseite der Längsträger 10 des linken Fahrzeugs ein,
wodurch die Enden der Längsträger 10 mit dem davorliegenden Stoßfängersystem
stärker nach oben gegen die Unterseiten der Längsträger 1 des rechten Fahrzeugs
gelenkt werden. Die Längsträger 1 und 10 der beiden Fahrzeuge rollen sich somit im
weiteren Verlauf der Kollision ineinander ein, wie dies in Fig. 5 veranschaulicht ist.
Im Vergleich zu einem axialen Zusammenschieben der Längsträger 1 ergibt sich hier
eine geringere axiale Steifigkeit der Vorderwagenstruktur bzw. Heckstruktur des
Fahrzeugs mit höherliegender Längsträgerebene. Das bei dem vorstehend
beschriebenen Rollmechanismus erzielte Energieabsorptionsvermögen ist jedoch bei
Kollisionen mit einem Fahrzeug mit niedriger liegender Längsträgerebene, das in der
Regel leichter ist, ausreichend. Durch den Rollmechanismus wird insbesondere eine
Verminderung der Differenz der Steifigkeiten der miteinander kollidierenden
Fahrzeugteilstrukturen erzielt, was sich insbesondere positiv für die Unfallsicherheit des
Fahrzeugs mit niedrigerliegender Längsträgerebene auswirkt.
Bei einer Kollision mit einem gleichartigen Fahrzeug wird der Rollmechanismus mit dem
Steifigkeitsausgleich hingegen nicht wirksam. Vielmehr bleibt dann das
Verformungsverhalten in Axialrichtung nach dem an sich bekannten
Faltenbeulmechanismus erhalten, das durch den gegebenenfalls ausschwenkenden
Zughaken 4 nicht beeinträchtigt wird.
Durch die vorstehend beschriebene Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur
lassen sich die Kompatibilitätsaspekte hinsichtlich Geometrie und Steifigkeit bei sehr
unterschiedlichen Stoßpartnern im Fall einer Kollision verbessern.
1
Längsträger
2
Endabschnitt des Längsträgers
1
3
Stirnplatte
4
Zughaken
5
Gelenk
6
erster Schenkel des Zughakens
4
7
zweiter Schenkel des Zughakens
4
bzw. Mitnehmer
8
Querträger
9
Crashbox
10
Längsträger des Unfallpartners
11
Versteifungselement
Claims (11)
1. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur mit zwei sich im wesentlichen in
Fahrzeuglängsrichtung zu einem Fahrzeugende erstreckenden Längsträgern (1),
an deren Endabschnitten (2) zu dem Fahrzeugende hin jeweils ein sich nach
unten erstreckender biegesteifer Zughaken (4) vorgesehen ist, dessen freies
Ende einen in Richtung des Fahrzeugendes weisenden Mitnehmer (7) aufweist,
wobei der Zughaken (4) in Richtung der Unterseite des zugehörigen Längsträgers
(1) umlegbar ist und der Verformungswiderstand des Endabschnittes (2) des
Längsträgers (1) gegen eine nach unten gerichtete Biegung kleiner ist, als der
Verformungswiderstand des biegesteifen Zughakens (4), derart, daß sich bei
einer Krafteinwirkung in Fahrzeuglängsrichtung auf den Mitnehmer (7) zunächst
der Endabschnitt unter Zugbelastung durch den in Richtung der Unterseite
geschwenkten Zughaken (4) plastisch verformt.
2. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur nach Anspruch 1, dadurch
gekennzeichnet, daß der Zughaken (4) über ein Gelenk (5) mit dem zugehörigen
Längsträger (1) gekoppelt ist.
3. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß der Knick- oder Schwenkpunkt, um den der
Zughaken bei Unfallkrafteinwirkung dreht, unterhalb der Unterseite des
zugehörigen Längsträgers (1) angeordnet ist.
4. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur nach einem der Ansprüche 1
bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Enden der Längsträger (1) über einen
Querträger (8) miteinander verbunden sind.
5. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur nach einem der Ansprüche 1
bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß an den Enden der Längsträger (1) jeweils
eine Stirnplatte (3) vorgesehen ist, die über das Querschnittsprofil des
zugehörigen Längsträgers (1) hinausragt, und daß an der Stirnplatte (3) jeweils
ein Zughaken (4) angelenkt ist.
6. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur nach Anspruch 5, dadurch
gekennzeichnet, daß der Querträger (8) über jeweils eine plastisch verformbare
Crashbox (9) gegen die Stirnplatte (3) und damit gegen die Stirnenden der
Längsträger (1) abgestützt ist, wobei sich der Querträger (8) auf der Höhe der
Längsträgerenden befindet.
7. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur nach einem der Ansprüche 1
bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Höhe des Zughakens (4) kleiner ist als
die Profilhöhe des Längsträgerendes.
8. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur nach einem der Ansprüche 1
bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Zughaken (4) winkelförmig ausgebildet
ist und zwei Schenkel aufweist, wobei der erste Schenkel (6) mit dem
Endabschnitt (2) des zugehörigen Längsträgers (1) verbunden ist und der zweite,
abgewinkelte Schenkel (7) den Mitnehmer ausbildet.
9. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur nach einem der Ansprüche 1
bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Zughaken (4) als einstückiges Formteil
ausgebildet ist.
10. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur nach einem der Ansprüche 1
bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß an einem oder beiden Zughaken (4) eine
Öse vorgesehen ist.
11. Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur nach einem der Ansprüche 1
bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen dem Zughaken (4) und dem
Längsträger (1) ein Versteifungselement (11) vorgesehen ist, das bei einem
Schwenken des Zughakens (4) in Richtung der Unterseite des Längsträgers (1)
drucknachgiebig, in Gegenrichtung hingegen zugfest ist.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE2000160393 DE10060393A1 (de) | 2000-12-05 | 2000-12-05 | Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE2000160393 DE10060393A1 (de) | 2000-12-05 | 2000-12-05 | Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE10060393A1 true DE10060393A1 (de) | 2002-06-13 |
Family
ID=7665849
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE2000160393 Withdrawn DE10060393A1 (de) | 2000-12-05 | 2000-12-05 | Crashenergie absorbierende Fahrzeugteilstruktur |
Country Status (1)
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