DE10058097A1 - Verfahren und Vorrichtung zur Erkennung eines Reifendruckverlusts durch Auswertung von Referenzgrößen und dessen Verwendung - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Erkennung eines Reifendruckverlusts durch Auswertung von Referenzgrößen und dessen VerwendungInfo
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Abstract
Beschrieben wird ein Verfahren zur Erkennung eines Reifendruckverlusts in Kraftfahrzeugen durch Bildung mindestens einer Referenzgröße (Ref) aus Raddrehzahlinformationen (r¶dyn¶) und Auswertung des zeitlichen Verlaufs der Referenzgröße, wobei auf einen Druckverlust erkannt wird, wenn eine Korrelation zwischen dem Gradienten des Radmoments und dem Gradienten der Referenzgröße festgestellt wird. DOLLAR A Ferner ist eine Vorrichtung zum Regeln der Bremskraft und/oder der Fahrdynamik und zur Durchführung des genannten Verfahrens beschrieben. Das Verfahren und die Vorrichtung können in einem Allrad-Fahrzeug verwendet werden.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren gemäß Oberbegriff von
Anspruch 1 und eine Vorrichtung gemäß Oberbegriff von An
spruch 12, sowie die Verwendung des Verfahrens oder der Vor
richtung in einem Allrad-Fahrzeug.
In Kraftfahrzeuge, die mit einem elektronischen System zur
Bremsdruckregelung oder zur Regelung der Fahrdynamik (ABS,
ASR, ESP etc.) ausgestattet sind, wird die Winkelgeschwin
digkeit der Fahrzeugräder durch Raddrehzahlsensoren aufge
nommen. Es ist bekanntermaßen möglich, einen aufgetretenen
Druckverlust in einem Reifen durch eine genaue Analyse der
Radgeschwindigkeitsdaten festzustellen, da sich bei gleich
bleibender Fahrzeuggeschwindigkeit bei einem Reifendruckver
lust die Winkelgeschwindigkeit des defekten Rades geringfü
gig erhöht.
Um eine Druckverlusterkennung mit erhöhter Genauigkeit zu
realisieren, ist in der Deutschen Patentanmeldung 199 61 681
(P 9610) sowie in der Deutschen Patentanmeldung 199 28 138
(P 9654) ein Verfahren vorgeschlagen worden, bei dem zusätz
liche physikalische Fahrzeugdaten, wie Gierrate, Beschleuni
gung, Bremsenbetätigung, Motormoment usw. in den Erkennung
salgorithmus zur Druckverlusterkennung einbezogen werden.
Diese Fahrzeugdaten dienen zur Unterscheidung zwischen einem
dynamischen Fahrmanöver, wie Kurvenfahrt, Abbremsen oder Be
schleunigen und einer undynamischen Fahrt, wie etwa eine Ge
radeausfahrt ohne Längsbeschleunigung.
Wird der Einfluß einer Fahrdynamikgröße auf die Winkelge
schwindigkeit berücksichtigt, kann eine Druckverlusterken
nung auch während dynamischer Fahrmanöver durchgeführt wer
den.
Das in den deutschen Patentanmeldungen angegebene Verfahren
benötigt jedoch Mikroprozessoren mit einer hohen Arbeitsge
schwindigkeit und einem großen Arbeitsspeicher. Zudem müssen
einer große Zahl von Raddaten in unterschiedlichen Fahrsi
tuationen ausgewertet werden, bevor die eigentliche Druck
verlusterkennung aktiviert werden kann.
In der DE 197 21 480 A1 ist ebenfalls ein in ein elektroni
sches Antiblockiersystem integrierbares Druckverlusterken
nungsverfahren beschrieben, bei dem nach Auslösen eines Re
set-Schalters, der ausgelöst wird, wenn der Nenndruck der
Räder eingestellt ist, zunächst eine Lernphase durchlaufen
wird, in der ein Mikrorechner unter Berücksichtigung der
Fahrsituation aus den Winkelgeschwindigkeit der Räder zu
nächst Referenzwerte aus dem Quotienten von unterschiedli
chen Summen von Radpaaren bildet. Die Funktion, nach der die
Referenzwerte gebildet werden, bewirkt eine Verstärkung der
gesuchten Signaländerung. Aus dem zeitlichen Verlauf der Re
ferenzwerte wird in der Lernphase jeweils ein zulässiger Be
reich für die Referenzwerte ermittelt. Im Anschluß an die
Lernphase beginnt eine Vergleichsphase, in der überprüft
wird, ob die aktuell bestimmten Referenzwerte innerhalb des
gelernten zulässigen Bereichs liegen.
Das beschriebene Verfahren berücksichtigt die aktuelle Fahr
situation, indem während der Lernphase und während der Ver
gleichsphase Referenzwerte während dynamischer Fahrsituatio
nen ausgeschlossen werden.
Nachteilhafterweise kann es jedoch bei dem bekannten Verfah
ren vorkommen, daß nicht mit ausreichender Häufigkeit geeig
nete undynamische Fahrsituation vorliegen. Die Lernphase als
auch die Vergleichsphase kann hierdurch größer sein, als
dies seitens der Kraftfahrzeugnutzer toleriert wird.
Es besteht daher noch immer der Bedarf nach einem Verfahren
zur Erkennung eines Reifendruckverlusts, welches die erwähn
ten Nachteile nicht aufweist.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren gemäß Anspruch 1.
Erfindungsgemäß wird bei dem Verfahren der Erfindung ein
Reifendruckverlusts in Kraftfahrzeugen durch Bildung minde
stens einer Referenzgröße (Ref) aus Radrehzahlinformationen
und Auswertung des zeitlichen Verlaufs der Referenzgröße un
tersucht.
Bevorzugt wird gemäß dem Verfahren - beispielsweise neben
einer weiteren zweiten Methode B - nach einer ersten Methode
A auf einen Druckverlust erkannt, wenn festgestellt wird,
daß eine zeitliche Veränderung der Referenzgröße bei einer
vorgegebenen Mindeständerung des Radmoments (Mr) an einem
oder mehreren Rädern auftritt.
Das Erkennungsverfahren gemäß der Erfindung beruht auf der
Tatsache, daß das Maß der Änderung der Raddrehzahl aufgrund
eines Reifendruckverlusts vom Radmoment abhängt. Im allge
meinen ist der Betrag, um den sich die Winkelgeschwindigkeit
bei einem Druckverlust ändert, bei einem momentenfreien Rad
am größten. Bei steigendem Radmoment sinkt der besagte Be
trag ab. Wird nun gemäß der Erfindung die Änderung des Rad
moments beobachtet, z. B. in dem ein Sprung im Verlauf des
Radmoments beobachtet wird, ist es möglich, aus einer
gleichzeitigen Änderung der Raddrehzahl und damit auch der
Referenzgröße auf einen Druckverlust erheblich sicherer zu
schließen, als dies bei bekannten Verfahren der Fall ist.
Das Erkennungsverfahren gemäß der Erfindung nutzt somit aus,
daß störende Einflüsse, wie Kurvenfahrt und dergl., auf die
Raddrehzahl, die nach bekannten Verfahren aus dem Signal
herausgefiltert werden müßten, durch das Radmoment im we
sentlichen nicht beeinflußt werden.
Die Raddrehzahlinformationen sind beispielsweise Geschwin
digkeits-Daten von sensorisch bestimmten Radgeschwindigkei
ten oder Daten, die Radgeschwindigkeiten auf Basis von Zeit
intervallen angeben. Vorzugsweise handelt es sich bei den
Raddrehzahlinformationen um Daten von aktuell ermittelten
Radradien (dynamischer Radradius rdyn), die ermittelt werden
können nach der Formel rdyn = v/ω, wobei v die Fahrzeugge
schwindigkeit ist.
Bei dem herangezogenen Radmoment handelt es sich bevorzugt
um das Radmoment, welches von einem Antrieb über das Getrie
be unter Berücksichtigung der auftretenden Verluste und des
Übersetzungsverhältnis (Getriebe, Differential) auf die Rä
der aufgeprägt wird. Zur Vereinfachung kann angenommen wer
den, daß sich das Antriebsmoment insbesondere gleichmäßig
auf alle angetriebenen Räder des Fahrzeugs verteilt.
Gemäß dem erfindungsgemäßen Verfahren muß überprüft werden,
ob bei einer aufgetretenen Momentenänderung eine Änderung
der Referenzgröße durch die Momentenänderung verursacht wur
de oder ob diese durch andere Effekte hervorgerufen wurden,
wie beispielsweise durch Fahrbahnunebenheiten, Kurvenfahrt
oder dergleichen. Hierzu wird vorzugsweise zunächst für die
Referenzgröße ein Sollwertbereich vorgegeben und dann über
prüft, ob die Referenzgröße nach der festgestellten Mindest
ständerung des Radmoments von einem Gebiet außerhalb des
Sollwertbereichs in ein Gebiet innerhalb des Sollwertbe
reichs eintritt oder die Referenzgröße von dem inneren Ge
biet in das äußere Gebiet austritt. Das Verfahren spricht
somit auf einen Bereichswechsel des Referenzwerts an.
Der Sollwertbereich kann fest vorgegeben sein oder bevorzugt
durch ein zuvor durchzuführendes Lernverfahren festgelegt
sein, indem in undynamischen Fahrsituationen nach dem Auf
füllen der Reifen auf den gewünschten Nenndruck Referenzwer
te aufgenommen werden und so der Normalzustand in Form eines
Sollwertbereichs festgelegt und gespeichert wird. Ein hier
für geeignetes Lernverfahren ist beispielsweise in der be
reits zitierten DE 197 21 480 A1 angegeben.
Während der erfindungsgemäßen Druckverlusterkennung in der
sogenannten Vergleichsphase kann es vorkommen, daß der Refe
renzwert im Bereich einer Momentenänderung einen Bereichs
wechsel wie oben beschrieben zeigt, jedoch dieser Bereichs
wechsel sich aufgrund einer Fahrbahnunebenheit nicht für ei
ne ausreichende Zahl an Meßpunkten bestätigt. Zur Absiche
rung der Druckverlusterkennung ist es daher vorzugsweise
vorgesehen, daß überprüft wird, ob nach Eintritt in den
Sollwertbereich oder Verlassen des Sollwertbereichs die Re
ferenzgröße für eine vorgegebene Mindestzeitspanne in dem
neuen Bereich verbleibt.
Dies kann insbesondere durch Zählen der einzelnen Meßwerte
erfolgen, die sich nach dem Bereichswechsel in dem neuen Be
reich befinden. Eine Warnmeldung wird entsprechend der hier
beschriebenen Verfahrensweise nur dann ausgegeben, wenn die
Anzahl der gezählten Meßwerte einen vorgegebenen Mindestwert
überschreitet.
Die festgestellte Mindeständerung des Radmoments wird bevor
zugt mittels der Beziehung
|Mr (t1) - Mr (t0)| < Sr
überprüft, wobei Sr eine positive Konstante, t1 und t0 Zeit
punkte, und t1 < t0 ist.
Das Radmoment läßt sich beispielsweise nach der Formel
berechnen, worin ωr die Radwinkelgeschwindigkeit, ωM die Mo
torwinkelgeschwindigkeit, Mm das Motormoment und V die An
triebsverluste angibt. Diese Größen können in Kraftfahrzeu
gen mit einem elektronischen Bremssystem oder einem System
zur Regelung der Fahrdynamik bereits von der Elektronik im
Speicher durch parallel ablaufende Algorithmen bereitge
stellt worden sein.
Bevorzugt werden zur Bestimmung des Radmoments Motormoment
daten und Getriebedaten herangezogen.
In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform wird das Rad
moment aus dem aktuellen Radschlupf des jeweiligen Rades ab
geleitet. Dies ist möglich, da der Radschlupf proportional
zum Motormoment ist. Wird nun ausgehend von einer proportio
nalen Abhängigkeit des Schlupfs vom Radmoment bei einem Mo
ment von M = 0 der Radschlupf bestimmt, so ist es möglich,
den weiteren Verlauf der Geraden mit der allgemeinen Formel
Schlupf (M) = a.M + b zu berechnen, da b bei M = 0 bestimmt
werden kann und sich die Steigung a abschätzen läßt. Der
Fall M = 0 kann beispielsweise durch Überwachen des Kupp
lungssignals über einen Fahrzeugdatenbus (CAN) abgefragt
werden.
Die Referenzgröße wird aus den Raddrehzahlinformationen be
vorzugt in der Weise gebildet, daß Änderungen einzelner Rä
der im Vergleich zu den übrigen Rädern möglichst deutlich
erkennbar sind. Besonders bevorzugt ist die Referenzgröße
eine Verhältnisgröße aus Summen und/oder Quotienten von Rad
drehzahlinformationen von Radpaaren.
Vorzugsweise wird gemäß dem Verfahren der Erfindung
- a) nach einer festgestellten negativen Mindeständerung des Radmoments (Mr(t1) - Mr(t0) < Schwelle) bis zu einer dar auffolgenden positiven Mindeständerung des Radmoments (Mr(t1) - Mr(t0) < Schwelle) eine Variable aufintegriert, wenn zusätzlich ein Druckverlust durch Eintreten der Re ferenzgröße in den Sollwertbereich oder Verlassen der Re ferenzgröße in den Außenbereich festgestellt wurde oder, wenn kein Druckverlust durch den besagten Bereichswechsel festgestellt wurde, die Variable nicht verändert oder abintegriert, und
- b) nach einer festgestellten positiven Mindeständerung des Radmoments bis zu einer darauffolgenden negativen Minde ständerung eine Variable aufintegriert wird, wenn zusätz lich ein Bereichswechsel des Referenzwertes aufgetreten ist oder, wenn kein Bereichswechsel auftritt, die Varia ble nicht verändert oder abintegriert, insbesondere abin tegriert, wird.
Durch diese Verfahrensweise ist es möglich, kurzzeitige Mo
mentensprünge, die dicht hintereinander auftreten, für die
Druckverlusterkennung auszuwerten.
Das Aufintegrieren bzw. Abintegrieren kann bei einer Varia
ble z. B. in der Weise erfolgen, daß ein Zähler bei jeder
durchlaufenen Programmschleife um einen festen Betrag erhöht
wird oder erniedrigt wird. Wird ein Zähler verwendet, kann
der Zähler zur Unterbindung eines Überlaufs vorzugsweise
nach oben und unten durch einen Maximalwert begrenzt.
Besonders bevorzugt wird die Variable oder der Zähler unter
den vorstehend unter Punkt a) und b) angegebenen Bedingungen
abintegriert oder insbesondere auf einen Anfangszustand von
beispielsweiseauf den Wert 0 zurückgesetzt.
In einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird zu
sätzlich zur der ersten vorstehend beschriebenen Methode A
zur Erkennung eines Druckverlusts eine weitere Methode B
durchgeführt, bei der mindestens eine Referenzgröße zur Un
terdrückung von kurzzeitigen Raddrehzahlschwankungen gemit
telt und/oder gefiltert wird (RefM) wird, darauffolgend über
wacht wird, ob eine gemittelte und/oder gefilterte Referenz
größe innerhalb eines vorgegebenen Sollwertbereichs liegt,
und ein Druckverlust festgestellt wird, wenn eine gemittelte
und/oder gefilterte Referenzgröße den Sollwertbereich ver
lassen hat.
Der Sollwertbereich kann wie bereits weiter oben beschrieben
während eines Lernverfahrens ermittelt sein. Zweckmäßiger
weise wird als Sollwertbereich für die Methode B der Soll
wertbereich der Methode A verwendet.
Methode B benötigt in der Vergleichsphase zur Erkennung ei
nes Druckverlusts nicht zuletzt wegen der länger andauernden
Filterung oder Mittelung der Referenzwerte erheblich mehr
Zeit als Methode A. Eine Druckverlusterkennung nach Methode
A ist bei geeigneten Fahrbedingungen erheblich schneller ab
geschlossen als bei Methode B.
Methode B wird bevorzugt ausschließlich in einer anhaltend
undynamischen bzw. in Bezug auf die Reifen nahezu kräfte
freien Fahrsituation durchgeführt, insbesondere wenn die von
der Fahrzeugelektronik bereitgestellten Fahrdynamikgrößen
wie Motormoment M, Gierrate , Längsbeschleunigung L, und
Querbeschleunigung Q, dies anzeigen. Die Referenzgröße ist
besonders bevorzugt während dieses Tests zeitlich gemittelt
und/oder gefiltert.
Vorzugsweise ist die Zeitspanne, über die die Referenzgröße
gemittelt und/oder gefiltert wird, bei Methode B größer, als
bei Methode A. Die bei Methode A in einer bevorzugten Aus
führungsform durchgeführte Aufintegration einer Variablen
stellt für sich betrachtet bereits eine Mittelung mit sehr
kurzer Zeitspanne dar. Zur Absicherung eines durch Referenz
werte angezeigten Druckverlusts müssen bei Methode B bei dem
bevorzugten Verfahren weniger nachfolgende Referenzwerte be
rücksichtigt werden, als bei Methode A.
Die Erfindung betrifft auch eine Vorrichtung zum Regeln der
Bremskraft und/oder der Fahrdynamik und zur Erkennung eines
Druckverlusts von Reifen in einem Kraftfahrzeug, welche sich
dadurch auszeichnet, daß ein Mikrorechner, der mit Raddreh
zahlsensoren und gegebenenfalls zusätzlichen Fahrdynamiksen
soren verbunden ist, das vorstehend beschriebene Verfahren
gemeinsam mit einem an sich bekannten Verfahren zur Regelung
der Bremskraft und/oder Fahrdynamik abarbeitet.
Da das erfindungsgemäße Verfahren im wesentlichen lediglich
Einrichtungen benötigt, die ohnehin in einem üblicherweise
eingesetzten ABS-, ASR- oder ESP-System vorhanden sind, läßt
sich dieses auf vorteilhafte Weise in ein solches System ko
stengünstig integrieren.
Bevorzugt ist die Vorrichtung so gestaltet, daß sie nach Er
kennung eines Druckverlusts ein Signal, beispielsweise über
eine Leitung oder aber über ein Datenregister, abgibt, wel
ches die Information über den Druckverlust enthält.
Die Erfindung betrifft auch die Verwendung des zuvor be
schriebenen Verfahrens und der obigen Vorrichtung in einem
Allrad-Fahrzeug.
Nachfolgend wird das erfindungsgemäße Verfahren anhand eines
Ausführungsbeispiels und der Figuren näher erläutert.
Es zeigen
Fig. 1 die schematische Darstellung eines Kraftfahrzeu
grads während des Abrollens auf der Fahrbahn,
Fig. 2 ein Diagramm, welches die Änderung des dynamischen
Radius bei einem Druckverlust in Abhängigkeit vom
Radmoment zeigt,
Fig. 3 ein weiteres Diagramm, welches den Verlauf einer
gemittelten Referenzgröße bei gleichbleibendem
Radmoment zeigt,
Fig. 4 ein weiteres Diagramm, welches den Verlauf einer
ungemittelten Referenzgröße bei einer starken Än
derung des Radmoments zeigt, und
Fig. 5 ein weiteres Diagramm, welches den Verlauf einer
Referenzgröße bei mehreren aufeinanderfolgenden
Sprüngen des Radmoments zeigt.
In Fig. 1 ist dargestellt, wie ein Fahrzeugreifen 3 auf der
Fahrbahn 10 abrollt, wenn der Reifendruck bereits etwa um
0,5 bar unterhalb des vorgesehenen Betriebsdrucks für den
Reifen von hier 2,2 bar abgesunken ist. Ein nicht kompri
mierbarer Reifen würde idealerweise einen Radius ri aufweisen
und sich bei einer Fahrgeschwindigkeit v mit der Winkelge
schwindigkeit ω = v/r drehen. Ein herkömmlicher Gummirei
fen wird jedoch während des Rollens im Bereich der Fahrbahn
oberfläche um so mehr gewalkt, je niedriger der Druck des
Reifens ist. Hierdurch sinkt der dynamische Abrollumfang und
der sogenannte dynamische Radius, der bestimmt wird nach dem
Zusammenhang rdyn = v/ω.
In Fig. 2 ist auf der Abszisse des dargestellten Diagramms
die Differenz zwischen dem dynamischen Radius Δrdyn (P1) bei
einem ersten Druck P1 und Δrdyn (P2) bei einem zweiten Druck P2
aufgetragen, wobei P1 < P2 ist. Wie dem Diagramm zu entnehmen
ist, weisen herkömmliche Fahrzeugreifen in Δrdyn eine Abhän
gigkeit von dem an diesem Rad anliegenden Radmoment Mr auf.
Mit steigendem Betrag des Radmoments fällt Δrdyn ab.
Das an einem Rad anliegende Radmoment läßt sich aus inner
halb der Fahrzeugelektronik (z. B. elektronisches System ei
ner Bremsdruckregelung ABS oder Fahrdynamikregelung ESP)
verfügbaren Größen wie Motordrehzahl, Getriebeübersetzung
und Drehzahlquotienten berechnen. Es ist auch möglich, das
Radmoment aus dem aktuellen Schlupfbedarf des Rades abzulei
ten. Ferner kann ein Vergleich mit bereits vorhandenen
Schlupfwerten bei der entsprechenden Geschwindigkeit vorge
nommen werden.
Bevor die Erkennung eines Druckverlusts in der weiter unten
beschriebenen Vergleichsphase durchgeführt werden kann, müs
sen zunächst die Datenspeicher in einer Vorrichtung zur Er
kennung eines Reifendruckverlusts (Mikroprozessorsystem)
über einen nicht dargestellten Rücksetzschalter in einen
Ausgangszustand zurückgesetzt werden. Dies wird in der Regel
durch den Fahrer des Kraftfahrzeugs nach Auffüllen der Rei
fen 3 (Fig. 1) mit Luft auf den vorgesehenen vorgeschriebe
nen Reifendruck bewerkstelligt. Danach beginnt die Lernphase
der Druckverlusterkennung.
In der Lernphase - wie auch in der Vergleichsphase - werden
die Winkelgeschwindigkeiten der Räder kontinuierlich mittels
Radsensoren aufgenommen. Eine erhöhte Genauigkeit wird hier
bei erzielt durch Verwendung der zeitlichen Größe T als Maß
für die Radgeschwindigkeit. Auf diese Weise kann eine Syn
chronisation auf eine Sensorflanke erfolgen. Dies bietet den
Vorteil einer erhöhten Genauigkeit bei der Bestimmung der
Radgeschwindigkeiten. Zur Weiterverarbeitung werden die Win
kelgeschwindigkeiten eines Zeitintervalls von 2 Sekunden ge
mittelt.
Während der Fahrt werden in Mindestabständen von 2 Sekunden
in geeigneten Fahrsituationen Referenzwerte Refi aus den Rad
signalen gebildet und Sollwerte Si für die Vergleichsphase
(Schritt 12, Fig. 2) in der Lernphase erzeugt.
Die Referenzwerte werden nach der Formel
Refi = (A + B)/(C + D)
aus aktuellen Werten von Raddrehzahldaten der Räder VL, VR,
HL und HR berechnet. Würden alle Räder bei Idealbedingungen
(Geradeausfahrt) die gleiche Winkelgeschwindigkeit haben, so
betrüge der Wert des Referenzwertes Ref1 = 1. Bei einem
Druckverlust weicht der Referenzwert um einen bestimmten Be
trag vom Wert 1 ab.
Durch die Vorrichtung wird ständig geprüft, ob die Fahrbe
dingungen in einem zulässigen Bereich liegen. Wenn eine
Fahrbedingung vorliegt, die ein Bilden von Referenzwerten
als nicht sinnvoll erscheinen läßt, beispielsweise wenn die
Längsbeschleunigung Q, die Querbeschleunigung L, die Gier
rate oder die Radbeschleunigung bestimmte Schwellenwer
te überschreiten, so werden keine Referenzwerte erzeugt bzw.
gespeichert. Die Referenzwerte Ref(t) können zur Rauschun
terdrückung gegebenenfalls zeitlich gefiltert oder gemittelt
werden. Der zeitliche Verlauf des gemittelten Referenzwerts
LRefM ist in Fig. 3 dargestellt. Wenn festgestellt wird, daß
der Wert von LRefM mit einer vorgegebenen Mindestgüte, z. B.
wenn die Standardabweichung kleiner ist, als ein vorgegebe
ner Schwellenwert, ermittelt werden kann, wird der Mittel
wert gespeichert. Der gelernte Durchschnittswert von Ref
wird in der Variable LRefM gespeichert. Die Lernphase ist
dann beendet.
Nach Abschluß der Lernphase wird der Sollwertbereich 5 durch
Bildung von oberen und unteren Grenzwerte G1 und G2 festge
legt, indem ein Offsetwert 11, 12 zum ermittelten Mittelwert
LRefM hinzuaddiert bzw. subtrahiert wird (Fig. 3).
Nach Beendigung der Lernphase beginnt die Vergleichsphase.
Die Druckverlusterkennung kann durch das Verfahren nach Me
thode A und das Verfahren nach Methode B ausgelöst werden.
Gemäß Methode B wird in der Vergleichsphase überprüft, ob
neu ermittelte aktuelle Referenzwerte RefM innerhalb des
Sollwertbereichs 5 liegen. Die aktuellen Referenzwerte in
der Vergleichsphase sind während der Ausführung des Verfah
rens nach der Methode B gefiltert, während des Verfahrens
nach der Methode A werden ungefilterte Referenzwerte heran
gezogen, wobei in Methode A gemäß dem weiter oben beschrie
benen Verfahren die Raddaten bereits innerhalb eines Zeitin
tervalls von 2 Sekunden gemittelt sind.
Tritt ein Referenzwert RefM, wie durch den Pfeil 9 in Fig. 3
hervorgehoben, aus dem Sollwertbereich 5 aus, wird auf einen
Druckverlust erkannt, indem eine Warnlampe im Armaturenbrett
angeschaltet wird.
Anhand von Fig. 4 wird die Druckverlusterkennung gemäß Me
thode A (erfindungsgemäße Druckverlusterkennung) erläutert.
Auf der Abszisse des dargestellten Diagramms ist neben dem
zeitlichen Verlauf des ungemittelten Referenzwertes Ref der
zeitliche Verlauf des Radmoments aufgetragen. Wird das Fahr
zeug mit hoher Geschwindigkeit, z. B. 150 km/h, bewegt,
stellt sich bei gleichbleibender Gaspedalstellung ein sta
tionärer Zustand ein, in dem sich die Motorleistung und die
Verlustleistung aufgrund des Luftwiderstands, des Rollwider
stands und sonstiger Verluste, aufheben. In diesem Fahrzu
stand ist das Motormoment Mr auf einem hohen Niveau im Be
reich von t0 und t1 im wesentlichen konstant.
Nimmt nun der Fahrer den Fuß vom Gaspedal, ergibt sich durch
die plötzliche Reduktion des Motormoments ein steiler Abfall
2 des Radmoments. Die Geschwindigkeit des Fahrzeugs verrin
gert sich während der hier betrachteten Zeitspanne nur rela
tiv wenig.
Aufgrund der weiter oben erläuterten Abhängigkeit der Ände
rung des dynamischen Radradius vom Radmoment tritt ein vor
handener Druckverlust bei einem Wegfall des Radmoments stär
ker hervor. Liegt ein Druckverlust an einem Rad vor, wird
durch die Änderung des Radmoments eine deutlich erkennbare
Erhöhung 1 bzw. Erniedrigung des Referenzwertes bewirkt.
Steigt das Radmoment wieder an (Bezugszeichen 2'), entsteht
eine Flanke 1' im Verlauf des Referenzwerts, die in der Re
gel etwa der Höhe der Flanke 1 entspricht, so daß der Refe
renzwert wieder im Sollwertbereich 5 zu liegen kommt.
Im Bereich zwischen den Zeitpunkten t1 und t2 wird nun die
Anzahl der Referenzwerte durch einen Zähler gezählt, die au
ßerhalb des Sollwertbereichs liegen. Wird ein vorgegebener
Mindestzählerstand überschritten, wird auf einen Druckver
lust erkannt.
Es kann insbesondere bei einem hohen vorgegebenen Mindest
zählerstand vorkommen, daß innerhalb der Zeitspanne zwischen
t1 und t2 der vorgegebene Mindestzählerstand nicht erreicht
wird, obwohl ein Druckverlust vorliegt. Um einen Druckver
lust dennoch erkennen zu können ist erfindungsgemäß bevor
zugt vorgesehen, wie in Fig. 5 dargestellt, auch weitere Än
derungen des Radmoments (symbolisiert durch die Bereiche T2
und T3), die auf eine erste Änderung (symbolisiert durch Be
reich T1) folgen, auszuwerten.
Dies wird bewerkstelligt, indem der Zähler in den Bereichen
T1 und T2 weitergezählt wird, wenn Referenzwerte außerhalb
des Sollwertbereichs liegen. Liegen die Referenzwerte in
diesen Bereichen innerhalb des Sollwertbereichs, kann der
Zähler entweder konstant gehalten werden oder rückwärts ge
zählt werden.
Bisher wurde nur der Fall beschrieben, wie die Druckverlu
sterkennung bei einem Austritt des Referenzwerts 1 aus dem
Sollwertbereich als Folge eines sinkenden Radmoments 2
durchgeführt wird. Entsprechend wird auch auf einen Druck
verlust erkannt, wenn das Radmoment ansteigt und als Folge
des Anstiegs der Referenzwert in den Sollwertbereich ein
tritt (Bezugszeichen 1'). Auch in diesem Fall kann die Häu
figkeit der Referenzwerte, für die dies der Fall ist, durch
Heraufzählen eines Zählers aufintegriert werden. Hierbei ist
es besonders zweckmäßig, für beide beschriebenen Fälle den
gleichen Zähler zu verwenden.
Um den Zählerstand nicht beliebig anwachsen zu lassen, wird
die Anzahl der berücksichtigten Referenzwerte vorzugsweise
auf einen vorgegebenen Maximalwert begrenzt. Hierdurch wird
bei einer Erhöhung des Zählerstands ohne einen tatsächlich
vorhandenen Druckverlust eine irrtümliche Anzeige eines
Druckverlusts wirksam verhindert.
Claims (13)
1. Verfahren zur Erkennung eines Reifendruckverlusts in
Kraftfahrzeugen durch Bildung mindestens einer Referenz
größe (Ref) aus Radrehzahlinformationen (rdyn) und Aus
wertung des zeitlichen Verlaufs der Referenzgröße
(1, 1'), dadurch gekennzeichnet, daß gemäß einer ersten
Methode A ein Druckverlust an einer Korrelation zwischen
dem Gradienten des Radmoments und dem Gradienten der Re
ferenzgröße erkannt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
auf einen Druckverlust erkannt wird, wenn festgestellt
wird, daß eine zeitliche Veränderung der Referenzgröße
bei einer vorgegebenen Mindeständerung (2, 2') des Radmo
ments (Mr) an einem oder mehreren Rädern (3) auftritt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeich
net, daß für die Referenzgröße ein Sollwertbereich (G1,
C2), festgelegt ist und die Referenzgröße als verändert
gilt, wenn die Referenzgröße nach der festgestellten
Mindeständerung des Radmoments von einem Gebiet außer
halb des Sollwertbereichs (4, 6) in ein Gebiet innerhalb
des Sollwertbereichs (5) eintritt oder die Referenzgröße
von dem inneren Gebiet in das äußere Gebiet austritt.
4. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, daß ein erkannter Druckverlust
durch eine weitere Maßnahme abgesichert wird, bei der
überprüft wird, ob nach Eintritt in den Sollwertbereich
(5) oder Verlassen des Sollwertbereichs die Referenzgrö
ße für eine vorgegebene Mindestzeitspanne (T) in dem
neuen Bereich verbleibt.
5. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, daß die Mindeständerung des Rad
moments mittels der Beziehung
|Mr (t1) - Mr (t0)| < Sr
überprüft wird, wobei Sr eine positive Konstante, t1 und t0 Zeitpunkte, und t1 < t0 ist.
|Mr (t1) - Mr (t0)| < Sr
überprüft wird, wobei Sr eine positive Konstante, t1 und t0 Zeitpunkte, und t1 < t0 ist.
6. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß die Referenzgröße eine Ver
hältnisgröße aus Summen und/oder Quotienten von Raddreh
zahlinformationen von Radpaaren ist.
7. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, daß
- a) nach einer festgestellten negativen Mindeständerung des Radmoments bis zu einer darauffolgenden positiven Mindeständerung (7) des Radmoments eine Variable aufin tegriert wird, wenn zusätzlich ein Druckverlust durch Eintreten der Referenzgröße in den Sollwertbereich oder Verlassen der Referenzgröße in den Außenbereich festge stellt wurde oder, wenn kein Druckverlust durch den be sagten Bereichswechsel festgestellt wurde, die Variable nicht verändert oder abintegriert wird, und
- b) nach einer festgestellten positiven Mindeständerung (8) des Radmoments bis zu einer darauffolgenden negati ven Mindeständerung eine Variable aufintegriert wird, wenn zusätzlich ein Bereichswechsel des Referenzwertes aufgetreten ist oder, wenn kein Bereichswechsel auf tritt, die Variable nicht verändert oder abintegriert wird.
8. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, daß das Radmoment bestimmt wird
mittels Motormomentdaten und Getriebedaten.
9. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, daß das Radmoment aus dem Rad
schlupf des jeweiligen Rades abgeleitet wird.
10. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, daß zusätzlich zur der ersten
Methode A zur Erkennung eines Druckverlusts eine weitere
Methode B durchgeführt wird, bei der mindestens eine Re
ferenzgröße zur Unterdrückung von kurzzeitigen Raddreh
zahlschwankungen gemittelt und/oder gefiltert wird (RefM),
darauffolgend überwacht wird, ob eine gemittelte
und/oder gefilterte Referenzgröße innerhalb eines vorge
gebenen Sollwertbereichs (5) liegt, und ein Druckverlust
festgestellt wird, wenn eine gemittelte und/oder gefil
terte Referenzgröße den Sollwertbereich verlassen hat
(9).
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß
die Zeitspanne, über die die Referenzgröße gemittelt
und/oder gefiltert wird, bei Methode B größer ist, als
bei Methode A.
12. Vorrichtung zum Regeln der Bremskraft und/oder der Fahr
dynamik und zur Erkennung eines Druckverlusts von Reifen
in einem Kraftfahrzeug, dadurch gekennzeichnet, daß ein
Mikrorechner, der mit Raddrehzahlsensoren und gegebenen
falls zusätzlichen Fahrdynamiksensoren verbunden ist,
ein Verfahren nach den Ansprüchen 1 bis 9 und ein an
sich bekanntes Verfahren zur Regelung der Bremskraft
und/oder Fahrdynamik abarbeitet.
13. Verwendung des Verfahrens nach mindestens einem der An
sprüche 1 bis 11 oder der Vorrichtung nach Anspruch 12
in einem Allrad-Fahrzeug.
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