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Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Unterstützung der Bogenführung und Bogenablage in Druckmaschinen.
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In Bogendruckmaschinen kommt es in Abhängigkeit von Materialart, Feuchtigkeit und Temperatur des Materials, klimatischen Raumbedingungen, Ausführung und Beschaffenheit von Bogenleiteinrichtungen und dem Druckprozess selbst zu mehr oder minder starken elektrostatischen Aufladungen der Bedruckstoffbogen. Die größten Aufladungen treten bei der Verarbeitung von Kunststoffmaterialien auf.
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Die elektrostatischen Aufladungen führen beim Transport, beim Anlegen und Ausrichten der Bogen zur und in der Bogenanlage, beim Transport der Bogen durch die Druckmaschine und im besonderen Maße auch beim Ablegen der Bogen in der Bogenauslage zu erheblichen Problemen (Teschner, Offsetdrucktechnik, Fachschriften-Verlag GmbH & Co, Fellbach, 9. Aufl. 1995, S. 16/49–16/52).
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Aus der
DE 36 29 080 A1 ist eine Vorrichtung zur registerhaltigen Anlage eines Bogens im Anlegeblech einer Rotationsdruckmaschine bekannt, die mit einer Entioniesierungsvorrichtung zur besseren Bogentrennung ausgestattet sein kann. Nachteilig an dieser Lösung ist, dass sich die Bogen auf dem Bogentransportweg unter Umständen wieder aufladen können.
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Aus der
DE 37 30 386 C1 ist eine Vorrichtung zum Fördern von Bogen durch die Druckzone von Gummituchzylinder und Druckzylinder einer Bogenrotationsdruckmaschine bekannt, bei der vor der ersten Druckzone und oberhalb des Bogens ein positive Ionen erzeugender Ionisierungsstab auf den Bogen zu dessen positiver Aufladung gerichtet ist. Um vor der Aufladung der Bogen eindeutige Ausgangsverhältnisse zu schaffen werden die Bogen vorher beidseitig mit Entioniesierungsstäben behandelt. Nachteilig an dieser Lösung ist, dass die Bogen während des Druckens bewusst aufgeladen werden, was in der Auslage zu Problemen führt.
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Im Bereich der Bogenauslage kommt es durch die elektrostatische Aufladung der Druckbogen oftmals dazu, dass der Bogen unausgerichtet bereits vor den Bogenvorderanschlägen liegen bleibt und durch die vorhandenen Einrichtungen zur Bogenausrichtung auch nicht mehr bewegt werden kann. Dies führt zu einer schlechten Stapelbildung, zu Problemen in der Stapelweiterverarbeitung oder auch zu Maschinenstoppern.
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Um den Negativfolgen der elektrostatischen Aufladungen entgegen wirken zu können, wurden verschiedenartige Entionisiereinrichtungen entwickelt. Diese Entionisiereinrichtungen bauen ein elektrisches Feld auf, das die Aufladung der Druckbogen neutralisieren soll. Es sind beispielsweise Entionisierleisten bekannt, die meist in unmittelbarer Nähe quer zur Bogenlaufbahn installiert werden. Weiterhin sind noch Entionisierbläser bekannt, die in etwas größeren Entfernungen installiert werden können bzw. die auf Grund der Tatsache, dass sie aufgeladene Luftteilchen über größere Entfernungen transportieren, einen größeren Wirkbereich aufweisen.
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Nachteilig an dieser Entionisiereinrichtung ist, infolge der weiten Entfernung vom Bogenförderweg ihr geringer Wirkungsgrad sowie im Bogenausleger der hohe Verschmutzungsgrad durch Puder und Papierstaub.
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Ausgehend von den Nachteilen aus dem Stand der Technik ist es Aufgabe der Erfindung, eine Einrichtung zur Unterstützung der Bogenführung und Bogenablage zu schaffen, mit der eine Entionisierung der auf dem Bogenförderweg geförderten Bogen wirkungsvoll erreicht wird.
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Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe durch die Merkmale des 1. Anspruchs gelöst.
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Die Erfindung geht von der Erkenntnis aus, dass eine bekannte Blaseinrichtung in sinnvoller Weise mit einer bekannten Entionisiereinrichtung kombiniert werden kann und dadurch die Vorteile für die Bogenführung durch Unterstützung mittels Blasluft mit für die Beseitigung der elektrostatischen Aufladung der Bogen genutzt werden kann.
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Wesentlich ist, dass die Entionisiereinrichtung in die Luftkammer der Blaseinrichtung mit eingebaut wird und nahe zur Düse angeordnet ist, damit die durch das elektrische Feld ionisierten Luftteilchen unmittelbar nach ihrer Erzeugung mit der Blasluft mitgerissen werden und an die Bogenoberfläche gelangen. Damit wird eine hohe Wirkung erzielt. Die elektrostatische Aufladung der Bogen wird durch die Einrichtung wirkungsvoll beseitigt. Der Bogen kann dadurch auch mit Unterstützung durch Blasluft sicher durch die Maschine gefördert und im Bogenausleger abgelegt werden. Insbesondere im Bogenausleger bringt die geschaffene Lösung große Vorteile. Obwohl Blaseinrichtungen zur Bogenführung und Entionisiereinrichtungen für sich seit langem bekannt sind, hat bisher niemand daran gedacht, diese in sinnvoller Weise miteinander zu kombinieren und Blasluft, die für die Bogenführung und/oder den Bogentransport vorgesehen ist, mit für den Transport ionisierter Luft zur elektrostatischen Entladung bewegter Bogen zu nutzen.
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Anhand eines Ausführungsbeispieles soll nachfolgend die Erfindung näher beschrieben werden.
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In den dazugehörenden Zeichnungen zeigt
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1: schematische Darstellung einer Druckmaschine in Seitenansicht zur Erklärung des Standortes der Erfindung
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2: Zuordnung eines Bogenführungselementes zum vom Greiferwagen geführten Bogen
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3: Zuordnung eines Bogenführungselementes zum Bogen, wobei der Bogen bereits von der Saugwalze erfasst ist.
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1 zeigt eine Druckmaschine in Seitenansicht in schematischer Darstellung. Abgebildet sind ein Bogenanleger 1, ein Zuführtisch 2, eine Bogenzuführtrommel 3 sowie zwei Auftragwerke 4. Vom Auftragwerk 4 sind ein Druckzylinder 6 und ein Gummizylinder 7 dargestellt. Die Druckzylinder 6 sind durch einen Bogenführungszylinder 20 verbunden.
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Die Auftragwerke 4 können als Farb- und/oder Lackauftragwerk 4 ausgebildet sein. Der Bogen 8 wird auf dem Bogenförderweg 18 vom Bogenanleger 1 zum Bogenausleger 5 bewegt. Vom Bogenausleger 5 sind der Kettenkreis 9 mit den Greiferwagen 10, die im konstanten Abstand am Kettenkreis 9 angeordnet sind, dargestellt. Außerdem sind der Bogenstapel 11 und die an der Hinterkante des Bogenstapels 11 wirkende Saugwalze 12 erkennbar. Im Bereich des Bogenförderweges 18 sind (sh. 1) mehrere Bogenführungselemente 14 vorgesehen, wie sie in 2 und 3 im Detail dargestellt sind. Die Bogenführungselemente 14 bestehen aus einer Luftkammer 15, die über einen Luftstutzen 16 mit einem nicht dargestellten Drucklufterzeuger verbunden sind. Die Bogenführungselemente 14 weisen weiterhin eine über die Breite des Bogenförderweges 18 reichende Glasleiste auf, deren Düse 13 für den Austritt des Blasluftstrahles 21 mit ihrer Öffnung auf den geförderten Bogen 8 gerichtet ist. Zwischen Luftkammer 15 und Düse 13 ist eine Entionisiereinrichtung 17 vorgesehen. Die Entionisiereinrichtung 17 – hier als sich über das Bogenführungselement 14 erstreckende Entionisierleiste 17 ausgebildet – an sich ist hinsichtlich Aufbau und Funktion bekannt und nicht Gegenstand der Erfindung. Die Zuordnung der Bogenführungselemente 14 zum Bogenförderweg 18 zeigt 1. Die Bogenführungselemente 14 können ober- und/oder unterhalb des Bogenförderweges 18 angeordnet werden. 2 zeigt die Anordnung des Bogenführungselementes 14 oberhalb des Bogenförderweges 18 im Bereich des Bogenauslegers 5. Die Blasluftstrahlen 21 sind auf den vom Greiferwagen 10 geförderten Bogen entgegen der Bogenförderrichtung gerichtet. 3 zeigt bei Anordnung der Bogenführungselemente 14 unterhalb des Bogenförderweges 18 eine andere Ausführung der Zuordnung der Düse 13 zum Bogen 8. Dargestellt sind die Saugwalze 12 und ein sich über die Breite des Bogenförderweges 18 erstreckendes flächiges Bogenleitelement 19. In das Bogenleitelement 19 ist die Düse 13 des Bogenführungselementes 14 entgegen der Bogenförderrichtung zeigend eingebunden, wobei der Strahlwinkel w für den Austritt der Blasluftstrahlen 21 klein gehalten ist.
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2 und 3 zeigen die Anordnung des Bogenführungselementes 14 im Bogenausleger 5. Es ist jedoch auch möglich, das Bogenführungselement 14 dem Druckzylinder 6 und/oder dem Bogenführungszylinder 20 oder an anderer Stelle am Bogenförderweg 18 anzuordnen. Es können mehrere Bogenführungselemente 14 hintereinander angeordnet werden.
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Die Wirkung der Einrichtung zur Unterstützung der Bogenführung und Bogenablage ist folgende:
Die vom Bogenanleger 1 über den Zuführtisch 2 und der Bogenzuführtrommel 3 den Auftragwerken 4 zugeführten Bogen 8 werden vom letzten Auftragwerk 4 dem Bogenausleger 5 übergeben und auf dem Bogenstapel 11 abgelegt. Die Bogenförderung wird dabei von den Bogenführungselementen 14 unterstützt. Durch den Lufterzeuger wird die Luftkammer 15 über den Luftstutzen 16 mit Druckluft beaufschlagt. Gleichzeitig wird die Entionisiereinrichtung 17 in Betrieb genommen. Das Bogenführungselement 14 wirkt durch den aus den Düsen 13 austretenden Blasluftstrahl 21 auf bekannte Art und Weise als pneumatische Leiteinrichtung, die je nach Einsatzort den Bogen 8 niederdrückt, anlegt, ausstreicht und/oder dessen Abschmieren verhindert. Darüber hinaus beseitigt das Bogenführungselement 14 eventuell vorhandene elektrostatische Aufladung des Bogens 8. Die Entionisiereinrichtung 17 ist in der Luftkammer 15 derart angeordnet, dass das erzeugte elektrische Feld sich unmittelbar vor der Düse 13 befindet. Durch diese Anordnung wird eine über die Breite sehr gleichmäßige Verteilung ionisierter Luftteilchen erreicht, die durch den austretenden Blasluftstrahl 21 mitgerissen werden. Der austretende Blasluftstrahl 21 dient als Transportmedium der ionisierten Luftteilchen, was zur Folge hat, dass diese Einrichtung auch über eine größere Entfernung wirkt und somit die Bauhöhe der Greiferwagen 10 problemlos überbrückt.
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Gemäß Ausführung nach 3 ist der Düsenaustritt so gestaltet, dass die austretende Luft sich flach unter dem Strahlwinkel w auf dem vorhandenen Bogenleitelement 19 austritt und sich dem Bogenlauf entgegen gerichtet bewegt. Damit wird der Bogen 8 besonders effektiv entladen. Weiter bewirkt die Blasluft unter dem Bogen 8 durch das Zustandekommen des hydrodynamischen Paradoxons, dass der Bogen 8 in Richtung Bogenleitelement 19 angesaugt wird, dieses aber nicht berührt, sondern in einem geringen Abstand über das Bogenleitelement 19 schwebt. Damit wird einmal die Zuführung des Bogens zur Saugwalze verbessert und außerdem die Gefahr des Abschmierens einer bedruckten Bogenrückseite oder das Beschädigen bzw. Zerkratzen der Bogenrückseite herabgesetzt oder vermindert.
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Durch den ständigen Luftaustritt aus der Düse 13 ist ein Verschmutzen der Entionisiereinrichtung 17 und eine damit verbundene Leistungsminderung ausgeschlossen.
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Die Erfindung wurde anhand eines Bogenführungselementes 14, angeordnet in einer Druckmaschine, beschrieben. Der Einsatz von derartigen Bogenführungselementen 14 ist jedoch nicht auf Druckmaschinen begrenzt, sondern auch in anderen Bogenverarbeitungsmaschinen, wie beispielsweise Stanzmaschinen, Laminiermaschinen, Buchbindereimaschinen u. a. möglich.
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Bezugszeichenliste
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- 1
- Bogenanleger
- 2
- Zuführtisch
- 3
- Bogenzuführtrommel
- 4
- Auftragwerk
- 5
- Bogenausleger
- 6
- Druckzylinder
- 7
- Gummizylinder
- 8
- Bogen
- 9
- Kettenkreis
- 10
- Greiferwagen
- 11
- Bogenstapel
- 12
- Saugwalze
- 13
- Düse
- 14
- Bogenführungselement
- 15
- Luftkammer
- 16
- Luftstutzen
- 17
- Entionisiereinrichtung, Entionisierleiste
- 18
- Bogenförderweg
- 19
- Bogenleitelement
- 20
- Bogenführungszylinder
- 21
- Blasluftstrahl
- w
- Winkel