DE100476C - - Google Patents
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
KLASSE 40: Hüttenwesen.
ISAJAH LEWIS ROBERTS in NIAGARA FALLS. Elektrischer Schmelzofen.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 28. Juli 1897 ab.
Der Gegenstand vorliegender Erfindung gehört zu der Gattung von elektrischen Schmelzöfen,
in welchen das Endproduct zwischen den elektrischen Lichtbogen in einem continuirlichen
Procefs gewonnen werden soll. Die bisherigen Oefen dieser Art besitzen den Nachtheil, dafs das im Lichtbogen entstehende
Product aus dem Bereich der Erzeugungsstelle nicht in der Weise geführt wird, wie es der
continuirliche Arbeitsgang erfordert. Der Grund dafür ist in der Art der Zuführung der Rohmaterialien
und in derjenigen der Abführung des Endproductes zu suchen. Die bisher gewählten
Mittel dieser Zu- und Abführung bestanden darin, dafs das Rohmaterial entweder
durch ein drückendes oder schiebendes Organ (Schnecke oder dergl.), welches auf der einen
Seite des Lichtbogens wirkte, durch den Lichtbogen hindurchgeschoben und dabei das geschmolzene
Product durch das nachgeschobene Rohmaterial aus dem Bereich des Lichtbogens gebracht wurde (horizontale Anordnung
der Transportvorrichtung), oder dafs oberhalb des Lichtbogens das Material eingeführt
und jenseits des Lichtbogens das fertige Product auf einen beweglichen Kolben oder dergl. fiel,
welcher sich durch Selbstregulirung in dem Mafse senken sollte, in welchem das Product
entstand oder das Rohmaterial durch die Kraft des Förderorgans nachgedrückt wurde. Der
ersteren Transportmethode haftet der Uebelstand an, dafs Stockungen und Verstopfungen
in dem Zuführungskanal vorkommen, weil .ein und dieselbe Fördervorrichtung das Rohmaterial
zwischen die Lichtbogen zu führen und das fertige Product durch Nachschieben
auszustofsen hat. Die andere Art des Transportes besitzt den Uebelstand, dafs die untersten
Schichten des geschmolzenen Productes unter einem beträchtlich höheren Gewichtsdruck
stehen wie die obersten, so dafs eine homogene Masse nicht gewonnen werden kann.
Aufserdem ist diesen Vorrichtungen der Nachtheil gemeinsam, dafs das Endproduct in einer
formlosen Masse gewonnen wird, welche in vielen Fällen sich nicht unmittelbar zum Versande
eignet, sondern noch irgend einer Umformung bedarf.
Diesen Uebelständen soll durch die vorliegende Erfindung abgeholfen werden. Dieses
geschieht dadurch, dafs, die horizontale Förderung des Rohmaterials vorausgesetzt, der
Boden des Ofens von einem endlosen Transportbande gebildet wird, welches sich in der
ganzen Länge des Ofens von dem geschlossenen Ende nach dem offenen Ende erstreckt und
den Ofen in der Breite abschliefst. Das Rohmaterial wird an dem geschlossenen Ende eingeführt
und umschliefst die hier gelagerten Elektroden von allen Seiten. Wird nach Bildung
des Lichtbogens die Transportvorrichtung nach dem offenen Ende des Ofens zu in Bewegung gesetzt, so wird das auf dem Bande
ruhende Rohmaterial in derselben Richtung geführt und nimmt das in demselben eingebettete
geschmolzene Product mit, und zwar in einem Bande, dessen Breite von der Stärke und dem Abstande der Kohlenspitze und
dessen Länge von der Geschwindigkeit des Transportbandes abhängig ist. Wird die
Länge des letzteren so gewählt, dafs das geschmolzene Product bis zu seiner Erstarrung
von dem geförderten Rohmaterial umgeben wird, so kann man das Product in einer homogenen,
zusammenhängenden Platte gewinnen, deren Dimensionen von vornherein durch geeignete
Bestimmung der genannten Factoren festgesetzt werden können.
Der in der Zeichnung dargestellte Ofen eignet sich insbesondere für die Herstellung
von Calciumcarbid, weshalb dessen Rohmaterialien im Folgenden als Ausführungsbeispiel
genannt werden.
Der Ofen ist dargestellt in
Fig. ι im senkrechten Querschnitt,
Fig. 2 im senkrechten Längsschnitt,
Fig. 3 im wagerechten Schnitt.
Fig. 4 stellt die Stellung der Elektroden beim Beginn des Processes dar.
Fig. 5 zeigt eine andere Ausführungsform des Apparates im Längsschnitt,
Fig. 6 einen wagerechten Schnitt desselben,
Fig. 7 einen Schnitt nach der Linie j-j der
Fig. 5.
An dem Gefäfs A aus Eisenblech, welches an einem Ende geschlossen und an dem
anderen Ende offen ist, ist ein Fülltrichter B (Fig. 2) angebracht. Unter dem Trichter wird
vermittelst der Scheibe D das durch Rollen c gestützte, endlose Transportband C in der
Richtung der eingezeichneten Pfeile (Fig. 2) vorbeigeführt. Die Ränder des Transportbandes
C laufen unter den rechtwinklig abgebogenen Flächen d der Seitenwände (Fig. 1),
um den Verlust von Material zu vermeiden. Das Band wird aus Drahtgewebe hergestellt,
bei welchem jeder einzelne Draht vor dem Weben mit Asbestfäden überzogen worden ist.
Bei dieser Herstellungsweise bleibt das Band für die pulverisirte Kohle und das Oxyd undurchlässig
und aufserdem gegen die beträchtliche Hitze widerstandsfähig. Der Rahmen E
und die Rollen c werden aus Eisen hergestellt.
Beim Beginn des Processes werden die beiden Kohlenelektroden FF in die aus Fig. 4
ersichtliche Stellung gebracht. Die Elektroden liegen in einstellbaren Stopfbüchsen HH und
werden durch Asbestpackung von dem eisernen Behälter A isolirt. Die Packung liegt in
einem stellbaren Lager, z. B. als Kugel in dem drehbaren Lager R, welches die schwingende
Bewegung der Elektroden gestattet. Die Elektrodenhalter II sind mit Schraubenspindeln JJ
versehen, welche die isolirten Handträger j j tragen und in den Muttern K geführt werden.
Die Muttern K besitzen Klemmen zur Aufnahme des Leitungsdrahtes. Damit die Elektroden
beim Einstellen sich in derselben Horizontalebene bewegen, werden die hinteren Enden auf den festen Platten P geführt, deren
kreisbogenförmige Schlitze r als Bahn für die unteren Enden der Muttern K dienen und zu
dem Zwecke die Bolzen S aufnehmen.
Nachdem die Elektroden zusammengeführt sind, wird der Behälter A durch den Trichter
B mit dem oben erwähnten Gemisch von Kohle und Oxyd gefüllt. Dann wird zuerst
ein schwacher Strom durch den Stromkreis, welcher durch die Berührung der beiden Elektroden
gebildet wird, geschickt, und die Kohlenspitzen werden ein wenig von einander entfernt, indem die Handräder j und Muttern
K einander genähert werden. Der bei dieser Bewegung entstehende Lichtbogen erzeugt
sofort Carbid. Darauf wird der Strom verstärkt, und die Elektroden werden weiter
von einander entfernt, indem man sie an den Stopfbüchsen H H handhabt. Der Strom
wird dabei immer in solchen Zeiträumen verstärkt, dafs sich eine genügend grofse Menge
Carbid bilden kann, um den Stromkreis aufrecht zu erhalten. Sind die Elektroden so
weit aus einander bewegt, als die sie umgebende Masse es gestattet, dann wird das Rad D
angetrieben. Das Transportband C bewegt sich alsdann in der Richtung der Pfeile (Fig. 2),
zieht die geschmolzene Carbidmasse allmälig von den Elektroden fort, welche infolge dieser
Bewegung sich weiter nach aufsen bewegen, bis sie parallel zu einander liegen. Der Strom
wird alsdann weiter verstärkt, und zwar so weit, als die Elektroden es zulassen, ohne
übermäfsig erhitzt zu werden, und das Band wird langsam fortbewegt bis zur parallelen
Stellung der Elektroden. Ist es erwünscht, so können die Elektroden auch von Anfang an
in paralleler Stellung verbleiben, man mufs dann nur deren Enden durch eine Brücke
zerbrochener Kohlenstücke verbinden, welche zeitweilig den Leiter bilden, bis eine Brücke
von Carbid gebildet ist. Auf diese Weise entsteht eine fortlaufende Platte M von Carbid
(Fig. 2 und 3), welche an der Ausgangsslelle nach einem Bogen gekrümmt ist, wenn das
Band die geeignete Geschwindigkeit besitzt. Die Geschwindigkeit darf natürlich nur so
weit bemessen werden, dafs sie den Strom nicht unterbricht. Die Strommenge nimmt in
dem Mafse ab, als die Geschwindigkeit des Bandes zunimmt, weil bei dieser nämlich die
Platte von leitendem Carbid dünner, der Bogen länger und daher der Widerstand gröfser wird.
Der Strom wächst umgekehrt in dem Verhältnifs, in welchem die Geschwindigkeit des
Bandes abnimmt, weil die Carbidplatte dicker und der Bogen kürzer wird.
Die Platte M von Carbid kann daher in beliebiger Breite und Stärke hergestellt werden.
Sobald die Platte M an dem Ausgang ankommt (Fig. 2), fällt das unter ihr liegende
unzersetzte Gemisch über die Antriebsrolle in irgend einen Behälter und wird durch den
Trichter B wieder dem Apparate zugeführt. Das fertige Carbid wird in Stücke zerschlagen
und durch Zangen und dergl. fortgeschafft, während etwa anhaftendes unzersetztes Gemenge
wieder in den Trichter aufgegeben wird.
Das in den Trichter geschüttete Material nimmt den durch die Pfeile (Fig. 2) bezeichneten
Weg, und da es meistens aus einer frischen und kühlen Mischung besteht, so trägt
es dazu bei, die erhitzten Elektroden abzukühlen, ferner den Zutritt von Luft zu verhindern,
sie also in jeder Hinsicht zu schützen. Die erwähnte Platte von Carbid erstreckt sich
in der Breite von einer Elektrode zur anderen und wird in dieser Form durch die Hitze des
Stromes erhalten, welcher seinen Weg da sucht, wo er den geringsten Widerstand zwischen
den Elektroden rindet. Die Wärmemenge, welche aus dem Widerstände des
Stromes in der entstandenen Carbidmasse herrührt, wird dem Umsetzungsprocefs erhalten,
da das die Masse umgebende Gemenge ein schlechter Wärmeleiter ist und daher wenig
Wärme durch Ausstrahlung verloren geht. Die ganze Stromenergie wird also dem Schmelz-
und Umsetzungsprocefs erhalten. Die bei der Zersetzung der Oxyde entstehenden Gase sammeln
sich oben in dem Apparat und entweichen durch das Abzugsrohr JV.
Bei den in den Fig. 5, 6 und 7 dargestellten Ausführungsformen sind die Elektroden auf
der Deckelwandung des Apparates an der Vorderseite des Fülltrichters angebracht und
erstrecken sich schräg nach vorwärts. Sie liegen, in der Bewegungsrichtung des Transportbandes
betrachtet (Fig. 6), nicht in einer Höhe, sondern sind zu einander versetzt, indem die eine Elektrode dem Trichter näher
liegt als die andere. Der Strom wird durch den in der Kappe i eingeklemmten Draht zugeführt,
die jedesmalige Stellung der Elektroden wird durch die Stellschraube Q gesichert.
Bei den dargestellten Ausführungsformen ist die Länge des Bandes so bemessen, dafs das
geschmolzene Carbid abkühlt, bevor es entfernt wird. In einzelnen Fällen kann es auch
erwünscht sein, dafs das Band nur so lang gemacht wird, als es zur Bildung des geschmolzenen
Carbids gerade ausreicht, dafs also das Carbid in geschmolzenem Zustande das Band verläfst.
Es ist klar, dafs die vorliegende Erfindung, obgleich besonders anwendbar für die Herstellung
von metallischen Carbiden, sich nicht auf die Herstellung dieser Verbindungen allein
beschränkt, sondern dafs sie auch für andere metallurgische Operationen benutzt werden
kann, z. B. für die Herstellung von Carborundum aus Kieselsäure und Kohle oder für
die Reduction von Metalloxyden, welche, obgleich selbst Nichtleiter, in reducirtem Zustande
zu Leitern der Elektricifät werden.
Claims (2)
1. Elektrischer Schmelzofen, dadurch gekennzeichnet,
dafs die Beschickung auf ein den Boden des Ofens abschliefsendes wagerechtes Förderband oder dergl. fällt und
die an dem geschlossenen Ende des Ofens über dem Förderbande liegenden Kohlenspitzen vor Beginn und während des
Schmelzens von allen Seilen einhüllt, so dafs die auf dem Förderbande lastende Beschickung das geschmolzene Erzeugnifs,
gegebenen Falles bis zu seiner Erstarrung zu einer zusammenhängenden Platte, einhüllt
und in diesem Zustande nach dem offenen Ende des Ofens befördert.
2. Ofen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dafs die Elektroden wagerecht
gegen einander drehbar sind, zum Zwecke, ihren gegenseitigen Abstand je nach der
gewünschten Breite der entstehenden Platte verändern zu können.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE100476C true DE100476C (de) |
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ID=371290
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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Country Status (1)
| Country | Link |
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- DE DENDAT100476D patent/DE100476C/de active Active
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