DE10011253A1 - Kontrollierte Porenätzung in Halbleitern - Google Patents
Kontrollierte Porenätzung in HalbleiternInfo
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Description
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Optimierung und insbesondere Steuerung von
elektrochemischen Systemen die zur Ätzung von Poren in Halbleitern, insbesondere Silizium,
verwendet werden. Die beschriebene Vorrichtung erlaubt die gewünschten Geometrien und
Morphologien von Poren gezielt einzustellen und im Verlauf der Ätzung zu steuern. Die Vor
richtung ist gekennzeichnet durch
- - Einstellung der primären Ätzparameter nach der Lehre der Erfindung.
- - Überlagerung eines Steuersignals mit einer Form und Frequenz nach der Lehre der Erfin dung.
- - In-situ Messung von geeigneten Größen und Verwendung der in-situ Messungen zur Mo difikation der primären Ätzparameter und des Steuersignals.
1990 wurde erstmals eine Methode beschrieben, um sogenannt Makroporen, d. h. Poren mit
Durchmessern in µm Bereich und Tiefen von mehreren 100 µm in n-Typ Silizium zu ätzen
[1]. Im Laufe der nächsten Jahre wurde diese Technik erweitert auf die Ätzung von Poren mit
Durchmessern, die von 1 nm bis zu einigen 10 µm reichen; wobei sowohl n-Typ als auch p-
Typ Silizium zum Einsatz kam. Bedingt durch die hohe potentielle technologische Bedeutung
sind einige 1000 Veröffentlichungen dazu erschienen; Zusammenfassungen finden sich in [2-
5].
Weiterhin existieren einige Patentanmeldungen, die sich mit der Ätzung von Poren in Si
beschäftigen, z. B. a)-d).
In den letzten Jahren konnte weiterhin gezeigt werden, daß in vielen andern Halbleitern,
insbesondere den technisch wichtigen III-V Verbindungshalbleitern wie GaAs, GaP, InP,
InSb, aber auch in SiC, Poren mit elektrochemischen Verfahren geätzt werden können.
In allen Fällen hat sich aber gezeigt, daß die Geometrie und Morphologie der machbaren
Poren oft nicht den technischen Anforderungen entspricht. So ist es z. B. bisher nicht möglich,
Makroporen mit Durchmessern deutlich kleiner als 1 µm zu erreichen, oder, im Falle von Pro
ben mit durch Masken (z. B. Si3N4) geschützten Oberflächenbereichen, Poren in freiliegenden
Bereichen ohne Unterätzung der Maske zu erreichen. Weiterhin hat es sich als sehr schwierig
bis unmöglich erwiesen, den Durchmesser der Poren als Funktion der Tiefe in gezielter Weise
zu variieren [6]. Obwohl inzwischen eine große Zahl an Elektrolytsystemen auf anorganischer
und organischer Basis erprobt wurde, ist der Stand der Technik durchgehend wenig befriedi
gend. Die Gründe dafür liegen im wesentlichen im Fehlen einer brauchbaren Theorie der Po
renätzung und der dadurch bedingten rein empirischen Vorgehensweise.
Bild 1 illustriert einige der bisherigen Probleme.
In der technischen Praxis ist meist vorgegeben, welche Porengeometrien bei welcher
Morphologie gewünscht werden. Beispiele sind:
- - Poren mit konstantem Durchmesser im µm- und subµm Bereich und hohen Aspektver hältnissen in vorgegebener geometrischer Anordnung zur Erzeugung von photonischen Kristallen; vorzugsweise in III-V Halbleitern.
- - Poren mit Durchmessern, die als Funktion der Tiefe nach einer vorgegebenen Funktion (z. B. Sinus oder Sägezahn) variieren.
- - Poren mit sehr kleinen Durchmessern (um 100 nm) in p-Si Substraten mit nicht zu hoher Dotierung und mit vorgegebener Geometrie.
- - Poren, die von einem gegeben Punkt der Oberfläche in mehrere, kristallographisch vor gegebene Richtungen laufen mit möglichst konstanten Durchmessern und sehr homoge nem Wachstum in die Tiefe.
Sehr viel mehr Beispiele könnten angeführt werden, keines dieser technisch bedeutsamen
Probleme wurde bisher gelöst.
Die Erfindung löst viele der bekannten Probleme; sie beruht auf einer neuen Sichtweise
(Theorie) der elektrochemischen Ätzung von Halbleitern. Sie kombiniert drei Komponenten
zur Optimierung elektrochemischer Systeme zur Porenätzung. Diese Komponenten sind
- - Optimierung des Elektrolyten nach einfachen Regeln.
- - Steuerung des Ätzvorgangs durch ein den Parametern des Systems überlagertes Steuersi gnal.
- - In-situ Erfassung von Parametern des Systems, die zur Steuerung des Ablaufes der Ät zung verwendet werden können.
Diese drei Komponenten können einzeln oder in Kombination Anwendung finden; sie werden
im folgenden beschrieben
Die Erfindung beruht auf der Nutzbarmachung einer völlig neuartigen Sichtweise des strom
durchflossenen Halbleiter-Elektrolyt Kontaktes, aufbauend auf einer Theorie der Stromos
zillationen der Si-Elektrode [7, 8]. Im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung, die den
Stromfluß durch die Elektrolytgrenzfläche als zeitlich und räumlich stationär betrachtet, po
stuliert die neue Theorie Stromfluß durch kurze Strompulse, die grundsätzlich stochastischer
Natur sind. Das Ergebnis einer elektrochemischen Ätzung ist dann eine unmittelbare Folge
von nur zwei prinzipiell unabhängigen Vorgängen:
- 1. Abläufe in einem Strompuls.
- 2. Zeit und Ort der Nukleation eines Strompulses.
Das Ergebnis eines Ätzprozesses ist durch die Mittelwertbildung über die insgesamt stattge
fundenen Strompulse eindeutig bestimmt. Die wesentlichen für die Erfindung wichtigen Ei
genschaften eines Stromimpulses sind:
- 1. Ladungstransfer vom Si in den Elektrolyten verbunden mit einer direkten Auflösung des Siliziums [9]. Dieser Vorgang ist stark anisotrop, mit einer durch die Kristallographie des Materials vorgegebenen Richtung; in Si ist dies beispielsweise die <100< Richtung. Ent scheidend sind die Bindungsverhältnisse an der Grenzfläche; schwache oder geschwächte Bindungen werden leicht angegriffen. Damit reagiert dieser Teil auch empfindlich auf mechanische Verspannungen des Kristallgitters. Falls dieser Prozeß stark dominiert, wer den fraktal verzweigte Poren generiert (die gelegentlich auch als "dendritische Poren" [10], "Durchschlagsporen" [11] oder Mesoporen [3] bezeichnet) werden).
- 2. Ladungstransfer vom Si in den Elektrolyten verbunden mit einer Oxidation des Si. Dieser Prozeß ist eher isotrop; er würde für sich genommen keine Poren erzeugen. Als Folgepro zeß nach der direkten Auflösung überführt er die fraktale Struktur des Vorprozesse in ei ne glatte Struktur.
- 3. Rein chemische Auflösung des Oxids. Dieser Prozeß dauert sehr viel länger als die Pro zesse 1., 2. und 4. Er bestimmt eine für jedes System charakteristische Zeitkonstante τ, da ein neuer Strompuls nicht vor (oder allenfalls kurz vor) dem Ende der Oxidauflösung ge zündet werden kann. Dies ist von großer Wichtigkeit für die Lehre der Erfindung.
- 4. Bedeckung der freien Si Oberfläche mit Wasserstoff; damit verbunden eine Passivierung der Oberfläche. Die Geschwindigkeit dieses Prozesses hängt von der Kristallographie ab; bei Si läuft er auf {111} Oberflächen z. B. viel schneller ab als auf {100} Oberflächen.
- 5. Nukleation eines neuen Strompulses.
Die einzige in diesem Zusammenhang wichtige Eigenschaft der Nukleation ist:
- 1. Die Wahrscheinlichkeit zur Nukleation eines neuen Strompulses wird wesentlich durch den Grad der Wasserstoffpassivierung an der betrachteten Stelle bestimmt; die Wahr scheinlichkeit nimmt mit zunehmender Passivierung ab. Sie ist damit anisotrop (z. B. in Si auf {100} Oberflächen sehr viel wahrscheinlicher als auf {111} Oberflächen).
Porenbildung kann damit grundsätzlich als eine Korrelation der Nukleationswahrscheinlich
keiten von Strompulsen im Raum verstanden werden die durch eine Wechselwirkung von
Stromimpulsen in der Zeit entsteht. Die Größe und Morphologie der Poren wird durch zwei
wesentliche Faktoren bestimmt:
- 1. Die Größe der im System vorliegenden Längenskalen. Die wichtigste und neue Län
genskala wird nach der Lehre der Erfindung durch die oben genannte charakteristische
Zeitkonstante des Systems bestimmt; sie ist gegeben durch die für das System typische
Ätztiefe die in der Zeit τ erreicht werden kann und die zumindest in ausreichender Nähe
rung durch bekannte Beziehungen der Elektrochemie errechnet werden kann. Andere, be
reits bekannte Längenskalen sind beispielsweise:
- - Die Ausdehnung der Raumladungszone in dem entsprechenden Halbleiter [1].
- - Die Ausdehnung der Helmholtzschicht auf der Elektrolytseite.
- - Diffusionslängen [2] und typische Größen von Konzentrationsgradienten der Löcher und Elektronen in den Halbleitern
- - Quantendrahteffekte [12]
Glatte unverzweigte Poren werden z. B. erhalten, wenn die für das System wesentlichen Längenskalen die selbe Größenordnung im Bereich der gewünschten Porendurchmesser haben.
- 2. Das Verhältnis der beiden ladungstransferierenden Prozesse. Bei Dominanz der direkten Auflösung besteht eine Tendenz zu anisotropen, stark verzweigten Poren, bei Dominanz der Oxidation entstehen glatte Poren mit wenig ausgeprägter Vorzugsrichtung.
Die Erfindung lehrt, daß diese Größen durch geeignete Wahl der Parameter in gewissen
Grenzen einstellbar sind.
Aus dem bisher gesagten wird deutlich, daß das System, bestehend aus Halbleiter und
Elektrolyt sowie den extern wählbaren und variablen Größen Spannung, Strom, Beleuchtung
und Temperatur, für die jeweilige Aufgabenstellung optimiert werden kann. Dabei sind aber
nicht immer alle Parameter frei wählbar; der Typus des zu verwendenden Halbleiters und sei
ne Dotierung sind beispielsweise häufig festgelegt. Aus den bisherigen Ausführung folgen
einfache Grundregeln zur Auswahl von Systemkomponenten die im folgenden aufgelistet
werden
Zu beachten ist die intrinsische Zeitkonstante τ und die
damit verbundene intrinsische Länge l0. Sie kann nach den bekannten Regeln der Kinetik
der Oxidauflösung leicht abgeschätzt werden. Für Makroporen ist die Größe der Raumla
dungszone besonders wichtig, sie ergibt sich aus den bekannten Beziehungen der Halb
leiterphysik. Im Regelfall ist es günstig, die Größe der Helmholtzschicht sehr viel kleiner
zu wählen; dabei ist in erster Linie die Leitfähigkeit des Elektrolyten nach bekannten
Formeln der Elektrochemie zu beachten. Die verfügbaren Variablen sind die Dotierung
des Halbleiters, die aktive Konzentration an fluorhaltigen Verbindungen (in der Regel
Flußsäure, HF), die Temperatur und die Elektrolytleitfähigkeit, die z. B. durch bekannte
Leitsalzsysteme stark manipuliert werden kann. Bei der Vielzahl der möglichen Kombi
nationen ist es nicht sinnvoll konkrete Beispiele zu geben. Die Systematik des Vorgehens
nach der Lehre der Erfindung wird jedoch jedem mit Halbleiterelektrochemie vertrauten
Experten sofort verständlich sein.
Für ein gegebenes
System läßt sich nach dem bisher ausgeführten durch Analyse der erhaltenen Porenmor
phologie sofort schließen, welche Komponente überwiegt. Das System wird optimiert, in
dem man die schwächere Komponente stärkt oder die dominierende Komponente
schwächt oder beides durchführt. Die Erfindung lehrt dazu folgendes:
- - Zugabe von bekannten Oxidationsmitteln, z. B. H2O2, CrO3, Essigsäure, KOH- Lösungen, NaOH-Lösungen, Chromsäure, Salpetersäure, K2Cr2O7, Cu(No3)2, TMAH (Teramethylammonium hydroxide)
- - Erhöhung der Konzentration der Löcher an der Grenzfläche (bei konst. Grenzflächen potential), z. B. durch geänderte Dotierung oder Beleuchtung von der Vorderseite.
- - Erniedrigung des Grenzflächenpotentials.
- - Verwendung wäßriger (statt organischer) Elektrolyte
- - Änderung der Passivierungskinetik durch Zugabe bekannter protonierender Chemika lien wie z. B. Säuren, Alkoholen, protisch wirkenden organischen Molekülen (z. B.: Diethyleneglycol), gasförmiger Wasserstoff, nasc. Wasserstoff, TMAH (Teramethy lammonium hydroxide), KOH-Lösungen, NaOH-Lösungen
- - Reduzierung der Löcherkonzentration; insbesondere durch Dotierung und Beleuch tung von der Rückseite.
- - Erhöhung des Grenzflächenpotentials.
Da die Porenätzung im weitesten Sinne ein kinetischer
Prozeß ist und sich damit weit weg vom jeweils optimalen lokalen Gleichgewicht bewe
gen kann, kommt der Nukleation der Poren oft entscheidende Bedeutung zu. Beim der
zeitigen Stand der Technik wird Porennukleation entweder durch Störungen der Oberflä
che erzwungen (z. B. durch mit bekannten lithographischen Verfahren strukturierte Ätz
grübchen [6]) oder durch empirisch ermittelte Rezepturen beeinflußt. Nach den obigen
Ausführungen ist die Nukleation von Strompulsen die entscheidende Größe des Systems;
die erstmalige Nukleation beim Einschalten des Systems unterscheidet sich nicht grund
sätzlich von der fortlaufenden Nukleation während des Ätzvorgang selbst. Die Lehre der
Erfindung läßt sich damit auch auf die Erstnukleation anwenden; sie geht über den Stand
der Technik hinaus. Folgende Regeln werden gegeben
- - Erhöhung des Ätzstroms und Ätzspannung (elektrische Feldstärke) zu Beginn der Ät zung.
- - Erzeugung lokaler mechanische Spannungen, z. B. durch "verspannende Schichten" wie z. B. Nitridschichten, durch (lokale) Implantation geeigneter Elemente (z. B. Ge) oder durch andere in der Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik bekannte Verfah ren.
Diese Regeln sollen an Beispielen illustriert werden. Es ist allgemein bekannt, daß in hochdo
tiertem n-Si (sog. n+-Si) in allen bisher untersuchten Systemen ausschließlich sog. Mesoporen
[3] entstehen. Nach der Lehre der Erfindung dominiert damit die direkte Auflösung; um Ma
kroporen zu erhalten muß die oxidative Komponente erhöht werden. Nach den aufgezeigten
Regeln ist dies erreichbar, Bild 2 zeigt Beispiele. Die Wirkungsweise optimierter Nukleation
wird in Bild 3 gezeigt.
Nach der Lehre der Erfindung kann die stochastische Natur der Grundprozesse zu einer
Art Rauschen oder zum Chaos des Gesamtsystems führen, die sich in irregulären Porenmor
phologien auswirkt. Dabei wird sich die im System dominierende Längenskala durchsetzen.
Aus der Theorie und Praxis der kritischen Systeme ist allgemein bekannt, daß "chaotische"
Systeme sich durch äußere Anregungen mit der für das System charakteristischen Frequenz in
nicht-chaotisches Verhalten steuern lassen. Für das Halbleiter-Elektrolytsystem bedeutet das
nach der Lehre der Erfindung, daß irreguläre Porenmorphologien sich stark verbessern lassen,
wenn dem System ein geeignete Anregung überlagert wird; dies wird als Synchronisation
bezeichnet. Als Frequenz ist dabei eine Frequenz in der Nähe der Eigenfrequenz f = 1/τ zu
wählen. Dies ermöglicht einen steuernden Eingriff mit dem sich die oben angesprochenen
Probleme weitgehend lösen lassen. Ein Beispiel zeigt Bild 4. Dabei wurde zu Demonstrati
onszwecken ein System gewählt, das zu extrem irregulären Poren neigt (Makroporen auf n-
Silizium, die mit flußsäurehaltigem DMF unter Rückseitenbeleuchtung geätzt worden sind).
Periodisch (mit einem Sinus Signal) variiert wurde in diesem Beispiel der Strom.
Es ist offenkundig, daß durch geeignete Steuerimpulse eine Synchronisation des Systems
erreicht werden kann. Physikalisch gesprochen, wird durch die Steuerimpulse das "Zünden",
d. h. die Nukleation der Stromimpulse, synchronisiert, so daß das System weitaus weniger
Möglichkeiten hat, durch Zufallsprozesse Seitenporen zu bilden oder Richtungen zu ändern.
Es liegt in der Natur der Erfindung, daß die Systemsteuerung durch ein ganzes Spektrum
an Maßnahmen durchgeführt werden kann. Neben der oben gezeigten periodischen Änderung
des Stromes kann auch die Spannung oder die Beleuchtungsintensität periodisch variiert wer
den; im Prinzip auch die Elektrolytzusammensetzung oder die Temperatur.
Ein impliziter Anspruch dieses Teils der Erfindung ist es auch, daß aus der aufgezeigten
Frequenzabhängigkeit des Systems folgt, wie Porendurchmesser im Verlauf einer Ätzung
beeinflußt werden können.
Ein intrinsischer Teil jeder Porenätzung ist die fortlaufende Änderung der Halbleiter-
Elektrolyt Grenzfläche und damit der lokalen Parameter. Bei fest eingestellten äußeren Para
metern folgt daraus, daß sich an der Grenzfläche selbst die Parameter kontinuierlich ändern;
dies äußert sich in Änderungen der Porenmorphologie mit fortschreitender Tiefe. Ein erster
Ansatz ist es, einen Parameter konstant zu regeln; z. B. den Strom durch kontinuierliche An
passung der Spannung oder der Beleuchtungsintensität. Weitergehende Ansätze eliminieren
Diffusionanteile der Kinetik [13], doch lassen sich auch damit keine konstanten oder gar op
timierten Bedingungen an der Grenzfläche erreichen. Nach der Lehre der Erfindung wird in-
situ eine die Grenzfläche charakterisierende Größe gemessen, als brauchbar hat sich der durch
Impedanzmessungen erfaßbare Transferwiderstand der Grenzfläche erwiesen. Dazu wird der
angelegten Spannung ein kleines Signal variabler Frequenz (oder ein Frequenzgemisch)
überlagert; aus bekannten Methoden der Impedanzmeßtechnik und der Systemtheorie läßt
sich der Transferwiderstand der Grenzfläche ermitteln.
Das System wird optimiert, indem zu jedem Zeitpunkt der Transferwiderstand Rt mini
miert wird. Hierbei muß berücksichtigt werden, daß nach bekannten Formeln der Transferwi
derstand von der Geometrie der Poren nach der Formel
verknüpft ist. Mit wachsender Zeit erhöht sich die Porentiefe lPore. Für optimales Poren
wachstum liefert Bild 5 ein Beispiel: Nach Aufbrechen der H-Passivierung (Bereich I) be
ginnt die Umorganisiation zum stabilen Porenwachstum (Bereich II); der anschließende linea
re Bereich zeigt das Anwachsen der Porenlänge. Durch die Regelung soll nun nicht der Po
rendurchmesser APore verändert werden Diesem Sachverhalt wird Rechnung getragen, indem
für potentiostatische Ätzungen die zu jedem Zeitpunkt der Porenätzung meß- bzw. berechen
bare Funktion
mit Standardmethoden der Regelungstechnik minimal gehalten wird (I ist der aktuelle Strom).
Der Wert von α kann für unterschiedliche Ätzparameter mit Standardmethoden der System
analyse angepaßt werden. Für galvanostatische Experimente lautet die Kontroll-Funktion (U:
aktuelle Spannung)
Statt des Potenzansatzes können auch andere monotone Funktionen wie exp(αI) in den
Nenner der Kontroll-Funktion geschrieben werden, um z. B. ein sehr starkes Auftreten von
Seitenporen zu unterdrücken.
Statt des Transferwiderstandes kann über die in-situ Impedanzanalyse auch der imaginäre
Anteil der Kleinsignalantwort zur Kontrolle der Porenätzung genutzt werden. Diese liefert
Informationen über die Kapazität der Elektrolytgrenzschickt und somit nach der bekannten
Formel
Informationen über die effektive Oberfläche (Porösität). Diese wächst bei
stabilem Porenwachstum linear mit der Porenlänge an. Bei Abweichung von diesem linearen
Verhalten kann dies in Kombination mit der Transferwiderstandsmessung oder unabhängig
nach bekannten Verfahren der Regelungstechnik zur Steuerung des Porenwachstums genutzt
werden.
Bild 1
- a) Stark verzweigte Poren mit nicht kontrollierbarer Morphologie.
- b) Starke Unterätzung der maskierenden Nitridschicht (links oben).
- c) Verzweigte Poren für photonische Kristalle mit zu unregelmäßiger Morphologie
Bild 2
- a) Übliche Mesoporen
- b) Makroporen erhalten mit einem HF/TMAH (Teramethylammonium hydroxide) Gemisch
- c) Makroporen erhalten mit Gemisch aus wäßrigen Chromoxid-Salz (CrO3) und HF
Bild 3
- a) Erhöhte Nukleation im Spannungsfeld einer Nitridkante
- b) Stark erhöhte Porenbildung bei Ausnutzung mechanischer Spannung (hier durch eine Nitrid Schicht erreicht) und optimierter Ätzung
Bild 4
- a) f = 0 Hz (statisch), keine Synchronisation
- b) f = 33 MHz, Synchronisation
- c) Großdarstellung: Poren bei 0 Hz ohne Synchronisation
- d) f = 16 MHz, keine Synchronisation
- e) f = 8 MHz, keine Synchronisation
- f) Großdarstellung: Poren bei mit Synchronisation durch Steuersignal mit f = 33 mHz und Amplitude = 40% des Grundstroms.
Bild 5
In-situ Messung des Realteils der Impedanz. Es sind die drei Bereiche des Aufbrechens der
Wasserstoffterminierung, der Nukleation und des stabilen Porenwachstums (linearer Anstieg)
klar voneinander trennbar. In dem zweiten Bereich optimiert das System seinen
Transferwiderstand.
[1] V. Lehmann und H. Föll: Formation Mechanism and Properties of Electrochemically
Etched Trenches in n-Type Silicon. J. Electrochem. Soc., 137 (1990) p. 653
[2] R. L. Smith, S. F. Chung, S. D. Collins, J. Electron. Mater., 17, 533 (1988)
[3] V. Lehmann, R. Stengl, A. Luigart, Mat. Sci. Eng., B 69-70, 11 (2000)
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. ed., Z. C. Feng und R. Tsu, Editors, p.301, World
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[6] V. Lehmann, U. Grüning, Thin Solid Films, 297, 13-17 (1997)
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[8] J. Carstensen, R. Prange and H. Föll: A Model for Current-Voltage Oscillations at the Sili con Electrode and Comparison with Experimental Results. J. Electrochem. Soc., 146 (3), 1134-1140 (1999).
[9] S. Rönnebeck, S. Ottow, J. Carstensen, H. Föll, J. Electrochem. Soc. Lett., 2,126 (1999)
[10] T. Osaka, K. Ogasawara, S. Nakahara, J. Electrochem. Soc., 144, 3226 (1997)
[11] M. Hejjo Al Rifai, M. Christophersen, S. Ottow, J. Carstensen and H. Föll, J. Electro chem. Soc., 147, 627 (2000)
[12] V. Lehmann, U. Gösele, Adv. Mat., 4, 114 (1992)
[13] V. Lehmann, J. Electrochem. Soc., 140, 2836 (1993)
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[11] M. Hejjo Al Rifai, M. Christophersen, S. Ottow, J. Carstensen and H. Föll, J. Electro chem. Soc., 147, 627 (2000)
[12] V. Lehmann, U. Gösele, Adv. Mat., 4, 114 (1992)
[13] V. Lehmann, J. Electrochem. Soc., 140, 2836 (1993)
- a) H. Föll, J. Grabmaier, V. Lehmann 83 E 1409 DE/83 P 1463/Juli 1983 Patentschrift DE 33 24 232 C2 Verfahren zum Herstellen von αus kristallinem Silizium bestehenden Körpern mit einer die Oberfläche vergrößernden Struktur, sowie deren Anwendung als Substrate für Solar zellen und Katalysatoren.
- b) H. Föll, V. Lehmann 87 P 8040/Juni 1987 EP 0 296 348 B1 Ätzverfahren zum Erzeugen von Lochöffnungen oder Gräben in aus n-dotiertem Silizium bestehenden Schichten oder Substraten.
- c) H. Föll, V. Lehmann 87 P 8067/Juli 1987 EP 0 301 290 B1 Schwarzer Strahler zum Einsatz als Emitter in eichbare Gassensoren und Verfahren zu seiner Herstellung.
- d) H. Föll, V. Lehmann 89 P 1462/Februar 1989 EP 0 400 387 B1 Verfahren zum großflächigen elektrischen Kontaktieren eines Halbleiterkristallkörpers mit Hilfe von Elektrolyten.
- e) U. Grüning, V. Lehmann Offenlegungschrift vom 23.1.97 DE 195 26 734 A1
Claims (17)
1. Vorrichtung zum elektrochemischen Atzen von Poren aller Arten in Halbleitern, dadurch
gekennzeichnet, daß
- a) Die internen Längenskalen des Gesamtsystems in die für die anstehende Aufgabe geeigneten Größenordnungen gebracht werden,
- b) Die Balance zwischen dem direkt auflösenden und dem oxidierenden Teil des Stroms optimiert wird
- c) Die Nukleation der Poren optimiert wird
- d) Das System durch ein geeignet gewähltes Steuersignal im Frequenzbereich der internen Systemfrequenzen synchronisiert und stabilisiert wird, und
- e) In-situ Messungen des Transferwiderstands zur kontinuierlichen Feinsteuerung verwendet werden.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß nur einer, oder beliebige
Kombinationen der genannten Punkt a)-e) verwendet werden.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß es für die Porenätzung in
Silizium verwendet wird.
4. Vorrichtung nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, daß es mit den chemisch
bedingten und bekannten Modifikationen für andere Halbleiter, insbesondere GaAs,
GaAlAs, GaP, GaN, InP, InSb, SiC verwendet wird.
5. Vorrichtung nach Anspruch 1a dadurch gekennzeichnet, daß die Änderung der
Oxidauflösungskinetik durch Änderungen der HF-Konzentration, durch Änderung der
Viskosität des Elektrolyten, durch Einstellung des pH-Wertes oder der Temperatur
vorgenommen wird.
6. Vorrichtung nach Anspruch 1a dadurch gekennzeichnet, daß die Optimierung der
Längenskala durch Änderungen der Raumladungszonentiefe oder der Ausdehnung der
Helmholtzschicht vorgenommen wird.
7. Vorrichtung nach Anspruch 1b dadurch gekennzeichnet, daß die Optimierung des
Elektrolyten durch Zugabe von oxidierenden oder protonierenden Zusätzen durchgeführt
wird.
8. Vorrichtung nach Anspruch 1a dadurch gekennzeichnet, daß die Nukleation durch
mechanische Spannungen begünstigt wird.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8 dadurch gekennzeichnet, daß mechanische Spannungen
durch lokales Aufbringen geeigneter Schichten (z. B. Si3N4), durch (lokale) Implantation
geeigneter Elemente (z. B. Ge) oder durch andere in der Mikroelektronik und
Mikrosystemtechnik bekannte Verfahren erzeugt werden.
10. Vorrichtung nach Anspruch 1d dadurch gekennzeichnet, daß die Frequenz des
Steuersignals durch die Kinetik der Oxidauflösung bestimmt wird.
11. Vorrichtung nach Anspruch 1d dadurch gekennzeichnet, daß die Frequenz des
Steuersignals durch die Kinetik der Wasserstoffpassivierung oder durch die Überlagerung
anderer interner Kinetiken bestimmt wird.
12. Vorrichtung nach Anspruch 1d dadurch gekennzeichnet, daß das Steuersignal allen
externen Größen überlagert sein kann, insbesondere der Spannung, dem Strom und der
Beleuchtungsintensität.
13. Vorrichtung nach Anspruch 10 dadurch gekennzeichnet, daß mehrere externe Größen
gleichzeitig moduliert werden.
14. Vorrichtung nach Anspruch 10 dadurch gekennzeichnet, daß die Modulation in jeder
geeigneten Form vorgenommen werden kann, z. B. sinusförmig, rechteck- oder
sägezahnförmig sowie durch kurze Impulse und Impulsfolgen.
15. Vorrichtung nach Anspruch 1 und 10-12 dadurch gekennzeichnet, daß Poren in einem
durch Steuersignale stabilisierten System durch zusätzliche Strommodulationen in ihren
Durchmessern gesteuert werden.
16. Vorrichtung nach Anspruch 1e dadurch gekennzeichnet, daß in-situ Messungen des
Transferwiderstands durch impedanzspektroskopische Verfahren durchgeführt werden
und diese Messung benutzt werden um den Transferwiderstand zu minimieren.
17. Vorrichtung nach Anspruch 14 dadurch gekennzeichnet, daß dieses Verfahren
insbesondere in der Nukleationsphase der Poren Verwendung findet.
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|---|---|---|---|
| DE10011253A DE10011253A1 (de) | 2000-03-08 | 2000-03-08 | Kontrollierte Porenätzung in Halbleitern |
Applications Claiming Priority (1)
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| DE10011253A DE10011253A1 (de) | 2000-03-08 | 2000-03-08 | Kontrollierte Porenätzung in Halbleitern |
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| DE10011253A1 true DE10011253A1 (de) | 2001-09-13 |
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|---|---|
| DE (1) | DE10011253A1 (de) |
Cited By (8)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
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