Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Ausbilden einer dünnen Schicht mit
einkristallinen Bereichen oder einer dünnen Schicht aus polykristallinem Material mit einer
Korngröße größer als die Schicht in ihrer Dicke, wobei zunächst Schichtmaterial zum Aus
bilden einer Schicht auf einen Träger aufgebracht wie abgeschieden und sodann die Schicht
aufgeschmolzen und zum Kristallisieren abgekühlt wird. Insbesondere bezieht sich die
Erfindung auf ein Verfahren zum Aufschmelzen und Kristallisieren einer auf einen Träger
aufgebrachten dünnen Schicht, vorzugsweise einer Siliziumschicht wie hochdotierten Silizi
umschicht, insbesondere bestimmt für ein Halbleiter-Bauelement wie Dünnschicht-Solarzelle.
Um kostengünstig großflächige Halbleiter-Bauelemente wie Solarzellen oder Dünnschicht-
Transistoranordnungen herzustellen, wurde versucht, halbleitende Substanzen in Form von
dünnen Schichten auf billige Träger (Substrate) abzuscheiden. Bei der Verwendung von
amorphem Silizium als Halbleiterschicht hat sich dabei der Nachteil gezeigt, dass die
Bauelemente die erforderliche Langzeitstabilität des Wirkungsgrades nicht aufweisen. Auch
sind Vorschläge unterbreitet worden, polykristallines Silizium in Form dünner Schichten auf
einen Träger aufzubringen.
Für den Wirkungsgrad eines polykristallinen Halbleiter-Bauelementes ist es wesentlich, dass
in Abhängigkeit von dem Ausgangsmaterial große kristalline Bereiche oder polykristalline
Schichten ausgebildet werden, deren Korngröße größer als die Schichtdicke selbst ist.
Größere Kristalle werden erhalten, wenn man Siliziumschichten epitaktisch auf multikristalli
nen Silizium-Wafern mit Korngrößen oberhalb von Millimetern abscheidet, T. Warabisako,
T. Saitoh, H. Itoh, N. Nakamura, T. Tokuyama, Jpn. J. Appl. Phys., 17 Suppl. (1978) 309;
P. H. Robinson, R. V. D'Aiello, D. Richman, B. W. Faughnan, Proc. 13th IEEE Photovolt.
Spec. Conf 1978, Washington, DC, p. 1111.
T. Warabisako et al., Jpn. J. Appl. Phys., 17 Suppl. (1978) 309, verwenden Substrate aus
polykristallinem Silicium von metallurgischem Reinheitsgrad, die nach Czochralski gezogen
und in 0,4 mm dicke Scheiben gesägt wurden. Auf solchen Scheiben wird eine 20-30 µm
dicke p-Si-Schicht durch Reduktion von SiH2Cl2 mit H2 bei 1100-1150°C und eine 0,5 µm
dicke n+-dotierte Si-Schicht bei 1000-1050°C abgeschieden. Ähnlich verfahren P. H.
Robinson et al., Proc. 13th IEEE Photovolt. Spec. Conf. 1978, Washington, DC, p. 1111. Bei
diesem Prozeß entfällt allerdings der wirtschaftliche Vorteil, da die Siliziumscheiben geson
dert hergestellt werden müssen.
T. L. Chu, S. S. Chu, K. Y. Duh, H. C. Mollenkopf, J. Appl. Phys. 48 (1977) 3576, benutzen
als Grundlage für die epitaktische Silizium-Abscheidung eine ca. 200-500 µm dicke
Silizium-Schicht (p-dotiert, 0,002-0,004 Ωcm) auf einem Graphit-Substrat. Diese Schicht
wird durch Reduktion von SiHCl3 mit H2 erzeugt.
Zur Herstellung großer Körner werden die Schichten in einem zweiten Prozess aufgeschmol
zen und kristallisiert. Hinderlich dabei ist die hohe Oberflächenspannung von Silizium, die
zur Folge hat, dass sich die Schmelze auf dem Substrat zu Tropfen zusammenzieht, so dass
die Schmelzzone und die Schicht dadurch unterbrochen wird. Durch Aufschmelzen einer sehr
schmalen Zone ergibt sich jedoch eine Möglichkeit, diesen Effekt zu umgehen. Der Reaktor
besteht aus einem Quarzrohr, das mit Wasserstoff gespült wird und mit einer Hochfrequenz-
Spule beheizt wird. Das Si-beschichtete Substrat wird unter einem induktiv beheizten, im
Reaktor befindlichen SiC-beschichteten Graphit-Stab (Heizer) hindurchgefahren. Der heiße
Graphit-Stab strahlt Wärme ab und sorgt für eine Schmelzzone, die in der Mitte 2 cm breiter
ist als am Rand des Substrates. Nach Kristallisation solcher Si-Schichten wird zur Herstellung
einer Solarzelle zunächst eine 20-30 µm dicke p-leitende Siliziumschicht auf der kristalli
sierten Unterlage und darauf anschließend eine 0,2-0,4 µm dicke n-leitende Emitterschicht
epitaktisch abgeschieden.
Nach M. Kerber, M. Bettini, E. Gornick, Proc. 17th IEEE Photovolt. Spec. Conf. 1984,
Kissimee, p. 275, wird auf einem Graphitsubstrat zuerst eine hochdotierte n-leitende Si-
Schicht abgeschieden, die danach mittels eines darübergeführten Wolfram-Drahtes als Strah
lungsheizer aufgeschmolzen und rekristallisiert wird. Die optimale Dicke dieser Schicht wird
mit 20-30 µm angegeben. Darüber wird nun die photovoltaische aktive n-leitende Schicht
mit 60-100 µm Schichtdicke epitaxiert. Durch anschließende Spray-Pyrolyse von SnO2 wird
eine SIS-Solarzelle mit 9% Wirkungsgrad hergestellt.
Den Verfahren ist gemeinsam, dass sich der Heizer für die Schmelzzone im Reaktionsraum
unter Schutzgas (H2) befindet. Es ist daher notwendig, während des Aufschmelzens die
Beschichtung zu unterbrechen. Andernfalls würde eine Si-Beschichtung der Heizer im
Reaktor erfolgen.
Die in beiden Verfahren beschriebenen rekristallisierenden Siliziumschichten sind für die
Herstellung der eingangs erwähnten Dünnschichtsolarzelle aus polykristallinem Silizium von
insgesamt nur 20-50 µm Dicke zu dick. Auch besitzen die Schichten nicht die erforderliche
Gitterperfektion für ein photovoltaisch einsetzbares Material, so dass darüber eine Epitaxie-
Schicht von großer Dicke mit den geforderten photoelektrischen Eigenschaften aufgebracht
werden muss.
Ganz allgemein wird in der Dünnschicht-Technologie das gewünschte Material in Form einer
dünnen Schicht auf einem Trägermaterial aufgebracht, das aus einem anderen Material als die
Schicht selbst bestehen kann oder dann, wenn gleiches Material gewählt wird, dieses mit
einer dünnen Schicht aus einem anderen Material abgedeckt wird. Bei der Herstellung von
Halbleiterschichten ist es dabei erforderlich, die auf einem Träger aufgebrachten dünnen
Schichten aufzuschmelzen und sodann wieder abzukühlen, wodurch eine Kristallisation derart
erfolgt, dass hinreichend große einkristalline Bereiche bzw. polykristalline Schichten hinrei
chender Korngröße hergestellt werden.
Einkristalline Schichten oder zumindest solche mit großen einkristallinen Bereichen kann man
in der sogenannten SOI (silicon-on-insulator)-Technologie herstellen. Dabei können als Träger
ein Saphirsubstrat oder zum Beispiel eine mit SiO2 beschichtete Siliziumscheibe benutzt
werden. Typische Dicken der die Siliziumscheibe abdeckenden SiO2-Schicht betragen in etwa
0,5 µm. Anschließend wird auf das Substrat eine weitere dünne Schicht aus Silizium abge
schieden, die sodann aufgeschmolzen wird und während des Abkühlens lateral kristallisiert,
um gewünschte große einkristalline Bereiche zu erzielen.
Bei dem Aufschmelzen zieht sich die Silizium-Schmelzschicht wegen ihrer hohen Ober
flächenspannung zu Tropfen zusammen bzw. es bilden sich Bereiche unterschiedlicher
Schichtdicken aus, so dass insgesamt eine zusammenhängende gleichmäßige Schicht mit der
Folge zerstört wird, dass die gewünschten großen einkristallinen Bereiche nicht im erforder
lichen Umfang erreichbar sind. Um diese durch die Kohäsionskräfte der Si-Schmelzschicht
bedingten Nachteile zu vermeiden, ist es bekannt, die Schmelzschicht sehr schnell in einer
schmalen aufgeheizten Zone kristallisieren zu lassen. Dabei ergeben sich Korngrößen
zwischen 5 und 10 µm, wobei das Aufschmelzen mittels eines geeigneten Lasers erfolgen
kann (s. zum Beispiel Appl. Surf. Sci. (1989) 36 (1989) 605).
Um ein Zusammenziehen des flüssigen Siliziums zu Tropfen zu verhindern, ist es auch
bekannt, vor dem Aufschmelzen auf der Silizium-Schicht eine Deckschicht aufzubringen.
Hierbei handelt es sich vorzugsweise um eine 1 bis 2 µm dicke SiO2-Deckschicht, die auch
als "capping-layer" bezeichnet wird. Eine entsprechende Deckschicht kompensiert während
der Kristallisation die Oberflächenspannung der darunterliegenden Si-Schicht und führt dazu,
dass die Schichtform im Wesentlichen erhalten bleibt. Anstelle einer SiO2-Deckschicht
können auch SiNx-Schichten oder Kombinationen der entsprechenden Schichten verwendet
werden (s. zum Beispiel Mater. Res. Soc. Symp. Proc. 53 (1986), 53). Durch die Verwen
dung entsprechender Deckschichten kann die Tropfenbildung in einem Umfang unterdrückt
werden, dass großflächige einkristalline Schichtbereiche mit Korngrößen bis in den Zentimeterbereich
hergestellt werden.
Bei der Herstellung von Dünnschicht-Solarzellen aus kristallinem Silizium wird eine Silizi
umschicht mit möglichst großen einkristallinen Bereichen benötigt. Als Substrate selbst
werden häufig einkristalline Siliziumscheiben verwendet, die entsprechend der SOI-Technolo
gie mit einer dünnen Silizium-Dioxidschicht als Isolator abgedeckt werden. Darauf scheidet
man eine mehrere Mikrometer dicke Siliziumschicht zum Beispiel in einem CVD-Verfahren
oder Plasma-CVD-Verfahren ab. Sodann wird auf die entsprechende Si-Schicht eine Deck
schicht aus Siliziumdioxid abgeschieden. Anschließend erfolgt das Aufschmelzen und
Kristallisieren.
Nach einem anderen Vorschlag wird eine multikristalline Siliziumscheibe mit einer Silizium-
Dioxidschicht abgedeckt, in die sodann in regelmäßigen Abständen, und zwar im Millimeter
bereich Löcher geätzt werden. Auf die entsprechende geätzte Silizium-Dioxidschicht wird im
CVD-Verfahren oder Plasma-CVD-Verfahren eine mehrere Mikrometer dicke Siliziumschicht
abgeschieden, auf der ihrerseits eine Deckschicht aus Siliziumdioxid durch Abscheiden
aufgebracht wird. Sodann erfolgt ein Aufschmelzen und Kristallisieren der Siliziumschicht,
wobei die Löcher der unteren Silizium-Dioxidschicht zusätzliche Keimlöcher bilden. (I. Reis,
A. Eyer, A. Räuber, Proc. 20th IEEE - Photovoltaic Specialists Conf., Las Vegas (1991) 986,
und B. F. Wagner, F. Friedrich, N. Schillinger, A. Eyer, Proc. 11th EC Photovoltaic Solar
Energy Conf., Montreux (1992), 397).
Ein weiterer Verfahrensvorschlag zur Herstellung einkristalliner Siliziumschichten bzw.
Schichten mit großen einkristallinen Bereichen sieht das Abscheiden einer dicken Silizi
umschicht auf ein mit Siliziumcarbid beschichtetes Graphit- oder Keramiksubstrat im CVD-
Verfahren vor. Hierauf wird eine Deckschicht aus Silizium-Dioxid abgeschieden. Das
Aufbringen der Siliziumdioxidschichten erfolgt grundsätzlich in einer speziellen Beschich
tungsanlage wie Aufdampfanlage oder PECVD-Anlage, wobei die Prozessdauer bis zu einige
Stunden betragen kann. Die mit der Deckschicht bedampfte Siliziumschicht wird sodann in
einer Zonenschmelz-Apparatur aufgeschmolzen und kristallisiert.
Unter der Deckschicht liegt nach der Kristallisation die Siliziumschicht in einer Struktur mit
gewünschten großen einkristallinen Bereichen vor. Zur weiteren Verarbeitung des so ausge
bildeten Schichtsystems zur Herstellung von Halbleiter-Bauelementen, insbesondere Dünn
schicht-Solarzellen ist es sodann erforderlich, dass die Deckschicht entfernt wird. Dies erfolgt
üblicherweise durch chemisches Abätzen in verdünnter Flusssäure oder durch Plasmaätzen.
Durch das Wegätzen der Oxidschicht nach Kristallisation liegt die große einkristalline
Bereiche aufweisende Siliziumschicht frei. Sie steht nun als sogenannte Keimbildungsschicht
für die nachfolgende epitaktische Verdickung zur Verfügung.
Ist die Verwendung einer Deckschicht erforderlich, um die Tropfenbildung während der
Aufschmelzphase der Siliziumschicht zu verhindern, ergeben sich hierdurch jedoch wirt
schaftliche Nachteile, da eine für die Funktion des Halbleiter-Bauelementes nicht erforderliche
Schicht aufgebracht und diese sodann wieder entfernt werden muss. Somit sind zwei zusätzli
che Prozessschritte für die Herstellung kristalliner Solarzellen erforderlich, die zu einer
erheblichen Verteuerung führen. Eine solche soll jedoch bei der wirtschaftlichen Herstellung
von Solarzellen in Dünnschicht-Technologie vermieden werden.
Der vorliegenden Erfindung liegt daher das Problem zu Grunde, ein Verfahren der zuvor
beschriebenen Art so weiterzubilden, dass mit einfachen Maßnahmen Schichten ausgebildet
werden können, die durch Aufschmelzen und Kristallisieren in eine Schicht mit großen
einkristallinen Bereichen umgewandelt werden sollen.
Das Problem wird im Wesentlichen dadurch gelöst, dass auf die Schicht vor dem Auf
schmelzen eine beim Aufschmelzen temperaturbeständige Abdeckung aufgebracht wird,
wobei die Abdeckung gegenüber dem Schichtmaterial chemisch inert ist, und/oder zumindest
während des Kristallisierens zwischen der Schicht und der Abdeckung eine Oxidzwischen
schicht ausgebildet wird. Dabei handelt es sich bei der Abdeckung insbesondere um ein
eigensteifes Element wie Platte, das gegenüber Wärmestrahlung durchlässig ist. Insbesondere
wird eine transparente und translucente Abdeckung verwendet.
Auch kann als Abdeckung eine translucente Platte aus Keramikmaterial verwendet werden.
Bevorzugterweise wird bei dem Aufschmelzen und Kristallisieren einer Siliziumschicht als
Abdeckung eine Quarzplatte verwendet.
Nach einer Weiterbildung ist vorgesehen, dass als Abdeckung ein Walzenkörper mit einem
Radius verwendet wird, der im Vergleich zur Fläche der momentan aufgeschmolzenen und
von dem Walzenkörper abgedeckten Schicht groß ist. Dabei kann in dem Walzenkörper eine
die Wärmestrahlung emittierende Wärmequelle wie Lampe angeordnet werden.
Sofern beim Aufschmelzen bzw. Kristallisieren zwischen der Abdeckung und der zu kristalli
sierenden Schicht eine Zwischenoxidschicht ausgebildet wird, wird der Prozess derart
gesteuert, dass die Dicke zwischen 50 und 200 nm, insbesondere in etwa 100 nm beträgt.
Aufgrund der erfindungsgemäßen Lehre wird ein Zusammenziehen von zu Tropfenbildung
neigendem Schichtmaterial durch Auflegen einer Abdeckung wie Abdeckplatte auf die
Schicht vermieden, wobei die Abdeckung nach erfolgter Kristallisation wieder entfernt wird.
Da zwischen der Abdeckung und der Schicht eine chemische Reaktion nicht erfolgt, ist die
Abdeckung wieder verwendbar.
Die Verwendung einer transparenten oder translucenten Abdeckung wie Abdeckplatte oder
Walzenkörper hat den Vorteil, dass die Erwärmung der aufzuschmelzenden Schicht mittels
optischer Einstrahlung nicht behindert wird. Des Weiteren sollte die Abdeckung gegenüber
dem aufzuschmelzenden Schichtmaterial auch bei hohen Temperaturen chemisch inert sein,
und zwar bei Temperaturen oberhalb des Schmelzpunktes bis zu 1450°C im Falle von
Silizium. Dies bedeutet, dass die Abdeckung das Schichtmaterial weder benetzen noch mit
diesem reagieren darf.
Sofern eine aufzuschmelzende und zu kristallisierende Siliziumschicht durch eine hochtrans
parente Quarzplatte abgedeckt wird, kann diese ohne zu hohe Erwärmung eingesetzt werden.
Des Weiteren kann sich unter der Quarzplatte auf der Oberfläche der Siliziumschicht während
des Kristallisationsprozesses eine ungefähr 100 nm thermische SiO2-Schicht bilden. Durch
diese Schicht wird ein Kontakt mit der Quarzscheibe verhindert, so dass auf jeden Fall eine
Reaktion der Quarzplatte mit der Schicht unterbunden wird. Die thermische Oxidationsschicht
ist so gering, dass ein leichtes Entfernen nach der Herstellung möglich ist.
Die Verwendung der Abdeckung bietet die gleichen Vorteile wie die einer Deckschicht. Dies
bedeutet, dass die gewünschte Kristallisation zur Ausbildung großer einkristaller Bereiche
sichergestellt ist. Gleichzeitig stellt die Abdeckung sicher, dass die kristallisierte Schicht eine
überaus glatte Oberfläche aufweist, so dass bei den nachfolgenden Verfahrensschritten,
insbesondere der Epitaxie unter Verwendung der Siliziumschicht als Keimschicht erhebliche
Vorteile gegeben sind. Ferner ist hervorzuheben, dass die Abdeckung mehrfach wieder ver
wendet werden kann.
Bei der Verwendung einer Quarzplatte als Abdeckung kann diese ein relativ geringes Gewicht
aufweisen, da bereits die Adhäsionskräfte zwischen der Abdeckplatte und der aufzuschmel
zenden Schicht ausreichen, die Kohäsionskräfte des aufgeschmolzenen Materials zu kom
pensieren. Es reicht folglich eine Quarzplatte eines Gewichtes aus, die auf der aufgeschmolze
nen Schicht schwimmt, ohne dass eine Verdrängung derart erfolgt, dass das geschmolzene
Material weggedrückt wird.
Weitere Einzelheiten, Vorteile und Merkmale der Erfindung ergeben sich nicht nur aus den
Ansprüchen, den diesen zu entnehmenden Merkmalen - für sich und/oder in Kombination -,
sondern auch aus der nachfolgenden Beschreibung von der Zeichnung zu entnehmenden Aus
führungsbeispielen.
Es zeigen:
Fig. 1 eine Prinzipdarstellung einer Dünnschicht-Solarzelle mit pn-Übergang,
Fig. 2 eine Prinzipdarstellung zum Verdeutlichen des Aufschmelzens und Wieder
starrens einer auf einem Träger aufgebrachten Schicht,
Fig. 3 ein Oberflächenbild einer Keim- oder Nukleationsschicht,
Fig. 4a-c Ausbilden einer Siliziumschicht nach dem Stand der Technik,
Fig. 4d-f Ausbilden einer Siliziumschicht nach der Erfindung,
Fig. 5 eine Prinzipdarstellung einer Vorrichtung zum Aufschmelzen und Kristallisie
ren einer Schicht und
Fig. 6 eine Prinzipdarstellung einer weiteren Ausführungsform einer Vorrichtung zum
Aufschmelzen und Kristallisieren einer Schicht.
Die erfindungsgemäße Lehre zum Ausbilden einer dünnen Schicht mit einkristallinen
Bereichen oder einer dünnen Schicht aus polykristallinem Material mit einer Korngröße
größer als die Schicht in ihrer Dicke wird nachstehend anhand eines kristallinen Si-Dünn
schichtsystems erläutert, ohne dass hierdurch eine Beschränkung der Erfindung erfolgen soll.
Dabei wird das kristalline Si-Dünnschichtsystem mittels einer Folge von CVD-Abscheide
prozessen ausgebildet. Mit einem entsprechenden Verfahren können die aus der kristallinen
Silizium-Technologie bekannten Solarzellentypen, die entweder mit pn-Übergang oder mit
einer Inversionsschicht arbeiten, hergestellt werden.
In Fig. 1 wird der prinzipielle Aufbau einer kristallinen Dünnschicht-Solarzelle mit pn-
Übergang wiedergegeben. Dabei wird auf einem z. B. aus Graphit oder einem anderen low-
cost-Material bestehenden Substrat 1 im CVD-Verfahren eine vorzugsweise elektrisch leitende
SiC-Schicht 2 aufgetragen, die einerseits zur Versiegelung des Substrats 1 und andererseits
als Rückkontakt dient. Auf die SiC-Schicht 2 wird sodann eine mit Bor hoch dotierte p+-Si-
Schicht 3 ebenfalls im CVD-Verfahren abgeschieden.
Das CVD-Verfahren liefert bei direkter Abscheidung auf einem Fremdsubstrat bei einer
Substrattemperatur von etwa 1000°C Korngrößen von 2 µm bis 20 µm bei einer Substrattem
peratur von in etwa 1300°C. Die entsprechenden Korngrößen, d. h. die Kornstruktur genügt
dabei nicht den physikalischen Anforderungen, um ein Schichtsystem hohen Wirkungsgrades
zur Verfügung zu stellen. Daher ist es erforderlich, die Korngrößen so auszubilden, dass diese
erheblich größer als die Dicke der Schicht selbst sind. Als Faustregel gilt, dass die Korngröße
zumindest 4 × größer als die Schichtdicke ist, um den physikalischen Anforderungen zu
genügen. Es ist daher notwendig, dass die p+-Si-Schicht 3 aufgeschmolzen und beim Abkühlen
derart kristallisiert wird, dass Korngrößen ausgebildet werden, die erheblich größer als
die der Schichtdicke sind. Auf die die erforderliche physikalische Struktur aufweisende
Schicht 3 wird eine photoempfindliche p-Si-Schicht 4 epitaxiert, um sodann eine n-leitende
Emitterschicht 5 durch z. B. Eindiffusion von Phosphor oder durch Epitaxie einer Phosphor-
dotierten Si-Schicht aufzubringen. Schließlich wird auf die Emitterschicht 5 ein metallisches
Frontgitter 7 in gewohnter Technik z. B. Aufdampfprozess, Siebdruck von Leitpasten etc.
hergestellt. Eine gegebenenfalls erforderliche Antireflexionsschicht 6 kann mit einem
geeigneten Plasmaverfahren ausgebildet werden.
Um ein funktionstüchtiges, einen gewünschten Wirkungsgrad aufweisendes Si-Dünschicht
system zur Verfügung zu stellen, ist der Aufschmelz-/Kristallisationsschritt der im Aus
führungsbeispiel p+-Si-Schicht 3 ausschlaggebend. Hierzu kann nach dem Stand der Technik
auf die aufzuschmelzende Schicht eine sogenannte capping-layer aufgebracht werden, die
sicherstellt, dass sich die geschmolzene Schicht, d. h. die Si-Schmelze nicht zu Tropfen zu
sammenzieht, da die Kohäsionskräfte der Schmelze durch die Adhäsion zwischen der Si-
Schmelzschicht und der capping-layer oder Deckschicht kompensiert werden.
Ein Verfahrensablauf zur Ausbildung einer entsprechenden Siliziumschicht gewünschter
Korngröße wird anhand der Fig. 2 verdeutlicht. So wird ein nicht näher bezeichnetes Graphit-
Substrat als Träger mit einer ca 40 µm-dicken SiC-Schicht 11 versiegelt, die gleichzeitig den
Rückkontakt bilden kann. Auf die SiC-Schicht 11 wird sodann im CVD-Verfahren eine ca.
10 bis 30 µm dicke mit Bor hoch dotierte Siliziumschicht 3 aus der Gasphase abgeschieden.
Die so ausgebildete Siliziumschicht 3 setzt sich aus Körnern einer Größe im µm-Bereich
zusammen, die klein gegenüber der Schichtdicke und somit für die Nutzung als Solarzelle
ungeeignet ist. Daher wird die Siliziumschicht aufgeschmolzen und lateral kristallisiert, um
gewünschte Korngrößen von in etwa zumindest der vierfachen Dicke der Schicht 3 selbst zu
erhalten. Bei einer entsprechenden lateralen Kristallisation ergeben sich hoch dotierte
Siliziumschichten mit Korngrößen im Millimeter-Bereich. Die entsprechende Schicht dient
sodann als Nukleations- oder Keimschicht 42 für das Wachstum einer photoempfindlichen
Siliziumschicht, die in Fig. 1 mit dem Bezugszeichen 4 versehen ist.
Um eine entsprechende Kristallisation zu erzielen, kann nach dem Stand der Technik die
Schicht 3 vor der Kristallisation mit einer Deckschicht 43 abgedeckt werden. Die aus
vorzugsweise Siliziumoxid bestehenden etwa 2 µm dicke Deckschicht 43 wird dabei mittels
reaktiver Vakuumverdampfung von Siliziummonoxid oder Hochfrequenzsputtern oder in
einem plasmaunterstützten CVD-Verfahren in einem thermischen CVD-Verfahren oder mittels
oxidbildender Flüssigkeit auf die Si-Schicht 3 aufgetragen. Alternativ können auch SiO-
Schichten in Verbindung mit SiN-Schichten aufgetragen werden. Die mit einer entsprechen
den Deckschicht 43 abgedeckte Siliziumschicht 3 wird sodann mit einer der Fig. 2 prinzipiell
zu entnehmenden Vorrichtung aufgeschmolzen und kristallisiert. Hierzu sind substratrückseitig
Strahler 80 wie Quarzlampen vorgesehen, die das Substrat auf eine gleichmäßige Grundtem
peratur im Bereich zwischen 800 bis 1400°C aufwärmen. Auf der gegenüberliegenden Seite,
also deckschichtseitig ist ein optischer Zonenheizer 81 vorgesehen, der einen elliptisch
geformten, hochspiegelnden Aluminiumkörper umfasst, der wassergekühlt ist. In einer
Brennlinie der von dem Aluminiumkörper umgebenden Ellipse ist sodann ein Quarzstrahler
82 mit z. B. Wolframwendel angeordnet. Der Zonenheizer 81 ist mit seiner zweiten Ellipsen
brennlinie auf die Oberfläche der aufzuschmelzenden und zu kristallisierenden Schicht 3
ausgerichtet, um die maximale Wärmeleistung in die Schicht 3 einzukoppeln. Hierdurch
bedingt schmilzt die Siliziumschicht 3 in einer nur wenige Millimeter breiten Zone 41
vollständig auf, wohingegen die angrenzenden Bereiche weiterhin starr sind. Durch Vorschub
des Zonenheizers 81 wird folglich die flüssige Zone 41 durch die Schicht 3 bewegt. An der
in Bezug auf die Vorschubrichtung hinteren Phasengrenze der Schmelzzone kristallisiert das
Silizium lateral und bildet Korngrößen aus, die erheblich größer als die Dicke der Schicht 3
sind.
Die Kristallisationsgeschwindigkeit wird über die Vorschubgeschwindigkeit des Zonenheizers
81, der auch durch eine andere geeignete bzw. dem Stand der Technik zu entnehmende
Heizvorrichtung ersetzt werden kann, eingestellt. Übliche Geschwindigkeiten liegen zwischen
0,1 mm/min bis 100 mm/min, wobei der Bereich 5 bis 10 mm/min bevorzugt anzugeben ist.
Nach dem Herausbilden der kristallisierten Schicht 42 gewünschter Korngröße muss sodann
die Deckschicht wieder entfernt werden, wodurch nicht nur der Herstellungsprozess auf
wendiger und verteuert wird, sondern die Gefahr besteht, dass unerwünschte Dickenänderun
gen der Keim- bzw. Nukleationsschicht 42 oder Verschmutzungen dieser auftreten.
Würde man den zuvor beschriebenen und anhand der Fig. 2 erläuterten Kristallisationsprozess
ohne eine Deckschicht 43 durchführen, so ergäbe sich folgender Ablauf, der anhand der Fig.
4a bis c erläutert wird.
Entsprechend der Fig. 4a befindet sich vor der Kristallisation eine geschlossene gasphasen-
abgeschiedene Siliziumschicht 3 mit einer vorzugsweise einen Rückkontakt bildenden
Versiegelungsschicht 11. Erfolgt sodann das Aufschmelzen, bilden sich aufgrund der Kohä
sionskräfte des Siliziums Tropfen 41, die von der Schicht 11 "abperlen". Ursächlich hierfür
ist, dass die Adhäsionskräfte zwischen der SiC-Schicht 11 und der Si-Schmelze kleiner als
die Kohäsionskräfte der metallischen Si-Schmelze 41 sind. Beim Abkühlen (Fig. 4c) erstarrt
der Tropfen, dessen Form von dem jeweils zufälligen Verlauf der Erstarrung abhängig ist.
Am Ende des Abkühlens verbleibt auf der Oberfläche des teilerstarrten Siliziums ein Rest
Schmelze zurück. Da Silizium beim Erstarren eine Volumenzunahme von in etwa 10% zeigt,
formt sich der letzte Rest des erstarrten Tropfens zu einem kleinen Berg, der in Fig. 4c mit
dem Bezugszeichen 42 versehen ist. Nach erfolgter Kristallisation ergeben sich demzufolge
aus der ursprünglichen Schicht 4 eine Ansammlung kleiner Siliziumberge 42, die nicht den
Anforderungen einer zusammenhängenden Keimschicht genügen.
Um eine zusammenhängende Keimschicht ohne Aufbringen und Entfernen der in Fig. 2 mit
dem Bezugszeichen 43 versehenen Deckschicht oder capping-layer 43 zur Verfügung stellen
zu können, ist erfindungsgemäß vorgesehen, dass die Deckschicht 43 durch eine eigensteife
abnehmbare Abdeckung wie insbesondere Quarzplatte 44 ersetzt wird, die nach der Kristalli
sation wieder entfernt werden kann und somit für einen weiteren Herstellungsprozess eines
Silizium-Dünnschichtsystems verwendet werden kann.
Wie anhand der Fig. 4d) bis f) erläutert wird, wird vor dem Aufschmelzen auf die ge
schlossene gasphasen-abgeschiedene Siliziumschicht 3 die Quarzplatte 44 aufgelegt. Wird nun
die Schicht 3 mit einer der Fig. 2 zu entnehmenden Vorrichtung und entsprechend der
erläuterten Verfahrensparameter aufgeschmolzen, so wird eine Tropfenbildung vermieden. Die
Schmelze 41 nimmt die Fläche der zugewandten Oberfläche der Quarzplatte 44 an. Bei
glatter Oberfläche der Quarzplatte 44 ergibt sich folglich eine besonders glatte Oberfläche der
Keimschicht 42. Sofern die Oberfläche der Keimschicht 42 eine gewünschte Struktur aufweisen
soll, kann diese durch entsprechende Strukturierung der Quarzplatte 44 vorgegeben
werden.
Durch das erfindungsgemäße Verfahren entfallen die nach dem Stand der Technik erforder
lichen Schritte Aufbringen einer Deckschicht oder capping-layer und anschließendes Entfer
nen dieser. Einzig und allein eine wiederverwendbare Abdeckplatte wie Quarzplatte 44 ist
erforderlich. Die Quarzplatte 44 kann dabei beliebig dünn gewählt werden, wobei die Neben
bedingung erfüllt sein muss, dass die erforderliche Eigensteifigkeit gegeben ist. Als typische
Dicken der Quarzplatte 44 sind Werte zwischen 100 µm und 2 mm anzugeben. Die Dicke der
Quarzplatte 44 wird unter dem Gesichtspunkt der Handhabbarkeit in Relation zur Fläche der
aufzuschmelzenden Schicht 3 und der Prozessführung gewählt.
Sofern das Kristallisieren, d. h. das Erstarren der aufgeschmolzenen Schicht an Luft erfolgt,
bietet die Abdeckung 44 zusätzlich einen Schutz gegen Staubkörner und Verunreinigungen
aus der Atmosphäre.
Eine typische nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellte Keim- oder Nukleations
schicht 42 ist in der Fig. 3 dargestellt.
Ergänzend zu der Verwendung einer Abdeckplatte wie Quarzplatte kann zwischen dieser und
der aufzuschmelzenden Schicht 3 eine ca. 100 nm dicke thermische SiO2-Schicht auf der
Siliziumschicht 3 beim Aufschmelzen und Kristallisieren an Luft aufgebracht sein, die bei
einer Temperatur über 1100°C ausgebildet wird. Allerdings reicht diese Schicht nicht aus,
die Kristallisation der Schicht 3 ohne Tropfenbildung durchzuführen. Sofern eine entsprechen
de SiO2-Schicht ausgebildet sein sollte, würde diese vor dem Aufbringen der weiteren photo
empfindlichen Siliziumschicht 4 durch thermische Reaktion mit Wasserstoff bei Temperautren
von ca. 1000°C bis 1250°C, insbesondere bei 1200°C entfernt werden können.
Wird eine entsprechende SiO2-Schicht ausgebildet, ergibt sich der Vorteil, dass die Abdeck
platte 44 gegen eine Benetzung durch die Siliziumschmelze geschützt ist.
Den Fig. 5 und 6 sind Prinzipdarstellungen von Anordnungen zu entnehmen, mit Hilfe derer
eine Schicht 3 wie Siliziumschicht aufgeschmolzen und beim Abkühlen derart kristallisiert
wird, dass sich Korngrößen bilden, die erheblich größer als die der Schichtdicke selbst sind.
Dabei wird nach der erfindungsgemäßen Lehre sichergestellt, dass beim Aufschmelzen ein
Zusammenziehen von zu Tropfenbildung neigendem Schichtmaterial durch Anordnen einer
eigensteifen Abdeckung in Form eines Walzenkörpers 47 unterbleibt, der als Quarzrohr
ausgebildet und einen Durchmesser von zum Beispiel 15 bis 30 cm aufweisen kann.
Entsprechend der Fig. 5 ist der Walzenkörper 47 mit der Schicht 3 in einer Zone 41 in
Kontakt, die aufgeschmolzen ist. Vor und hinter der Zone 41 ist die Schicht starr, wobei die
aufgeschmolzene und sodann wieder kristallisierte Schicht 42 Korngrößen gewünschter Größe
aufweist.
Die Schicht 3 selbst ist auf einem mit z. B. einer 40 µm dicken SiC-Schicht 11 versiegelten
Träger angeordnet, unterhalb von dem Heizstrahler 80 vorgesehen sind. Innerhalb des
Walzenkörpers 47 und unmittelbar oberhalb der Schmelzzone 41 befindet sich entsprechend
dem Ausführungsbeispiel der Fig. 2 ein Zonenheizer 81 mit Quarzstrahler 82. Der Kon
taktbereich zwischen dem Walzenkörper 47 und der Zone 41 ist mit dem Bezugszeichen 83
gekennzeichnet. Der Quarzstrahler 82 ist im Brennlinienbereich des elliptischen Reflektors
des Zonenheizers derart angeordnet, dass die Schicht 3 in der Zone 41 schmilzt.
Wie die Darstellung der Fig. 5 verdeutlicht, wird der Träger mit der Schicht 3 unter dem
Walzenkörper 47 hindurchbewegt. Synchron dreht sich der Walzenkörper 47 mit.
In Fig. 6 ist eine der Fig. 5 entsprechende Anordnung derart weitergebildet, dass ein Durch
laufverfahren realisierbar ist. Dabei ist die Schicht 30 oberhalb des Walzenkörpers 47
angeordnet und wird in Pfeilrichtung bewegt. Entsprechend erfolgt eine Drehung bzw.
Bewegung des Walzenkörpers 47. Die entsprechende Anordnung nach Fig. 6 hat den Vorteil,
dass ein Einstellen der von dem Walzenkörper 47 auf die Zone 41 einwirkenden Kraft
einfach regulierbar ist.