DE10001923C1 - Verfahren zur Bestimmung redoxaktiver Stoffe - Google Patents
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bestimmung redoxaktiver Stoffe durch Kombination einer membranbedeckten, elektrochemischen Meßzelle mit Redoxmediator und einer Steuereinheit. Die Meßzelle enthält mehrere Arbeitselektroden in großer räumlicher Nähe sowie Schutz- und Gegenelektroden. Die Steuereinheit umfaßt mehrere regelbare Gleichspannungsquellen zur Polarisation der Elektroden und eine Zeitsteuerung, die die Zeitabfolge der Elektrodenpolarisation und der Messung der Ströme steuert. DOLLAR A Der Analyt reagiert in der Meßzelle mit dem Redoxmediator, wobei für sehr geringe Analytkonzentrationen in einem Arbeitsmodus I an den als Anode und Kathode polarisierten Arbeitselektroden ein Redoxrecycling ausgelöst wird. Der dabei fließende Strom wird durch das Redoxrecycling verstärkt und ist der Analytkonzentration proportional. DOLLAR A Bei höheren Analytkonzentrationen wird durch eine automatische Änderung der Elektrodenpolarisation ein Arbeitsmodus II realisiert, bei dem die Meßzelle als bekannter amperometrischer Sensor mit Redoxmediator arbeitet. Damit zeichnet sich dieses Verfahren durch eine sehr tiefe Bestimmungsgrenze und einen sehr großen dynamischen Meßbereich aus.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Nachweis und zur quantitativen Bestimmung von
gasförmigen und gelösten Stoffen, die oxidierbar oder reduzierbar sind, mit Hilfe von Re
doxmediatoren in elektrochemischen Meßzellen.
Elektrochemische Meßzellen werden in breitem Umfang in der Stoffanalytik eingesetzt, wo
bei als wichtigste Meßprinzipien die Potentiometrie, Voltammetrie/Polarographie, Coulome
trie und Konduktometrie zu nennen sind. Die amperometrische Variante, die sich von der
Voltammetrie ableitet, nutzt als Meßsignal den elektrischen Strom bei einem vorgegebenen
Elektrodenpotential, der bei der Oxidation bzw. Reduktion des zu bestimmenden Stoffes
(Analyt) in einer elektrochemischen Meßzelle auftritt. Bei dieser Variante besteht ein direkter
linearer Zusammenhang zwischen dem Meßsignal und der Analytkonzentration bis in den
unteren mikromolaren Konzentrationsbereich hinein. Ein Beispiel hierfür ist der weit verbrei
tete Clark-Sensor zur Sauerstoffbestimmung [DE 28 51 447 C2, EP 0205399 A2,
M. L. Hitchman. Measurement of Dissolved Oxygen. John Wiley, 2. edition, 1978.]. Grund
sätzliche Voraussetzungen für die Anwendung der amperometrischen Methode sind die fol
genden Bedingungen: (i) Der Analyt muß unter den vorliegenden Bedingungen elektroche
misch aktiv sein, d. h. an der Meßelektrode oxidiert oder reduziert werden; (ii) die Elektroden
reaktionen müssen schnell ablaufen; (iii) die Elektrodenoberflächen dürfen durch den elektro
chemischen Prozeß oder andere Vorgänge in der Meßzelle nicht blockiert werden (keine Pas
sivierung oder Deckschichtbildung an den Elektroden). Nicht immer sind diese Voraussetzun
gen voll erfüllt, so daß unter Umständen ein reversibles Redoxpaar als Redoxinediator einge
setzt werden muß [US 3795589, US 5030334]. Der Redoxmediator reagiert in einer
schnellen homogenen Redoxreaktion mit dem Analyten vor der Elektrodenoberfläche, um
dann seinerseits durch eine elektrochemische Reduktion bzw. Oxidation regeneriert zu wer
den, d. h. die Elektronenübertragung in der Meßzelle erfolgt über den Redoxmediator. Solche
Meßzellen gestatten Messungen, die in Abwesenheit des Redoxmediators nur schlecht oder
gar nicht möglich wären. Ein Beispiel hierfür ist die amperometrische H2S-Bestimmung mit
Hilfe von Ferri-/Ferrocyanid als Redoxmediator [DE 196 37 253 A1, P. Jeroschewski,
M. Söllig, H. Berge: Amperometrische Bestimmung von Schwefelwasserstoff, Z. Chem. 28
(1988) 75]. Ein grundsätzliches Problem amperometrischer Meßzellen ist ihre Strömungsab
hängigkeit, die aus dem Analytverbrauch beim Meßvorgang resultiert. Zeitlich stabile Meßsi
gnale können nur erreicht werden, wenn durch Diffusionsbarrieren, z. B. in Form einer Kapillare
[UK 1571282, UK 2049952 A] oder durch Rühren bzw. Anströmen konstante
Transportverhältnisse an der Sensoroberfläche eingestellt werden. Bei bestimmten Meßaufga
ben lassen sich solche Verhältnisse jedoch nicht ohne weiteres realisieren, wie z. B. bei Mes
sungen mit einer hohen Ortsauflösung in Sedimenten oder Biofilmen. Durch Verwendung von
amperometrischen Mikrosensoren kann dieses Problem umgangen werden, da durch die sphä
rische Diffusion und die äußerst geringen Stoffumsätze Zehrungseffekte vernachlässigbar
klein sind und nicht mehr ins Gewicht fallen [P. Jeroschewski, C. Steuckart, M. Kühl: An
Amperometric Microsensor for the Determination of H2S in Aquatic Environments, Anal.
Chem. 68 (1996) 4351-4357]; jedoch sind die Meßströme unter diesen Bedingungen sehr
gering und liegen im Pikoamperebereich. Die Bestimmungsgrenze amperometrischer Mikro
sensoren liegt im mikromolaren Konzentrationsbereich. Sie ist durch den Aufbau der Meß
zelle (sehr geringe Elektrodenoberfläche) gegeben, der neben dem Gehalt des Analyten den
Umfang der elektrochemischen Reaktion bestimmt. Unterhalb des mikromolaren Konzentrati
onsbereiches ist der Umfang der elektrochemischen Reaktion so gering, daß sich das Meßsi
gnal nicht mehr signifikant vom Grundstrom der Meßzelle unterscheidet. Unter diesen Bedin
gungen sind keine sinnvollen Messungen mehr möglich. Eine Vergrößerung des Meßsignals
kann erreicht werden, wenn eine Vielzahl von parallel geschalteten Mikroelektroden zu einem
Array angeordnet wird [W. E. Morf, N. F. de Rooij: Sensors and Actuators B 44 (1997)
538-541], vorausgesetzt, der Abstand der Mikroelektroden ist ausreichend groß, um eine un
gestörte hemisphärische Diffusion zu gewährleisten. Unter diesen Bedingungen ergibt sich
das Meßsignal aus der Summe des Stromes an den einzelnen Mikroelektroden im Array. Al
lerdings addieren sich auch die Grundströme der einzelnen Mikroelektroden. Eine weitere
Möglichkeit zur wesentlichen Vergrößerung des Meßsignals besteht in der Nutzung des Re
doxrecyclingeffektes, der an interdigitalen Mikroelektrodenarrays [O. Niwa, M. Morita,
H. Tabei: Anal. Chem. 62 (1990) 447-452] oder in Kapillarspaltzellen mit Elektrodenabstän
den von wenigen Mikrometern [S. A. Brooks, R. T. Kennedy: J. Electroanal. Chem. 436
(1997) 27-34] in Gegenwart eines reversiblen Redoxpaares realisiert werden kann. Wegen des
sehr geringen Diffusionsweges erfolgt ein rascher Stoffaustausch der oxidierten und reduzier
ten Form des Redoxpaares zwischen den als Anode und Kathode geschalteten Mikroelektro
den (Feedback-Diffusion). Die Elektrodenpotentiale von Anode und Kathode müssen dabei
mit Hilfe einer Potentialkontrolle auf eine bestimmte Potentialdifferenz eingestellt werden,
die das gewünschte Redoxrecycling ermöglicht. Eine analytische Nutzung des Redoxrecy
clings zur Vergrößerung des Meßsignals und zur Verringerung der Bestimmungsgrenze ist auf
diese Weise unmittelbar möglich, wenn der Analyt selbst ein reversibles Redoxpaar bilden
kann [O. Niwa: Electroanalysis 7 (1995) 606-613 und J. Polonsky, M. Rievaj, D. Bustin:
Chem. Anal. (Warsaw) 42 (1997) 445-450).
Der Erfindung liegt das Problem zugrunde, daß bei Mikrosensoren - bedingt durch die äußerst
geringen Stoffumsätze - nur ein sehr geringer Meßstrom im Pikoamperebereich auftritt, des
sen zuverlässige Messung unter realen Meßbedingungen nicht trivial und ziemlich aufwendig
ist. Dadurch wird die Bestimmungsgrenze bei einer Konzentration von ca. 1 µmol/L erreicht.
Die elektrische Verstärkung des Meßstromes ist nicht sinnvoll, da er bei diesen sehr kleinen
Konzentrationen von einem störenden Grundstrom überlagert ist. Die Erhöhung des Meß
stromes durch eine Vielzahl von Mikroelektroden verbessert das Signal/Rauschverhältnis ge
genüber einer einzelnen Mikroelektrode nicht grundsätzlich, sondern verschiebt nur den Meß
bereich für das Stromsignal zu meßtechnisch besser beherrschbaren Werten. Die Vergröße
rung des Meßsignals durch ein Redoxrecycling setzt voraus, daß der Analyt selbst ein rever
sibles Redoxpaar bildet und die Elektrodenpotentiale der Meßelektroden kontrolliert werden.
Der direkte Kontakt der Meßlösung mit den Elektroden der Meßzelle kann leicht zu Störun
gen der elektrochemischen Reaktionen durch Komponenten der Matrix führen, wodurch die
Anwendung solcher Meßsysteme eingeschränkt ist oder vorhergehende Trennoperationen
erforderlich sind. Bildet der Analyt kein reversibles Redoxpaar, könnte man zur Nutzung des
Redoxrecyclingeffektes mit einem geeigneten Redoxmediator arbeiten; für kontinuierliche
Messungen müßte der Redoxmediator aber in definierter Weise ständig ausgetauscht werden.
Erfindungsgemäß werden die genannten Probleme durch die Merkmale des Anspruches 1
gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen ergeben sich aus den weiteren Ansprüchen.
Nach der Erfindung kommt ein Verfahren mit einer elektrochemischen Meßzelle und einer
Steuereinheit zur Anwendung. Die elektrochemische Meßzelle besteht aus interdigitalen Mi
kroelektroden bzw. Kapillarspaltelektroden als Arbeitselektroden, einer Schutzelektrode so
wie einer Gegenelektrode und enthält eine einheitliche Elektrolytlösung mit einem Redoxme
diator. Die Meßzelle besitzt Öffnungen im Mikrometerbereich, die mit einer für den Analyten
permeablen Membran gegenüber der Meßprobe verschlossen sind, um Matrixstörungen weit
gehend zu unterdrücken. Sie sind geometrisch so angeordnet, daß eine sphärische Diffusion
des Analyten an jeder einzelnen Öffnung ohne eine gegenseitige Beeinflussung gewährleistet
ist. Die Elektroden der Meßzelle werden mit Hilfe mehrerer Spannungsquellen aus der Steu
ereinheit in einer bestimmten zeitlichen Abfolge mit vorgegebenen Gleichspannungen ohne
eine äußere Potentialkontrolle polarisiert und dabei wird in bestimmten Zeitintervallen ein
Strom als Meßsignal registriert, der aus einer Reaktion des Analyten mit dem Redoxmediator
resultiert und der Analytkonzentration proportional ist. Daraus ergeben sich die Arbeitsmodi I
und II. Diese Meßanordnung gestattet einerseits die Nutzung der bereits beschriebenen Vor
teile amperometrischer Mikrosensoren mit Redoxmediator (Arbeitsmodus II), vermag aber
andererseits die Bestimmungsgrenze dieser Sensoren dadurch zu verringern, daß durch ein
zeitabhängiges Redoxcycling an dem interdigitalen Mikroelektrodenarray oder in der Kapil
larspaltzelle eine Signalvergrößerung erreicht wird (Arbeitsmodus I). Durch die Wahl des
Arbeitsmodus und des Zeitintervalls für das Redoxcycling kann die Meßeinrichtung den je
weiligen Erfordernissen in einem sehr großen Konzentrationsbereich angepaßt und die Be
stimmungsgrenze verringert werden. Im Arbeitsmodus I ergibt sich die Verringerung der Be
stimmungsgrenze aus dem Redoxcycling des Redoxmediators, was im Prinzip einer Verstär
kung des Meßstromes durch Feedbackdiffusion entspricht und durch Integration über die
Zeitdauer des Redoxrecyclingprozesses erreicht wird (Anreicherungseffekt). Liegt eine größe
re Analytkonzentration vor, schaltet die Meßeinrichtung automatisch in den Arbeitsmodus II
um und arbeitet als membranbedeckter amperometrischer Mikrosensor. Die Kombination von
Arbeitsmodus I und II gestattet quantitative Bestimmungen in einem sehr großen
dynamischen Konzentrationsbereich von fünf bis sechs Zehnerpotenzen mit einer einzigen
Meßeinrichtung. Die erreichbare Bestimmungsgrenze ist dabei sehr gut und liegt im nanomo
laren Bereich.
Im folgenden wird ein Ausführungsbeispiel des Meßprinzips der Erfindung beschrieben. In
der zugehörigen Zeichnung zeigen:
Fig. 1 eine Kapillarspaltelektrodenanordnung in Verbindung mit einer elektronischen Steuer
einrichtung
Fig. 2 die graphische Darstellung des zeitlichen Verlaufes von Meßparametern und Meßgrö
ßen und die entsprechende Zuordnung der Betriebszustände der Meßanordnung für
verschiedene Konzentrationen.
In Fig. 1 sind die Meßzelle und Steuereinrichtung nur in ihrer prinzipiellen Anordnung darge
stellt: Die elektrochemische Kapillarspaltzelle 1 enthält zwei parallel angeordnete Elektroden
2 und 3, deren Abstand nur wenige Mikrometer und deren Dicke groß gegenüber ihrem Ab
stand ist. Sie sind nach außen mit einer für neutrale Moleküle durchlässigen Schicht 4 (z. B.
Silikongummi oder hydrophobe mikroporöse PTFE-Membran) bedeckt, wodurch der Spalt 5
zwischen den Elektroden gegenüber dem Meßmedium verschlossen wird. An dieser Stelle
erfolgt der Eintritt des Analyten in die Meßzelle. Die Unterseiten der Elektroden 2 und 3 im
Inneren der Meßzelle sind mit einer isolierenden Schicht 6 versehen, so daß nur die Flächen in
dem Kapillarspalt 5 elektrochemisch aktiv sind. Weiterhin befinden sich in der Meßzelle eine
Schutzelektrode 7 und eine Gegenelektrode 8 sowie eine Elektrolytlösung 9, in der ein Re
doxmediator gelöst ist. Der Kapillarspalt 5 ist mit der redoxmediatorhaltigen Elektrolytlösung
9 gefüllt.
Die Steuereinheit 10 umfaßt zwei regelbare Gleichspannungsquellen 11 und 12 zur Polarisati
on der Elektroden und eine Zeitsteuerung 16, die die Zeitabfolge der Elektrodenpolarisation
und der Messung der Ströme II und III über die Schalter 13, 14 und 15 steuert.
Fig. 2 zeigt die graphische Darstellung des zeitlichen Verlaufes von Meßparametern und
Meßgrößen und die entsprechende Zuordnung der Betriebszustände der Meßanordnung für
verschiedene Konzentrationen. Während der Meßphase t1 befinden sich Schalter 13 in ge
schlossenem, Schalter 14 und 15 in offenem Zustand. Damit ist die Spannung 11 an den Ar
beitselektroden 2 und 3 wirksam. Wenn zur Zeit t1ca = 0 (ca = Analytkonzentration) ist und
damit nur die eine Form des Redoxmediators im Spalt 5 vorliegt, findet zwischen den Arbeit
selektroden 2 und 3 kein Redoxcycling statt und das Instrument II registriert keinen Strom
fluß.
Wird nun während des Zeittaktes t2 die Rückstellphase betrieben, die durch Öffnen des
Schalters 13 und gleichzeitiges Schließen der Schalter 14 und 15 gekennzeichnet ist, wird die
Spannung 11 an den Arbeitselektroden 2 und 3 unwirksam. Da im Spalt 5 wegen ca = 0 keine
Umwandlung des Redoxmediators erfolgte, wird auch kein Strom IK auftreten.
In der Meßphase t3, die wiederum durch den geschlossenen Schalter 13 und die geöffneten
Schalter 14 und 15 gekennzeichnet ist, wird für den Fall 0 < ca < cmax durch Übergang des
Analyten in den Spalt 5 und Reaktion mit dem Redoxmediator ein Redoxcycling im Spalt 5
ablaufen, dessen Umfang mit der Analytmenge, die in den Spalt 5 eintritt, zunimmt. Meßbares
Ergebnis ist ein mit der Zeit ansteigender Strom II, dessen Höchstwert am Ende der Phase t3
ein Maß für die Analytkonzentration ist.
Seine Größe ist von dem aktuellen Konzentrationsverhältnis der oxidierten zur reduzierten
Form des Redoxmediators c(Ox)/c(Red) der Redoxmediatorkomponenten Ox und Red abhän
gig. Dieses Konzentrationsverhältnis wird durch die chemische Reaktion des Analyten mit
einer Komponente des Redoxmediators bestimmt, so daß der Strom II das konzentrationspro
portionale Meßsignal darstellt. Gleichzeitig liegt an der Schutzelektrode 7 und an der Ge
genelektrode 8 die Gleichspannung 12, wodurch störende Komponenten aus dem Inneren der
Elektrolytlösung an der Schutzelektrode elektrochemisch umgewandelt werden und damit
keinen Einfluß auf das Konzentrationsverhältnis der oxidierten zur reduzierten Form des Re
doxmediators c(Ox)/c(Red) im Elektrodenspalt 5 ausüben können.
Für fortlaufende Messungen ist nach einem bestimmten Zeitintervall eine Rückstellung des
Konzentrationsverhältnisses c(Ox)/c(Red) auf einen vorgegebenen Ausgangswert erforderlich.
Die Rückstellphase t4 wird durch Öffnen von Schalter 13 und Schließen von Schalter 14 und
15 realisiert. In der Rückstellphase werden beide Arbeitselektroden 2 und 3 sowie die
Schutzelektrode 7 durch die Spannung 12 auf ein Elektrodenpotential polarisiert, bei dem der
Redoxmediatoranteil, der sich durch die Reaktion mit dem Analyten gebildet hat, wieder zu
rück verwandelt wird, so daß im Spalt 5 wieder die Konzentrationsverhältnisse des Redoxme
diators wie zu Beginn der Meßphase t3 vorliegen. In der Rückstellphase dient der Strom IK zur
Überwachung der Meßeinrichtung. Er kann aber auch prinzipiell für eine Meßwertgewinnung
genutzt werden, da die während der Meßphase umgewandelte Menge des Redoxmediators
proportional zur Analytkonzentration ist.
In der Meßphase t5, bei der die Schalterpositionen wie in den vorausgegangenen Meßphasen
sind, ist der Fall dargestellt, daß die Analytkonzentration ca den Wert Cmax annimmt und der
Meßstrom II zum Ende der Periode von t5 einen bestimmten Schwellwert IIS erreicht. Der
Schwellwert IIS wird so gewählt, daß das Stromsignal noch im linearen Bereich der Strom-
Konzentrations-Beziehung liegt. Das Erreichen des Schwellwertes IIS wird von der Steuerein
heit 10 ausgewertet und die sich anschließende Rückstellphase t6 mit den Schalterstellungen
wie in den vorangegangenen Rückstellphasen ausgeführt. Anschließend wird das Meßsystem
durch die Steuereinheit 10 in den Arbeitsmodus II umgeschaltet, um Messungen bei größeren
Analytkonzentrationen ca ≧ cmax durchführen zu können. Im Arbeitsmodus II wird die Meß
zelle als amperometrischer Mikrosensor mit Redoxmediator genutzt.
Dieser Modus II ist durch den offenen Schalter 13 und die geschlossenen Schalter 14 und 15
gekennzeichnet. Das konzentrationsproportionale Meßsignal ist dann der Strom III, der aus der
elektrochemischen Oxidation bzw. Reduktion einer Komponente des Redoxmediators, die
sich durch eine homogene Redoxreaktion des Mediators mit dem Analyten gebildet hat, an
beiden Elektroden 2 und 3 des Kapillarspaltes 5 resultiert. Hierbei tritt kein Redoxcycling auf.
Der Arbeitsmodus II hat Bedeutung für höhere Analytkonzentrationen. Sinkt die Analytkon
zentration und erreicht der Strom III einen unteren Schwellwert IIIS, so schaltet die Steuerein
heit 10 die Meßeinrichtung wieder in den Arbeitsmodus I zurück. Zweckmäßigerweise wird
der Übergang vom Arbeitsmodus I in den Modus II und umgekehrt mit Hysterese ausgeführt,
um instabile Betriebszustände, die sich an der Umschaltgrenze ergeben könnten, zu vermei
den. Damit paßt sich die Meßeinrichtung den jeweiligen Konzentrationsverhältnissen optimal
an.
Claims (6)
1. Verfahren zur Bestimmung redoxaktiver Stoffe durch eine Redoxaktion eines Analyten
mit einer Komponente eines Redoxmediators in membranbedeckten, ungeteilten elektro
chemischen Meßzellen (1) mit Arbeits-, Schutz- und Gegenelektroden (2, 3, 7, 8), wobei
in einem Arbeitsmodus I für sehr geringe Analytkonzentrationen aus einem durch den
Analyten ausgelösten Redoxcyclingsprozeß des Redoxmediators an mehreren in großer
räumlicher Nähe zueinander befindenden als Anode und Kathode geschalteten Arbeitse
lektroden (2, 3) und in einem Arbeitsmodus II für höhere Analytkonzentrationen aus der
elektrochemischen Rückreaktion der durch den Analyten umgewandelten Redoxmediator
komponente an als Anode oder Kathode geschalteten Arbeitselektroden (2, 3) ein konzen
trationsproportionales Stromsignal ergibt.
2. Verfahren nach Patentanspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß durch eine Steuereinheit
(10) nach einem variabel vorwählbaren Zeitregime die Polarisationsspannungen für die
Elektroden in der Meßzelle (1) bereitgestellt und die Stromsignale erfaßt werden und daß
abhängig von der Analytkonzentration der Arbeitsmodus I mit einer Meß- und einer
Rückstellphase und der Arbeitsmodus II automatisch gewählt werden.
3. Verfahren nach Patentanspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß in dem Arbeitsmo
dus I durch Eintritt eines Analyten in die Meßzelle (1) in einer zeitlich variablen Meßpha
se zwischen den als Anode und Kathode geschalteten Arbeitselektroden (2, 3) ein Redox
cycling stattfindet, dessen Umfang mit der in die Meßzelle (1) eintretenden Analytmenge
zunimmt und sich damit bezüglich der Meßgröße ein Anreicherungseffekt mit einer Si
gnalverstärkung ergibt und in einer sich an die Meßphase anschließenden, zeitlich varia
blen Rückstellphase das Konzentrationsverhältnis c(Ox)/c(Red) des Redoxmediators
durch Anlegen einer Gleichspannung (U12) an die Arbeits- und Schutzelektroden einer
seits und die Gegenelektroden andererseits auf einen Ausgangswert zurückgestellt wird.
4. Verfahren nach Patentanspruch 1, 2 und 3, dadurch gekennzeichnet, daß der aus dem Re
doxcycling resultierende Strom (II), vorzugsweise am Ende der Meßphase oder die
Strommenge in der Rückstellphase als konzentrationsproportionale Größen gemessen
werden.
5. Verfahren nach Patentanspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß im Arbeitsmodus II
die Meßzelle (1) als bekannter amperometrischer Sensor mit Schutzelektrode und Redox
mediator arbeitet.
6. Verfahren nach Patentanspruch 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Arbeitsmodus II
durch die Steuereinheit (10) in Abhängigkeit vorwählbarer Stromschwellwerte automa
tisch eingeschaltet oder ausgeschaltet wird und damit ein sehr großer dynamischer Be
stimmungsbereich realisiert wird.
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