-
Lautsprecheranordnung für wahlweise einkanalige oder mehrkanalige
stereophonische Wiedergabe in Kinotheatern od. dgl. Die Erfindung betrifft eine
Lautsprecheranordnung für wahlweise einkanalige oder mehrkanalige stereophonische
Wiedergabe mit Unterscheidung nach Mittenschall und Seitenschall in Kinotheatern
od. dgl., bei der wenigstens drei mit seitlichem Abstand nebeneinander angeordnete
und im wesentlichen in gleicher Richtung in den Wiedergaberaum strahlende Lautsprecher
oder Lautsprecherkombinationen (Mittenlautsprecher und Seitenlautsprecher) vorgesehen
sind.
-
Bei der bekannten stereophonischen Schallübertragung sind mehrere
Mikrophone in Abständen voneinander vorgesehen, deren Signale auf in ähnlicher Weise
angeordnete Lautsprecher übertragen werden. Im allgemeinen werden hierbei zwei oder
drei Übertragungskanäle benutzt, welche jeweils einen Lautsprecher bzw. eine Lautsprechergruppe
speisen, und der Höhrer kann dabei die Lage oder eine Bewegung der Schallquelle
gegenüber den Mikrophonen gehörmäßig feststellen. Derartige Verfahren sind in der
Literatur mit A-B-Stereophonie bezeichnet.
-
Bei einem anderen bekannten Verfahren zur stereophonischen Wiedergabe
dient auf der Aufnahmeseite zur Erfassung des sogenannten Mittenschalles ein nach
vorn, d. h. in Richtung der Schallquelle gerichtetes Mikrophon mit nierenförmiger
Richtcharakteristik, während für den Seitenschall ein quer dazu in unmittelbarer
Nähe, z. B. über dem erstgenannten angeordnetes Mikrophon mit achtförmiger Richtcharakteristik
benutzt wird. Entsprechend verwendet man auf der Wiedergabeseite für die Abstrahlung
des Mittenschalles einen nach vorn, d. h. in Richtung auf den Hörer gerichteten
Lautsprecher, und der Seitenschall wird durch einen quer dazu angeordneten zweiten
Lautsprecher wiedergegeben. Hierbei wird also nicht wie bei dem erstgenannten Verfahren
zwischen dem von links und rechts kommenden Schall unterschieden, sondern es wird
eine Unterscheidung zwischen dem direkten Schall, dem sogenannten Mittenschall,
und dem von der Seite infolge Reflexion, Beugung usw, einfallenden Schall getroffen.
Dieses stereophonische Übertragungsverfahren wird auch zur Abkürzung mit M-S-Stereophonie
bezeichnet. Man kann bekanntlich nach diesem Prinzip auch pseudostereophonische
Wirkungen durch eine einkanalige Übertragung erzielen, und zwar wird hierfür- der
obenerwähnte Frontlautsprecher direkt an den einzigen Tonkanal angeschlossen, während
der Querlautsprecher mit Verzögerung über ein Schallverzögerungsorgan vom gleichen
Tonkanal gespeist wird. Andererseits ist es bekannt, mittels Differentialübertrager
eine stereophonische Mittenschall-Seitenschall-Übertragung über zwei nebeneinander
angeordnete, auf den Hörer gerichtete Lautsprecher wiederzugeben.
-
Meist sind in Kinotheatern od. dgl. bereits verhältnismäßig kostspielige
Wiedergabelautsprecher oder Lautsprecherkombinationen für Einkanalwiedergabe vorhanden
oder eine stereophonische Wiedergabeeinrichtung der zuerst erwähnten Art (A-B-Stereophonie)
mit drei nebeneinander angeordneten Lautsprechern, so daß für ein Stereophoniesystem
mit Unterscheidung nach Mitten- und Seitenschall (M-S-System) zusätzlich weitere
Lautsprecher in der obenerwähnten bekannten Anordnung vorgesehen werden müssen.
Es ist bekannt, bei einkanaliger Wiedergabe zumindest einen Teil der Stereolautsprecher
abzuschalten, da andernfalls störende Laufzeiteffekte auftreten.
-
In Räumen mit elektroakustischen Wiedergabeanlagen, insbesondere in
Tonfilmtheatern, besteht jedoch das Bedürfnis, wahlweise einkanalige und mehrkanalige
Tondarbietungen vorzuführen, ohne daß kostspielige Umbauten an den Lautsprechern
erforderlich werden. Dies zu ermöglichen, ist Aufgabe der Erfindung. Zur Lösung
dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß vorgeschlagen, daß bei stereophonischer Wiedergabe
der Mittenlautsprecher mit dem vom auf die Schallquelle gerichteten Mikrophon gespeisten
Kanal und die Seitenlautsprecher unter sich zusammengeschaltet mit dein vom Mikrophon
für den Raumschall gespeisten Kanal verbunden sind und daß bei einkanaliger Übertragung
der Mittenlautsprecher direkt mit dem einzigen Tonkanal verbunden ist, während die
unter sich zusammengeschalteten Seitenlautsprecher mit über ein Schallverzögerungsglied
bewirkter Verzögerung vom gleichen Tonkanal gespeist werden.
-
Man kann den Erfindungsgedanken auch in Verbindung mit einer Differentialschaltung
verwirklichen,
wie sie an sich für diese Zwecke bereits benutzt
worden ist. Diese Differentialschaltung wird eingangsseitig mit dem Mittenschall-
und dem Seitenschallkanal verbunden. An die Ausgänge der Differentialschaltung werden
die Seitenlautsprecher angeschlossen und. der Mittenlautsprecher wird"geg-ebenenfalls-
über Regel= glieder, an den Mittenschallkanal angeschaltet.
-
Der Erfindungsgedanke ist nicht auf die Direktübertragung vom Aufnahmeort
zum Wiedergaberaum beschränkt, er kommt vielmehr in gleicher Weise auch für ein-
oder mehrspurige Tonaufzeichnungen auf Tonträgern in Betracht. Hierfür eignen sich
Lichttonaufzeichnungen und Magnetogrammaufzeichnungen auf Filmen oder Bändern sowie
Schallplatten. Bei Schallplatten kann die mehrkanalige Mittenschall-Seitenschall-Aufzeichnung
in an sich bekannter Weise in Tiefen- und Seitenschrift in eine Rille geschrieben
werden. Bei Verwendung derartiger Aufzeichnungen wird die Wiedergabelaütsprecheranordnung
über übliche Verstärker od. dgl. an die entsprechenden Abtastgeräte, nämlich Lichttongeräte,
Magnettongeräte bzw. Schallplattentonabnehmer, angeschlossen.
-
Um mit der Wiedergabelautsprecheranordnung auch eine mehrkanalige
Wiedergabe nach der gebräuchlichen Methode mit mehreren räumlich voneinander entfernten
Mikrophonen (A-B-Stereophonie) machen zu können, sind der Mittenlautsprecher und
die Seitenlautsprecher auch getrennt an eine mehrkanalige stereophonische Übertragungsanlage
bzw. an eine Abtasteinrichtung für mehrkanalige-Tonaufzeichnungen anschließbar.
Für wahlweises Arbeiten nach verschiedenen Tonübertragungsverfahren bei entsprechender
Anpassung wird zweckmäßig eine Umschaltvorrichtung vorgesehen, um die Seitenlautsprecher
wahlweise untereinander zu verbinden und mit dem Mittenlautsprecher auf die Mittenschall-Seitenschall-Kanäle
bzw. einen einzigen Tonkanal mit Schaliverzögerungsorgan zu schalten oder getrennt
mit den einzelnen Stereokanälen (z. B. links, rechts, Mitte) einer Mehrkanalanlage
zu verbinden. Selbstverständlich können mit einer solchen Umschalteinrichtung sämtliche
Lautsprecher für die übliche Einkanalwiedergabe auch zusammengeschaltet werden.
-
Verschiedene Ausführungsbeispiele des Erfindungsgedankens sind an
Hand von Zeichnungen näher erläutert, und zwar zeigen Fig. 1 bis 4 stark vereinfachte
Prinzipschaltbilder und Fig. 5 eine detailliertere Schaltung für ein Kinotheater
od. dgl.
-
In Fig. 1 ist die Anwendung der erfindungsgemäßen Wiedergabelautsprecheranordnung
auf eine zweikanalige Mitten-Seitenschall-Übertragung dargestellt. Im Wiedergaberaum
sind ein Minenlautsprecher L", und Seitenlautsprecher L,. und L1 mit seitlichem
Abstand nebeneinander angeordnet. Sämtliche Lautsprecher strahlen im wesentlichen
in gleicher Richtung frontal ab, im Gegensatz zu dem bisher bei diesem Stereophonieverfahren
(M-S-Stereophonie) verwendeten Querlautsprecher. Aufnahmeseitig ist ein Mikrophon
AI" mit nierenförmiger Richtcharakteristik R" vorgesehen, das den Mittenschall der
Klangdarbietung aufnimmt. Quer dazu steht ein Mikrophon Ma mit achtförmiger Richtcharakteristik
Ra für die Aufnahme des Seitenschalles. Das Nieren-Mikrophon M" speist den Kanal
M und das Acht-Mikrophon Ma den Kanal S. In die Kanäle sind übliche Verstärker
V eingeschaltet. Der Mittenlautsprecher L", ist an den Kanal M angeschlossen, und
die Seitenlautsprecher L,. und L, sind unter sich zusammengeschaltet und mit dem
Kanal S verbunden. Sie ersetzen damit den bisher für die Abstrahlung des Seitenschalles
verwendeten Querlautsprecher.
-
Fig. 2 zeigt die Anwendung auf einkanalige Übertragung für die pseudostereophonische
Wiedergabe. Der einzige. -Übertragungskanal M wird beispielsweise durch ein Mikrophon
M" mit nierenförmiger Richtcharakteristik gespeist, und am Ausgang des Kanals liegt
der Mittenlautsprecher L,". Die Seitenlautsprecher LT und ZZ sind wiederum zusammengeschaltet
und über ein Schallverzögerungsorgan 1,T mit dem gleichen Übertragungskanal M verbunden.
Die Seitenlautsprecher werden infolgedessen mit Verzögerung gespeist und strahlen
den Seitenschall gegenüber dem Schall des Mittenlautsprechers Lm verzögert ab. Als
Verzögerungsorgan N kann beispielsweise eine sogenannte Nachhaliplatte mit Biegeschwingungen
nach Kuh l verwendet werden.
-
Fig. 3 zeigt die Anwendung auf mehrkanalige Mittenschall-Seitenschall-Übertragung
mit Differentialschaltung, die aus einem Differentialübertrager DU
und einem
im mittleren Zweig der Differentialschaltung liegenden Übertrager Ü besteht. Aufnahmeseitig
wird die gleiche Mikrophonanordnung wie bei Fig. 1 verwendet, und das Nierenmikrophon
M" speist den Mittenkanal M, dessen Ausgang mit dem Eingang des Differential-Übertragers
DU verbunden ist, während das Acht-Mikrophon Ma auf den KanatS arbeitet,
dessen Ausgang am Eingang des Übertragers U liegt. Die Seitenlautsprecher L,. und
Lt sind an die Ausgänge der Differentialschaltung angeschlossen, während der Mittenlautsprecher
Lm über ein RegelgliedP direkt an den Kanal M angeschaltet ist. Auf Grund
der Wirkung der Differentialschaltung, in der die nierenförmige Richtcharakteristik
R" und die achtförmige Richtcharakteristik Rd der Aufnahmemikrophone phasenrichtig
zusammengesetzt werden, wird mit Hilfe der Seitenlautsprecher L,. und L1 hierbei
eine Stereowiedergabe erzielt, bei der eine Lokalisation der scheinbaren Schallquelle
auf der linken oder rechten Seite möglich ist (A-B-Stereophonie). Der Mittenlautsprecher
L," verbessert diese Wiedergabe bei richtiger Amplitudeneinstellung im Verhältnis
zur Schallabstrahlung der Seitenlautsprecher, und zwar kann diese Amplitudeneinstellung
am Regelglied P vorgenommen werden.
-
Fi. 4 zeigt die Schaltung der Wiedergabelautsprecheranordnung für
normale Mehrkanalstereophonie mit beispielsweise drei getrennten Übertragungskanälen
A, B, C. Aufnahmeseitig liegt am Kanal A ein rechtes Mikrophon M,.,
am Kanal B ein mittleres Mikrophon dm und am Kanal C ein linkes Mikrophon Ml. Die
Wiedergabelautsprecher sind in entsprechender Weise getrennt an die Kanäle
A, B, C angeschlossen. Diese Schaltung für Mehrkanalstereophonie ist an sich
bekannt, und sie ist hier angeführt, um zu zeigen, daß die Wiedergabeanordnung nach
der Erfindung im Bedarsfalle auch hierfür verwendet werden kann. Es ist zweckmäßig,
eine Theater- oder Kinoanlage für den wahlweisen Betrieb nach den Schaltungen nach
Fig. 1 bis 4 oder wenigstens nach einem Teil dieser Schaltungen einzurichten. Durch
ein einfaches Umlegen eines Schalters ist erreichbar, daß man schnell von einer
der Schaltungen nach Fig.1 bis 4 auf eine andere übergehen kann.
-
Bei der Ausführungsform nach Fig. 5 sind der Mittenlautsprecher L",
und die Seitenlautsprecher Lt und L,. in einem Kinosaal K hinter einer Bildwand
W aufgestellt, auf die das Filmbild mit Hilfe eines Filmprojektors F projiziert
wird. Die Lautsprecher besitzen
auch hier einen seitlichen Abstand
und strahlen im wesentlichen in gleicher Richtung nach hinten in den Wiedergaberaum
auf die Sitzplätze Sa und können gegebenenfalls leicht gegeneinander gewinkelt oder
teilweise nach innen oder außen gedreht sein. In den einzelnen Lautsprecherleitungen
liegen Endverstärker EI, E,", E,.. An den Filmprojektor F ist ein Tonabtastgerät
G für mehrspurige Filme angebaut, und die Tonspannungen der einzelnen Abtastorgane
dieses Gerätes, das in diesem Falle als Dreispurgerät ausgebildet ist, werden in
Vorverstärkern V" h,", T, verstärkt. Für die Wiedergabe ist bei diesem Ausführungsbeispiel
ferner ein Schallplattenspieler benutzt, dessen Tonabnehmer T über einen Vorverstärker
V" mit dem Kanal M verbunden ist. Über ein Schallverzögerungsorgan in Form einer
Nachhallplatte N od. dgl. ist der Kanal S an den gleichen Ausgang des Tonabnehmers
T bzw. des Vorverstärkers Y" angeschlossen. Ein Umschalter Ui mit Schaltkontakten
r, m, L dient zum Umschalten der Lautsprecheranordnung auf verschiedene Betriebsarten
nach Prinzipschaltung gemäß Fig. 1 bis 4. Befinden sich die Schaltkontakte
r, m, 1, wie gezeigt, in ihrer rechten Schaltstellung, so ist der Endverstärker
E," mit dem Mittenlautsprecher L", auf den Kanal M, d. h. direkt an den Tonabnehmer
T geschaltet, während die Endverstärker EI und E,. mit den Seitenlautsprechern
Lt und L, unter sich zusammengeschaltet und mit dem Kanal S, d. h. dem Ausgang des
Nachhallorgans N, verbunden werden. In dieser Schaltstellung des Umschalters Ui
wird einkanalige Mittenschall-Seitenschall-Wiedergabe mit pseudostereophonischer
Wirkung im Sinne des Schaltbildes nach Fig. 2 ermöglicht. Mit Hilfe eines zweiten
Umschalters U2 kann mehrkanalige Mittenschall-Seitenschall-Wiedergabe nach Schaltbild
Fig. 1 durchgeführt werden, und zwar wird hierfür der Schaltkontakt des Umschalters
U2 von der Stellung a auf die Stellung b umgelegt und dadurch der Kanal S
mit einem zweiten Ausgang des Tonabnehmers T bzw. einem nachgeschalteten Vorverstärker
Tlb verbunden. Dieser Ausgang gehört beispielsweise zu einem zweiten System des
Tonabnehmers T, welches auf Tiefenschrift anspricht, während der erste Ausgang des
Tonabnehmers T, welcher am Kanal M liegt, einem Tönabnehmersystem für Seitenschrift
zugeordnet ist. Bei der zugehörigen Schallplatte ist die Tonspannung des Kanals
M in Seitenschrift und die Tonspannung des Kanals S in Tiefenschrift in die gleiche
Tonrille geschrieben.
-
Durch Umlegen der Schaltkontakte r, m, l des Umschalters
Ui in die gestrichelt gezeigte linke Stellung werden die Endverstärker
EI, E,", E,. mit den Lautsprechern L1, L,", L,. getrennt auf die einzelnen
Abtastorgane des mehrspurigen Tonabtastgerätes G geschaltet, und man erzielt dann
eine stereophonische Wiedergabe im Sinne des Schaltbildes Fig. 4. Die gezeigte Schaltung
kann noch durch eine Differentialschaltung nach Fig. 3 ergänzt werden, und die Umschaltvorrichtung
wird hierfür sinngemäß so vervollkommnet, daß man außer den dargestellten Betriebsmöglichkeiten
auch noch die Schaltung nach Fig.3 durch einfaches Umlegen eines Schalters herstellen
kann. Beim Umschalten werden zweckmäßig die Anpassungsverhältnisse zwischen Verstärkern
und Lautsprechern bzw. zwischen den Tonabtastern und Verstärkern selbsttätig mitverändert,
so daß immer die richtigen Anpassungsverhältnisse herrschen. Hierfür sind in den
dargestellten Schaltbildern Anpassungsübertrager an den Lautsprechern od. dgl. an
üblicher Stelle vorgesehen, die nicht eingezeichnet sind. Diese Übertrager werden
beim Umschalten auf verschiedene Betriebsarten sinngemäß mit umgeschaltet.