DE1071298B - Verfahren und Vorrichtung zur Erhöhung der mechanischen Festigkeit von Hohlkörpern aus Glas - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Erhöhung der mechanischen Festigkeit von Hohlkörpern aus GlasInfo
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Description
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DEUTSCHES MfWf^ PATENTAMT
kl. 32 a 30
INTERNAT. KL. C 03
C 17281 IVc/32 a
ANMELDETAG: 3 0. JULI 1958
BEKANNTMACHUNG
DER ANMELDUNG
UND AUSGABE DER
AUSLEGESCHRIFT: 17. DEZEMBER 1959
DER ANMELDUNG
UND AUSGABE DER
AUSLEGESCHRIFT: 17. DEZEMBER 1959
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Herstellen von dünnwandigen Hohlkörpern
aus Glas, insbesondere von solchen Hohlkörpern, die im Preß-Blasverfahren oder im Blas-Blasverfahren
hergestellt werden.
Die Erfindung betrifft insbesondere die Herstellung dünnwandiger Hohlkörper, wie z. B. Flaschen, Pokale,
Becher u. dgl., wobei die Wandstärke dieser Hohlkör per verhältnismäßig gering ist. Die nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren hergestellten Hohlkörper haben bei geringem Gewicht eine verhältnismäßig
große mechanische Festigkeit, insbesondere gegen Schlag und Druck von innen.
Diese Hohlkörper, auf die das erfindungsgemäße Verfahren angewandt wird, können durch Härtung in ihrer
mechanischen Festigkeit nur wenig verbessert werden.
Durch das erfindungsgemäße Verfahren wird die vorgeformte Wand des Gefäßes in einer ersten Verfahrensitufe
auf eineTemperatur gebracht, bei der die Viskosität des Glases kleiner als 109 Poise ist, worauf dann
durch eine Kühlung der Außenfläche des Gefäßes ein wesentlicher Sprung der Viskosität zwischen den Oberflächen
der Wand erzeugt wird, wobei der Mittelwert der Viskosität zwischen 109 und 1012 Poise liegt. In
einer zweiten Verfahrensstufe bringt man im Inneren des Hohlkörpers so lange ein Druckgas zur Wirkung,
dessen Temperatur gleich oder höher als die Temperatur der Wand des Hohlkörpers ist, bis die Außenfläche
nahezu ihre endgültige Form erhalten hat. Schließlich wird in einer dritten Verfahrensstufe die Außenfläche
rasch gekühlt, wodurch sich die Wand des Hohlkörpers verfestigt, während in der Dicke der Wand ein beachtlicher
Gradient der Geschwindigkeit der durch Ausdehnung bedingten viskosen Deformation vorhanden
ist.
Es wurde bereits vorgeschlagen, Hohlkörper so herzustellen, daß die vorgeformte Wand des Hohlkörpers
auf eine erhöhte Temperatur gebracht und dann die Außenfläche dieser Wand von außen gekühlt wurde. In
diesem Fall wird die Kühlung jedoch auf einen Hohlkörper ausgeübt, dessen Wand nicht im Zustand
einer durch Ausdehnung bedingten viskosen Deformation ist.
In dem oben angegebenen Viskositätsbereich ist der Temperaturkoeffizient der Viskosität sehr groß. Die
Änderung der Viskosität in Abhängigkeit von der Temperatur ist unter etwa 108 Poise und über 1013 Poise
verhältnismäßig gering, während die Änderung zwischen diesen angegebenen Werten wesentlich rascher
erfolgt. In diesem Viskositätsbereich erhält man also einen verhältnismäßig großen Viskositätsunterschied
zwischen Außen- und Innenfläche des Gefäßes bei vorgegebenem Temperaturunterschied. Infolgedessen sind
die Unterschiede der Geschwindigkeiten der viskosen Verfahren und Vorrichtung
zur Erhöhung der mechanischen Festigkeit
von Hohlkörpern aus Glas
Anmelder:
Compagnies Reunies des Glaces et Verres
Speciaux du Nord de la France,
Paris
Vertreter:
Dr. F. Zumstein, Dipl.-Chem. Dr. rer. nat. E. Ässmann
und Dipl.-Chem. Dr. R. Koenigsberger, Patentanwälte,
München 2, Bräuhausstr. 4
Beanspruchte Priorität: Frankreich vom 30. Juli 1957
Bernard Long, Paris, ist als Erfinder genannt worden
Deformation infolge des im Inneren des Hohlkörpers wirkenden Gasdruckes sehr groß.
Die Hohlgläser, wie sie bisher hergestellt wurden, haben bekanntlich bei gleichen Temperaturen nicht die
gleichen Viskositätswerte. Bei Kalk-Natron-Gläsern z. B. liegen die Temperaturen, die einer Vikosität von
109 Poise entsprechen, etwa zwischen 620 und 670° C, je nach der Zusammensetzung, während einer Viskosität
von 1012 Poise Temperaturen zwischen etwa 550
und 600° C entsprechen. Bei anderen Glassorten entsprechen
diesen Viskositäten andere Temperaturen.
Wenn nun der Innenraum des Hohlkörpers plötzlich unter Druck gesetzt wird, dann tritt zunächst eine elastische
Deformation auf, und erst nach dem Abklingen dieser elastischen Deformation erfolgt eine rein viskose
Deformation. .·
Die Temperatur des Gases, das auf die Innenfläche der Gefäßwand wirkt, muß gleich oder größer sein als
die Temperatur dieser Innenfläche. Wäre die Temperatur des Druckgases geringer, dann würde in dieser Gefäßwand
in einem gewissen Abstand von der Innenfläche dieser Wand eine Schicht mit einer maximalen
Temperatur entstehen. Als Folge davon würde in der
9TO 689/147
Gefäßwand eine Glasschicht entstehen, die relativ zu den anderen Schichten gedehnt ist und die Festigkeit
der Wand schwächen würde.
Dem erfindungsgemäßen Verfahren liegt das Prinzip zugrunde, daß die viskose Fließgeschwindigkeit in der
Gefäßwand bei der \rerformung kontinuierlich von der
Innenfläche der Gefäßwand bis zur Außenfläche hin abnimmt. Das Gefälle der viskosen Fließgeschwindigkeit,
das überall die gleiche Richtung hat, ist dabei ziemlich stark. Während der viskosen Deformation steht die Gefäßwand
unter tangentialer Ausdehnung- bzw. Zugspannung, und diese Spannungen sind um so größer, je
höher das Geschwindigkeitsgefälle ist.
Bei der schnellen Erstarrung des Glases kehren sich, was in der Glastechnik allgemein bekannt ist. diese
Spannungen um. Nach der Erstarrung steht daher die Gefäßwand bei der Temperatur der Umgebung unter
einer tangentialen Druckspannung.
Die Entspannung wird während der Abkühlung geringer, wenn die Abkühlungsgeschwindigkeit höher ist.
Bei sonst gleichen Verhältnissen sind daher die endgültigen Spannungen um so größer, je schneller die Abkühlungsgeschwindigkeit
während des Erstarrungsvorganges ist.
Die Stärke der tangentialen Druckspannungen in der Gefäßwand hängt also von dem Gefälle der Viskosität
in der Gefäßwand ab, das während der Deformation vorhanden ist, sowie von der Erstarrungsgeschwindigkeit
der Gefäßwand.
Die schnelle Erstarrung der Wand während der dritten Stufe des Verfahrens darf jedoch nicht mit der Härtung
des Glases verwechselt werden. Die Härtung des Glases erkennt man an folgenden Merkmalen:
a) vor der raschen Abkühlung hat der zu härtende Gegenstand
in seiner ganzen Dicke die gleiche Temperatur oder wenn die Temperatur nicht ganz
gleichförmig ist, dann haben die Oberflächenschichten des Gegenstandes eine etwas höhere Temperatur,
b) die rasche Abkühlung erfolgt symmetrisch an den beiden Oberflächen des Gegenstandes.
Außerdem treten beim üblichen Härten, abgesehen von der Schwerkraft, keine äußeren Kräfte auf, während
beim erfindungsgemäßen \rerfahren während des
Erstarrens des Hohlkörpers ein starker Druck auf die Innenfläche dieses Körpers ausgeübt wird.
Aus den obigen Ausführungen ergibt sich also eindeutig, daß es sich bei dem Erstarrungsvorgang, wie er
gemäß der Erfindung vorgesehen ist, keinesfalls um eine Härtung handelt.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann auf Hohlkörper angewandt werden, die eine vorläufige Form haben,
die der endgültigen Form bereits sehr ähnlich ist. Die Verformung der Gläser zu ihrer endgültigen Form erfolgt
dann durch Aufblasen und rasches Erkalten des Hohlkörpers, wobei die thermischen Verhältnisse in
den oben angegebenen Grenzen liegen.
Die Erwärmung des Hohlkörpers in seiner vorläufigen Form erfolgt vorzugsweise durch Strahlung, wobei
der Hohlkörper so stark erwärmt wird, daß seine mittlere \^iskosität unter 109 Poise liegt. Dann wird der
Hohlkörper in eine Metallform eingebracht, deren Innenfläche Wärmestrahlen stark reflektiert. In dieser
Form wird der Hohlkörper weiter so stark erwärmt, daß seine mittlere Viskosität zwischen 109 und 1012
Poise liegt, worauf er rasch aufgeblasen wird und dabei seine endgültige Form erhält, in der er dann rasch erkaltet.
Die Metallform hat eine große Anzahl enger Kanäle, durch die ein Gas eingeblasen werden kann, ferner eine
weitere Anzahl von Kanälen, durch die das Gas aus dem Raum zwischen Metallform und Hohlkörper abgeführt
werden kann.
Der Hohlkörper ist nur wenig kleiner als die Metallform, so daß er durch geringes Aufblasen in die endgültige
Form gebracht werden kann.
Durch die Wärmebehandlung in der Metallform wird der Hohlkörper auf eine Temperatur gebracht, bei der
seine Viskosität zwischen 109 und 1012 Poise liegt, und
außerdem wird eine Temperaturdifferenz zwischen der
ίο Innenfläche und der Außenfläche des Hohlkörpers erzeugt,
die eine entsprechende Differenz der Viskositäten zur Folge hat.
Damit der Hohlkörper während des Umsetzens vom Heizraum in die Metallform durch Strahlung oder
Konvektion abkühlt, wird er außen angeblasen. Der Wärmeverlust durch Strahlung ist im Inneren der Metallform
wegen des hohen Reflexionsvermögens der Wand sehr gering. Durch das Anblasen wird außerdem
der obenerwähnte Temperaturunterschied hervorgerufen.
Nach dem Anblasen wird der Innenraum des Hohlkörpers unvermittelt unter Druck gesetzt, und die Wand
des Hohlkörpers legt sich an die Wand der Metallform, durch die sie auch durch Leitung gekühlt wird. Wäh-
a5 rend der Verformung bildet sich in der Gefäßwand ein
starkes Gefälle der Fließgeschwindigkeit aus. Nach der raschen Erstarrung der Wand des Hohlkörpers sind in
der ganzen Dicke dieser Wand tangentiale Druckspannungen vorhanden.
Der Abstand zwischen Hohlkörper und Innenwand der Metallform hängt von der Wandstärke des Hohlkörpers,
von dem zulässigen Überdruck und schließlich noch davon ab, daß der Hohlkörper rasch elastisch verformt
wird und anschließend verzögert elastisch und viskos verformt wird. Weiterhin spielt auch die Zusammensetzung
des Glases eine Rolle.
Der Hohlkörper kann auch durch Konvektionskühlung rasch zum Erstarren gebracht werden, wobei man
mittels eines Fühlers feststellt, wann der Hohlkörper die Wand der Metall form berührt und über diesen Fühler
ein Gebläse auslöst, das dann in Tätigkeit tritt, wenn die viskose Deformation entsprechend weit fortgeschritten
ist. Vorzugsweise werden durch den Fühler zwei elektromagnetisch betätigte Klappen gesteuert,
durch die der Zustrom der Kühlluft reguliert wird.
Nach der Erstarrung darf die Wand des Hohlkörpers keiner Wärmebehandlung unterworfen werden, da
sonst die mechanische Festigkeit verringert würde.
Um die Ausbildung schwacher Zonen um die Öffnung des Hohlkörpers zu vermeiden, kann man diesen Teil des Hohlkörpers einer Wärmebehandlung unterwerfen, die sich jedoch nicht auf die Wand des Hohlkörpers ausAvirken darf.
Um die Ausbildung schwacher Zonen um die Öffnung des Hohlkörpers zu vermeiden, kann man diesen Teil des Hohlkörpers einer Wärmebehandlung unterwerfen, die sich jedoch nicht auf die Wand des Hohlkörpers ausAvirken darf.
DieErhöhung der mechanischen Festigkeit dcsllohlkörpers
durch das erfindungsgemäße Verfahren ist durch die tangentialen Druckspannungen in der Gefäßwand
bedingt. So kann man beispielsweise die Festigkeit gegen Innendruck auf mehr als den doppelten Wert
vergrößern, wenn man mit dem Wert vergleicht, den man sonst bei langsamer Abkühlung erhalten würde.
Die Festigkeit des Hohlkörpers gegen Schläge von außen kann auf das Dreifache des Wertes vergrößert
werden, den man bei Hohlkörpern beobachten kann, die nach üblichen Verfahren hergestellt wurden. Diese Erhöhung
der Festigkeit kann auch bei Hohlgläsern erreicht werden, deren Wandstärke nur einige Millimeter
beträgt.
Eine beispielsweise Ausführungsform der Erfindung wird im folgenden an Hand der Zeichnung beschrieben,
in der
Claims (5)
1. Verfahren zum Herstellen von dünnwandigen Hohlkörpern aus nicht gehärtetem Glas, dadurch
gekennzeichnet, daß in einer ersten Verfahrensstufe die vorgeformte Wand auf eine Temperatur
gebracht wird, bei der die Viskosität des Glases unter 109 Poise liegt, worauf durch eine Kühlung
der Außenfläche ein beachtlicher Viskositätsunterschied zwischen den die Wand des Hohlkörpers
begrenzenden Oberflächen erzeugt wird, wobei der Mittelwert der Viskosität zwischen 109 und 1012
Poise liegt, und daß in einer zweiten Verfahrensstufe ins Innere des Hohlkörpers ein Druckgas eingebracht
wird, dessen Temperatur gleich oder größer als die Temperatur der Wand ist, wobei
dieses Druckgas so lange auf die Wand einwirkt, bis die Außenfläche des Hohlkörpers nahezu ihre
endgültige Form erhält, und daß in einer dritten Verfahrensstufe die Außenfläche rasch gekühlt
wird, wodurch die AVand cTes HoTiIköVpers verfestigt
wird, während in der Dicke der Wand ein beachtlicher Gradient der durch die Ausdehnung
hervorgerufenen Geschwindigkeit der viskosen Deformation vorhanden ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,· dadurch ge kennzeichnet, daß diese Form eine dicke Innenwand
(19) und eine im Abstand davon angeordnete dünne Außenwand (20) hat, wobei ein Teil (21)
der Kanäle vom Inneren der FOrm in den Zwischenraum zwischen Innen- und Außenwand führt
und ein anderer Teil (22) der Kanäle von dem lnnenraum durch den Zwischenraum nach außen
führt.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet,
daß der Formzwischenraum mit einem Vorratsbehälter oder einer Fördereinrichtung für Druckgas verbunden ist (23).
4. Vorrichtung nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Innenfläche der Form mit
einem schwach oxydierbaren Metall wie Gold, Platin oder deren Legierungen oder mit nicht
rostendem Stahl oder mit einem feinen, pulverförmigen Material verkleidet ist, das Wärmestrahlen
stark reflektiert.
5. Vorrichtung nach Anspruch 2 bis 4, gekennzeichnet durch einen in den lnnenraum der Form
ragenden Fühler (26), der über ein Relais auf ein Preßluftventil (29) einwirkt, das beim Verschieben
■3es~Fühlers geöffnet wird und Preßluft zur Kühlung
des Hohlkörpers austreten läßt.
In Betracht gezogene Druckschriften: Deutsche Patentschriften Nr. 297 361, 455 494,
756;
schweizerische Patentschrift Nr. 222 200.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
© 909 689/147 12.
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| DENDAT1071298D Pending DE1071298B (de) | 1957-07-30 | Verfahren und Vorrichtung zur Erhöhung der mechanischen Festigkeit von Hohlkörpern aus Glas |
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