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Mikronährstoff- bzw. Spurenelementdüngemittel aus den Abgasen der
metallverarbeitenden Industrien Obwohl die Notwendigkeit einzelner Spurenelemente
für den Pflanzenaufbau seit vielen Jahrzehnten schon bekannt ist, besteht auf diesem
Gebiet trotzdem auch heute noch manches, was unklar ist. In der Vergangenheit wurden
unter anderem große Fehler begangen, indem man angenommen hat, daß zuerst einmal
mehr oder weniger alle Spurenelemente von Bedeutung sein müßten, die sich analytisch
in den Pflanzen, Tieren und Menschen nachweisen lassen. Man hat hier sehr oft außer
Betracht gelassen, daß viele Mineralien und auch Metalle bzw. Elemente rein zufällig
mit der Nahrung aufgenommen werden, die aber für den organischen Aufbau bzw. für
die Gesunderhaltung des Gesamtorganismus keine grundlegende Bedeutung besitzen.
In den Haaren des Menschen fand man z. B. nicht weniger als 19 Spurenelemente. Andere
Forscher entdeckten schließlich Dutzende von Spurenelementen, wie z. B. Selen, Gallium,
Lithium, Aluminium, Natrium, Chlor, Germanium, Nickel, Rubidium, Strontium, Titan,
Vanadium usw. Viele dieser benannten Elemente haben sich aber im Laufe wissenschaftlicher
Entwicklungsarbeit der letzten Jahrzehnte zum größten Teil sogar für den organischen
Aufbau als nicht notwendig bzw. schädlich erwiesen. Der deutsche Chemiker N o d
d a c k fand z. B., daß nahezu alle Elemente in vielen Mineralien in Spuren enthalten
sind. Er analysierte unter anderem äußerlich einheitliche, anscheinend reine schlesische
Zinkblende, die wir als Zinksulfid (Zn S) bezeichnen. Bei der ersten »groben« Untersuchung
fand er darin 63,53 %C Zink, 31,92 ;c Schwefel, 1,15 r'c Sauerstoff, 1,57 Eisen,
0,34 c Silicium, 0,27 17c ;Mangan, 0,15 '> Blei, 0,14 % Arsen und 0,13 5/o
Kupfer. Mit der »verfeinerten« chemischen Methode konnte N o d d a c k in der gleichen
Zinkblende noch 14 weitere Elemente nachweisen. Höchst empfindliche physikalische
Nachweisverfahren führten zur Entdeckung von weiteren 23 Elementen in der gleichen
111ineralprobe; deren Mengenanteile bewegen sich dann allerdings nur zwischen 0,01
und 0,0001 % (s. »Spurenelemente«, Hermann R ö m p p - Kosmos - Franckh'sche Verlagsbuchhandlung
Stuttgart).
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Die Wissenschaft hat ferner bis jetzt erkannt, daß viele solcher Spurenelemente
im Organismus sich entweder gegenseitig ergänzen (Synergismus) oder sich gegenseitig
gegensätzlich schädigen (Antagonismus). Wir vermuten auch, daß es noch eine dritte
Gruppe geben kann, die sich als Katalysatoren auswirkt.
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Von einigen Schwermetallen und Elementen wissen wir heute demgegenüber,
daß sie nicht nur für den organischen Aufbau der Pflanzenwelt, sondern darüber hinaus
auch für das Leben der Tiere und Menschen von lebensentscheidender Bedeutung sind.
Hier sind vor allem zu nennen Bor, Kupfer, Eisen, Mangan, Zink, Molybdän, Kobalt.
Der amerikanische Gelehrte R. D. H o a g 1 a n d, dem wir die sogenannte A-Z-Lösung
v redanken, hat die Möglichkeiten gezeigt, klar festzustellen, daß, wenn in dieser
A-Z-Lösung eines dieser vorbenannten Schwermetalle bzw. Elemente fehlt, dann bei
den in solchen Nährlösungen aufgewachsenen Pflanzen schwerste Schädigungen auftreten
müssen.
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Bestanden leider noch große Unklarheiten in der Fragestellung, welche
Elemente sind lebenswichtig und welche sind nur rein zufällig in die lebenden Organismen
oder Futter- bzw. Nahrungsmittel hineingekommen, so bestand aber bisher darüber
hinaus noch ein großer Fehler darin, daß man angenommen hat, von irgendwelchen Metallen
genügten nur Spuren (also Mengen von weniger als 1 mmg), um die Heilung der Mangelböden
schon zu bewirken. Man hatte sich daher einen Sammelbegriff geformt und bezeichnete
nun alle nützlichen und weniger nützlichen Schwermetalle oder Elemente mit »Spurenelemente«.
Diese irreführende Bezeichnung hat dann ein Fachgremium für die deutschen Verhältnisse
in der Weise geklärt, daß man künftig diesen Sammelbegriff »Spurenelemente« im Sinne
der Schwermetalldüngung nicht anwenden soll, sondern den schon an sich klareren
Begriff »Mikronährstoffdüngemittel«.
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Es ist vielleicht im Gesamtrahmen der Mikronährstoffdüngemittel interessant,
darauf hinzuweisen, daß der III. Weltkongreß für Düngungsfragen, der vom 9. bis
12. September 1957 in Heidelberg stattfand, sich unter anderem auch dieser Mikronährstoffdüngung
in besonderem Maße angenommen hat. Mehrere internationale Forscher haben hier ihre
Ansicht in der Weise niedergelegt, daß sie betonten, daß die Mangelböden an Ausdehnung
immer mehr zunehmen und daher dieses Problem als solches für die Gesamternährungsbasis
der Menschheit immer bedeutungsvoller
würde. Als Erklärung hierfür
gab man mehrere Gründe an, und zwar: 1. Die Intensivwirtschaft, zu welcher jeder
bäuerliche Betrieb im Interesse der Konkurrenzfähigkeit gezwungen wird.
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2. Die hierdurch sich immer steigernde Düngung mit Makronährstoffdüngemitteln,
vor allen Dingen mit Stickstoff- und Kalisalzen, wodurch die lebenswichtigen ?Mikronährstoffe
an sich schon ins Minimum verdrängt werden.
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3. Die Raffinierung der Hauptdüngemittel. Begleitstoffe, die früher
in den Hauptdüngemitteln mitgeführt wurden, fallen demnach vielfach aus.
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4. Dem Erfinder ist es darüber hinaus geglückt, den Nachweis zu erbringen,
daß, wenn man Schwermetalle oder Schwermetallverbindungen mit gewissen Hauptdüngemitteln
vermischt, z. B. Schwefelsaures Ammoniak oder Kalidüngemittel, dann diese eingemischten
Schwermetalle oder Schwermetallverbindungen durch die Eigenart der Hauptdüngemittel
und darüber hinaus lediglich durch Einwirkung der vorhandenen Luftfeuchtigkeit sich
automatisch in leichtlösliche bzw. pflanzenaufnehmbare Metallsalze umformen. Durch
das turnusmäßige Ausstreuen beachtlicher Mengen vorbenannter Hauptdüngemittel auf
die Böden muß sich aber im Ackerboden durch die Verhältnisse im Boden und durch
die Einwirkung der Luft derselbe Vorgang vollziehen, d. h., selbst die von Natur
aus schwerlöslichen Metalle bzw. Metallverbindungen im Boden werden durch das jährliche
Ausstreuen von Stickstoff- und Kalidüngemitteln durch die vorhandenen Luft- und
Bodenverhältnisse verhältnismäßig schnell in wasserlösliche und pflanzenaufnehmbare
Metallsalze umgeformt. Liegen diese aber von Natur aus in den Böden vorhandenen
Spurenelemente erst in '.%letallsalzform vor, so vollziehen sich der Abbau und die
Aufnahme derselben durch die Pflanzen in dieser Form bekanntlich sehr schnell. Regen,
Schneewasser und sonstige in der Natur vorhandenen Verhältnisse waschen solche Salze
außerdem bekanntlich sehr schnell in Bodentiefen aus, in denen sie für die Pflanzenwurzeln
nicht mehr erreichbar sind. Ferner tritt noch ein schneller Verbrauch dieser Salze
durch die angebauten Kulturpflanzen ein, und durch die Ernten werden diese Spurenelementsalze
dem Boden endgültig entzogen. Es ist nicht uninteressant, an dieser Stelle darauf
hinzuweisen, daß in den ersten Jahrzehnten der Stickstoff- und Kalianwendung außergewöhnlich
hohe Ernteergebnisse erreicht worden sind, die durch die damals durch die Umwandlung
den Pflanzen reichlich zur Verfügung gestellten Metall-Ionen erklärlich sind. Für
diese These stimmt auch die Tatsache, daß eben diese Mangelböden jetzt immer mehr
an Umfang zunehmen: Wenn also an dieser Stelle von manchen Fehlern gesprochen wird,
die bisher in der Beurteilung der lebenswichtigen Schwermetalle bzw. Mikronährstoffmittel
gemacht worden sind, so darf aber vor allen Dingen nicht verschwiegen werden, daß
auch hier - genau wie bei den 1Talcronährstoffdüngemitteln -eine bestimmte Dosierungsmenge
dem Boden gegeben werden muß. Prof. Dr. K. S charrer gibt in seinem bekanten Werk
»Biochemie der Spurenelemente« auch in dieser Frage die erwünschte Aufklärung. Schon
in der Ausgabe 1944 wird auf S. 114, letzter Absatz, darauf hingewiesen, daß H u
d i g sowohl in Gefäßals auch in Feldversuchen je nach Bedürftigkeit an Kupfer bei
Kupfermangelböden 20, 40 und 60 kg/ha empfiehlt. S c h a r r e r gibt nach eigenen
Versuchen gleichfalls in diesem Werk die notwendigen Dosierungen (S. 119) an, und
zwar mit 50 bis 100 kg/ha CU S 04- Es wird betont, dali andere Böden noch mehr,
manchmal bis 200 kg dieses Kupfersalzes benötigen. Auch bei Manganmangelböden finden
wir in diesem benannten Werk auf S. 151 eine Dosierungshöhe - je nach Stärke der
Erkrankung - von 50 bis 150 kg/ha Mangansulfat. Ähnliche Verhältnisse liegen natürlich
auch bei den anderen als lebenswichtig erkannten Mikronährstoffdüngemitteln vor.
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Als Ende der dreißiger Jahre jedoch durch das Entstehen der damaligen
politischen Spannungen, vor allen Dingen aber durch den nachher ausgebrochenen zweiten
Weltkrieg, solche Schwermetalle sehr knapp wurden, suchte man dann »Ersatzstoffe«.
Es trat numnehr die Zeit ein, wo man - bedingt durch die Verknappung - alle möglichen
und unmöglichen Nebenprodukte oder Abfallstoffe für die Heilung von Mangelböden
empfohlen hat. So ist es erklärlich, daß aus diesem damaligen Notstand in der Literatur
und auch in den Patentschriften Vorschläge gemacht wurden, die nach den heutigen
Erfahrungen und Erkenntnissen der Wissenschaft überhaupt keinen oder wenig praktischen
Wert besitzen. Viele dieser Vorschläge haben nur ein rein theoretisches Dasein gehabt,
und es war notwendig, an dieser Stelle einmal die Irrungen und Wirren dem Stande
der heutigen Wissenschaft entsprechend auf diesem Gebiete klarzustellen.
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Es ist notwendig, auf einige Patentschriften einzugehen, um die Erfindung
dem Bekannten gegenüber klarzustellen.
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Die deutsche Patentschrift 550 939 beschäftigt sich schon mit dem
Gedanken, anfallenden Staub aus Gichtgasreinigungsanlagen mit bekannten Düngesalzen
zu vermischen und die Gemische dann dem Boden einzuverleiben. Man weist mit Recht
darauf hin, daß nicht nur der feine Staub eine sinnvolle Verarbeitung erschwere,
sondern auch die pyrophore Eigenart gewisser Gefahren mit sich bringt. Daher schlägt
man vor, künftig solche anfallenden Gichtstäube zuerst einmal mit Wasser zweckdienlich
zu befeuchten, damit sie schlammförmige Gestalt annehmen. Nachdem man also diese
bei Wind leicht staubenden feinsten Staubpartikel in diesen breiigen Zustand übergeführt
hat, wird dieser Brei als solcher granuliert. Zum Trocknen dieser Granulate wird
vorgeschlagen, die Wärme des Gichtgasstromes auszunutzen. Anschließend können bekannte
Düngesalze, allerdings bereits vor dem Erstarren dieser Granulate, zugesetzt werden.
Diese Patentschrift enthält keinerlei Hinweise auf Spurenelementdüngemittel. Es
wird nur von der Auswertung der Gichtgasstäube, die sich also bei der Erschmelzung
vor allen Dingen von Eisen bilden, gesprochen.
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Die deutsche Patentschrift 740 290, welche die Verwendung der in Elektrofiltern
aus Feuerungsabgasen von Kohlenfeuerungen niedergeschlagenen feinverteilten Flugasche
als Düngemittel betrifft, befaßt sich zwar schon mit dem Begriff Spurenelemente,
wie z. B. Mangan, Kupfer, Zink und Kobalt. Darüber hinaus ist diese Patentschrift
aber dafür typisch, was anfangs gesagt worden ist. 'Man spricht insgesamt von 261Meta11-arten.
von denen heute feststeht, daß viele von ihnen im Sinne des Antagonismus auf die
Entwicklung der Pflanzen wirken müssen. Hier wird in diesem Sinne z. B. nur Arsen,
Blei und auch Chrom genannt. Von den ebenfalls benannten Metallen, Gold, Platin,
Silber, Palladium, Zinn, Nickel, wissen wir heute, daß sie einen direkten positiven
Einfluß auf die Pflanzen nicht besitzen. Aber die als lebenswichtig benannten Metalle,
die scheinbar nur rein zufällig mit in dem Gesamt rahmen genamrt werden: wie Kupfer,
'Mangan, Zink,
sind in derartig geringfügigen, kleinsten Mengen
in der Flugasche enthalten, daß man im Sinne einer wirkungsvollen Mikronährstoffdüngung,
wie oben laut Angaben von H u d i g und S c h a r r e r angeführt wurde, überhaupt
nicht sprechen kann. Vielmehr kann mit Recht angenommen werden, daß die Wirkung
dieser geringsten Spuren dieser an sich lebenswichtigen Metalle durch den Antagonismus
der übrigen Metalle, die gleichfalls bei der Analyse benannt werden, wieder aufgehoben
wird. Klarer ausgedrückt: Würde man aber selbst die positive Wirkung z. B. des Kupfers,
dessen Gehalt in der Probe 1) mit 0,082 angegeben wird, in der erforderlichen Höhe
auf echte Kupfermangelböden zur Einwirkung bringen wollen, und zwar mit 100 kg Kupfersulfat
pro ha entsprechenden -Mengen, so müßte demnach eine derartig phantastische Menge
an gesamt niedergeschlagener Flugasche auf den Acker gebracht werden, daß eine praktische
Verwertung des Erfindungsgedankens dieser Patentschrift in diesem Falle überhaupt
nicht denkbar ist. Die Gesamtanalyse gibt auch keinerlei Aufschluß darüber, aus
welchen Abgasen, d. h. aus welchen Industriegruppen, künftig solche für die Düngung
geeigneten Stoffe gewonnen werden und Verwendung finden sollen. Augenscheinlich
deutet aber die Analyse darauf hin, daß hier gleichfalls Flugstäube aus Gichtgasen,
wie schon vorhin erwähnt, also aus der eisenschaffenden Industrie, künftig Verwendung
finden sollen. Das Charakteristische dieser Patentschrift konzentriert sich zudem
in der Erkenntnis, daß man zur Erfassung solcher Stoffe, wie sie in Flugaschen von
Kohlefeuerungsabgasen enthalten sind, künftig Elektrofilter benutzen will.
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Die deutsche Patentschrift 818 198 schlägt gleichfalls vor, den Gichtstaub
aus Trockengasreinigungsanlagen zu verwenden. Auch hier will man eine bestehende
Schwierigkeit auf diesem Gebiet der Erfassung dadurch verbessern, daß man vor die
technisch bekannten Filterschläuche noch Wirbler einschaltet. Eine Analyse dieses
anfallenden Filterstaubes wird in der Patentschrift angeführt, und zwar deutet auch
diese Analyse klar darauf hin, daß man auch in diesem Fall Gichtgase der eisenverarbeitenden
Industrie künftig, bevor man diesen Gichtstaub in körnige Form gebracht hat, mit
anderen Hauptdüngemitteln oder organischen Düngern mischen will. Technisch kann
ergänzend noch darauf hingewiesen werden, daß der Gehalt an ZnO bekanntlich in diesem
Gichtgasstaub ein Sublimationsprodukt darstellt.
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Die Erfindung hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Bekannten gegenüber
vollständig neue Wege zur Spurenelementdüngung zu zeigen. Aus dem bisher Gesagten
geht ganz klar hervor, daß man nur »Gichtgase« - das ist ein ganz klarer technischer
Begriff -als Ausgangsabgase verwendet hat, um aus ihnen die enthaltenen staubförmigen
Bestandteile als Gichtgasstaub zu gewinnen und für die Düngung von landwirtschaftlichen
Kulturpflanzen zu verwenden. Daß aber die Abgase aus der eisenerzeugenden Industrie
auch nur zwangläufig Schwermetalle führen können, die in den Vormaterialien (Erzen)
vorhanden sind, ist klar. Daher können metallische Wirkstoffe, die nach dem heutigen
Stand der Wissenschaft lebensnotwendig sind - vor allen Dingen aber das Kupfer -
in solchen Abgasen nur in derartig niedrigen Mengen vorhanden sein, daß sie praktisch
für die Behebung von echten Krankheitserscheinungen auf Mangelböden nie in Frage
kommen können.
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Um aber aus Abgasen nunmehr im Sinne der Mikronährstoffdüngung Mikronährstoffdüngemittel
mit möglichst hohen, Gehalten an Mikronährstoffen zu gewinnen, wird daher vorgeschlagen,
künftig nur solche Abgase zur Gewinnung von Mikronährstoffen zu verwenden, die von
Kupfer- oder Zinkhütten, von Metallschmelzereien, Metallgießereien sowie von Betrieben,
die Ferromangan-, Ferrokobalt-, Ferrowolfrain-, Ferrosilicium-, Ferromolybdän- und
ähnliche Legierungen erschmelzen, herrühren. Es ist klar, daß solche Abgase - im
Gegensatz zu denjenigen der eisenschaffenden Industrien, aus welchen die bisher
bekannten Gichtgasstaub-Düngemittel gewonnen wurden - an sich hohe Gehalte in Form
von Oxyden der lebenswichtigen Mikronährstoffe enthalten müssen, da als Vormaterial
keinerlei Erze Verwendung finden, sondern mehr oder weniger reine Metalle bzw. Metallverbindungen.
Es ist ferner klar, daß nicht nur die Eigenschaften der Abgase, sondern auch die
Gehalte an metallischen Wirkstoffen in solchen Abgasen immer Schwankungen unterworfen
sind. Diese Schwankungen sind nicht nur dadurch bedingt, daß in den einzelnen Werken
dieser Industriegruppen die zur Verarbeitung kommenden Legierungen verschiedenartig
zusammengesetzt sein können bzw. der Verbrauch an den Metallegierungen verschieden
ist oder die Art der Verarbeitung der Legierungen Unterschiede aufweist. Manchmal
müssen auch verschiedene Metallegierungen kurzfristig im Arbeitsprozeß gewechselt
werden. Auch andere technische Vorgänge, wie Elberhitzung der Metalle, werden die
analytische Zusammensetzung solcher aufgefangenen Stäube aus diesen Abgasen verschiedenartig
gestalten.
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Gegenstand der Erfindung ist somit die Verwendung der aus den ganz
bestimmten Abgasen, nämlich aus solchen der Kupfer- oder Zinkhütte, der Metallschmelzereien,
:Metallgießereien, der Ferromangan-, Ferrokobalt-, Ferrowolfram-, Ferrosilicium-,
Ferromolybdän- und ähnliche Legierungen erschmelzender Fabrikationsstätten, mittels
Zyklone, Staub- oder Filterkammern u. dgl. oder auf nassem Wege in an sich bekannter
Weise gewonnen, feinverteilten, gegebenenfalls getrockneten, hochkonzentrierten
Metalloxyde als Mikronährstoff- bzw. Spurenelementdüngemittel. Das Abfangen solcher
Metalloxyde bzw. Mineralstoffe aus Abgasen der Industrien ist bekannt. Trotzdem
veranschaulicht die Zeichnung den technischen Vorgang beispielsweise nochmals. Nachdem
die Abgase Staubkammern bzw. Staubfilter passiert haben, gelangen sie durch den
Sog eines vorhandenen Fabrikschornsteins in passende, hintereinandergeschaltete
Kammern. Die Abgase kommen zwangläufig an langsam rotierenden Prallwänden vorbei.
Die letzteren sind entsprechend den Abgasen groß dimensioniert und drehen sich auf
einer langsam rotierenden Welle. Im unteren Teil dieser einzelnen Kammern befindet
sich Wasser oder ein anderes geeignetes Medium. Diese Prallwände werden nun durch
die langsam rotierende Bewegung in ihrem unteren Teil durch die Flüssigkeit naß.
Diese Feuchtigkeit verbleibt natürlich auch in der jeweils oberhalb befindlichen
Hälfte der Prallwände und übt auf die durchstreichenden Gase, in denen ja die Oxyde
mitgeführt werden, eine Anziehung aus. Diese Oxyde kleben so lange an dieser Scheibe,
bis sie wiederum langsam in die untere Flüssigkeit gelangen, und werden dort dann
durch passende Abstreifer abgewischt. Die Oxyde erhalten durch diese Feuchtigkeit
eine gewisse spezifische Schwere, sinken somit in die unteren Teile des Apparates
und werden dann an der tiefsten Stelle ausgetragen. Diese letztere technische Möglichkeit
ist aus der naßmechanischen Aufbereitung bekannt und braucht nicht näher geschildert
zu werden. Somit
gelangen diese feucht gewordenen Oxyde in eine
Sammelrinne, von der sie in passende Eindicker durch Klärgruben weitergeleitet werden
können. Auch solche Vorrichtungen sind aus der naßmechanischen Aufbereitung bekannt.
Diese so erfaßten oxydischen Konzentrate müssen analytisch zuerst einmal auf Gehalte
überprüft werden, damit sie jeweils für den geeigneten Mangelboden auch eingesetzt
werden können. Solche eingedickten Schlämme können dann technisch noch «-eiter im
Verwendungssinne behandelt werden, indem man sie granuliert und anderen Düngemitteln
in abdosierter Form beimischt. Ergänzt soll nur noch werden, daß das abgeklärte
Wasser im Kreislauf einem solchen Apparat immer wieder von neuem zugeführt «-erden
kann. Diese aus den Abgasen der genannten Fabrikationsstätten gewonnenen 1letalloxy
de sind bisher als Mikronährstoffdüngemittel nicht verwendet worden. Ihre Verwendung
zu diesem Zweck lag auch keineswegs nahe, da sie bisher in die Fabrikationsstätten
zurückgingen. Sie weisen einen sehr hohen Gehalt an Mikronährstoffen und keinerlei
Ballaststoffe auf. Die Mikronährstoffe sind in feinster Verteilung vorhanden und
bringen daher sowohl bei dem Ausstreuen auf 'Mangelböden für sich als auch beim
Vermischen mit 'Makronährstoffen erhebliche Vorteile mit sich. Die Mikronährstoffe
sind in diesen Metalloxyden in für die Pflanzen leicht aufnehmbarer und auch in
langsam sowie anhaltend wirkender Form enthalten, so daß den Pflanzen sowohl im
Jugendstadium (Startmikronährstoffe) als auch im Verlaufe der weiteren Vegetationsperiode
stets ausreichende Mengen an Mikronährstoffen zur Verfügung gestellt werden. Die
Metalloxvde lassen sich auf einfache Weise aus den Abgasen -der genannten Fabrikationsstätten
gewinnen und stellen daher eine neue und vorteilhafte Quelle für die Spurenelementversorgung
der landwirtschaftlichen Kulturböden dar. Die aus den genannten Abgasen gewonnenen
Metalloxvde lassen sich ferner auf einfache Weise zu Körnern, Granulaten u. dgl.
verarbeiten, die sich mit der Hand oder den üblichen Düngerstreumaschinen leicht
auf die Mangelböden ausstreuen lassen. Durch die Bodenfeuchtigkeit, durch Regen
od. dgl. werden diese Granulate wieder in die ursprünglichen feinstzerteilten Partikelchen
zerlegt, die den Pflanzen in dieser Form als Mikronährstoffe zur Verfügung stehen.
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Um nun im Sinne der Mikronährstoffdüngung, wo, wie anfangs erwähnt
wurde, nicht nur die Oualität der verschiedenen Metalle von Wichtigkeit ist, sondern
auch die Menge derselben pro ha von entscheidender Bedeutung ist, weitere Ausführungen
zu machen, wird empfohlen, solche aufgefangenen Stäube nach bekannten technischen
'Möglichkeiten nicht direkt mit Düngeinitteln einzumischen, sondern den Anfall zuerst
einmal analytisch zu untersuchen. Ist z. B. der Kupfergehalt ermittelt, so ist es
natürlich ein leichtes, diese erhaltenen Flugstäube im Bedarfsfalle weiter anzureichern.
Eine solche Anreicherung kann unschwer z. B. mit dem bereits schon früher in Vorschlag
gebrachten Kupferhammerschlag, der unter Umständen bis 85 'c Cu-Gehalt aufweist,
oder mit geeigneten anderen Kupferkonzentraten erfolgen. Verfährt man künftig erfindungsgemäß
in diesem Sinne, nämlich dall man a) zuerst einmal nur Abgase der bereits erwähnten
Betriebe im Sinne der Rückgewinnung wertvoller Metalloxyde ausnutzt, b) dieses aus
den Abgasen aufgefangene Produkt dann genau im Sinne lebenswichtiger Mikronährstoffdüngemittel
analysiert und c) dann noch eventuell fehlende Gehalte an solchen lebenswichtigen
Schwermetallen durch billiges Zusatzmaterial anreichert, dann ist auch das Auffangen
bzw. das Rückgewinnen metallischer Anteile aus diesen Industrieabgasen lohnend,
sinnvoll und, mit erheblichen Vorteilen verknüpft.
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Dieser so aufgegangene metallische Rückstand aus diesen Abgasen weist,
wie bereits erwähnt, einen beachtlich hohen Gehalt an Kupfer, Zink, Mangan. bobalt,
Wolfram, Molybdän usw. auf. Diese angereicherte Masse kann man nun entweder bei
einem bekannten Herstellungsprozeß der iHakronährstoffdüngemittel dosiert einmischen,
oder man kann diese erhaltenen Stäube durch bekannte Maßnahmen befeuchten, den erhaltenen
Brei zu Granulaten formen und dann dieses Granulat als ein Spezialinikronährstoffdüngemittel
auf Mangelböden verwenden.
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Nach einer besonderen Ausführungsform der vorliegenden Erfindung werden
die aus den Abgasen der genannten Fabrikationsstätten gewonnenen Metalloxyde im
Gemisch mit den aus den Abgasen außerdem noch gewonnenen nichtmetallischen Wirkstoffen
und Mineralstoffen, wie Phosphorsäure,,Schwefel usw., als Mikronährstoffdüngemittel
verwendet, wodurch diese Wirk- und Mineralstoffe in vorteilhafter Weise für die
Pflanzenernährung bzw. Landwirtschaft nutzbar gemacht werden.
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Die erfindungsgemäße Verwendung der aus den genannten Abgasen gewonnenen,
feinstverteilten hochkonzentrierten und fast ballastfreien Metalloxyde als Mikronährstoff-
bzw. Spurenelementdüngeinittel in der Landwirtschaft bietet schließlich auch bei
der Lagerung, beim Transport und beim Ausstreuen auf Kulturböden weitere erhebliche
Vorteile.