Zierfahren und Einrichtung zum Verschieben der Fassungen an Elektroden von elektrischen Öfen. Beim Betrieb elektrischer Öfen wird der Strom dem Schmelzgut heute meistens durch Elektroden zugeführt, welche dem Verbrauch durch Abbrand ausgesetzt sind und daher in gewissen Zeitabständen erneuert werden müssen. Bei den sogenannten Dauerelektroden, die in der Regel vertikal angeordnet sind, ist die die Elektrode tragende und als Klemm fassung ausgebildete Elektrodenfassung nicht an dem ausserhalb des Ofens befindlichen Elektrodenende angebracht, sondern meistens in der Nähe der Eintrittsstelle der Elektrode in den Ofen.
Durch den Abbrand wird nun das unterhalb der Fassung befindliche Stück der Elektrode verkürzt und muss daher von Zeit zu Zeit wieder verlängert werden. Dieses Verlängern wird nach den bisher bekannten Verfahren in der Weise durchgeführt, dass die Klemmfassung, welche allgemein nicht nur zum Tragen der Elektrode benutzt wird, sondern der Elektrode gleichzeitig auch den Strom zuführt, gelöst wird, wobei beim Lösen derartiger Klemmfassungen die Elektrode unter der Wirkung ihres Eigengewichtes nach unten rutscht; es wird also das aus der Fassung nach unten herausragende Elektro- denende, welches durch den Abbrand zu kurz geworden war, wieder verlängert.
Nachdem die notwendige Länge wieder herausragt, wird die Rutschbewegung durch Festziehen der Fassung unterbrochen. Dieses Lösen und Festziehen der Fassung, sowie das Durch rutschen der Elektrode sind Vorgänge, welcbe den Ofenbetrieb empfindlich stören.
Beim Lösen und Festziehen der Fassung von Hand muss der Ofen vorher abgeschaltet werden. Man kann sich zwar diese Arbeit durch hydraulisch oder peumatisch betätigte Einrichtungen weitgehend erleichtern und sie darin auch ohne Abschaltung des Ofens durchführen; doch sind derartige Mittel kost spielig, oftmals wenig betriebssicher und vor allem beseitigen sie nicht die Schwierigkeiten in der Beherrschung der Bewegung der Elek trode während des Rutschens. Diese Bewe gung wird durch das Eigengewicht der Elek trode hervorgerufen und muss durch die Rei bungskraft zwischen der Elektrode und der mit ihr in Berührung kommenden Oberfläche der Fassung abgebremst werden.
Die Rei bungskraft ist in hohem Masse von der Be schaffenheit dieser Berührungsflächen abhän gig, welche gleichzeitig auch dem Strom übergang dienen und durch diesen mannig fachen Veränderungen bis zur Zerstörung unterliegen können. . Die aus den eben genannten Gründen nur schwierig zu beherrschende Bewegung der Elektrode während des Rutschens ist ausserdem völlig unerwünscht, falls man den Rutschvorgang ohne Beeinträchtigung der Ofenbelastung durchführen will, denn bei der einmal gewählten Spannung und dem gegebenen Widerstand des Bades ist die Ofen belastung nur von der Eintauchtiefe der Elek trode in das Bad abhängig.
Wird durch die .Abwärtsbewegung der Elektrode während des Rutschens die Eintauchtiefe vergrössert, so steigt der Strom an und da die Begren zung des Durchrutschens schwierig ist, sind starke Stromstösse und damit Belastungs schwankungen im speisenden Netz unver meidlich, welche eine sehr kräftige elektrische Einrichtung voraussetzen, wenn diese keinen Schaden erleiden soll.
Es kommt noch hinzu, dass durch das teilweise Lösen der Klemm fassung der Anpressdruck der Fassung und damit auch der Kontaktplatten auf die Elek trode an dieser Stromübergangsstelle herab gesetzt wird, so dass der Kontakt verschlech tert, das Eindringen von Fremdkörpern (Staub oder dergleichen) mit nachfolgenden schweren Schädigungen der Kontaktfläche aber erleich tert wird. Ebenso ist in allen Fällen eine erhebliche Relativbewegung der Elektrode gegenüber dem Ofen unvermeidlich.
Diese Nachteile können nun durch die vorliegende Erfindung dadurch vermieden werden, dass gemäss dem Verfahren während der Betätigung eines auf die Elektroden fassung wirkenden Windwerkes im Hubsinne die Elektrode durch eine äussere zusätzliche Kraft festgehalten wird, so dass vom Wind werk nur die Fassung unter Überwindung der Reibung längs der Elektrode verschoben wird, ohne dass die Stellung der Elektrode relativ zum Ofen wesentlich verändert, der Anpressdruck der Fassung verringert und der Stromübergang behindert wird.
Diese zur Durchführung des Verfahrens benötigte äussere Kraft wird zweckmässigerweise dadurch er zeugt, dass die Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens ein Widerlager aufweist, welches der jeweiligen betriebsmässigen Lage der Elektrode anpassbar und derart angeordnet ist, dass bei Betätigung des Windwerkes im Hubsinne die Elektrode an einer Verschie bung relativ zum Ofen verhindert werden kann.
Die beiliegende Zeichnung zeigt schema tisch ein Ausführungsbeispiel der zurDurchfüh- rung des Verfahrens dienenden Einrichtung. Die Elektrode 1. vom Eigengewicht G hängt in der Fassung 2, welche mit dem vorteilhafter weise gleichmässig auf den Umfang verteilten Anpressdruck PI die Elektrode umgreift und sie infolge der Reibungskraft R in Schwebe hält. Die Fassung hängt mit Ketten oder sonstigen Tragorganen an einem nicht ge zeichneten, ausserhalb des Ofens angebrachten Windwerk, welches also im normalen Betrieb eine Kraft .P2 zum Tragen der Elektrode aufbringen muss, welche dem Gewicht von Elektrode und Fassung gleich ist.
Während des Rutschvorganges kommt durch die An- briDgung eines mit dem obern Ende der Elektrode zusammenarbeitenden, nicht ge zeichneten Widerlagers eine zusätzliche Kraft P3 zur Einwirkung auf die Elektrode, welche bei Betätigung des Windwerkes im Hubsinne allmählich vom Werte Null bis zu solcher Grösse ansteigt, dass sie zusammen mit dem Eigengewicht G zur Überwindung der Rei bungskraft R ausreicht.
Selbstverständlich ist während dieses Vorganges auch die vom Windwerk auszuübende Kraft P2 um die Kraft P3 gegenüber dem normalen Zustand <B>s</B> ergrössert, und es muss das Windwerk dem entsprechend kräftig ausgeführt sein. Nach genügender Verschiebung der Fassung wird das Windwerk so weit auf Senken geschaltet, bis die Kraft P3 auf den Wert Null gesunken ist und das Widerlager frei entfernt werden kann, worauf die volle Bewegungsfreiheit der Elektrode und somit der normale betriebs mässige Zustand wieder hergestellt ist.
Zur Kontrolle des Rutschvorganges, das heisst insbesondere zur Feststellung der Grösse der zusätzlich aufgewendeten Kraft P3 können zweckmässigerweise die Angaben von Strom zeigern herangezogen werden, welche den Strom der Windwerksmotore anzeigen.
Als Widerlager können zum Beispiel ge spannte Ketten dienen, welche zwischen Haken eingehängt werden, die einerseits am obern Rand der Elektrode, anderseits an tiefer lie genden ortsfesten Trägern der Stützkonstruk tion angeordnet sind. Die Ketten werden in vorteilhafter Weise jeweils nur' in solcher Länge eingehängt, dass sie sich bereits nach einer kleinen Aufwärtsbewegung der Elek trode spannen.
Unmittelbar nach der Inbetriebsetzung des Windwerkes tritt also zunächst eine Aufwärtsbewegung der Elektrode ein, welche abhängig ist vom Spielraum, welchen das Widerlager freilässt. Dieser kann durch ge naues Anpassen äuf ein sehr geringes Mass beschränkt werden, so dass die anfängliche Aufwärtsbewegung der Elektrode ohne prak tische Bedeutung für den Ofenbetrieb bleibt, da sie in der gleichen Grössenordnung ist, wie eine Regulierbewegung. Als Widerlager können auch Zwischenstücke, zum Beispiel aus Holz, in passender Grösse zwischen dem obern Ende der Elektrode und zum Bei spiel einer darüber befindlichen Trägerlage der Tragkonstruktion des Ofens eingelegt werden. Auch Schraubenspindeln und ähn liche verstellbare Organe sind anwendbar.
Das Einbringen und Anpassen des Wider agers zwischen dem obern Ende der Elek trode und der Stützkonstruktion kann ohne Belästigung durch die Ofenhitze in dem Raum vollzogen werden, welcher zum Aufsetzen neuer Stücke- auf die Dauerelektrode sowieso benötigt wird. Der eigentliche Rutschvorgang erfolgt bei der Betätigung des Windwerkes im Hubsinne zweckmässigerweise langsam, so dass er leicht zu überwachen ist und durch Stillsetzen des Windwerkes jederzeit sicher beendet werden kann.
Die Elektrodenfassung ist zweckmässiger weise auf der Elektrode elastisch nachgiebig aufgesetzt, etwa derart, dass zwischen ver stellbare; in Muttergewinden des Fassungs ringes drehbare Schraubenbolzen und die Kontaktplatten kräftige Federn eingelegt werden, so dass durch die Nachgiebigkeit der Federn auch bei den unvermeidlichen, gering fügigen Durchmesserabweichungen der Elek troden ständig ein annähernd gleichmässiger Anpressdruck aufrecht erhalten bleibt.
Die Schraubenbolzen werden dann bei einer sol chen Fassung so weit hineingedreht, bezie hungsweise die Federn so stark gespannt, dass die bei dem Rutschvorgang, zum Beispiel aus den Angaben des Stromzeigers bestimm bare Kraft P3 zum Beispiel eine Grösse von "00-100 % des Eigengewichtes der Elektrode erreicht. Damit ist einerseits eine genügende Sicherheit gegen ein unbeabsichtigtes Durch rutschen der Elektrode unter der Einwirkung ihres Eigengewichtes vorhanden, anderseits wird eine unzulässige Belastung von Stütz konstruktion, Widerlager, Windwerk und Aufhängeorganen vermieden.
Sollte im Taufe einer längeren Betriebszeit die Oberfläche der Fassungen und damit die Grösse der Reibungskraft B Veränderungen erleiden, so ist jederzeit durch Nachstellen der Feder spannung die bei der Durchführung des Rutschvorganges gewünschte Stromstärke, das heisst schliesslich die Kraft P' auf die gewünschte Grösse wieder einstellbar.
Die vorstehend beschriebene Erfindung betrifft somit ein sicheres und einfaches Rutschverfahren, welches erlaubt, mit wenig kostspieligen Einrichtungen alle erwähnten Schwierigkeiten der bisherigen Verfahren zu umgehen.