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Hallo zusammen,

Da es über die Monate immer mal wieder Nachfragen gab: die Liste sind nur Beispiele. Solange es jetzt keine Nachrichten sind und ihr der Meinung seid, es könnte andere Menschen interessieren, dann stellt es uns anderen Nutzern vor, erzählt was euch daran gefällt und warum ihr es mit uns teilt. Blogpost, Sachbuch, egal. Nur Memes und Nachrichten würde ich ausnehmen, da daraus schon der große Rest des Fediverses besteht.

Was habt ihr in der letzten Woche so an tollen Büchern gelesen, Filme geguckt, Spiele gezockt, Musik entdeckt, Museen oder Veranstaltungen besucht, … ?

  • lichtmetzger@discuss.tchncs.de
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    5 days ago

    Ich hab’ dieses (und letztes) Jahr sehr viele narrative Spiele gespielt, in denen man signifikante Entscheidungen treffen muss. Entscheidungen, welche die Geschichte auf eine erhebliche Weise beeinflussen und somit dazu führen, dass man die Spiele mehrfach durchspielen kann und dennoch immer wieder einen anderen Pfad beschreitet und unterschiedliche Enden der Geschichte erlebt. Das ist ein großes Hobby von meiner besten Freundin und mir und wir “one-uppen” uns immer gegenseitig mit neuen Spielen, die wir im Netz finden.

    Hab jetzt mal beschlossen, die besten davon aufzuzählen, falls es euch interessiert:

    1. I Was a Teenage Exocolonist

    Man beginnt das Spiel als junges Kind und ist zusammen mit seinen Eltern und vielen anderen Kindern und Erwachsenen in einem Kolonieschiff auf dem Weg, einen fremden Planeten zu kolonisieren. Das Schiff stürzt ab und man strandet unter nicht gerade idealen Bedingungen auf diesem Planeten. Von da an erlebt man eine lange Geschichte die sich bis ins junge Erwachsenenalter zieht, kann seinen Karrierepfad bestimmen, Beziehungen mit den anderen Menschen eingehen und muss diverse Schicksalsschläge durchleben.

    Das Spiel ist von allen bisher mein absoluter Favorit. Es ist voll mit liebevoll handgezeichneten Bildern und es gibt über dreißig verschiedene Enden. Viele Entscheidungen (und auch die Karriere die man wählt) haben drastische Auswirkungen, bereits in den ersten zehn Minuten kann zum Beispiel eine Hauptfigur sterben. Eine besondere Mechanik ist auch, dass man einige Ereignisse im Kopf behält, wenn man das Spiel mehrfach spielt und somit die Möglichkeit hat, Personen in bestimmten Situationen zu retten oder den Verlauf der Geschichte zu beeinflussen. Die Welt hat sich für mich erst im dritten Durchgang so richtig geöffnet, da sich auf dem Planeten noch so einige Areale befinden, die man nicht so leicht erreichen kann - es sei denn, man trifft die richtigen Entscheidungen. :)

    1. Dread Delusion

    Das ist wohl das Spiel mit der augenkrebserregendsten Farbpalette, das ich je gespielt habe - der Himmel ist ohne Witz knallpink. :D Allerdings ist es auch eins der besten narrativen Spiele, die ich je gespielt habe. Es ist ein Open World-RPG, in dem man Stück für Stück eine heruntergekommene und in mehrere Inseln zerbrochene Welt erkundet. Dabei trifft man auf einen verrotteten Gegner nach dem anderen. Nach und nach erfährt man, was mit diesem zerfallenen Land passiert ist und trifft viele Entscheidungen auf dem Weg zum Finale.

    Was ich am meisten daran geliebt habe, war, Bücher zu finden. Es gibt ja eine Menge Spiele, in denen man Lore finden kann, oft langweilen mich die Texte jedoch extrem und packen mich einfach nicht. Das war hier gar nicht der Fall - ich habe jedes Buch das ich gefunden habe, sofort gelesen und jedes von ihnen macht die Welt glaubwürdiger und detaillierter.

    Es gibt verschiedene Fraktionen in diesem Spiel mit ihren eigenen Plots (und manchmal sogar Sub-Plots), einige davon waren richtiggehend tragisch und haben mich sehr traurig gemacht. Keine der Entscheidungen ist schwarz und weiß, ich musste über viele davon erst einmal lange nachdenken, bevor ich sie getroffen habe. Oft hat die Entscheidung zwar ein sofortiges positives Ergebnis für einen selbst, aber im Gesamtbild der Welt ein negatives. Wer Bock hat, sich mit einem widerlichen Fleischgott in einem heruntergekommenen Keller zu verbünden und eine ganze Kleinstadt in den Ruin zu stürzen, hat hier auf jeden Fall das perfekte Spiel dafür gefunden.

    Die finalen Stunden drehen außerdem extrem auf, da wird nochmal ein sehr beeindruckendes Setpiece abgefahren, mit dem ich so in einem 15€-Spiel gar nicht gerechnet hatte.

    1. Scarlet Hollow

    Das Spiel ist zwar noch nicht ganz fertig (erst fünf von sechs Kapiteln sind raus), aber es lohnt sich trotzdem jetzt schon, es zu spielen. Es beginnt damit, dass deine Tante aus einem entfernten Teil der Familie in einem kleinen Ort namens “Scarlet Hollow” gestorben ist und du von der Familie eingeladen wirst, ihrer Beerdigung beizuwohnen.

    Du machst dich also auf den Weg und nimmst den einzigen Bus in den kleinen Ort. Dieser fährt nur einmal pro Woche und die Beerdigung findet erst in sieben Tagen statt. Sieben Tage Zeit, um die Bewohner kennenzulernen, die Schrecken im Wald, die Gräueltaten deiner Familie und vieles mehr.

    Dieses Spiel nimmt wirklich sehr radikale Pfade, ich habe es bisher drei Mal gespielt und der Anfang kann sich tatsächlich extrem ändern - das wird unter anderem auch durch “Traits” bestimmt, ein paar Extra-Skills die man seinem Charakter zuweisen kann. So kann man z.B. viel Kraft haben, mit Tieren sprechen, ein Mystiker oder eine extrem heiße Person sein, erhält dadurch neue Dialogoptionen und Möglichkeiten, andere Menschen zu beschützen, zu belügen, mit Gewalt in verschlossene Räume einzudringen und vieles mehr. Das alles wird abgerundet mit teilweise extrem gruseligen, handgezeichneten Bildern und einer ominösen Musik, die mich echt in ihren Bann gezogen hat.

    Je öfter man es spielt, desto mehr versteht man die einzelnen Teile der Handlung und die Geschichte darum, wie dieser Ort überhaupt entstanden ist. Ich bin super gespannt auf das Finale, am Ende der fünften Episode hab ich tatsächlich ein bisschen Weini gemacht. ;_; Ein anderes Spiel vom gleichen Studio ist übrigens Slay the Princess - hier hat man zwar eher eine Illusion der Handlungsbeeinflussung, aber die handgezeichneten Grafiken sind ähnlich gruselig und es ist gut vertont.

    1. The Cosmic Wheel Sisterhood

    In diesem Spiel verkörpert man eine Hexe, die seit 200 Jahren verbannt auf einem Asteroiden lebt. Man erfährt zunächst nicht, warum man in diesem Exil leben muss und verbringt seinen Alltag in einem kleinen Haus mit recht banalen Tätigkeiten, und baut sich Stück für Stück ein eigenes Tarotdeck auf, mit dem man die Welt beeinflussen kann.

    Eines Tages erhält man Besuch von einem sehr machtvollen Wesen und geht einen Pakt mit ihm ein - und im Zuge dessen ist es einigen anderen Hexen erlaubt, dich wieder zu besuchen. Über Gespräche und das Tarotdeck kann man nun in den Lauf der Geschichte eingreifen, seine eigene Vergangenheit erkunden und auch nach und nach herausfinden, wer genau das Wesen ist, welches einen am Anfang besucht hat. Echt spannend und liebevoll in Pixelgrafik gezeichnet!

    Honorable mentions Ehrwürdige Erwähnungen:

    Minds Beneath Us

    Ein SciFi-Spiel von einem kleinen koreanischen Studio. Sehr am Zahn der Zeit (es geht um eine Handlung, in der KI die Welt übernimmt) und liebevoll animiert (ich will den fliegenden Föhn aus diesem Spiel haben!).

    LISA - The Painful

    Ein rundenbasiertes Sidescroller-RPG. Du bist alt, dick, hast eine Halbglatze und es im Leben nicht wirklich weit gebracht. Jetzt ist auch noch die Welt untergegangen und fast alle Frauen sind verschwunden. Eines Tages liegt ein Baby vor deiner Tür, ein weibliches Baby. Du versuchst, das Mädchen so lange wie möglich zu verstecken, doch nach Jahren wird sie gekidnappt und du wirst zusammengeschlagen.

    Ziel ist es nun, sie zusammen mit allerhand absurden Companions wiederzufinden. Die große Stärke des Spiels ist der Spagat zwischen absurden Szenen (du kannst einen Begleiter haben, der Gegner durch Gestank besiegt) und tragischen Opfern, die du erbringen musst - zum einen an dir selbst, aber auch, indem du deine Freunde opferst.

    Das war erstmal alles - das nächste Spiel mit viel Entscheidungsfreiheit wird Esoteric Ebb! Ich habe da ein sehr gutes Gefühl, es ist bereits als überwältigend positiv auf Steam bewertet worden.

    • Wrufieotnak@feddit.orgOP
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      5 days ago

      Oh, vielen Dank für die vielen Empfehlungen!

      Ich habe von den genannten bisher nur Slay the Princess gespielt und kann es nur empfehlen! Die Geschichte und Charaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen über die Spielzeit, auch wenn es eigentlich ja nur 3 insgesamt sind.

      Selber empfehlen an narrativ imposanten Spielen bezüglich Entscheidungsfreiheit kann ich Disco Elysium und Tyranny. Wobei Tyranny aber auch Kämpfe hat, DE dagegen nicht.

  • kossa@feddit.org
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    5 days ago

    Hab wie letzte Woche angekündigt “Jugend ohne Gott” gelesen, kann man in so 2-3 Stündchen lesen. Am Ende ist mein kulturell hochwertiges Fazit “meh”.

    Es ist sehr flowig geschrieben, kann man so schnell weglesen. Irgendwie entscheidet es sich nicht so richtig, ob es große Literatur oder Krimi sein will. Beide Facetten kommen irgendwie zu kurz. Der (unerwartet auftauchende) Krimiteil ist 2 Seiten spannend, um dann direkt eine Seite später aufgelöst zu sein. Der bedeutungsschwangere Teil bleibt irgendwie oberflächlich und lädt nicht zum Nachdenken ein. Das ist so “oh, militaristische und autokratische Gesellschaft - schlimmschlimm. Es gibt arme Kinder, um die sich niemand kümmert und die dann kriminalisiert werden - schlimmschlimm. Ich muss mir überlegen, ob ich aufrichtig bin oder meinen Job behalte - schlimmschlimm.” Also so Sonntagsreden halt. Die Dialoge diesbezüglich wirken irgendwie pseudomäßig, weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll.

    In other News bin ich in Star Trek Discovery Staffel 3 angekommen. Die Prämisse der Staffel find’ ich geil: das ist quasi “Voyager mit einem Twist”. Aber die Hauptprotagonistin geht mir vergleichsweise auf den Zeiger in dieser Staffel. Ihre Charakterentwicklung finde ich doof.

    Weiß nicht, ob es zwingend zur Kultur gehört, aber wir sind jetzt über Ostern in einen Kurzurlaub nach Bonn gefahren, zur Kirschblüte. Die Stadt finde ich bedeutend schöner, als ich sie von vor so ~15 Jahren in Erinnerung hatte. Wollte erst gar nicht hier hin - was soll ich mit zwei Kleinkindern in einer Stadt statt im Wald? - aber ist überraschend gut.

    • Wrufieotnak@feddit.orgOP
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      5 days ago

      Vielen Dank für deine Bewertung von Jugend ohne Gott. Ich hatte beim Durchlesen der Zusammenfassung mir nur gedacht, dass es ziemlich heftiger Tobak ist der dort verarbeitet wird. Das es diesem Thema leider nicht wirklich gerecht wird ist dann natürlich schade.

      Und definitiv sind Reiseerfahrungen hier auch gerne gesehen. Bonn hatte ich bisher zum Beispiel noch gar nicht groß auf dem Schirm. Gut zu wissen, dass es durchaus was zu bieten hat und nicht nur grau ist.

      • kossa@feddit.org
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        5 days ago

        Ja, ich hatte nach dem Anfang auch größere Hoffnungen auf das Buch. Es ist echt sehr Remarque-artig geschrieben. Ich-Perspektive, kurze Sätze, eher umgangssprachlich, ohne lächerlich zu wirken. Und Remarque habe ich weggeballert wie nichts Gutes, der schafft halt total die ernsten Themen seiner Zeit plastisch, aber ohne ‘Gore’, überzeugend darzustellen. Hatte dann eben auf dasselbe gehofft, aber leider nein.

  • Augustiner@lemmy.world
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    5 days ago

    Ich habe Homo Faber von Max Frisch gelesen. Insgesamt hat es mir gut gefallen. Frisch versteht es, unterhaltsam zu schreiben. Sein Protagonist und Ich-Erzähler Walter Faber ist die Personifizierung des toxischen modernen Produktivitätsmenschen; er hat keine Zeit für Emotionen, Gedanken über Gesundheit, ehrliche Selbstreflexion, Liebe, Freizeit oder Kunst. Stattdessen denkt er lieber an Arbeit und vor allem Technik (Turbinen und Flugzeuge, Symbole des Fortschritts im 20. Jh., haben es ihm besonders angetan). Permanent belügt er sich selbst (und den Leser), ist ungeduldig, genervt, zynisch, rationalisiert sein Verhalten, ist frauenfeindlich und generell misanthropisch. Dass das auf Dauer nicht gut geht, ist keine Überraschung.

    Ich bin mir nicht sicher, was ich vom Ende halten soll, welches ich hier nicht verraten will. Ob Walter am Ende dazulernt, oder nicht, war mir nicht ganz klar, weshalb ich es nicht so richtig einordnen kann… aber verkehrt fand ich auch das nicht.

  • kugel7c@feddit.org
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    5 days ago

    Ich habe In der letzten Woche Frieren S2 und dann die ersten paar folgen Dungeon Meshi geguckt. Frieren ist halt einfach mehr von dem was man in der ersten Hälfte S1 gesehen hat, schönes slice of live questing.

    Dungeon Meshi wirkt bisher auch sehr gut, auch relativ standard Fantasy setting in bisher sehr schön gemacht, der Hook mit dem monster essen hat mich als die Staffel rauskam nicht abgeholt ist aber durchaus sehr gut verwoben ins World-building und deutlich mehr als nur gimmick.

    Sonst wird weiter Slay the spire Gaming betrieben, hier hat jetzt auch der switch auf den Beta branch stattgefunden so das jeder balance patch direkt mitgenommen werden kann.

    Gehört wird in den letzten paar Wochen viel Underscores{Hyperpop} und Astrophysics, TAK, Deco*27 {Vocaloid}

  • Wrufieotnak@feddit.orgOP
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    6 days ago

    Ich habe Castlevania: Lords of Shadow 2 durch gespielt und bin irgendwie hin und her gerissen. Einerseits ist gerade das Design der Burg absolut phänomenal und es ist mir eine Freude gewesen im wahrsten Sinne des Wortes die Wand anzustarren, weil meist die Skulpturen und Gemälde beeindruckend waren. Normalerweise hat man bei Spielen ja Konzeptzeichnungen und wenn man dann das fertige Produkt sieht, erkennt man die Einflüsse der Konzeptzeichnungen und wo dann gespart und vereinfacht wurde. Bei LoS2 sieht man die Konzeptzeichnungen neben der Spielgraphik und es ist meist einfach 1:1 übersetzt worden, das war schon toll.

    Aber spielerisch war es okay und storymäßig absolute Mittelklasse. Es gab keine unvorhergesehene Wendungen oder interessante Entwicklungen. Diesmal ist es eher an einem Castlevania orientiert, indem es eine große zusammenhängende Welt gibt, die man nach und nach freischaltet. Zu schade nur, dass anfängliches Erkunden eher bestraft wird, da man dann meist an einem Schloss endet, zu dem man den Schlüssel (=Fähigkeit) noch nicht besitzt.

    Der DLC mit Alucard war ganz lustig, aber holt es euch wenn dann im Angebot als Paket, die einzelnen Mini DlCs sind ne Frechheit.

    Und Mirrors of Fate wird zwar am Anfang kurz zusammengefasst, aber lohnt sich durchaus auch zu spielen, da es die Vorgeschichte zu LoS2 erzählt und eher einem Castlevania entspricht, aber mit 3 Charakteren zu verschiedenen Zeiten.

    Hatte ich Spaß beim Spielen? Ja. Würde ich es weiterempfehlen? … Klassisches Jain. Gerade von der Story und Atmosphäre her hat mir Teil 1 besser gefallen.