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Ausland Der längst fällige Sturz von Bashar al-Assad

Am 8. Dezember 2024 fiel das Assad-Regime, nachdem Hayʾat Taḥrīr aš-Šām (HTS) zunächst Aleppo, die Provinz Idlib, Hama, Homs und schließlich die syrische Hauptstadt Damaskus unter ihre Kontrolle gebracht hatte. Die Welt wurde von diesem Durchmarsch völlig überrascht, der in der Flucht Baschar al-Assads gipfelte, der wie andere Vasallenherrscher nun auf dem Marionettenfriedhof gelandet ist.

Nach und nach zeigt sich das ganze Ausmaß von Assads Schreckensherrschaft und die seines Vaters Hafez al-Assad, die jede menschliche Vorstellungskraft sprengt. Das syrische Volk ist deshalb hin- und hergerissen zwischen Verarbeitung des jahrzehntelangen Grauens, der zutage gefördert wurde, und der Freude über den Sturz des Assad-Regimes und die Freiheit, über das erfahrene Unrecht endlich sprechen zu können. Die Befreiung des syrischen Volkes von Assad ist für die gesamte Umma ein Grund zur Freude. Aber ist es auch eine Befreiung von einem System, das diese Tyrannenherrschaft erst ermöglich hat? Denn man darf nicht vergessen, dass das Assad-Regime nur durch Unterstützung westlicher Kolonialmächte so lange bestehen konnte und dass Assad allein durch ihre Einmischung nicht schon während des Arabischen Frühlings 2012 gestürzt wurde. Wenn es nach den USA ginge, könnte Assad weitere Jahrzehnte Folterknecht in Syrien bleiben. Immerhin hat es über ein halbes Jahrhundert funktioniert, das syrische Volk in Schach zu halten.

Das Assad-Regime stand eigentlich schon im Jahr 2012 vor seinem Ende, hätte man der Revolution einen natürlichen Verlauf gelassen. So schrieb der Spiegel am 19. Juli 2012: „Das syrische Regime gerät immer stärker in die Defensive. Die Aufständischen haben den finalen Kampf um die Macht ausgerufen.“ Und am 28. Dezember 2012 konnte man im Spiegel lesen: „Generäle, Spitzenpolitiker, Diplomaten – ein Getreuer nach dem anderen wendet sich von Syriens Diktator Baschar al-Assad ab. Immer mehr hochrangige Mitarbeiter fliehen ins Ausland und laufen zu den Aufständischen über. Besonders drastisch geschwächt wurden Armee und Sicherheitskräfte.“ Weiter hieß es: „Doch angesichts der zähen und brutalen Gefechte wenden sich viele Soldaten ab. Tausende haben die Seiten gewechselt, kämpften für die Freie Syrische Armee.“ Es war damals nur noch eine Frage von Wochen bis zum Sturz von Assad.

Trotz der Tatsache, dass das syrische Volk während des Arabischen Frühlings große Opfer gebracht und dafür geblutet hatte, um Assad zu stürzen, und obwohl die Herrschaft Assads nur noch durch brutale Gewalt gegen das eigene Volk aufrechterhalten werden konnte, beschlossen die UN-Vetomächte am 30. Juni 2012 auf der Genfer Syrienkonferenz, Assad im Amt zu lassen und ihn an einer Übergangsregierung zu beteiligen – mit anderen Worten, die Tyrannenherrschaft aufrechtzuerhalten. Angesichts dieses Beschlusses auf der Syrienkonferenz in Genf war klar, dass die westlichen Kolonialmächte versuchen würden, einen Sturz Assads mit allen Mitteln zu verhindern und weitere Erfolge des Widerstands gegen das Assad-Regime zu unterbinden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Widerstandskämpfer kurz davor, ihr Ziel zu erreichen. Assad war militärisch und finanziell schon am Ende. Er bekam deshalb 2012 von Hisbollah-Kämpfern Unterstützung, die das Regime retten sollten. Sie kämpften an der Seite von Assads Armee und unterstützten sie bei der Zerschlagung des Widerstands. Dabei legten sie dieselbe Brutalität an den Tag. Ihr damaliger Anführer Hassan Nasrallah betonte im Dezember 2012 sogar, dass „die Aufständischen“, wie er sie abschätzig nannte, keine Aussicht auf Sieg hätten. Dieser unverzeihliche Verrat nicht nur am syrischen Volk, sondern an der gesamten Umma offenbarte das wahre Gesicht der Hisbollah und hat ihr Image bis heute geprägt. Auch der Iran entsandte Soldaten nach Syrien, weil Assad sich nicht mehr aus eigener Kraft an der Macht halten konnte. Fakt ist, dass Assads Tyrannenherrschaft ohne westliche Einmischung –die Unterstützer Assads stehen alle unter dem Einfluss der Kolonialmächte – längst beendet worden wäre.

Das Beispiel Syriens zeigt, wie groß das Potenzial der Umma ist, dem Unrecht und der Tyrannei die Stirn zu bieten. Das Potenzial ist so gewaltig, dass der Westen sämtliche Kräfte mobilisieren musste, um das Assad-Regime am Leben zu halten. So kam es ab 2015 zu einer direkten militärischen Beteiligung Russlands. Russland bombardierte zivile Ziele wie Wohngebiete, Krankenhäuser und Schulen, um den Widerstand zu brechen und Assad zu unterstützen. Auch die Türkei startete ab 2016 Militäroffensiven, wodurch Assads Herrschaft ebenfalls gestützt wurde. Die Kolonialmächte haben im Grunde nichts ausgelassen, um ihren Vasallen zu schützen, letztendlich jedoch ohne Erfolg. Aber wir wissen auch, dass die Kolonialmächte, insbesondere die USA, alle Hebel in Bewegung setzen werden, um seinen Platz mit einer neuen Marionette zu besetzen.