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Samstag, 24. Januar 2026
Komischer Tag. Als ich mich am Nachmittag mit dem Griechen traf, versuchte ich ihm zu erklären wie sich das heute anfühlt. Es ist wieder ein bisschen wie in Hawkins, ich spüre dass da ein massiver Schmerz hinter der Normalität liegt. Der hat sich heute immer mal wieder angedeutet, auch körperlich, dem Herzen nah, aber noch in dem Moment, in dem ich ihn genauer anschauen wollte, verflüchtigte er sich.

Der Grieche hat mir heute viel Raum für meinen Verlust gegeben, er hatte auch in den letzten Wochen mal mit seiner Mutter darüber geredet, und mir Dinge übermittelt, die sie gesagt hatte. Das hat mich sehr berührt und war tröstlich.

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Und wieder. Diesmal ist meine Mutter im Traum sehr viel jünger, so jung sehe ich sie gar nicht mehr bewusst vor mir. Ich selbst bin auch jung, mindestens Pubertät, definitiv unter 20. Wir trugen beide Schlafanzüge, beide mit kurzen Ärmeln und Shorts. An die Farbe meines Anzugs erinnere ich mich nicht. Ihrer hat ein helles kräftiges Mintgrün. Wir sind im Wohnzimmer, und ich weiß nicht mehr was genau, aber es ist definitiv eine Szene, die das ungesunde an ihr und unserer Beziehung zeigt. Ich tue etwas für sie, was mir unangenehm ist. Irgendwann klingelt es an der Tür, ich erwarte eigentlich einen meiner damaligen Jugendfreunde. Aber es steht sein (fiktiver) Bruder vor der Tür, schaut uns erstaunt an und kommentiert, huch, da tragen beide noch Schlafanzug. Oder sagte er: da trägt Mutti noch Schlafanzug? Weiß nicht mehr genau. Mutti hab ich sie nie genant, aber naja.

Es erinnert mich daran, dass sie in meiner Kindheit ganze Tage im Bett verbracht hat, wenn sie nicht arbeiten musste, aufgrund ihrer schweren Depression. Ganze Wochenende hat sie verschlafen. Und ich tat emotionale Arbeit mit ihr, Arbeit, die mir natürlich überhaupt nicht bewusst war damals. Heute dafür umso mehr.

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Freitag, 23. Januar 2026
Wieder ein Traum. Ich war bei einer früheren Arbeitskollegin und langjährigen Bekannten meiner Mutter, Anlass unklar, aber klar, dass meine Mutter verstorben ist. Wir sitzen nebeneiander. Die Bekannte erhält einen Anruf. Das Gespräch ist so laut, dass ich es mithören kann. Meine Mutter begrüßt die Bekannte auf ihre ganz typische Art und Weise, wie sie es gemacht hat, wenn sie Menschen lange nicht gesehen oder gesprochen hat und sich nun sehr über den Kontakt freut. "Jaa Mensch <Naaamee>", dabei dehnt und singt sie die Worte auf ganz bestimmte Art. Ich sitze daneben und verstehe nicht, wie das sein kann, und wann diese Person aus dem Handy denn endlich aufklären wird, wie das geht oder wer sie eigentlich ist. Dann spielt sie "Stand by me" ab und ich fange an furchtbar zu weinen, beuge meinen Oberkörper nach vorne, umarme meine Beine, und versinke in Schmerz und Dunkelheit.

~ Ben E. King - Stand By Me


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Donnerstag, 22. Januar 2026
Ich hatte letzte Nacht Träume, oder vielleicht war es auch ein zusammenhängender Traum, bei dem mir ein Teil fehlt. Im ersten Teil war ich an einem Ozean, oberhalb einer sehr großen Bucht, die Wellen rollten über einen langen Weg mit weißer Gischt an den Strand. Der Himmel war bedeckt. Ich trug seltame bunte zusammenhanglose Kleidung, und zum Beispiel nur an einem Bein unten sowas wie eine Stulpe, das andere Bein war nackt. Auf einer Bank sah ich zwei Personen, die auch ulkig angezogen waren, sie sahen bekümmert aus. Ach, dachte ich, schau an, auch so zwei, fühlte mich verbunden und suchte mir eine andere Bank, auf die ich mich setzte um ganz bewusst um meine Mutter zu trauern. Vielleicht träumte ich im Traum, auf dieser Bank, jedenfalls erlebte ich plötzlich die letzte Minute vor ihrem Tod aus der Perspektive meiner Mutter. Ich sehe durch ihr eines geöffnetes Auge. Sehe, dass da wir sitzen, also ihre Kinder, aber ich nehme sie nur als Schemen war. Mein Blickfeld ist eng, der äußere Kreis schwarz, danach ein weißer, und das Sichtfeld eben nur schemenhaft und wie durch weißen Schleier. Ich höre meinen unregelmäßigen Atem. Spüre, wie ich immer wieder wegfalle in etwas, in etwas, wo ich nicht da war, nehme wahr, dass da Stimmen sind, spüre die Anwesenheit der Kinder, ihre Stimmen klingen wie Echo, sie dringen durch, ich habe alles verstanden, auch wenn ich nicht wirklich hören kann, verstehe auf anderer Ebene, das echo verhallt immer mehr und irgendwann lasse ich los und gehe, gleite aus dem Leben.

In dem Moment wachte ich auf, mit dem seltamsten Gefühl, dass ich jemals nach einem Traum hatte. Es war sehr früh am Morgen. Ich machte mir einen Podcast an, weil ich Stimmen brauchte, etwas aus der echten Welt. Irgendwann schlief ich wieder ein. Doch auch, als ich wieder erwachte, tat ich dies mit diesem merkwürdigen Gefühl. Es lies mich den ganzen Vormittag nicht so richtig los, auch nicht als ich zum Bäcker ging, Frühstück machte. Erst mittags, als ich in der Sonne spazierenging und dabei mit einer Freundin telefonierte, die ich vor 4 Jahren in der Klinik kennengelernt hatte und mit der ich gemeinsam in der Trauergruppe war, wurde es besser. Es tat gut, ihr nochmal den Ablauf der letzten Wochen aus meiner Perspektive zu erzählen, wir hatten bisher noch nicht dazu gesprochen.

Ich bin mir sicher, dass ich nicht die Realität meiner Mutter geträumt habe, auch wenn sich alles furchtbar real anfühlte und ich nun den Eindruck hab, ich weiß wie es sich anfühlt zu sterben. Das weiß ich natürlich nicht. Merkwürdig war das.

Es waren die ersten Träume von meine Mutter seit ihrem Versterben.

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Sonntag, 18. Januar 2026
Irgendwann würde ich hier zumindest mal gerne Fotos und Musik festhalten, die ich mit den letzten Tagen mit ihr und den ersten Tagen ohne sie verbinde. Ich habe eine Playlist, sie sagt mir viel mehr als alle Worte, und mein Körper erinnert sich genau.

~ Gibran Alcocer - Idea 10


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Samstag, 17. Januar 2026
Die Verantwortung abgeben, zurückgeben an sie. Es ist ihre Entscheidung. Ich muss nichts mehr tun.

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