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Montag, 6. Juli 2026

stecknadelgroß

Die weiße Kopfskulptur Echo von Jaume Plensa vor dem MKM Museum Küppersmühle in Duisburg.

weil wieder so viel zeit vergangen ist schreibe ich heute alles hintereinander in einer nachricht so wie es mir einfällt ohne punkt und komma nur weil ich das gefühl habe gar nicht mehr zu bloggen obwohl ich immer wieder an euch denke vor knapp zwei wochen am sonntag dem tag von der fete de la musique fand am abend ein anderes konzert im huxleys statt weshalb ich mir die fete sparen musste das konzert war unfassbar ich habe seit letztem jahr schon so manche gute acts gesehen wie nick cave und radiohead und the divine comedy aber das hat gefühlt nochmal alles getoppt aldous harding meine absolute lieblingskünstlerin seit jahren

Sonntag, 21. Juni 2026

Blindboy - Nerdboy

 

Blick von den Zuschauerreihen auf die blau erleuchtete Bühne des Babylon-Theaters vor Beginn einer Veranstaltung. Auf der Bühne stehen zwei leere, petrolfarbene Sessel mit einem kleinen Tisch und zwei Wasserflaschen dazwischen. Vor den Sesseln sind zwei weiße Tischventilatoren platziert. Links und rechts auf der Bühne stehen schwarze Monitorboxen. Im Vordergrund sind die Hinterköpfe einiger Zuschauer im halbdunklen Saal zu sehen.

Ich hatte mich so darauf gefreut. Seit Monaten habe ich darauf hingefiebert, Blindboy live zu sehen. Der irische Podcaster aus Limerick hatte seinen Auftritt am Freitagabend in Berlin. L., eine gute Freundin von mir, lud mich ein, sie und ihren Partner zu begleiten. Zuerst aßen wir bei SOY zu Abend. Vietnamesisch geht bei meinem Magen noch am ehesten. Danach kam noch ein Freund von L. Zu viert gingen wir nebenan zum Babylon, wo wir bei Temperaturen um die 30 Grad mit hunderten anderer Menschen in einem nicht klimatisierten Raum saßen.

Freitag, 19. Juni 2026

Das Leben der Anderen

Eine große, blau leuchtende Projektion an einer weißen Galeriewand, die vage, verschwommene Silhouetten einer städtischen Kulisse zeigt. Darüber befindet sich eine kleinere, hellere, oval geformte Lichtprojektion in Gelb- und Weißtönen. Am rechten unteren Bildrand sitzt eine Person im Halbdunkel und blickt auf die Wand, während im Hintergrund eine weitere Person vorbeigeht.

Es mag seltsam klingen. Ich vermisse euch, obwohl ich nicht weiß, wer ihr seid, wie ihr ausseht und riecht, euch bewegt und lacht, wie eure Stimme klingt. Ich stelle mir manchmal Menschen vor, nicht meine Freunde, von denen ich weiß, dass sie diese Zeilen lesen, sondern Menschen, die ich nicht kenne. Wie sie irgendwo auf der Erde sitzen und auf die Bildschirme ihrer Rechner oder Smartphones starren und meine Worte lesen. Und mit mir weinen. Oder lachen. Oder lächeln. Das gibt mir Kraft, auch wenn mir klar ist, dass es jeglicher Realität entbehrt.

Mittwoch, 3. Juni 2026

Habeck und der Wolf

Blick in den großen Konzertsaal der Berliner Philharmonie. Auf der Bühne sitzt ein Kammerorchester, davor steht der Erzähler Robert Habeck am Mikrofon. Die Ränge sind bis auf wenige Plätze gefüllt, darunter viele Familien mit Kindern.

 

Sonntagvormittag war ich in der Berliner Philharmonie bei Prokofjews Peter und der Wolf. Für die, die es nicht kennen: Es ist eine Komposition klassischer Musik für Kinder, bei der eine Geschichte vorgelesen wird. Bestimmte Instrumente oder Instrumentengruppen entsprechen einer Figur in der Erzählung. Peter wird von den Streichern dargestellt, mit einer bestimmten Melodie. Dann gibt es eine Klarinette als Katze, eine Oboe als Ente, eine Flöte als Vogel, ein Fagott ist der Großvater und die Hörner sind der Wolf.

Freitag, 29. Mai 2026

Onkologin des Todes

Frühlingsblumen in einem trockenen Beet: Tulpen, Stiefmütterchen und gelb blühende Pflanzen zwischen staubiger Erde. Einige Blüten stehen noch aufrecht, andere sind bereits verwelkt oder liegen am Boden.

Heute war ein trauriger Tag. Nicht tragisch, aber doch traurig.

Als ich vor 528 Tagen in die Rettungsstelle vom Vivantes Klinikum im Friedrichshain ging, hatte ich keine Ahnung, was mit mir los sein könnte. Mein Hirn war schon so zerquetscht von dem Tumor, der dort wütete, aber vor allem, von dem Ödem, das auf meine Nerven drückte, dass ich nicht mal auf die Idee kam, so etwas Schlimmes könne mich heimsuchen.

Donnerstag, 21. Mai 2026

Sisyphos im Urlaub

Ein maroder, mehrstöckiger Plattenbau mit grauer Fassade und verwitterten Fensterreihen. Im Vordergrund steht ein verrosteter Metallzaun mit Stacheldraht, hinter dem dichtes, wildes Gebüsch wächst.

 

Neulich war ich in Mitte mit einem Freund, der aus dem Urlaub zurückgekommen war. Er erzählte mir von Inseln und Tauchen im Meer. Von Seepferdchen und Schildkröten. Von leckerem Essen und netten Menschen. Es waren schöne Geschichten. Ich habe mich sehr gefreut für ihn.

Auf dem Weg nach Hause wurde mir bewusst, dass ich so etwas nie wieder haben werde: Urlaub. Vielleicht denkt ihr ja: Jetzt übertreib mal nicht! Aber an meiner Situation als Sozialfall wird sich nie wieder etwas ändern. Es ist so, wie es ist und wird bis zu meinem Tod so bleiben.

Sonntag, 17. Mai 2026

Vier Leben

Frontansicht des Kino International in Berlin an einem hellen Tag. Vor dem modernistischen Gebäude aus der DDR-Zeit fahren Radfahrer über eine breite Kreuzung, darüber blauer Himmel mit wenigen Wolken. Auf der Fassade hängt ein großes Banner mit der Aufschrift „Remastered for Masterpieces“
 

Asche auf mein Haupt. Eine Abwärtsspirale. Je länger ich hier nicht schreibe, desto größer der Haufen an Sachen, die ich euch erzählen möchte.

Erstmal vorweg: mir geht's gut. Der Körper, sprich der Krebs – same old, same old: ein Zwacken hier, ein Ziehen da. Und Drücken überall. Ich hab mich dran gewöhnt und damit abgefunden. Wichtiger ist: Der Friede in mir ist nie wieder gewichen, seit Australien, seit dem "epiphanen Augenblick." Möge kommen, was wolle.

Freitag, 1. Mai 2026

500 Days In a New Life

Sonnenuntergang hinter kahlen Bäumen in einem weiten Park, eine einzelne Person geht über die Wiese, ruhige, kühle Stimmung. 

Hallo Leute!

Ich habe mich bewusst zurückgezogen, weil ich den Roman endlich fertigkriegen will. Das Schreiben des Blogs hat mir in meiner schlimmsten Phase sehr geholfen, vor allem bei meinem psychischen Leid. Aber es hat mich auch viel Zeit und Kraft gekostet, da ich mich ständig um mich kreise. Manchmal habe ich mich dadurch sogar daran gehindert, gesund zu werden.

Dienstag, 3. März 2026

Sauna-Shinkansen

Gerahmter Linolschnitt von „Alma Sinai (aka Alma Matter)“: stilisierte Darstellung eines isländischen Gletschers in tiefem Schwarz auf rosafarbenem Grund, ruhiges Wasser im Vordergrund, grafisch strukturierter Himmel darüber, heller Holzrahmen an einer schlichten Wand.
Linolschnitt von Alma Sinai: almamatter.net

Die Schiebetür geht auf. Ein dicker Mann ohne Gesicht starrt auf einen Monitor, blickt nicht auf. Drumherum Apparate, ein weiterer Schreibtisch mit Rechner, kein Fenster. Eine Frau Anfang 30, krauses Haar im Dutt, mit Zehneinhalb-Stunden-Lächeln auf den Lippen, drängt mich in die Kabine. Ihr Hinterkopf sagt: "Blech aus dem Ohr! Falls Sie noch andere Piercings im Gesicht haben – auch raus! Schuhe anlassen!" 

Freitag, 20. Februar 2026

Kontrastmittel und roter Teppich

 

Außenaufnahme des Berlinale Palasts am Potsdamer Platz in der Dämmerung: rote Absperrungen und Sicherheitsbarrieren führen zum Eingang, darüber das leuchtende Berlinale-Logo mit Bär vor der Glasfassade, Menschen gehen in Winterjacken ins Kino.

60 ml schossen am Dienstag mal wieder durch meine Venen – und ich pisste mich voll. Nicht wirklich, aber das Gefühl ist identisch. Echt unangenehm, wenn das Kontrastmittel einen durchläuft. Computertomografie. Eine fantastische Apparatur. Ohne diese Technologie hätte ich mehr Angst. Wobei meine Angst inzwischen wirklich reduziert ist. Es komme, was wolle. I’m ready.

Donnerstag, 12. Februar 2026

Der Skunk in mir

Blick in den Vorraum des Kino Babylon in Berlin: Eine hohe weiße Wand ist dicht mit Filmplakaten bedeckt, darunter „Metropolis“, „Hamlet“, „Titanic“ und „Brecht“. Unten im Bild eine schlichte Küchenzeile mit Espressomaschine und Spüle.

Seit Tagen empfinde ich Stress, weil ich zu vieles auf einmal machen muss. Ich habe verstanden, dass genau das mich aus der Spur bringt. Wie viel von dieser Unzufriedenheit einfach daher kommt, dass ich nichts in Ruhe tun kann, weiß ich gar nicht. Ich rede nicht von Arbeit. Ich rede von allem. Wenn ich mir beim Zähneputzen denke, ich müsste längst irgendwo sein, oder mir beim Schuhe­binden das Handy auf den Boden fällt. Zum Glück geht es nicht kaputt, aber mir schießt sofort eine Hitzewelle durch den Körper. Das liegt am Krebsmedikament.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Virtuoses Staubgefüge

Leerer Konzertsaal im Konzerthaus Berlin nach dem Konzert: auf der Bühne dicht gereihte Notenpulte und rot gepolsterte Stühle, dazwischen Musiker:innen beim Abbau. Im Vordergrund Pauken und Schlagwerk, im Hintergrund Logen und goldverzierte Brüstungen des Saals.

Letzte Woche war ich bei meiner Onkologin des Todes. Zurzeit hospitiert eine neue Kollegin aus der Pneumologie. Sie war schon mal da. Zum Glück mag ich sie. Denn mein Gefühl sagt mir, dass ich in Zukunft mehr mit ihr zu tun haben werde. Vielleicht zieht sich meine bisherige zurück oder wechselt auch auf die Station? Dahin ist ja meine Lieblingsonkologin auch schon auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Donnerstag, 29. Januar 2026

1.440 Minuten Schrott und ein Scheibenwischer im Kopf

Ein rot-schwarzes Plakat der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz mit der Aufschrift „IRGEND ETWAS IST PASSIERT“. Die schwarzen Buchstaben sind in einer verzerrten, wellenartigen Typografie gesetzt, die einen leicht hypnotischen und unruhigen Effekt erzeugt.

Ich habe seit meinem letzten Eintrag ein paar interessante Dinge erlebt, von denen ich euch erzählen möchte.

THE CLOCK:
Ich war in der Neuen Nationalgalerie und habe mir THE CLOCK angesehen – also dreizehn Minuten davon. Wer das nicht kennt: Es ist ein Kunstprojekt, ein 24-stündiger Film mit 1.440 Minuten Filmmaterial, bei dem man eine Szene nach der anderen sieht, die die tatsächliche Uhrzeit mit Filmsequenzen der entsprechenden Uhrzeit zeigt. Beispiel: Man ist um 14:13 Uhr im Museum. Dann zeigt der Film Filmszenen mit Uhren, die 14:13 Uhr abbilden. Um 17 Uhr, okay, easy. Aber nachts um 3:43 Uhr? Schon krass.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Durchhalten ist scheiße!

Sonnenuntergang am Alexanderplatz in Berlin: Blick entlang der Straßenbahnschienen, die auf die tief stehende Sonne zulaufen. Menschen überqueren den Platz zu Fuß, einige mit Kinderwagen oder Taschen. Im Hintergrund stehen Bürogebäude, rechts ragt der Fernsehturm Berlin in den Himmel. Kaltes Winterlicht, lange Schatten auf dem Asphalt.

Vor 401 Tagen begann meine neue Reise. In diesem Moment, in der Klinik, wurde alles dunkel. Vor 76 Tagen begann ich, wieder Licht zu sehen. Es gab Leute, die mir sagten, ich solle den Ball flach halten. Ihnen sei es auch schon oft so ergangen: gute Phasen, Hoffnung, und ein paar Wochen später wieder dieselbe düstere Grundstimmung. Wie hätte ich ihnen erklären sollen, dass das bei mir kein temporärer Zustand ist.

Freitag, 16. Januar 2026

Das Leben steckt im Detail

Ein bunt angerichteter Salatteller mit grüner Basis, Tomaten, Gurken, Feta, Walnüssen und Avocado, getoppt mit in der Pfanne gebratener Roter Bete und Kohlrabi.

Entschuldigt bitte! Ich habe mich so lange nicht gemeldet. Nicht, weil etwas passiert ist. Ich bin nur im absoluten Arbeitswahn: Die Überarbeitung des Romans läuft auf Hochtouren. Es gibt noch unglaublich viel zu tun, bis er zum ersten Mal in die Hände von Testleser:innen gelegt werden kann.

Montag, 5. Januar 2026

Napoleon Varga

Satirische Illustration eines anthropomorphen Schweins im Business-Anzug, das Ähnlichkeit mit Donald Trump aufweist. Die Figur hat hellblondes Haar, eine markante Schweinenase, spitze Schweineohren und hält eine brennende Zigarre im Mundwinkel. Der Gesichtsausdruck ist grimmig und herrisch, der Hintergrund dunkel und schattig.
 

Heute schreibe ich über etwas, das nichts mit meiner Krankheit zu tun hat. Es hat höchstens mit meinem neu gewonnenen Stoizismus zu tun. Ich teile diesen Gedanken, der mich beschäftigt, ohne dass er mich aus dem Gleichgewicht zu bringen vermag.

Samstag, 3. Januar 2026

Scheiße begraben, nach vorne blasen

Blick in die große Haupthalle des Hamburger Bahnhofs mit hoher Stahlträger-Decke. In der Mitte stehen mehrere monumentale, organisch geformte Skulpturen aus grobem, erd- und fellartigem Material, die wie massive Baumstämme oder Höhlen wirken. In die Oberflächen sind reliefartige, körperähnliche Formen eingelassen. Besucherinnen und Besucher bewegen sich zwischen den Skulpturen und geben einen Eindruck von deren Größe.

Heute Morgen las ich meine WhatsApp-Nachrichten. Eine war von meinem Freund D. aus Australien. Er sagte, ich hätte ihm genau vor einem Jahr geschrieben, dass wir uns womöglich nicht mehr sehen würden, wenn ich es nicht noch einmal nach Melbourne schaffe. Die Nachricht damals habe ihn erschüttert. Er weinte und betrank sich maßlos an dem Abend.

© Vic Mancini on Death Row
Maira Gall