DE19950034A1 - Verfahren und Vorrichtung zur Steuerung einer Bremsanlage - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Steuerung einer BremsanlageInfo
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Abstract
Es werden ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Steuerung einer Bremsanlage eines Fahrzeugs vorgeschlagen, wobei in wenigstens einem Betriebszustand bei betätigtem Bremspedal Bremskraft an wenigstens einem Rad des Fahrzeugs unabhängig vom Ausmaß der Pedalbetätigung gehalten wird. Dabei sind für die Aktivierung oder Deaktivierung der Funktion verschiedene Bedingungen gemeinsam oder alternativ vorgesehen.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung
zur Steuerung der Bremsanlage eines Fahrzeugs.
In der EP 375 708 B1 (US-Patent 5,129,496) wird die Reali
sierung einer automatischen Feststellbremse durch geeignete
Steuerung einer Bremsanlage beschrieben. Dazu wird bei Betä
tigen des Bremspedals und bei Unterschreiten eines sehr
kleinen Geschwindigkeitswertes durch das Fahrzeug durch
Schalten wenigstens eines Ventils der Bremsdruck in wenig
stens einer Radbremse eingesperrt, d. h. konstant gehalten,
ggf. zusätzlich durch Betätigen druckerzeugender Mittel er
höht. Der eingesperrte Bremsdruck wird erst dann wieder ab
gebaut, wenn ein Anfahrwunsch des Fahrers erkannt wurde.
In der DE 196 21 628 A1 wird eine automatische Feststell
bremsfunktion ( = Hillholder-Funktion) vorgeschlagen, welche
aktiviert wird, wenn das Fahrzeug bei betätigter Betriebs
bremse zum Stillstand kommt. Der dann herrschende Bremsdruck
bzw. Bremskraft wird an wenigstens einer Radbremse unabhän
gig vom Ausmaß der Betätigung des Bremspedals gehalten oder
aufgebaut, bei Lösen des Bremspedals wieder abgebaut. Eine
derartige Hillholder-Funktion vermeidet umfangreiche Sicher
heitsmaßnahmen. Zur Anfahrunterstützung beispielsweise an
Steigungen übernimmt bei gleichzeitiger Betätigung von
Bremspedal und Kupplungspedal bei Lösen des Bremspedals das
Kupplungspedal die Aktivierung bzw. Deaktivierung der Hill
holder-Funktion. Bei Systemen ohne vom Fahrer betätigbaren
Kupplungspedalen, beispielsweise bei automatisierten Schalt
getrieben, liegt keine Kupplungspedalinformation vor, so daß
die bekannte Lösung nicht universell einsetzbar ist.
Es ist Aufgabe der Erfindung, Maßnahmen für eine automati
sche Feststellbremsfunktion anzugeben, welche ohne aufwendi
ge Sensorik eine Anfahrhilfe bereitstellt und dabei univer
sell einsetzbar ist. Dies wird durch die Merkmale der unab
hängigen Patentansprüche erreicht.
Eine automatische Feststellbrems- oder eine Hillholder-
Funktion, welche im wesentlichen bei Betätigen des Bremspe
dals und erkanntem Stillstand des Fahrzeugs die Bremskraft
aufrechterhält (Druck einsperrt), nach dem Lösen des Brems
pedals die Bremskraft wieder freigibt (vorzugsweise bleibt
die Funktion für eine gewisse Zeit nach Lösen des Pedals ak
tiv, nach Ablauf der Zeit oder erkanntem Anfahrwunsch wird
die Bremskraft wieder freigegeben), erfolgt eine universell
einsetzbare Anfahrunterstützung, insbesondere an Steigungen.
In vorteilhafter Weise gibt es kein Zurückrollen des Fahr
zeugs. Der Fahrer erhält ein klar reproduzierbares Verhal
ten, bei dem das Lösen der Betriebsbremse mittelfristig auf
jeden Fall zu einem ungebremsten Fahrzeug führt, wie er es
auch bei Fahrzeugen ohne diese zusätzliche elektronische
Funktion gewöhnt ist.
In besonders vorteilhafter Weise ist daher ein Mißbrauch der
Hillholder-Funktion als Feststellbremse nicht möglich.
Besonders vorteilhaft ist ferner, daß bei einer hydrauli
schen Bremsanlage an die Druckhaltefähigkeit des Ventils,
welches den Bremsdruck einsperrt, nur relativ niedrige An
forderungen zu stellen sind. Dies deshalb, weil der Zeit
raum, in dem die Druckdifferenz über dem Ventil ansteht, be
grenzt ist.
Besonders vorteilhaft ist, daß sichergestellt ist, daß der
Fahrer bei aktivierter Funktion in Bereitschaft ist und so
mit im Fehlerfall das Halten des Fahrzeugs übernehmen kann.
Besonders vorteilhaft ist, daß die Hillholder-Funktion ohne
aufwendige Sensorik, wie beispielsweise eine Fahreranwesen
heitserkennung, auskommt, und universell, auch mit automati
sierten Schaltgetrieben, einsetzbar ist.
In vorteilhafter Weise werden die genannten Bedingungen zur
Aktivierung und Deaktivierung der Hillholder-Funktion durch
wenigstens eine weitere Bedingung flankiert, die in vorteil
hafter Weise die Funktionsfähigkeit des Hillholders verbes
sert. In vorteilhafter Weise wird die bestimmte Zeitdauer,
für die das Aufrechterhalten der Bremskraft bei betätigtem
Fahrpedal und gelöstem Bremspedal verlängert wird, so bemes
sen, daß das Fahrzeug an Steigungen solange gehalten wird,
solange die aufrechterhaltene Bremskraft zum Anfahren benö
tigt wird. Dabei wird in vorteilhafter Weise in einem Aus
führungsbeispiel bereits während dieser Zeitdauer ein gerin
ger Bremskraftabbau bzw. Bremsdruckabbau eingeleitet. Letz
teres wird, im folgenden ebenfalls unter "Aufrechterhalten
der Bremskraft" oder "Einsperren des Bremsdrucks" verstan
den.
Durch die beschriebenen Bedingungen zur Aktivierung bzw. De
aktivierung des Hillholders wird in vorteilhafter Weise si
chergestellt, daß ein automatisches Festhalten des Fahrzeugs
nur dann stattfindet, wenn der Fahrer in Bereitschaft ist,
d. h. wenn der Fahrer das Fahrzeug nicht verlassen hat. Dies
ist auch in Verbindung mit einem automatisierten Schaltge
triebe der Fall, wo Kupplungs- und/oder Ganginformationen
keine Aussage über die Anwesenheit des Fahrers liefern.
Weitere Vorteile ergeben sich aus der nachfolgenden Be
schreibung von Ausführungsbeispielen bzw. aus den abhängigen
Patentansprüchen.
Die Erfindung wird nachstehend anhand der in der Zeichnung
dargestellten Ausführungsformen näher erläutert. Fig. 1
zeigt eine Steuereinrichtung für die Bremsanlage eines Fahr
zeugs, während in Fig. 2 die Zusammenhänge bei der Aktivie
rung, in Fig. 3 die bei der Deaktivierung des Hillholders
bzw. der automatischen Feststellbremsfunktion als Ablaufdia
gramm dargestellt sind. In Fig. 4 schließlich wird die
Funktionsweise anhand von Zeitdiagrammen verdeutlicht.
Fig. 1 zeigt eine Steuereinrichtung 10 zur Steuerung der
Bremsanlage eines Fahrzeugs. Diese Steuereinrichtung 10 um
faßt eine Eingangsschaltung 12, wenigstens einen Mikrocompu
ter 14 und eine Ausgangsschaltung 16. Eingangsschaltung, Mi
krocomputer und Ausgangsschaltung sind miteinander zum ge
genseitigen Datenaustausch mit einem Kommunikationssystem 18
verbunden. Der Eingangsschaltung 12 sind Eingangsleitungen
von verschiedenen Meßeinrichtungen zugeführt, die in einem
bevorzugten Ausführungsbeispiel in einem Bussystem, z. B.
CAN, vereinigt sind. Eine erste Eingangsleitung 20 führt von
einem Bremspedalschalter 22 zur Steuereinheit 10 und über
mittelt dieser ein Bremspedalschaltersignal BLS. Eingangs
leitungen 24 bis 27 verbinden die Steuereinheit 10 mit Rad
geschwindigkeitssensoren 28 bis 31, über die Signale bezüg
lich der Geschwindigkeiten der Räder des Fahrzeugs zugeführt
werden. In einem bevorzugten Ausführungsbeispiel ist ferner
wenigstens eine weitere Eingangsleitung 32 vorgesehen, über
die wenigstens eine der folgenden Größen übermittelt wird:
ein zweites Bremspedalschaltersignal sBLS, welches eine red-
undante Information zur Bremspedalbetätigung gibt; Eine den
Hauptbremszylinderdruck DS repräsentierende Meßsignalgröße;
Eine Betätigungsgröße GAS eines Fahrpedals oder von einem
Motorsteuergerät die Information, ob das Fahrpedal betätigt
ist oder nicht; Ein Schaltersignals HAS, welches anzeigt,
daß eine Feststellbremse betätigt ist; Von einer Getriebe
steuerung eine Größe GANG zugeführt, welche die Information
über eine eingelegte Gangstufe gibt; Von einer Motorsteue
rung eine Größe M, die ein Maß für das eingestellte oder
einzustellende Motordrehmoment repräsentiert. Innerhalb der
Steuereinheit werden Marken gesetzt, welche den Status eines
Antiblockierreglers ABS und/oder eines Antriebschlupfreglers
ASR und/oder eines Fahrdynamikreglers ESP repräsentieren.
Ferner ist in einem vorteilhaften Ausführungsbeispiel eine
weitere Eingangsleitung 36 vorgesehen, die von einem vom
Fahrer betätigbaren Tastschalter 38 zur Steuereinheit 10
führt, bei dessen Betätigung der Fahrer die Hillholder-
Funktion aktiviert.
An der Ausgangsschaltung 16 der Steuereinheit 10 sind Aus
gangsleitungen angebracht, die Stellelemente zur Steuerung
der Radbremsen des Fahrzeugs ansteuern. Im bevorzugten Aus
führungsbeispiel handelt es sich bei der Bremsanlage um eine
hydraulische Bremsanlage, so daß die Ausgangsleitungen 40
auf Ventile 42 zur Steuerung des Bremsdrucks in den einzel
nen Radbremsen führen, während über Ausgangsleitungen 44 ge
gebenenfalls wenigstens ein druckerzeugendes Mittel 46 (Pum
pe) für die einzelnen Bremskreise angesteuert wird. Über die
Ausgangsleitung 46 wird in einem bevorzugten Ausführungsbei
spiel wenigstens ein Steuerventil 48 angesteuert, welches in
wenigstens einer Radbremse den Bremsdruck bei Betätigen des
Bremspedals im Sinne der beschriebenen Hillholder-Funktion
konstant hält. Im bevorzugten Ausführungsbeispiel handelt es
sich bei diesem um wenigstens ein Steuerventil, das zur
Durchführung der Antriebsschlupfregelung vorgesehene Um
schaltventil, welches die Verbindung zwischen Hauptbremszy
linder und Radbremsen unterbricht. Anstelle dieses Ventils
wird der Bremsdruck auch durch die Ventile, die den Rad
bremsdruck steuern, eingesperrt. Die Bremsdruckeinsperrung
erfolgt je nach Ausführung an allen oder an ausgewählten
Radbremsen.
Die dargestellte Erfindung ist nicht auf die Anwendung bei
einem bestimmten Bremsanlagentyp beschränkt. So wird die Lö
sung bei hydraulischen Bremsanlagen mit den entsprechenden
Vorteilen auch bei pneumatischen Bremsanlagen oder in Ver
bindung mit elektrohydraulischen, elektromotorischen
und/oder elektropneumatischen Bremsanlagen angewendet. Dabei
wird die durch die Bremspedalbetätigung vom Fahrer vorgege
bene, über konventionelle Druckleitungen oder auf elektri
schem Wege eingestellte Bremskraft an einzelnen Radbremsen
bei aktiver Hillholder-Funktion unter Schalten von Ventilen
und ggf. Pumpen und/oder unter Konstanthalten von Ansteuer
signalen oder Schalten von Ansteuersignalen auf bestimmte
Werte gehalten oder vergrößert. Insbesondere bei elektromo
torischen Bremsanlagen wird durch elektrische Ansteuersigna
le der elektromotorische Bremsensteller zur Ausübung einer
bestimmten Bremskraft angesteuert bzw. in einer vorgegebenen
Position verriegelt.
In einem bevorzugten Ausführungsbeispiel führt die Steuer
einrichtung 10, dort der Mikrocomputer 14, unter Steuerung
der Bremsanlage des Fahrzeugs wenigstens eine Antriebs
schlupfregelung und ggf. zusätzlich eine Fahrdynamikregelung
durch. Derartige Regelungen sind aus dem Stand der Technik
bekannt. Ferner ist als Zusatzfunktion eine sogenannte Hill
holder-Funktion vorgesehen, die neben einer Feststellbrems
wirkung auch als Berganfahrhilfe für Schaltgetriebefahrzeuge
und Kriechunterdrückung für Automatikgetriebefahrzeuge ange
wendet.~wird. Prinzipiell wird bei einer solchen Hillholder-
Funktion die vom Fahrer vorgegebene Bremskraft (Zuspann
kraft) auf ein Signal hin mit Hilfe einer entsprechenden
Stellelementesteuerung (insbesondere den ASR-Umschaltven
tilen) festgehalten und, unter bestimmten Bedingungen wieder
abgebaut. Das Anforderungssignal für die Hillholder-Funktion
kann beispielsweise von einem vom Fahrer betätigbaren Taster
oder von einer automatischen Fahrzeugstillstandserkennung
abgeleitet werden, wobei ein Beispiel für eine solche Fahr
zeugstillstandserkennung aus dem eingangsgenannten Stand der
Technik bekannt ist.
Die Aktivierung und/oder Deaktivierung der automatischen
Feststellbremse (Hillholder) wird aus wenigstens einer der
genannten Eingangsgrößen abgeleitet. Die unten genannten Be
dingungen werden je nach Ausführung entweder einzeln oder in
beliebiger Kombination eingesetzt.
Die Aktivierung der Funktion erfolgt, wenn das Fahrzeug zum
Stillstand gekommen ist (Erkennung über Drehzahlfühler oder
im Rahmen einer wie im Stand der Technik dargestellten
Schätzung), sich die Funktion in Bereitschaft befindet (dies
ist entweder immer der Fall oder nur nach Betätigen eines
Bedienschalters durch den Fahrer) und wenn die Bremse getre
ten ist. Zusätzlich zu diesen drei Hauptbedingungen kann je
nach Ausführung wenigstens eine der folgenden Bedingungen
vorgesehen sein: Der Antriebsmotor des Fahrzeugs muß in Be
trieb sein, was durch eine entsprechende, im Speicher der
Steuereinheit gesetzte Marke oder auf der Basis eines Mo
tordrehzahlsignales abgeleitet wird; Das Gaspedal ist nicht
betätigt, was durch Übermittlung einer entsprechenden Infor
mation oder durch Übermittlung einer Betätigungsgröße für
das Gaspedal, welche mit einem vorgegebenen minimalen
Schwellenwert verglichen wird, bestimmt wird; Es muß ein
Gang eingelegt sein, wobei im bevorzugten Ausführungsbei
spiel von einer Getriebesteuerung eine entsprechende Marke
ausgesendet wird; Es muß ein Hauptbremszylinderdruck ober
halb eines bestimmten Schwellenwertes aufgebracht worden
sein, wobei der eingelesene Hauptbremszylinderdruck mit dem
Schwellenwert verglichen wird; Die Fahrbahnsteigung in An
fahrrichtung muß positiv sein, d. h. das Fahrzeug bergauf an
fahren, was auf der Basis eines Neigungssensors und/oder
nach Maßgabe anderer Größen abgeschätzt wird; Die Feststell
bremse ist nicht betätigt, was durch eine entsprechende
Schalterinformation erkannt wird.
Die letzte Bedingung verhindert einen Mißbrauch des Hillhol
ders als Feststellbremse. Zieht der Fahrer z. B. die Fest
stellbremse nur schwach an und verläßt das Fahrzeug, so er
kennt er, da durch Betätigen der Feststellbremse eine Deak
tivierung des Hillholders erfolgt (siehe unten), daß über
die Feststellbremsbetätigung das Fahrzeug nicht gehalten
werden kann.
Bei der Deaktivierung des Hillholders wird der eingesperrte
Druck durch teilweises oder ganzes Öffnen der den Druck ein
sperrenden Ventile schlagartig, treppenförmig oder kontinu
ierlich abgebaut. Entsprechend wird die aufrechterhaltende
Bremskraft durch Ausgabe entsprechender Steuersignale an die
Bremsenstehler reduziert.
Die Deaktivierung erfolgt, wenn wenigstens eine der folgen
den Bedingungen vorliegt: Ein Anfahrwunsch wird erkannt,
wenn das übermittelte, das Motormoment repräsentierende Si
gnal oder die Motordrehzahl einen Schwellenwert übersteigt,
wobei ggf. die gemessene oder geschätzte Information bezüg
lich der Fahrbahnsteigung in die Bestimmung des Schwellen
wertes eingeht, um einen verbesserten Anfahrkomfort bereit
zustellen, und wenn ggf. die Kupplung nicht geöffnet ist;
Nach dem Lösen des Bremspedals ist eine bestimmte Zeitdauer
abgelaufen; Die Fahrzeuggeschwindigkeit ist größer als ein
Schwellenwert; Die Handbremse (oder eine über den Fuß betä
tigbare Feststellbremse) ist betätigt, was in einem Ausfüh
rungsbeispiel zur Vermeidung von Pedalrückwirkungen erst
nach Lösen der Bremse berücksichtigt wird; Nach Unterschrei
ten eines vorgegebenen Hauptbremszylinderdruckschwellenwer
tes ist eine gewisse Zeitdauer abgelaufen.
Bei der Deaktivierung wird die Zeitdauer vom Lösen des
Bremspedals bis zum eigentlichen Anfahrvorgang überbrückt
und ein Zurückrollen des Fahrzeugs beim Anfahren an Steigun
gen verhindert, weil die Bremskraft bzw. der eingesperrte
Bremsdruck noch für einen kurzen Zeitraum (in etwa 1 sek.)
nach Lösen der Bremse festgehalten wird bzw. verzögert redu
ziert wird.
Zur weiteren Verbesserung des Anfahrvorgangs ist zur Verlän
gerung der Haltezeit das. Treten des Gaspedals bei noch nicht
vorhandenem Anfahrwunsch vorgesehen. In diesem Fall ist vor
gesehen, die Haltedauer nach Lösen des Bremspedals zu ver
längern (beispielsweise auf 3 sek.). Die Haltedauer nach Lö
sen des Bremspedals ist mit Blick auf ein klares Fahrzeug
verhalten festgelegt, wobei ein Aussteigen nach Lösen des
Bremspedals bei aktiver Funktion unmöglich sein muß. Daher
ist bei einem zaghaften Anfahrvorgang nicht immer sicherge
stellt, daß diese Haltezeit ausreichend groß ist, um ein
Rückwärtsrollen zu vermeiden. Sie wird verlängert, wenn das
Gaspedal getreten ist, so daß die Deaktivierung der Funktion
nach einer längeren Haltezeitdauer erfolgt, wenn kein An
fahrwunsch detektiert wurde (Motormoment ist noch nicht aus
reichend).
Alternativ zu diesen Bedingungen zur Aktivierung und Deakti
vierung des Hillholders ist auch ein vorübergehendes Passiv
schalten der Funktion vorgesehen, wobei eine sukzessive An
näherung an ein Hindernis bei Bergabfahrt erleichtert wird.
Wäre in diesem Zustand die Funktion aktiv, muß entweder Gas
gegeben, was die Annäherung an das Hindernis nicht erleich
tert, oder die Zeitbedingung abgewartet werden, was eine
Komforteinbuße bedeutet. Das Passivschalten des Systems er
folgt bevorzugt durch ein vom Fahrer betätigbares Schalter
signal oder bei erkannter Bergabfahrt (z. B. anhand der er
mittelten Fahrbahnsteigung).
Im bevorzugten Ausführungsbeispiel erfolgt die Realisierung
der beschriebenen Vorgehensweise als Programm der Rech
nereinheit 14 der Steuereinheit 10. Ein Beispiel für ein
solches Programm ist in Fig. 2 und 3 als Ablaufdiagramme
bezüglich der Aktivierung und der Deaktivierung der Funktion
dargestellt.
Fig. 2 zeigt die Vorgehensweise zur Aktivierung der Hill
holder-Funktion. Das Aktivierungssignal wird durch eine Und-
Verbindung 100 erzeugt und als Ausgangssignal über eine Lei
tung 102 zum Schließen eines Ventils oder alternativer Stel
lelemente ausgegeben. Die Eingangssignale der Und-Verbindung
100 werden wie folgt beschrieben gebildet: Das Hauptbremszy
linderdrucksignal DS wird in einem Vergleicher 104 mit einem.
Schwellenwert, der ein betätigtes Bremspedal repräsentiert,
verglichen und ein Ausgangssignal ausgegeben, wenn das Si
gnal diesen Schwellenwert überschreitet. Dieses Ausgangs
signal wird einer Und-Verbindung 106 zugeführt. In einem
Vergleicher 108 wird das Bremspedalschaltersignal BLS mit
dem Wert 1 verglichen, den es aufweist, wenn das Bremspedal
betätigt ist. Auch dieses Ausgangssignal wird der Und-
Verbindung 106 zugeführt. Entsprechend wird in einem Ver
gleicher 110 das Signal des Sicherheitsbremspedalschalters
sBLS mit dem Wert 1 verglichen, ein Signal ausgegeben, wenn
dieses den Wert 1 aufweist (betätigtes Pedal) und der Und-
Verbindung 106 zugeführt. Das Ausgangssignal der Und-
Verbindung 106 bildet ein Eingangssignal der Und-Verbindung
100. Ein Handbremsschaltersignal HAS wird in einem Verglei
cher 112 mit dem Wert Null verglichen. Dieser Wert tritt
auf, wenn die Handbremse nicht betätigt ist. Weist das Si
gnal den Wert Null auf, so wird ein Ausgangssignal an die
Und-Verbindung 100 abgesendet. Ferner wird eine Gaspedalbe
tätigungsgröße GAS zugeführt und in einer Schwellenwertstufe
114 mit einem vorgegebenen Schwellenwert verglichen, bei
dessen Unterschreiten ein losgelassenes Gaspedal erkannt
wird. Ist dies der Fall, wird ein Ausgangssignal an die Und-
Verbindung 100 abgesendet. Ferner wird in einer Schätzstufe
116 beispielsweise auf der Basis der Radgeschwindigkeiten
VRAD wie im eingangs genannten Stand der Technik beschrieben
die Fahrzeuggeschwindigkeit VF abgeschätzt. Diese wird in
einer Schwellenwertstufe 118 mit einem Minimalwert vergli
chen, dessen Unterschreiten einen Stillstand des Fahrzeugs
anzeigt. Ist dies der Fall, wird ein Ausgangssignal als Ein
gangssignal für die Und-Verbindung 100 erzeugt. Ferner wird
eine von einer Getriebesteuerung übermittelte Ganginformati
on GANG mit dem Wert 1 im Vergleicher 120 verglichen. Dieser
Wert repräsentiert eine eingelegte Gangstufe. Liegt dieser
Wert vor, wird ein Ausgangssignal zur Und-Verbindung 100 ge
schickt. Ferner sind in einem Speicherelement 122 Statusmar
ken abgelegt. Eine erste Statusmarke MOT zeigt an, ob die
Antriebseinheit des Fahrzeugs läuft. Im Vergleicher 124 wird
diese Marke mit dem Wert 1 verglichen. Ist dieser vorhanden
(Motor läuft), wird ein Ausgangssignal für die Und-Verbin
dung 100 ausgegeben. Ferner sind Statusmarken für die ABS-
und ASR-Funktion, ggf. auch für die ESP-Funktion, vorgese
hen, die dann Null aufweisen, wenn die entsprechende Funkti
on nicht aktiv ist. Entsprechend wird in den Vergleichern
126 und 128 die Statusmarken mit dem Wert Null verglichen.
Weisen beide Marken den Wert Null auf (Und-Verbindung 130),
wird ein Ausgangssignal zur Und-Verbindung 100 übermittelt.
Letztere bildet ein Ausgangssignal zur Aktivierung der
Bremsdruckeinsperrung, wenn an allen Eingängen Eingangsgrö
ßen anliegen, d. h. wenn alle die genannten Bedingungen er
füllt sind.
Die Darstellung in Fig. 2 stellt ein bevorzugtes Ausfüh
rungsbeispiel dar. In anderen Ausführungsbeispielen werden
wie oben dargestellt, die Aktivierungsbedingungen in ande
rer, beliebiger Kombination miteinander verwendet.
Entsprechend wird bei der Deaktivierung der automatischen
Feststellbremse vorgegangen. Ein entsprechendes Ablaufdia
gramm zeigt Fig. 3, wobei in der Regel bei Nicht-Vorliegen
einer der Bedingungen eine Deaktivierung erfolgt.
Zentrales Element dieses Ablaufdiagramms ist eine Oder-
Verbindung 200, die über die Leitung 202 eine die Bremsdruck
einsperrung deaktivierendes Ausgangssignal absendet, wenn
an wenigstens einem ihrer Eingänge ein Eingangssignal vor
liegt. Ein erstes Eingangssignal wird in der Oder-Verbindung
204 gebildet, wenn eine der aus dem Speicher 122 ausgelese
nen Statusmarken für den Antiblockierregler und den Antrieb
schlupfregler den Wert 1 aufweist (siehe Vergleicher 206,
208). Eine zweite Eingangsgröße wird mittels einer Und-
Verbindung 210 gebildet, wobei diese Eingangsgröße den An
fahrwunsch des Fahrers repräsentiert. Der wird gebildet,
wenn die Gaspedalbetätigungsgröße einen vorgegebenen Schwel
lenwert überschreitet (Schwellenwertstufe 212), ein Kupp
lungssignal KUP eine nicht geöffnete Kupplung repräsentiert
(Vergleicher 214) und ein das Drehmoment der Antriebseinheit
repräsentierender Wert MSOLL einen vorgegebenen Schwellen
wert überschreitet (Schwellenwertstufe 216). Ein drittes
Eingangssignal wird gebildet, wenn die Fahrzeuggeschwindig
keit VF einen vorgegebenen Schwellenwert überschreitet
(Schwellenwertstufe 218). Ein viertes Eingangssignal der
Oder-Verbindung 200 wird gebildet, wenn der Hauptbremszylin
derdruck DS einen vorgegebenen Schwellenwert unterschreitet
(Schwellenwertstufe 220) und dieser Schwellenwert für eine
vorgegebene Zeitdauer T1 überschritten ist (Verzögerungsstu
fe 222). Ein fünftes Eingangssignal der Oder-Verbindung 200
wird gebildet, wenn entweder der Bremspedalschalter BLS oder
der Sicherheitsschalter sBLS ein nicht betätigtes Pedal re
präsentiert (Wert jeweils Null, siehe Vergleicher 224, 226
und Oder-Verknüpfung 228), und nach Erkennen eines gelösten
Pedals auf der Basis wenigstens eines dieser Schaltersignale
eine bestimmte Zeitdauer T2 abgelaufen ist (Verzögerungsstu
fe 230). Die Zeitdauer T1 ist kleiner als die Zeitdauer T2.
Dabei wird die Zeitdauer T2 der Verzögerungsstufe 230 ver
längert, wenn in der Schwellenwertstufe 212 eine Betätigung
des Gaspedals erkannt wurde. Ein letztes Eingangssignal wird
durch die Und-Verbindung 232 gebildet, wenn eines der Brems
pedalschaltersignale (vorzugsweise das Signal sBLS) ein los
gelassenes Bremspedal zeigt und die Handbremse betätigt ist
(vgl. Vergleicher 234) oder ein Gang nicht eingelegt ist
(vgl. Vergleicher 236 und Oder-Verknüpfung 238). Liegt eine
der Eingangsgrößen an der Oder-Verbindung 200 vor, wird die
Bremsdruckeinsperrung aufgehoben.
Eine Verdeutlichung der Wirkungsweise der dargestellten Vor
gehensweise ist anhand der Zeitdiagramme der Fig. 4 darge
stellt. Fig. 4a zeigt den zeitlichen Verlauf der Fahrzeug
geschwindigkeit, Fig. 4b den eines Bremspedalschaltersi
gnals, Fig. 4c den Status des Gaspedals (betätigt, nicht
betätigt) und Fig. 4d den Status des Umschaltventils (of
fen, zu). Zum Zeitpunkt T0 betätigt der Fahrer das Bremspe
dal (vgl. Fig. 4b) und löst das Gaspedal (Fig. 4c). Das
Umschaltventil ist zu diesem Zeitpunkt offen (Fig. 4b). Bis
zum Zeitpunkt T1 reduziert sich die Fahrzeuggeschwindigkeit,
wobei zum Zeitpunkt T1 der Stillstand des Fahrzeugs erkannt
wurde. Dies führt bei betätigtem Bremspedal und losgelasse
nem Gaspedal gemäß Fig. 4d zur Ansteuerung des Umschaltven
tils (Fig. 4d). Der Bremsdruck wird eingesperrt. Zum Zeit
punkt T2 löst der Fahrer zu Anfahrzwecken das Bremspedal
(Fig. 4b), zum Zeitpunkt T3 betätigt er das Gaspedal (Fig.
4c). Dies würde bei nicht betätigtem Gaspedal zum Zeitpunkt
T4 (vorbestimmte Zeitdauer ab T3) zu einem Öffnen des Um
schaltventils führen. Diese Zeitdauer wird durch das betä
tigte Gaspedal verlängert, so daß erst zum Zeitpunkt T5 ein
Öffnen des Umschaltventils stattfindet (Fig. 4d). Somit
wird das Anfahren gemäß Fig. 4a auch bei zaghaft durchge
führtem Anfahrvorgang, d. h. ohne daß ein Anfahrvorgang er
kannt wurde, unterstützt.
Die oben aufgeführten Bedingungen zur Aktivierung und/oder
Deaktivierung der Hillholderfunktion werden je nach Ausfüh
rungsbeispiel einzeln oder in beliebiger Kombination ange
wendet.
Claims (6)
1. Verfahren zur Steuerung der Bremsanlage eines Fahrzeugs,
wobei in wenigstens einem Betriebszustand bei betätigtem
Bremspedal Bremskraft an wenigstens einem Rad des Fahr
zeugs unabhängig vom Ausmaß der Pedalbetätigung gehalten
wird, bei Vorliegen wenigstens einer Bedingung diese wie
der abgebaut wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Brems
kraft nach einer ersten bestimmten Zeit abgebaut wird,
wenn die Bremse gelöst wird, und/oder daß die Bremskraft
nach einer zweiten bestimmten Zeit abgebaut wird, wenn
nach Lösen der Bremse das Gaspedal betätigt ist und/oder
daß die Bremskraft abgebaut wird, wenn, vorzugsweise bei
Lösen der Bremse, eine Feststellbremse betätigt ist,
und/oder daß die Bremskraft abgebaut wird, wenn nach Un
terschreiten eines vorgegebenen Schwellenwert durch den
Hauptbremszylinderdruck eine vorbestimmte Zeit abgelaufen
ist, und/oder daß die Bremskraft abgebaut wird, wenn ein
Antiblockierregler, ein Antriebsschlupfregler oder ein
Fahrdynamikregler aktiv ist, und/oder daß die Bremskraft
abgebaut wird, wenn bei Lösen des Bremspedals kein Gang
eingelegt ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Bremskraft sofort bei Auftreten der jeweiligen Bedin
gung abgebaut wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Bremskraft abgebaut wird, wenn ein Anfahrwunsch auf
der Basis der Gaspedalbetätigung, des Kupplungsstatus,
des Motormoments und/oder der Motordrehzahl, ggf unter
Berücksichtigung der Fahrbahnsteigung, erkannt wurde
und/oder die Geschwindigkeit einen Minimalwert über
schreitet.
4. Verfahren zur Steuerung der Bremsanlage eines Fahrzeugs,
wobei in wenigstens einem Betriebszustand bei betätigtem
Bremspedal Bremskraft an wenigstens einem Rad des Fahrers
unabhängig vom Ausmaß der Pedalbetätigung gehalten wird,
wobei die Bremskraft bei Vorliegen wenigstens einer Be
dingung wieder abgebaut wird, dadurch gekennzeichnet, daß
die Bremskraft gehalten wird, wenn wenigstens eine der
folgenden Bedingungen vorliegt: Ein Gang eingelegt ist,
ein Antriebsschlupfregler, ein Antiblockierregler, ein
Fahrdynamikregler nicht aktiv ist, die Antriebseinheit
des Fahrzeugs läuft, eine Feststellbremse nicht betätigt
ist, die Fahrbahnsteigung in Anfahrrichtung positiv ist,
das Fahrpedal nicht betätigt ist.
5. Vorrichtung zur Steuerung der Bremsanlage eines Fahr
zeugs, mit einer Steuereinheit, die in wenigstens einem
Betriebszustand bei betätigtem Bremspedal wenigstens ein
Ausgangssignal abgibt, welches die Bremskraft an wenig
stens einem Rad des Fahrzeugs unabhängig vom Ausmaß der
Pedalbetätigung hält, und welches bei Vorliegen wenig
stens einer Bedingung die Bremskraft wieder abbaut, da
durch gekennzeichnet, daß die Steuereinheit das die
Bremskraft abbauende Signal erzeugt nach einer ersten be
stimmten Zeit, wenn die Bremse gelöst wird, und/oder nach
einer zweiten bestimmten Zeit, wenn innerhalb der ersten
Zeit nach Lösen der Bremse das Gaspedal betätigt ist
und/oder wenn, vorzugsweise bei Lösen der Bremse, eine
Feststellbremse betätigt ist, und/oder wenn nach Unter
schreiten eines vorgegebenen Schwellenwert durch den
Hauptbremszylinderdruck eine vorbestimmte Zeit abgelaufen
ist, und/oder wenn ein Antiblockierregler, ein Antriebs
schlupfregler oder ein Fahrdynamikregler aktiv ist,
und/oder wenn bei Lösen des Bremspedals kein Gang einge
legt ist.
6. Vorrichtung zur Steuerung der Bremsanlage eines Fahr
zeugs, mit einer Steuereinheit, die in wenigstens einem
Betriebszustand bei betätigtem Bremspedal wenigstens ein
Ausgangssignal abgibt, welches die Bremskraft an wenig
stens einem Rad des Fahrzeugs unabhängig vom Ausmaß der
Pedalbetätigung hält, und welches bei Vorliegen wenig
stens einer Bedingung die Bremskraft wieder abbaut, da
durch gekennzeichnet, daß die Steuereinheit das die
Bremskraft haltende Ausgangssignal abgibt, wenn wenig
stens eine der folgenden Bedingungen vorliegt: Ein Gang
eingelegt ist, ein Antriebsschlupfregler, ein Antibloc
kierregler, ein Fahrdynamikregler nicht aktiv ist, die
Antriebseinheit des Fahrzeugs läuft, eine Feststellbremse
nicht betätigt ist, die Fahrbahnsteigung in Anfahrrich
tung positiv ist, das Fahrpedal nicht betätigt ist.
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