DE19907453A1 - Vorrichtung und Verfahren zur Bestimmung der Orientierung von Einkristallen - Google Patents
Vorrichtung und Verfahren zur Bestimmung der Orientierung von EinkristallenInfo
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Abstract
Bei bekannten Verfahren der röntgenographischen Orientierungsbestimmung von Einkristallen werden Goniometeranordnungen mit schrittweiser oder kontinuierlicher Winkelverstellung mehrerer Drehachsen verwendet. Nachteil dieser Verfahren sind der hohe mechanische Aufwand und Steuerungsaufwand für die erforderlichen Goniometerachsen sowie die damit verbundene große Meßzeit. Das neue Verfahren soll es ermöglichen, durch lediglich eine einzige Winkelverstellung während der Orientierungsbestimmung die Kristallorientierung schneller und mit einem geringeren apparativen Aufwand zu bestimmen. DOLLAR A In der Vorrichtung sind die Röntgenröhre und der energieauflösende Detektor ortsfest angeordnet. Der Einkristall wird mit polychromatischer Röntgenstrahlung bestrahlt. Die Messung erfolgt in zwei Positionen, die sich durch Drehung um die Oberflächennormale des Einkristalls um 90 DEG unterscheiden. Aus den bei diesen beiden Positionen bestimmten Energiemaxima der vom Einkristall ausgehenden Strahlung wird die Orientierung der Netzebenenschar mittels Computerprogramm berechnet. DOLLAR A Die Vorrichtung ermöglicht die Bestimmung der Orientierung von Einkristallen. Für die Messung an großen Einkristallen wird die Vorrichtung transportabel ausgeführt.
Description
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zur röntgenographischen Be
stimmung der Orientierung von Einkristallen, insbesondere von Einkristallscheiben und
Einkristallstäben. Es ist bekannt, daß zur Bestimmung der kristallographischen Orien
tierung von Einkristallen röntgendiffraktometrische Verfahren eingesetzt werden. Bei
der röntgenographischen Orientierungsbestimmung von Einkristallen mit monochroma
tischer Röntgenstrahlung sind mehrere Winkel schrittweise zu verstellen, um den Kristall
unbekannter Orientierung in eine solche Lage zu bringen, daß eine bestimmte Netzebe
nenschar in Reflexionsstellung kommt. Es sind Vorrichtungen bekannt, die dieses Ver
fahren zur Orientierungsbestimmung von Einkristallscheiben und Einkristallstäben reali
sieren. Bei der Orientierung von Einkristallscheiben werden Goniometer verwendet, die
es erlauben, während der Messung mit einer Goniometerachse den Einstrahlwinkel der
monochromatischen Primärstrahlung zur Kristalloberfläche zu verändern, mit einer
zweiten Goniometerachse den Kristall um seine Oberflächennormale zu drehen und mit
Hilfe einer dritten Goniometerachse, die in der Kristalloberfläche liegt, den Kristall zu
kippen, um auf diese Weise ein Intensitätsmaximum zu bestimmen. Mit Hilfe einer
weiteren Goniometerachse wird der Detektor in Abhängigkeit von der verwendeten
Strahlungsart und des Netzebenenabstandes der zu orientierenden Netzebene auf den
erforderlichen Beugungswinkel eingestellt. Bei der Orientierung von Einkristallstäben
wird das gleiche Verfahren an der Stirnfläche des Stabes angewendet. Im Patent
DD 228 355 A1 werden ein solches Verfahren und eine Vorrichtung zur röntgenogra
phischen Orientierung großer Einkristalle beschrieben. In ähnlicher Weise kann die
Orientierungsbestimmung an der Mantelfläche des Einkristallstabes erfolgen. Weiterhin
sind Verfahren bekannt, die mit polychromatischer Röntgenstrahlung und energieauflö
senden Detektoren polykristalline Stoffe und Einkristalle untersuchen. Im Patent
DE 42 36 291 A1 wird ein Verfahren zur Textur- und Spannungsanalyse sowie zur
Orientierungsbestimmung von Einkristallen beschrieben, bei dem die von der Probe aus
gehende Strahlung in einem energieauflösenden Detektor gemessen und ausgewertet
wird. Die Messung erfolgt unter verschiedenen, schrittweise geänderten Austrittswin
keln, unter dem der Detektor gegenüber der Probenoberfläche angeordnet ist, und bei
schrittweise geändertem Drehwinkel der Probe um ihre Oberflächennormale. Dabei
durchlaufen die beiden schrittweise geänderten Winkel alle interessierenden Werte. Zur
Durchführung des Verfahrens wird ein in der Röntgendiffraktometrie übliches Röntgen
diffraktometer mit drei separat ansteuerbaren Achsen verwendet.
Nachteile der genannten Verfahren sind der hohe mechanische Aufwand und der Steue
rungsaufwand für die erforderlichen Goniometerachsen sowie die mit der schrittweisen
oder kontinuierlichen Verstellung der einzelnen Goniometerachsen verbundene große
Meßzeit.
Der im Patentanspruch 1 angegebenen Erfindung liegt das Problem zugrunde, eine Vor
richtung und ein Verfahren anzugeben, bei dem nur eine einzige Winkelverstellung des
Einkristalls während der Orientierungsbestimmung erforderlich ist, so daß die Kristall
orientierung mit geringerem apparativen Aufwand und schneller bestimmbar ist.
Dieses Problem wird durch die im Patentanspruch 1 aufgeführten Merkmale gelöst: Der
Einkristall wird mit polychromatischer Röntgenstrahlung bestrahlt. Der Einfallswinkel
zwischen Primärstrahl und Kristalloberfläche ist konstant. Der energieauflösende De
tektor ist auf eine solche Weise ortsfest angeordnet, daß die vom Einkristall in Ab
hängigkeit von der Orientierung der Netzebenenschar unter verschiedenen Winkeln aus
gehende Strahlung registriert wird. Der Einkristall oder die Vorrichtung werden durch
Drehung um die Oberflächennormale des Einkristalls in zwei Positionen gebracht, die
sich um 90° unterscheiden. Aus den bei diesen beiden Positionen bestimmten Energie
maxima wird die Orientierung der Netzebenenschar mittels Computerprogramm be
rechnet.
Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, daß die schritt
weise Änderung der Winkel und der damit verbundene mechanische Aufwand und
Steuerungsaufwand entfallen. Die Vorrichtung wird in ihren Abmessungen wesentlich
verringert. Die Bestimmung der Orientierung des Einkristalls erfolgt aus zwei Messun
gen, zwischen denen lediglich eine Verstellung des Drehwinkels um die Normale des
Einkristalls von 90° erforderlich ist. Die Energiemaxima werden mittels Vielkanalanaly
sator und Computer bestimmt. Anschließend werden daraus mit Hilfe eines Computer
programms die Orientierungswinkel berechnet.
Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung ist im Patentanspruch 2 angegeben.
Durch die Verringerung der Abmessungen ist es möglich, die Vorrichtung transportabel
auszuführen. Dies ist insbesondere bei der Messung an großen Einkristallen (z. B. Ein
kristallstäben) von Bedeutung, da diese nicht mehr zur Vorrichtung transportiert und in
ihr gehaltert werden müssen, sondern die transportable Vorrichtung zum Einkristall po
sitioniert werden kann.
Die Erfindung wird im folgenden an einem Ausführungsbeispiel näher beschrieben.
Es zeigt
Fig. 1 die Meßanordnung (schematisch).
Zur Durchführung des Verfahrens wird eine Vorrichtung verwendet, die aus einer Rönt
genröhre mit Primärblenden, einem Drehtisch für den Einkristall (2) und einem energie
auflösenden Detektor (3) mit Vielkanalanalysator besteht. Aus dem mit einem festen
Einstrahlwinkel α auf den Einkristall fallenden polychromatischen Primärbündel (1)
werden nur Strahlen mit jener Energie E von der Netzebenenschar mit der Normalen
richtung k reflektiert, für die bei gegebenem Netzebenenabstand d und dem Winkel Θ
zwischen Primärstrahl und der Netzebenenschar die Reflexionsbedingung erfüllt ist.
Folglich hängt diese Energie vom Orientierungswinkel τ der Netzebenenschar bzgl. der
Oberfläche des Einkristalls ab. Umgekehrt kann aus der Energie der vom Detektor ge
messenen Strahlung der Winkel Θ und damit der Orientierungswinkel τ bestimmt wer
den. Da sich in Abhängigkeit vom Orientierungswinkel auch der Ausfallwinkel der re
flektierten Strahlen ändert, muß der Detektor so angeordnet werden, daß er einen gro
ßen Winkelbereich der vom Einkristall ausgehenden Strahlung registrieren kann. Dies
wird dadurch erreicht, daß entweder ein Detektor mit großer Empfängerfläche benutzt
wird oder der Detektor dicht an der Probe angeordnet wird oder eine günstige Kombi
nation aus beidem realisiert wird.
Bei der Orientierungsbestimmung einer Einkristallscheibe wird das Verfahren wie folgt
angewendet: Eine Netzebenenschar habe zur Kristalloberfläche den Orientierungswinkel
τ1. Der von der Röntgenröhre ausgehende Primärstrahl (1) fällt unter dem Winkel α auf
die Oberfläche des Kristalls (2) und hat zur Netzebenenschar den Winkel Θ1. An der
Netzebenenschar mit der Normalenrichtung k1 wird der Strahl mit der Energie E1 unter
dem Winkel 2Θ1 gebeugt und im Detektor (3) gemessen. Zum Vergleich ist ein zweiter
Strahlengang dargestellt. Hat die gleiche Netzebenenschar bei gleichem Einfallswinkel α
in einer anderen Einkristallscheibe den Orientierungswinkel τ2 zur Kristalloberfläche, so
ist der Winkel zur Netzebenenschar jetzt Θ2. An der Netzebenenschar mit der Richtung
k2 wird der Strahl mit der Energie E2 unter dem Winkel 2Θ2 gebeugt und im Detektor
(3) gemessen.
Da die Normale der Netzebenenschar und damit auch der von der Netzebenenschar re
flektierte Strahl im allgemeinen Fall nicht, wie in der Abbildung vereinfacht dargestellt,
in der Zeichnungsebene liegen, sondern ihre Richtungen im Raum durch je zwei Winkel
bestimmt sind, ist es für die Bestimmung der Orientierung der Netzebenenschar zur Kri
stalloberfläche erforderlich, eine zweite Messung nach einer Drehung des Kristalls um
seine Oberflächennormale n um 90° durchzuführen. Aus den beiden so bestimmten
Energien wird bei bekanntem Einfallswinkel α und Netzebenenabstand d die Orientie
rung der Netzebenenschar zur Kristalloberfläche in Form zweier Winkel berechnet.
In gleicher Weise ist das Verfahren anwendbar bei der Orientierung von Einkristallstä
ben durch Messung an der Stirnfläche des Stabes. Für die Messung an großen Einkri
stallen (z. B. Einkristallstäben) enthält die Vorrichtung keinen Drehtisch für den Einkri
stall, sondern ist als transportable Baugruppe ausgeführt, die zum Einkristall positioniert
wird. Dies erfolgt z. B. mit Hilfe eines Stativs oder durch Anbau der Vorrichtung an die
Maschine, auf der die großen Einkristalle bearbeitet werden. Die erforderliche Drehung
um die Oberflächennormale des Einkristalls wird entweder durch Drehung der
Vorrichtung oder durch Drehung des Einkristalls realisiert.
Bei der Bestimmung der Orientierung einer Netzebenenschar durch Messung auf der
Zylinderfläche eines Einkristallstabes wird das Verfahren in ähnlicher Weise angewen
det. Dabei wird der Einkristallstab um seine Achse gedreht, bis die entsprechende
Netzebenenschar so zum einfallenden Primärstrahl liegt, daß der reflektierte Strahl und
seine Energie vom Detektor erfaßt werden können. Die gesuchte Lage der Netzebenen
schar ergibt sich aus dem Drehwinkel des Einkristallstabes und den aus der Messung
berechneten Orientierungswinkeln.
1
primärer polychromatischer Röntgenstrahl
2
Einkristall
3
energieauflösender Detektor
Claims (2)
1. Vorrichtung und Verfahren zur Bestimmung der Orientierung von Einkristallen, bei
dem der Einkristall mit polychromatischer Röntgenstrahlung einer Röntgenröhre be
strahlt wird, der Einfallswinkel zwischen Primärstrahl und Kristalloberfläche konstant
ist, die vom Einkristall ausgehende Strahlung von einem energieauflösenden Detektor
registriert wird und die Mama der Intensitäten des Energiespektrums bestimmt
werden,
dadurch gekennzeichnet,
daß der energieauflösende Detektor auf eine solche Weise ortsfest angeordnet ist,
daß die in Abhängigkeit von der Orientierung der Netzebenenschar vom Einkristall unter verschiedenen Winkeln ausgehende Strahlung registriert wird, der Einkristall oder die Vorrichtung durch Drehung um die Oberflächennormale des Einkristalls in zwei Positionen gebracht werden, die sich um 90° unterscheiden, und daß die Orien tierung der Netzebenenschar aus den bei diesen beiden Positionen bestimmten Ener gien berechnet wird.
dadurch gekennzeichnet,
daß der energieauflösende Detektor auf eine solche Weise ortsfest angeordnet ist,
daß die in Abhängigkeit von der Orientierung der Netzebenenschar vom Einkristall unter verschiedenen Winkeln ausgehende Strahlung registriert wird, der Einkristall oder die Vorrichtung durch Drehung um die Oberflächennormale des Einkristalls in zwei Positionen gebracht werden, die sich um 90° unterscheiden, und daß die Orien tierung der Netzebenenschar aus den bei diesen beiden Positionen bestimmten Ener gien berechnet wird.
2. Vorrichtung und Verfahren zur Bestimmung der Orientierung von Einkristallen nach
Patentanspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Vorrichtung für die Orientierungsbestimmung an großen Einkristallen trans
portabel ausgeführt ist und zum Einkristall positioniert wird.
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