DE19645193A1 - Radon adsorbierende Bauteile - Google Patents
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Description
Radon ist ein Zerfallprodukt des Urans. In Gebäuden gibt es grundsätzlich
zwei Radonquellen: Radon das aus dem (meist felsigen) Untergrund aufsteigt
und Radon aus uranhaltigen Baumaterialien.
Das gasförmige Radon zerfällt je nach Isotop mit Halbwertszeiten von Sekun
den bis zu ca. 3 1/2 Tagen, wobei feste Tochternucleide entstehen. Zerfällt
eingeatmetes Radon in der Lunge, bleiben feste Strahlen zurück, die ein Risi
ko für Lungenkrebs darstellen. Heute geht man davon aus, daß in mit Radon
belasteten Räumen dieses Risiko ebenso groß wie das durch Rauchen verur
sachte Risiko sein kann. In den USA wird Radon als die zweithäufigste Ursa
che für Lungenkrebs eingestuft.
Zur Unterdrückung der Radon-Emission wurden Tapeten und Bodenbeläge
vorgeschlagen, die eine Adsorptionsschicht auf Aktivkohlebasis beinhalten.
Zweck der Adsorptionsschicht ist, das Radon bis zu seinem Zerfall zu adsor
bieren. Die dabei entstehenden festen Tochternucleide sind dann dauerhaft
auf der Aktivkohle fixiert. Es sind zwar z. T. α-Strahler, aber diese sind nur im
extremen Nahbereich wirksam und dementsprechend unbedenklich. Es wurde
auch vorgeschlagen, durch eine wasserdampfdurchlässige, nach der Adsorp
tionsschicht angebrachte Sperrschicht die Radonadsorption wesentlich zu er
höhen, was dann auch zu einer weitgehenden Unterdrückung der
Radon-Emission, z. B. aus Wänden, führte.
Andererseits werden auch Sperrschichten aus Alufolien in Kombination mit
Kunststoff-Folien bzw. hochkristalline Folien eingesetzt. Diese verhindern den
Durchtritt von Radon, adsorbieren bzw. zerstören es aber nicht. So wirkungs
voll diese Systeme sein mögen, haben sie doch den Nachteil, daß an undich
ten Stellen, die auf Beschädigungen oder unsachgemäße Verlegung zurück
zuführen sind, Radon, welches sich hinter der Sperrschicht angesammelt hat
(Radonstau), in erhöhtem Ausmaß hindurchtritt.
Es ist Ziel der Erfindung, Bauelemente zu schaffen, die einen "Radonstau"
verhindern. Das heißt, sie lassen Radon eindringen, um es zu adsorbieren
und zu zerstören.
Es ist bekannt, daß Aktivkohle Radon adsorbiert und die durch Zerfall entste
henden Tochternukleide speichert. Die Menge Radon ist so gering, daß eine
Sättigung der Aktivkohle nie zu befürchten ist. Es wurde gefunden, daß sich
Aktivkohlen mit sehr engen Mikroporen besonders gut eignen, weil das Radon
in diesen stärker und länger adsorbiert wird. Des weiteren sind ausgespro
chen mikroporöse Kohlen gegenüber Feuchtigkeit weniger empfindlich.
Feuchtigkeit dringt nicht in die Mikroporen ein, sondern versperrt durch eine
Art Kapillarkondensation die größeren Transportporen. Reichen die Mikropo
ren bis an die Oberfläche, ist der negative Einfluß der Feuchtigkeit viel gerin
ger.
Es wurde gefunden, daß Baumaterialien, denen Aktivkohle zugemischt wor
den war, einen sehr guten Schutz gegen Radon darstellen. So können bei
spielsweise Platten, wie sie zur Innenverkleidung von Räumen verwendet wer
den und die vornehmlich aus Gips bzw. Holzabfällen und Stroh bestehen, wel
che mit einem Kunstharz-Binder vermischt werden, eine Zugabe von 20%
Aktivkohle enthalten, ohne daß ein Festigkeitsverlust eintritt. Die schwarze
Farbe stört nicht, wenn die Platten durch eine separate äußere Schicht (Kar
ton) abgedeckt sind. Überall dort, wo eine helle oder weiße Farbe erhalten
bleiben soll, kann die Aktivkohle durch feuchtigkeitsunempfindliche Molekular
siebe ersetzt werden. Derartige Molekularsiebe lassen sich auch herkömmli
chem Mörtel zumischen, der dann als Radon-sperrender Verputz dienen kann.
Auf gleiche Weise können Zementsteine hergestellt werden, die Radon adsor
bieren. Bei Aktivkohle enthaltenden Tapeten hat es sich herausgestellt, daß
eine Diffusionssperre in Form einer wasserdampfdurchlässigen Folie die Wirk
samkeit noch beträchtlich verbessert. Die Erklärung hierfür ist, daß die Ver
weilzeit des Radons in der Nähe der Aktivkohle erhöht wird und somit die
Chancen für die Adsorption steigen.
Als weitere Radon sperrende bzw. adsorbierende Baustoffe sind Baufolien zu
erwähnen, denen Aktivkohle zugefügt ist. Es wurde gefunden, daß der Poly
ethylen-Grundmasse sehr gut 20% einer fein vermahlenen Pulverkohle zuge
mischt werden können und diese sich auf einem Schmelzkalander sehr gut zu
preiswerten Baufolien mit beachtlicher Sperrwirkung verarbeiten lassen.
Schließlich muß darauf hingewiesen werden, daß die angegebenen Aktivkoh
lemengen nicht als Obergrenze anzusehen sind. Rein theoretisch könnte man
Bauelemente schaffen, die nur aus Binder und Aktivkohle bestehen, jedoch
sind 20% eine Menge, die sowohl wirtschaftlich als auch technisch vertretbar
sind und die die angepeilte Sperrwirkung bringen.
Ein Gemisch aus 70% Gew. Holzabfall (Größe der Teilchen bzw. Späne ca.
1,5-4 mm), 12% Melaminharz und 18% angefeuchteter Aktivkohle (Teil
chengröße ca. 50 µm bis 500 µm) wurde in bekannter Weise zu Platten gepreßt
und ausgehärtet. Für Vergleichszwecke wurde eine Platte ohne Aktiv
kohle hergestellt. Der Zusatz der Aktivkohle bewirkte einen mäßigen Festig
keitsverlust, der aber nicht störte. Durch Anheben des Harzgehaltes auf 16%
ließ sich die Festigkeit auf den ursprünglichen Wert erhöhen. Die Kohle wurde
auf einen Feuchtigkeitsgehalt von 31% gebracht, um das Eindringen des Har
zes in die Poren zu vermeiden.
Getestet wurde in einem Behälter, der durch eine Platte in zwei Kammern ge
teilt war und dessen eine Kammer Radon enthielt. Durch Diffusion steigt die
Radonkonzentration in der anderen Kammer bis zu einem Gleichgewicht an,
welches durch Messung der Radioaktivität ermittelt wird. Dabei fand man her
aus, daß, ohne daß die Konzentration eine große Rolle spielt, die Platte mit
Aktivkohle zu einer 30 mal niedrigeren Radonkonzentration auf der "Reinseite"
führt als die Platte ohne Kohle.
Eine Gipsplatte (Gips zwischen zwei Press-Spanschichten) von ca. 15 mm
Stärke wurde mit einer Zugabe von 18% Gewicht eines wasserunempfindli
chen, vermahlenen Molekularsiebs mit Poren um 5 Å der Firma Degussa
(Wessalith Day) hergestellt und wie in Beispiel 1 mit einer herkömmlichen Gip
splatte verglichen. Auch hier wurde mit dem Zusatz von für Radon geeigneten
Adsorbentien ein etwa 10 mal kleinerer Radondurchtritt erreicht.
Mit dem gleichen Molekularsieb wie in Beispiel 2 wurde ein Innenputz herge
stellt, der sich trotz eines Gehalts von 20% an vermahlenen Molekularsieben
gut verstreichen ließ und gut haftete. Man kann davon ausgehen, daß - wie in
Beispiel 2 - eine gute Sperrwirkung für Radon vorhanden ist.
Auf einem Technikums-Schmelzkalander wurde eine 1,6 mm starke Poly
ethylenfolie hergestellt. In das gleiche Polyethylen wurden ca. 20% Pulver
kohle der Firma Pica (Basis Kokusnußschalen, Oberfläche ca. 1400 m2/g.
1-10 µm, Schwerpunkt 4-5 µm) eingearbeitet und auch damit eine 1,6 mm
starke Folie hergestellt. Die Folie war als Baufolie geeignet und hatte gleich
zeitig eine gute Sperrwirkung für Radon.
Claims (9)
1. Bauelemente mit Sperrwirkung für Radon, dadurch gekennzeichnet, daß
sie Radon adsorbierende Stoffe enthalten.
2. Bauelemente nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Radon
adsorbierenden Stoffe Aktivkohle auf Basis von Naturprodukten, Stein
kohle und Peche, bzw. carbonisierte und aktivierte Polymere oder Rück
stände, die solche Polymere enthalten, sind.
3. Bauelemente nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Radon
adsorbierenden Stoffe wasserunempfindliche Molekularsiebe, vorzugs
weise mit Poren um 5 Å, sind.
4. Bauelemente nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Radon
adsorbierenden Stoffe aus der Familie der Tonerden und Bentonite sind.
5. Bauelemente nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß sie plattenförmig sind und zur Herstellung
von Wänden bzw. Wand-, Decken- und Bodenverkleidungen dienen.
6. Bauelemente nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Platten aus Holzabfällen, einem Binder
harz und vorzugsweise nicht weniger als 20% Adsorbentien bestehen.
7. Bauelemente nach einem oder mehreren der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Platten aus Gips und vorzugsweise
nicht weniger als 20% Adsorbentien bestehen.
8. Putz, insbesondere Innenputz, der vorzugsweise nicht weniger als 20%
Adsorbentien enthält.
9. Baufolie mit Sperrwirkung für Radon, dadurch gekennzeichnet, daß sie
aus einem Polyolefin bestehen, dem vorzugsweise nicht weniger als 20%
Pulverkohle zugemischt ist.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19645193A DE19645193A1 (de) | 1996-11-02 | 1996-11-02 | Radon adsorbierende Bauteile |
Applications Claiming Priority (1)
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| DE19645193A DE19645193A1 (de) | 1996-11-02 | 1996-11-02 | Radon adsorbierende Bauteile |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19645193A1 true DE19645193A1 (de) | 1998-05-07 |
Family
ID=7810468
Family Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DE19645193A Withdrawn DE19645193A1 (de) | 1996-11-02 | 1996-11-02 | Radon adsorbierende Bauteile |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19645193A1 (de) |
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