-
Anmelder: Kienzle Uhrenfabriken Aktiengesellschaft, Schwenningen/Neckar
Die Erfindung bezieht sich auf eine automatische Rückerstellvorrichtung für Unruhuhren.
-
Unruhuhren zeigen alle nach einer mehr oder minder großen Zeitspanne
Gangabweichungen, selbst wenn die Uhr im Herstellerwerk oder beim Reparateur genau
einreguliert wurde. Diese Gangabweichungen haben mehrere Ursachen, z. B. Einlaufen
der Lager und Getriebe, Alterung des Öles usw. Gangabweichungen werden meist durch
manuelle Verstellung des Rückers zu beseitigen versucht, wobei aber der technische
Laie es in den seltensten Fällen fertigbringt, die Uhr auf die Gangabweichung Null
einzuregulieren. Es besteht daher das Bestreben, diese zwangläufigen Gangabweichungen
möglichst selbsttätig zu kompensieren.
-
Es sind schon einige Vorrichtungen bekannt, bei denen der Rücker halbautomatisch
verstellt wird. Bei einer dieser Vorrichtungen wird die Gangabweichung der Uhr während
einer Anzahl von Stunden festgestellt und bei vorhandener Gangabweichung durch Betätigen
eines Drückers die Stellung des Rückers der Gangabweichung entsprechend geändert.
Nachteilig bei dieser Vorrichtung ist der relativ große Aufwand an Teilen und die
Notwendigkeit, genau nach einer bestimmten Anzahl von Stunden die Gangabweichung
festzustellen. Nach einer weiteren bekannten Lösung, die auf Taschen- und Armbanduhren
zutrifft, weist die Aufziehwelle drei Stellungen, und zwar jeweils eine zum Aufziehen,
zum Zeigerstellen und zum gleichzeitigen Zeiger- und Rückerstellen auf. Neben dem
großen Aufwand an Einzelteilen und der Bedingung, daß eine besondere Aufzieh- bzw.
Zeigerstellwelle vorhanden sein muß, ist von Nachteil, daß der Gang der Uhr regelmäßig
überwacht werden muß, um entsprechend dem Stellen der Zeiger den Rücker richtig
stellen zu können.
-
Es ist ferner eine automatische Rückerstellvorrichtung bekannt, bei
der die Minutenwelle bei ihrem Verstellen einen Rückerstellteil zwangläufig aus
seiner Normallage dreht, wogegen die Rückführung des Rückerstellteiles in seine
Normallage automatisch durch einen Teil des Uhrwerkes erfolgt. Auch hier ist es
jedoch notwendig, daß eine besondere Zeigerstellwelle durch ihre axiale Verstellung
den Rückerstellteil in Wirkverbindung mit der Minutenwelle bringt.
-
Autouhren zeigen ebenfalls mehrere Lösungen. Hier wird der Rücker
zwangläufig beim Stellen der Zeiger bewegt. Nachteilig bei dieser Ausführungsform
ist es, daß auch hier eine besondere Zeigerstellwelle vorhanden sein muß, die vor
dem Stellen der Zeiger mit dem Zeigerwerk in Eingriff gebracht werden muß, so daß
also die heute bei dieser Uhrenart allgemein übliche Art des Zeigerstellens mittels
eines auf der Minutenwelle sitzenden Stellknopfes (oder bei Wohnraumuhren mittels
Drehens des Minutenzeigers) hier nicht möglich ist.
-
Die vorliegende Erfindung basiert auf diesen heute üblichen Arten
des Zeigerstellens durch die Minutenwelle. Beim Verstellen der Zeiger bzw. der Minutenwelle
wird zwangläufig von der Minutenwelle ein Rückerstellteil bis zu einem bestimmten
Maximalwinkel qg.", aus seiner -Normallage gedreht. Der Rückerstellteil wird dann
zu einer bestimmten Zeit wieder automatisch von einem Teil des Werkes in seine Normallage
zurückgeführt: Das Verschieben des Rückers geschieht hierbei entweder beim Herausdrehen
des Rückerstellteiles aus seiner Normallage, also beim Zeigerstellen, oder .beim
Rückführen des Teiles in seine Normallage.
-
Demnach wird bei einer Zeigerverstellung über einen gewissen Zeitbetrag
der- Rücker jeweils um einen bestimmten Betrag verschoben, der .einer Gangänderung
von einigen Sekunden pro Tag entspricht. Bei Inbetriebnahme einer auf eine Gangabweichung
Null einregulierten Uhr entsteht wohl beim Zeigerstellen zwangläufig eine ganz bestimmte
Gangänderung; durch die dadurch hervorgerufene Zeitabweichung der Uhr und das notwendige
neuerliche Stellen der Zeiger wird aber diese Gangabweichung wieder rückgängig gemacht,
da der Rücker automatisch wieder um den gleichen Betrag zurückverschoben wird, also
seine ursprüngliche Lage wieder einnimmt. Tritt nun im Laufe der Zeit eine Gangänderung
ein, so wird diese nahezu gänzlich beim Stellen der Zeiger bzw. durch das zwangläufige
Verstellen des Rückers ausgeglichen. Hierzu ist es notwendig, die maximale Rückerverstellung
zu bestimmen, die beim Stellen der Zeiger über einen bestimmten Zeitbetrag auftreten
darf. Zu diesem Zweck wird vorzugsweise von einer größeren Serie
von
Uhren. die auf die Gangabweichung Null einreguliert wurden, nach einigen Monaten
der momentane Gang festgestellt und danach die maximale Rückerverstellung festgelegt.
-
Die der vorliegenden Erfindung zugrunde liegende Aufgabe besteht darin,
das Verstellen des Rückers durch einfaches Drehen der Minutenwelle - ohne vorheriges
axiales Verschieben - zu ermöglichen, so daß also beim Verstellen der Zeiger (durch
Drehen am Minutenzeiger oder an der Minutenwelle) der Rückerstellteil automatisch
mitverstellt wird.
-
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß die gleichzeitig
als Zeigerstellwelle dienende Minutenwelle mit dem Rückerstellteil über eine Verdrehungskupplung
ständig in Wirkverbindung steht.
-
Der durch die Erfindung erzielbare technische Fortschritt liegt vor
allem darin, daß nunmehr die Rückerstellvorrichtung in einfachster Weise ohne axiales
Verschieben betätigt werden kann, wobei die Rückerverstellung vollkommen automatisch
mit der Zeigerverstellung erfolgt; überdies erübrigt sich eine besondere Zeigerstellwelle,
wodurch der gesamte Aufbau der Rückerstellvorrichtung erheblich vereinfacht wird.
-
Bei einer besonders vorteilhaften Ausführungsform des Erfindungsgegenstandes
ist die Reibungskupplung zwischen dem Minutenrad und der Minutenwelle gleichzeitig
als Verdrehungskupplung zwischen der letzteren und dem Rückerstellteil ausgebildet.
-
In den Zeichnungen sind Ausführungsbeispiele der Rückerstellvorrichtung
gemäß der Erfindung dargestellt, und zwar zeigt F i g. 1 einen Schnitt, F i g. 2
eine Draufsicht auf eine Vorrichtung, F i g. 3 und 4 Einzelheiten der Reibkupplung
zwischen Minutenwelle und Rückerstellteil, F i g. 5 eine Einzelheit des Rückerstellteils;
F i g. 6 und 7 zeigen eine zweite Art der Vorrichtung, F i g. 8 eine Wirkverbindung
zwischen Rücker und Rückerstellteil, F i g. 9 und 10 eine dritte Art der Vorrichtung.
Teil 3 ist ein Teil, das fest mit dem Minutenrad verbunden ist und an der Stirnseite
3' eine planförmige Rändelung besitzt. Fest mit der Minutenwelle 2 sind ein Teil
5 und eine Spreizfeder 4 verbunden. Die Spreizfeder 4 besitzt je zwei
abgewinkelte Nasen 4' und 4", die auf der Rändelung des Teiles 3 aufsitzen. Im normalen
Betrieb besitzen Teil 3 und die Minutenwelle 2, damit Teil 5 und Spreizfeder 4 die
gleiche Winkelgeschwindigkeit. Beim Zeigerstellen dreht sich die Minutenwelle 2
infolge der Summe bzw. Differenz der Winkelgeschwindigkeiten schneller als Teil
3 des Minutenrades, wodurch sich beim Zeigerstellen im Urzeigersinn die zwei Klauen
4', beim Zeigerstellen im Gegenuhrzeigersinn die zwei Klauen 4" auf der Rändelung
des Teiles 3 abstützen. Dadurch heben sich jeweils zwei Federarme 4" an und
pressen sich gegen den Rückerstellteil 1 an, der an der Rolle 6, die fest mit der
Minutenwelle 2 verbunden ist, sich abstützt. Der Rückerstellteil 1 wird somit im
Sinne der Zeigerstellbewegung mitgenommen. Die Klauen 4' bzw. 4" gleiten
dabei über die Rändelung des Teiles 3. Der platinenfeste Stift 7 begrenzt die Drehbewegung
des Rückerstellteils 1 mittels des Durchbruches 8 im Rückersteilteil 1. Nach dieser
maximalen Drehbewegung gleiten bei weiterem Zeigerstellen die Federarme 4"' über
den Rückerstellteil 1. Durch die Feder 19, die am platinenfesten Stift 7 und rückerstellteilfesten
Stift 9 eingehängt ist, wird das Zahnsegment 10 des Rückerstellteils
1 und das Zahnsegment 11 des Rückers beim zwangläufigen Verstellen
des Rückerstellteils außer Eingriff gehalten. Bei der maximalen Drehbewegung des
Rückerstellteils 1 schnappen die beiden Arme der auf dem Stift 7 befestigten Blattfeder
12
in die Vertiefungen 13' bzw. 13" des Rückerstellteiles 1. Die Rückerbewegung
wird nun mittels eines Teiles des Uhrwerkes ausgelöst. Bei der Auslenkung des Rückerstellteiles
1 aus seiner Ruhelage wurde ein Blechstreifen 15 durch den Nocken 18' bzw. 18" aus
seiner Normallage geschoben. Wie in F i g. 6 und 7 dargestellt, wird durch die Drehbewegung
des Wechselrades oder der Schwungscheibe bei elektromagnetisch aufgezogenen Uhren
der in Punkt 14
drehbar gelagerte stabile Blechstreifen 15 mittels eines Stiftes
17 in seine Ruhelage gedrückt. Der Blechstreifen 15 kann auch den in Punkt
14 gelagerten Klappanker einer elektromagnetischen Aufzugsvorrichtung darstellen.
Durch die Bewegung des Blechstreifens 15, der auf den Nocken 18' bzw.
18"
drückt, wird der Rückerstellteil 1 durch die in die Nuten 13' bzw. 13"
eingerastete Blattfeder 12 gezwungen, zuerst eine Schubbewegung zu machen, wodurch
die beiden Zahnsegmente 10 und 11 in Eingriff gelangen, und anschließend
eine Drehbewegung um die Minutenwelle 2 zu vollführen, wodurch der Rücker verstellt
wird. Am Ende dieser Bewegung zieht die Feder 19 den Rückerstellteil in die
in F i g. 2 dargestellte Lage.
-
F i g. 6 und 7 zeigen eine zweite Art der Rückerstellvorrichtung.
Das Mitnehmen des Rückerstellteiles 1 geschieht wie vorbeschrieben mittels
Reibungsschluß durch die Spreizfeder 4. Bei der axialen Auslenkung der Federarme
4"' wird der Rückerstellteil schräg angehoben, wie durch die Kontur 1' dargestellt
ist. Die Feder 20 bewirkt die Schrägstellung, durch die die Zahnsegmente
10 und 11 außer Eingriff sind bei der anschließenden Drehbewegung
des Rückerstellteiles 1 aus seiner Normallage. Die Drehbewegung wird begrenzt durch
den Stift 7 und die Aussparung 21 des Rückerstellteils. Nach Ende der Zeigerstellung
wird der Rückerstellteil l durch die Feder 20 wieder zur Auflage auf die
Platine gebracht. Die beiden Extremlagen des Rückerstellteils, die identisch sind
mit denjenigen der in F i g. 1 und 2 gezeigten Vorrichtung, sind durch die Konturen
1"
und 1"' dargestellt. Die anschließende Rückdrehbewegung des Rückerstellteiles
1 in seine Normallage erfolgt wie bei der in F i g. 1 und 2 gezeigten Vorrichtung
dadurch, daß der Stift 17, der hier auf der Schwungscheibe einer elektromagnetischen
Aufzugsvorrichtung sitzt, auf den um seinen Drehpunkt 14
ausgelenkten Blechstreifen
15, der bei der zwangläufigen Verstellung des Rückerstellteiles mit ausgelenkt
wurde, drückt, wodurch ein Gleiten des Nockens 18' bzw. 18" und damit
eine Drehbewegung des Rückerstellteiles 1 stattfindet. Da die Zahnsegmente
10 und 11 miteinander im Eingriff sind, wird der Rücker verstellt.
Eine Schubbewegung, wie sie bei der in F i g. 1 und 2 gezeigten Vorrichtung notwendig
ist, findet hier also nicht statt. An Stelle der Zahnsegmente 10 und
11 kann, wie in F i g. 8 dargestellt, die Wirkverbindung zwischen Rücker
und Rückerstellteil auch mittels der Reibflächen 10' und 11' hergestellt
werden. Auch hier werden Rücker
und Rückerstellteil durch die Blattfeder
20, die auf den Rückerstellteil drückt, in Wirkverbindung gebracht.
-
Eine dritte Vorrichtung zeigen die F i g. 9 und 10. Das Zahnsegment
10 des Rückerstellteiles und das Zahnsegment 11 des Rückers sind bei der Verstellung
der Minutenwelle 2 und der zwangläufigen Verstellung des Rückerstellteiles miteinander
im Eingriff. Das Mitnehmen des Rückerstellteiles geschieht wieder, wie vorbeschrieben,
durch Reibungsschluß mittels der Spreizfeder 4. Die Feder 23 hält durch Druck auf
den Rückerstellteil die Zahnsegmente 10
und 11 miteinander im Eingriff, so
daß beim Verstellen der Minutenwelle 2 der Rücker mitverstellt wird. Die Rückführung
des Rückerstellteiles in seine Normallage erfolgt hier durch einen Stift 17 auf
dem Minutenrad. Dieser Stift 17 drückt die Feder 23 nach außen, wobei der Rückerstellteil
mitgenommen wird und die Wirkverbindung zum Rücker unterbricht. Beim Herausstellen
der Feder 23 und ausgelenktem Rückerstellteil 1 bringt die Feder
22 den Rückerstellteil wieder in Normallage. Verläßt der Stift 17 die Feder
23, so schnappen die Zahnsegmente 10 und 11 wieder in Wirkverbindung.