-
Vorrichtung zum wechselweisen Aufwickeln von kontinuierlich durchlaufenden
Warenbahnen, insbesondere Textilgewebebahnen Die Erfindung bezieht sich auf eine
Vorrichtung zum wechselweisen Aufwickeln von kontinuierlich durchlaufenden Warenbahnen,
insbesondere Textilgewebebahnen, auf zwei Wickelwalzen eines Wickelspeichers zwecks
Durchführung einer chemischen oder Wärmebehandlung.
-
Vorrichtungen dieser Art werden vielfach dort angewendet, wo Stoffbahnen,
z. B. Textilgewebebahnen, eine bestimmte Zeit lang einer chemischen Behandlung oder
einer Wärmebehandlung ausgesetzt werden sollen, z. B. bei der Durchführung des Bleichprozesses.
Zu diesem Zweck muß jedes Stück der Bahn in festem, aufgewickeltem Zustand unter
Vermeidung von Lufteinschlüssen für die gleiche Dauer, beispielsweise 10 oder 20
Minuten lang, in dem Behandlungsbehälter verbleiben. Da diese besondere Behandlung
der Gewebebahn nur einen Teil ihrer Gesamtbehandlung ausmacht, besteht eine Schwierigkeit
dieser bekannten Behandlungsweise darin, daß die Gewebebahn kontinuierlich ohne
Unterbrechung mit gleichmäßiger Geschwindigkeit in die Vorrichtung eingebracht werden
und ebenso kontinuierlich wieder aus ihr heraustreten muß.
-
Es sind bereits Vorrichtungen bekannt, bei welchen zwei Wickelwalzen
in feststehend angeordneten Lagern mit bestimmtem Abstand übereinander gehalten
sind. Bei diesen bekannten Vorrichtungen wird die Gewebebahn nach Bildung einer
Schleife jeweils doppelt aufeinanderliegend zunächst auf der einen Wickelwalze und
anschließend auf der anderen Wickelwalze aufgewickelt. Zum Zuführen der Schleife
zu der betreffenden leeren Walze ist eine besondere Vorrichtung erforderlich, die
anschließend auch dafür sorgt, daß die erste Windung auf den Kern der Walze aufgebracht
wird. Außerdem sind noch zu jeder Wickelwalze zugehörige besondere Andrückwalzen
zum Verhindern von Luftblaseneinschlüssen erforderlich.
-
Die bekannte Gesamteinrichtung hat sich in der Praxis zwar durchaus
bewährt, sie besitzt aber den Nachteil, daß die Steuereinrichtung zur Durchführung
einer selbsttätigen Arbeitsweise außerordentlich kompliziert gestaltet ist. Dies
beruht vor allem darauf, daß sich die Entfernung von einer Zubringerwalze am Eingang
des Wickelspeichers zu den einzelnen Wickelwalzen, und zwar jedesmal beim Übergang
von einer Walze zur anderen, plötzlich ändert. Die Steuereinrichtung sorgt dadurch,
da.ß sie eine entsprechende Beschleunigung oder Verzögerung der Gewebebahn bewirkt,
für einen Ausgleich. Die bekannte Steuereinrichtung wird im wesentlichen von Schwenkarmen
betätigt, die einerseits Rollen tragen und andererseits mit einem Nockenschalter
(Wegbegrenzungssehalter) bekannter Bauart in Verbindung stehen. Die Rollen. werden
durch Federkraft gegen die betreffende Wickelwalze, d. h. außen auf den aufgewickelten
Stoff gedrückt. Entsprechend dem Aufwickelvorgaag führt die Rolle und damit der
Schwenkhebel eine Schwenkbewegung aus, die durch den genannten Endschalter begrenzt
werden kann. Die Endschalter ihrerseits steuern den Antrieb der Wickelwalzen. In
Einklang mit dieser Steuereinrichtung muß noch eine Regelvorrichtung für die Führung
der Gewebebahnen vorhanden sein. Aus dieser grundsätzlichen Bauweise ergibt sich,
daß die Steuer- und Regelorgane sowie die Antriebselemente außerordentlich kompliziert
gestaltet werden müssen. Wollte man diese komplizierte Steueranlage einsparen, so
würde das Gewebe bei jedem Umschaltvorgang ganz erheblichen Zugkräften ausgesetzt
sein, die sogar ein Zerreißen der Bahn verursachen könnten.
-
An sich ist es auch bereits bei Breitfärbemaschinen bekanntgeworden,
zwei Walzen zum Aufwickeln von den zu färbenden Gewebebahnen auf schräggestellten
Schienen frei verschiebbar, durch das Eigengewicht und zusätzliche gewichtsbelastete
Hebel gehalten, anzuordnen. Die Walzen drücken gegen eine in feststehenden Lagern
drehbar gehaltene Antriebswalze, wodurch diese in Umdrehung versetzt und die Gewebebahn
nach unten über besondere Umlenkrollen durch den Flottentrog geführt wird. Bei dieser
Einrichtung ist es jedoch nicht möglich, die Gewebebahn kontinuierlich durchlaufen
zu lassen; auch kann die Gewebebahn nicht in Doppellagen mit zweifacher Behandlungsdauer
aufgewickelt werden. Schließlich findet eine Behandlung der Gewebebahn auf den Wickelwalzen
selbst überhaupt nicht statt.
-
Ferner ist eine Vorrichtung zum kontinuierlichen Speichern bzw. Durchlaufen
von glatten, ausgebreiteten Warenbahnen in einem geschlossenen Wickelsystem
bekanntgeworden,
wobei die Wickelwalzen beweglich angeordnet sind. Die beiden Wickelwalzen sind hier
jedoch aus zwei voneinander trennbaren Teilen gebildet, die mit Hilfe eines im Dreieck
geführten Transportbandes in zwei Arbeitsstellungen am Ende einer Verschiebebahn
außer Eingriff gebracht werden können. Wenn sich die beiden Wickelwalzen am Ende
der Verschiebebahn befinden und aus den beiden auseinandernehmbaren Teilen zusammengesetzt
sind, dient die eine Walze zum Aufwickeln der Warenbahn, während sich die andere
in der Abwickelstufe befindet. Nach einem Wickelvorgang muß jeweils die Wickelwalze
mit dem aufgewickelten Material aus der Aufwickelstufe längs der Verschiebebahn
in die Abwickelstufe verschoben werden. Dies geschieht mit Hilfe einer Gelenkkette,
an welcher die beiden unsymmetrischen Hälften des eigentlichen Walzenkörpers drehbar
befestigt sind. Diese Verfahrensweise ist für die Praxis sehr umständlich. Ein weiterer
Unterschied gegenüber der Erfindung ist darin zu sehen, daß zu Beginn jedes Wickelvorganges
keine Falte in der Warenbahn gebildet wird. Nachteilig ist, daß während des Verschiebevorganges
der betreffenden Wickelwalze von der Aufwickelstufe zu der Abwickelstufe ein Stillstand
eintreten muß, da die sehr schweren Walzen nur langsam transportiert werden können.
Dies hat zur Folge, daß in der Zwischenzeit, d. h. während des Stillstandes, nur
mit Schwierigkeiten die weiterhin zulaufende Warenbahn gespeichert werden kann.
Im allgemeinen ist man dann gezwungen, die Gesamtanlage, und zwar nicht nur die
betreffende Behandlungsvorrichtung, sondern auch sämtliche vorhergehenden und nachfolgenden
Bearbeitungsmaschinen in der Kontinue-Anlage stillzusetzen. Weiterhin ist nachteilig,
daß der Antrieb für die Drehbewegung der Wickelwalzen über eine andere Walze erfolgt,
die an einem Schwenkarm gelagert ist. Die Übertragung der Antriebskraft ist hierbei
unsicher und erfordert darüber hinaus komplizierte Steuerorgane, da mit Anwachsen
des Umfanges jeder Wickelwalze naturgemäß die Drehzahl jeder Walze geändert werden
muß, um zu erreichen, daß die Auflaufgeschwindigkeit der Warenbahn ungefähr gleich
groß bleibt.
-
Wiederum eine weitere bekannte Wickelvorrichtung mit beweglich angeordneten
Wickelwalzen unterscheidet sich von der Erfindung durch eine wesentlich andere Arbeitsweise.
Die Achsen der beiden Wickelkerne werden zwecks Austausch ihrer Stellungen an den
Enden von Lagerarmen angeordnet. Die Lagerarme sind doppelarmig und um eine Mittelachse
schwenkbar ausgebildet. In der Arbeitsstellung befinden sich die beiden Wickelwalzen
vertikal übereinander, wobei die obere Stellung jeweils die Aufwickelstellung darstellt.
Von der unteren Wickelwalze wird jeweils eine Lage der doppellagigen Warenbahn abgewickelt.
-
Oberhalb der oberen Wickelwalze ist eine Antriebswalze vorgesehen,
die nicht feststehend, sondern vertikal verschiebbar gelagert ist. Hieraus ergibt
sich der Nachteil, daß eine schwierige Kraftübertragung vor sich geht, da die Kraft
für die Drehung für die untere Wickelwalze lediglich über die Warenbahn selbst erfolgen
muß, wodurch erhebliche Zugkräfte in der überlaufenden Warenbahn entstehen können.
Eine weitere Folge davon ist, daß sich ein unregelmäßiger Lauf einstellt. Es kommt
hinzu, daß durch das Schwenken des doppelarmigen Hebels eine so große Unterbrechung
des Warenlaufes eintritt, daß es im allgemeinen nicht genügt, übliche Speicher vor
und nach der Wickelvorrichtung vorzusehen, so daß ein kurzzeitiges Stillsetzen der
gesamten Behandlungsstraße erforderlich ist. Weiterhin ist bei dieser Konstruktion
von Nachteil, daß der Antriebspunkt, d. h. der Punkt, an dem die Antriebswalze auf
die betreffende Wickelwalze aufdrückt, sich von der Umlenk- bzw. Zubringerrolle
ständig ortsmäßig ändert, beim Aufwickeln also stetig entfernt. Selbst wenn die
Antriebswalze kontinuierlich mit gleicher Geschwindigkeit angetrieben wird und man
im übrigen dafür sorgt, daß eine bestimmte, gleichbleibende Warenmenge in jeder
Zeiteinheit aufgewickelt wird, so ändert sich doch die Geschwindigkeit der zulaufenden
und ablaufenden Warenbahn während des Betriebes. Um diesen Nachteil auszuschalten,
würde es ebenfalls wieder einer sehr komplizierten Regelvorrichtung bedürfen.
-
Einzelne technische Merkmale sind auch bereits bei einem Jigger mit
Breithaltern bekanntgeworden, bei welchen zwei Wickelwalzen auf beweglichen Drehachsen
derart gelagert sind, daß sie beide ständig und unabhängig voneinander gegen eine
drehbar in feststehenden Lagern gehaltene, mit gleichbleibender Drehzahl angetriebene
Zubringerwalze gedrückt und damit angetrieben werden. Die beiden Aufwickelwalzen
sind hierbei am oberen Ende zweier Schwenkarme gelagert und legen sich an eine gemeinsame
Treibwalze an, die wechselweise rechts und links drehen kann. Dieser bekannten Vorrichtung
liegt jedoch eine völlig andere Aufgabenstellung zugrunde. Ein wesentlicher Unterschied
gegenüber der Erfindung ist darin zu sehen, daß die Warenbahn nur jeweils in einer
Lage aufgewickelt werden kann. Außerdem wird die Warenbahn von einer Aufdockwalze
auf die andere umgewickelt, nur um sie bei dem einfachen Umwickelvorgang durch einen
Farbtrog hindurchzuführen. Da nur jeweils eine einzige Warenbahn behandelt wird,
besteht auch keine Gefahr, daß während des Umwickelns irgendwelche Zugspannungen
auftreten, abgesehen davon, daß der Egger nicht in einen Kontinue-Prozeß im Sinne
der Erfindung eingeschaltet ist.
-
Eine weitere bekannte Vorrichtung zur Breitbehandlung, z. B. zum Bäuchen,
Bleichen usw., von Geweben weist ein kompliziertes Antriebssystem mit im wesentlichen
zwei Walzen auf, die mit Abstand voneinander und parallel zueinander gelagert sind.
Gegen diese beiden Walzen legt sich wechselweise eine der beiden Wickelwalzen an
und wird durch den Berührungsdruck mitgenommen und angetrieben. Die beiden Wickelwalzen
sind an den Enden von winkelförmigen Kipphebeln gelagert, woraus sich ein anderer
Gesamtaufbau der Maschine ergibt. Wenn man die Vorrichtung so ausbauen wollte, daß
sie im Betrieb selbsttätig arbeitet, so würde sich zwangläufig eine sehr komplizierte
Steuervorrichtung ergeben.
-
In jüngerer Zeit wurden Vorschläge zu einer Vorrichtung mit zwei treibwalzenbetriebenen
Wickelwalzen zum wechselweisen. doppellagigen Aufwickeln einer Warenbahn und mit
Mitteln zum Führen des einlaufenden Teiles der Bahn gemacht, wobei vor dem Aufwickeln
auf die betreffende Wickelwalze mit Hilfe derselben eine Knickfalte in der Warenbahn
gebildet werden soll. Auch bei diesen
Vorschlägen konnten mehrere
Nachteile nicht beseitigt werden, nämlich es konnte ein beträchtliches Anfangsstück
der Warenbahn nicht dem gewünschten doppelten Behandlungsvorgang ausgesetzt werden;
ferner konnten die Spannungen in der Warenbahn nicht behoben werden, und schließlich
traten erhebliche Schwierigkeiten bei der Gestaltung der Steuervorrichtung und bei
der Vorrichtung zur Bildung der Knickfalte auf, die nicht genügend zuverlässig ist.
-
Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, eine Vorrichtung zu
schaffen, welche einer Reihe bestimmter Bedingungen bzw. Forderungen gerecht wird.
Es wird von der Erkenntnis ausgegangen, daß eine Vorrichtung, die diese Forderungen
erfüllt, außerordentlich einfach in der Konstruktion und in bezug auf die Steuervorrichtung
gestaltet werden kann und zuverlässig arbeitet. Die Forderungen sind im wesentlichen:
1. Die Vorrichtung soll eine sehr große Warenmenge aufnehmen.
-
2. Sie soll ferner einen kontinuierlichen Arbeitsgang, d. h. einen
völlig kontinuierlichen Zulauf und Ablauf der Warenbahn mit einer Geschwindigkeit,
wie sie bei Kontinue-Anlagen üblich sind, ermöglichen.
-
3. Es soll trotz der Bedingung zu 2 eine chemische oder Wärmebehandlung
durchzuführen sein bei einer großen Verweilzeit, die durch den Behandlungsvorgang
bestimmt ist.
-
4. Ferner soll die weitergeführte Warenbahn jeweils in Doppellage
während der Behandlungszeit gehalten werden, wobei die eine Warenbahn der Doppellage
jeweils schon einer Vorbehandlung unterworfen war, während die andere Warenbahn
erst frisch von außen zugeführt worden ist; um dies zu ermöglichen, ist also ein
wechselweises Umwickeln der Warenbahnstücke erforderlich.
-
5. Die Warenbahn soll während des gesamten Behandlungs-, Umwickel-
und Fördervorganges stets so geführt und gehalten sein, daß praktisch keine schädlichen
Zugspannungen in der Warenbahn auftreten.
-
6. Die Vorrichtung soll außerdem völlig selbsttätig arbeiten.
-
7. Der Bauaufwand, insbesondere derjenige der selbsttätig arbeitenden
Steuereinrichtung (vgl. Punkt 6), soll möglichst gering gehalten werden.
-
B. Schließlich soll die zu verarbeitende Warenbahn ohne irgendwelche
Verluststücke am Anfang oder am Ende der Bahn dem unter Punkt 3 geforderten Vorgang
unterworfen werden können; dabei soll zur leichteren Handhabung und Zuführung der
Warenbahn diese, angefangen von der vorderen Endkante bis zu der hinteren Endkante,
durch die Vorrichtung hindurchgeleitet werden, d. h. ohne Knickbildung zu Anfang
des Behandlungsvorganges.
-
Ausgehend von einer Vorrichtung, wobei die Textilgewebebahn auf jeder
Wickelwalze jeweils in Doppellage aufgebracht wird und wobei die eine Lage bereits
einem Behandlungsvorgang unterworfen ist, die andere dagegen von außen neu in den
Behandlungsraum eingeführt wird, so daß jede Warenbahn dem Behandlungsvorgang zweimal
unterliegt, und wobei schließlich eine selbsttätig arbeitende Steuereinrichtung
zum Umkehren der Drehrichtung der beiden Wickelwalzen und zum wechselweisen Zuführen
der Bahn zu der einen oder anderen Wickelwalze vorhanden ist, wird die gestellte
Aufgabe erfindungsgemäß durch die Kombination der nachfolgenden Merkmale gelöst,
nämlich dadurch, daß die auf beweglichen Drehachsen gelagerten beiden Wickelwalzen
ständig und unabhängig voneinander gegen eine drehbar in feststehenden Lagern gehaltene,
mit gleichbleibender Drehzahl angetriebene Zubringerwalze gedrückt und damit angetrieben
sind, daß die Berührungslinien zwischen den beiden Wickeln der Wickelwalzen einerseits
und der Zubringerwalze andererseits symmetrisch zu der durch eine Führungswalze
und die Zubringerwalze hindurchgehende Ebene angeordnet sind, so daß die Länge der
Warenbahn, gerechnet von der Abhebelinie der Führungswalze bis zu den beiden Berührungslinien
der Wickel mit der Zubringerwalze, praktisch gleich groß bleibt, daß ferner oberhalb
der Zubringerwalze ein um diese schwenkbarer Doppelstab zum Bilden der Knickfalte
auf einer Wickelwalze vorgesehen ist, wobei die Knickfalte unmittelbar nach der
Bildung durch einen mit der Wickelwalze umlaufenden Anpreßstab an die Wickelwalze
bis zum Bilden der ersten Windung angedrückt und dann der Anpreßstab in Ruhelage
zurückgeführt wird, und daß die Vorgänge der Bildung der Knickfalte und der ersten
Windung zusammen mit der Umkehr der Drehrichtung der Zubringerwalze selbsttätig,
vorzugsweise elektrisch, steuerbar sind. Durch das wesentliche Merkmal; wonach die
Länge der mit gleichbleibender Geschwindigkeit zugeführte Warenbahn zwischen den
soeben definierten Linien während des gesamten Vorganges praktisch gleich groß bleibt,
wird der erhebliche Vorteil erreicht, daß die Gewebebahn keinen ungewünschten Zugbeanspruchungen
unterworfen wird.
-
Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus
den Unteransprüchen im Zusammenhang mit den entsprechenden Textstellen der Beschreibung.
-
In den Zeichnungen sind Ausführungsbeispiele der Erfindung in schematischer
Darstellung wiedergegeben, und zwar zeigt Fig. 1 einen Längsschnitt durch die Gesamtvorrichtung,
F i g. 2 bis 10 eine vereinfachte Darstellung der Wirkungsweise der erfindungsgemäßen
Vorrichtung in einzelnen wichtigen Stellungen, F i g. 11 bis 14 eine schematische
Darstellung zur Veranschaulichung der Bildung einer Schleife und Zuführung der Stoffbahn
zu einem leeren Kein einer Wickelwalze und F .i g. 15 eine andere Ausgestaltung
der erfindungsgemäßen Vorrichtung.
-
Gemäß F i g. 1 wird die zu behandelnde Gewebebahn 1, welche beispielsweise
aus einem Bleichbottich kommt, in einem Quetschwerk 2 abgequetscht ,und über eine
Pendelwalze 3 zum Einlauf der erfindungsgemäßen, von einer Gehäusewand 4 allseitig
umschlossenen Vorrichtung geführt. Die Pendelwalze 3 dient zum gleichmäßigen Spannen
der Bahn sowie außerdem zum Ausgleich geringfügiger Unterschiede während des Durchlaufens
des Gewebes. Am Einlauf der Vorrichtung ist eine Heizbatterie 5 mit einer Anzahl
Heizröhren 6 vorgesehen, die zum Aufwärmen
der Gewebebahn auf eine
gewünschte Temperatur, die im Innern der Vorrichtung beispielsweise etwa 80'
C betragen soll, dient. Wie man der F i g. 1 entnehmen kann, besitzt der Innenraum
des Gehäuses 4 zwei zylindrische Kammern 7 und B. Diese Kammern sind ebenfalls zum
größten Teil von Heizkörpern 9 umgeben, welche in Form eines Ringes angeordnet sind
und mit dazu beitragen, daß die Gewebebahn die günstige, gewünschte Temperatur erhält,
bei welcher der Behandlungsprozeß sehr wirkungsvoll abläuft.
-
In der Mitte zwischen den beiden zylindrischen Kammern, und zwar mit
Vorteil in gewissem Abstand oberhalb der waagerechten Mittellinie der Kammern ist
eine Zubringerwalze 10 in feststehenden Lagern angeordnet. Die Zubringerwalze
ist mit einem Antrieb verbunden, welcher so angeordnet ist, daß er sowohl in beiden
Drehrichtungen betrieben werden kann, als auch die Einschaltung einer normalen Drehzahl
oder eines sogenannten Kriechganges erlaubt. In der weiter unten beschriebenen Weise
wird die Gewebebahn abwechselnd von den beiden Wickelwalzen 11 und
12 aufgenommen. Die so entstehenden Wickel 13 und 14 werden unter gleichmäßigem
Druck gegen die Zubringerwalze gepreßt und damit ihrerseits angetrieben, so daß
sich ein besonderer Antrieb für die Wickelwalze erübrigt. Jede Wickelwalze ist an
zwei seitlich angreifenden Armen 15 bzw. 16 pendelnd aufgehängt. Die Aufhängepunkte
der Pendelarme 15
und 16 sind mit besonderem Vorteil räumlich so gewählt,
daß von einer bestimmten Größe des Wickels an eine Gewichtskomponente entsteht,
welche mit dazu beiträgt, daß der Wickel gegen die Zubringerwalze gepreßt wird.
-
An den Aufhängepunkten 17 und 18 ist je eine Einrichtung
vorgesehen, welche zum gleichmäßigen Andrücken der Wickelwalze gegen die Zubringerwalze
dient. Um die Zeichnung nicht zu verwirren, ist diese Einrichtung nicht dargestellt
worden. Sie besteht beispielsweise aus einem pneumatisch arbeitenden Druckzylinder,
dessen beweglicher Kolben über einen Hebelarm mit dem Pendelarm 15 bzw.
16 verbunden ist. An Stelle des Druckzylinders kann man auch eine Feder oder
ein entsprechendes Gegengewicht angreifen lassen. Geringfügige Druckunterschiede,
welche sich aus der Kraftkomponente in Tangentialrichtung zu der Kurve 19 aus dem
jeweiligen Gewicht des Wickels ergeben können, spielen im allgemeinen keine Rolle,
da auch der Schwerpunkt des Wickels, sobald dieser ein größeres Gewicht erhält,
etwa unterhalb des Aufhängepunktes liegt. Wenn es aber darauf ankommt, eine vollkommen
gleichmäßige Andrückkraft zu erzeugen, so kann man den Druckzylinder oder die Feder
oder das Gegengewicht an dem äußeren Umfang einer entsprechend gestalteten Kurvenscheibe
angreifen lassen, welche die Schwenkbewegung des Pendelarmes 15 bzw. 16 mitmacht.
Die Wirkung der Kurvenscheibe beruht darin, daß der sich bildende Hebelarm zwischen
dem Drehpunkt der Kurvenscheibe und dem jeweiligen Angriffspunkt des Druckerzeugers
(Druckzylinder usw.) sich im umgekehrten Sinn ändert wie die Gewichtskomponente
des Wickels, so daß sich eine vollkommen .gleichmäßige Andrückkraft ergibt.
-
Innerhalb des Gehäuses 4 sind zur Führung der Gewebebahn in
feststehenden Lagern drehbar gehaltene Walzen 20 bis 22 vorgesehen.
Die Führung der Bahn innerhalb des Gehäuses von Wickel zu Wickel wird weiter unten
näher beschrieben werden. Nach Austritt der Gewebebahn durch eine schleusenartige
Öffnung 23 wird das Gewebe einer weiteren Pendelwalze 24 sowie erneut einem
Quetschwerk 25 zugeführt. Von hier aus geht die Gewebebahn weiter zur nächsten
Behandlungseinrichtung, beispielsweise zu einem Waschbottich.
-
Im folgenden Teil sei die Wirkungsweise der erfindungsgemäßen Vorrichtung
im einzelnen beschrieben: Bei Inbetriebnahme wird zunächst das freie Anfangsende
der zu behandelnden Gewebebahn 1 durch die Heizbatterie 5 hindurchgezogen.
Dies kann von einem nicht eingezeichneten Fenster aus in dem Gehäuse 4 oberhalb
der Führungsrolle 20 leicht durchgeführt werden. Durch das Fenster kann man
auch gut beobachten, daß die Gewebebahn nach Umlenken um die Führungswalze
20 den richtigen Weg durch den Spalt zwischen dem Doppelstab 26, 27 nimmt
und sodann von der angetriebenen Zubringerwalze zu der Wickelwalze geführt wird.
Auf weiter unten beschriebene Weise wird das Ende der Gewebebahn um die Wickelwalze
herumgeleitet und somit die erste Windung gebildet. Die Zubringerwalze läßt man
nunmehr so lange in Richtung des Pfeiles 28 gemäß F i g. 2 umlaufen, bis
ein Wickel entsteht, welcher nahezu den halben Rauminhalt besitzt wie eine zylindrische
Kammer 7 oder B. Dadurch, daß die Wickelwalze stets an der Zubringerwalze angepreßt
ist, wird vermieden, daß irgendwelche Luftblasen eingeschlossen werden. Dies gilt
auch für die nachfolgend beschriebenen Wickelvorgänge. In den F i g. 2 bis 10 ist
die Gewebebahn der Deutlichkeit halber in Form einer Spirale gezeichnet. In Wirklichkeit
liegen die einzelnen Lagen dicht aufeinander.
-
Sobald der Wickel die in F i g. 2 dargestellte Stellung bzw. die Größe
der Kammer 7 (strichpunktierte Linie) erreicht hat, wird von Hand eÄn Kriechgang
eingeschaltet, so daß sich die Zubringerwalze langsamer als im normalen Betrieb
dreht. Für den Fall, daß die Vorrichtung gemäß F i g. 1 in Reihe mit anderen Behandlungsmaschinen
aufgestellt ist, wird der Antrieb für die Zubringerwalze mit den Antrieben der anderen
Maschinen durch elektrische Schaltung derart verbunden, daß der Kriechgang auch
gleichzeitig bei allen anderen Maschinen eingeschaltet wird. Sodann wird der Antrieb
für die Zubringerwalze kurzzeitig ausgeschaltet und der Doppelstab 26, 27 mittels
eines Zahnradgetriebes in die in F i g. 3 eingezeichnete Stellung gebracht. Der
Antrieb für die Zubringerwalze wird dann sofort wieder eingeschaltet, Jedoch nunmehr
in umgekehrter Drehrichtung gemäß Richtung des Pfeiles 29. Das Stillsetzen der Zubringerwalze
dauert nur außerordentlich kurze Zeit, so daß der in dieser Zeit im Kriechgang weitergeförderte
GewebeÜberschuß auf der einen Seite und der Gewebemangel auf der anderen Seite ohne
weiteres von den Pendelwalzen 3 und 24 aufgenommen werden können. Wie weiter unten
noch näher beschrieben ist, bilden sich durch Wirkung des Doppelstabes 26, 27 unter
Drehung der Zubringerwalze 10 ein Knick bzw. eine Schleife in der Gewebebahn.
Die Schleife wird von einem auf der strichpunktierten Linie 30 mitlaufenden
Anpreßstab 31 so lange auf der Wickelwalze 12 festgehalten, bis sich die
zweite Lage Barüberlegt. Sobald der Anpreßstab seine Endstellung erreicht hat, betätigt
er mechanisch einen Schalter, der seinerseits ein Zeitrelais einschaltet, welches
nach kurzer Zeit den Antriebsmotor für den Anpreßstab in
umgekehrter
Richtung in Bewegung setzt, so daß der Starb seine Anfangsstellung wieder erreicht:
Sobald die :ersten Windungen auf der Wickelwalze fest aufliegen, wird, zweckmäßig
über einen Dreistufenwiderstand, die normale Betriebsdrehzahl eingeschaltet. Es
bildet sich somit gemäß F i g. 4 ein Wikkel auf der Wickelwalze 12, welcher nahezu
den gesamten Raum der zylindrischen Kammer 8 ausfüllt. Der Wickel setzt sich
zusammen einmal aus dem Bahnstück, welches auf der Walze 11 aufgewickelt war, und
zum anderen aus einem neuen Gewebestück gleicher Länge, welches über die Führungswalze
20 in den Behälter eingeführt wurde. Sobald das Anfangsende 40 der Gewebebahn aus
der Andrückstelle zwischen Wickel 14 und der Zubringerwalze 10 heraustritt, wird
es .gefaßt und über die Walzen 21 und 22 durch den Auslauf 23 (F i g. 1) nach außen
hin geführt. Dieser Vorgang, d. h. das Lösen der letzten Windungen von der Wickelwalze
11, wurde ebenfalls wieder im Kriechgang vorgenommen. Von Hand wird anschließend
der Antrieb für den Doppelstab 26, 27 betätigt, derart, daß sich eine neue Schleife
32 um die Wickelwalze 11 herumlegt. Auch hier ist ein Anpreßstab, wie er zu F i
g. 3 unter dem Bezugszeichen 31 beschrieben worden ist, :erforderlich. Bis zu diesem
Zeitpunkt wird die Vorrichtung von einem Bedienungsmann überwacht, und zweckmäßigerweise
werden auch die :einzelnen Schaltvorgänge von Hand vorgenommen. Sodann kann auf
völlig automatische Arbeitsweise umgeschaltet werden.
-
Gemäß F i g. 5 erfolgt nunmehr ein vollautomatisches Aufwickeln der
doppelt liegenden Gewebebahn auf die Wickelwalze 11. Die Drehrichtung der Zubringerwalze
wurde nach kurzzeitigem Stillstand gegenüber der Drehrichtung von F i g. 4 umgekehrt.
Nach den ersten Windungen wird die normale Drehzahl wieder, wie oben beschrieben,
eingeschaltet. Dieses Einschalten erfolgt wie alle nachfolgend beschriebenen Vorgänge
völlig selbsttätig. Das Stück der Gewebebahn, welches sowohl auf der Wickelwalze
11 als auch auf der Walze 12 abgewickelt war, verläßt bei dem Abwickelvorgang von
der Walze 12 gemäß F i g. 5 das Gehäuse der Vorrichtung. Das Stück der Gewebebahn,
welches bei dem Vorgang gemäß F i g. 4 über die Führungswalze 20 neu zugeführt worden
ist, wird zusammen mit einem neuen Gewebebahnstück 33 (F i g. 5) zum zweitenmal
aufgewickelt.
-
In F :i g. 6 ist die Stellung wiedergegeben, in welcher der Wickel
13 auf der Wickelwalze 11 seinen größten Umfang erreicht hat und sich die letzte
Windung 34 von der Wickelwalze 12 löst. Ein Testorgan oder eine Selenzelle tritt
in Tätigkeit, sobald sich nur noch wenige Windungen auf der Walze 12 befinden, und
zwar wird automatisch der Kriechgang eingeschaltet. Sobald sich die letzte Windung
der Gewebebahn von der Wickelwalze 12 gelöst hat, wird die Zubringerwalze 10 zweckmäßig
durch eine weitere Tastvorrichtung zum Stillstand gebracht und gemäß F i g. 7 der
Doppelstab 26, 27 zur Wickelwalze 12 hinbewegt, so daß sich eine neue Schleife bildet.
Nunmehr kann die Zubringerwalze in Richtung des Pfeiles 35 zunächst im Kriechgang
und nach :einigen Windungen, wie oben beschrieben, auf normale Drehzahl gebracht
werden. Dieser Vorgang kann sich nunmehr beliebig oft wiederholen.
-
F i g. 8 zeigt eine normale Betriebsstellung, in welcher einerseits
die zu behandelnde Gewebebahn über die Führungswalze 20 frisch :zugeführt wird und
andererseits die Bahn, die nacheinander zunächst auf der einen, dann auf der anderen
Wickelwalze aufgewickelt war, über die Walzen 21 und 22 aus dem Gehäuse heraustritt.
Durch die oben beschriebene Behandlungsweise wird somit erreicht, daß jedes Stück
der Gewebebahn für die gleiche Zeitdauer in aufgewickeltem Zustand in dem Behandlungsbehälter
:gewesen ist, wobei jeweils eine frischgetränkte Bahn zusammenliegend mit einem
Bahnstück aufgewickelt wird, welches bereits dem halben Behandlungsprozeß unterworfen
war.
-
Wenn die oben beschriebene Vorrichtung stillgesetzt werden soll oder
wenn die Gewebebahn unterbrochen ist, so wird gemäß F i g. 9 das letzte Ende der
Bahn auf der betreffenden Wickelwalze, z. B. Walze 12, aufgewickelt. Nachdem sich
die Schleife 36 von der Wickelwalze 11 gelöst hat, wird im Kriechgang, wie oben
beschrieben, nach kurzzeitigem Stillstand der Zubringerwalze 10 und Umkehr der Drehrichtung
das letzte Ende der Gewebebahn erneut auf der Wickelwalze 11 aufgewickelt, so daß
die Stellung gemäß F i g. 10 erreicht wird. Nach Einschalten des Kriechganges, erneuter
Umkehr der Drehrichtung usw. wird sodann das letzte Gewebebahnstück aus der Vorrichtung
herausgeführt, so daß also die Bahn von Anfang bis Ende stets dem gleichen Behandlungsvorgang
unterworfen gewesen ist.
-
In den F i g. 11 bis 14 ist zeichnerisch näher erläutert, auf welche
Weise nach dem Umschalten in der fortlaufenden Gewebebahn ein Knick bzw. eine Schleife
gebildet wird und auf welche Weise diese Schleife auf die Wickelwalze aufgebracht
wird. Die Wirkungsweise ist nach den obigen Erläuterungen aus der Zeichnung ohne
Schwierigkeiten zu ersehen.
-
In F i .g. 15 ist eine andere Ausgestaltung der erfindungsgemäßen
Vorrichtung wiedergegeben, und zwar sind hierbei die beiden Wickelwalzen 37 und
38 in einer waagerechten Ebene, welche vorzugsweise durch den Mittelpunkt der Zuführwalze
39 geht, angeordnet. Beide Wickelwalzen sind durch eine nicht gezeichnete Andrüokvorrichtung,
die ebenfalls mittels pneumatischer Zylinder, Federn, Gegengewichten od. dgl. arbeitet,
gegen die Zubringerwalze gepreßt. Bei dieser Vorrichtung ergibt sich der Vorteil,
daß sich irgendwelche Gewichtskomponenten aus dem Gewicht der Wickel nicht auf die
Andrückkiäfte zwischen Wickel- und Zubringerwalze auswirken können.
-
Es ist ferner möglich, die seitlichen Lager der beiden Wickelwalzen
auf je einer schiefen Ebene verschiebbar anzuordnen und mit Hilfe von Gegengewichten,
gegebenenfalls unter Zwischenschaltung von Kurvenscheiben, die Wickel mit gleichmäßigem
Druck gegen die Zubringerwalze zu pressen.
-
Die oben beschriebenen Vorrichtungen können erfindungsgemäß nicht
nur im Rahmen eines Bleichprozesses, sondern. auch zum Entsahlichten oder für weitere
Wärmebehandlungen verwendet werden, bei welchen es darauf ankommt, daß die Gewebebahn
eine ganz.bestimmte Zeit lang der Behandlungswirkung ausgesetzt sein muß.