DE10215912C1 - Verfahren und Prägewerkzeug zur Herstellung eines Karosserie-Bauteils aus einem wölbstrukturierten Blech - Google Patents
Verfahren und Prägewerkzeug zur Herstellung eines Karosserie-Bauteils aus einem wölbstrukturierten BlechInfo
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und ein Werkzeug zur Herstellung von Bauteilen aus Metallblech, welche eine wölbstrukturierte Versteifungszone und benachbarte, flache Anschlußzonen aufweisen. Ausgangspunkt zur Herstellung dieser Bauteile sind wölbstrukturierte Rohlinge, die im Zuge der Umformung im Bereich der Anschlußzonen geglättet werden, während im Bereich der Versteifungszone die Wölbstruktur unverändert erhalten bleibt. Erfindungsgemäß erfolgt die Herstellung dieser Bauteile mit Hilfe eines Prägewerkzeugs, das eine Matrize und einen zweiteiligen Stempel - bestehend aus einem Fixierstempel und einem Umformstempel - umfaßt. Dabei wird der Rohling zunächst im Bereich der wölbstrukturierten Versteifungszone durch ein der Matrize voreilendes Fixierelement gegenüber dem Fixierstempel fixiert. Dann werden die Anschlußzonen zwischen der Matrize und dem Umformstempel ausgeformt.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Bau
teils aus Metallblech, insbesondere eines Karosserieblechs, so
wie ein Prägewerkzeug zur Herstellung eines solchen Bauteils.
Viele Bauteile im Automobil-Karosseriebau müssen hohe Anforde
rungen in bezug auf die Form- und Biegesteifigkeit erfüllen.
Solche Bauteile werden im Regelfall aus Blech gefertigt und
werden herkömmlicherweise zur Erhöhung der Form- und Biegefes
tigkeit mit Sicken versehen. Allerdings führt die Versickung
der Bleche zu einer stark richtungsabhängigen Steifigkeitserhö
hung: So sind Blechstreifen mit in Längsrichtung angeordneten
Sicken zwar biegesteif in Längsrichtung, sie besitzen aber nur
eine geringe Torsionssteifigkeit und sind biegeweich in Quer
richtung. Eine gleichmäßige homogene Versteifung der Bleche
kann durch Einprägen solcher Sicken daher nicht gewährleistet
werden.
Eine Versteifung mit einer wesentlich geringeren Richtungsab
hängigkeit kann erreicht werden, wenn die Bleche - anstelle der
Versickung - durch Beulverformung mit einer sogenannten "Wölb
strukturierung", versehen werden; dieses Verfahren ist bei
spielsweise in der DE 44 37 986 A1 beschrieben. Im Gegensatz zu
der Wirkung klassischer Umformverfahren (wie z. B. Tiefziehen),
bei denen während des Umformens eine Plastifizierung des Blechs
stattfindet, wird das Blech beim Wölbstrukturieren lediglich
lokal gefaltet; dies ist verbunden mit einer nur geringen Ober
flächenvergrößerung des Materials. Die Beulverformung erfolgt
in einem Durchlaufverfahren, so daß gesamte Materialbahnen
(bzw. bandartige Bereiche auf ihnen) mit der Wölbstruktur ver
sehen werden. Zur Herstellung steifigkeitserhöhter Karosserie
bauteile werden aus diesen Materialbahnen Rohlinge ausgeschnit
ten, aus denen dann durch weitere Prozeßschritte die gewünsch
ten Bauteilen gefertigt werden. So beschreibt beispielsweise
die DE 199 42 383 A1 einen Kraftfahrzeugboden, der durch Tief
ziehen eines wölbstrukturierten Blechs hergestellt ist.
Schwierigkeiten treten allerdings auf, wenn Karosserieteile aus
wölbstrukturiertem Blech unter Verwendung herkömmlicher Füge
verfahren (Punktschweißen, Schraubverbindungen etc.) mit ande
ren Bauteilen verbunden werden sollen. Aufgrund der Wölbstruk
turierung des Bauteils kann nämlich in den Anschlußzonen, in
denen das wölbstrukturierte Bauteil mit anderen Bauteilen ge
fügt werden soll, kein flächenhaftes Aufeinandertreffen mit den
Fügepartnern sichergestellt werden. Um ein prozeßsicheres,
hochfestes Fügen solcher Bauteile mit Hilfe eines Schweißver
fahrens- bzw. eine formschlüssige Schraubverbindung - sicher
stellen zu können, muß in den Anschlußzonen die Wölbstrukturie
rung der Bauteile weitestgehend entfernt werden, damit die Bau
teile in diesen Anschlußzonen flächenhaft auf (flachen) Anbin
dungsbereichen anderer benachbarter Baugruppen aufliegen kön
nen.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
vorzuschlagen, mit Hilfe dessen Wölbstrukturierungen lokal ge
glättet werden können. Weiterhin liegt der Erfindung die Aufga
be zugrunde, ein Werkzeug bereitzustellen, das eine einfache
und prozeßsichere Glättung einer lokal begrenzten Anschlußzone
auf einem wölbstrukturierten Bauteil ermöglicht.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale der Patentansprü
che 1 und 3 gelöst.
Danach wird zur Erzeugung des gewünschten Bauteils ein Bauteil-
Rohling - d. h. ein geeignet geformter wölbstrukturierter Blech
abschnitt - in einem einen Stempel und eine Matrize umfassenden
Prägewerkzeug umgeformt. Das Prägewerkzeug ist so gestaltet,
daß im Bereich der Versteifungszonen die ursprünglich auf dem
Bauteil-Rohling vorhandene Wölbstrukturierung nicht beeinflußt
wird, während in den Anschlußzonen die Wölbstruktur geglättet
wird. Um dies zu erreichen, ist der Stempel des Prägewerkzeugs
mehrteilig ausgestaltet: Der Stempel umfaßt einen Fixierstem
pel, der in einem der Bauteil-Versteifungszone entsprechenden
Bereich des Stempels angeordnet ist und dessen Funktion - in
Zusammenwirkung mit einem voreilenden Fixierelement auf der
Matrize - darin besteht, den Rohling im Werkzeug zu fixieren,
ohne ihn zu verformen. Weiterhin umfaßt der Stempel einen ge
genüber dem Fixierstempel verschiebbaren Umformstempel, der in
dem der Anschlußzone des Bauteils entsprechenden Bereich des
Stempels angeordnet ist und dessen Funktion - in Zusammenwir
kung mit einem diesem Umformbereich gegenüberliegenden Teil der
Matrize - darin besteht, das Blech in der Anschlußzone lokal zu
glätten (siehe Anspruch 3).
Zur Herstellung des Bauteils wird zunächst der Fixierstempel
des Prägewerkzeugs auf Pinolen hochgefahren, und der Bauteil-
Rohling wird in der gewünschten Ausrichtung auf den Fixierstem
pel aufgelegt; durch Absenken der Matrize des Prägewerkzeugs
wird dann der Rohling im Bereich der Versteifungszone durch das
voreilende Fixierelement der Matrize gegenüber dem Stempel ein
gespannt; die Lage des Rohlings im Werkzeug ist somit fixiert.
Anschließend wird die Matrize weiter abgesenkt, wobei zwischen
den einander entsprechenden Umformbereichen auf Stempel und
Matrize die Anschlußzone ausgeformt wird (siehe Anspruch 1).
Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Prägewerkzeugs lassen sich so
mit auf dem wölbstrukturierten Rohling geglättete Anschlußzonen
erzeugen, in denen die Wölbstruktur größtenteils entfernt ist.
In diesen Anschlußzonen können die Bauteile in folgenden Pro
duktionsschritten unter Zuhilfenahme herkömmlicher Fügeverfah
ren - beispielsweise durch Punktschweißen bzw. Nahtschweißen im
Rohbau bzw. durch Schraubverbindungen in der Montage - mit
Anschlußteilen verbunden werden. Die Wölbstruktur der Verstei
fungszonen bleibt dabei unverformt erhalten. Somit lassen sich
mit Hilfe des erfindungsgemäßen Prägewerkzeugs auf reproduzier
bare Weise Bauteile erzeugen, welche in ausgewählten Verstei
fungszonen mit einer (näherungsweise richtungsunabhängigen)
Wölbstruktur versehen sind, in benachbarten Anschlußzonen je
doch eine näherungsweise glatte Oberflächenstruktur aufweisen.
In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung ist die
Stirnfläche des Fixierstempels mit einer Oberflächenkontur ver
sehen, welche der Wölbstrukturierung des Rohlings entspricht
(siehe Anspruch 4). Dies hat den Vorteil, daß beim Einlegen des
Rohlings in das Prägewerkzeug eine definierte Ausrichtung und
Lage des Rohlings im Werkzeug unterstützt wird, die der Lage
und Ausrichtung der Oberflächenstruktur des Fixierstempels ent
spricht. Insbesondere kann auf diese Weise die Wölbstruktur des
Blechs hochgenau gegenüber den Umformbereichen des Prägewerk
zeugs ausgerichtet werden, so daß die im Zuge des Prägevorgangs
erzeugte geglättete Anschlußzone hochgenau gegenüber der Wölb
struktur der Versteifungszone positioniert ist.
Das mit dem Fixierstempel zusammenwirkende voreilende Fixier
element der Matrize besteht vorzugsweise aus einem elastischen
Werkstoff, insbesondere aus einem Gummi (siehe Anspruch 5).
Beim Absenken des in der Matrize geführten Fixierelements auf
die wölbstrukturierte Oberfläche des zu fixierenden Rohlings
paßt sich die Stirnfläche des Fixierstempels elastisch der
Wölbstruktur an; beim weiteren Absenken der Matrize wird das
Fixierelement komprimiert, wodurch die durch das Fixierelement
ausgeübte Fixierkraft auf den Rohling erhöht wird. Der Rohling
ist somit während des Glättens der Anschlußzone mit hoher Kraft
(und somit verrutschsicher) zwischen Fixierstempel und Fixier
element eingespannt.
Alternativ kann das Fixierelement als federgelagerter Schieber
ausgestaltet sein, dessen Stirnfläche mit einer (zur Stirnflä
che des Fixierstempels komplementären) Wölbstruktur versehen
ist (siehe Anspruch 6). In diesem Fall ist der Rohling im Be
reich der Versteifungszone formschlüssig zwischen Fixierelement
und Fixierstempel eingespannt.
Im Zuge der Glättung der Anschlußzone muß die Oberflächenver
größerung, die während der Wölbstrukturierung im Zuge der Her
stellung des Rohlings erzeugt wurde, in gezielter Weise abge
baut werden. Um dabei Faltenbildung und/oder die Entstehung von
Ausstrahlungen auf dem Bauteil zu vermeiden, ist es zweckmäßig,
"Verbraucher" vorzusehen, welche einen definierten Fluß des ü
berschüssigen Werkstoffs gewährleisten. Als solche "Verbrau
cher" dienen Sicken, die in der Anschlußzone - vorteilhafter
weise nahe am Übergang zur Versteifungszone - vorgesehen werden
(siehe Anspruch 2). Zur Ausformung dieser Sicken sind in den
Umformbereichen des Prägewerkzeugs Sickenbereiche vorgesehen
(siehe Anspruch 7).
Im folgenden wird die Erfindung anhand eines in den Zeichnungen
dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert; dabei zei
gen:
Fig. 1a einen wölbstrukturierten Rohling;
Fig. 1b ein aus dem Rohling der Fig. 1a gefertigtes Bauteil;
Fig. 2 eine Schnittansicht eines erfindungsgemäßen Präge
werkzeugs während der Herstellung des Bauteils:
Fig. 2a geöffnetes Prägewerkzeug beim Einlegen des Roh
lings;
Fig. 2b Fixierung des Rohlings im Prägewerkzeug mit Hil
fe von voreilenden Fixierelementen;
Fig. 2c geschlossenes Prägewerkzeug mit fertigem Bau
teil;
Fig. 3 eine perspektivische Ansicht eines erfindungsgemäßen
Prägewerkzeugs:
Fig. 3b Matrize mit voreilenden Fixierelementen;
Fig. 3b zweiteiliger Stempel.
Fig. 1a zeigt einen Rohling 1 aus wölbstrukturiertem Blech,
aus dem mit Hilfe des erfindungsgemäßen Prägeverfahrens ein in
Fig. 1b dargestelltes Bauteil 2 - im vorliegenden Beispiel ei
ne Kraftfahrzeug-Rückwand 3 - hergestellt wird; die Außenkontur
des Bauteils 2 ist auf dem Rohling 1 der Fig. 1a gestrichelt
angedeutet. Das Bauteil 2 weist eine wölbstrukturierte Verstei
fungszone 4 auf, in der die ursprüngliche Wölbstrukturierung
des Rohlings 5 erhalten bleibt; in den Randbereichen 6, 6', 6"
sowie in einem im Bauteilinneren liegenden Bereich 7 ist das
Bauteil 2 mit Anschlußzonen 8, 9 versehen, welche weitgehend
frei von Wölbstrukturen sind und die Form von flachen Flanschen
haben. Die Wölbstruktur 5 des Rohlings 1 bzw. der Versteifungs
zone 4 des Bauteils 2 hat im vorliegenden Ausführungsbeispiel
eine hexagonale Symmetrie, was in den Fig. 1a und 1b schema
tisch durch ein Wabenmuster angedeutet ist. Die Gitterkonstante
10 sowie die Wölbhöhe des Wabenmusters 5 ist dabei der Dicke
des Bauteils 2 sowie der gewünschten Steifigkeitserhöhung (bzw.
den gewünschten Schwingungseigenschaften) des Bauteils 2 ange
paßt. - Alternativ zu der in Fig. 1a und 1b gezeigten hexa
gonalen Wölbstruktur 5 kann der Rohling 1 bzw. das Bauteil 2
auch eine Wölbstruktur mit einer trigonalen oder einer recht
eckigen Grundsymmetrie aufweisen.
Die Erzeugung des wölbstrukturierten Rohlings 1 aus einem (in
den Figuren nicht dargestellten) ebenen Blech erfolgt mit Hilfe
eines Beulverfahrens, das beispielsweise in der DE 44 37 986 A1
im Detail beschrieben ist. Da das Einbringen der Wölbstruktur 5
in einem Durchlaufverfahren erfolgt, weist der Rohling 1 die
Wölbstrukturierung 5 auf seiner gesamten Oberfläche auf; alter
nativ kann der Rohling 1 in einem (oder mehreren) bandartigen
Streifen (entsprechend der Vorschubrichtung des Beulverfahrens)
mit einer Wölbstrukturierung 5 versehen sein, in benachbarten
Streifen jedoch frei von Wölbstrukturen sein.
Die - weitgehend flachen - Anschlußzonen 8, 9 des Bauteils 2,
welche unter Verwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens auf
dem Rohling 1 erzeugt werden, dienen zur Verbindung des Bau
teils 2 mit anderen Baugruppen, an die das Bauteil 2 im Zuge
des Rohbaus bzw. der Montage angefügt (insbesondere verschweißt
bzw. verschraubt) wird.
Zur Herstellung des Bauteils 2 der Fig. 1b aus dem Rohling 1
der Fig. 1a kommt erfindungsgemäß ein Prägeverfahren zum Ein
satz. Als Beispiel einer zugehörigen Prägevorrichtung zeigen
Fig. 2a bis 2c in einer schematischen, stark vereinfachten
Darstellung einen Ausschnitt einer Presse 11, die einen hubbe
weglichen Pressenstößel 12 sowie einen raumfesten Pressentisch
13 enthält. Das zum Umformen des Bauteil-Rohlings 1 erforderli
che Prägewerkzeug 14 besteht aus einem Stempel 15 und einer
Matrize 16. Im vorliegenden Fall ist der Stempel 15 - als der
stationäre Teil - auf dem Pressentisch 13 und die Matrize 16 -
als der hubbewegliche Teil - an dem Pressenstößel 12 befestigt.
Perspektivische Aufsichten auf die Matrize 16 und den Stempel
15 sind in Fig. 3a und 3b dargestellt.
Die Matrize 16 umfaßt einen Matrizen-Grundkörper 17, aus dem
zwei voreilende Fixierelemente 18 herausragen. Die voreilenden
Fixierelemente 18 sind durch hülsenförmigen Abschnitte 19 aus
einem Gummi gebildet, welche durch Dorne 20, die im Inneren
dieser Hülsen 19 verlaufen, lagefixiert werden. Der Matrizen-
Grundkörper 17 umfaßt einerseits Wölbbereiche 21, deren Stirn
flächen 22 eine dem Rohling 1 entsprechende Wölbstruktur 5 auf
weisen; diese Wölbstrukturierung 5 ist in Fig. 2a bis 2c zur
besseren Kenntlichmachung stark überhöht dargestellt. Weiterhin
umfaßt der Matrizen-Grundkörper 17 Glättungsbereiche 23, 24,
welche eine im wesentlichen glatte Oberfläche aufweisen;
schließlich umfaßt der Matrizen-Grundkörper 17 Aussparungen 25.
Der Stempel 15 ist zweiteilig ausgeführt und besteht aus einem
zentralen Fixierstempel 26, welcher von einem ringförmigen Um
formstempel 27 umgeben ist. Der Fixierstempel 26 weist zwei nä
herungsweise kreisförmige Druckbereiche 28 sowie umlaufende
Randbereiche 29 auf, deren Stirnflächen mit einer Oberflächen
kontur 30, 30' versehen sind, welche der wölbstrukturierten O
berflächenkontur 5 des Rohlings 1 entspricht. Die Oberflächen
kontur 30' der Randbereiche 29 des Fixierstempels 26 ist exakt
komplementär zur Konturierung der Wölbbereiche 21 des Matrizen-
Grundkörpers 17 gestaltet, so daß beim Absenken des Pressenstö
ßels 12 die Matrize 16 und der Stempel 15 in diesen Bereichen
21, 29 einander formschlüssig entsprechen. - Der Umformstempel
27 weist einen Glättungsbereich 31 auf, welcher komplementär zu
dem gegenüberliegenden Glättungsbereich 23 der Matrize 16 ges
taltet ist. Zusätzlich zu im wesentlichen flachen Bereichen
weisen die Glättungsbereiche 23,31 der Matrize 16 bzw. des Um
formstempels 27 komplementäre Vorsprünge 32 bzw. Vertiefungen
33 auf, welche dem Einprägen von Sicken 34 in den Rohling 1
dienen. Diese Sicken 34 auf dem Bauteil 2 wirken - wie im fol
genden ausgeführt wird - als "Verbraucher", welche den während
des Prägeprozessses in den Anschlußzonen 8 anfallenden, über
schüssigen Werkstoff aufnehmen.
Fig. 2a bis 2c zeigen mehrere Stufen bei der Herstellung des
Bauteils 2 mit Hilfe des erfindungsgemäßen Prägewerkzeugs 14.
Fig. 2a zeigt das geöffnete Werkzeug 14 zu Beginn des Präge
prozesses. Der aus einem wölbstrukturierten Halbzeug ausge
schnittene Rohling 1 der Fig. 1 wird in einer solchen Weise in
das Preßwerkzeug 14 eingelegt, daß die Lage und Orientierung
der Wölbstruktur 5 des Rohlings 1 exakt mit der Lage und Orien
tierung des auf dem Druckbereich 28 und den Randbereichen 29
des Fixierstempels 26 vorgegebenen Wölbstruktur 30 überein
stimmt. Dies ist wichtig, da (insbesondere in den Übergangsbe
reichen 35 zwischen Versteifungszonen 4 und Anschlußzonen 8)
die Orientierung der Wölbstruktur 5 des Blechs die direktionale
Steifigkeit des Bauteils 2 beeinflußt. Im vorliegenden Fall
sollte beispielsweise - wie im Rahmen von numerischen Festig
keitsuntersuchungen ermittelt wurde - die Wölbstruktur 5 in den
Versteifungsbereichen 4 in einer solche Weise orientiert sein,
daß die Symmetrieachse 36 des Bauteils 2 - wie in Fig. 1b ge
zeigt - mit einer der Symmetrieachsen der hexagonalen Wölb
struktur 5 übereinstimmt. Weiterhin müssen die Anschlußzonen 8
so gegenüber der Versteifungszone 4 angeordnet sein, daß im Be
reich des oberen Randes 6' der Übergang 35' zwischen Verstei
fungszone 4 und Anschlußzone 8 durch die gezackten Ränder des
wölbstrukturierten Musters 5 gebildet wird, während im Bereich
des unteren Randes 6" der Übergang 35" zwischen Versteifungszo
ne 4 und Anschlußzone 8 zentral durch die Sechsecke der Wölb
struktur 5 verläuft. Diese gewünschte Ausrichtung der Wölb
struktur 5 gegenüber der Symmetrieachse 36 ist im Prägewerkzeug
14 durch die Ausrichtung der Wölbstruktur 30, 30' im Fixierstem
pel 26 vorgegeben.
Die hochgenaue Positionierung des Rohlings 1 gegenüber dem Fi
xierstempel 26 kann auf zwei unterschiedliche Weisen erfolgen:
Entweder kann der Zuschnitt des Rohlings 1 so hochgenau erfol
gen, daß ausgewählte Ränder 37, 37' des Rohlings 1 in bezug auf
Lage und Orientierung hochgenau gegenüber der Wölbstruktur 5
des Rohlings 1 ausgerichtet sind; so ist z. B. der Rohling 1 der
Fig. 1a exakt so zugeschnitten, daß die Ränder 37, 37' genau
durch die Mittelpunkte benachbarter Waben verlaufen. In diesem
Fall erfolgt die hochgenaue Positionierung des Rohlings 1 im
Fixierstempel 26 mit Hilfe von (in den Figuren nicht darge
stellten) Positionierstiften, an die die Ränder 37, 37' des Roh
lings 1 angeschlagen werden. Dies setzt voraus, daß der Rohling
1 mit der erforderlichen Genauigkeit (im Regelfall 0,1 mm) be
schnitten wurde. - Alternativ bzw. zusätzlich kann eine Aus
richtung des Rohlings 1 im Fixierstempel 26 auf eine solche
Weise erfolgen, daß der Rohling 1 - unter Nutzung der Schwer
kraft - so in den Fixierstempel 26 hineingelegt wird, daß die
Wölbstruktur 5 des Rohlings 1 exakt mit der durch die Oberflä
chenkontur 30, 30' des Fixierstempels 26 vorgegebenen Ausrich
tung der Wölbstruktur übereinstimmt. Die hochgenaue Ausrichtung
des Rohlings 1 gegenüber der Wölbstruktur 30 des Fixierstempels
26 ist notwendig, um sicherzustellen, daß die Wölbstuktur 5 des
Rohlings 1 in den Versteifungszonen 4 während des Prägeprozes
ses eine möglichst geringe Beschädigung erleidet, so daß diese
Versteifungszone 4 auf dem Bauteil 2 möglichst unbeschadet er
halten bleibt.
Wie in Fig. 2a gezeigt, ist der Fixierstempel 26 gegenüber dem
Umformstempel 27 federgelagert und - bei geöffnetem Prägewerk
zeug 14 - voreilend angeordnet. Somit ist bei geöffnetem Präge
werkzeug 14 der Umformstempel 27 mit den in den Glättungsberei
chen 31 vorgesehenen Vorsprüngen 32 vertikal versetzt gegenüber
dem Fixierstempel 26 angeordnet, so daß der voreilenden Fixier
stempel 26 in dieser Werkzeugstellung dem Rohling 1 wölbstruk
turierte Bereiche 28, 29 darbietet, auf die der Rohling 1 in
eineindeutiger Lage und Ausrichtung eingelegt werden kann.
Ist der Rohling 1 - wie in Fig. 2a angedeutet - in der ge
wünschten Lage und Orientierung in das Preßwerkzeug 14 einge
legt, so wird der Pressenstößel 12 abgesenkt (siehe Fig. 2b).
Dabei kontaktieren zunächst die voreilenden Fixierelemente 18
den Rohling 1. Beim weiteren Absenken des Pressenstößels 12
wird der Rohling 1 zwischen den voreilenden Fixierelementen 18
der Matrize 16 und den ihnen gegenüberliegenden Druckbereichen
28 des Fixierstempels 26 eingespannt. Diese Einspannung stellt
sicher, daß der Rohling 1 während des nun folgenden Prägevor
gangs nicht verrutscht, sondern in der gewünschten Lage und
Ausrichtung im Prägewerkzeug 14 fixiert ist.
Beim weiteren Absenken des Prägestempels 12 bewirkt der auf die
Fixierelemente 18 wirkende Pressendruck eine Kompression der
Fixierelemente 18, was zu einer zusätzlichen Druckausübung auf
den Rohling 1 - und somit zu einer verbesserten Fixierung im
Werkzeug 14 - führt. Durch den Freiraum 25 der den Fixierele
menten 18 benachbarten Bereichen der Matrize 16 wird die dabei
auftretende Auswölbung der gummielastischen Fixierelemente 18
nicht behindert. Die Härte bzw. der Voreilabstand 39 der Fi
xierelemente 18 ist so dimensioniert, daß durch die Fixierele
mente 18 eine bestimmte gewünschte Haltekraft auf den Rohling 1
ausgeübt wird, wenn der eigentliche Prägeprozeß beginnt. Die in
Fig. 2a bis 2c gezeigte Ausgestaltung des Fixierstempels 18
als Gummifeder hat den Vorteil, daß das elastische Material des
Fixierstempels 18 Toleranzen in der Wölbstruktur 5 des Rohlings
1 bzw. Ungenauigkeiten während des Einlegens des Rohlings 1
ausgleichen kann: Durch seitliches Ausweichen des Gummiwerk
stoffs kann der Rohling 1 dabei vom Fixierelement 18 in die
Wölbstruktur 30 des gegenüberliegenden Druckbereichs 28 auf dem
Fixierstempel 26 hineingedrückt werden. - Alternativ kann das
Fixierelement 18 durch einen Gasdruckfeder gebildet sein, deren
Stirnseite mit einer den Druckbereichen 28 komplementären Wölb
strukturierung versehen ist. Gegebenenfalls kann weiterhin zum
Toleranzausgleich zwischen dem Druckbereich 28 und dem Rohling
1 eine Gummimatte untergelegt werden.
Ist der Pressenstößel 12 so weit abgesenkt, daß die Wölbberei
che 21 der Matrize 16 den Rohling 1 berühren, so ist der Roh
ling 1 auch in diesen Bereichen zwischen Matrize 16 und Fixier
stempel 26 eingespannt. Ein weiterer Vorschub des Pressenstö
ßels 12 führt nun zu einer Zurückdrängung des federgelagerten
Fixierstempels 26 mitsamt des eingespannten Rohlings 1. Dabei
wird der eingespannte Rohling 1 auf den den Fixierstempel 26
umgebenden Umformstempel 27 gedrückt, wodurch auf dem Rohling 1
die seitlichen Anschlußzonen 8 sowie die in diesen Bereichen
vorgesehenen Sicken 34 ausgeformt werden; gleichzeitig wird die
zentrale Anschlußzone 9 ausgeformt. Zur Ausprägung dieser
Anschlußzonen 8, 9 bzw. Sicken 34 wird der Pressenstößel 12 auf
den unteren Totpunkt abgesenkt. Während dieses Prägeprozesses
wirkt der Fixierstempel 26 als Niederhalter, der in den Über
gangsbereichen 35 einen definierten Materialfluß aus der be
nachbarten Versteifungszone 4 in die Anschlußzone 8 hinein ges
tattet.
Die Ausformung der Anschlußzone 8 ist mit einer Umverteilung
des in diesen Bereichen vorliegenden Werkstoffs verbunden: Ins
besondere muß die im Zuge der Wölbstrukturierung erzeugte Ober
flächenvergrößerung gezielt verbraucht werden, um die Entste
hung von Falten bzw. Ausstrahlungen auf dem Bauteil 2 zu ver
meiden. Dies wird durch die Sicken 34 erreicht, welche zu einem
gezielten Materialfluß führen, dem Bauteil 2 eine gute Formsta
bilität geben und die Entstehung langwellige Beulstrukturen
(sogenannter "Frösche") auf dem Bauteil 2 unterbinden. Die ge
naue Position, Höhe, Breite und Ausrichtung der Sicken 34 wird
dabei zweckmäßigerweise in einer Simulation des Prägeprozesses
ermittelt, welche die Dehnungseigenschaften des verwendeten Ma
terials, die Eigenschaften der Wabenstruktur etc. explizit in
Betracht zieht. Die Sicken 34 sind so untereinander abgestimmt,
daß langwellige Beulstrukturen auf dem Bauteil 2 vermieden wer
den.
Auch in der mittig in der Versteifungszone 4 vorgesehenen
Anschlußzone 9 ist randseitig eine umlaufende Sicke 40 vorgese
hen, welche als Verbraucher dient und einerseits eine Falten
bildung in der geglätteten Anschlußzone 9 unterbindet, anderer
seits Ausstrahlungen in die Versteifungszone 4 hinein vermei
det. Zur Ausformung dieser Sicke 40 ist der der Anschlußzone 9
entsprechende Glättungsbereich 41 auf dem Fixierstempel 26 ge
genüber dem ihn umgebenden, oberflächenkonturierten Randbereich
29 abgesenkt, so daß an dieser Stelle eine (einem Verbraucher
entsprechende) Stufe 42 auf dem Fixierstempel 26 vorgesehen
ist. Auf dem Matrizen-Grundkörper 17 ist eine komplementär ges
taltete Stufe 42' vorgesehen.
Nach Beendigung des Prägeprozesses wird der umgeformte Rohling
1 laserbeschnitten, um das Bauteil 2 der Fig. 1b zu erhalten.
Alternativ kann die Beschneidung nach dem Prägevorgang mittels
eines Schneidwerkzeugs erfolgen.
Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich insbesondere zur
Herstellung von Bauteilen 2 aus Aluminiumblechen, kann aber
weiterhin zur Umformung von Rohlingen 1 aus beliebigen tief
ziehfähigen Werkstoffen verwendet werden.
Claims (7)
1. Verfahren zur Herstellung eines Bauteils aus Metallblech,
insbesondere eines Karosserieblechs,
mit einer Versteifungszone, in der das Bauteil mit einer steifigkeitserhöhenden Wölbstrukturierung versehen ist
und mit einer näherungsweise wölbstrukturfreien Anschluß zone,
wobei als Rohling zur Herstellung des Bauteils ein wölb strukturierter Blechzuschnitt verwendet wird,
mit den folgenden Verfahrens schritten:
der Rohling (1) wird in ein Prägewerkzeug (14) mit einem Stempel (15) und einer Matrize (16) eingelegt;
durch Absenken der Matrize (16) wird der Rohling (1) im Bereich der wölbstrukturierten Versteifungszone (4) durch ein der Matrize (16) voreilendes Fixierelement (18) gegen über dem Stempel (15) fixiert;
durch weiteres Absenken der Matrize (16) wird zwischen Stempel (15) und Matrize (16) die Anschlußzone (8, 9) aus geformt.
mit einer Versteifungszone, in der das Bauteil mit einer steifigkeitserhöhenden Wölbstrukturierung versehen ist
und mit einer näherungsweise wölbstrukturfreien Anschluß zone,
wobei als Rohling zur Herstellung des Bauteils ein wölb strukturierter Blechzuschnitt verwendet wird,
mit den folgenden Verfahrens schritten:
der Rohling (1) wird in ein Prägewerkzeug (14) mit einem Stempel (15) und einer Matrize (16) eingelegt;
durch Absenken der Matrize (16) wird der Rohling (1) im Bereich der wölbstrukturierten Versteifungszone (4) durch ein der Matrize (16) voreilendes Fixierelement (18) gegen über dem Stempel (15) fixiert;
durch weiteres Absenken der Matrize (16) wird zwischen Stempel (15) und Matrize (16) die Anschlußzone (8, 9) aus geformt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß im Zuge des Ausformens der Anschlußzone (8, 9) Sicken
(34, 40) in die Anschlußzone (8, 9) eingeformt werden.
3. Prägewerkzeug zur Herstellung eines Bauteils mit einer wölb
strukturierten Versteifungszone und einer weitgehend wölb
strukturfreien Anschlußzone, ausgehend von einem Rohling aus
wölbstrukturiertem Blech,
wobei das Prägewerkzeug einen Stempel und eine Matrize aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Mavtrize (16) ein voreilendes Fixierelement (18) zur Fixierung des Rohlings (1) im Prägewerkzeug (14) sowie ei nen Matrizen-Grundkörper (17) aufweist,
und daß der Stempel (15) des Prägewerkzeugs (14) mehrtei lig ausgestaltet ist und einen mit dem Fixierelement (18) der Matrize (16) zusammenwirkenden Fixierstempel (26) so wie einen gegenüber dem Fixierstempel (26) verschiebbaren Umformstempel (27) umfaßt,
wobei der Matrizen-Grundkörper (17) und der Umformstempel (27) mit zusammenwirkenden Glättungsbereichen (31, 41, 23, 24) zur Ausprägung der Anschlußzone (8, 9) auf dem Bauteil (2) versehen sind.
wobei das Prägewerkzeug einen Stempel und eine Matrize aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Mavtrize (16) ein voreilendes Fixierelement (18) zur Fixierung des Rohlings (1) im Prägewerkzeug (14) sowie ei nen Matrizen-Grundkörper (17) aufweist,
und daß der Stempel (15) des Prägewerkzeugs (14) mehrtei lig ausgestaltet ist und einen mit dem Fixierelement (18) der Matrize (16) zusammenwirkenden Fixierstempel (26) so wie einen gegenüber dem Fixierstempel (26) verschiebbaren Umformstempel (27) umfaßt,
wobei der Matrizen-Grundkörper (17) und der Umformstempel (27) mit zusammenwirkenden Glättungsbereichen (31, 41, 23, 24) zur Ausprägung der Anschlußzone (8, 9) auf dem Bauteil (2) versehen sind.
4. Prägewerkzeug nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Stirnfläche des Fixierstempels (26) mit einer der
Wölbstrukturierung (5) des Rohlings (1) entsprechenden Ober
flächenkontur (30) versehen ist.
5. Prägewerkzeug nach Anspruch 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das voreilende Fixierelement (18) der Matrize (16) aus
einem elastischen Werkstoff, insbesondere aus einem Gummi,
besteht.
6. Prägewerkzeug nach Anspruch 3 oder 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß das voreilende Fixierelement (18) der Matrize (16) als
federgelagerter Schieber ausgestaltet ist, dessen Stirnflä
che mit einer Wölbstruktur versehen ist.
7. Prägewerkzeug nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Glättungsbereiche (31, 41, 23, 24) der Matrize (16) und
des Stempels (15) Sickenbereiche (32, 33, 42, 42') zur Ausprä
gung von Sicken (34, 40) auf dem Bauteil (2) umfassen.
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