DE10029579A1 - Verfahren zur Orientierung der Last in Krananlagen - Google Patents
Verfahren zur Orientierung der Last in KrananlagenInfo
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Orientierung der Last in Krananlagen, bei dem die an Seilen aufgehängte Last um einen bestimmten absoluten Winkel mit einem Drehwerk zwischen Seil und Last gedreht wird. Erfindungsgemäß wird hier eine Regelung für das Drehwerk vorgesehen, mit der Torsionsschwingungen der Last unterdrückt werden, wobei als Eingangsgrößen die absolute Drehwinkelgeschwindigkeit und die Winkelposition des Drehwerks gemessen werden und auf den Stelleingang zurückgeführt werden.
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Orientierung der Last in Krananlagen nach
dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Um einen effizienten Materialfluß zu gewährleisten, sind die meisten Krane mit ei
nem besonderen Lastaufnahmemittel an der Unterflasche des Lastseiles ausgerü
stet. Das Lastaufnahmemittel variiert in Abhängigkeit von den Gütern, die transpor
tiert werden sollen. Beispielsweise dient ein Containerspreader als Lastaufnahme
vorrichtung für Container. Soweit es sich bei dem Transportgut um ein asymmetri
sches Objekt handelt, ist eine Orientierung der Last am Zielpunkt erforderlich. Unter
Orientierung versteht man, daß die Last am Zielpunkt um einen definierten Winkel
gedreht wird. Hierzu wird im Lastaufnahmemittel zwischen Seilaufhängungspunkt
und der Greifvorrichtung für die Last ein Drehwerk eingebaut.
Wird nun ein derartiges Drehwerk betätigt, so kann durch zu schnelles Drehen der
Last eine Torsionsschwingung hervorgerufen werden, die von einem geübten
Kranfahrer durch eine gezielte Gegenbewegung des Drehwerkes gedämpft werden
kann. Dabei hängt es von der Erfahrung und dem Geschick des jeweiligen Kranfahrers
ab, wie schnell er eine derartige Torsionsschwingung ausgleichen kann. Bei
spielsweise kann bei entsprechender Windbelastung eine entsprechenden Tor
sionsschwingung auch von außen angeregt werden. Diese überlagerten Torsion
schwingungen können nur sehr schwer vom Kranfahrer ausgeglichen werden.
Bekannt sind bereits Verfahren zur Unterdrückung von Pendelschwingungen bei
Lastkranen.
So beschreibt die DE 12 78 079 eine Anordnung zur selbsttätigen Unterdrückung
von Pendelungen einer mittels eines Seiles an einem in waagerechter Ebene be
wegbaren Seilaufhängepunkt hängenden Last bei Bewegung des Seilaufhänge
punktes in mindestens einer waagerechten Koordinate, bei der die Geschwindigkeit
des Seilaufhängepunktes in der waagerechten Ebene durch einen Regelkreis in
Abhängigkeit von einer von dem Auslenkwinkel des Lastseiles gegen das Endlot
abgeleiteten Größe beeinflusst wird.
Die DE 20 22 745 zeigt eine Anordnung zur Unterdrückung von Pendelschwingun
gen einer Last, die mittels eines Seiles an der Katze eines Kranes aufgehängt ist,
deren Antrieb mit einer Drehzahleinrichtung und einer Wegregeleinrichtung ausge
stattet ist, mit einer Regelanordnung, die die Katze unter Berücksichtigung der
Schwingungsperiode während eines ersten Teils des von der Katze zurückgelegten
Weges derart beschleunigt und während eines letzten Teils dieses Weges derart
verzögert, daß die Bewegung der Katze und die Schwingung der Last am Zielort
gleich zu Null werden.
Aus der DE 32 10 450 ist eine Einrichtung an Hebezeugen für die selbsttätige
Steuerung der Bewegung des Lastträgers mit Beruhigung des beim Beschleunigen
oder Abbremsen der an ihm hängenden Last auftretenden Pendels der Last wäh
rend eines Beschleunigungs- bzw. Abbremszeitintervalles bekannt geworden. Die
Grundidee beruht auf dem einfachen mathematischen Pendel. Die Katz- und
Lastmasse wird für die Berechnung der Bewegung nicht miteinbezogen. Coulombsche
und geschwindigkeitsproportionale Reibung der Katz- oder Brückenan
triebe werden nicht berücksichtigt.
Um einen Lastkörper schnellstmöglich vom Standort zum Zielort transportieren zu
können, schlägt die DE 32 28 302 vor, die Drehzahl des Antriebsmotors der Lauf
katze mittels eines Rechners so zu steuern, daß die Laufkatze und der Lastträger
während der Beharrungsfahrt mit gleicher Geschwindigkeit bewegt werden und die
Pendeldämpfung in kürzester Zeit erreicht wird. Der aus der DE 32 28 302 be
kannte Rechner arbeitet nach einem Rechenprogramm zur Lösung der für das aus
Laufkatze und Lastkörper gebildeten ungedämpften Zwei-Massen-
Schwingungssystems geltenden Differentialgleichungen, wobei die Coulombsche
und geschwindigkeitsproportionale Reibung der Katz- oder Brückenantriebe nicht
berücksichtigt werden.
Bei dem aus der DE 37 10 492 bekannt gewordenen Verfahren werden die Ge
schwindigkeit zwischen den Zielorten auf dem Weg derart gewählt, daß nach Zu
rücklegen der Hälfte des Gesamtweges zwischen Ausgangsort und Zielort der
Pendelausschlag stets gleich Null ist.
Das aus der DE 39 33 527 bekannt gewordene Verfahren zur Dämpfung von
Lastpendelschwingungen umfaßt eine normale Geschwindigkeits-
Positionsregelung.
Die DE 691 19 913 behandelt ein Verfahren zum Steuern der Verstellung einer
pendelnden Last, bei der in einem ersten Regelkreis die Abweichung zwischen der
theoretischen und der wirklichen Position der Last gebildet wird. Diese wird abge
leitet, mit einem Korrekturfaktor multipliziert und auf die theoretische Position des
beweglichen Trägers addiert. In einem zweiten Regelkreis wird die theoretische
Position des beweglichen Trägers mit der wirklichen Position verglichen, mit einer
Konstanten multipliziert und auf die theoretische Geschwindigkeit des beweglichen
Trägers aufaddiert.
Die DE 44 02 563 behandelt ein Verfahren für die Regelung von elektrischen
Fahrantrieben von Hebezeugen mit einer an einem Seil hängenden Last, die auf
grund der Dynamik beschreibenden Gleichungen den Soll-Verlauf der Geschwin
digkeit der Krankatze generiert und auf einen Geschwindigkeits- und Stromregler
gibt. Des weiteren kann die Recheneinrichtung um einen Positionsregler für die
Last erweitert werden.
Die aus der DE 12 78 079, DE 39 33 527 und DE 691 19 913 bekannt gewordenen
Regelverfahren benötigen zur Lastpendeldämpfung einen Seilwinkelsensor. In der
erweiterten Ausführung gemäß der DE 44 02 563 ist dieser Sensor ebenfalls erfor
derlich. Da dieser Seilwinkelsensor erhebliche Kosten verursacht, ist es von Vorteil,
wenn die Lastpendelung auch ohne diesen Sensor kompensiert werden kann.
Das Verfahren der DE 44 02 563 in der Grundversion erfordert ebenso mindestens
die Krankatzengeschwindigkeit. Auch bei der DE 20 22 745 sind für die Lastpen
deldämpfung mehrere Sensoren erforderlich. So muß bei der DE 20 22 745 zumin
dest eine Drehzahl und Positionsmessung der Krankatze vorgenommen werden.
Auch die DE 37 10 492 benötigt als zusätzlichen Sensor zumindest die Katz- bzw.
Brückenposition.
Alternativ zu diesem Verfahren schlägt ein anderer Ansatz, der beispielsweise aus
der DE 32 10 450 und der DE 32 28 302 bekannt geworden ist, vor, die dem Sy
stem zugrundeliegenden Differentialgleichungen zu lösen und basierend hierauf
eine Steuerstrategie für das System zu ermitteln, um eine Lastpendelung zu unter
drücken, wobei im Falle der DE 32 10 450 die Seillänge und im Falle der DE 32 28 302
die Seillänge und Lastmasse gemessen wird. Bei diesen Systemen wird jedoch
die im Kransystem nicht zu vernachlässigenden Reibungseffekte der Haftreibung
und geschwindigkeitsproportionalen Reibung nicht berücksichtigt. Auch die DE 44 02 563
berücksichtigt keine Reibungs- und Dämpfungsterme.
In der nicht vorveröffentlichten DE 199 20 431 der Anmelder der hier vorliegenden
Erfindung ist ein Verfahren zur Lastpendeldämpfung an Kranen mit einem Steu
eralgorithmus realisiert worden, der auf der Grundidee basiert, daß als Führungs
größen nicht nur die Funktion der Soll-Lastposition in Abhängigkeit von der Zeit ge
neriert werden, sondern auch die Funktion für die Soll-Lastgeschwindigkeit, Soll-
Lastbeschleunigung, den Soll-Lastruck und die Ableitung des Soll-Lastruckes und
in einem Vorsteuerungsblock derart gewichtet auf das Kransystem aufgeschaltet
werden, daß das resultierende Gesamtsystem aus Krandynamik und Vorsteuerung
geschwindigkeitstreu, beschleunigungstreu, rucktreu und treu hinsichtlich der Ab
leitung des Ruckes arbeitet. Als minimale Eingangsgrößen für dieses prioritätsälte
re aber nicht vorveröffentlichte Verfahren werden die Seillänge und die Lastmasse
benötigt.
Keines der vorbekannten Verfahren befasst sich mit der eingangs geschilderten
Problematik der Torsionsschwingungen bei der Betätigung des Drehwerks.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein Verfahren zur Orientierung
der Last in Krananlagen nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 zu schaffen, mit
dem eine Last ohne Anregung von Torsionsschwingungen auf eine definierte Win
kelposition gedreht werden kann und mit dem eventuell extern angeregte Torsions
schwingungen wirksam gedämpft werden können.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe durch ein Verfahren mit der Merkmalskombina
tion des Anspruchs 1 gelöst. Hier wird eine Regelung des Drehwerkes realisiert, die
auf der Messung der absoluten Drehwinkelgeschwindigkeit und der Winkelposition
der Drehachse des Drehwerkes basiert.
Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den sich an den
Hauptanspruch anschließenden Unteransprüchen.
Demnach kann die Drehbewegung der Last und der Greifvorrichtung für die Last
mit einem Gyroskopsensor erfasst werden. Da das Messignal bei verfügbaren Gyroskopsensoren
teilweise stark verrauscht ist und durch Drift und Offset verfälscht
wird, wird gemäß einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung der
Offset in einem sogenannten Störbeobachtermodul geschätzt und kompensiert. Ein
Beobachter berechnet basierend auf dem idealisierten dynamischen Modell der
Anordnung aus dem Sensorsignal des Gyroskopsensors die absolute Winkelstel
lung der Last.
Bei der erfindungsgemäßen Regelung kann vorteilhaft ein Steueralgorithmus ein
gesetzt werden, bei dem in einem sogenannten Bahnplanungsmodul die Zeitfunk
tionen für die Sollposition, die Soll-Geschwindigkeit, die Soll-Beschleunigung, den
Soll-Ruck und die Ableitung des Soll-Ruckes bildet. Diese Funktionen werden in
einem Vorsteuerungsblock derart gewichtet auf das Kransystem aufgeschaltet, daß
das resultierende Gesamtsystem aus Krandynamik und Vorsteuerung geschwin
digkeitsgetreu, beschleunigungstreu, rucktreu und treu hinsichtlich der Ableitung
des Ruckes arbeitet. Bei diesem Modell werden als zusätzlich veränderliche Para
meter die Seilfänge und die Lastmasse berücksichtigt.
Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung werden anhand eines in der Zeich
nung dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 die prinzipielle Struktur eines Krans mit Lastaufnahmemittel
Fig. 2 die Seilaufhängung der Steuerung und Drehachse am Lastaufnahme
mittel
Fig. 3 die Gesamtstruktutur der Steuerung
Fig. 4 beispielhafte Zeitfunktionen des Bahnplanungsmoduls
Fig. 5 die Struktur des Achsreglers
Fig. 6 die Struktur des Zustandsregiers
Fig. 7 die Struktur des Vorsteuerung
Fig. 8 die Struktur des Störbeobachters
In Fig. 1 ist die prinzipielle Struktur eines Krans 1 mit einem Lastaufnahmemittel 3
dargestellt. Zwischen Lastaufnahmemittel 3 und Unterflasche 4 der Seilaufhängung
2 ist eine Drehachse 5 angeordnet, um die die Unterflasche der Seilaufhängung
gegenüber dem eigentlichen Lastaufnahmemittel motorisch verdreht werden kann.
Dadurch kann die Last um den Winkel γ gedreht werden.
Anhand der Fig. 2 wird nun ein dynamisches Modell zur Beschreibung dieses
Vorgangs hergeleitet. Der wesentliche Effekt bei der Orientierung der Last beruht
darauf, daß mit der Drehachse die Unterflasche 4 der Seilaufhängung 2 gegenüber
dem Lastaufnahmemittel 3 verdreht wird. Die Postition der Drehachse entspricht
der Variablen c. Dadurch verdrillen sich die vier zur Krankatze nach oben laufenden
Tragseile 21 entgegen der Drehrichtung der Drehachse. Die Verdrilling entspricht
dem Differenzwinkel
γdrill = γ - c (1)
Dies führt zu einem leichten Anheben der Last. Der diagonale Abstand der
Tragseile zueinander beträgt dc. Durch die Verdrilling werden die Tragseile um den
Winkel ϕ1drill ausgelenkt.
lS entspricht hier der Länge der Tragseile 21 zwischen Hubseilwinde und Unterfla
sche 4.
Dadurch wird die Last um
ΔZdrill = lS(1 - cos(ϕ1drill) (3)
angehoben. Damit entsteht ein rückwirkendes Drehmoment
mit der beschleunigenden Kraft
Fdrill = mLgsinϕ1drill (4),
wobei mL die Masse der Last ist.
Das Drehmoment Mdrill wird in eine gegenläufige Drehbewegung umgesetzt. Re
sultat ist eine Torsionsschwingung, die durch folgende Differentialgleichung be
schrieben wird.
(ΘLc + ΘUc)drill = -Mdrill - Mc (5)
ΘLc ist das Trägheitsmoment bei Rotation des Effektors um die Drehachse, ΘUc ist
das Trägheitsmoment bei Rotation der Unterflasche um die Drehachse, Mc ist die
Rückwirkung des antreibenden Drehmomentes des Antriebs der Drehachse auf
den Verdrillungswinkel γdrill. In Abhängigkeit von der Beschleunigung der Drehachse
ist das antreibende Moment
Mc = ΘLc (6)
Gl. 4 wird nun linearisiert, indem sinϕ ≈ ϕ1drill. Damit erhält man die folgende Bewe
gungsgleichung
Um einen Regler zu entwerfen, der die beim Drehen der Last zwangsläufig auftre
tenden Torsionsschwingungen unterdrückt, wird die Differentialgleichung Gl. 7 in
die Zustandsraumdarstellung überführt. Als Zustandsgrößen werden der Verdril
lungswinkel, die Winkelposition der Drehachse sowie deren Ableitungen definiert.
Damit erhält man das folgende Zustandsraummodell:
= A c x c + B c u c
y c = C c x c
y mc = C mc x c (8)
mit
u
c
= = soll
C
c
= [1 1 0 0]
y
c
= γ
Die Dynamik der Antriebseinheit der Drehachse wird vernachlässigt. Damit kann als
Eingangsvektor des Systems anstatt der Soll-Beschleunigung der Drehachse die
Beschleunigung der Drehachse verwendet werden. Der Eingangsvektor der Sy
stembeschreibung ist zugleich Ausgangsgröße des im folgenden hergeleiteten
Reglers.
Als Meßgrößen liegen die absolute Drehwinkelgeschwindigkeit und die Winkelposi
tion der Drehachse vor. Die Drehwinkelgeschwindigkeit wird mit einem Gyroskop
sensor erfaßt. Da dessen Meßwert durch Drift und Offset verfälscht ist, muß ein
Störbeobachter die Meßdatenauswertung unterstützen. Die Position der Drehachse
wird mit einem Absolutencoder erfaßt. Die Drehwinkelgeschwindigkeit der Dreh
achse wird durch reales Differenzieren gebildet.
Für den nun folgenden Entwurf von Vorsteuerung und Zustandsregelung wird die
Modelldarstellung nach Gl. 8 und Gl. 9 um die Aufschaltung des Führungsgrößen
vektors w c, über die Vorsteuerungsmatrix S c und die Zustandsrückführung über die
Reglermatrix K c erweitert. Damit erhält man
u c = S c.w c - K c.x c (10)
wobei
S
c
= [KVc0
KVc1
KVc2
KVc3
KVc4
] (11)
K
c
= [kc1
kc2
kc3
kc4
]
wobei
soll,rück = -K c x c und soll,vorst = S c w c
Zusammenfassend läßt sich die folgende Gesamtstruktur der Steuerung der Dreh
achse darstellen (Fig. 3). Vom Bediener wird eine Zielposition γZiel beispielsweise
über den Leitrechner 36 oder eine Zielgeschwindigkeit Ziel beispielsweise über die
Funkfernbedienung 35 vorgegeben. Im Bahnplanungsmodul 31 werden daraus die
Referenzzeitfunktionen für die Sollposition γLref, die Soll-Geschwindigkeit Lref, die
Soll-Beschleunigung ref, den Soll-Ruck und die Ableitung des Soll-Ruckes
γ(IV) Lref gebildet, wobei die kinematischen Beschränkungen wie die maximale Ge
schwindigkeit vmax, die maximale Beschleunigung amax und der maximale Ruck jmax
stets eingehalten werden. In Fig. 4 sind beispielhaft generierte Referenzzeitfunktio
nen dargestellt, wie sie für ein ähliches System in der DE 199 20 431.4 bereits er
läutert wurden. Die Referenzzeitfunktionen sind die Ausgangssgrößen des Bahn
planungsmoduls 31 und zugleich die Eingangsgrößen für das Achsreglermodul 33,
dessen Struktur in Fig. 5 näher dargestellt ist.
Das Achsreglermodul besteht aus dem Vorsteuerungsmodul 51, dem Zustands
reglermodul 53 und dem Störbeobachtermodul 55. Eingangsgrößen sind die Refe
renzzeitfunktionen aus dem Bahnplanungsmodul, Ausgangsgröße ist die Soll-
Beschleunigung der Drehachse soll. Erforderliche Meßgrößen sind die Seillänge lS,
die Lastmasse mL, die Position der Drehachse c und die absolute Winkelgeschwin
digkeit des Lastaufnahmemittels .
Im folgenden werden nun die Module 51, 53 und 55 näher erläutert.
Der Zustandsregler 53 für die Drehachse wird nach dem Polvorgabeverfahren ent
worfen. Die charakteristische Gleichung des Systems mit Zustandsregler lautet
det(sI - A c + B c.K c) = 0 (12)
Die gewünschte Dynamik des geregelten Systems wird über das Poynom
vorgegeben. Die rci sind so zu wählen, daß das System stabil ist, die Regelung hin
reichend schnell bei guter Dämpfung arbeitet und die Stellgrößenbeschränkung bei
typischen auftretenden Regelabweichungen nicht erreicht wird. Werden die Gleichungen
Gl. 12 und Gl. 13 gleichgesetzt, so ergeben sich die zu bestimmenden
Reglerverstärkungen kc1 bis kc4 zu
Abhängige Systemparameter in den Reglerverstärkungen kc1, bis kc4 sind die Varia
blen der Lastmasse mL, des diagonalen Abstands der Tragseile dc, der Seilänge lS,
des Trägheitsmoments bei Drehung um die Hochachse für das Lastaufnahmemittel
ΘLc, und die Unterflasche ΘUc. Von diesen sind die Größen mL, lS, ΘLc veränderlich.
Die Seillänge lS und die Lastmasse mL liegen als Meßgrößen vor. Damit kann das
Trägheitsmoment ΘLc, unter der Annahme homogener Massenverteilung nähe
rungsweise aus der Lastmasse mL über die geometrischen Abmessungen der Git
terbox abgeleitet werden. Resultierend läßt sich damit das Trägheitsmoment
ebenfalls auf die Veränderung der Lastmasse zurückführen. Die veränderlichen
Parameter bei der adaptiven Nachführung der Reglerverstärkungen sind damit die
Lastmasse mL und die Seillänge lS. Die Struktur des Zustandsreglermoduls ist
nochmals in Fig. 6 dargestellt. Die Zustandsgrößen des Verdrillungswinkels γdrill
und dessen Ableitung, welche aus der Drehgeschwindigkeit und der Position der
Drehachse c ermittelt werden, sowie die Position der Drehachse c selbst sowie de
ren Ableitung werden über die Reglerverstärkungen kc1 bis kc4 auf den Stelleingang
zurückgeführt. Der Anteil der Stellgröße, der durch die Rückführung determiniert ist,
wird als soll.rück bezeichnet.
Im folgenden soll nun der Entwurf des Vorsteuerungsmoduls 51 gezeigt werden.
Das Bahnplanungsmodul 31 generiert die Referenzzeitfunktionen γLref der Soll-
Winkelposition, -Winkelgeschwindigkeit, -Beschleunigung, und des -Ruckes für die
Orientierung γ der Last im Arbeitsraum. Diese werden vom Achsreglermodul für die
Drehachse als Führungsgrößenvektor w c interpretiert, der über die Vorsteuerungs
matrix S c auf den Eingang u c gegeben wird.
Zunächst wird die Übertragungsfunktion
hergeleitet. Die Auswertung von Gl. 15 führt auf eine Übertragungsfunktion mit
Nennergrad entsprechend der Systemordnung von n = 4.
Aufgrund des Nennergrads 4 von Gl. 16 ist eine Aufschaltung bis zum Grad 4 vor
zusehen. Für die Vorsteuerung selbst ergibt sich deshalb nach Auswertung von Gl.
10 bzw. 11 und Transformation in den Frequenzbereich das folgende Übertra
gungsverhalten.
Damit erhält man die folgende Gesamtübertragungsfunktion:
Zur Berechnung der Verstärkungen KV0 bis KV4 sind aufgrund des Grades 4 des
Nennerpolynoms in Gl. 16 lediglich die Koeffizienten b4 bis b0 und a4 bis a0 von In
teresse. Ideales Systemverhalten bezüglich Position, der Geschwindigkeit, der Be
schleunigung, des Ruckes und ggf der Ableitung des Ruckes ergibt sich genau
dann, wenn die Übertragungsfunktion des Gesamtsystems aus Vorsteuerung und
Übertragungsfunktion in ihren Koeffizienten bi und ai den folgenden Bedingungen
genügt:
Nach Auswertung analog zu Gl. 7-17 erhält man damit für die Vorsteuerungsver
stärkungen
Die Ausdrücke nach Gl. 20 zeigen, daß für die adaptive Nachführung der Verstär
kungen in der Vorsteuerung die Systemparameter mL, dc, lS, ΘLc und ΘUc zu berück
sichtigen sind. Wie beim Zustandsreglermodul wird homogene Massenverteilung
angenommen und das Trägheitsmoment ΘLc näherungsweise aus der Lastmasse
und den geometrischen Abmessungen der Gitterbox berechnet. Die veränderlichen
Parameter bei der adaptiven Nachführung sind damit die Lastmasse mL und die
Seillänge lS. Die Struktur der Vorsteuerung ist in Fig. 7 dargestellt. Eingangsgrößen
sind die Referenzzeitfunktionen aus dem Bahnplanungsmodul, Ausgangsgröße ist
der Anteil des Vorsteuerung soll,vorst an der Stellgröße soll.
Zur Messung der absoluten Winkelgeschwindigkeit der Last ist auf dem Lastauf
nahmemittel ein Gyroskopsensor installiert. Das Meßsignal des Sensors ist auf
grund des Meßprinzips mit einem erheblichen Offset überlagert. Der Offset auf dem
Meßsignal verursacht Positionsfehler der Regelung bei der Orientierung der Last.
Daher wird in einem Störbeobachter der Offsetfehler geschätzt und kompensiert.
Dazu wird als Störgröße der Offsetfehler Offset eingeführt. Die Störung wird als ab
schnittsweise konstant angenommen. Das Störmodell ist demnach
Offset = 0 (21)
Die Zustandsraumdarstellung des Teilmodells für die Drebachse nach Gl. 8 und Gl.
9 wird um das Störmodell erweitert. Im vorliegenden Fall wird ein vollständiger Be
obachter hergeleitet. Die Beobachtergleichung für das modifizierte Zustandsraum
modell lautet demnach:
wobei in Ergänzung zu Gl. 9 die folgenden Matrizen und Vektoren eingeführt wer
den.
Für den Entwurf des Beobachters wird das System nach Gl. 23 in die Beobach
tungsnormalform transformiert. In Beobachtungsnormalform wird über Polyorgabe
der Beobachter entworfen und anschließend das System wieder zurück transfor
miert. Dabei werden die Pole rcz1,2 und rcz3,4 mit einer Vielfachheit von zwei gewählt
und der Pol rcz5 mit einer Vielfachheit von eins. Die Störbeobachtermatrix für den
Störbeobachter 55 ist dann
Mit der Darstellung nach Gl. 24 liegt wiederum ein analytischer Ausdruck in Abhän
gigkeit der Systemparamter mL, dg, lS, ΘLc vor. Für die Adaption des Störbeobechters
55 sind die Meßgrößen mL und lS erforderlich. Die Struktur des Störbeobachters 55
ist in Fig. 8 dargestellt.
Aus den Meßgrößen der Position der Drehachse c und der Drehgeschwindigkeit
des Lastaufnahmemittels wird über den Störbeobachter der Offsetfehler offset er
mittelt. Damit ist es möglich, den gemessenen Wert der Drehgeschwindigkeit zu
korrigieren und damit für den Zustandsregler den Verdrillungswinkel γdrill zuverläs
sig zu berechnen.
Nachdem im vorangegangenen die einzelnen Teilmodule 51, 53 und 55 vorgestellt
wurden, soll nun die Gesamtstruktur nochmals anhand Fig. 5 gezeigt werden, um
die Zusammenhänge zwischen den Teilmodulen nochmals zu verdeutlichen. Fig. 5
zeigt die Struktur des Achsreglermoduls für die Drehachse des Lastaufnahmemit
tels. Eingangsgrößen für das Vorsteuerungsmodul 51 sind die Referenzzeitfunktio
nen γLref des Bahnplanungsmoduls 31. Aufgrund der Systemordnung n = 4 kann eine
Aufschaltung bis zur Ableitung des Soll-Ruckes vorgenommen werden. Ausgangs
größe ist soll,vorst. Über den Zustandsregler 53 werden die Zustandsgrößen γ, c,
auf den Eingang als soll,rück zurückgeführt. Als Meßgrößen liegen die Position der
Drehachse c sowie deren durch reales Differenzieren gebildete Geschwindigkeit c
und die offsetbehaftete Drehgeschwindigkeit vor. Zur Kompensation des Offset
fehlers im Gyroskopsignal wird deshalb ein Störbeobachtermodul 55 eingeführt,
das den Offset Offset schätzt. Anschließend wird das Meßsignal des Gyroskopsen
sors vor Aufschalten auf den Zustandsregler und vor dessen Integration zur Ablei
tung des Positionssignals γ um diesen geschätzten Offset korrigiert. Daher ist für
die Funktion des Zustandsreglermoduls 53 in diesem Fall der Störbeobachter 55
zwingend erforderlich. Ausgangsgröße des Achsreglermoduls ist die Sollbeschleu
nigung der Drehachse soll.
Claims (8)
1. Verfahren zur Orientierung der Last in Krananlagen (1), bei dem die an Seilen
aufgehängte Last um einen bestimmten absoluten Winkel (γ) mit einem Dreh
werk zwischen Seil und Last gedreht wird,
dadurch gekennzeichnet,
daß eine Regelung für das Drehwerk Torsionsschwingungen der Last unter
drückt, wobei als Eingangsgrößen die absolute Drehwinkelgeschwindigkeit ()
und die Winkelposition (c) des Drehwerks gemessen werden und auf den
Stelleingang zurückgeführt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Regelung für
das Drehwerk die Last auf einen vorgegebenen Solldrehwinkel positioniert.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die absolute
Drehwinkelgeschwindigkeit () mit einem Gyroskopsensor gemessen wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß
unter Berücksichtigung der Seillänge (lS) und der Lastmasse (mL) in einem
Bahnplanungsmodul (31) die Zeitfunktionen mindestens eine der Größen der
Soll-Winkelposition, Soll-Winkelgeschwindigkeit, Soll-Winkelbeschleunigung
und des Soll-Winkelruckes und der Ableitung des Ruckes für die Orientierung
γ der Last im Arbeitsraum gebildet werden und diese in einem Vorsteuerungs
block (51) eines Achsreglermoduls (33) mit Vorsteuerungsverstärkungen KVi
so gewichtet werden, daß die Koeffizienten der resultierenden Übertragungs
funktion aus Krandynamik und Vorsteuerung der Form
den folgenden Bedingungen genügt
den folgenden Bedingungen genügt
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß
die durch die Übertragungsfunktion festegelegten Vorsteuerungsverstärkun
gen in Abhängigkeit der Lastmasse (mL) und der Seillänge (lS) berechnet wer
den.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß
das Bahnplanungsmodul die Zeitfunktionen der Sollposition (γLref), der Soll-
Geschwindigkeit (Lref), der Soll-Beschleunigung (Lref) und des Soll-Ruckes
() unter Berücksichtigung der kinematischen Beschränkungen erzeugt.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Bahnpla
nungsmodul auch die Zeitfunktion für die Ableitung des Soll-Ruckes (γ(IV) Lref)
erzeugt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß
ein im Messignal des Gyroskopsensors auftretender Offset auf dem Messignal
in einem Störbeobachtermodul (55) aufgrund Schätzung und Kompensierung
des Offset-Fehlers beseitigt wird.
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