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c't 1/2025
S. 50
Aktuell
Audio/Video

Schiefe Töne

Denon, Marantz und B&W mit ungewisser Zukunft

Nicht nur für die Consumer-Audio-Sparte von Masimo, zu der Marken wie Bowers & Wilkins und Polk Audio gehören, sieht es nach wiederholt roten Zahlen recht düster aus. Für die ganze Heimkinobranche ist die Lage aktuell wenig erfreulich.

Von Nico Jurran

Rund fünf Jahre ist es her, dass das durch seine Marken Denon und Marantz bekannte Unternehmen Sound United überlegte, den Consumer-Audio-Bereich der damals in Insolvenz geratenen Onkyo Corporation zu übernehmen. Nun steckt Sound United, mittlerweile eine Sparte des Konzerns Masimo, selbst in der Bredouille.

So wies der Finanzbericht zum dritten Quartal 2024 für den Zweig einen Nettoverlust von 12,9 Millionen US-Dollar für die abgelaufenen drei Monate und von 31,3 Millionen US-Dollar seit Jahresbeginn 2024 aus. In den ersten neun Monaten 2023 lag der Nettoverlust noch bei 21,2 Millionen. Die Ergebnisse stehen im starken Kontrast zu den durchweg positiven Zahlen in Masimos Kernbereich Medizintechnik.

Als Optionen für die Zukunft von Sound United nennt Masimo nun unter anderem die Ausgliederung des Consumer-Geschäfts in eine neue Aktiengesellschaft und dessen vollständigen Verkauf. Aus Meldungen an die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC ergibt sich zudem, dass es im Sommer Verhandlungen mit einer nicht genannten Partei gab, die im Rahmen eines Joint Ventures für 850 bis 950 Millionen US-Dollar in bar und schuldenfrei einen Anteil am Consumer-Geschäft erwerben wollte. Zudem sollen separat unaufgeforderte Anfragen potenzieller, ebenfalls nicht namentlich genannter Käufer für das Consumer-Audio-Geschäft eingegangen sein.

Schreiben an die Händler

Für Irritationen sorgte die Aussage des Vorstands, die Sparte im Zweifel „nicht fortzuführen“. In einem Schreiben an Vertragshändler erklärte Vice President EU Commercial Operations Jason Dear daraufhin, dies spiegele „lediglich eine buchhalterische Anpassung im Zusammenhang mit der Einbeziehung des Consumer-Geschäfts in den Gesamtabschluss von Masimo wider“, habe aber „keinen Einfluss auf das Tagesgeschäft des Consumer-Audio-Geschäfts, unsere Produkte oder unser Serviceniveau.“

Außen vor ließ Dear, dass der Konzern seine Büros in Frankreich, Finnland, der Schweiz und auch Deutschland geschlossen hat beziehungsweise schließt. Darüber äußerten Händler gegenüber c’t ebenso ihren Unmut wie über den Umstand, dass mit Roland Krüger der aktuelle Manager der Produktlinie Electronics rund um Denon, Marantz und Classé Audio zum 31. Dezember Masimo verlässt. Krüger war das Gesicht der Marken auf Messen und anderen Veranstaltungen sowie Gesprächspartner und Präsentator in Webinaren und zahlreichen Social-Media-Videos von Händlern und Influencern.

Wie geht es weiter?

Ganz allgemein stellt sich die Frage, wie sich künftig mit AV-Receivern noch Geld verdienen lässt. Nach den goldenen Jahren, in denen visuelle Weiterentwicklungen wie 4K/UHD, HDR10 und Dolby Vision sowie 3D-Soundformate wie Dolby Atmos, DTS:X und Auro-3D die Verkäufe antrieben, mangelt es im Heimkinosegment mittlerweile an echten Kaufanreizen.

Für die AV-Receiver seiner Marke Denon ruft Masimo Listenpreise von bis zu 7000 Euro auf.
Für die AV-Receiver seiner Marke Denon ruft Masimo Listenpreise von bis zu 7000 Euro auf.

So lassen sich die jüngsten Neuheiten wie DTS:X bei Disney+ (siehe c’t 16/2024, S. 100) auch mit älteren AV-Receivern nutzen oder richten sich (wie 4K mit variablen Bildwiederholraten) an eine so spitze Zielgruppe, dass ein merkbarer Einfluss auf die Verkaufszahlen kaum zu erwarten ist. Die Receiver sind zudem in der Regel so robust, dass sie erst nach Jahrzehnten wegen Verschleiß ausgetauscht werden müssen.

Dolby konzentriert sich mit „FlexConnect“ aktuell lieber auf eine neue Technik, die es ermöglicht, einen oder mehrere Lautsprecher überall im Wohnraum zu platzieren und richtet sich damit eher an Durchschnittskonsumenten als an Heimcineasten, für die die korrekte Aufstellung der Boxen der heilige Gral ist.

AV-Receiver-Hersteller bieten zwar üblicherweise auch vernetzte Lautsprecher und Soundbars an, treffen dabei aber auf viel Konkurrenz. Gerade bei Soundbars greifen viele Kunden eher zu Geräten von TV-Herstellern, da diese im Design und in der Bedienung auf die Fernseher der jeweiligen Marke abgestimmt sind. Insofern richten sich die Augen nun auch auf Yamaha sowie auf die Premium Audio Company, die im September 2021 mittels ihres Joint Ventures mit Sharp die Marken Onkyo und Integra erworben und eine Lizenz- und Vertriebsvereinbarung mit der Pioneer Corporation geschlossen hatte. (nij@ct.de)

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