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5591

Juli 8, 2026

Motocrossdüfte

Fahrradtraining 2. Platz

Flirrender Asphalt

5590

Juli 8, 2026

Offene Fernen

Waldlose Vulkankuppen

Mitten in Deutschland

5589

Juli 8, 2026

Love lost, replaced by

Yellow glowing forsythia,

Glittering raindrops

5588

Juli 7, 2026

Schwarze Jeans klatschnass

Nach fünfzehn Minuten im

Regen auf dem Rad

5587

Juli 7, 2026

Da vermählen sich

Rhythmus und Melodie zu

etwas größerem

[Yo La Tengo – Autumn Sweater von I Can Hear the Heart Beating As One, 1997]

5586

Juli 6, 2026

Die scharfen Kanten

der Wirklichkeit, die dauernd

tief ins Fleisch schneiden

[Cocteau Twins – Theft, and Wandering Around Lost von Four-Calendar Café, 1993]

5585

Juli 5, 2026

Die Augen öffnen

Eine friedliche Landschaft

Lasst uns verweilen

[Marion Brown – Bismillahi ‚Rrahmani‘ Rrahim von Vista, 1975]

5584

Juli 4, 2026

Rechts und links Flügel

Übermenschliche Kräfte

Ich flieg dann mal weg

[The War On Drugs – Under the Pressure, 2014]

5583

Juli 4, 2026

Ein winziger Gott

Versteckt zwischen Mikroben

Hilfloser Träumer

[David Sylvian – The God of Simple Cells Organisms (Text: Haugen) ursprünglich von Uncommon Deities (mit Bang, Honoré, Endresen), 2012 (remixed von Modesto Muñiz, via)]

5582

Juli 3, 2026

Blättergeraschel

Ringeltaubengeturtel

Hoch im Apfelbaum

5581

Juli 3, 2026

Wir tasten uns vor

Da hinten am Horizont

Es gibt noch Hoffnung

[Pat Metheny – America the Beautiful / The People United Will Never Be Defeated]

5580

Juli 2, 2026

Ungeduld, Laster

Dem Genuss im Weg stehend

Selbstregulierend

5579

Juli 2, 2026

Beck, allein zu zweit

Wenn die pedal steel jammert

Wieder in der Spur

[Beck, Sierra Ferrell – Ride Lonesome]

5578

Juli 1, 2026

Sacht und gemächlich

Über die Tasten streichend

Oh Zeit, bleib stehen!

[Erik Satie – Gymnopédie No. 1 (Igor Levit)]

5577

Juni 30, 2026

Andalusien

Von Frühbarock zu Impro

Kammerjazz, lyrisch

[Wolfgang Muthspiel, Collin Vallon, Mario Rom – Atlas]

5576

Juni 30, 2026

Sich beim Durchrechnen

Immer wieder verheddern

Phantomfiguren

[Ellis Schatztruhe: Die drei Kardinalfehler]

5575

Juni 29, 2026

Im Nachbarsgarten

Zwei Elstern verfolgen sich

Schäckern und zetern

5574

Juni 28, 2026

Vom kühlen Keller

Über EG, 1. Stock

Hinauf zur Hölle

5573

Juni 27, 2026

Zweiunddreißig Grad

Um acht am Kühlsten bei uns

Unterm Apfelbaum

5572

Juni 27, 2026

Aus dem Backofen

Glühendheißer Wind kommt auf

Kurz vor 20 Uhr

5571

Juni 27, 2026

Am frühen Abend

Ventilatoren entdeckt

Im Schrank im Keller

5570

Juni 27, 2026

Mutter sagt, Vater

würde viel stärker unter

der Hitze leiden

5569

Juni 27, 2026

Keine Bewegung

Auf Ledersofa liegen

Der Hitze trotzen

5568

Juni 26, 2026

Den Vinho Verde

Schluck für Schluck apprezihiert

Das Wasser auf ex

5567

Juni 26, 2026

Haaland, der Hüne

Exakt so groß wie ich, nur

Vier Kilo leichter!

5566

Juni 26, 2026

Leipziger setzt sich

neben mich im vollen Zug

Hat nicht ganz unrecht

5565

Juni 26, 2026

Reservierung weg

Klimaanlage fällt aus

Verspätung. Normal

5564

Juni 26, 2026

Bedrückte Stimmung

Streicher verheißen Zukunft

Hör ich da Möwen?

[Shearwater – Aqaba von The Great Awakening, 2022]

5563

Juni 26, 2026

Achtundzwanzig Grad

Mitternacht, Vordertaunus

Fenster auf, Luft rein

5562

Juni 25, 2026

Social media

People love being locked up

But not all of them

5561

Juni 25, 2026

Jemand anrufen

Durch Summen der Töne der

Einzelnen Ziffern

5560

Juni 25, 2026

Im aktiven Teil

der Altersteilzeit zu sein

Sehr gutes Gefühl

5559

Juni 25, 2026

Mag nicht das Wort Text

Sich den Bachmann-Wettbewerb

Reinzuziehn hilft nicht

KI bots etc.

Juni 25, 2026

Interessant, dass ich plötzlich keine Besucher mehr aus den USA bekomme seit ich gestern in WordPress unter Settings – Reading eingestellt habe, dass „third parties sharing“ verhindert werden soll. Dafür haben die Chinesen mein kleines Blog nun entdeckt…

5558

Juni 25, 2026

Diese Stimme, die

Dem Überirdischen so

Unglaublich nah kommt

[Shearwater – Xenarthran von The Great Awakening, 2022]

5557

Juni 25, 2026

Twenty past seven

The Sun. Blinking behind trees

I draw the curtains

5556

Juni 23, 2026

Es ist Sommer, wenn

Mir nachts beim Nacktrumlaufen

Immer noch warm ist

5555

Juni 23, 2026

Starke Talk Talk Vibes

Am seidenen Faden hängt

Die Musik im Raum

[Shearwater – Detritivore von The Great Awakening, 2022]

5554

Juni 23, 2026

Frühmorgenkühle

Tiergarten voller Jogger

Auf die Uhr schauend

5553

Juni 22, 2026

Slowly sinking in

His voice an acquired taste

This is an album!

[Shearwater – The Great Awakening, 2022]

5552

Juni 21, 2026

Was ist Faschismus?

Ausgrenzung, Verteidigung

von Phantombesitz

[Eva von Redecker – Dieser Drang nach Härte]

5551

Juni 21, 2026

Letztes Spargelmahl

Johannisbeeren gepflückt

Im Rosenschatten

5550

Juni 21, 2026

Brushed by a feather

British duo’s first, shy steps

Bossa nova charm

[Everything but the Girl – Night and Day (Cole Porter), 1982]

Goldmohn

Juni 20, 2026

5549

Juni 20, 2026

Netz voll Heringe

Panda jagt Islandpferde

Die Rache des Hahns

[Hlynur Pálmason – The Love that Remains, 2 aus 5]

5548

Juni 18, 2026

Feine Mondsichel

Westlicher Abendhimmel

Fünfundzwanzig Grad

5547

Juni 18, 2026

Rickenbacker mimes

Coltrane’s modal jazz sax play:

Psychedelic rock

[The Byrds – Eight Miles High, 1966]

5546

Juni 18, 2026

Um acht Uhr morgens

Am Himmel Schäfchenwolken

Sonne brennt runter

5545

Juni 17, 2026

6 feet under ground

Da ist es angenehm kühl,

feucht, dunkel und still

[Chris Cacavas – Disappear von Anonymous, 1997]

Nothing special

Juni 17, 2026

Die schwarze Nacht hat sich über mich gesenkt

Wie eine warme Decke, die alle Probleme zudeckt

In meinen Ohren rauscht es, ein kosmisches Hintergrundrauschen, das niemals aufhört

Manchmal denke ich, dass ich schreibe, um das Geschriebene sofort zu vergessen

Wie Gewölle, von dem man sich trennen muss

Wie kommt es, dass wir so einsam sind und im Laufe des Lebens noch einsamer werden? Dass es mit den Freundschaften bei mir nicht so hinhaut?

Ein Blog zu haben, in das man etwas schreiben kann, lindert die Einsamkeit ungemein

Mein kindlicher, unkaputtbarer Enthusiasmus, der aber irgendwie keinen Widerhall findet

Könnte es sein, dass ich den Menschen zu viel zumute?

Ich kann tausendmal auf die Schnauze fliegen, ich rappele mich aber immer wieder auf

Ansonsten freue ich mich auf den Hochrhöner, die Rhön habe ich wirklich liebgewonnen in den letzten 2 Jahren

Sie ist abgelegen und in der Mitte (von Deutschland)

Sie bietet herrliche Aussichten und die Kuppen haben so etwas Weiches, Rundes, Liebliches

Und doch kann es sehr kalt sein im Winter

Ich bin sehr gespannt. Wir starten im Süden in Unterfranken in Gemünden am Main, das Ziel ist Bad Salzungen in Thüringen im Norden,  2 Wochen ab Mitte Juli sind angesetzt

Wir werden sowohl die Kuppenrhön im Westen als auch die Lange Rhön im Osten, die übrigens kürzer ist, bewandern

5542

Juni 17, 2026

Nach oben steigen

Alles Gewicht abwerfen

Aufgesaugt werden

[Seefeel – Moodswing, 1993]

5541

Juni 17, 2026

Kimbas Wendepunkt

Negativ korreliert mit

Lufttemperatur

5540

Juni 16, 2026

Lieder von früher

Zeitmaschinen in Jugend

Ich höre mich jung

[The Smiths – Oscillate Wildly von The World Won’t Listen, 1987 (2011 Remaster)]

5539

Juni 16, 2026

Säufst du so weiter,

wird über dich entschieden

und nicht umgekehrt

[W. zu mir, 1988]

5538

Juni 16, 2026

ins wasser springen

sich ins meer tragen lassen

von dem wellenkamm

[experimental aircraft – symphony, 2002]

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Juni 15, 2026

Sakrale Klänge

Die Himmelsleiter hinauf

Tanz auf Lichtstrahlen

[Boards of Canada – You Retreat in Time and Space von Inferno (s.a.)]

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Juni 15, 2026

Absturz auf Party

Alleinsein in der Menge

Nur noch heimwollen

[Ryan Adams – Anybody Wanna Take Me Home von Love Is Hell, 2004]

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Juni 14, 2026

Sonntagnachmittag

Sich jedem Ton hingeben

Auf dem Weg zum Glück

[Steve Swallow – Two von Winter Songs]

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Juni 14, 2026

Unterm Blätterdach

Im Hängesessel schaukelnd

Immer im Kreis rum

5533

Juni 12, 2026

Sommermorgen, kühl

Luft voll Lindenblütenduft

Kaum Straßenverkehr

5532

Juni 9, 2026

Zum Freistundenhof

Ohne Handy, Perso, Geld

Zur Freiheit verdammt

[Caligula, Inferno (Camus/Dante) Premiere vom aufBruch-Theater in der JVA Tegel]

5531

Juni 8, 2026

Sofort aus dem Stand

Melodie mitten ins Herz

Das können nur sie

[Teenage Fanclub – Going Places von Grand Prix, 1995, cf. ]

5530

Juni 7, 2026

Aus Fesseln befreit

Gitarre zeigt Gefühle

Frisst sich ins Gehirn

[Funkadelic – Maggot Brain, 1971]

5529

Juni 7, 2026

Gut durchgekommen

Alle Staus und Unfälle

Auf Gegenfahrbahn

5528

Juni 6, 2026

Eigentlich wollten

Wir ja beim Konzert sein, doch

Es war ausverkauft

[Element of Crime – Weißes Papier, 1993]

5527

Juni 5, 2026

Die Saison vorbei

Englische Badeorte

So herrlich schön tot

[Morrissey – Everyday Is Like Sunday von Viva Hate, 1988]

5526

Juni 4, 2026

Von alten Tanten

Die besten Patiencen

In Jugend gelernt

5525

Juni 4, 2026

Improvisieren

Wenn Komponieren und Spiel

zusammenfallen

[Johanna Summer – Arrival von Dialoge]

5524

Juni 3, 2026

Kokon aus Saiten

Schmerzlicher Liebeswirrwarr

Neu anfangen. Nackt.

[Big Thief – Carry (1st song of acoustic session)]

5523

Juni 2, 2026

Kurz vor 4 morgens

Vogelgezwitscher hebt an

Verdammte Vögel

5522

Juni 1, 2026

Nach dreizehn Jahren

Sie können es immer noch

Die Welt verzaubern

[Boards of Canada – You Retreat in Time and Space von Inferno]

5521

Mai 31, 2026

Hoch am Firmament

funkeln Gitarrensaiten

Wüstennordlichter

[Meat Puppets – Aurora Borealis von II, 1984]

5520

Mai 30, 2026

Die Pergola hoch

ranken hunderte Rosen

Dornig, kräftig pink

5519

Mai 30, 2026

In der Wiese zirpt

am Wegrand eine Grille

Der Sommer gemacht

[Bei Schönholz, s.a.]

5518

Mai 30, 2026

Ohne Hijab raus

Auf die Straßen Teherans

Mit Kopfhörerschutz

[Albinoni, Giazotto – Adagio in g-moll (Berliner Philharmoniker), via]

66 Seen Weg, Pfingsten 2026, 6 Melchow – Falkenberg 23

Mai 30, 2026

Nach einer sehr schlechten Nacht nehmen wir unser selbstgebasteltes Frühstück in der Küche ein. Ich futtere nach einem Mango-Smoothie ein Börek, ein Croissant, ein pain au chocolat und ein halbes Pfund sehr trockenen Quark mit einer Birne. Dazu schwarzen Tee.

Heute sind meine Füße und Beine bleischwer,  die Knie eingerostet, die Waden steinhart. Die anstrengende Etappe vom Vortag zusammen mit der schlechten Nacht und evtl. dem Rotwein haben ihren Tribut gefordert. Unsere heutige Etappe ist sehr naturnah und sicherlich eine der schönsten und idylischsten des ganzen Weges.

Wir gehen durch den gut 1000 Einwohner – die Zahl steigt – zählenden Ort, der durch die Anbindung ans Netz der deutschen Bahn interessant für Berlinpendler ist und kommen an der geschlossenen Kirche und einem historischen Haus mit Stuckverzierungen vorbei.

Melchow, Kirche
Melchow, Wohnhaus

Heute ist es wieder etwas wärmer geworden, die Sonne brennt runter auf unsere mit den Fischerhüten gut geschützten Köpfe. Kurz vor Schönholz höre ich sprudelnde Töne in der Luft. Es ist eine Heidelerche. Im Ort machen wir kurz Rast am Löschteich im Baumschatten.

Schönholz, Zentrum

Wir wählen nun die südliche Variante des Weges durch das sumpfige Gebiet des Nonnenfließes, wo es von Mücken wimmelt. Zudem gibt es hier viele Brennnesseln am teilweise leicht zugewachsenen Pfad. Wir sind schon wie während der ganzen Wanderung in kurzen Hosen unterwegs.

Nonnenfließ

Hinter dem grünen Dickicht zeichnet sich Helmschrots verwunschene Neue Mühle ab, die heute für Gruppenseminare gebucht werden kann. Wir wundern uns etwas, wie die schwache Fließgeschwindigkeit des Wassers hier eine Mühle angetrieben haben soll.

Helmschrots Neue Mühle

Wir gelangen nun in offeneres Gelände, wo wir schneller vorankommen. Über eine Rinderweide geht es nach Trampe, wo wir die Mittagspause bei Kartoffelsalat sowie Kaffee und Cola einlegen. Damit bekämpfe ich meinen gefühlten Magnesium- und Mineralstoffmangel.

Vor Trampe
Lupine

Anschließend werden meine Waden auch weicher und ich habe eine Weile lang das Gefühl, es geht sich von selbst. Zudem werde ich plötzlich gesprächig – am Vormittag hatte nur H. geredet – und ich schleppe mich nicht mehr hinter ihm her.

Nachdem wir im Wald die nördliche Ecke des Gamensees – der Umweg zur Badestelle, wo wir vor 7 Monaten auf dem Oderlandweg schon mal ins Wasser gegangen sind, ist uns zu weit – streifen, kommen wir nun hinein nach Cöthen. Die Schinkelkirche ist erneut geschlossen. 

Cöthen, Schinkelkirche

Wir machen wiederum eine Rast im Gut, wo uns die junge, wiederum barfüßige, sympathische Besitzerin wiedererkennt. Es wird gerade ein Anbau gebaut, von dem aus die historische Dampfmaschine über einen Dampfkessel angetrieben werden soll.

Die letzten drei Kilometer durch den Wald bis nach Falkenberg kriegen wir jetzt auch noch hin. Auf der Carlsburg können wir noch den weiten Blick nach Osten Richtung Oder genießen.

Eine schöne, abwechslungsreiche Wanderung findet ihr Ende. Der erste von womöglich drei Teilen der weitläufigen Berlinumrundung auf Schusters Rappen ist geschafft. Mal sehen, wie es weitergeht. Wir fahren mit Regionalzügen über Eberswalde und Bernau zur Yorckstraße und von da mit der S-Bahn zurück nach Wilmersdorf.

Falkenberg, Blick von Carlsburg

Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.

66 Seen Weg I, Pfingsten 2026, 5 Wensickendorf – Melchow 30

Mai 29, 2026

Wir beginnen die sowohl von der Länge als auch von den Höhenmetern anspruchsvollste Etappe mit einem Frühstück im Festsaal, wo offensichtlich bald eine Feierlichkeit bevorsteht. Heute werden wir zehn Seen sehen und insgesamt 9,5 Stunden unterwegs sein. Wir sind bereits vor acht Uhr auf der Strecke.

Wensickendorf, Landhotel

Das Wetter ist angenehm, nicht mehr so hochsommerlich wie vor zwei Tagen, mit Temperaturen etwas über 20 Grad. Im Wegstück Richtung Stolzenhagener See hören wir immer wieder den hohen Gesang der Gartengrasmücken, die hier in den Bäumen sitzen. Am See hat jedes Grundstück einen Steg, teilweise mit Veranda und Bank, die Tore sind alle abgeschlossen.

Stolzenhagener See

Hinter dem noch geschlossenen Strandbad liegt direkt der Wandlitzsee, dessen Wasser sehr sauber ist und den wir unter den Augen eines Radfahrers beschwimmen. Am Ufer sehen wir einen Buntspecht, eine Elster sowie eine Amselfrau, die das Laub mit dem Schnabel durchwühlt.

Wir gehen nun die nach dem westdeutschen Kommunisten Phillipp Müller, der 1953 von der Polizei bei einer verbotenen Demo gegen die Wiederaufrüstung in Essen 1953 mit 21 Jahren erschossen wurde, benannte Uferstraße, an der einige Villen liegen, entlang. Am Chausseerand bröckelt der Asphalt ab, so dass ich ins Straucheln komme und auf die Knie falle. Glücklicherweise habe ich nur leichte Schürfungen.

Wandlitzsee

In Wandlitzsee trinken wir draußen vor dem Ristorante alla Fontana, in dem wir vor zwei Tagen bereits gegessen hatten, einen der schlechtesten Cappuccinos meines Lebens und kaufen noch Obst etc. ein.

Hinter Wandlitz erreichen wir die drei heiligen Pfühle, an deren Ufer sehr viele umgestürzte Bäume liegen, die wie H. sofort bemerkt, vom Biber abgesägt wurden.

Der Biber war hier

Hier gehen wir ein Stück in die falsche Richtung und folgen dann für eine Weile dem Liepnitzsee mit der in der Mitte liegenden Großen Werder, zu der man mit einer Fähre übersetzen kann. Die Endmoränen von der letzten Steinzeit sorgen heute für ein abwechslungsreiches Höhenprofil mit viel Auf und Ab.

Liepnitzsee

Wir beobachten einen Reetdachdecker dabei, wie er das Reetdach eines Bistros abklopft und glattzieht.

Liepnitzsee
Regenbogensee

Die Tierwelt kommt heute auch nicht zu kurz. Neben einem Mandarinentenpaar, das H. bestimmt und das vor uns davonschwimmt, sehen wir später am Obersee auf einem Baumstamm im Wasser eine Wasserschildkröte. Dort sind auch sehr viele Fische im Baumschatten am Ufer, das Wasser ist kristallklar und wir gönnen uns eine weitere Abkühlung.

Vorher hatten wir Ützdorf passiert und waren unter der A11, die nordwärts nach Stettin führt, durchgewandert. Außerdem treffen wir ein junges Paar mit langer, schwarzer Hose und Rucksack, die ihrem Hund überallhin folgen.

Mandarinenten

H. fällt auch hier wieder zuerst auf, was der verschiedene Baumbewuchs ausmacht. Links lichte Kiefern und relativ viel Bodenbewuchs, rechts Fichten und durch den Schatten weniger Vegetation am Boden.

Weg

Wir gehen nun unter der A11, die nach Stettin führt, lang zum Obersee. Auf einem Baumstamm im See sonnt sich eine Wasserschildkröte, die kurz bevor ich auf den Auslöser drücke, in den See taucht und von uns nicht mehr gesehen wird.

Obersee: Und weg ist sie

Ein Stück weiter sind Bänke und ein Spielplatz, wo wir beide etwas schaukeln und dann in das sehr saubere, angenehm temperierte Wasser gehen. Ich kann immer noch auf dem Rücken liegen, ohne unter zu gehen, mein Fettanteil ist noch hoch genug.

Obersee, Fische am Uferrand
Obersee

Der nächste Ort ist Lanke, kurz vorher eine Badestelle mit Steg und ein Lokal.

Nun geht es ein langes Stück am Hellsee lang. Anschließend durch den Wald an mehreren Fließen vorbei nach Biesenthal. Man muss hier in Bewegung bleiben, sonst stürzen sich sofort Schwärme von Mücken auf einen. Wir sind ein einfaches Ziel mit unseren kurzen Hosen, wehren uns aber wacker mit Mückenspray.

Hellsee
Rudnitzer Fließ

In Biesenthal kaufen wir Salat und Rotwein für heute Abend, sowie unser Frühstück für morgen. Dabei fällt auf, dass wir durchaus verschiedene Präferenzen haben, jeder kauft sich seine eigenen Ingredienzen.

Biesenthal, Marktlinde

Die letzten 4 km nach Melchow erst an der Straße, dann an einem Getreidefeld mit singenden Feldlerchen über uns entlang, schaffen wir jetzt auch noch. Etwas erschöpft und verschwitzt kommen wir im Begegnungszentrum an, wo der Schlüssel im Safe hinterlegt ist und wir den Abend mit Spaghetti in Tomatensauce, gemischtem Salat und einer Flasche Corbières ausklingen lassen. Um 10 fallen wir ins Bett.

Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.

5517

Mai 28, 2026

Wolkenkuckucksheim

Der Himmel voller Farben

Ready for take-off?

[The Orb feat. Rickie Lee Jones – Little Fluffy Clouds, 1990]

66 Seen Weg I, Pfingsten 2026, Wensickendorf Ruhetag

Mai 28, 2026

Gestern war unser Ruhetag. Ich schlafe nach der anstrengenden Vortagsetappe wie ein Murmeltier. H. hat die ganze Nacht Wasser getrunken und sein Dehydrierungsproblem gelöst.

Wir frühstücken im Herrenzimmer fürstlich mit Spiegelei etc. Ich werde heute viel Zeit mit meinem Laptop in dem besagten Zimmer verbringen, da ich noch etwas fertigstellen muss. Ohne Maus und mit kleinem Bildschirm dauert alles doppelt so lange.

Draußen an der Wand eines Lagergebäudes steht ein Spruch, der mich zum Nachdenken anregt. Er scheint symptomatisch für die Seelenlage der Ostdeutschen zu stehen. Für ihre Widerborstigkeit gegen den Staat – egal ob DDR oder BRD – ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und ihren Freiheitswillen. Ironischerweise angeblich geschrieben vom Verfasser des Deutschlandliedes, das er auf Helgoland schrieb. Wobei dieser Spruch nirgendwo in seinen Werken aufzutauchen scheint.

Wensickendorf, Wandspruch

Mittags gehen wir bei schönstem Sonnenschein – die Temperaturen haben sich heute auf etwas über 20 Grad abgekühlt – hinüber zur natürlich geschlossenen Feldsteinkirche. Auf der anderen Straßenseite ein ebenfalls geschlossener Imbiss bzw. Partyservice, das Schlemmerkörbchen.

Weißdorn
Wensickendorf, Kirche

Beim Bäcker nehmen wir im familiären Ambiente des Hinterzimmers eine Soljanka sowie Kaffee und sehr leckeren Kirschkäsekuchen zu uns. Der Laden läuft gut.

Unser Hotel strahlt im Sonnenschein. Es ist mit dem Haus Oranienburg verbunden, war früher ein Gutshof und stammt aus der kurfürstlichen Zeit. Heute wird es gerne für Hochzeiten und Events wie Spätfrühstücke – also Brunche – genutzt.

Wensickendorf, Landhotel

Abends nehmen wir den Bus nach Osten in Richtung Rahmer See, wo in 5 km Entfernung das nächste Restaurant ist. Es gibt dort solide deutsche Küche, von den 24 Schnitzeln wähle ich die Romavariante mit Tomaten und überbackenem Feta. Absolut empfehlenswert.

Auf dem Rückweg werfen wir noch einen Blick in den öffentlichen Bücherschrank in einer Ex-Telefonzelle an der Bushaltestelle. H. kann Thor Heyerdahls Buch über seine Fahrt mit einem Schiff aus Papyrus von Marokko über den Atlantik nach Barbados nicht widerstehen, ich finde ein schmales Lexikon über Weinirrtümer.

Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.

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Mai 28, 2026

In Rückenlage

Ausatemzüge zählen

Bettschwere spüren

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Mai 28, 2026

Nach sechs Stunden Schlaf

Durch das winzigste Geräusch

Aufgeweckt werden

5514

Mai 27, 2026

Sich den ganzen Tag

Mit fast jedem Schritt quälen

Und doch fortfahren

5513

Mai 27, 2026

Auf leichten Flügeln

Ein lauer Sommerabend

From London with love

[Tom Misch – Days of Us feat. Kaidi Akinnibi (via)]

66 Seen Weg I, Pfingsten 2026, 4 Henningsdorf – Wensickendorf 25

Mai 27, 2026

Nach einer Nacht, in der sich mein Körper den nötigen Schlaf holt, frühstücken wir gleichzeitig mit der am Vorabend eingetroffenen Busladung Schweden. Wir setzen uns nach draußen in den Innenhof, um Ruhe zu haben. Das Frühstücksbüffet ist reichlich.

Der Vietnamese gestern Abend muss Zusatzstoffe wie Maltodextrin ins Bami Goreng gemischt haben, ich habe schon morgens durchsichtige flotte Lotte.

Im Drogeriemarkt um die Ecke besorge ich mir Mückenspray, Sonnencreme und Ureafußcreme. Anschließend noch ein Bulettenbrötchen beim Bäcker.

Heute steht die bisher härteste Etappe auf dem Programm. 25 Km bei Temperaturen bis 27 Grad. Allerdings haben wir meistens Schatten. Der Wasserbedarf ist trotzdem enorm. Am Nachmittag spüre ich, wie sich mein Kopf im Briesetal stark erhitzt.

Gleich beim Hinausgehen an der Ausfallstraße, die nicht für Fußgänger zugeschnitten ist, kommen wir in Konflikt mit einem Radfahrer, der auf dem schmalen, nur schwer erkennbaren Radweg rumpöbelt, weil wir nicht schnell genug zur Seite springen.

Henningsdorf, Havel

Wir gehen auf einem Teil des Mauerwegs über die Havel. Danach kommt eine junge Frau mit angeleintem Kampfhund und schreit uns an, wir sollten Platz machen. Eine latente Aggressivität hängt in der Luft.

Es geht nun durch den Laubwald, wir kommen unter der Bahn durch, die von Marquardt bis Gesundbrunnen führt und mit der wir am Ende des ersten Wandertages über Jungfernheide zurück nach Hause gefahren waren. Wir teilen unseren Weg für eine Weile mit dem Radweg Berlin-Kopenhagen. Es geht über eine kombinierte Radfahrer-, Fußgängerbrücke über die A111, die die westlichen Berliner Stadtteile mit dem Autobahnring A10 verbindet.

Wir kommen nun nach Birkenwerder. Es fällt auf, dass heute alle möglichen Einkehrorte auf dem Weg geschlossen sind. Auch die Havelbaude öffnet nur von Freitag bis Sonntag.

Havelbaude

Nach dem kleinen städtischen Mönchsee, an dem zwei junge Burschen in kompletter Anglermontur uns darauf hinweisen, ruhig zu sein, um nicht die Karpfen zu verschrecken, kommen wir jetzt zum schon außerhalb des Ortes gelegenen Boddensee. In Ufernähe liegen viele Äste am Seeboden, die für die Füße schmerzhaft zu begehen sind, aber nach zwei, drei Metern wird der Grund schlammig und wir stürzen uns zur Abkühlung in die Fluten. Herrlich! Hier halten wir auch unsere Mittagsrast, das Bulettenbrötchen mit Ketchup und Zwiebeln mundet hervorragend.

Nachdem wir die A10 und die Bahnstrecke von Berlin nach Oranienburg unterquert haben, kommen wir auf einen Holzbohlenweg durch das Briesetal, dem wir jetzt für viele Kilometer folgen werden.

Briesetal, Holzbohlen

Hier werden wir von den Erlen vor der starken Sonneneinstrahlung geschützt. Das Mückenspray bewährt sich.  Auf alten, zum Teil verrottenden Baumstämmen hängen immer wieder zum Teil recht große Populationen von Porlingen, worauf H. mich aufmerksam macht. H. hat in seiner Jugend einen Jagdschein gemacht und sieht im Wald mehr als ich.

Briesetal, Porlinge

Ich höre, wie schon die vergangenen Tage, immer wieder einen Kuckuck rufen. Was er mir wohl sagen will? Dass ich besser auf meine Umwelt achten soll?

Mir fallen hier die vielen Grüntöne und die Wasserspiegelungen auf, die die Natur verzaubern.

Briesetal

Wir kommen an einer Einrichtung für Suchtkranke am Briesesee vorbei. Man kann sich gut vorstellen, dass sich die idyllische, ruhige, naturnahe Lage positiv auf die Rekonvaleszenz der Patienten auswirkt.

Die Erlen stehen oft im Wasser, die umgefallenen Bäume zersetzen sich langsam und werden irgendwann zu Torf. Nach einer Weile – wir laufen gut 2 Stunden an der Briese entlang – haben auch wir uns satt gesehen am Erlenbruch und erreichen die von vielen Lkw befahrene Summter Chaussee.

Briesetal

Hier geht es weiter geradeaus zur Zühlsdorfer Mühle, wo überall Nutzholz rumliegt. Von hier sind es nur noch drei Km auf sandigem Pfad durch den Kiefernwald nach Wensickendorf. Wir sind hier in einer völlig anderen, für Brandenburg typischeren, trockenen Vegetationszone.

Wensickendorf

An der Summter Chaussee im Ort erfrische ich mich mit einem Softeis, unser historisches Landhotel liegt an der T-Kreuzung zweier Hauptstraßen, wir kommen im ruhigen hinteren Bereich unter.

Da es hier keinerlei Restauration gibt, fahren wir mit Bus und Bahn über Wandlitz nach Wandlitzsee, wo wir beim Italiener im riesigen Wintergarten mit Blick auf Strandbad und See die am Tag verbrannten Kalorien wieder zu kompensieren versuchen. Ich verschlinge meine Gemüsepizza Ancona mit Knoblauch mit gesundem Appetit. Der Rückweg gestaltet sich komplex, da wir in Wandlitz versehentlich den Bus nach Bernau nehmen. Als wir den Fehler bemerken, steigen wir im Wald an der Haltestelle Anglersruhe aus, wo uns derselbe Busfahrer nach einer  halben Stunde wieder lachend aufsammelt. Hier wäre noch so gut wie nie jemand zugestiegen, wir wären gut für die Statistik.

Morgen legen wir einen Ruhetag ein. H. wird seinen durch Dehydration leicht angeschlagenen Körper auskurieren, ich ein bisschen Statistik treiben. Übermorgen geht es dann weiter mit der Königsetappe von Wensickendorf nach Melchow.

Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.

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Mai 26, 2026

Sich ganz auflösen

Verschmelzen mit dem andern

Und der merkt es nicht

[Mazzy Star – Fade into You, live at Shoreline Amphitheatre 1994]

66 Seen Weg I, Pfingsten 2026, 3 Brieselang – Henningsdorf 23,5

Mai 26, 2026

Ich verbringe eine gefühlt schlaflose Nacht mit vielen Schlafunterbrechungen, bin am nächsten Morgen dank zweier Sprühstöße Melatonin jedoch trotzdem recht ausgeruht.

Wir frühstücken im Gemeinschaftsraum unserer Unterkunft. Der mit Frischkäse gefüllte Hefezopf und der Naturjoghurt munden sehr gut. Wir treffen auf eine Frau aus Stuttgart mit einem Pekinesen namens Big Boy. Sie ist alleine mit dem Nachtzug für das Pokalfinale angereist.

Wir sind bereits 8h23 auf unserem Weg und springen in den bereits gut frequentierten, sehr angenehm temperierten, nagegelegenen Nymphensee.

Brieselang, Nymphensee

Der heutige Pfingstmontag beschert uns wiederum hochsommerliche Temperaturen. Es geht anfangs am Havelkanal entlang, später kommen wir in den Wald, wo mir die letzten Tropfen meines grünen Fläschchens Anti-Brumm gute Dienste gegen die Mückenschwärme leisten.

Strommasten

Am Kanal hängen zwischen den Erlen drei Hängematten. Drei junge Männer genießen das dolce far niente.

Havelkanal

Es geht sich heute besser als gestern, der Naturweganteil ist größer und die Füße haben sich eingegroovt. Auf dem Weg treffen wir vor der Schönwalder Schleuse niemanden. Dort kommen uns Leute mit Rädern entgegen, andere rasten.

Schönwalde, Schleuse

H. weist mich darauf hin, dass man im Wald schön beobachten kann, wie der lichte Mischwald zu einer ausgiebigen Bodenbewachsung geführt hat, während der reine Laubwald weniger Licht durchlässt und der Boden unbewachsen und stattdessen mit abgefallenen Blättern bedeckt ist.

Schönwalde, Mischwald
Schönwalde. Laubwald
Schönwalde, Wegweiserstein

In Schönwalde Dorf rasten wir in einer überdachten Bushaltestelle, die etwas Schatten spendet. Hinter uns sitzt ein Typ im mittleren Alter auf dem Fensterbrett eines Hauses oben im 1. Stock und glotzt aufs Handy, ohne von seiner Umwelt Notiz zu nehmen.

Die barocke Schönwalder Kirche mit einer Wagner-Orgel von 1739 – der Silbermann des Nordens – ist uns leider verschlossen.

Schönwalde, Kirche

Hier in der Gegend sind sehr viele Pferdehöfe, wir sehen eine junge Frau auf der Reitbahn Dressur üben. Zudem sind Heerscharen von Radlern – sowohl E-Bikes als auch Rennräder – unterwegs, Fußgänger treffen wir kaum. Ein Radler will uns einen anderen, angeblich kürzeren Weg nach Henningsdorf an der Hauptstraße weisen und schüttelt den Kopf über unsere Beratungsresistenz. Er kennt offensichtlich nicht den schönen sandigen Weg durch den Wald, der nicht länger ist.

Weg

Gegen 15 Uhr kommen wir an unserem abgerockten Hotel im Zentrum von Henningsdorf an und checken ein. In Henningsdorf wurde 1910 von dem AEG-Gründer Emil Rathenau, dem Vater von Walter, die Abteilung Flugzeugbau angesiedelt, die 1912 ein erstes Holzflugzeug  baute. Heute ist Alstom im Bereich Bahntechnik tätig. Nach der Dusche und Siesta laufen wir durch die Fußgängerzone und essen wieder draußen bei einem Vietnamesen. Ich nehme Bami Goreng, was mich an meine Kindheit erinnert, wo wir gelegentlich beim Indonesier in Venlo essen waren. H. trinkt zum Abschluss einen vietnamesischen Kaffee auf Kondensmilch, der bestimmt 10 Minuten durchs Sieb tropft, bevor er fertig ist.

Am Hauseingang gegenüber spielt sich ein kleines Familiendrama ab. Eine junge Frau steht an der Tür mit ihren ca. 6-7 jährigen Kindern. Das Mädchen liegt am Boden mit einer kleinen Wunde am Knie, ihr Bruder hat sie wohl geschubst. Der Bruder läuft auf Zehenspitzen mit einem völlig nach innen verrenkten Fuß. Nachdem Mutter und Tochter ins Haus gegangen sind, sperrt er sich versehentlich aus, weint bitterlich und wird schließlich von seiner Mutter getröstet.

Henningsdorf, Postplatz, KZ-Gedenkstätte

Zum Abschluss trinken wir im verlassenen Außenbereich hinter dem Hotel noch ein Absackerbier und lassen den lauen Abend mit guten Gesprächen ausklingen.

Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.

66 Seen Weg I, Pfingsten 2026, 2 Marquardt – Brieselang 22

Mai 25, 2026

Nach einer erholsamen Nacht im heimischen Bett machen wir uns am Pfingstsonntag um viertel vor acht auf zur U-Bahnstation. Wir haben Glück mit den Verbindungen, der Regionalzug nach Potsdam muss auf den Zug einer anderen Gesellschaft warten, der anschließende Zug nach Marquardt wartet aber ebenso. In Marquardt steigen außer uns zwei weitere Wanderer aus, die vor uns laufen.

Das Wetter ist sommerlich mit Temperaturen um die 25 Grad, morgens ist es noch angenehm kühl. Wir gehen die Alternativroute über Uetz, ein verschlafenes Nest, das bereits Fontane bereiste, der sich hier von einem wegen zunehmend schlechter Geschäfte griesgrämigen Fährmann über die Wublitz übersetzen ließ. Mit dem Bau der Reichsautobahn – heute der knapp 200 km lange Autobahnring A10 um Berlin – in den 30er Jahren verlandete die Wublitz und die Fährstelle verschwand völlig.

Nachdem ich ein Foto des Protestplakats an dem Zaun eines Hauses gemacht habe, kommt eine Frau aus dem Haus und stellt sich hinter uns ostentativ auf den Weg, willkommen scheinen wir hier nicht zu sein.

Uetz

Es geht nun an verblühten Rapsfeldern vorbei hinauf auf den Galgenberg. Ich höre den glucksenden Gesang einiger Feldlerchen in der Luft. Ein großer Feldhase steht weit vor uns auf dem Weg. Am Feldrand neben Mohn auch Kornblumen, der Pestizideinsatz scheint begrenzt zu sein.

Galgenberg

Wir kommen nun zum Havelkanal, der auf 34 km von Paretz bis Henningsdorf die um Berlin mäandernde Havel mit sich selbst verbindet. Er wurde zu DDR-Zeiten angelegt, um Westberliner Gebiet zu umschiffen. Heute erfüllt er so gut wie keinen praktischen Zweck mehr und wird vor allem von privaten Motor- und Paddelbooten in der Freizeit genutzt. Einen großen Teil der Strecke gehen wir im Schatten von Erlen. Vor uns stolziert eine Bachstelze.

Havelkanal

Auf der anderen Seite des Kanals sehen wir zwei unscheinbare Graureiher, die unbeweglich dastehen und auf das Wasser nach Fischen schauen.

Eine zehnköpfige Entenfamilie schwimmt in Formation in unsere Gehrichtung. Die Vegetation ist üppig und vielfältig. Später als der Weg hinter Wustermark zum Wiesenweg wird, höre ich Mönchsgrasmücken ihr abwechslungsreiches Liedchen zwitschern.

Havelkanal, Entenfamilie

Der Weg heute ist zwar etwas eintönig, aber meist angenehm zu gehen. In Wustermark esse ich ein großes, erfrischendes Heidelbeersofteis an einem Eisstand, Einkehrmöglichkeiten gibt es nirgendwo.

Wustermark, Mohn

Tief über den Wiesen fliegen Schwalben. Unter einer Brücke treffen wir unsere Mitwanderer wieder, die in großen Abständen Tagesetappen auf dem 66 Seen Weg machen, von der Natur begeistert sind und etwas neidisch auf uns sind, die wir mehrere Etappen hintereinander machen und vor Ort übernachten.

In Brieselang liegt unsere Unterkunft am westlichen Ortsende hinter dem Bahnhof. Der Weg zieht sich ewig. Wir gönnen uns eine türkische Pizza, dazu schlürfe ich zwei kleine Ayranbecher. Unsere Unterkunft liegt an der Hauptstraße durch den Ort. Später nach der Dusche und Siesta gehen wir noch einmal raus um einen nahegelegenen, kleinen See und essen vietnamesisch. Der Tofu ist sehr weich und hat nur wenig Geschmack.

Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.

66 Seen Weg I, Pfingsten 2026, 1 Potsdam – Marquardt 20

Mai 24, 2026

Pfingstsamstagmorgen, herrlichstes Sommerwetter und mein Nachbar H. und ich starten die nächste Wanderung, eine Woche auf dem 66 Seen Weg um Berlin. Hierzu fahren wir erstmal nach Potsdam, wo wir gegen 9 den Alten Markt mit der Nikolaikirche, dem Landtag und den Museen nahezu für uns allein haben. Da sich in Potsdam eine Sehenswürdigkeit an die andere reiht, bleiben wir oft stehen und kommen hier noch nicht richtig in unseren Wanderfluss.

Potsdam, Alter Markt

Der 66 Seen Weg startet am Brandenburger Tor am Ende der Fußgängerzone. Die erste Baummarkierung mit dem blauen Punkt ist schon etwas verblichen, insgesamt ist der Weg heute nur sehr sporadisch markiert, aber ich habe ja den GPS-Track.

Potsdam, Brandenburger Tor, Startpunkt 66 Seen Weg

Das erste Highlight ist der Park von Sanssouci, in den wir am Obelisken einsteigen. Hier treffen wir auf eine Joggerin und sehen links die Friedenskirche. Von Schinkel bzw. Persius, seinem Schüler werden wir heute noch einige der charakteristischen, den italienischen Cantabiles aus der Renaissance nachempfundenen Türme sehen.

Potsdam, Obelisk
Potsdam, Friedenskirche

Rechts im Park erreichen wir die Neptungrotte, die innen u.a. mit Jakobsmuscheln versehen ist, wie passend!

Potsdam, Neptungrotte, Detail

Am Schloss stehen die Worte „Sans, Souci.“. Eine zufriedenstellende Antwort auf den Sinn der ungewöhnlichen Schreibweise können uns weder die Einheimischen noch die KI geben. Es gibt sogar ein versponnenes Buch zum Thema. Evtl. liegen ästhetische Gründe vor. Im Museumsshop erstehe ich ein zweisprachiges Reclamheftchen mit Mark Twains The awful German language.

Potsdam, Sans, Souci.

Hinter dem Schloss kommen wir zur Alten Mühle, hier steht ein Flötenspieler in der Tracht Friedrichs des Großen, der in einer Flötenpause versucht, mit vorbeiflanierenden Touristinnen ins Gespräch zu kommen.

Potsdam, Alte Mühle

Bald stoßen wir auf den Bornstedter See zur Linken. Weiter geht es durch den Wald zum Ruinenberg, wo das Wasser zum Betrieb der großen Fontäne im Park Sanssouci hochgepumpt wurde. Von hier gibt es eine schöne Aussicht nach Potsdam, die wir leider nicht genießen.

Potsdam, Ruinenberg

Wir kommen zu der Alexandrowka, der Holzhaussiedlung, die Friedrich Wilhelm III.  für die russischen Chorsänger errichten ließ. Sie werden z.T. noch heute von Nachkommen bewohnt, es gibt u.a. ein russisches Restaurant.

Potsdam, Alexandrowkahaus

Der nächste See, der Heilige See, ist rechts zu sehen. Am Marmorpalais weist mich H. auf ein Schauspiel am Himmel aufmerksam. Drei Krähen attackieren immer wieder einen Greifvogel im Flug mit den Schnäbeln, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und majestätisch durch die Luft schwebt.

Wir kommen zum Cäcilienhof, wo im Sommer 1945 Churchill, Stalin und Truman u.a. um die Zukunft Deutschlands verhandelten. Hier ist eine Baustelle, an der wir seitlich vorbeigehen zur Alten Meierei.

Potsdam, Cäcilienhof

An dem pünktlich um 12 öffnenden Biergarten halten wir Rast und haben von hier eine schöne Sicht auf den Jungfernsee, auf dem auch Personendampfschiffe unterwegs sind.

Potsdam, Alte Meierei

Nun geht es hinauf zum Pfingstberg, den eine private Gesellschaft meint, okkupieren zu können. Wir kommen an der Russisch-Orthodoxen Kapelle vorbei, in der ich mich über Google Translate mit der Russin am Eingang austausche. Es gibt hier für alle offene Gottesdienste.

Potsdam, Russisch-Orthodoxe Kirche

Der Rest des Weges verläuft flach im Barnimer Flur. Endlich können wir mal etwas Strecke machen. Wir kommen am Persiusturm – wieder in der Form eines schlichten Cantabile – vorbei und schließlich zum verwunschenen Park des Schlosses Marquardt. Hier finden wir eine gut besuchte Badestelle und stürzen uns langsam – das Wasser ist in Ufernähe sehr seicht – in die Fluten. Die Temperaturdifferenzen zwischen Oberfläche und tiefer unten sind enorm.

Bornimer Feldflur

Am ersten Ziel, dem Bahnhof Marquardt angekommen, nehmen wir den Regionalzug nach Jungfernheide, wo wir in die U7 zurück nach Wilmersdorf steigen. Ich habe in Marquardt kein Quartier gefunden, so dass wir zuhause übernachten dürfen. Ich spüre meine Füße und erhole mich auf dem Balkon bei zwei Weißbier.

Hier ist die Übersicht über die Wanderung auf dem 66 Seen Weg Ende Mai 2026.

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Mai 23, 2026

Tiefste Melodie

Tränenbäche, die Wangen

Hinunterstürzend

[King Crimson – Starless von Red, 1974, s.a.]

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Mai 23, 2026

Drei Krähen greifen

Am Himmel den Greifvogel

Immer wieder an

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Mai 22, 2026

Alleine gehen

Unterwegs immer wieder

die Gleichen treffen

[Cornelia Koch – Nach Santiago wollte ich nie]

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Mai 21, 2026

Autobahnbrücken

Demos gegen Regierung

Für Frieden. Echt jetzt?

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Mai 21, 2026

Nicht in der Playlist

Song im Autoradio

Hab ihn gefunden

[The xx – Chained von Coexist, 2012]

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Mai 21, 2026

Stau. Kleinmachnow ab.

Bache, Eber, Frischlinge

überquern Straße

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Mai 21, 2026

Lange Kolonne

der Bundeswehr überholt

vor Herleshausen

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Mai 20, 2026

Inkompatibel

Meine diversen Freunde

Untereinander

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Mai 20, 2026

Ein vages Tasten

Aus dem Nichts heranfliegend

Ein Schleier aus Samt

[Tuxedomoon / Cult With No Name – Do It for Van Gogh von Blue Velvet Revisited, 2015]

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Mai 19, 2026

She brings me water

Sweeter than wine, when she smiles,

She smi-iles for me

[Rain Tree Crow – Pocket Full of Change, 1991]

5500

Mai 18, 2026

A guitar that jangles

Sounding like a bell that chimes

Both will never lie

[The Eighteenth Day of May – Sir Casey Jones, 2005 (via)]

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Mai 17, 2026

Der schlechte Leumund

Unsres nächsten Verwandten

In Bezug auf Sucht

[Low – Monkey, 2005]